Alltägliches Leben in Jerusalem - Sarkastische Stories - Witziges und Ernstes --------
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Wieviele Hits meine Blogs bekommen interessiert mich weniger als die Themen, welche die Leser tatsächlich anklicken oder auch, woher die Leserschaft stammt.
Seltsamerweise ist der Renner auf meinem englischen Blog das Video der Hinrichtung des Daniel Pearl. Eine Erklärung dafür wäre, dass dieses Video nicht allzu zugänglich ist. Jedenfalls nicht, ohne sich irgendwo anmelden zu müssen.
Nur aus einer Zusammenfassung heraus habe ich einmal einige der beliebtesten Themen dieses Blogs zusammengestellt:
Derzeit befinde ich mich noch in einer der teuersten Städte der Welt, in Tel Aviv. Am Nachmittag werde ich nach Jerusalem fahren und dort den Schabbat verbringen. Mit Synagoge und offenbar einem weiteren Gang zu einem der chassidischen Tische in der Mea Shearim Gegend.
Tel Aviv nimmt den 32. Platz bei einer aktuellen Untersuchung ein. Eine der teuersten Städte der Welt, wobei dabei vorwiegend die Mieten und Lebenshaltungskosten untersucht worden sind. Platz 1 wird von Oslo belegt !
Ohne Frage ist Tel Aviv teuer, aber Jerusalem zieht schon nach. Wie sich das genau auf die Geldbörse der Touristen auswirkt, vermag ich nicht zu sagen. Mehr als neun Jahre lang war ich nicht mehr im Ausland, geschweige denn in Deutschland. Zu meiner deutschen Zeit kostete eine Tüte Kartoffelchips im ALDI noch 79 Pfennige. Eine große Dose grüne Bohnen lag, glaube ich, bei 89 oder 99 Pfennigen. Die spätere Einführung des Euro soll Deutschland verteuert haben, aber das habe ich nicht mehr mitbekommen. Dennoch, so teuer wie Israel, wird Deutschland kaum sein. Die Schweiz hingegen vielleicht schon.J Die Schweiz war schon immer teurer als Deutschland.
Immerhin gibt es für Touristen die gute Nachricht, dass die hohen Saisonpreise für Unterkünfte wieder zu sinken scheinen. Zumindest in Tel Aviv. In Jerusalem hingegen müssen alle tief in die Tasche greifen, denn die hohen jüdischen Feiertage (Rosh HaShana, Yom Kippur sowie Sukkot) nahen. Die arabischen Hostels werden die christlichen Touristen so richtig über den Tisch ziehen. Fanatische fundamentalistische Christen, die da zu ihrem Kongress kommen und meinen, sie müssen einmal wieder mehr auf Judenmission machen. Das Beste ist es, solche Leute sowie ihre Parade durch Jerusalem zu ignorieren und nach Sukkot reisen sie eh wieder ab.
Über einige e - mails von nichtjüdischen Lesern wunderte ich mich in letzter Zeit. Entweder ganz offensichtlich oder versteckt deutete man an, dass man doch auch einmal zu einem Rabbi oder in eine Synagoge mitkommen wolle. Sobald ich ablehnte, hörte ich nie wieder etwas von diesen Leuten.
Ich habe nichts dagegen, wenn Leute fragen, doch will ich hier einmal etwas ganz klarstellen: Ich nehme niemanden irgendwohin mit ! Weder zu einem Rabbi, noch nach Mea Shearim, noch in eine Synagoge.
Erstens kenne ich die Leute nicht und weiß nicht, welche Absichten diejenigen dahinter verbergen und was hinterher angestellt wird. Zweitens ist es mein grundsätzliches Prinzip, was ich auch im privaten Bereich einhalte. Ich stehe nicht zur Verfügung, wenn Leute meinen, sie müssen in irgendwelche Kreise eingeführt werden. Dazugehören werden sie sowieso nie. Außerdem finde ich es eine bodenlose Frechheit, wenn ich anscheinend nur aus diesem Grund kontaktiert werde.
Auf meinem englischen Blog läuft das wesentlich anders ab. Dort mögen auswärtige Juden nach einer Adresse fragen. Entweder suchen sie eine bestimmte Synagoge oder einen Rabbiner. Wer wirklich interessiert ist, der fragt vielleicht kurz nach, aber kennt dann den Weg allein.
Ferner bin ich kein Touristenguide. Es ist wichtig, dass gerade nichtjüdische Touristen begreifen, dass ihnen viele Tore verschlossen bleiben. Insbesondere in der jüd. - relig. Welt. Punkt. Basta. Kompromisse gibt es dabei nicht. Ich verstehe nicht, was die ganze Aufdringlichkeit soll. Ich renne ja auch nicht in eine Kirche und mache dann auf Mitglied oder so. Ehrlich gesagt käme ich gar nicht erst auf solch einen Gedanken.
Für mich als weibliches Wesen in der haredischen (ultra - orthodoxen) Welt bestehen ebenso Beschränkungen, die mir im Prinzip nichts ausmachen. Ich akzeptiere es so und ein Auflehnen täte eh nichts einbringen. Wenn es mir irgendwo nicht passt, gehe ich halt nicht dorthin und suche mir etwas, wo es mir gefällt.
Es ist mir unbegreiflich, warum sich gewisse Leute nicht damit abfinden und stets darauf drängen, dort dazugehören zu wollen, wo sie absolut nichts verloren haben. Worin besteht das Problem ?
Soviel nur zu diversen Leseranfragen.
Den Schabbat werde ich, wie gesagt, in Jerusalem verbringen. In DER Stadt, in der es wohl das beste Schabbatgefühl der Welt gibt.
Zu Beginn dieser Woche war ich in Hebron und brachte von dort ein paar Broschüren mit. Hier ein kleiner Auszug aus einer davon:
AKTIVITÄTEN LINKSGERICHTETER ORGANISATIONEN
Verschiedene anti - nationale und internationale Organisationen haben Hebron für ihre feindlichen Aktivitäten entdeckt.
Die Mehrheit dieser Organisationen werden von anti - israelischen Einrichtungen , feindlichen Staaten sowie von europäischen Regierungen unterstützt. Sie verbreiten falsche "Wahrheiten" und propagandieren Media Shows und Trips, um zu provozieren und die Palästinenser in einem diskriminierten Licht erscheinen zu lassen.
Zum Beispiel überflutet das pro - arabische "International Solidarity Movement (ISM)" die Stadt Hebron mit Anarchisten aus aller Welt, um die (israelischen) Sicherheitskräfte zu belästigen, welche die jüdischen Stadtbewohner in ihrem kleinen zugänglichen Gebiet beschützen. Organisationen wie "Economical Escorters" oder das "Christian Peacekeeping Team" zeichnen sich in besonderem Maße durch Provokationen und Beleidigungen aus. Ebenso erscheinen christlich - antisemitische Gruppen, welche den arabischen Terrorismus ermutigen und das Leben israelischer Soldaten sowie der Zivilbevölkerung aufs Speil setzen.
Israelische linksgerichtete Organisatioen wie B'tselem, Machsom Watch, Sons of Abraham oder Breaking the Silence lieben es weitere linksgerichtete Israelis sowie ausländische Diplomaten durch die Stadt zu führen und die Juden Hebrons allen möglichen Verbrechen anklagen. Die Gruppen agieren zusammen mit den Beobachtern der "Temporary International Presence in Hebron (THIP)" und das, obwohl THIP sich aus Provokationen aller Art heraushalten muss.
Bei ihren Aktionen gegen die Juden Hebrons handeln diese Organisationen zusammen mit den Palästinensern. Die "Association for Civil Rights in Israel (ACRI) schloß sich kürzlich ebenfalls den Aktivisten an und bricht zusammen mit dem "Friedensclan" die Rechte der jüdischen Bürger Hebrons.
Deutsche Investments im arabischen Teil der Stadt Hebron werden von der "Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert. Zum Beispiel am Projekt des "Al - Juba Building". Diese Finanzierung aus Deutschland stammt aus den Jahren 2002 / 2003 und ich möchte wissen, wer diesbezüglich noch alles seine Hände schmutzig macht.
Die gesamte Woche über war ich in Jerusalem und heute abend fahre ich endlich einmal wieder heim nach Tel Aviv. Nur, um morgen nachmittag in Jerusalem wieder auf der Matte zu stehen. Für israelische Verhältnisse klingt dies nicht gerade außergewöhnlich und man kommt viel herum. Israel ist ein kleines Land und ohne, dass man sich groß versieht, steht man schon am Strand von Tel Aviv oder am Toten Meer und schaut auf Jordanien.
Ob ich nicht einmal raus aus dem Land wolle, fragen mich Bekannte. Mehr als neun Jahre hier und nie Israel verlassen. Nein, ich habe keine Sehnsucht danach ins Ausland zu reisen. Sehenswürdigkeiten würden mich schon reizen, aber die Leute … Sobald man sagt, woher man kommt, fangen garantiert nicht wenige an, über Israel herzuziehen und das will ich mir im Urlaub nicht auch noch anhören. Leute, welche die TV - Nachrichten anschauen und mir dann sagen, wie ich gefälligst in Israel zu lebe habe. Ganz besonders, WO ich zu leben haben, denn die Siedlungen sollen alle weg.
Um mir all das zu ersparen, reise ich lieber durch heimische Gefilde oder rege mich über den Müll am Tel Aviver Strand oder in Jerusalem auf. Da weiß man wenigstens, was man hat !
Müll in Jerusalem ist wahrlich nichts Besonderes und es gibt mit Sicherheit sauberere Städte. Aber nun steigt nebenher auch noch die Stadtverwaltung samt der Müllabfuhr und heute früh auf dem Machane Yehudah Markt sah es verheerend aus. Gleich am Eingang glotzten mich die Augen eines toten Fisches an. Sein Kopf lag abgehackt auf der Erde. Weiter ging es mit Hühnergedärmen und faulem Obst.
Die Händler mussten ausnahmsweise einmal selbst zum Besen greifen und die Einzigen, die sich wirklich über das köstliche Mahl freuten, waren die Ratten.
Nie war ich ein besonderer Fan von Patrick Swayze, doch in "Ghost" gab er, neben Whoopi Goldberg, eine tolle Partie ab. Als ich zum ersten Male hörte, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs leidet, dachte ich, dass der Krebs manchmal nur langsam fortschreitet und man wahrscheinlich operieren kann. Offenbar ist die typische Reaktion eines Unwissenden wie mich.
Hier nun die aktuellen erschreckenden Photos von Patrick:
Das jüdische Neujahrsfest "Rosh HaShana" steht in ca. zwei Wochen vor der Tür und dementsprechend bin ich busy, Research zum Thema zu betreiben. Da ich, bis auf wenige Gastbeiträge, allein für meine Blogs schreibe, ist der Research stets ein immenser Zeitaufwand. Bedeutet, dass dann immer andere Blogs drunter leiden, wie das vielleicht heute der Fall ist.:-)
Wer sich für Rosh HaShana und einige Events davor interessiert, kann einmal auf Hamantaschen nachlesen, wo ich gerade die Selichot - Gebete näher durchleuchtete !
Manche Blogger beschränken sich vorwiegend auf Politik. Bei mir stehen Gesellschaft sowie die jüd. Religion im Vordergrund. Manche Blogger wühlen sich durch die Politik, ich tue dies mit der jüd. Religion. Und wenn dem so geschieht, vergesse ich alles um mich herum. Sogar die Nachrichten, die da meist eh fast immer die gleiche Message verbreiten: Die Palis hassen uns und viele andere in der Welt sind antisemitisch eingestellt. Die Lebensmittelpreise steigen vor Rosh HaShana und der Arbeitsmarkt liegt im Argen. Ist das alles so neu und soll ich deswegen ständig durch die News hetzen ?
Jedes Jahr neu flammt der Streit auf: Da stehen Kinder zum landesweiten Schulbeginn nach den Sommerferien immer noch ohne Schule auf der Straße. Immer wieder handelt es sich dabei um sephardisch - haredische Kinder, welche von den aschkenazischen haredischen Schulen abgelehnt werden. Es gibt eigene sephardisch - haredische Schulen, doch nicht immer in jedem Ort. Im vergangenen Jahr standen noch Wochen nach dem 1. September mehrere sephardisch - haredische Mädchen ohne Schule da. Bekannte litvishe Rabbiner wie Rabbi Eliyashiv schritten ein und am Ende fand jede der Betroffenen einen Platz. Der Grund ist, dass aschkenasische Eltern ihre Kindern nicht mit Sepharadim in einem Klassenzimmer wissen wollen. Nicht nur aufgrund einiger unterschiedlicher relig. Bräuche, sondern weil die Anwesenheit der Sepharadim dem Ruf der Schule schadet. Ein höheres Lerninstitut weigert sich die Sepharadim aufzunehmen, die im Ruf stehen, "weniger intelligent" zu sein. Dies schade den aschkenasischen Töchtern später auf dem haredischen Heiratsmarkt, wenn eine von ihnen sage, sie besuchte diese oder jene Schule.
Das gleiche Spiel findet in der säkuleren sowie in der nationalrelig. Welt statt. Einen Tag nach dem offiziellen Schulbeginn stehen in der Stadt Petach Tikwa (bei Tel Aviv) immer noch unzählige Kinder äthiopischer Herkunft auf der Straße. Keine Schule will sie und der Grund ist nicht einfach zu erklären. Erstens zählen die Äthiopier in der jüdisch - aschkenazischen Welt nicht als Juden. Nur sephardische Rabbiner erkennen sie als Juden an (aufgrund eines ehemaligen Beschlusses des einstigen sephardischen Oberrabbiners Ovadiah Yosef).
Zweitens sehen auch hier Eltern ihre Kinder gefährdet, denn Äthiopier in der Klasse kann ein Lernhindernis bedeuten. Nicht, weil die Äthiopier dümmer sind als andere Kinder; allerdings ist die Bildung von Haus auf überwiegend auf dem Nullpunkt. Viele äthiopische Eltern sind Analphabeten und auf Bildung wird daheim wenig gesetzt. Man schaue sich nur den Prozentsatz der Äthiopier auf den Unis an, der da fast gegen Null läuft. Schafft ein Äthiopier einen höheren Bildungsabschluss, steht dies landesweit in der Zeitung.
Bekannt für ihre Bildung sind die Äthiopier also nicht und deswegen sehen die Eltern anderer Kinder ihre Sprößlinge in den Abgrund gezogen. Befinden sich erst einmal äthiopische Kinder in der Klasse, muss der Lehrer eventuell das Lernniveau tiefer ansetzen und die Schule bekommt einen schlechten Ruf. Diese Tatsachen haben weniger etwas mit Rassismus zu tun und wer sich in der israelischen Gesellschaft auskennt, der weiß, dass es zwischen Äthiopiern und anderen Israelis erhebliche gesellschaftliche Unterschiede gibt. Von der Rolle der Frau bis hin zur Bildung. Diverse Unterschiede konnten auch in der zweiten äthiopischen Generation im Lande nicht behoben werden, was wohl an Israel sowie an den Äthiopier selbst liegt.
In Jerusalem ist es im Stadtteil Nachlaot (in der Nissim Behar Street) schlimm geworden, denn die Äthiopier eröffneten ihre eigene Kneipe, in der sie sich täglich zusaufen und dann draußen auf der Straße Passanten angröhlen. Die hohe Kriminalität unter äthiopischen Juden trägt auch nicht gerade zu einem besseren Ruf innerhalb der Gesellschaft bei.
4. September 1997, 14.00 Uhr nachmittags. Diana (von links nach rechts), Sherri Wise, Gregg Salzman vor einem Jerusalemer Cafe. Dies ist das letzte Photo von Diana vor dem Attentat. Minuten später ging die Bombe hoch.
B"H
Diana Campuzano und ich lernten uns vor fast genau dreizehn Jahren in einem jüdischen Hostel (Heritage House) in der Jerusalemer Altstadt kennen. Ich war dabei, in Jerusalem Fuß zu fassen und suchte nach einer passenden Yeshiva (relig. Schule) und Diana war einfach nur Touristin. Eine Touristin aus Manhattan, welche dort in einem Schickimicki - Laden oder soetwas arbeitete.
Damals Ende August 1996 waren wir eine ganze Clique im Heritage House und jede von uns suchte nach etwas in ihrem Leben. Nach was genau, das wußten eigentlich nur die Wenigsten. Wir schliefen in den hostelüblichen Doppelbetten. Unter mir schlief eine Engländerin namens I. Sie war dabei, relig. zu werden und hatte gerade all ihre Jeans ihrer Schwester überlassen. Fast alle säkuleren Klamotten bekam die Schwester; fast alle, außer I's DocMartens.
I. wollte damals Mitglied der chassidischen Gruppe Chabad werden, war sich jedoch nie so richtig über ihren Lebensweg sicher. Zwei Jahre später besuchte ich sie in London und selbst da war sie sich nicht sicher. Ihre DocMartens hatte sie allerdings da schon ausrangiert. Leider verloren wir irgendwann den Kontakt.
Dann gab es L. aus den USA, die Aliyah machte und keine relig. Schule suchte, sondern einen Mann zum Heiraten. Nach langer Krankheit fand sie M. aus Florida und die beiden leben heute glücklich in Beit Shemesh.
K. gab es auch noch. Amerikanerin und auf irgendeinem Wiedergeburtstrip. Sie nahm an einer Kissenparty in der Altstadt teil. Dort sollten alle Teilnehmer ihre eigene Geburt nochmals erleben, indem sie sich durch die Geburt stöhnen oder so. K. kam total begeistert ins Hostel zurück und fühlte sich wie neugeboren. Der Typ, der diese Kurse veranstaltete, wurde im Laufe der Jahre wegen irgendeines Deliktes verhaftet. K. blieb noch einige Monate in Israel; jobbte in einem vegetarischen Restaurant, machte einen Ulpan (hebr. Sprachkurs) und zog dann in die Nähe von Boston. Dort kam sie auf den idiotischen Gedanken, konservative Rabbinerin zu werden. Ein gemeinsamer Freund aus Jerusalem, ein Chabad - Rabbiner, rief mich entsetzt an und sagte, ich solle K. sofort anrufen und ihr den Unsinn mit Rabbinerin und so ausreden. Aber, wie wir K. alle kannten, hielt sie das "konservative" Leben eh nicht lange aus und zog nach Kalifornien, um auf Flower Power zu machen.
Tja, und dann war da noch Diana, deren Namen ich voll nenne, denn sie ist überall im Internet zu finden und steht ab und an in der New York Times oder anderen Medien.
Als Diana ins Hostel eincheckte, dachte wir alle sie sei jüdisch geboren; wahrscheinlich israel. Eltern, die sie nur in New York aufzogen. Diana sprach fließen Hebräisch und war halt das, was man eine typische New Yorkerin nennt. Direkt und zielbewußt. Persönlich kenne ich sie nur die drei Tage, an denen sie im Hostel verbrachte. Danach hörte ich nichts mehr von ihr und vergaß sie fast.
Ein Jahr später war ich auf einer Yeshiva und lebte in einem haredischen Stadtteil. Zum Chabad - Rabbiner hatte ich nach wie vor sehr guten Kontakt und fuhr oft am Schabbat zu seinen arrangierten Schabbatot.
Ende August 1997 hatte ich eine schwere relig. Krise, die mich ein halbes Jahr später vorerst wieder nach Deutschland führte. Ich war dabei oder besser gesagte ich plante, Mitglied einer extremen chassidischen Gruppe zu werden und alles kam irgendwie zusammen. Krise und meine Gedanken wanderten nur noch um eine Lösung, die nicht aufzufinden war.
Außerdem volontierte ich für die Hilfsorganisation für Holocaust - Überlebende "Amcha". Und eine Fahrt zu Amcha war es dann auch, die alles fast veränderte.
Einmal im Monat trafen sich alle Volontäre in den Büros von Amcha in der Jerusalemer Innenstadt zum Erfahrungsaustausch. Unser Bus befand sich fast in der Jaffa Road als abrupt der Verkehr stockte. Staus sind nichts Ungewöhnliches in Jerusalem, denn wann immer irgendwo eine Tasche oder anderes verdächtig herumstehendes Objekt gesichtet wird, gibt es unverzüglich Bombenalalrm und alles wird in sekundenschnelle gesperrt. Wir steckten also fest im Bus und warteten. Kurz darauf jedoch dröhnten die Sirenen der anrollenden Ambulanzen und im Radio wurde durchgegeben, dass sich mehrere Pali - Selbstmordattentäter in der Ben Yehudah in die Luft gesprengt hatten. Mein Weg sollte durch die Ben Yehudah führen und eigentlich war ich spät drangewesen. Daheim hatte ich zuviel getrödelt und erst noch geduscht. Dies ging mir kurzfristig durch den Sinn.
Die im Bus sitzenden Haredim (Ultra - Orthod.) holten sofort ihr Tehillim (Psalmen) - Buch heraus und begannen zu beten. Der Busfahrer öffnete die Türen und sagte, die Fahrt sei zuende. Wir stiegen aus und ich versuchte die Ben Yehudah zu umgehen, um doch noch zu Amcha zu gelangen. Auf dem Weg dorthin stand vor mir ein junges deutsches Paar und der Typ meinte zu seiner Freundin, dass wenn sie zehn Minuten eher gekommen wären, sie ein richtiges Bombenattentat live miterlebt hätten. Ich überlegte mir ernsthaft, dem Typen so richtig in den Hinter zu treten, ließ es aber bleiben. Leider.
Bei Amcha lief nichts und wir standen nur oben am Fenster. Alle waren geschockt, denn eine neue Welle des Terrors hatte begonnen.
Mehr als einen Monat später traf ich auf den Chabad - Rabbiner und der fragte mich, ob ich Diana Campuzano kenne. "Nein", war meine Antwort. Die Diana aus dem Heritage House war mir gänzlich entfallen. "Zu schade, meinte der Rabbi, denn sie sei in der Ben Yehudah explodiert und er sei gerade auf dem Weg zu ihr ins Krankenhaus".
Ein paar Tage oder auch Wochen, ich weiß es nicht mehr genau, ging mir ein Licht auf. Diana ? Das war doch die aus dem Heritage House. Dazu beigetragen hatte auch ein Typ (Gregg Salzman), der mit Diana zusammen explodiert war und nun beim Chabad - Rabbi mit uns allen am Schabbattisch saß. Netanyahu habe an seinem Bett gestanden und ihm sein Handy gegeben, um daheim anzurufen. Und nun gehe er zurück in die USA, wolle aber berichten, dass Jerusalem nicht nur ein BLAST war.
Mittlerweile war Diana nach New York zurückgekehrt und ich konnte sie nicht mehr besuchen. Schwerverletzt, und bis heute ist sie noch in Behandlung. Einer der Terroristen hatte sich vor ihrem Tisch im Cafe (siehe Photo oben) in die Luft gesprengt. Eigentlich sollte Diana gar nicht dort sein und mit Freunden Kaffeetrinken, Zufällig kam sie vorbei und die Freunde winkten sie herüber. Nach der Explosion hatte sie ein Tennisball großes Loch in der Stirn, Verbrennungen, zwei geplatzte Trommelfelle, mehrere Rippenbrüche und und und.
Niemand ahnte, dass sie sich in einem New Yorker orthox. Konversionskurs zum Judentum befand; auch ihre ursprünglich aus Südamerika stammenden ultrakatholischen Eltern nicht. Die wußten noch nicht einmal, dass Diana in Jerusalem ist und glaubten erst, es handele sich um einen Scherz als man sie aus Israel anrief. Sofort wurden sie eingeflogen und ihr Vater verfluchte mitten im Hadassah - Krankenhaus alle Juden samt den anwesenden Chabad - Rabbi. Diana zum Judentum konvertieren ? So eine Todsünde für eine Christin und das sei nun ihre Strafe. Sie werde in der Hölle landen. Bis heute kriegt sie das von ihren Eltern zu hören.
Zurück in New York ging Diana ihren Krankenhausleidensweg. Hier Behandlungen und da. Sie wurde depressiv, denn die einst so toll aussehende Frau fühlte sich entstellt. Sie begann von Selbstmord zu reden und der Chabad - Rabbi rief mich wieder einmal an. Ich solle Diana Mails schreiben und sie bloß aus ihrer Krise holen. "Wir kennen uns doch fast gar nicht richtig", meinte ich. "Egal, sagte der Rabbi, schreib ihr".
Und so schrieb ich ihr. Monatelang hatten wir tiefgehende e - mail Konversationen und sogar eine Fürther Freundin von mir (die Moni, die das jetzt liest) schrieb an Diana. Irgendwie erholte sich Diana wieder, lernte dann jedoch den falschen Mann kennen. Einen deutschen Nichtjuden aus Hamburg, den sie plante zu heiraten. Und wieder rief mich der Chabad - Rabbiner an und ich solle Diana das alles ausreden. Mit dem Ausreden war es nichts, denn schnell kam sie allein darauf, dass der Typ zu abgefackelt für sie war. Von Hamburg nach New York, wo sie einen Israeli kennen lernte. Dann verloren wir uns aus den Augen und schrieben nur noch Feiertagsgrüße. Zufällig fand ich sie im Internet wieder und wir nahmen den alten Kontakt wieder auf. Sie ließ mich wissen, dass sie am Sonntag abend (gestern) in den Flieger nach Israel stieg. Zum ersten Mal seit dem verhängnisvollen September 1997. Ich schlug ihr vor, dass wir uns irgendwo treffen und hoffe, es kommt zustande. Ob sie die Ben Yehudah betreten wird, weiß ich nicht. Lange Zeit glaubte sie, dazu nicht mehr in der Lage zu sein.
Das Cafe gibt es nicht mehr und gegenüber steht ein kleiner Brunnen als Mahnmal.
Der obige Text stammt aus dem vergangenen Jahr und ich stelle ihn aufgrund des 12. Jahrestages des Anschlags nochmals in den Blog. Diana ist daheim in New York zusammen mit ihren, wer weiss wieviel, Hunden. Wir trafen uns ständig bei ihrem letzten Besuch und ich erlebte LIVE mit, wie ihr all das Erlebte noch zu schaffen macht.
Heute und morgen wird Madonna in Tel Aviv Konzerte geben und sich anscheinend (wie auf den Plakaten zu sehen) in sexuell anreizende Klamotten stürzen. Schaut so eine "Kabbalah Schülerin" aus ?
Madonna kann es egal sein, denn als Nichtjüdin ist sie für wahre jüdische Rabbis und Kabbalisten absolut uninteressant. Kabbalah hin oder her: Es ist schon eine regelrechte Zumutung wie Madonna samt ihrem jungen Lover von israelischen Politikern hofiert wird. Heute sehen wir sie auf den Titelseitenbei einer Umarmung mit Zipi Livni.
Vor einiger Zeit als Madonna noch mit Guy Ritchie verheiratet war, hatten beide einen peinlichen Auftritt im Tel Aviver Kabbalah Center. Das Ehepaar stand auf einer Bima in der hauseigenen Synagoge und sollten aus der Thora lesen. Vollkommen daneben angezogen stotterte Guy Ritchie unwissend herum und Madonna wusste ebenso wenig, wo sie sich eigentlich befand. Das Event wurde gefilmt, der Film jedoch hinterher von Madonna eingezogen und nie veröffentlicht. Schade, denn würde der Film publik, täten wir die wahre Madonna sehen.:-) Dies wird leider nicht geschehen, denn der Filmemacher musste ein Dokument unterschreiben, dass der Film auf ewig verschwindet.
Link:
Der Kabbalist, Rabbi Yitzchak Batzri, zum Madonnabesuch:
Zwei Bekannte hatten mich gewarnt, nicht nach Hebron hinauszufahren. "Viel zu gefährlich !"
"Wenn man nicht aufpasse, könne man glatt im für Juden verbotenen Teil der Stadt landen und wer weiß, was dann die Palis mit einem machen".
Ich befragte einen Dritten und bekam zur Antwort, ich solle bloß fahren. Er fahre jeden Monat und nie sei etwas geschehen.
Vom Jerusalemer Busbahnhof nahm ich den Egged - Bus Nr. 160. Fahrtkosten für eine Fahrt: 8,80 Schekel (ca. 1,5 Euro). Der 160iger Bus ist gepanzert, wie alle Busse, die in die Siedlungen nach Samaria (Shomron) oder Gush Etzion hinausfahren. Die Fahrgäste bestanden zur Hälfte aus Zivilisten und die zweite Hälfte waren Soldaten. Auch einige Jugendliche der Siedler fuhren mit; ohne jegliche Bedenken, denn sie sind mit der allgegenwärtigen palästinensischen Terrorgefahr aufgewachsen.
Über den Jerusalemer Stadtteil Gilo fuhr der Bus hinaus in die Siedlungen. Wir passierten Karme'i Zur und mehrere arabische Dörfer. Die Landschaft schaut aus wie ein Gemälde: Olivenhaine und Berge. Wer eine Kalenderlandschaft sucht, der fahre hinaus in die Siedlungen.
Nach fast einer Stunde erreichten wir die nationalrelig. Stadt Kiryat Arba, welche mir wesentlicher besser gefiel als die Stadt Ariel am vergangenen Sonntag. Kiryat Arba grenzt an Hebron. Man überquert eine Straße und befindet sich in Hebron. Wer allerdings nach Kiryat Arba hinein will, der muss ein Tor mit Sicherheitspersonal passieren.
Ich kannte mich in Hebron absolut nicht aus, sah jedoch die "Ma'arat HaMachpelah" von weitem. Ein riesiges Gebäude, in welchem die Vorväter mit ihren Frauen begraben liegen: Avraham und Sarah, Yitzchak und Rivka (Rebekka) sowie Yaakov und Lea. Außerdem liegen dort die ersten Menschen Adam und Eva (Chava) begraben.
Die Machpelah war mein eigentliches Ziel, denn ich war noch niemals dort gewesen. Mehrere Soldaten bewachen die Eingänge, denn die Machpelah ist aufgeteilt zwischen Juden und Moslems. Moslems betrachten Avraham (Ibrahim) als ihren Vorvater. Christen hingegen haben mit den Vorvätern absolut nichts zu tun !
Heutzutage sehen die Palis die Machpelah als ihre eigene Machtdemonstration an. Sie verwalten 3/4 des Gebietes der Machpelah; Juden hingegen verfügen nur über kleine Gebiete innerhalb des Gebäudekomplexes. Juden ist der Zutritt in die arabischen Teile streng verboten, doch die moslemische Tempelwache Wakf hingegen darf die jüdischen Räume betreten.
Wenn man am jüd. Eingang alle Sicherheitskontrollen überwindet, gelangt man in einen Raum mit einer weißen verschlossenen Tür. An der Tür befindet sich ein kleiner Vorhang, der diesen Eingang als den in das Paradies ausweist. Der Raum mit einer unterirdischen Höhle befindet sich ebenso in moslemischer Hand und die Moslems betrachten dies als "zusätzliche Macht". G - tt jedoch wird sich jedoch nicht darum scheren und der Weg in die Höhle ist ihnen verwehrt. Zumindest gibt es Gerüchte, dass einige Moslems in die Höhle gingen und nie wieder heraus kamen.
Rechts neben der Tür befindet sich ein Schild mit einem Zitat aus dem Buch "Likutei Moharan" des Rabbi Nachman von Breslov. "Hier sei der Ort, an welchem die Seelen zu G - tt aufsteigen". (Siehe Likutei Moharan 17).
Links um die Ecke befinden sich je zwei gegenüberliegende Räume mit den Gräbern von Avraham und Sarah sowie von Yaakov und Lea. In den Räumen selbst liegen die Gräber der Ehepaare getrennt voneinander. An den Wänden hängen spezielle Gebete aus und es ist schon ein bewegender Moment dort zu stehen.
Natürlich liegen die wirklichen Gräber viel tiefer weiter unten als der Grabstein oben ausweist. Mich schockte, dass die gigantischen Grabsteine mit abgenutzten grünen Vorhängen bedeckt sind. Eine goldene arabische Inschrift war darauf zu sehen. Überhaupt ist der gesamte Design der Machpelah in arabischem Stil gehalten.
Was, um Himmels Willen, haben derlei arabische Sprüche auf den Grabsteinen zu suchen ? Es heißt, dass Moslems den zweiten Sohn Avrahams als Propheten betrachten. Seine Halle ist Juden nur an den Pessach - sowie Sukkotfeiertagen zugänglich.
Draußen vor dem Gebäudekomplex hat man die Möglichkeit im "Gutnik Center" einzukehren oder Souvenirs zu kaufen. Kaffee und Kuchen ist recht teuer. Ich befragte die Bedienung nach den Sehenswürdigkeiten und wie man dahin komme. Die Bedienung riet mir, die Straße hinunterzugehen und irgendwann im jüdischen Stadtteil "Avraham Avinu" zu landen.
"Ob das nicht gefährlich sei, denn draußen laufen Palis herum ?"
"Nein, überall sind Soldaten".
So machte ich mich auf den Weg. Ich befand mich allein auf der Straße. Palis liefen an mir vorbei und einige Jugendliche riefen mir nicht gerade freundliche Sprüche zu. Es war ein kleines Spießrutenlaufen bis zum nächsten Wachposten. Ich ging einfach weiter und ignorierte die Palis. Und genauso lief ich meine Tour ab. Immer zum nächsten Wachposten, um nie den Weg im jüdischen Gebiet zu verlieren. Anzumerken sei, dass die Palis sehr wohl in jüdische Gegenden laufen dürfen, doch Juden ist der Zutritt in ihre Gebiete strengstens verboten !
Unzählige Häuser im jüdischen Viertel stehen leer, doch auf die Besitzansprüche der Grundstücke gehe ich in einem separaten Artikel ein. Ich erreichte den jüdischen Friedhof, welcher, u.a., 92 Gedenksteine der jüdischen Opfer eines arabischen Pogromes im Jahre 1929 beherbergt.
Auch auf das Pogrom in Hebron gehe ich noch gesondert ein.
Wer ein nichtjüdischer Tourist ist, kann eventuell in den arabischen Teil Hebrons einreisen. Ich jedenfalls war glücklich im jüdischen Teil zu sein, selbst wenn Betonmauern und Stacheldraht an die Grenze zum Feind erinnern.