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Montag, 22. Oktober 2012

Der Zentrale Busbahnhof von Tiberias



Viel gibt es nicht zu sehen, denn der Busbahnhof ist nun einmal recht klein und bescheiden.:-) Dafür wird nicht allzu weit entfernt ein riesiges neues Monstrum von Busbahnhof gebaut. Siehe die nachfolgenden zwei Photos !

Samt Shopping Mall. Immerhin ein paar Arbeitsplätze mehr, denn die sind in der Gegend mehr als rar.  





Photos: Miriam Woelke

Donnerstag, 31. Mai 2012

Tiberias rüstet auf für den Tourismus

B"H

Zu viele israelische Bürgermeister scheinen sich nur noch auf den Tourismus zu konzentrieren und die Einheimischen dabei zu ignorieren. Touristen bringen das dicke Geld und allein das zählt. Vor all den Investitionen verbunden mit der Tourismusbranche bleiben dagegen die Bewohner der Orte auf der Strecke. Beispiel: Tiberias am See Genezareth (Kinneret) in Nordisrael. 

Als ich zu Beginn der letzten Woche nach etwas mehr als einem Jahr einmal wieder in Tiberias weilte, fielen mir zwei Dinge auf: 
1. An zahlreichen Orten des alten Stadtkerns direkt am See fallen die alten Häuser vor Baufälligkeit fast zusammen. Investoren fehlen offenbar und die Stadtverwaltung konzentriert sich vorwiegend auf die direkten Touristenorte wie die Hauptstraße Hagalil. Dort nämlich wurde innerhalb eines Jahres eine regelrechte Promenade hochgezogen. Zugegeben: Es schaut toll aus, doch der Tourismus ist nicht alles. 

Ein Ort wird von seinen Bewohnern ausgemacht und damit kommen wir zu Punkt 2: Die Arbeitslosigkeit liegt extrem hoch und eine Lösung ist noch lange nicht in Sicht. Während sich in der Vergangenheit der bekannte Bürgermeister Moshe Zahar jahrzehntelang für Stadt und Bewohner einsetzte, glänzt der derzeitige Bürgermeister Zohar Oved zumeist durch Korruption. Geld muss in das Stadtsäckel und da kommt der Tourismus gerade Recht. Ob drumherum das alte Stadtbild zusammenbricht, das interessiert die Stadtverwaltung offenbar weniger. Und Jobs sind, trotz all der Hotels, weiterhin extrem dünn gesät. 


Verfallene Bauwerke - Kein Einzelfall in Tiberias



Unten am See befindet sich die Altstadt und oberhalb am Berg die Neustadt. Jede Straße am Hang muss man sozusagen einzeln erklettern oder den Bus nehmen.





Der See Genezareth (Kinneret). Das Wahrzeichen von Tiberias.



Die neue überdachte Shopping – Meile in der Innenstadt. 





Downtown Tiberias - Hagalil Street

Copyright / Photos: Miriam Woelke

Montag, 24. Januar 2011

Der Park des Ro'i

B"H

Die Eltern des im Jahre 2005 bei einem Verkehrsunfall in Eilat ums Leben gekommenen Ro'i haben sich eine ganz besondere Form der Trauer zugedacht. In einem Park in Tiberias stellten sie das Motorrad ihres Sohnes auf ein Podest. 




Das Unglücksmotorrad des Ro'i. 

Photos: Miriam Woelke

Sonntag, 19. Dezember 2010

Das "Hotel Grossmann" in Tiberias


Das einstige "Hotel Tiberias" heute.

Photo: Miriam Woelke

B"H

Eines der ersten Hotels in der Kleinstadt Tiberias war das “Hotel Tiberias”. Ziemlich nahe am See Genezareth (Kinneret) wurde es im Jahre 1896 von der Familie Grossmann gegründet. 

Über die Herkunft der Familie Grossmann erhielt ich unterschiedliche Informationen aus ebenso unterschiedlichen Quellen. So wird allgemein behauptet, die Grossmanns kamen aus Deutschland. Der ehemalige Bürgermeister von Tiberias, Moshe Zachar, berichtet jedoch in seiner Biographie, der Hotelgründer Richard Grossmann sei aus der Schweiz gekommen. 

Die Grossmanns waren mit ihrem, im deutschen Stile, geführten Hotel überaus erfolgreich. Das Hotel war eines der wenigen vor Ort, welches fliessendes Wasser besass. Noch dazu fliessendes Warmwasser. Etwas später gründeten die Grossmanns den “Lido Strand”. Im Jahre 1938 übernahm Richards Sohn Fritz die Hotelleitung. Es heisst, er habe Selbstmord verübt als er erfuhr, dass seine Frau ihn betrog.
Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, hauten die Grossmanns samt ihrem deutschen Personal bei Nacht und Nebel ab. Irgendwo las ich, dass sie sich nach Australien absetzten, aber das ist nicht sicher. Der Grund war, dass die Grossmanns missionarische Christen waren, die, laut dem Archiv der Stadt Tiberias, auf der Seite der deutschen Nazis standen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Nazi – Grossmanns somit zum Feind der Briten, die das damalige Palästina besetzt hielten.
Die Grossmanns waren kein Einzelfall in Israel oder in Tiberias. In Jerusalem lebten mehrere deutsch – christliche Familien in der heutigen German Colony. Christen, welche offen die Naziflagge zeigten. Nach einiger Zeit wurden sie von den Briten aus dem Land geworfen. Die Grossmanns wollten offenbar der Abschiebung entgehen und machten sich schnellstens selber aus dem Staube. Nach ihrem Verschwinden übernahm die britische Armee das Gebäude. Heute spricht niemand mehr von den Grossmanns und nicht mehr viele Tiberianer kennen die Geschichte des ehemaligen “Hotel Tiberias”.



Der Speisesaal des ehemaligen "Hotel Tiberias".

Archivbild

Montag, 13. Dezember 2010

Parasiten an der Kreuzung

B"H

Regen und Sturm in Israel sind fast immer ein Desaster. Es kann so windig werden, dass ein Aufspannen des Regenschirmes zur Unmöglichkeit wird, denn beides zusammen, den Schirm gerade ziehen sowie dem Regen zu entkommen, ist zwangsläufig eine Sache des Scheiterns. Mein neu erstandener Regenschirm machte mir gestern auch sogleich einen Strich durch die Rechnung und landete zerfetzt in der Mülltonne. Ich ging im Regen ohne Schirm weiter und war nach zehn Minuten nass.

Wer Tiberias kennt, der meint, auf dem Hügel lebe es sich leichter und exklusiver. Pustekuchen und ich war schon nach dem Aussteigen aus dem Bus froh, irgendwo in der Mitte des Hügels zu wohnen. Auf dem Hügel, in Tiberias Illit, kann man genauso auf Chaoten und Armut stossen, wie weiter unten in Richtung See Genezareth (Kinneret). Außerdem ist es total windig, wohin gegen der Hügel weiter unten eine Art Schutzschild bildet und es somit wesentlich wärmer ist.

Ich hatte einen Termin in Tiberias Illit, danach war ich nass, nahm den Bus und hatte die "großartige" Idee, am "Center Big" auszusteigen und im Billigdiscounter "Rami Levy" einkaufen zu gehen. Das "Center Big" liegt an der Stadteinfahrt von Tiberias (aus Richtung Afula kommend). Mindestens zwanzig Geschäfte drängen sich aneinander und wer nicht unbedingt hierher muss, dem kann ich von einem Besuch abraten. Die Mehrheit quetscht sich eh in den billigen "Rami Levi" zum Lebensmitteleinkauf. Der ALDI Israels, sozusagen.

Als ich ankam, waren meine Schuhe patschnass und meine Socken gleich dazu. Erst einmal aufwärmen gehen und ein bestimmtes Buch suchte ich auch gerade. Nichts wie hinein in die "Zomet HaSfarim - Bücherkreuzung" und der Bücher - ALDI Israels. Vier Bücher für 100 Schekel (ca. 20 Euro) sind im Angebot. Gute Bücher und keine Billigliteratur.

Wie ich auf diesem Blog schon mehrere Male schrieb, lässt sich als Autor in Israel kein Blumenpott mehr verdienen und das große Geld strömt den Oz, Grossmanns, Kerets oder Shalevs aus dem Ausland zu. Dank "Zomet HaSfarim" sind in Israel Bücher längst zum ALDI - Produkt geworden. Zum Vorteil des Lesers, denn Bücher waren bisher ungemein teuer. Der "Zomet" - Konkurrent "Steimatzky" muss nun sehen, wie er bei den Preisangeboten hinterher hechelt. Die "Zomet HaSfarim" Filialen finden sich im ganzen Land und so auch in Tiberias am "Center Big". Die Mehrheit der Bücher ist in hebräischer Sprache und ich bin ein recht guter Kunde des Discounters. Da das Buch, was ich suchte, nicht so elicht zu finden ist, schlurfte ich durch die Regale und trocknete so allmählich meine Schuhe aus. Angenehme Wärme, doch eine der zwei Verkäuferinnen nervte mich mir ihren Blicken. Am Ende kam sie dann doch auf mich zu und fragte, was ich denn suche. Zumindest liess sie mir zuvor meine Ruhe, denn ich hasse es, wenn sofort jemand auf einen zuströmt, helfen will, doch einen bei Ablehnung immer noch hinterher schleicht.

Ich war bei dem Sauwetter die einzige Kundin und man fand tatsächlich mein Buch "Flaubert's Parrot" oder auf Hebräisch "HaTuki shel Flaubert". Nur 20 Schekel (ca. 4 Euro) kostete mich das und am Ende hatte ich trockene Schuhe und ein Buch meiner Wahl. Damit zähle ich letztendlich doch nicht so ganz zu denjenigen "Parasiten", die nur so tun als ob sie kaufen wollen, sich in Wahrheit aber aufwärmen wollen.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Tiberias, Herzliya, Jerusalem, Tiberias und ein wenig Zfat (Safed)

B"H

Der Störfaktor am Leben in der Peripherie ist, dass die Busfahrten ins Zentrum des Landes lange dauern und ewig im voraus geplant werden muss. So nehme ich morgen einen der ersten Busse nach Herzliya und am Dienstag kommt derselbe Stress wegen einer Fahrt nach Jerusalem. Heute wollte ich eigentlich in der 40km entfernten Stadt Zfat (Safed) sein, doch daraus wurde nichts, denn kurzfristig musste ich meine Pläne für diese Woche umstellen.

Der zweite Störfaktor mag das fehlende kulturelle Angebot in Tiberias sowie in Zfat sein. In beiden Kleinstädten befinden sich Kultureinrichtungen wie das Gebäude "Yad Shitrit" in Tiberias und die "Yigal Alon Halle" in Zfat, aber das ist nicht zu vergleichen mit dem Theater der kleinen Stadt Ariel in der sogenannten Westbank.

In der vergangenen Wochenendausgabe der Lokalnachrichten aus Tiberias las ich, dass sieben Familien aufgrund von ideologischen Gründen sich absichtlich in Tiberias niederliessen. Nationalreligiöse Familien und mindestens eine Familie kam aus Ariel.
Man wolle sich in Tiberias etwas aufbauen und die Bevölkerung mehr miteinander verbinden. Sie, die Familien, seien gekommen, um sich am hiesigen Leben aktiv zu beteiligen und nicht in einer kleinen abgeschlossenen Welt leben. Wir werden sehen, ob die guten Vorhaben Erfolg aufzeigen, denn seit Jahren hinkt die Stadt allem etwas hinterher. Die Zeiten der großen Bürgermeister wie Yaakov Alchadif (wurde im Jahre 1938 von einem Araber ermordet), Schimon Dahan oder Moshe Zachar (eigentlich Moshe Weiss und im Jahre 1927 aus Weissrussland eingewandert) sind lange vorbei und alles plänkelt so vor sich hin. Richtig gegenwärtig wird es dem Beobachter, wenn ein Blick auf den Häuserzustand in der Altstadt geworfen wird. In Downtown Tiberias stehen zwei halbfertige Bauten in der Hagalil Street, an denen schon lange nicht mehr weitergearbeitet wird. Kein Geld oder die Bauherren sind untereinander verkracht. Wer kann das so genau sagen ?

Genau gegenüber wurde aus dem Stadtpark eine tiefe Baugrube, aus der mittlerweile meterhohes Unkraut wächst. An der Kreuzung Alchadif / Yehudah HaLevi ragt ein riesen Loch aus dem Boden, welches eigentlich der neue Zentrale Busbahnhof hätte werden sollen. Doch auch bei dem Projekt haben sich zwei Investoren untereinander verkracht und alles liegt seit Jahren brach.

Wenn die Bewohner von Tiberias (Tveriyaner) Action suchen, dann fahren sie hinüber nach Haifa oder in den nahegelegenen Norden nach Rosh Pinna (vor Zfat). Oder aber es bleibt beim TV bzw. Internet.

Bevor ich hierher zog warnten mich einige Jerusalemer. Tiberias ? Da sei nichts los, keine Jobs und vor allem die Leute ! Bäh, die seien richtig stur und eckig.
Das alles stimmt irgendwie und auch wieder nicht. Es herrscht eine völlig andere Mentalität als im gar nicht so weit entfernten Zfat, doch sind die Tverianer wesentlich offener als die Jerusalem mit ihrem stetigen Misstrauen, man wolle etwas von ihnen.

Alles hat so seine Vor - und Nachteile und ein perfektes Leben gibt es eh nicht ! Eines weiss ich allerdings jetzt schon: Wenn ich morgen nach Herzliya fahre, werde ich froh sein, abends nach Tiberias zurückzukommen. Tel Aviv, Jerusalem, die Küste, der Trubel … all das ist gut für einen Tag, doch danach sehnt man sich wieder nach dem Leben ohne die fortwährende Herumhetzerei.

Samstag, 27. November 2010

Photos vom DONA GRACIA FESTIVAL in Tiberias

B"H

Eine historische Persönlichkeit, die leider vielen allzu unbekannt ist:
DONA GRACIA, vor 500 Jahren in Lissabon geboren, die da versuchte, die europäischen Juden vor der Inquisition zu retten und den türkischen Sultan überedete, ihr Tiberias zu überlassen. Die Juden Europas sollten sich dort ansiedeln und die reiche Dona Gracia plante sogar schon eine eigene Industrie: Eine Textilindustrie, die Seidenstoffe produziert.

Dona Gracia erreichte Tiberias nicht mehr und verstarb im Jahre 1569. Nur wenige Juden kamen nach Tiberias und den Rest kennen wir: Abertausende von Juden wurden von der katholischen Inquisition grausam ermordet.

Dona Gracia allein bedeutet ungemein viel Research und ich werde auf HAMANTASCHEN im Verlauf der Zeit mehr über sie berichten.

HIER immerhin einige Photos des DONA GRACIA FESTIVALS von vor knapp zwei Wochen:

http://hamantaschen.blogspot.com/2010/11/photos-vom-dona-gracia-festival-in.html

Momentan fasse ich in einem Buch die Laufbahn einer weiteren historischen Persönlichkeit zusammen, wobei besonders die Geschichte von Tiberias eine Rolle spielt. Ein Thema, dass bisher fast unbekannt geblieben ist und selbst in unserer Stadt erweist es sich als alles andere als einfach, Zeitzeugen zu finden. Photos sind eine Menge vorhanden und die Veröffentlichung wurde mir von einer städtischen Einrichtung gestattet, doch die geschriebene Geschichte dazu muss ich selber recherchieren und die Inhalte auf die Beine stellen.

Donnerstag, 18. November 2010

Das Chaos mit der israelischen Rentenversicherung

B"H

Den gesamten Vormittag widmete ich gezwungenermassen der Bürokratie. Die grösste Schwierigkeit, die sich dabei auftat war, ein Faxgerät in meiner neuen Heimat Tiberias zu finden. In Jerusalem kann jeder gegen wenig Bezahlung Faxe senden und Faxe sind in Israel mit das A und O. Immer noch läuft viel über Fax und es werden sogar Unterschriften per Fax anerkannt. Ob das in Deutschland rechtlich der Fall ist, weiss ich nicht, aber ich bleibe diesbezüglich skeptisch.

In Israel dagegen erkennt sogar das Innenministerium Unterschriften auf Faxen an. So auch das Finanzamt und eine Versicherungsgesellschaft, denn damit befasse ich derweil aktiv. Durch meinen Umzug von Tel Aviv / Jerusalem nach Tiberias ist eine wahre Bürokratieflut entstanden. Auch, weil ich meinen Arbeitsplatz wechselte. Wie ich schon in mehreren Berichten schrieb, sind Versicherungsangelegenheiten in Israel ein Fall für sich und die Gesetzgebung ist eine völlig andere.

Bezüglich der privaten Rentenversicherung lieferte mir eine Freundin jetzt einen hilfreichen Tipp: Eine Bank bietet Sparkonten mit einer guten Rendite und recht guten Konditionen. Man zahle 5000 Schekel auf ein Jahr ein, rühre das Geld in dem Zeitraum nicht an und zahle danach individuelle Summen ein. Das klingt besser als die private Rentenversicherung bei den Versicherunghaien, wo man die ersten Jahre lediglich deren Kommission einzahlt und selber noch gar nichts auf dem "Haben - Konto" stehen hat.

In der nächsten Woche fahre ich nach Jerusalem, denn es stehen viele Bürokratieerledigungen an. Heute aber lieferte ich schon vorab Unterschriften und das per Fax. Und dann finde man einen Faxservice in Tiberias... Bei der Post keuchte das Faxgerät aus dem letzten Loch. Lottoannahmestellen stellten keinen Service bereit (wie in Jerusalem), aber schliesslich fand ich einen arabischen Handyladen, wo ein Fax für gänstige 3 Schekel (ca. 60 Cent) geschickt werden konnte.

Einen Vorteil hat all das:
Ich lernte das Arbeitsrecht und alles damit Verbundene sehr ausführlich kennen. Vom Finanzamt bis hin zum letzten auszufällenden Behördenformular. Wer seine Rechte nicht kennt und die Trumpfkarten zu ziehen versteht, der wird vom vorherigen Arbeitgeber geschröpft ! Mittlerweile habe ich ein ganzes Team von Freunden (Buchhalter sowie Manager in einem Betrieb) engagiert, ansonsten ginge kaum etwas.


Hier ein Links zum israelischen Arbeitsrecht:

http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2010/10/israelisches-arbeitsrecht-im-detail.html

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Es muss nicht immer die Promenade sein

B"H

Heute nachmittag unternahm ich einen 3 - stündigen Spaziergang durch die Neustadt von Tiberias am See Genezareth. Die kommenden zwei Wochen werden etwas chaotisch werden, denn ich ziehe in den Norden um.
Tiberias ist zwar relativ billig, doch die Arbeit liegt nicht auf der Strasse. Ich arbeite an einigen Projekten mit und bin deshalb recht gut versorgt. Hinzu kommt, dass ich heute den super günstigen Supermarkt "Chetzi Chinam - Halb Umsonst" entdeckte. Die Lebensmittelpreise sind landesweit stets am Ansteigen und so hilft solch ein billiger Supermarkt ungemein aus.

Die Stadt Tiberias besteht nicht nur aus dem Kinneret (See Genezareth), sondern aus einer verhältnismässig grossen Neustadt. Und wer nicht mit dem Bus den Hang hinaufklettert, der muss sich nach oben schuften. Bis ganz oben schaffte ich es nicht, doch erreichte ich Polizeistation, fast das Grab des talmudischen Rabbi Akivah und danach das Rathaus sowie einige reli. Bezirken.

Seit einiger Zeit steigen die Immobilienpreise der Stadt, denn die ultra - orthodoxen Haredim haben sie fuer sich entdeckt. Ganze Stadtteile kaufen sie auf und bauen neue hinzu. Spannungen wie in Jerusalem gibt es bisher keine, denn die Haredim hier sind aufgeschlossener und mischen sich viel mehr unter die Allgemeinheit.

Nach all der Action in Tel Aviv und Jerusalem suche ich endlich einmal ein weniger stressiges Leben und da kommt die Provinz gerade recht. Leute kennen zu lernen ist nicht schwer, nur die tropische Hitze am See macht etwas zu schaffen. Ein Trost: Wenn es in Jerusalem im Winter so richtig kalt wird, liegen die Temperaturen in Tiberias immer noch um die 18 Grad Celsius.

In den 30iger und 40iger Jahren lebten recht viele deutsche Juden in der Stadt. Jene, die Hitler nocht rechtzeitig entkommen waren. Da ich mich nicht unbedingt mit deutschen Juden umgebe bzw. den Kontakt sucht, kenne ich den Stand der heutigen Dinge weniger. Eine Bekannte aus Zfat sagte mir jedoch, dass sie eine deutsche Freundin in Tiberias habe.



An der Uferpromenade

Photo: Miriam Woelke


Morgen abend zum Schabbat werde ich wieder in Jerusalem sein. Zumindest bis zum Montag. Sonntag ist mein letzter Arbeitstag in der Bäckerei und ich glaube, man bereitet dort eine Party für mich vor.
Ein allzu direkter Abschied wird es nicht, denn ich werde mich einige Male im Monat in Jerusalem aushalten. Und meine Wohnung in Tiberias haben meine Jerusalemer Freunde und Arbeitskollegen schon im Visier, denn man plant Besuche und Grillfeste. Alles ist recht, Hauptsache keinen Kuchen aus der Bäckerei mehr.:-)

Montag, 25. Oktober 2010

Tiberias, Jerusalemer Mieten und die 80iger Jahre

B"H

Neulich las ich einen israelischen Blog, in dem der Autor die am See Genezareth (Kinneret) liegende Stadt Tiberias als ein "Überbleibsel aus den Achtziger Jahren" betitelte. Nicht viel habe sich in all den Jahren verändert, es sei denn, man schaue hinauf auf die neugebauten Wohnviertel am Hang. 

Vielleicht ist es das, was mich an der Stadt anzieht. Das alte Jerusalemer Flair ist schon lange futsch und der grauen Moderne von Bürgermeister Nir Barkat und seinen hochtrabenen Zukunftsplänen gewichen. Jerusalem heute ist nicht mehr das von vor mehr als acht oder zehn Jahren. Die Mentalität der Bewohner hat sich gewaltig verändert und nicht wenige sehen zu, dass sie baldigst fortziehen. 



Downtown Tiberias: HaBanim Street




Hotelmonster in der Innenstadt und nahe der Uferpromenade
des See Genezareth (Kinneret).




Der See mit dem Golan im Hintergrund.



Einer Bäckereikollegin soll die Wohnungsmiete drastisch erhöht werden. Sie wohnt im Stadtteil Nachlaot nahe der Bäckerei und ist gezwungen, sich eine neue Bleibe zu suchen, denn die jetzige kann sie nach der Mieterhöhung nicht mehr halten. Mittlerweile fragt sie mich, ob ich meine gefundene 4 - Zimmer - Wohnung in Tiberias auch mal untervermiete. Dann könnte sie ja einziehen. Vier Zimmer für 1500 Schekel (ca. 300 Euro) Miete pro Monat, das sei ja unfassbar. Das findet niemand in Jerusalem, wo schon eine kleine Wohnung in der Tschernichowsky 3000 Schekel (ca. 600 Euro) koste. Wer es billig sucht, der ziehe hinaus in die Vororte Pisgat Ze'ev oder Gilo. Ansonsten ist nicht mehr viel los auf dem Jerusalemer Wohnungsmarkt, ausser man hat viel Geld zum investieren.

Eine Freundin hatte noch Glück und sie verlängerte gerade ihren Mietvertrag um ein weiteres Jahr. Zwei Zimmer in Nachlaot für 2200 Schekel (ca. 450 Euro) pro Monat. Wohin die Mieten und Immobilienpreise sich hinbewegen, weiss kein Mensch. Der Norden des Landes ist ruhiger und nicht übervölkert. Wer jedoch bezüglich eines Jobs nicht improvisationsbereit ist und vor allem keinerlei Einfallsreichtum sowie die Gründung eigener Projekte vorweist, könnte das Nachsehen haben.



Mac Donald's gleich am See.
Die Filiale ist nicht koscher !



Statt städtischer Action gehts also in die "Pampa der 80iger". Mit Landschaft, Idylle und einer gnadenlos feuchten Hitze.

Photos: Miriam Woelke

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Anständiges Baden im See Genezareth (Kinneret)


Photo: Miriam Woelke


B"H

Das Tückische am See Genezareth (Kinneret) und an der Stadt Tiberias ist, dass sich beides in einer Art Tal befindet. Kurz nach der Einfahrt nach Tiberias geht es nur noch bergab. Die Innenstadt wird vom See umrahmt und alles, was es hier gibt, ist der See.

Die Luftfeuchtigkeit des Sees staut sich im Tal über der Stadt Tiberias sowie den umliegenden Orten am Ufer. Hitze und Schwüle stauen sich zugleich und die Luft scheint festgefahren. Wie in einem steril geschlossenen Glas. Treibhausluft und schlimmer als Tel Aviv. Ohne Klimaanlage läuft nicht viel. Man gewöhnt sich an die Hitze und lernt mit ihr zu leben. Genauso wie die Bewohner von Haifa, Tel Aviv, Beersheva oder Ashdod.

Am vergangenen Freitag war ich das erste Mal seit vielen Jahren wieder im Kinneret baden. Viele Strände verlangen Eintrittsgelder. An der Promenade gibt es einen kleinen kostenlosen Strand, der von der Stadt verwaltet wird.  Richtung Migdal oder zur anderen Seite Richtung Beit Shean befinden sich freie Strände. Ohne Geld, aber auch ohne Dusche.

Das Schwimmen im See ist an den kostenlosen Stränden nicht immer einfach, denn vielerorts muss man zuerst einmal ueber hohe Steine krabbeln. Ich rutsche dabei auch gleich so richtig aus und setzte mich auf den Hintern. Mitten in eine Schlammpfütze, aber man ist ja flexibel. Das kommt eben davon, wenn man einen Strand in der Wildnis aufsucht.

Meine Hose musste ich erst einmal im See waschen, sonst denken die Leute hinterher noch sonstwas. So richtig ins Wasser konnte ich dann auch nicht, da eine haredische (ultra - orthodoxe) Familie neben mir badete. Kinder und Ehemann planschten fröhlich herum, die Frau stand mit ihrem langen Chaluk (Hauskleid) sowie ihrer Kopfbedeckung im Wasser. Na, wenn das kein Anstand ist !

Trotz all der kleinen Hindernisse genoss ich das "Halb"bad im See, hatte aber nicht bedacht, dass dort Fische leben. Und so roch ich dann auch: nach Fisch.
Aber schön war es trotzdem !

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Die grosse Hoteldame LOTTE EISENBERG

B"H


LOTTE EISENBERG ist eine der grossen deutschen Persönlichkeiten von Tiberias. Ehrlich gesagt sind mir keine weiteren deutsch - jüdischen Persönlichkeiten aus Tiberias bekannt, obwohl Lotte Eisenberg einen deutschstämmigen, in der Umgebung ansässigen Arzt, in ihrem Buch "Meine Gäste, Tiberias und ich" erwähnte.

Und damit sind wir bei den Memoiren der Lotte Eisenberg, die im Jahre 1979 in deutscher Sprache veröffentlich wurden. Hier kann man das 150 - seitige Buch im Internet bestellen:


http://www.antiquariat.de/angebote/GID8044076.html


Ein Geburtsdatum gibt Lotte Eisenberg in ihrem Buch nicht an. Nur soviel, dass sie aus einer wohlhabenden Königsberger Familie stammt und sich schon frühzeitig als Zionistin in das damalige Palästina aufmachte. Dort angekommen, arbeitete sie in unterschiedlichen Jobs. Sowohl als auch in Jerusalem, Rishon LeZion und eben in Tiberias. In Tiberias eröffnete sie ca. in den 40iger Jahren das Hotel "Gale'i Kinneret", welche zur internationalen Grösse wurde. David Ben Gurion war da, Konrad Adenauer war dort und wer nicht.

Lotte Eisenberg war Deutsche und so wurde auch das Hotel geführt. Mitten in Tiberias am See Genezareth (Kinneret) zog europäischer Stil ein. Anfang der 70iger Jahre erkrankte Lotte an einer ernsthaften Augenkrankheit, die zur Erblindung eines Auges führte. Sie gab das Hotelmanagement auf und zog sich in ein Altenheim in Herzliya zurück. Ob sie heute noch am Leben ist, konnte ich soweit leider nicht ausfinding machen. Falls ja, müsste sie mindestens um die 90 Jahre alt sein.

 


Lotte Eisenberg hier mit dem Schauspieler Danny Kaye

Quelle: Just Jane


Lotte Eisenberg war ihrerzeit in Israel eine Berühmtheit, doch auf deutschen Sites fand ich absolut nichts über die einstmals ausgewanderte Jüdin aus Königsberg in Ostpreussen. Dieser kleine Artikel soll daher als Erinnerung dienen !



Das Hotel "Gale'i Kinneret" steht auch heute noch, doch unter dem Namen "Rimonim Galei Kinneret". Es soll eine Ausstellung zur Geschichte des Hotels sowie zu Lotte Eisenberg stattfinden und wenn ich schaffe, werde ich einmal dorthin gehen und ggf. Photos machen.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Zwei Leben in Tiberias

B"H


"Und gibt es hier ein Kino ?" fragte ich einen Bewohner der Kleinstadt (45,000 Einwohner) Tiberias (am Ufer des See Genezareth / Kinneret).
"Klar, gibt es das !" erwiderte er, ohne gross nachzudenken.
"Und wo ist das ?"
"Oben in der Schechunat Dalet im Gemeindezentrum. Nimm aber den Bus, wenn Du hin willst".
"Was im Gemeindezentrum ? Da steht ein Kino ?"
"Naja, kein so richtiges Kino, sondern ein Gemeindezentrum mit grosser städtischer Bibliothek und ab und zu laufen auch mal Filme. Ruf aber vorher an und erkundige Dich nach dem Vorführungsplan".
"Und was macht Ihr, wenn Ihr einen aktuellen Kinofilm sehen wollt ?"
Bewohner lachtend: "Dann kaufen wir uns die DVD".



"Tiberias", dass bedeutet für einen richtigen israelischen Städter "Peripherie, Provinz, Dorfheinis". Die Stadt Zfat (Safed) dagegen kommt noch schlechter weg.
Der Norden Israels, Galilaea, mag zwar Landschaft und ruhige Lebensqualität bieten, doch Jobs und die Bezahlung sind rar bis mies. Es kommt darauf an, was und wie man sucht, doch die meisten Bewohner sind in so mancher Fabrik froh, das gesetzliche Mindestgehalt zu verdienen. Hauptsache Arbeit und das Privatleben wird halt eingeschränkt. Offiziell steht Zfat (eine Stunde nördlich von Tiberias) für eine "Entwicklungsstadt".


Trotz all der Peripherie - Vorurteile, nicht wenige Menschen aus Jerusalem oder dem Grossraum Tel Aviv zieht es in den Norden. Man hat die Hetzerei der Grossstadt satt und der neue Trend heisst "Landleben" oder zumindest "Kleinstadt". Viele Moshavim und sogar Kibbutzim vermieten Zimmer oder Wohnungen. Nicht nur auf Urlaubsbasis, sondern auf lange Sicht. Auch ich ziehe in wenigen Wochen in den Norden und das nicht nur, um an einem bestimmten Projekt teilzunehmen. Allein als ich am vergangenen Freitag von Tiberias nach Jerusalem zurückkehrte, holte mich die Hauruck - Gesellschaft schnell wieder ein. Eine alte Dame schubste mich am Machane Yehudah Markt halb aus dem Bus und als ich fast auf den Gehsteig flog, wurde ich so ziemlich von der Menschenmenge überrollt. Hier war sie also wieder, die Grossstadt.


Der Norden um Tiberias und Zfat: Dort, wo es riesige haredische (ultra - orthodoxe) Bevölkerungsanteile gibt. Dies vor allem Dank der niedrigen Mieten. Eine 4 - Zimmer - Wohnung für nur 1700 Schekel ist mancherorts keine Illusion, sondern Wirklichkeit. In Jerusalem kostet einen 4 - Zimmer - Wohnung mindestens 5000 - 6000 Schekel Miete pro Monat. Natürlich sind im Norden die Einkommen geringer, doch bietet die Supermarktkette MEGA BUL niedrige Produktpreise.


Die Städte Zfat und insbesondere Tiberias setzen sich aus zwei Teilen zusammen. Da ist zum einen die Altstadt im Zentrum und drumherum befinden sich die neuen Stadtteile. In Tiberias liegt das Zentrum (Downtown) am See Genezareth (Hebräisch: Kinneret) und alle weiteren Stadtteile schlängeln sich den Berg hinauf. Nicht leicht für einen Radfahrer und ich ziehe die wenigen Stadtbusse vor.


In Downtown waltet das Touristen - und Ausgehleben. Hier wird gelebt und wohl auch Dank der Touristen und Hotels finden wird sämtlichen Modeschnickschnack von "Castro" bis "Mango". Die Buchkette "Steimatzky" ist vertreten und "Cafe Aroma" sowie "Office Depot" geben sich nebeneinander die Kundenehre. Von solchem "Weltflair" kann Zfat hingegen nur träumen ! Aber was soll es, denn in Zfat herrscht noch immer die Kabbalah. Man schaue nur auf den berühmten Friedhof und welche Rabbiner da so liegen.


Je höher wir auf der Naiberg Street den Hang hinauffahren, desto alltäglicher wird das Leben in Tiberias. Am Hang beginnt das wahre Leben und kaum ein Tourist verirrt sich in den Alltag der vielen sephardischen, aschkenazischen oder russischen Tverianer. Hier gibt es ebenso Läden, Waschsalons, Handwerker oder Bäckereien. Und wie alle anderen Städte des Nordens auch, hat Tiberias sein "Illit"; seine neue bessere Wohngegend. Nur an der Action hapert es und die Jugend schafft sich schnell ein Auto an, um die Umgebung abzuklappern.



Am Downtown Markt mit Blick auf den Kinneret.



"Da unten" und "Da oben" - die Gegensätze der Stadt Tiberias, welche da im Hebräischen "Tveriya" genannt wird.


An der Uferpromenade des Sees entgeht keinem israelischen Touristen das Modell des Kinneret. Hier muss Farbe bekannt werden und alles ist nicht nur eine kurze traurige Zeitungsmeldung: Seit Jahren regnet es im Winter immer weniger und der See trocknet aus. Momentan steht der Wasserpegel zwei Meter unterhalb der roten Linie und wo es geht, sollen wir Wasser sparen.


Als ich am Donnerstag abend die Bilder des Modells aufnahm, wandten sich nicht wenige israelische Besucher schnell ab, denn sie wollten ihren Urlaub geniessen.






Ein dickes rotes Minus beim Wasserpegel !



Modell des See Genezareth an der Uferpromenade.


Photos: Miriam Woelke




Mehr zu Tiberias, Zfat, Moshavim und anderen Orten der Umgebung und dem Leben im bergigen Norden im Schatten des Libanon ab Donnerstag sowie in der nächsten Woche, denn ich werde zehn Tage dort verbringen. Vorbereitung auf den Umzug in die Peripherie ohne Kino. Wo soll ich da nur den neuen "Wall Street" Film ansehen ?