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Sonntag, 2. September 2012

Senioren machen Aliyah nach Israel

B"H


Jerusalem, Israel September 2, 2012—

A group of 16 retiree couples, ages 50 to 80, made Aliyah to Israel on August 14th on the Nefesh B’Nefesh charter Aliyah flight that left out of JFK airport in New York. The retiree’s joined their children and grandchildren who have previously made Aliyah with Nefesh B’Nefesh over the last decade. The special Friends of the Israel Defense Forces (FIDF) – Nefesh B'Nefesh flight was organized in cooperation with the Ministry of Immigrant Absorption, the Jewish Agency for Israel, Keren Kayemeth Le’Israel and Tzofim Garin Tzabar.

The mature Olim, who wore specially made T-Shirts saying “Aliyah: It’s A Family Tradition,” reinforced the Nefesh B’Nefesh vision that western Olim successfully making Aliyah encourage others to do the same. They were greeted in Israel by PM Benjamin Netanyahu as well as a countless number of relatives at Ben Gurion Airport; sporting signs and various family t-shirts, all overjoyed to be welcoming their parents and grandparents to Israel.

Nefesh B’Nefesh is celebrating its tenth anniversary this summer, marking a decade since its inaugural charter Aliyah flight in 2002. The milestone comes as the organization prepares to welcome over 2,500 North American and British Jews making Aliyah this summer on two charter and seven group Aliyah flights, in cooperation with the Ministry of Immigrant Absorption and The Jewish Agency for Israel. In 2012, Nefesh B’Nefesh will bring 4,800 newcomers to Israel.

Photo caption – The group of retirees arriving in Israel. In the middle (from left to right): Co-Founder of Nefesh B’Nefesh Rabbi Yehoshua Fass and World Chairman of KKL-JNF Effie Stenzler. Photo credit to Nefesh B’Nefesh.

About NBN: Founded in 2002, Nefesh B’Nefesh in cooperation with the Israeli government and the Jewish Agency for Israel, is dedicated to revitalizing Aliyah from North America and the UK by removing or minimizing the financial, professional, logistical and social obstacles of Aliyah. The support and comprehensive social services provided by Nefesh B'Nefesh to its 32,000 newcomers, has ensured that 97% of its Olim have remained in Israel.


Es ist ja bekanntlich nie zu spät, um seine Träume zu verwirklichen. So dachten auch zahlreiche jüdisch – amerikanische Senioren als sie mit der Aliyah – Organisation NEFESH be'NEFESH Aliyah nach Israel machten. Persönlich bin ich, aus vielerlei Gründen, kein besonderer Nefesh be'Nefesh Fan, doch eines muss man der Organisation lassen: Sie kümmert sich um ihre Aliyah – Kandidaten. Insbesondere in finanzieller Hinsicht, denn ohne die großzügigen Geldgeschenke wäre so mancher Diasporajude wirtschaftlich kaum in der Lage, nach Israel auszuwandern. 

Deutsche sowie anderweitige europäische Juden jedoch haben das Nachsehen, denn Nefesh be'Nefesh ist fast ausschliesslich mit den Anglo – Ländern Kanada und den USA beschäftigt. Deutsche Juden, die es nach Israel zieht, müssen sich nach wie vor an die Jewish Agency wenden und dort ihre Aliyah beantragen oder sie reisen auf eigene Kosten nach Israel und stellen beim Innenministeriums des jeweiligen israelischen Wohnortes einen Antrag auf Einwanderung. Dabei bitte den ganzen Dokumentenwust (Nachweise der jüdischen Abstammung) und Passbilder nicht vergessen ! Persönlich rate ich, einen Brief des Rabbiners aus dem Heimatort der Diaspora mitzubringen. Entweder in hebräischer oder englischer Sprache. 

Amerikanische Senioren gelten in Israel allgemein als RICH, doch trifft dies nicht auf alle zu. Ich wünschte nur, die obige Nachricht auch einmal bezüglich deutsch – jüdischer Senioren verkünden zu können, aber allzu große Hoffnungen darauf mache ich mir nicht. Trotz des Berliner Attentates auf einen Rabbiner bleiben deutsche Juden entweder lieber in deutschen Landen oder es zieht die jüngere Generation in die USA oder nach England.

Dienstag, 12. Juni 2012

Leserfrage: Kibbutz für Senioren ?

B"H

Jemand stiess auf diesen Blog, indem er die Keywords: "Kibbutz für Senioren" googelte. 

Soweit mir bekannt ist, besteht bei den israelischen Kibbutzim ein alterbedingtes Aufnahmelimit. Somit sollte man weder als Volontär noch als potentielles Kibbutzmitglied älter als 35 Jahre sein. Sagen wir: Das vierzigste Lebensalter nicht überschritten haben. 

Senioren werden in der Regel kein Kibbutzmitglied mehr, denn ein Kibbutz beruht auf Produktivität und ist kein Spa für ältere Herrschaften. Dagegen werden die kibbutzeigenen Senioren bestens betreut und versorgt. Jene Senioren, die seit ihrer Jugend Kibbutzmitglieder sind und den Kibbutz aufbauten. 

Wonach sich auswärtige Pensionäre dennoch erkundigen können: 
Nach Mietwohnungen im Kibbutz. Viele Kibbutzim vermieten mittlerweile zahlreiche Häuser und dies vor allem an Auswärtige. Hierbei dürfte jedoch eine Warteliste anstehen, denn die Nachfrage nach Kibbutzwohnungen liegt recht hoch. Insbesondere bei Israelis aus der Stadt, die ein ruhiges Landleben suchen. 

Eines aber sei zu beachten: Wer sich ein Haus in einem Kibbutz mietet, ist nicht automatisch Kibbutzmitglied ! Zwar werden Häuser / Wohnungen an Auswärtige vermietet, doch weder sind die neuen Mitbewohner Mitglied des Kibbutz, noch erhalten sie das Recht, den Kibbutzspeisesaal oder anderweitige Einrichtungen zu nutzen. Dies jedoch sollte jeder neue Bewohner mit dem jeweiligen Kibbutz selbst abklären !

Link:

Samstag, 10. März 2012

Leserfrage: Arnona Jerusalem für Senioren

B"H

Bezüglich einer Leserfrage: Vergünstigungen der Arnona (Grundsteuer) ab 65 Jahre

Ich weiss, dass ab einem gewissen Alter (63 oder 65 ?) diverse Vergünstigungen bestehen. Unter anderem bei Busfahrten. Die Stadt Jerusalem bietet eine Karte für Senioren an. Wie es genau bei der Arnona aussieht, kann ebenso bei der Stadtverwaltung Jerusalem erfragt werden.

Samstag, 19. November 2011

Leserfrage: Aliyah 50 +


Downtown Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke
B”H 

Soll ein Jude Aliyah nach Israel machen, wenn er bereits älter als 50 Jahre  jung ist ? Diese Frage googelte ein Blogleser und vom relig. Blickpunkt kann ich keinem Juden vom Auswandern nach Israel abgeraten werden.  Die gelebte Realität hingegen schaut etwas anders aus. 

Grundsätzlich gebe ich jedem deutschen, österreichischen oder schweizer Juden, der nach Israel auswandern möchte, den Rat, nicht ganz ohne finanzielle Mittel anzukommen. Einiges an Erspartem sollte vorhanden sein, denn die Zuwendungen des Staates sind nicht gerade berauschend. Ein kleines Kapital mitzubringen wäre ratsam, damit der Neueinwanderer nicht nach kurzer Zeit mittellos und auf der Straße dasteht. 

Mit Einwanderern aus den USA oder Kanada vergleiche ich die deutschen Juden nicht, denn die Anglo – Länder unterliegen einer Einwanderungsorganisation mit dem Namen “Nefesh be’Nefesh” und von dort aus erfahren jene Einwanderer riesige finanzielle Mittel. Auf deutsche Juden trifft das “Nefesh be’Nefesh” Programm nicht zu und es darf munter ums Überleben gekämpft werden. 

Wer im fortgeschrittenen Alter Aliyah macht, sollte erst recht einiges an finanziellen Mitteln dabei haben, denn die Jobsituation schaut in Israel genau so aus wie in Deutschland. Ältere Semester sind schwer vermittelbar. Ferner muss eben jene Einwandererkategorie beachten, dass eventuell die Kinder und Enkel vermisst werden und das Gejammere diverser Leute kennen wir hier alle. Darüber sollte sich jeder vor der Aliyah im Klaren sein, dass Kinder und Enkel nicht mehr regelmässig besucht werden und der Kontakt vorwiegend via Skype oder Facebook besteht. 

Links:


Die Aliyah der Grossmutter S.D.

Montag, 2. Mai 2011

Schlagzeilen "Israel Hayom - Israel heute" am 2. Mai 2011



B"H

Beschäftigen tun sich die israelischen Medien, wie kann es anders sein, mit dem heutigen nationalen Holocaust – Gedenktag “Yom Hashoah”. Sämtliche Zeitungen sind voll mit Berichten von Überlebenden. Der TV – Privatsender HOT stellt seit gestern abed (bis heute abend) seine Action und Fun – Kanäle ein und es gibt dort keinerlei Filme zu sehen. Gedacht wird dem Holocaust und die gesamte Presse kennt heute nur das eine Thema. 

"Hat die Welt aus dem Holocaust gelernt ?" so bezweifelt man in Israel. 

Gestern abend sah ich einen interessanten Bericht im israelischen Fernsehen. Nach wie vor geht es hierzulande um die Ausgleichszahlungen an Überlebende und darum, dass viele von ihnen heute als Rentner in Armut leben. Was ist mit dem Geld, was Deutschland in Milliardenbeträgen zahlt und warum leben viele Überlebende in mehr als bescheidenen Verhältnissen ?

Viele Gelder gelangen einfach gar nicht an die Betroffenen, sondern lagern in den Kellern der Bürokratie. Immer noch wird darum gestritten, welcher Holocaust – Überlebende in Israel Anspruch auf was hat und ob überhaupt. Eine Schande für unser Land, so der gestrige TV – Report. In Deutschland und sogar Russland werden Überlebende aus dem Kaukasus als Holocaust – Opfer anerkannt, nur in Israel nicht. Auch eine Überlebende aus Tunesien beschwerte sich, denn, obwohl interniert, bekam sie in Israel niemals Ausgleichszahlungen, da Nordafrika nicht den israelischen Ausgleichskriterien entspricht.

Wer als Überlebender vor dem Jahr 1953 nach Israel zog, hat normalerweise vollen Anspruch auf Ausgleichszahlungen sowie spezielle Renten. Wer danach ins Land kam, fällt allein deshalb schon durch viele Raster. Nordafrikanische Juden oder der Kaukasus gleich ganz. Gestern abend sahen wir Geschwister, die überlebt haben, doch zu unterschiedlichen Daten ins Land zogen. Einige von ihnen erhalten den vollen Ausgleich, da sie vor 1953 nach Israel kamen und andere, die später einwanderten, unterliegen einem finanziell wesentlich schlechteren und komplizierteren Verfahren. Dabei handelt es sich um Bruder und Schwester, die gemeinsam durch denselben Holocaust gingen. Interessieren aber tut das die israelischen Behörden leider zu selten. Die öffentliche Diskussion kam wieder auf und wir werden sehen, ob sich etwas ändert. Unterdessen jedoch sterben die Überlebenden, da viele schon weit über 80 Jahre alt sind.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Unangenehme Wege

B"H

Ich kann es kaum glauben: Da war ich heute in einem Altenheim, auf dem Friedhof und habe für Montag einen Termin bei der "Chevrat Kadischa", der jüdischen Bestattungsorganisation, ausgemacht. Und das alles, weil ich an einem Buch über eine ehemalige Persönlichkeit aus Tiberias schreibe.

Das lokale Altenheim brachte beim Eintritt den Geruch von Krankenhaus mit sich, aber letztendlich stellte sich das Personal als sehr nett heraus. Wie man das als Aussenstehender halt nach ein paar Minuten so beurteilen kann.

Auf einen jüdischen Friedhof in Israel zu gehen, ist teilweise gar nicht so einfach, denn Grab liegt an Grab. Es kann passieren, dass man nicht an jedes Grab kommt, denn es gibt kaum Platz zum Laufen. Oft nur wenige Zentimeter. In Tiberias ist die Lage diesbezüglich ganz schlimm und man hangelt sich halt so durch die Reihen und schaut, dass der Fuss auf kein Grab tritt.



Der Friedhof von Tiberias

Photo: Miriam Woelke


Die "Chevrat Kadischa - das jüdische Bestattungsunternehmen per Halacha" befindet sich oft neben einem Friedhof und der Besucher darf seine Fragen stellen. Ich suche ein Grab auf einem bestimmten Friedhof und da ich am Montag eh vor Ort sein werde, soll ich bei der "Chevrat Kadischa" vorbeischauen und sie wollen helfen. Allerdings nur bis 13.30 Uhr, denn es ist Chanukkah und man will eher nach Hause.

Kein einfacher Tag und ich frage mich schon, was im Alter einmal wird. Aber in unserem Alter schiebt halt jeder derlei Gedanken weit von sich.

Montag, 29. November 2010

Eine Biographie schreiben

Quelle: Overfloden


B"H

Ein Buch über eine einem selbst unbekannte Person zu verfassen, ist alles andere als einfach. Allein der intensive Research kann nervenaufreibend sein. Manche Leute sagen mir sogar: "Alle Zeitzeugen sind tot, also lasse alles auf sich beruhen".
Diese Aussage jedoch hält mich nicht von meinem Vorhaben ab.


Bis vor kurzem kannte ich den Namen der Person, über die ich schreibe, gar nicht. Mittlerweile versuche ich, ein Puzzle zu ergründen und zusammenzusetzen.


Man stelle sich vor: Da hat jemand im Leben einiges an Bekanntheit erlangt, wird älter, krank und verschwindet im Altenheim. Was wird dann aus all den Träumen der "Unsterblichkeit" ? Gestern noch mit einem Staatspräsidenten auf der Veranda gesessen und heute kommt die Altenpflegerin zum Windeln wechseln.


Was muss in solch einer Person vorgehen ? Beginnt man dann nachzudenken ? Was hat der Ruhm im Endeffekt gebracht ?


In der vergangenen Woche sagte mir jemand, dass ich in meinem nicht in der Lage bin, mich in eine Person im Altenheim hinein zu denken. Der Mensch durchlaufe verschiedene Phasen im Leben und im Seniorenalter sitzt man nicht da und denkt, dass das bisher gelebte Leben vielleicht ein Fehler war. Eher werde an die Zukunft gedacht und wie alles von nun an positiver gestaltet wird.


Es ist gewiss nicht einfach, eine Biographie zusammenzusetzen. Es ist Arbeit, doch im Nachhinein beginnt man als Schreiber über sein eigenes Leben nachzudenken und daran, was einem selbst im Leben wichtig erscheint.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Nefesh Be'Nefesh, Renten und die Aliyah mit 50 - Teil 2

B"H

Grundsätzlich darf mit der Jewish Agency jeder Jude Aliyah nach Israel machen. Genaue Detailangaben zur Einwanderung kann ich leider keine mehr machen, denn die Gesetze ändern sich alle paar Monate. Nach meinen weit mehr als zehn Jahren in Israel habe ich keinen blassen Schimmer mehr.

Die Aliyah Organisatoin "Nefesh B'Nefesh", die da insbesondere zuständig ist für die USA, Kanada oder England, scheint im Gegensatz zur Jewish Agency eine weitaus andere Agenda zu verfolgen. Vornehmlich werden einwanderungswillige Juden gesucht, die einen guten Beruf haben (Wissenschaftler oder Hightech) und leichter auf dem israelischen Arbeitsmarkt zu vermitteln sind. Wer dagegen nicht so toll dasteht und über weniger Finanzspritzen verfügt, kann auch schon einmal angemault werden a la "Israel brauche keine Neueinwanderer, die dem Steuerzahler hinterher zur Last fallen, weil sich der Neueinwanderer nach Abnutzung seiner Aliyahrechte nicht mehr allein finanzieren kann und eventuelle auf die Sozialhilfe angewiesen ist. Wozu dann Aliyah machen und Israel zur Last fallen ?
Allein die letzte Bemerkung finde ich total mies, denn jeder Jude hat das Recht auf Aliyah. Natürlich geht es bei Nefesh B'Nefesh um viel Geld, denn die Organisation zahlt Unsummen an jene Leute, welche mit ihr Aliyah machen. Und da will man Erfolge vorweisen und keine zu hohe Rate von Neuankömmlingen, die die Nefesh B'Nefesh Begrüssungskohle abstauben, davon 2 - 3 Jahre leben und wenn das Geld alle ist, wieder in die USA oder sonst wohin abhauen.

Ferner kommt es Nefesh B'Nefesh genauso auf das Alter an, denn man will junge Leute / Ehepaare nach Israel bringen. Wer älteren Semesters ist, der sollte vorab ausreichende eine Altersversorgung aus dem vorherigen Land parat haben, denn sonst kommt die Anfrage, ob denn nicht lieber die Kinder im einstigen Heimatland als Bürgen eintreten wollen. Im Klartext: Macht die Mutter es in Israel nicht, sollen die Kinder in den USA, England oder Kanada finanzielle einspringen.

Bin ich froh, dass ich mit der Jewish Agency Aliyah machte und mir der ganze Nefesh B'Nefesh Firlefanz erspart blieb. Mit einem jedoch haben sie Recht: Wer bei der Aliyah über 40 ist, der sollte sich um eine israelische Altersversorgung kümmern, sonst steht er bei der Rente fast leer da. In Deutschland werden einem die Rentenbeiträge direkt vom monatlichen Gehalt abgezogen. In Israel hingegen läuft das anders und fast alle Arbeitnehmer schliessen einen privaten Vertrag mit einer Versicherungsgesellschaft ab. Das kostet und ein Teil unserer monatlichen Beiträge stellt die Provision des Versicherungsheinis. Tolle Abzocke !

Je älter man ist, desto höher die Beiträge !
Mein Ratschlag: Sorgt ernsthaft vor und holt Euch alle möglichen Infos zu den einzelnen Versicherungsgesellschaften. Lasst Euch die Prämien des Angestellten sowie Euren privaten Anteil ausrechnen. Nicht nur auf heute, sondern über sämtliche Jahre hinweg. Ansonsten erhaltet Ihr im Alter eine Mindestrente, die vorne und hinten nicht langt.


Links:


Donnerstag, 21. Oktober 2010

Nefesh B'Nefesh, Renten und die Aliyah mit 50 - Teil 1

B"H

Erst gestern berichtete ich von der Aliyah - Organisation "Nefesh B'Nefesh" (NBN), die da den "Aliyahmarkt" in den USA, Kanada oder Frankreich fast vollständig beherrscht. NBN bietet den Neueinwanderern nach Israel besondere Rechte, welche niemand bei einer Aliyah mit der Jewish Agency bekommt. Fragt nicht, wieviele Tausende von Dollar ein NBN - Ankömmling in Israel erhält.

Vorwiegend siedelt Nefesh B'Nefesh die Neueinwanderer in Modi'in oder Beit Shemesh (beide Orte sind liegen nahe bei Jerusalem) an. Seit Neuestem steht das interne Programm "GO NORTH" auf dem Plan. Neueinwanderer können sich für ein Leben in Nordisrael entscheiden und bekommen noch mehr an Vergünstigungen als ihr Counterpart, der sich in Jerusalem oder Beit Shemesh niederlässt.

Seit Jahren schlägt NBN mit Erfolgszahlen um sich. Tausende machen alljährlich Aliyah mit NBN und die Erfolgsquote, dass es ein Neueinwanderer in Israel schafft und auch nach dem Ausgeben des Geldes der Aliyahrechte im Land bleibt, liege bei 98 %. Eine Zahl, die ich für mehr als übertrieben halte, denn ich traf in der Vergangenheit auf viele NBN - Leute, die das Land wieder verliessen und in die USA zurückkehrten. Trotz Job und allem komme man in Israel nicht zurecht und ziehe seine alte Heimat vor.

Was sich jedoch alles auf den ersten Blick so toll anhört und wo jeder bei all den super Vergünstigungen dabei sein will, steckt eine knallharte Agenda und Politik dahinter. Nichts ist halt umsonst und NBN ist ein Business, welches Erfolgszahlen sucht. Wie ich heute erfuhr, beschränkt sich das "GO NORTH" Programm lediglich auf Personen, bei denen ein finanzielles Auskommen nach der Ablauf der von Nefesh B'Nefesh gezahlten Vergünstigungen gesichert ist. Ist jemand über 50 oder 60 Jahre alt, so wird derjenige von NBN abgelehnt, falls niemand aus dem Familienkreis für das finanzielle Weiterbestehen im Land die Garantie übernehmen will.

Wer in Israel als Arbeitnehmer keine private Rentenversicherung abschliesst, der steht im Rentenalter fast mit leeren Händen da. Diverse staatliche Angestellte bilden Ausnahmen, doch die Mehrheit der Arbeitnehmer bekommt wenig Rente. Der staatliche monatliche Rentenbetrag liegt bei ca. 1500 Schekel (ca. 300 Euro).
Wer soll davon leben ?

Wer im fortgeschrittenen Alter Aliyah nach Israel macht und aus seinem Heimatland keine Rentenreichtümer zu erwarten hat, steht allein mit der staatlichen Miete da. Und was dann ?

Je älter der Neueinwanderer ist, desto höher der monatliche Beitrag zur privaten Zusatzrente ! Sagen wir, jemand macht mit 50 oder 60 Jahren Aliyah und hatte bisher keine israelische Zusatzrente, dann bekommt er lediglich die gesetzlich vorgeschriebene Mindestrente zugesprochen. Ferner hängt die Höhe der Rente am letzten Einkommen !

Wer sagt, er will privat Beiträge für einige Jahre nachzahlen, den hetzen gnadenlos die Versicherungsgesellschaften, denn die wollen dicke Provision abkassieren. Eine Nachzahlung ist möglich, doch dann sollten die Beträge sich auf mindestens 1000 Schekel pro Monat belaufen. Kurz gesagt, das Rentenwesen ist kompliziert und nicht billig für den Versicherten.


FORTSETZUNG FOLGT AM SONNTAG !

Freitag, 20. November 2009

Schabbat Schalom

B"H

Noch im sonnigen Tel Aviv, doch zum Schabbat geht es heute nachmittag zurück nach Jerusalem. Durch den Wetterumschwung ist das Proletariat ständig müde. So auch ich.
Man kann sich derzeit nicht zu besonders viel aufraffen, sondern ist froh, wenn einmal das Relaxen ansteht.

Trotz jeglicher Kulturangebote im kulturbesessenen Tel Aviv zieht es mich eher in die israelische Gesellschaft. Es gibt nichts Besseres als sie kennen zulernen. Wer danach Ausschau hält, der braucht nicht lange zu suchen. Was weiß die Politik davon, wie die Leute ihr Leben meistern ?


Ich habe keine Ahnung, ob es das Kino im Jerusalemer "Binyanei HaUma - Messezentrum" noch gibt, doch fühlte ich mich an kaum einem Platz so unbehaglich, wie gerade dort. Das Publikum setzte sich weitgehend aus komischen alten Deutschen samt jener älteren Garde zusammen, die da der Meinung war, sie stelle die aschkenazische Elite Israels. Manchen stand immer noch ihr Ghettogehabe im Gesicht: "Komm mir bloss nicht zu nahe, denn Du könntest etwas von mir wollen, doch brauche mein Essen für mich allein".
Wenn ich in diesem Land eines meide, dann sind das Holocaust - Überlebende aus Deutschland:

"Ja, der Herr oder die Dame, gestatten sie bitte".
"Oh, Mann, das ist ja alles scheisse hier !"
"Oh, wie ungezogen. Sie kommen ja aus einer schönen Besenwirtschaft !"

Lieber ist mir da der kurdische Jude, der mit der seine Nase auf dem Gehsteig entleert, kräftig rülpst und einen dann zum Kube (Fleischklops in Teig) essen einlädt. Da weiß man wenigstens, was man hat.

Anscheinend bin ich heute richtig toll prolo drauf.
Na, dann, Schabbat Schalom !


Freitag, 26. Juni 2009

Freitagshelden

B"H

Wer jüngereren Semesters ist, der denkt nicht daran, wie es ihm im Alter ergehen könnte. Aber je näher wir altermässig fortschreiten, desto mehr ziehen wir es vor, den Gedanken von uns zu schieben. Alters - oder Pflegeheim ? Nee, ich doch nicht.

Seit ca. zehn Jahren hat sich in Israel eine Altenpflegebranche der besonderen Art aufgetan. Dabei sind es keine Israelis, die sich in den Job der Seniorenbetreuung stürzen. Wer will das denn machen ? Windeln wechseln und ggf. Körper in die Badewanne hieven ? Da sucht man sich lieber einen bequemeren und besser bezahlten Job. Und sei es "nur" als Kassiererin, aber im Supermarkt wird wenigstens keine Sch….. geräumt.

Um den Personalbedarf in der privaten Altenpflege Herr zu werden, kam man hierzulande auf die Idee, die als freundlich und fürsorglich bekannten Asiaten ins Land zu holen. Zuerst junge Leute von den Philippinen und zwischenzeitlich werden auch Nepalesen engagiert. Tausende dieser Fremdarbeiter in der Altenpflege bevölkern mittlerweile das Land. Den Philippinas kann es nur Recht sein, denn in Isreal verdienen sie eine Stange Geld und sind so in der Lage, Geld an die Verbliebenen auf den Philippinen zu entsenden.

Immer mehr soziale Probleme tun sich damit auf. Rassismus gegenüber Asiaten, zum Beispiel. Heutzutage braucht man nur einem von ihnen auf der Straße begegnen und schon ist einem von weitem klar, dass derjenige in der Altenpflege jobbt. Wenn die Philippinas nicht gerade mit im Haus ihres Pflegefalles wohnen, dann bestimmt privat in einer Behausung mit anderen Asiaten. Israels Fremdarbeiter bleiben unter sich und hegen keine engeren Kontakte zur Gesellschaft des Landes. Die israelische Gesellschaft wiederum sucht auch keinen Kontakt zu ihnen. Man bezahlt sie und das wars. Es sei denn, irgendein Typ kommt auf den Gedanken, mit der Philippina in "die Kiste zu springen". Asiatische Frauen sollen so ja ihre Reize haben.

Sonntags ist der freie Tag der Philippinas, denn im Normalfall sind sie alle christlicher Religion. Und so sieht man ganze asiatische Gruppen am ersten Tag der Woche durch die Innenstädte ziehen. Gemeinsam und unter sich bummeln sie durch die Geschäfte oder sitzen in Cafes. An Wochentagen trifft man sich arbeitsbedingt, was bedeutet, dass eine Philippina mit einem älteren Herrn oder eben einer Dame spazierengeht, sie sich auf eine Bank setzen und eine zweite Philippina kommt ebenso dazu. Dann unterhalten sich oft die älteren Israelis, die Pflegebedürftigen der Philippinas genauso wie die beiden Asiatinnen eben.

Der Freitag ist allgemein ein Tag, dem ich eine ganz besondere Routine widme. Dazu gehört, dass ich mich in einen bestimmten Tel Aviver Park setze und die Tageszeitung durchblättere. Tel Aviv ist einzigartig mit seinen rot blühenden Bäumen und ich liebe es, diese anzuschauen.

Auch in "meinem" Park sitzen bei meinem Eintreffen schon einige Philippinas mit ihrem Altenclientel. Die Alten sitzen zusammen und die Philippinas genauso. Eine Frau sitzt im Rollstuhl und ich bin mir nicht sicher, wieviel sie von ihrer Umwelt noch wahrnimmt. Jedenfalls ist das Einzige, auf das sie schaut ein kleines Handtuch, welches sie dazu im Kreis herumdreht.

Ich setze mich jedesmal gleich neben die Gruppe; nicht, weil ich es unbedingt so plane, sondern weil fast immer alle anderen Parkbänke schon besetzt sind. Meist kommen weitere Besucher; eine VHS - Gruppe, die brasilianische Tänze lernt und neben ihrem Gebäude im Park proben. Wenn dies geschieht, dann geraten die Alten stets außer Rand und Band. "Oh, Musika", sagen sie dann und freuen sich. Alle klatschen mit, selbst die Philippinas. Alle, außer der alten Dame mit ihrem Handtuch.

Ebenso zu der Freitagsszenerie gehört eine weitere ältere Dame, die sich abseits hält. Anscheinend geht sie ihrem Morgenfitness nach, was bedeutet sie geht im Kreis durch den kleinen Park. Viele Male und immer dann, wenn sie unsere Gruppe passiert, schaut sie mit besonderem Interesse auf uns. Beschwingt geht sie vorbei und zeigt kein Anzeichen von Alterschwäche. Modern gekleidet und mit ihrer eintätowierten Auschwitznummer auf dem Arm joggt sie fast an uns vorüber, wobei sie niemals vergisst, uns eindringlich zu mustern.
Manchmal habe ich das Gefühlt, dass sie auf die Altengruppe schaut und denkt, dass es man gut sei, dass sie da nicht dazugehöre. Zur Musik klatschen und von einer Philippina heimgeschoben zu werden. Ein Dank an G - tt, wenn man zu all dem noch allein in der Lage ist, sich zu versorgen und auf niemanden angewiesen ist.

Aber vielleicht bilde ich mir ihre Gedanken auch nur ein, denn insgeheim überlege auch ich, was geschehe, wenn ich einmal da im Rollstuhl sitze und "mein Handtuch herumdrehe". Jeder mag sich das fragen und es sind letztendlich die Alten, die uns zeigen, dass auch sie sich immer noch des Lebens freuen. Mag sein, dass wir Parkbesucher die Altengruppe ungemein bewundern, die da trotz allem Lebensfreude versprühen.

Heute ist Freitag und ich mache mich nachher wieder auf im Park in den Park. Hoffentlich ist die Volkstanzgruppe auch wieder da !