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Dienstag, 20. November 2012

Was, wenn ...


Gesehen heute in Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke

B"H

Ich erfuhr erst vorhin, dass es in Jerusalem heute erneut Raketenalarm gab. Da habe ich wohl etwas "verpasst", denn ich war den ganzen Tag in Tel Aviv. Da dachte ich, dass gerade hier an der Küste die Wahrscheinlichkeit einer einfliegenden Hamas – Rakete höher sei und dann stand Jerusalem auf der Liste. 

Das israelische TV kennt nur noch ein Thema und manchmal wünsche ich mir, ich lebte woanders auf der Welt, wo die Leute einfach nur leben, die Natur geniessen und nicht gezwungen sind, bei jeder Bewegung in Betracht zu ziehen, dass jeden Moment eine Rakete einfliegen kann. Dann aber bin ich doch wieder froh in Israeli zu leben, denn ich will gar keine andere Alternative mehr.

Mittwoch, 28. September 2011

Letzte Bestandsaufnahme 5771


Stadtteil Nachlaot in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

B”H 

Heute abend beginnt das jüdische Neue Jahr 5772. Ich kann mir vorstellen, dass gerade in der Diaspora der Feiertag etwas seltsam sein muss, denn immerhin geht dort der ganz normale Alltag einfach so weiter. In Israel hingegen, selbst in Tel Aviv, ist allgemeine Feiertagsstimmung angesagt. Auch ich lasse mir das nicht nehmen, trotzdem ich heute nochmals arbeiten muss. 

Über all das Abu Mazen und Netanyahu – Gefasel der letzten Woche habe ich mich weder aufgeregt noch eingehend damit beschäftigt. Dieser Tage richtet G – tt die gesamte Welt und Er wird entscheiden. 

Wenn ich auf das in wenigen Stunden ausklingende Jahr zurückblicke, merke ich erst, wie schnell die Zeit raste. Vor einem Jahr war ich zumeist im Norden. In Tiberias und Zfat, um mich dort ggf. anzusiedeln und der Hektik der Stadt zu entkommen. Funktioniert hat das nicht, denn ich bin ganz einfach nicht der Typ, der sich auf längere Sicht in die Pampa hocken kann. Daher lebe ich seit mehr als einem halben Jahr wieder in Tel Aviv. 

Das Leben kann manchmal rastlos sein, denn ca. 2 Jahre pendelte ich der Arbeit wegen zwischen Jerusalem und Tel Aviv hin und her. Langeweile kam also nie auf, doch stressig war die Zeit schon. Beide Städte sind, von ihrem Charakter her, einzigartig und nicht miteinander zu vergleichen. Dennoch wünschte ich mir letztendlich ein festes Zuhause und entschied mich für Tel Aviv. Eine Entscheidung, welche ich bisher nicht bereute. Wahrscheinlich, weil hier sehr private Gründe ein Rolle spielen und ich froh bin, aus Jerusalem fort zu sein. 

Und das sage ich, obwohl der Blog “Leben in Jerusalem” heißt.:-)))
Naja, manchmal bin ich schon noch in der Hauptstadt und geniesse meine Zeit. Ich hatte sogar vor, wieder dorthin zurückzuziehen, doch auf längere Sicht kommt dies erst einmal nicht in Frage. 

Wie ich, werden vermutlich viele andere dieser Tage ihr Leben reflektieren und nachdenken, was geleistet wurde, was fehlschlug und was in der Zukunft ansteht. 

“Ein gutes, süßes, gesundes, erfolgreiches und friedvolles Neues Jahr 5772” wünsche ich allen meinen Bloglesern ! Der Feiertag beginnt heute abend und endet kurz vor Schabbateinbruch am Freitag abend. 

Da es aber gleich weiter in den Schabbat geht, melde ich mich erst wieder am Schabbatausklang (Mozzaei Schabbat).

Donnerstag, 5. Mai 2011

Tel Avivim



Downtown Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke
B”H

Die Tel Aviver (Tel Avivim) haben hierzulande ihre ureigene Reputation. Einmal vom ausgesprochenen Säkularismus und verbreiteter linker politischer Ansichten abgesehen, sind, lt. Nicht – Tel Avivim, die Tel Aviver egoistisch, materiell veranlagt, gehen stetig aus, machen nonstop Parties, haben Unmengen von oberflächlichen Freunden, hocken in der Shenkin im Café. Kurz gesagt, das Volk der ACHLAH, SABABA (arab. SUPER) und AHLAN (arab. HALLO).

Tatsache aber ist, dass in Tel Aviv hart gearbeitet wird, denn das Leben ist sauteuer. Immer auf der Suche nach dem Fortkommen im Leben und der ständige Traum von Veränderung. Niemand denkt daran, den Job, den er gerade innehält in drei oder vier Jahren noch zu machen. Bis dahin tut sich längst etwas Neues auf. Vielleicht schon morgen oder nächste Woche. 
Wenn Auswärtige in die Stadt kommen, begreifen sie meist den Tel Aviver Drang nach Veränderung nicht, doch gerade unsere Stadt bleibt niemals auf dem Fleck stehen.

Freitag, 19. März 2010

Schabbat Schalom

B"H

Am Schabbat wird sich gewöhnlich erholt, doch in Jerusalem weiss man bekanntlich nie. Die Moslems haben heute ihr Freitagsgebet und ich nehme an, dass die Altstadt wieder einmal aus Sicherheitsgründen abgeriegelt sein wird. Bedeutet im Klartext: Jeder, der durch eines der Tore in die Altstadt gelangen will, muss durch eine Polizeibarriere. Juden und Touristen passieren sofort, doch Palästinenser müssen sich nicht selten ausweisen. Wer längere Zeit in Israel lebt, der erkennt WHO IS WHO von weitem und lernt schnell zu differenzieren. Als Tourist im Land habe ich nie von der äußeren Erscheinung her geschlossen, wer hier wer ist. War der Unterschied zwischen Juden und Arabern nicht allzu relig. offensichtlich, wusste ich meist nie zu sagen, ob da jetzt einer Palästinenser ist oder jüdischer Israeli. Mit der Zeit aber kommt die Routine auf.

Die Fahrt von Jerusalem nach Tel Aviv am gestrigen Abend war eine einzige Katastrophe und all jene, die wie ich fast eine Stunde am dem Bahnsteig (Razif) des Busbahnhofes standen und vergebens auf einen Bus warteten, wissen was ich meine. Egged hatte einmal wieder Chaos produziert und kaum etwas lief. Die Warteschlangen der Fahrgäste nach Tel Aviv wurden immer länger und die Wartenden fingen mit der Keiferei an. Aber auch nach Haifa herrschen Engpässe.

Das staatliche Busunternehmen Egged nennt nur eine bestimmte Anzahl an Bussen sein Eigen. Und falls die Buss irgendwo auf der Autobahn im Stau stehen, kommen zwangsläufig Engpässe auf und nichts geht mehr, bis die Busse eingetroffen sind.

Als ich in der vergangenen Woche zurück nach Tel Aviv fuhr, hob sich die Plastikauslegware des Busses unter den Füssen der Fahrgäste auf der rechten Seite. Luft blies von unten an den Fussboden und der erhob sich in verdächtige Knöchelhöhe. Wir machten den Fahrer darauf aufmerksam, doch der meinte, dass die Bremsklötze frisch ausgewechselt worden waren und nun drang halt kurz Luft von unten in den Bus.

Hääähhhh ???

Kein Grund zur Sorge. Schliesslich sei das hier Egged und kein Luxusdampfer. Alles wieder unbesorgt hinsetzen und wenn es uns nicht passt, können wir einen Sitzplatz auf der anderen Busseite einnehmen.

Was soll man auch groß für seine 19 Schekel (und ein paar zerquetschte Agorot) verlangen ? Eine Limousine etwa ? In gewissen Situationen muss man schon mal bereit sein, seine Beine anzuheben, um so dem aufsteigenden Fussboden Platz zu machen.
In meinen 14 Jahren Israel habe ich mich an soviele Dinge gewöhnt, dass ein zu platzen drohender Busfussboden das kleinere Übel darstellt.

In wenigen Stunde bin ich wieder auf Egged angewiesen, denn ich fahre nach Jerusalem über den Schabbat. Ferner droht schon morgen abend wieder die Arbeit in der Bäckerei.

Zwei Leser schrieben mir e - mails und ich bin noch Antworten schuldig, was ich jedoch auf die kommende Woche verschiebe. Diese Anmerkung nur, damit niemand denkt, ich hätte ihn vergessen !

"Schabbat Schalom" an alle Leser !

Freitag, 23. Oktober 2009

Schabbes Koidesch

B"H

Mit 25 Grad Celsius hat sich das Wetter einigermassen abgekühlt. Allerdings erwarten uns ab sonntag wieder 29 Grad und allmählich haben wir alle mehr als genug vom Sommer. WIsrael braucht dringend Regen und es wird Zeit, dass die Regenperiode einsetzt.
Wenn sie denn einsetzt.

Neulich fragte jemand, ob es denn in Israel so richtig Winter werde. Die Antwort lautet JA, nur kommt es darauf an, wo man wohnt. Im Norden, auf dem Golan, in Samaria (Schomron) sowie in Jerusalem wird es mit Sicherheit Winter und ich sehne mich nicht gerade nach der manchmal beissenden Kälte Jerusalems und den damit verbundenen Winden, die einen kaum einen Schirm aufspannen lassen.
Tel Aviv hingegen bleibt einigermassen ertragenswert. Die dicke Winterjacke kann man meist im Schrank lassen, den Regenschirm jedoch nicht.

Üblicherweise berichten unsere Tageszeitungen oftmals nur vom Chaos der Welt und wenig Positives. Heute früh jedoch erwartete uns gleich auf der Titelseite der MAARIV einen freudige Überraschung. Nicht für die Linken, doch wem Israel und die jüdische Identität wichtig ist, kann sich freuen.

Gestern abend fand vor der Kotel (Klagemauer) eine Vereidigungszeremonie neuer Rekruten der israelischen Armee statt. Derlei Zeremonie vor der Kotel abzuhalten, ist nichts Ungewöhnliches und gehört fast zum Jerusalemer Alltag.
750 neue Soldaten des "Schimschon Batallions" wurden vereidigt und gleich zu Beginn der Ansprache eines hohen Offiziers der "Kfir - Einheit" gab es den unerwarteten Eklat. Zum ersten Male in der Geschichte Israel wehren sich Soldaten offiziell, jüdische Siedlungen zu räumen.
Bei der Räumung Gush Katifs sowie von jüdischen Siedlungen werden stets Polizei und Armee herangezogen. Oftmals Drusen oder nichtjüdische israelische Soldaten, denn beide Gruppen verspüren einen hohen Grad an Abneigung gegenüber religiösen Juden / Siedlern.

Jetzt wehrte sich die Schimschon - Einheit und hielt vor aller Augen mitten in der Vereidigung ein Plakat mit der Verweigerung hoch. Nicht nur die Soldaten, sondern auch deren anwesende Eltern. Die Armee unternahm nichts und liess die Verweigerer ihres Amtes walten. Die Eltern der Soldaten liessen verlauten, dass ihre Söhne in die Armee gehen, um die Feinde Israels zu bekämpfen und nicht die eigenen Landsleute. Der Kfir - Commander sagte hinterher, die Soldaten haben nicht gewusst, was sie taten und den heiligen Ort der Kotel in den Dreck gezogen. Dass es genau umgekehrt war, fiel dem Commander nicht ein. Er und unsere Regierungen (Barak, Olmert, Netanyahu, Livni, etc.) sind es, die den Platz verunreinigen und G - tt in den Schmutz ziehen (Chillul HaShem).
Positiv zu bewerten ist ebenso, dass Teile der israelischen Gesellschaft sich zu wehren beginnen; zu wehren gegen die linken und liberalen Israelis, welche mit ihrem übertriebenen Liberalismus die Zerstörung unserer jüdischen Gesellschaft verursachen.

Die Politik aber bleibt ansonsten außen vor, denn in wenigen Stunden beginnt der Schabbat. Die Märkte werden zum Wochenendeinkauf gestürmt und ich quetsche mich nachmittags in den Bus nach Jerusalem; in die Stadt, wo ich eh fast diese gesamte Woche verbracht habe. Beide Städte jedoch haben ihre eigenen individuellen Schabbatatmosphären. In der Umgebung des Jerusalemer Machane Yehudah Marktes kann man den Schabbat förmlich riechen, denn der Ruhetag hat seinen eigenen Geruch. Nicht nur, dass es aus vielen Fenstern heraus nach gutem Essen riecht, was gerade vorbereitet wird; der Machane Yehudah glänzt am Freitag durch eine spezielle Emsigkeit der Menschen. Schnell, schnell werden die Einkäufe erledigt und gleichzieitg sitzen andere im Cafe Aroma (im Markt neben der Agrippas) und strahlen Relaxtheit aus.

Sobald ich freitags den Jerusalemer Busbahnhof verlasse, wird mir bewusst, dass ich mich in der Heiligen Stadt befinde. Rings um den Busbahnhof werden Blumensträusse für den Schabbat verkauft. Besonders relig . Ehemänner bringen ihren Frauen am Freitag einen Schabbatblumenstrauß mit nach Hause.


"Schabbat Schalom" an alle Leser !


Link:

Montag, 17. August 2009

Etwas zum Nachdenken

B"H

Ein Interessanter Gedanke, den ich bei TWITTER aufschnappte:

"Bist Du schon einmal in ein Zimmer gegangen und hast vergessen, dass Du hineingegangen bist ? Ich denke, dass Hunde so ihr Leben verbringen." --Sue Murphy