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Mittwoch, 23. Dezember 2009

Mittwoch, 23. Dezember 2009

B"H

Nein, ich berichte nichts von Weihnachten und dergleichen. Für mich findet soetwas nicht statt und die anrollenden Bethlehem (Beit Lechem) Touristen sehe ich hoffentlich nicht.

Heute früh nahm ich den Bus heim nach Tel Aviv, wo strahlender Sonnenschein bei 19 Grad Celsius herrscht. Wir beneiden Euch nicht um Euer eisiges Wetter und bedauern Euch, wenn wir abends in den TV - Nachrichten von den Schneefällen in Europa und den USA hören.

Ausreichend geregnet hat es diesen Winter in Israel immer noch nicht, aber wir haben ja noch einige wenige Monate Zeit. Bis zum anstehenden Schabbat jedenfalls sollen fast frühlingshafte Temperaturen mit Sonne aufkommen.

Einige Blogleser interessiert es immer brennend, wie wir hier in Israel so leben. Ich weiss nicht, was die Leute sich so vorstellen, aber Alltag wird meines Erachtens nach überall auf der Welt gelebt. Auch in Israel hängen wir im Alltagstrott (schuften, fressen, pennen) und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass wir Bewohner uns oft nicht einmal der Schönheiten bzw. Außergewöhnlichkeit unseres Landes bewusst sind.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

10. Dezember 2009

B"H

Tel Aviv, sonnig. Jedenfalls am Vormittag.
Tagesverlauf: Kurztrip nach Jerusalem, um eine nationalreligiöse Kindergruppe zu unterrichten.

Aktueller Zeitungsaufhänger: Die gestrige Demo der Nationalrelig. in der Jerusalemer Innenstadt. Netanyahu beendete seine Kabinettssitzung eher und meinte lakonisch, dass er dies ja müsse, denn einige seiner Minister wollen pünktlich gegen ihn mitdemonstrieren.

Bei der Demo wurde der Premier aufgrufen, sich zu im Angesicht seiner Vorfahren zu schämen. Dass Netanyahu mehr "Amerikaner" ist als Israeli, wissen wir alle. Sein Vater, der Historiker Benzion Netanyahu, scheint wenig Einfluss auf seinen Sohn zu besitzen und selbst Bibis Bruder Ido ist sprachlos bezogen auf den Kniefall vor Obama.

Vielleicht kommt ja Chanukkah gerade recht. Chanukkah, das Fest, an welchem die Juden nicht unbedingt die Griechern schlugen, sondern sich selbst. Man besann sich auf die eigene Identität und Thora und sandte alle Götzendiener wohlweislich zum Teufel. Wobei das Teufelkonzept im Judentum ein wesentlich anderes ist als im Christentum !

Zweiter Aufhänger in der MAARIV: Ein Tel Aviver Gericht erlaubte die Veröffentlichung des angeklagten Ex - Bodyguards von Oberbefehlshaber Gabi (Gabriel) Aschkenazi. Der Bodyguard Erez Efrati wird der versuchten Vergewaltigung einer 19 - jährigen im Tel Aviver Hafen beschuldigt. DNA und Zeugen belasten Efrati, doch seine Mutter, Verlobte samt Freunde machen auf unschuldig.
Wieder einmal will es selbst eine Verlobte nicht wahrhaben, dass ihr Zukünftiger kein so toller Knabe ist, wie sie dachte.
Soviel zur Naivität vieler Frauen.

In israelischen Tageszeitungen ist es keine Seltenheit, dass eine Seite den vergewaltigungen gewidmet ist. Eine Seite der Bestechung, eine Seite den Morden und gute Nachrichten bekommen wir seltener zu lesen. Die sind nicht allzu rentabel und geradezu langweilig.

Jerusalem ist weit weg (50 km) und in Tel Aviv konzentriert man sich auf das PrivatLeben.
Was bleibt einem viel anderes übrig ? Soll man sich wegen all der Katastrophen im Meer versenken ?
Stattdessen weiss man zu leben, aber nicht nur egoistisch und ignorant, wie die landesweite Stereotype bezüglich der "Tel Avivim" lautet. Ob man es glaubt oder nicht, auch TA besitzt seine Katastrophen.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Dienstag, 8. Dezember 2009

B"H

Früh am Morgen brachte ich die gewohnte Odyssee hinter mich: Ich fuhr mit dem Bus von Jerusalem heim nach Tel Aviv. Nachts in der Bäckerei gearbeitet, nun ein Meeting in Tel Aviv und wieder wird es nichts mit schlafen. Dafür mache ich tagsüber heute etwas blau.

Gestern sowie die Nacht über regnete es und die Temperaturen sind ganz unten. Regen in Tel Aviv als ich ankam, doch inzwischen scheint die Sonne und 18 Grad C warten auf uns.

Gruss an die Jerusalemer mit nur 12 Grad.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Jerusalem am 6. Dezember 2009

B"H


Da regen sich in Europa und wohl auch in Teilen der arabischen Welt noch die Gemüter, in Israel hingegen sind wir schon einen Schritt weiter und die Schweizer Minarettabstimmung ist ad acta gelegt.
Seit Donnerstag abend ist es offiziell: Einer der Bodyguards unseres Oberbefehlshabers der Streitkräfte, Gabriel (Gabi) Aschkenazi, vergewaltigte eine 19 - jährige im Hafen von Tel Aviv. Der Schuldige windet sich mit Ausreden, doch ein positiver DNA - Test liegt vor.


Das Thema "Schweinegrippe" liegt momentan auch etwas auf Eis, denn alles dreht sich um Gilad Shalit und dessen Deal. In der Schabbatausgabe der israelischen Tageszeitung MAARIV beklagte sich die Mutter des gefallenen Offiziers Chanan Barak darüber, dass ihr Sohn in Vergessenheit geraten sei. Alles drehe sich um Shalit, dabei war Chanan der Offizier des Panzers, in welchem Gilad Shalit diente.


Ab morgen soll das relativ warme Winterwetter ein Ende nehmen. Wir brauchen nach wie vor Regen und morgen dann soll es so richtig giessen.


Chanukkah steht vor der Tür und ich werde in dieser Woche einige Berichte dazu verfassen. Insbesondere zur Stimmung in Jerusalem. In Tel Aviv ist leider damit nicht soviel her, außer man geht zu Chabad oder nimmt gleich den Bus rüber ins nahe Bnei Brak.


An Chanukkah selbst (in der kommenden Woche) plane ich einen erneuten Trip nach Hebron zum Grabe der Vorväter und in den winzigen jüdischen Teil der Stadt. Der Bus nach Hebron fährt kurz durch Gilo und hier können sich die Gemüter wieder über jenen Jerusalemer Stadtteil erhitzen, der ebenso aus den Schlagzeilen verschwand, denn es stellte sich heraus, dass Gilo keine Siedlung ist.


In Israel rauscht die Nachrichtenmasse nur so an einem vorbei und niemand hat große Zeit zur Verarbeitung.