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Dienstag, 30. Oktober 2012

Trotz Entlassungen geht es der israelischen Wirtschaft nicht schlecht

B"H

Im Hightech – Bereich finden hierzulande gerade Entlassungen statt. Nicht massenweise, doch einige Hundert Angestellte müssen gehen, wie der obere Zeitungsartikel bezüglich dreier Mobilphone Anbieter beschreibt. Angeblich soll dabei lediglich der "untere" Bereich, wie Customer Service, betroffen sein. 

Immer wieder neu kommt das Thema "In Tel Aviv gibt es mehr Jobs als in Jerusalem" auf. Das Statement entspricht der Wahrheit, doch darf man nicht außer Acht lassen, unter welchen Bedingungen viele Tel Aviver arbeiten. Neulich erst muckten die Restaurantköche auf, denn deren zusätzliche Überstunden werden von des Betrieben einfach nicht gezahlt. Wem es nicht passt, der kann sich woanders einen Job suchen. Köche gibt es schliesslich genug. 

Die israelische Gastronomie bietet reichlich Jobs, doch nicht selten werden Überstunden nicht erstattet und den gesetzlichen Lohnaufschlag am Schabbat oder an Feiertagen kann man sich gleich mit abschminken. Wer sich auflehnt, kann sofort seine Sachen packen und eine neue Stelle suchen. 

Derlei Praktiken finden genau so in der Hotelindustrie statt, wo, wie in der Gastronomie, tüchig ausgebeutet wird. Aber den Angestellten dieser Zweige scheint es eh überall auf der Welt schlecht zu gehen.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Zahl der arbeitslosen Israelis steigt an

B"H 

Im August dieses Jahres meldeten sich 251,000 Israelis arbeitslos. Dies bedeutet eine Steigerung von 0,3 % in Vergleich zum Juli (240,000 Arbeitslose). Dennoch verzeichnet der israelische Arbeitsmarkt viele neue Arbeitsplätze. Die Frage bleibt nur, in welchen Branchen und zu welchen Arbeitsbedingungen, denn Israel ist bekannt für ein niedriges Lohnniveau und die hohen Lebenshaltungskosten. Vielfach finden sich Jobs in Supermärkten oder Hotels, doch die Bezahlung ist bescheiden und leben kann man davon kaum. Zahlreichen Arbeitslosen, darunter eine hohe Quote älterer Arbeitnehmer, bleibt meist nur noch der Ausweg in die Selbständigkeit, denn die heutigen Bosse konzentrieren ihre Personalsuche weitgehend auf Leute im Alter von 20 – 30 Jahren.

Sonntag, 26. August 2012

Schulbeginn und Entlassungen


Gesehen in Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Es ist wieder soweit: Morgen (Montag) enden für ca. zwei Millionen israelische Schüler die Sommerferien und die meisten sind sogar froh, dass sie endlich wieder in die Schule dürfen. Seit Jahren findet hierzulande eine ewig wiederkehrende Diskussion statt, ob es wirklich einer Feriendauer von knapp drei Monaten bedarf, damit die Schüler sich erholen. Nach spätestens zwei Monaten haben viele die Nase voll und langweilen sich. Wie in jedem Jahr geht die nationale Presse auf das Thema "Erster Schul – oder Kindergartentag" los. 

Soviel zur heilen Welt, denn am September erwartet uns nicht viel Gutes. Wer redet von einem Krieg gegen den Iran, wenn es dem israelischen Otto Normalverbraucher an die Geldbörse geht ? Benzin und Lebensmittel werden drastisch teurer. Nach dem Rosh Hashana (jüd. Neujahrsfest) Mitte September, klettern allein die Preise für Obst und Gemüse ins Unermessliche. Einen Vorgschmack erhalten wir bereits dieser Tage, wenn wir uns den Preis für ein Kilo Tomaten anschauen. 

Damit noch nicht genug, denn die israelische Wirtschaft verkündet weitere Entlassungen. Allein in den Sommernonaten Juni / Juli 2012 verloren mehrere Tausend Israelis ihre Jobs und es soll noch schlimmer kommen. Für den Herbst stehen Massenentlassungen an und kaum eine Branche ist davon ausgeschlossen. Auch nicht die Hightech und Customer Service Branche. Wie wir bereits wissen, verlieren mehrere Hundert Cellcom und Pelefon – Mitarbeiter ihre Jobs. 

Insgesamt wird die Jobsuche noch komplizierter und immer mehr Akademiker finden sich als Taxifahrer wieder. Wer einen Job findet, muss sich nicht selten mit miesen Arbeitsbedingungen zufrieden geben. In Tel Aviv kenne ich Betriebe bei denen die Mitarbeiter weder die gesetzlich vorgeschriebenen Sonderzulagen noch ein ausreichendes Gehalt erhalten. Wer krankmacht wird abserviert oder schief angesehen, wenn er denn in den Betrieb zurückkehrt. Bei der Gewerkschaft Histadrut beschwert sich nur selten jemand, denn zu sehr herrscht die Angst vor, anzuecken und so auch noch den Job zu verlieren. Und so arbeitet insbesondere das Restaurant – und Hotelgewerbe ohne die gesetzlichen Sonderzulagen wie mehr Stundenlohn am Schabbat oder den Feiertagen. 

Obwohl ein Arbeitgeber verpflichtet ist, nach Ablauf einer bestimmten Betriebszugehörigkeit, Rentenversicherung zu zahlen, trauen sich viele Arbeitnehmer nicht, danach zu fragen. Und ohne nachzuhaken schliessen die Arbeitgeber erst gar keine Rentenversicherungen ab. Einer nicht zu unterschätzenden Masse von israelischen Arbeitsnehmern kommt es auf das Geld an, was jetzt ausgezahlt wird, denn man will ja überleben und nicht auf der Straße sehen. Im Alter herrscht kommt die große Reue, wenn die Rente zu gering ausfällt.

Donnerstag, 2. August 2012

Wo lohnt es sich nach dem Studium in Israel zu arbeiten ?

B"H 

Laut den aktuellen israelischen TV – Nachrichten sollten junge Israelis nach dem Studium entweder in der Hightech Branche, als Anwalt oder als Buchhalter arbeiten. Je größer die Firma, desto besser die Bezahlung. 

Nichtsdestotrotz sei hier einmal gesagt, dass es in Israel derweil viel zu viele Anwälte gibt, nicht jeder es schafft und viele geradezu am Hungertuch nagen bzw. nebenher in anderen Jobs tätig sind. Genau so wie die Buchhalter. 



Montag, 23. Juli 2012

Aliyah nach Israel und Job im IT – Bereich ?


Wohnungen im Jerusalemer Stadtteil Rechavia. Allein diese unbedeutend erscheinenden Wohnungen kosten massig an Miete.

Photo: Miriam Woelke

B"H 

Eine Leserfrage, die sicherlich für viele andere Aliyahwillige auch interessant sein dürfte: 

Jemand aus Deutschland spielt mit dem Gedanken, nach Israel auszuwandern. Er ist Anfang 30 und beendete ein Informatikstudium. Hat derjenige gute Aussichten, in Israel einen Job zu finden ? 

Unabhängig von der Antwort möchte ich nochmals betonen, dass nur Juden berechtigt sind, Aliyah nach Israel zu machen. Sonstige Touristen sollten sich davor hüten, einfach so in Israel zu bleiben geschweige denn die Koffer zu packen, mit dem Ziel, sich in Israel niederzulassen und der Rest werde sich schon finden. 

In Israel gelten diesbezüglich strenge Aufenthalts – bzw. Einwanderungsregelungen, die stetig verschärft werden. Ohne Visum wird gnadenlos abgeschoben. Außerdem sollten Leute mit Touristenvisum immer daran denken, dass ihre Rechte eingeschränkt sind. Ob das auf dem Arbeitsmarkt ist oder im Gesundheitswesen. 

Was, wenn Euch etwas passiert, ihr krank werdet und ins Krankenhaus müßt ? Wer übernimmt die Kosten ? Dies beginnt schon allein beim Krankenwagen, der ohne Notarzt fast 500 Schekel (ca. 100 Euro) kostet ? Selbst die israelischen Krankenkassen übernehmen für die Ambulanz nicht immer die Kosten. Es sei denn, man bleibt eine Nacht im Krankenhaus. Aber auch in dem Falle bestehen noch weitere Kritierien. 

Die Top Hitliste in diesem Blog liegt, neben Holocaust – Themen, bei der Einwanderung nach Israel und ich nehme einmal an, dass viele Interessenten Nichtjuden sind. Leute, die sich, aus welchen Gründen auch immer, einfach so in Israel niederlassen wollen und eben das funktioniert in den seltensten Fällen. Anscheinend jedoch denken zu viele Leute, dass sie schon irgendwie alles geregelt kriegen und eine Abschiebung betreffe sie ja eh nicht. Einmal in Israel angekommen, tritt dann ziemlich schnell die Ernüchterung ein, denn alles ist teuer und wie sollen Rechnungen beglichen werden. Wo einen Job finden, wenn die Arbeitgeber keine Touristen mehr einstellen wollen, da dies Probleme mit sich bringt. Allein die Visavergabe kann zum Spiessrutenlauf werden und die Angestellten im Innenministerium sind alles andere als feinfühlig. Schlimmstenfalls bestellen die einen Streifenwagen und laden Euch direkt am Flughafen ab. Soviel zum Leben in Israel ! 

Zurück zur Jobfrage:

Es kommt zuerst darauf an, wo sich der Betreffende im Land niederläßt. Die großen IT – Centers liegen in und um Tel Aviv. Kleinere Bereiche finden sich in Jerusalem, doch im Technology Park am Har Chotzvim (zwischen Sanhedria und Ramot) sind fast nur junge Amerikaner beschäftigt. Und damit sind wir gleich beim großen Problembereich: Eine Menge amerikanischer Juden wandern nach Israel ein und viele kommen aus dem IT – Bereich. Somit werden die zum größten Konkurrenten des deutschen Einwanderungswilligen. 

Ferner werden im IT – Bereich meist super Englischkenntnisse verlangt. Muttersprache Englisch und englische Programmierung. Alle israelischen PCs laufen entweder ausschliesslich in englischer oder hebräischer Sprache. 

Kurz gesagt, der Betreffende kann Glück haben und einen Job finden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit jedoch zuerst auf unterer Ebene. Vielleicht sogar nur in einem Call Center (Customer Service). Trotz Studium und BA, MA oder was auch immer, sollte ein Neueinwanderer seine Anforderungen drastisch herunterschrauben. Man fängt nicht selten ganz unten an und wer Beharrlichkeit zeigt, der steigt allmählich auf. 

Ein Geheimtipp der israelischen IT – Branche sind GOOGLE ISRAEL oder INTEL, wo hervorragende Bedingungen herrschen. Doch dort will jeder hin und von daher sollte sich niemand auf einen Job dort verlassen. Die Tel Aviver High Tech Branche heuert und feuert. Heute noch einen tollen Job stehen morgen Kürzungen an und man selber auf der Straße. Deswegen kann ich keine eindeutige Antwort auf die Frage geben, sondern sage lediglich, dass man Glück haben kann; oder halt auch nicht.

Sonntag, 24. Juni 2012

Israels Hightech Jobs

B"H 

Israel hat viele Arbeitslose, doch die Mehrheit von ihnen kann man oft nicht gebrauchen. Entweder sind die Leute zu unqualifiziert oder die Arbeitsmoral läßt dermassen zu wünschen übrig, dass man lieber gleich ganz auf Neueinstellungen verzichtet. 

Tel Aviv ist und bleibt das Hightech – Zentrum der Nation, obwohl Jerusalem nachzuziehen versucht. Die Küstenstadt jedoch verfügt über junge und ältere Macher, was Jerusalem nicht selten fehlt. Tel Aviv verlangt dem Bewohner Action ab. Schon allein, um sich finanziell über Wasser zu halten. Klotzen, klotzen, klotzen … so das Motto der Stadt. Hightech – Leute lassen sich nieder und gründen oftmals lieber ihre eigenen Start – ups mit individuell erarbeiteten Ideen, anstatt für andere Firmen zu schuften. Nicht jeder ist der absolute Computerspezialist, doch wer Ideen entwickelt, der ringt darum, diese umzusetzen. Freak mit Ambitionen zu sein, reicht dann, wenn die Finanzierung stimmt. 

Unzählige israelische Start – ups werden nicht umsonst von amerikanischen Firmen aufgekauft. Aktuelles Beispiel, das Tel Aviver Start – up FACE.COM, welches vom Giganten Facebook einverleibt worden ist. Dieser Erfolg eben macht es so reizvoll, sich selber etwas aufzubauen, anstatt bei anderen nu rein Rädchen im Getriebe zu sein. 

Weitere Infos zur Hightech - Branche in Tel Aviv

Donnerstag, 29. März 2012

Mietalltag in Tel Aviv


Downtown Ramat Gan bei Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke
B"H

"Vergesst heute nacht bloß nicht das Umstellen der Uhren auf die Sommerzeit. Eine Stunde vor. "
So jedenfalls hiess heute der meistgehörte Satz bei mir auf der Arbeit. Immerhin müssen wir morgen früh pünktlich zum Dienst antreten.

Seit ein paar Wochen werden bei uns wieder vermehrt Studenten zur Aushilfe beschäftigt. Oder eben jene Jungakademiker, die Filmwissenschaften studiert haben und sich, wie es so schön heisst, auf dem Arbeitsmarkt noch nicht zurecht finden. Ein solcher Filmwissenschaftler arbeitet seit kurzem bei uns. Er zieht seine eigenen Filmprojekte durch, doch schliesslich muss er die Miete in seiner WG zahlen. Tel Aviv ist bekanntlich irrsinnig teuer, doch die beste Stadt für Film und Presse. Unsere neue BWL – Studentin meinte, sie hätte überall arbeiten können, denn Studentenjobs gebe es viele in der Stadt. An einem Eisstand hatte sie für 24 Schekel pro Stunde (ca. 4,80 Euro) ein Jobangebot, doch der Job bei uns mache sich besser im Lebenslauf.:-)

Auf einer deutschen Website beantworte ich gelegentlich Fragen zum Thema ISRAEL & JUDENTUM. Die Anfragen werden mir vom Webbetreiber auf die e – mail Adresse gesandt und heute gab es wieder neue Fragen. Manche sind sehr interessant, aber die Mehrheit der Fragen klingt fast immer gleich: In Israel leben. Wie und wieviel Miete ? Und das von Leuten, die noch nie zuvor hier im Land waren und es somit gar nicht kennen.

Wie bereits Tausende Male erwähnt: Die Mieten in und sogar schon um Tel Aviv sind teuer. Der Preis mag für einen Westeuropäer gar nicht einmal so schlimm klingen, doch wer einige Zeit lang in Tel Aviv lebt und arbeitet, der muss ganz schön klotzen, um die Rechnungen zu zahlen. Und, leben will man ja auch noch. Mietkaution zwei oder drei Monate im voraus sind auch in Israel üblich. Touristen werden bei der Wohnungssuche teilweise abgezockt und in Tel Aviv haben sich daher einige Vermieter ganz auf Touristen eingeschossen. Ferner ist es üblich, dem Vermieter zwölf unterschriebene Bankschecks auszuhändigen, damit er monatlich die Miete eintreiben kann. In Israel werden Wohnungen gewöhnlich auf ein Jahr vermietet und danach wird umgezogen oder der Mietvertrag verlängert. Eine Verlängerung bringt in den meisten Fällen auch gleich eine Mieterhöhung mit sich.

Eine weitere Frage an mich lautete, dass man gehört habe, Vermieter ändern je nach Belieben die Miete. Das stimmt nicht ganz, denn immerhin hat der Vermieter einen Vertrag in der Hand. Vor wenigen Jahren noch wurden die Mieten in Dollar bezahlt und damals wurde allmonatlich der entsprechende Schekel – Gegenwert errechnet und die Miete überwiesen. Stieg der US - $, so stieg auch die Miete des jeweiligen Monats. Seit ein paar Jahren werden die Mieten jedoch in Schekel angegeben, denn der Dollar war immer tiefer eingebrochen.

Weiterhin kann es sein, dass der Vermieter den Mietvertrag bei einem Anwalt festlegen läßt und der Mieter zu dem Termin ein oder zwei Zeugen mitanschleppen muss, die unterschreiben, dass sie im Notfall für die Miete einspringen. Ich habe so etwas nie gemacht und trotzdem stets eine Wohnung gefunden. Der Markt aber ist umkämpft und mittlerweile werden auch schon einmal Kontoauszüge oder Arbeitsverträge zur Einsicht verlangt. 

Eine Kundin von uns fand letzte Woche nach dreimonatiger Suche einen Platz in einer Tel Aviver WG. 2000 Schekel (ca. 400 Euro) Miete und eine weitere Mitbewohnerin. In Downtown Tel Aviv, Nachalat Binjamin. Ein guter Preis für die Lage. Kaution wird verlangt und die Kundin war bereits am Rechnen, wie sie das alles zusammenkriegt. Während ihrer Wohnungssuche lebte sie in einem Hostel und will sich nun vorerst eine Second Hand Matratze anschaffen, denn aufgrund der Kaution und den Nebenkosten kann sie sich momentan noch kein Bett leisten. Aber immerhin raus aus dem Hostel. 

Wer in Tel Aviv oder Jerusalem eine Bleibe sucht, der braucht einiges an Geld und Geduld. Oft erscheint die Miete gar nicht so hoch, doch die Frage nach den Nebenkosten darf nie ausbleiben. Wasser, Strom, Gas, Telefonanschluss, Va’ad Bayit (Hausmeisterdienste) sowie die berüchtigte Arnona (Stadt – und Grundsteuer). Die Arnona variiert von Stadtteil zu Stadtteil und macht oft eine richtigen Batzen der Nebenkosten aus. Mehrere Hundert Schekel pro Monat. Was die Bewohner von Herzliya und Ra’anana an Arnona zahlen, will ich erst lieber gar nicht wissen. Zur Grundmiete dürft Ihr also teilweise nochmals 1000 Schekel (200 Euro) Nebenkosten hinzurechnen. Zumindest jeden zweiten Monat. Ganz zu schweigen davon, wenn einmal etwas kaputt geht. 

Was die Jobsuche in Israel betrifft: Die Beherrschung der hebräischen Sprache ist extrem wichtig ! Aber nicht nur das zählt, denn ein Arbeitgeber achtet besonders auf die Chemie des Kandidaten. Er muss in den Betrieb passen, sonst wird das nichts. Dieses "Hineinpassen" kam mir bisher in Israel immer viel wichtiger vor als jemals zuvor in Deutschland. Israelis haben ein Gespür dafür, wenn etwas nicht stimmt und so werden Kandidaten allein aus dem Grund abgelehnt. Man passe halt hier nicht her und solle es lieber anderweitig probieren. 

In vielen Jobs hat man als Neuling einen schweren Stand und die Mentalität ist vollkommen anders als in Deutschland. Oft gehen die Kollegen aufeinander los, beschimpfen sich aufs Schlimmste und es fliegen die Fetzen. Die dumme Anmache darf man nie allzu ernst nehmen und muss lernen, damit umzugehen. Dies gilt besonders dann, wenn jemand, wie ich, mit israelischer Kundschaft zu tun hat und Tausenden Wortgefechten ausgeliefert ist. Nicht jeder bleibt dabei cool und schluckt das eiskalt herunter. Bei mir geht  mittlerweile alles hier rein und da raus. 

Was ich damit sagen will ist, dass alles Geld oder Bildung nichts bringt, wenn Ihr nicht in den Betrieb passt oder an der Mentalität scheitert. Letzteres ziehen die Leute nie in Betracht und wenn es dann soweit ist, kriegen sie die Krise und hauen wieder ab nach Deutschland.

Donnerstag, 15. März 2012

"Shufersal" steht vor neuen Entlassungen

B"H

Eine Nachricht, die etwas untergeht und weitgehend nur von der israelischen Wirtschaftspresse erwähnt wird: Die bekannte Supermarktkette Shufersal (Supersal) will noch in diesem Jahr mehr als 100 weitere Mitarbeiter entlassen. Schon im Vorjahr 2011 entliess Shufersal ca. 500 Angestellte. Verweisen tut die Kette auf landesweit immerhin 12,400 Angestellte, doch Neueinstellungen werden nicht erfolgen. Kostengründe, denn die Supermarktkette ist gezwungen, Preise herabzusetzen, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. 

Allgemein ist der Shufersal teuer und vielleicht mit dem deutschen Coop, Tengelmann oder Edeka zu vergleichen. Milchprodukte oder abgepackte Wurst sind teilweise wesentlich teurer als bei der Tel Aviver Kette AM:PM, welche 24 Stunden lang die Woche geöffnet hat. Und das will schon etwas heissen, teurer als der AM:PM zu sein. 

Bei den immer noch mehr als 10,000 Angestellten ist einmal wieder mehr zu beachten, dass ein Großteil lediglich auf Mindestlohntarif arbeitet und sich somit keine großen Gehaltssprünge erlauben kann. Nach wie vor befindet sich der Supersal in den Händen des israelischen Milliardär und Wirtschaftsmogul Nochi Dankner, der immer wieder versucht, die Supermarktkette abzustossen. Dankner ist, u.a., bekannt für seinen Kauf der israelischen Tageszeitung "Ma’ariv". Ferner gehört er zu den reichsten Männern des Landes und steht auf Platz 18 der israel. Liste der Reichen.

Donnerstag, 1. März 2012

Israel: Die Arbeitslosigkeit sank

B"H 

Es gibt auch gute Nachrichten: 

Prozentual ist die Anzahl der Arbeitslosen im letzten Quartal des Jahres 2011 zurückgegangen oder hat sich vielerorts zumindest stabilisiert. In Tel Aviv war die Arbeitslosenquote so niedrig wie kaum jemals zuvor. Trotzdem darf nicht außer Acht gelassen werden, unter welchen Bedingungen viele Arbeitnehmer jobben. Zu wenig Geld und kaum kann die Miete gezahlt werden. 

Leider wird bei dieser Meldung nicht das Alter der Arbeitslosen angegeben, denn ich erlebe es immer wieder, wenn ältere Leute (über 50) auf dem Arbeitsmarkt als unvermittelbar gelten und durch das gesellschaftliche Raster sausen.

PRI HAGALIL Update

B"H

Neulich berichtete ich vom Niedergang des israelischen Unternehmens "Pri Hagalil". Hier nun ein kleines Update der letzten Verhandlungsentwicklungen: 

Die Arbeiter konnten wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und die Produktion wird fortgesetzt. Trotzdem hat die Belegschaft Angst, denn es stehen Massenentlassungen von einigen Hundert Mitarbeitern an. Noch weiss niemand, wen genau es treffen wird und die Stimmung ist dementsprechend mies.

Sonntag, 26. Februar 2012

Schlagzeilen in Israel - 26. Februar 2012

B"H

Nach all den Geschehnissen a la "Neuer Intifada" oder dem "Fast – Lynch" zweier israelischer Soldaten durch Palästinenser in Haifa, Israels Fernsehnachrichten zeigten heute abend andere Prioritäten. Die Nummer 1 Berichterstattung bezog sich auf die anstehende Benzinpreiserhöhung an diesem Donnerstag (1. März). Ganze 8 Schekel (ca. 1,60 Euro) soll der Liter Sprit dann kosten. Die massive Preiserhöhung wird mit dem Iran gerechtfertigt, doch lt. TV – Berichten verdient der israelische Fiskus ganz schön mit. Nicht alles ist nur Achmadinejads Schuld.:-)

Die zweite und dritte große Nachricht betraf den heutigen Streik der Hafenarbeiter sowie die Schließung der Konservendosenfabrik "Pri HaGalil" im nordisraelischen Chatzor HaGlilit bei Zfat (Safed). PRI HAGALIL ist jedem Israeli, der im Supermarkt Konservendosen mit Bohnen, Erben oder Karotten einkauft, ein Begriff. Sicherlich sind derlei Konservendosen hierzulande extrem teuer und PRI HAGALIL musste harte Konkurrenz der billigeren Supermarktangebote hinnehmen. Wenn der MEGA Markt oder "Shufersal" ihre eigenen Konserven unter ihrem Namen wesentlich günstiger verkaufen. A la"No Name" Produkte. 

Der Streit um die PRI HAGALIL Fabrik in Chazor währt schon mindestens zwei Jahre. Damals wollte die Fabrikleitung das Unternehmen schliessen, denn es drohte die Insolvenz. Dazu muss man sich die Gegend um den kleinen Ort Chazor bei Rosh Pina und Zfat vorstellen. Absolute Pampa und keinerlei Arbeitsplätze weit und breit. Wo sollen die PRI HAGALIL Arbeiter dann hin ?

Die Regierung versprach finanzielle Hilfe und eben die ist bis heute nicht eingetroffen. Deswegen schloss das Management die Fabrik am Freitag und liess heute keine Arbeiter hinein. Stattdessen versammelte sich die Belegschaft draußen vor verschlossenen Toren und forderte eine Lösung. Ansonsten stehen die Leute auf der Straße; und das ohne Einkommen. Während das Management die Schuld auf die Regierung schiebt, tun sich, lt. TV – Berichten, ganz andere Abgründe auf: Nicht die Regierung sei an allem schuld, sondern insgeheim plane das PRI HAGALIL Management die Verlegung der Produktion nach Nahariya, wo die dortige Stadtverwaltung günstigere Steuern versprach. Mit dem Hintergedanken, mehr Arbeitsplätze in Nahariya anzusiedeln. 

Arbeitskampf bei PRI HAGALIL in der Vergangenheit 


Schliesst PRI HAGALIL in Chatzor HaGlilit, steht eine weitere Region im Norden des Landes ohne Jobs da, denn im benachbarten Zfat, Tiberias oder Rosh Pina sind die Jobs selber rar.

Sonntag, 19. Februar 2012

Schnelles Geld in Tel Aviv


Gesehen in Tel Aviv 

Photo: Miriam Woelke

B"H 

Früher, ja früher war noch alles anders. In den 80iger und 90iger Jahren hausten recht viele Israel – Touristen wochen – oder gar monatelang in billigen Hostels und arbeiteten als Tagelöhner in unterschiedlichen Jobs. Damals dachte kaum jemand daran, ständig in Israel bleiben zu wollen, sondern es ging um das Abenteuer. Hier mal jobben und dann weiterreisen. In Tel Aviv auf dem Bau schuften, Wände streichen, Wohnungen putzen, beim Umzug helfen und und und. Dann weiter nach Griechenland und da was arbeiten. Nach Neuseeland Kiwi pflücken oder in den USA jobben, um sich ein paar Wochen über Wasser zu halten, um dann weiterzureisen. 

Wie viele tolle Leute jeden alters traf ich zu der Zeit in Israel ? Leute, die die ganze Welt bereisten, bevor sie auf die Uni gingen oder in ihren Job zurückkehrten. Deutsche waren selten einmal darunter, sondern vorwiegend Amerikaner, Briten, Australier und ein Schweizer. 

Das waren Zeiten in denen die Tel Aviver Hostels Jobs vermittelten. Alles "schwarz unter der Hand", aber niemand regte sich auf. Auch bei einem überzogenen Visum gab es kaum Komplikationen, denn die Touristen reisten eh wieder ab. All das sollte sich Ende der 90iger Jahre rigoros ändern, denn da kamen die ersten Gastarbeiter aus China, Rumänien und den Philippinen. Plötzlich wollten gerade diese Leute bleiben und nicht mehr heim. Überzogene Visa wurden ab sofort mit strenger Abschiebung bestraft und die Jobs für die Touristen gibt es auch nicht mehr. Stattdessen nahm ein Heer Afrikaner und Philippinas die Putzjobs, das Tellerwaschen in Restaurants, Jobs auf dem Bau, als Anstreicher oder Umzugshelfer ein. Wohlhabende Israelis und Restaurantbetreiber bevorzugen Billigkräfte, die wenig aufmucken. 

Genau diese Jobs fehlen vielen Israelis, die sich neu in Tel Aviv ansiedeln. Nicht alle kommen mit Geld im Rücken an, sondern mieten sich in billigen Hostels ein, suchen einen Job, wollen möglichst schnell Geld verdienen und sich dann eine Wohnung mieten. 

Mit genau diesem Thema wurde ich dieser Tage wieder einmal konfrontiert, denn eine Arbeitskollegin machte mich auf einen älteren Kanadier aufmerksam. Der Kanadier wanderte vor Ewigkeiten nach Israel ein und ging dann zurück in sein Heimatland. Jetzt kehrte er zurück nach Tel Aviv und steht nach wenigen Tagen ohne Geld da. Er suche dringend einen Job und ich kenne jemanden, der sich seit Jahren mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Den befragte ich und die Antwort lautete, dass es schlecht stehe. Die Afrikaner räumen die Restaurant – Jobs ab und der Kanadier sei eh über 50 oder sogar schon 60. Wäre er jünger, könnte er auf dem Carmel Markt Obstkisten schleppen, aber so … Den stellt niemand mehr ein. Ältere Einwanderer fallen nun einmal durchs Raster. 

Wie ich hörte, versetzte der Kanadier seinen CD – Player und holte so noch eine weitere nacht in einem Hostel heraus. Morgen will er wieder auf Arbeitssuche gehen. 

Link:

Donnerstag, 16. Februar 2012

Nicht "Küchenhilfe", sondern "Koch"


Frishman Street in Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Ein gefeuerter Ex – Arbeitskollege von mir fand eine neue Arbeit in der Gastronomie. Wie überall auf der Welt, ist auch die Gastronomie in Israel ein Knochenjob und dazu schlecht bezahlt. Trotzdem zählt die Branche, besonders in Tel Aviv, zu den begehrten Arbeitsplätzen. Speziell unter jungen Leuten und Newcomern in der Stadt. Man findet halt erst einmal einen Job und sieht sich gleichzeitig nach etwas Besserem um. 

Tel Aviv gilt als Anziehungspunkt junger Leute aus ganz Israel. Hier in der Stadt bestehen noch ungeahnte Möglichkeiten und das, was Tel Aviv liebt, sind junge Leute zwischen 20 – ca. 33 Jahren. Danach ist jeder "altes Eisen" und sollte entweder in einem Job fest verankert sein oder sein eigenes Start Up aufmachen. 

Mein Ex – Kollege ist 26 Jahre alt und fand schnell einen Job bei einer Bar in der belebten Dizengoff Street. Tel Aviver lieben Bars. Exklusives Ambiente und keine Spelunke. Kurz gesagt, die neuen Bars mit viel Glas und Schickimicki. Wer nicht High Society ist, der kann ja wenigstens so tun. 

Was Ex – Kollege in der Bar macht ist, Salatteller zuzubereiten und alles aus der Küche an die Bedienung weiterzureichen. Berufsschulen oder Lehrjahre gibt es in Israel in den wenigsten Berufen. Friseure machen halt eben mal einen Kurs nebenbei und sind dann Friseur. Ebenso ein "Barman" (auf deutsch: Barkeeper). Wer irgendwo arbeitet, sei es als Bäcker oder Büroangestellte, der erlernt alles in seiner Einarbeitungsphase. 

Der Ex – Kollege schiebt in der Bar Nachtschicht und gilt eigentlich als "Küchenhilfe". Als er sich vor ein paar Tagen telefonisch um einen Zweitjob in einem Kindergarten bewarb, wurde er nach seiner jetzigen Tätigkeit gefragt. Als Israeli versucht man, sich bestmöglichst zu verkaufen und antwortet deswegen nicht mit Küchenhilfe: "Ich bin Koch", sagte der Ex – Kollege und bekam umgehend einen Vorstellungstermin für den nächsten Tag. Mittlerweile arbeitet er bereits im Zweitjob. Nach der Nachtschicht in der Bar zwei Stunden Kindergarten.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Was, Haredim arbeiten nicht ?


B”H

Allgemein wird in deutschen Medien aller Art immer noch so getan als drehe sich in der haredischen (ultra – orthodoxen) Welt alles um Geschlechtertrennungen, dabei ist dies lange kein alleiniges Thema. Weder in der israelischen Gesellschaft an sich noch in der haredischen Welt. Im gelebten Alltag bewältigen die Menschen hierzulande andere Probleme als darüber nachzudenken, wer wo im Bus sitzt. Es sei denn, die Meinungsmache der Linken kommt einmal wieder zum Tragen. Aber zugegeben: Wer nicht weiss, was er schreiben soll, bezieht sich immer gern auf das orthodoxe Judentum, denn das bringt seltsamerweise eine Menge Leser. 

Ein weiteres Vorurteil der haredischen Gesellschaft gegenüber: Dass die Leute nicht arbeiten, sondern Geld vom Staat kassieren. Hierzu sei gesagt, dass sehr viele Haredim arbeiten. Besonders beliebte Jobs finden sich in der Hightech Branche und das Jerusalemer “Silicon Valley” – Har Chotzvim – ist voll besetzt mit ultra – orthodoxen Juden. Genau so wie die weibliche Hightech Belegschaft in Beit Shemesh. Obwohl nicht immer gern gesehen, Haredim lieben das Internet und die Businesswelt. 

Ich arbeite lieber mit relig. Juden zusammen. Unabhängig davon, ob nationalreligiös oder ultra – orthodox. Nicht nur, dass ich mit relig. Juden mehr Gesprächsthemen und Gemeinsamkeiten habe; allerdings schadet eine gewisse Ausgewogenheit zwischen relig. und säkuleren Juden auch nicht.

Dienstag, 7. Februar 2012

Aufstand der Zeitarbeiter

B”H

Falls keine Einigung zwischen der “Histadrut” Gewerkschaft und Finanzminister Yuval Steinitz erfolgt, so findet am morgigen Mittwoch ab 6.00 Uhr früh ein Generalstreik fast aller öffentlichen Einrichtungen statt. Bestreikt werden: Banken, der Ben Gurion Flughafen, die Börse, die Sozialversicherung “Bituach Le’umi”, Rathäuser, Ministerien, Gerichte sowie Museen und Theater.

Der Grund zum Streik der Bediensteten ist diesmal keine Forderung nach mehr Gehalt oder sonstigen Vergünstigungen. Vielmehr ruft die Gewerkschaft zur Solidarität mit den Tausenden von Zeitarbeitern auf, die oft jahrelang auf dem öffentlichen Sektor beschäftigt sind, doch nie festeingestellt werden.

“Wir erhalten für dieselbe Arbeit nur die Hälfte des Geldes eines Festangestellten”, so die Zeitarbeiter. Finanzminister Steinitz hingegen klagt wohl zu Recht, dass der Staat nicht alle Zeitarbeiter auf einmal fest einstellen könne. Das schliesslich gehe über das Haushaltbudget hinaus.

Kein Zweifel, dass auch in Israel Zeitarbeitsfirmen den großen Reibach machen und ihre Leute schamlos ausnutzen. Andererseits ist mir noch kein Land begegnet, in welchem festangestellte Staatsdiener dermassen viele Vergünstigungen erhalten wie in Israel. Wenn man dazu noch in Betracht zieht, dass viele der Staatsdiener einfach nur herumhängen und mehr damit beschäftigt sind, ihre Arbeit auf andere abzuwälzen. Letzteres ist eh zum israelischer Hauptsport geworden.

Morgen nicht bestreikt werden Schulen, Krankenhäuser sowie die Busgesellschaften Egged und Dan. Hier läuft der Betrieb normal weiter !

Links:

Dienstag, 20. Dezember 2011

Aktuelle Statistik: Wie viele Ausländer leben in Israel ?


Finn Street in Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke
B”H 

Es ist gewiss nicht einfach als Ausländer in Israel zu leben. Und ganz bestimmt nicht dann, wenn es um Visaverlängerungen geht. Nach einer vorgeschriebenen Anzahl von Visaverlängerungen muss der Ausländer stets das Land wieder verlassen. Und das bis zu einer Dauer von mindestens einem Jahr. 

Heute veröffentlicht die hebräische Ausgabe der “Jerusalem Post” eine aktuelle Statistik, die uns Israelis alarmieren sollte und in der Knesset wird eh schon an einem neuen Gesetz gegen zu viele Ausländer im Land gearbeitet. 

In Israel halten sich derzeit 51,525 eingeschleuste Afrikaner auf. Weit mehr als 90 % von ihnen haben keinerlei Anrechte auf Asyl. Mehr als 50 % der Afrikaner stammt aus Eritrea, einem Land, welches auf keiner israelischen Asylliste verzeichnet ist. Allein im November 2011 kamen 2,213 Afrikaner illegal nach Israel. Im Januar 2011 waren es noch 616 Afrikaner. 

74,649 legale Gastarbeiter halten sich in Israel auf. Die Mehrheit davon stammt von den Philippinen, aus Osteuropa oder Nepal. 

Derzeit leben 14,404 ausländische Gastarbeiter ohne jegliches gültige Visum in Israel. 

Insgesamt befinden sich in Israel 95,000 Ausländer ohne jegliches gültige Visum. Darunter auch Touristen, die einfach hiergeblieben und in die Illegalität abgetaucht sind.


Tel Aviv, Finn Street nahe des Zentralen Busbahnhofes. Eine Hochburg der Gastarbeiter, Afrikaner, Prostitution sowie des Drogenmissbrauchs.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Mietpreise in Jerusalem


Photo: Miriam Woelke
B”H   

Jemand aus der Leserschaft erkundigte sich nach den Mietpreisen in Jerusalem und als ich auf einer der beliebtesten israelischen Site (Jobangebote, Wohnungen, Autokauf, etc.) "YAD 2" nachschaute, kam in mir sogleich der Neid hoch. Da werde ich in Tel Aviv für ein 2 – Zimmer – Wohnung mindestens 3000 Schekel (ca. 600 Euro) Miete hinblättern. 3500 (ca. 700 Euro) – 3800 Schekel wären noch besser und da habe ich auch gleich mehr Auswahl an Wohnungen. In Jerusalem hingegen bekomme ich für das gleiche Geld eine 3 – Zimmer – Wohnung. Locker, und das sogar im nationalrelig. Stadtteil Kiryat Moshe, der sonst so teuer ist. Vor allem bei der Arnona (Grundsteuer, die der Mieter selber zahlen muss). 

2 – Zimmer – Wohnungen kosten in Jerusalem von 2400 Schekel (ca. 450 Euro) aufwärts, aber auch hier gilt das Prinzip: Je näher an der Innenstadt, desto höher die Miete. Zu Jerusalem muss man jedoch sagen, dass dort die Einkommen wesentlich niedriger liegen als in Tel Aviv, wo etwas mehr verdient wird. Nicht immer, denn viele viele Israelis erreichen nicht das Durchschnittseinkommen, was gern in statistischen Tabellen veröffentlich wird. 

Grundsätzlich leben viele Tel Aviver in WGs. Und das auch noch im “gesetzteren” Alter, denn wer kann sich die Mieten alleine leisten ? Dafür ist es einfacher als in Jerusalem, Jobs zu finden. Jobmässig herrscht in Jerusalem tote Hose; Tel Aviv ist vollgespickt mit Möglichkeiten, sich zu bewerben. Oftmals schaut der Bewerber einfach selbst kurz im Betrieb vorbei oder ruft einmal durch. 

Wer neu nach Tel Aviv zieht und noch nicht genau weiss, wie und was und nach Perspektiven sucht, der landet häufig erst einmal in den Schichten bei “Super Shushi” oder “Frank’s Würstchen”. In einem Job beim Theater oder in einem Office kopieren. Das sind oftmals so die Anfänge, bis es dann irgendwann bergauf geht. Diese kleinen doofen Jobs aber helfen, Leute kennen zulernen und sich so ein Network aufzubauen. Auf diese Weise erfährt der Neuling viel über die Stadt, Connections und Job – und Wohnungsangebote. 

Ich sitze auch in einem der doofen Jobs, habe demnächst nichts mehr Doofes auf mich zukommen. Eher im Gegenteil, doch nervt mich nun der doofe Job, bei ihnen nicht alles hinzuschmeissen. Man arbeite doch gut zusammen und ob ich nicht wenigstens zeitweise weiterarbeiten will. Zuverlässige neue Mitarbeiter seien rar und jetzt werde ich von allen Seiten genervt, was bis zur Schleimerei der Kollegen führt. 

Geld kann in Tel Aviv jeder gebrauchen, obwohl ich mich dann doch frage, wieso wir hier den Vermietern unser schwer Erarbeitetes so einfach in den Rachen werfen müssen. Hohe Mieten und Lebenshaltungskosten, wohingegen in Jerusalem alles viel billiger ist. Nicht immer “viel”, aber der Unterschied wird im Portemonnaie deutlich. 

Zurück nach Jerusalem möchte ich trotzdem vorerst nicht mehr.

Samstag, 3. Dezember 2011

Israel: Mitarbeiter der Filmindustrie fordern höhere Löhne

B”H 

Israelische Filme sind nicht unbeliebt. Weder im eigenen Land noch im Ausland. Mehrere Institute bilden jedes Jahr ein paar Hundert zukünftige Filmemacher aus. Nicht nur Filmemacher, sondern vorwiegend auch jene Leute, die sich hinter den Filmkulissen um alles kümmern. Darunter um die Location, den Set, Anfahrtswege, Transport des Teams und Equipments, etc. 

Jedes Jahr gleich mehrere Hundert neue Leute ist dennoch für die israelische Filmindustrie schwer verdaulich, obwohl es heisst, es sei genügend Arbeit vorhanden. Jobs ? Fragt sich nur, zu welchen Bedingungen. 

Die Mehrheit der neuen Angestellten arbeitet auf freiberuflicher Basis. Projektbezogen auf mehrere Monate und danach ist erst einmal keine Arbeit mehr da. So hangeln sich die Mitarbeiter der Filmindustrie von einem Projekt zum nächsten und stehen zwischendurch auch einmal ein paar Monate ohne Engagement und Einkommen da. Sozial Absicherungen ? Fehlanzeige, und um Geld reinzuholen, wird gearbeitet. Und das oft zu den miesesten Bedingungen. Unterbezahlt, aber Hauptsache nicht auf der Straße. 

Ob kleinere Proteste der Angestellten etwas bringen ? Schliesslich gibt es immer genug Leute, die einspringen und nicht demonstrieren, sondern einfach nur die Klappe halten.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Der israelische Arbeitsmarkt

B”H 

Um sich in Tel Aviv finanziell über Wasser zu halten, arbeiten Tausende Bewohner der Stadt in zwei Jobs. Zum Beispiel jobben zwei meiner Arbeitskollegen nach ihrem regulären Job in einem Café bzw. in einem Makolet (Tante – Emma – Laden) an der Kasse. Der erste Job deckt meist die Miete und um sich etwas leisten zu können, gehen viele nochmals für einige Stunden anderswo arbeiten. 

Auf dem israelischen Arbeitsmarkt ist es unheimlich schwer, zuverlässige Arbeitskräfte zu finden. In manchen Berufen ein Ding der Unmöglichkeit, denn in vielen Fällen lässt die hiesige Arbeitsmoral absolut zu wünschen übrig. Entweder wird gejammert, man habe keine Lust, hängt stundenlang am Telefon, spielt am Handy herum oder man geht zwischendurch einkaufen. Noch dazu, wo viele Arbeitnehmer für ihren Job völlig unqualifiziert sind und diesen, mehr oder weniger, mit Glück oder durch Beziehungen ergatterten. 

Da Israelis sich insgesamt zu schade sind, um auf dem Bau zu arbeiten, ging unsere Regierung gerade mit Bulgarien ein Abkommen ein. Tausende bulgarische Bauarbeiter werden ab Ende Dezember auf drei Jahre nach Israel kommen, um hier zu arbeiten. Qualifizierte Bauarbeiter, so heisst es. Und die fallen dann gleich in die Hände der hiesigen Zeitarbeitsfirmen. Ferner jammern die Bauern, dass sie mehr Thailänder importiert haben wollen, denn die arbeiten wenigstens, ohne sich den ganzen Tag zu beschweren und herumzujammern. Dabei wurden vor ein paar Jahren erst sämtliche rumänische Gastarbeiter in ihre Heimat deportiert, da sie entweder illegal im Land waren, hierbleiben wollten oder sich gegenseitig besoffen fast die Schädel einschlugen.

Montag, 28. November 2011

Israel: Die Stellenangebote gingen zurück

B”H 

Europa leidet an der Eurokrise und ich muss sagen, dass mir der Euro von Beginn an suspekt war. Da ich bereits ein halbes Jahr vor der Einführung des Euro nach Israel auswanderte, bekam ich das ganze Hickhack gar nicht mehr mit und habe in meinem Leben noch nie mit einem Euro bezahlt. Wenn mir jemand einen Betrag in Euro nennt, rechne ich diesen automatisch in DM um. 

In Israel ist bekanntlich immer wirtschaftlicher Katzenjammer angesagt. Jedenfalls was das Volk betrifft und daher merken wir nie, wenn die Welt erneut an einer Krise leidet. Uns geht es ja eh immer bescheiden und wir haben uns daran gewöhnt. Dabei kommt Israel bei all den internationalen Krisen immer noch mit am besten weg. 

Der Wirtschaftsteil der hiesigen Presse gab heute bekannt, dass, trotz Wirtschaftsboom, die Anzahl der offenen Stellen zurückgegangen sei. Im November 2011 wurden insgesamt 30,995 offene Stellen gemeldet. Zur gleichen Zeit im Vorjahr waren es noch 38,995 Stellen. Betroffen sind diesmal auch die so einstellungsfreudige Telemarketingbranche und auch die Hightech. Israelische Unternehmen lassen sich Zeit bei der Einstellung neuer Mitarbeiter und das Prinzip der Zeitarbeit ist hierzulande nur allzu beliebt.