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Sonntag, 18. November 2012

Wie leben Israelis mit dem Raketenterror aus Gaza ?

B"H

Das sonnig warme Wetter in Jerusalem könnte man glatt "frühlingshaft" nennen. Ein kleiner Dunst hängt in der Luft und am Nachmittag soll es gegebenenfalls regnen. 20 Grad Celsius am Tag und kühle 14 Grad Celsius in der Nacht.

Meine Nachbarn sind nicht daheim. Er wurde als Reservist nach Gaza eingezogen und sie weilt mit ihrem Neugeborenen bei ihren Eltern.

In Jerusalem herrscht Alltag und kaum jemand im Land läßt sich seine Lebensfreude von der Hamas rauben. Am Allerwenigsten die Tel Aviver. Trotz dreier Raketenalarme sind die Bewohner von Tel Aviv die Letzten, die sich ihren Fun nehmen lassen, was sie auch bereits in den TV Nachrichten verkündeten. Zwar gehen weniger Leute abends weg, doch der Normalo Tel Aviver besteht auf sein Leben.

Alltag bei uns hier oben, bei den Bewohnern dort drunten kaum. Im Radius von 40km um den Gazastreifen gehen die Kinder heute wieder nicht zur Schule.




 Israelische Schulkinder beim Raketenalarm



Insgesamt dauern die Raketenangriffe aus Gaza schon zwölf Jahre an und in der Zwischenzeit wuchs eine neue Generation mit dem Raketenalarm heran. Vergangene Woche fuhren Bewohner des Südens hinauf nach Tel Aviv, um einmal keinen Raketenalarm zu hören und zur Abwechslung unbeschwert zu Bummeln oder am Strand zu liegen. Doch dann gingen auch an der Küstenstadt die Sirenen los und ein Ehepaar aus Beersheva meinte in die TV Kamera, dass sie sich nun doch wieder "ganz wie zuhause fühlen". Die Raketen hatten Tel Aviv eingeholt.



Wie leben Israelis mit dem Raketenterror aus Gaza ?

Die Armee stellte eine Photosammlung ins Netz:

Dienstag, 30. November 2010

Gestrandete deutsche Touristen in Israel

B"H

Durch Tiberias geistert seit Jahren ein holländischer Tourist. Ein paar Mal schon begegnete er mir, doch nüchtern war er nie. Ständig im Suff, ohne feste Bleibe und oft von der Polizei aufgesammelt. Gestern zog er gröhlend durch die Hagalil Street in Downtown und vor einer Woche zog er seine Alki - Show vor dem Chabad House an der Promenade des See Genezareth (Kinneret) ab.
Kann sein, dass er Staatsbürger ist, denn die Polizei lässt ihn nach einer Weile stets wieder laufen. Es würde mich keineswegs überraschen, wenn er in der Vergangenheit einmal mit einer Israelin verheiratet war und somit irgendwann die israelische Staatsbürgerschaft erlangte.

Wie der Holländer zieht eine gewisse Anzahl von gestrandeten Touristen durch unser Land. Vorweglich in den Großstädten, denn da ist es leichter, ohne gültigem Visum unterzutauchen. Wer nicht gerade afrikanischen oder asiatischen Looks ist, der hat es wesentlich einfacher, der Ausländerpolizei "OZ" zu entkommen.

Als ich Ende der 80iger Jahre das erste Mal nach Israel kam, im Kibbutz volontierte und nebenbei das Land bereiste, traf ich auf verhältnismässig viele junge deutsche (nichtjüdische) Touristen, die einfach so in Israel bleiben wollten. Damals kam nicht ständig die Polizei in die Hostels zur Passkontrolle und es liess sich superleicht einige Monate oder wenige Jahre im Land leben. Jobs gab es in Restaurants. Kellnern oder abwaschen. Die Hostels selber stellten Touristen an ihrer Rezeption ein. Dafür gab es dann ein kostenloses Bett im Dormitory (Mehrbettzimmer). Immerhin ein Bett und manchmal servierte der Hostelbesitzer eine Mahlzeit mit dazu.

Heute hingegen ist alles anders und die Polizei droht ständig aufzukreuzen, um den Pass samt Visum zu kontrollieren. Razzien sind keine Seltenheit. Ob im Hostel, am Arbeitsplatz oder mitten auf der Straße. Wer ohne Visum erwischt wird, dem droht die Abschiebung ins Heimatland. Weiterhin darf nach einer Abschiebung das Land Israel für mindestens fünf Jahre nicht mehr betreten werden.

Im Kibbutz, aber auch in den Städten, traf ich häufiger auf deutsche Touristen, die einen Israeli geheiratet haben. Einige von ihnen waren längst wieder geschieden, denn entweder klappte die Beziehung nicht oder die Verwandtschaft des jüdischen Partners legte sich quer. Man wollte keinen Nichtjuden in der Familie. Ja, ich kenne sogar Fälle, in denen sephardische Familien selbst keinen zum Judentum Konvertierten in der Familie haben wollten. Keine dieser Beziehungen war von langer Dauer, denn sephardische Juden sind familienorientiert und legen sich nicht mit den Eltern und Tanten wegen eines Partners an. Eine blonde Freundin oder ein blonder Freund mögen zwar anfangs eine Attraktion sein, doch nach einiger Zeit zieht der Alltag ein und mit ihm die keifende israelische Verwandtschaft, die alles will, nur keine Schickse.

Zahlreiche Touristen kommen in Israel an und sagen sich, dass ihnen all das nicht passiert. Erst einmal sehen und falls sich für das "einfach dableiben" entschieden wird, so ist sich derjenige sicher, all die Schwierigkeiten zu bewältigen. Was kaum jemand von ihnen in Erwägung zieht: Was geschieht mit mir in einem Krankheitsfall ? Was ist mit meinen Rechten und was, wenn der Boss mir einfach das Gehalt verweigert und ich plötzlich meine Bleibe nicht mehr zahlen kann ? Was dann ?
Manchmal geschieht es sogar, dass neidische Mitmenschen oder Leute, mit denen der Tourist im Streit liegt, einfach die Ausländerpolizei anrufen und den Illegalen verpfeiffen. Ein Leben im Untergrund und einige abgeschobene Touristen (u.a. aus Finnland) schrieben mir hinterher in einer Mail, dass sie froh waren, abgeschoben zu werden. Damit hatte der Alptraum, zum Flughafen zu müssen und dort einzugestehen, kein gültiges Visum zu haben, ein Ende. Oder anders herum gesagt: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Seltsamerweise traf ich auf recht viele Deutsche, die eine / n Israelin / Israeli geehelicht hatten und im Nachhinein alles andere als glücklich waren. Das Land ist ihnen, trotz Sprachkenntnisse und Kinder, stets fremd geblieben. Wer nicht zum Judentum konvertierte, hat es normalerweise schwerer. Die Mitmenschen reden; und das nicht immer nur hinter dem Rücken, sondern mitten ins Gesicht hinein. Ferner befindet sich im Personalausweis ein sichtlicher Vermerk, dass derjenige Bürger kein Jude ist. Den Palästinensern, Drusen und Beduinen ist das egal, doch nicht immer jenen Nichtjuden, die in Israel mit einem Juden verheiratet sind. Früher stand im Ausweis offen die Religionszugehörigkeit, heute dagegen ist der Vermerk nur einem eingeweihten ersichtlich. Laut Personalausweis ist derjenige Jude, der ein Geburtsdatum gemäss des jüdischen Kalenders im Ausweis stehen hat. Das einwandfreie halachische Judentum desjenigen wird jedoch nicht nach dem Personalausweis entschieden, sondern nach der Halacha. Dennoch erscheint der Ausweisinhaber auf den ersten Blick in einem bestimmten Licht.

Viele meiner Blogleser interessieren sich für das Leben und Arbeiten in Israel, dürfen dabei aber nicht die Realität vergessen. Was laut Gesetz nicht geht, geht nicht und wer heiratet, erfährt noch lange kein unendliches Glück. Das richtige israelische Leben lernt Ihr erst im Land selber kennen und ich weiss nicht, ob ihr nach dieser Erleuchtung noch so begeistert sein werdet.

Dienstag, 2. November 2010

Multikulti in Israel

B"H

In Deutschland herrscht bekanntlich die Debatte, ob die angestrebte Multikulti - Gesellschaft erreicht wurde oder nicht. Wie weit integrieren sich Ausländer in die deutsche Gesellschaft und wie weit nicht ? 
Demzufolge stellt sich die Frage, wer oder was die deutsche Gesellschaft ausmacht. Die deutsche Geschichte, Kultur, Mentalität, Sprache, Kunst, Musik oder was auch immer. Sicherlich verlangt Deutschland einem im Land lebenden Ausländer recht viel ab. Deutsch muss man sprechen; wenn es geht, ohne fremden Akzent, denn das macht einen schlechten Eindruck bei der Jobsuche. Als besonders harter Brocken erweist sich die deutsche Mentalität. Plötzlich soll alles perfekt funktionieren und Abläufe sind geplant. Rational und produktiv denken. Logisch definieren, sonst hagelt es Kritik aus der Umgebung. Von wegen einfach so mit Träumereien daherkommen.

Was mir in Israel immer Spass machte ist, das Kennen lernen aller möglichen Leute aus aller Herren Länder. Sei es im Kibbutz, in einem Cafe, bei einem Schabbatessen bei Rabbinern oder anderweitigen Events sowie Plätzen.
Ich kann die Leute alle gar nicht mehr zählen, die ich innerhalb der vergangenen mehr als 15 Jahre in Israel kennen lernte und zu Beginn war ich perplex, dass es sowas überhaupt gibt. Leute, egal welchen Alters, die einfach freinahmen und die Welt bereisten. Als ich noch in Deutschland studierte gab es nur eines: Nämlich das Studium beenden und Karriere machen. Wer eine Auszeit nimmt, alles hinter sich lässt und in der Welt herumreist ... wie soll der dann bei seiner Rückkehr zurechtkommen ? Keine Wohnung, kein Geld und erst recht keinen Job. Das macht angst und ist nicht gesellschaftskonform.
Hinzu kommt: Was soll man bloss beim Vorstellungsgespräch sagen, wo man in dem Zeitraum war ? Einfach zugeben, am Strand gelegen zu haben oder durch ein Museum geschritten zu sein ? In Neuseeland Kiwis gepflückt, in den USA Möbel geschleppt und in Israel im Kibbutz gewesen und danach irgendwo in einem illegalen Job in Tel Aviv hängengeblieben ? Gekellnert und mit anderen ein paar Monate in einem Dormitory eines Hostels gehaust zu haben ?
Nix Karriere, sondern sich darum gekümmert, dass der Boss einem den Lohn zahlte und im Hostel das Gepäck nicht verschwand ? Tolle Aussichten und bei all dem Hickhack empfiehlt es sich ganz sicher nicht herumzureisen. Wer denn einmal verreist, der reist doch eher mit Rucksack, in Hotels und in ein paar Restaurants. Nicht so mit Schlafsack am Strand und tagsüber an der billigen Falafel kauen.

Und somit begann ich all die anderen Touris zu beneiden. Die nahmen sich eine Auszeit und kümmerten sich nicht gross ums Geld. Mal hier jobben, mal dort. Das Geld für das Hostelzimmer zusammenbekommen und wenn in Israel gar nichts mehr geht, dann bleibt der Kibbutz. Zumindest für diejenigen unter 35 Jahre.




Viele Leute kommen einfach nach Israel und wer sie nach dem Grund fragt, bekommt oft keine definitive Antwort. Als ob man die haben müsste.

Manche fühlen sich einfach danach, andere wollten schon immer mal kommen. Bibel, Thora und so halt. Heilige Orte sehen oder in den Kibbutz. Israel beistehen, Israel hassen, und viel zuviele lassen ebenso ihre nervigen Verschwörungstheorien los.
Jeder scheint auf der Suche nach irgendwas und endet dann ausgerechnet in Israel. Tel Aviv ? Naja, eine Weile wegen der Action; insgesamt aber viel zu teuer und laut.
Jerusalem ? Billige Hostels im Ostteil der Stadt und bei den Palis lässt es sich leben, wenn man die Klappe hält und nicht laut gegen die Hamas keift.

Im Wesentlichen unterscheiden sich Juden und Nichtjuden in ihrem Israelverhalten. Das liegt schon allein daran, weil viele Diasporajuden kommen und an diversen Internships teilnehmen, die Nichtjuden verschlossen bleiben. Und das nicht nur auf religiöser Basis. Das ewige Hin und Her bei den Juden, ob man denn Aliyah machen solle oder nicht. Bei Touristen kommt es schlimmstenfalls zu Überlegungen wie "wielange man im Land bleiben soll, wie das neue Visum an Land gezogen wird oder ob sich nicht die Suche nach einem versteckten jüdischen Verwandten lohnt, um dem Innenministerium einen vom Pferd zu erzählen".

Am penetrantesten sind jene nichtjüdischen Touristen, die nach zwei Tagen zu labern beginnen, sie seien eigentlich Juden, nur ohne Papier halt. Bestimmt waren ihre Ahnen Opfer der Inquisition und wurden zwangsgetauft. All so ein Müll kommt dann heraus. Der Normalotourist dagegen sucht mehr sich selbst und schaut, was er aus Israel für sein Leben mitnehmen kann. Nicht materiell, sondern abstrakt als Weisheit verpackt.

Eines jedoch haben alle gemeinsam:
Den Gedanken, wie man seine Eindrücke und Erfahrungen seiner Familie bzw. seinen Freunden daheim klarmacht. Vollgestopft mit Impressionen kommt der Tourist daheim an und da steht lediglich die Mutter am Herd und kocht sein Lieblingsessen zur Begrüssung. "Ja, is ja schön, dass es Dir gefallen hat. Und was machste dann morgen früh ? Arbeitsamt oder Studium ? Der Ernst des Lebens ist wieder da !
UNTER muss der Mensch in Deutschland sein. Die Erinnerungen nach einem kleinen Quentchen Freiheit bleiben. Die Sehnsucht drückt einen noch lange, aber irgendwie sagt man sich: "Nun bin ich wieder daheim und, tja, hier herrscht halt eine andere Mentalität. Was soll ich machen ? Halt eine Weile und dann wieder abhauen !"

Sonntag, 3. Oktober 2010

Der Betrug am Essen in israelischen Restaurants

B"H

Bei Sonderangeboten verschiedener israelischer Restaurants oder Fast Food Ketten ist immer Vorsicht geboten ! Selbst wer meint, sich auszukennen, kann so richtig schön hereinfallen. So wie ich am Donnerstag abend (nach Simchat Thora).

Eigentlich sollte ich mich schämen, doch ziehe ich es beschämt vor, andere zu warnen.:-)

Dieses Schild seht Ihr nahe der Uferpromenade in Tiberias am See Genezareth (Kinneret). Das sephardische Restaurant heisst "HaLaguna - Die Lagune" und bietet zwei Sonderangebote auf einem Schild vor dem Restaurant.

 


Erster Rat: Fragt demnach nicht nach der Speisekarte, sondern bezieht Eure Bestellung sofort auf das Sonderangebot !

Ich trat ein und es war ein gut geführtes Restaurant. Voll Israelis und im Nachhinein war ich happy als ich sah, dass nicht nur ich hereingefallen war, sondern auch weitere Israelis.

Ein älterer Kellner a la Druse oder Jemenite kroch auf mich zu und verbeugte sich bei seinen Worten so sehr, dass es schon peinlich war. Ich bestellte ein Schnitzel mit Pommes für die angebenen 42 Schekel (ca. 8 Euro) und er fragte schleimend, ob es denn die Salate auch sein dürfen.
"Klar", meinte ich.
"Humus ebenso ?" kroch er weiter.
Und da machte ich den Fehler JA zu sagen, denn der Humus war nicht im Preis mit inbegriffen. Anstatt mich darauf aufmerksam zu machen, rannte der Schleimbeutel in die Küche und gab die Bestellung bekannt. Was dann folgte war eine Flut von tollen Salaten; vom marrokanischen Madbucha bis hin zu Auberginen - und Kohlsalat. Danach kam der Humus. Ein voller Teller Humus mit Olivenöl drübergegossen und Petersilie. Richtig originaler Humus, doch viel zuviel für mich.




Ein Humusteller (Kichererbsenbrei).


 
Nebenbei bestellte ich noch ein Wasser, wobei mir klar war, dass das Getränk extra geht. Das Schnitzel war super wie das gesamte Essen. Absolut kein Einwand, aber als die Rechnung kam, war ich dann doch etwas überrascht. Nicht zu sehr, dennoch ein klein wenig. Der Gesamtpreis war von 42 auf 69 Schekel hochgeschnellt. Das Getränk kostete mich 10 Schekel (ca. 2 Euro) und ganze 17 Schekel machte allein der Humus aus.

Fazit: Ich würde jederzeit wieder in die Lagune gehen, doch dann ohne Humus und eventuell mit eigener Wasserflasche im Rucksack.:-))))

Bei Mac Donald's kann Euch auch so Einiges passieren, doch wird der höhere Preis angesagt. Bestellt Ihr ein Menu, kommt die Frage, ob ich eine grosse Portion Pommes und eine grosse Cola haben wollt und wenn Ihr JA sagt, kostet Euch das !

Geht Ihr in Israel essen, solltet Ihr stets im voraus klarmachen, dass Ihr nur den angegebenen Preis zu zahlen bereit sein und demzufolge bestellen wollt !

Freitag, 18. Dezember 2009

Schabbat Melancholie

B"H

Tel Aviv steht unter Wasser, was soll ich sagen. Seit der vergangenen Nach ergiesst ich alles, was im Himmel ist, auf Israel. Zum Glück und endlich einmal wieder. Gestern war ich für wenige Stunden in Jerusalem, um eine Kindergruppe zu unterrichten und hätte mich dort fast totgefroren. Sieben Grad Unterschied zwischen Tel Aviv und dort. Obwohl es momentan in Tel Aviv in Strömen giesst, ist es dennoch mit 18 Grad verhältnismässig angenehm. Ich darf gar nicht erst an heute nachmittag denken, wenn ich zum Schabbat in Jerusalem lande. Brrrr …

Auf meinem Heimweg mit dem Bus gestern abend bekam ich ein munteres Gespräch zwischen dem Fahrer und einer 65 - jährigen Frau zu hören. Neben privaten Details schnitten die das Lieblingsthema älterer Israelis an: Wie sich mit der Zeit alles verändert habe und wie die Zeit dahinrast.
Als ich im Sommer 1987 zum ersten Mal nach Israel kam, fand ich schon damals ein völlig anderes Land vor. Sicher wurde mehr auf Ideale gesetzt, obwohl die Politik schon immer ein mieses Geschäft war und die Bestechung mit Staatsgründung begann. Nur nicht so offensichtlich und primitiv wie heutzutage. Die Mentalität war noch nicht auf Kaufrausch programmiert und der Suff gehörte den Kibbutzvolontären. Mit Internet war nichts und wer Nachrichten aus Deutschland wollte, der begnügte sich mit der oftmals genug rauschenden Deutschen Welle im Radio. Oder man kaufte am Dizengoff Center in Tel Aviv eine deutsche Zeitung.

Handys waren unbekannt; heute hingegen gibt es kaum einen Israeli und fast kein Kindergartenkind ohne. Immerhin sind die Israelis vom aktuellen I - Phone weniger angetan und der Verkauf weist nicht gerade überwältigende Zahlen auf. Trotz all dem Fortschritt und der SMS - Generation, nicht wenige sehnen sich nach Altbewährtem zurück. Einfachheit; ohne großes Brimborium um seine Person und wie toll man doch sei.

Ganz besonders sephardische Juden haben interessante Stories zu erzählen. Von ihrer Einwanderung und dem nicht seltenen Fussmarsch von Marokko oder sogar aus dem Jemen. 50, 60 Jahre ist das bei vielen her und wen interessiern diese Stories in einer Industrie - Ich bin wichtig - Gesellschaft
noch ? Mittlerweile aber veröffentlichten viele Familien ihre Aliyahstories. Wie es war in Kurdistan und die ersten schweren Jahre im Land Israel. Von Kriegen, der Wasserknappheit und dem Anstehen nach Wasser in Jerusalem, dem Hunger und dem teilweise stattfindenden Hass von der aschkenasischen Bevölkerung.

Der Busfahrer war Kurde und hielt die alte Dame, die sich im Nachhinein marokkanischer Abstammung erwies für eine Chalawi aus Syrien. Wie doch die sephardischen Aussprachen im Hebräischen täuschen können.
Die "neue" hebräische Literatur zur sephardischen Aliyah ist wunderbar zu lesen und wer dies als heutiger Neueinwanderer tut, der kommt sich gegenüber der Vergangenheit so ziemlich mickrig vor. Die bequeme Aliyah für Cash - Verwöhnte und die Aliyah der Sepharadim in den späten Vierziger, Fünfziger und Sechziger Jahren, die keinerlei Hilfe bekamen und ALLES selbstaufbauen mussten. Wer ein klein wenig Falir davon haben will, der besuche in Nachlaot (am Machane Yehudah Markt) die kleinen sephardischen Synagogen. Incl. der Syrischen.
Der esse sephardisch auf dem Markt und unternehme einen Trip durch die kleinen Gassen mit beschilderten Häuser in Nachlaot. Der lerne die Lieder der Familie Bannai kennen und den Baum, den einer der Söhne in einem seiner Lieder besang und der heute zur Attraktion israelischer Tourigruppen durch Nachlaot gehört.

Neben israelischen Romanen lese ich selr viel Politisches und Historisches zum Land. Verfasst von Kennern und nicht jedem Journalisten,d er meint, er habe etwas zu sagen. Ein ganz heißer Tipp von mir sind die Bücher von Ronen Bergmann zur israelischen Sicherheit. In seinem Buch "HaMedina Asta Et HaKol - Das Land tat alles" beschreibt er die schwierigen Verhandlungen des Gefangenenaustausch israelischer Soldaten. Ein brilliantes Buch mit unvergesslichen Insights und Fakten. Derzeit für 40 Schekel (ca. 8 Euro) bei "Zomet HaSefarim" oder der Buchhandlung an der Kreuzung Jaffa Street / King George, Strauss zu haben.

"Schabbat Schalom" an alle Leser !