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Mittwoch, 27. April 2011

Leserfrage: In Israel Deutsch unterrichten ?

B”H

Kurz vor dem vergangenen Schabbat kontaktierte mich die Jerusalem Bäckerei, in welcher ich bis vor einem halben Jahr arbeitete. Man brauche dringend Hilfe, denn das Pessachende nahe und gleich am Montag abend (nachdem in Israel Pessach vorüber war), sollte Backnachtschicht geschoben werden. Ob ich kommen könnte.

Da ich in Tel Aviv jobmässig festsitze, ging es nicht. Heute dann der nächste Versuch aus Jerusalem: Ob ich heute abend bzw. morgen abend Nachschicht arbeiten könne, denn ein Mitarbeiter sei ausgefallen. Auch das geht wahrscheinlich nicht, denn ich kann nicht in Tel Aviv arbeiten und mich danach in den Bus setzen, in Jerusalem Nachtschicht schieben, nur um am Freitag morgen wieder in Tel Aviv am Arbeitsplatz anzutanzen. Chefs meinen immer, es lasse sich alles machen, wenn man denn nur wolle.

Tatsächlich kenne ich nicht gerade wenige Leute in Tel Aviv, die genau solch einen Tagesablauf haben, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Einen Job für die Mietzahlungen und mit dem Gehalt des Zweitjobs wird gelebt. Eine bestimmte Zeit kann man solch ein Leben führen, aber auf Dauer folgt ein Herzinfarkt.

Und damit komme ich zu der aktuellen Leserfrage, ob man denn in Israel die deutsche Sprache unterrichten und noch viel wichtiger, ob es möglich sei, davon zu leben ?

Was soll ich antworten ? Der “Neuankömmling” im Land hat gewiss derlei Vorstellungen. Deutsch sei ja, mehr oder weniger, Weltsprache und da lasse sich bestimmt etwas arrangieren und verdienen. In Israel wird die deutsche Sprache an den zwei im Land existierenden Goethe – Instituten (Tel Aviv und Jerusalem) unterrichtet. In Jerusalem sind die Kurse des Goethe – Institutes mit vielen Arabern besetzt. Palästinenser zieht es nun einmal nach Deutschland und da wolle man vorher ein paar Sprachfetzen lernen.

Darüber hinaus bietet das BERLITZ Institute Sprachkurse an, wobei Berlitz jedoch sein hauseigenes Lernverfahren entwickelte und ein entsprechender Lehrer sich dem anpassen muss.
Meine bescheidene persönliche Meinung dazu ist, dass Ihr Euch nicht auf derlei Positionen verlassen solltet. Weder als Lehrer bei einem Kurs noch beim Privatunterricht. Übersetzungsarbeiten, z.B., werden teilweise schlecht bezahlt und der Verdienst errechnet sich nach Seitenanzahl. Allerdings laufen heutzutage zahlreiche Übersetzungen eh schon über Computerprogramme.

Zum Unterrichten: Wer Glück hat, findet vielleicht auf dem privaten Sektor einige Schüler. Verlassen darf man sich auf den Erfolg nicht. Selbst wer Schüler gefunden hat, viele von denen sagen einige Male ab, zahlen spät oder manchmal auch gar nicht. Deutsch ist in Israel nun einmal nicht so eine beliebte und gefragte Sprache wie Englisch.

Montag, 22. November 2010

Jerusalemer (Arbeits) Bürokratie

B"H

Heute früh nahm ich den ersten Bus von Tiberias nach Jerusalem und passte dabei nicht auf, dass ich in den Egged Bus Nr. 961 stieg. Es handelt sich durchaus um den richtigen Bus, doch fährt dieser, im Gegensatz zu den Linien 962 und 963 durch das Jordantal. Durch die Stadt Beit She'an, zum Beispiel. Und gerade die Einwandererstadt der marokkanischen Juden hat sich zu einem richtigen Center im Norden gemausert. Mit grosser Mall aus den vom Kinneret üblichen Basaltsteinen. Neue Wohngebiete sind auch entstanden. Im Norden tut sich richtig was, ausser vielleicht in Tiberias und Zfat (Safed). Dafür hat Zfat die unvergleichliche Landschaft der Berge Galiläas.



Zfat in Nordisrael.

Photo: Miriam Woelke


In Jerusalem bleibe ich voraussichtlich bis morgen oder Donnerstag, denn ich regele meine Entschädigungszahlungen meines alten Arbeitgebers. In Israel ist es Gesetz, dass jemand, der den Job wechselt, für jedes gearbeitete Jahr vom Arbeitgeber ein volles Monatsgehalt bekommt.

Heute war ich schon beim Versicherungsagenten. Morgen geht es weiter zum Finanzamt, nochmals zum Versicherungsagenten und dann geht es in die letzte Kampfphase mit einem Ex - Arbeitgeber. Wenn alles ausgestanden ist, werde ich einen Artikel verfassen, worauf ein Arbeitnehmer achten muss, wenn er vor dem Boss steht.

Sonntag, 31. Oktober 2010

31. Oktober 2010

B"H

Heute abend ist mein letzter Arbeitstag in der Bäckerei. 
"Falls etwas nicht klappt nach dem Umzug in den Norden und so, ich könne jederzeit zurückkommen und wieder anfangen", so die Kollegen. 
Wobei ich natürlich hoffe, dass dieser Fall nicht unbedingt eintrifft.

Ich bin froh, wenn diese Woche herum ist, denn es warten eine Menge Erledigungen. Bis Mitte der Woche jedoch stecke ich noch fest und kann nicht viel unternehmen. Deswegen habe ich mich entschlossen, ein paar Tage im ruhigen gemächlichen Zfat (Safed) zu verbringen, bevor der Sturm richtig losgeht.

Von der Nationalversicherung "Bituach Le'umi" muss ich mir noch die Gesetzesvorlagen holen, damit mir die Bäckerei beim Ausstieg zahlt, was mir zusteht. Die Bituach Le'umi gibt genaue Vorlagen, wieviel wer bekommt, wenn er soviele Jahre in einem Betrieb gearbeitet hat. Es gibt alle möglichen Vorschriften, Regeln und Fristen.
In Israel ist es immer gut, sich eingehend zu erkundigen und nichts dem Zufall zu überlassen, ansonsten besteht die Gefahr, von vorne bis hinten ausgenutzt zu werden.

Trotz allem bin ich froh über den Tapetenwechsel. Nach Jahren der Pendelei von Jerusalem nach Tel Aviv und zurück kann ich kaum mehr Egged Busse sehen. Das Positive ist, dass ich innerhalb dieser Jahre viele unterschiedliche Einblicke in die israelische Gesellschaft gewann und mich mit unsagbar vielen Themen auseinandersetzte. Von den Prostituierten in Tel Aviv bis hin zu den Ultra - Orthodoxen in Mea Shearim / Jerusalem. Von den Bunkern in Sderot bis hin zur Gilad Shalit Demo. Der Stoff reicht für mehrere Romane, doch neben all der Arbeit, suche ich endlich einmal mehr Zeit für mich selbst.

Morgen sitze ich also wieder einmal mehr als drei Stunden im Bus und fahre ins beschauliche Zfat. Etwas Religiöses unternehmen und ein paar Freunde treffen, wobei mich das kühler gewordene Wetter nicht besonders stört.

Sonntag, 19. September 2010

Bilder aus Tiberias (am See Genezareth - Kinneret)

B"H

Schon immer liebte ich den Norden unseres Landes und in Kürze werde ich dorthin übersiedeln. Tel Aviv, Jerusalem ? All das ist mir seit langem zu stressig geworden. Vielleicht liegt es am Alter, aber ich bin nicht mehr bereit, 3/4 meines Einkommens für Mieten hinauszuschmeissen. Aber die Mieten sind nur ein Grund von vielen. Die Bäckerei werde ich in den nächsten Wochen verlassen und ich bin froh über einen Neubeginn.

In der vergangenen Woche war ich wieder im Norden und ich stelle einige Photos in diesen sowie in meinen relig. Hamantaschen - Blog.



Vor der Einfahrt nach Tiberias: Blick hinunter auf den See Genezareth (Hebräisch: Kinneret).




In Tiberias. Auf der anderen Uferseite sieht man die Berge des Golan.
Dahinter liegt Syrien.




Downtown Tiberias




Ein Baum mit Stacheln




Die Stadt verfügt über mehrere "Heisse Wasserquellen - Hot Springs".





Photos: Miriam Woelke

Montag, 6. September 2010

Vor den Feiertagen



Milchige Fukatscha in unserer Bäckerei.

Photo: Miriam Woelke



B"H

Die Arabische Welt gibt den bekannten sogenannten "Dreck" auf die "Friedensgespräche" zwischen Netanyahu und Abu Mazen. Die Hizbollah will ein Israel (Palästina) ohne Juden und in den Grenzen des heutigen Staaten Israels. Ohne dem läuft gar nichts. Selbst wenn Abu Mazen wollte, eine Zustimmung seiner arabischen Brüder findet er nicht und allein deswegen werden die Verhandlungen scheitern.

Ich bin wieder zurück in Jerusalem und hier dreht sich alles um die Festtagseinkäufe zum Mittwoch abend beginnenden Rosh HaShana. Neue Klamotten, Essen, Geschenke und wer wissen will, was es kostet, wenn der Handyhändler ein Handy auseinandernimmt, um die Screen zu reinigen:
Gar nichts. Ich bekam die Reinigung umsonst.

Unsere Bäckerei arbeitet wie irre und deswegen werde ich heute und morgen kaum schreiben. Eines aber ist sicher: Die Feiertage kosten uns alle eine Menge Geld !

Montag, 16. August 2010

Alternativen

B"H

Täglich tun sich in Israel neue Alternativen auf, was sicherlich damit zusammenhängt, dass viele im Leben weiterkommen wollen. Nicht nur beruflich, sondern auch bezogen auf die innere Zufriedenheit. Ich kann alles Geld der Welt verdienen, aber wenn mir innerlich oder emotional etwas fehlt, dann hilft mir der beste Job nicht weiter.

Momentan geht es mir so in der Bäckerei und ich habe mich entschlossen, wieder mehr Judentum bzw. Chassidut zu unterrichten. In Israel Unterricht zu geben, ist ganz gewiss kein Zuckerschlecken, wobei ich es noch gut habe, denn entweder sitzen Erwachsene oder fast Erwachsene vor mir und keine Randalekinder.
Jedes Jahr wird neu bestimmt, wer als Lehrer oder Referent im Job bleibt und wer nicht. Vorwiegend hängt diese Entscheidung an zwei Faktoren: 1. Am jeweilige Budget der jeweiligen Einrichtung.
2. Daran, wie einen die Kollegen und Schüler aufnehmen.
In Israel keift nicht selten eine hysterische Mutter den Klassenlehrer am Telefon an.

Angebote für die Zeit kurz nach den hohen Feiertagen im September gibt es, nur ist all das nicht mehr mit der Bäckerei zu vereinbaren und ich muss mich entscheiden. Heute morgen hatte ich, wieder einmal, eine Unterredung mit unserem Manager. Wobei dieser kein richtiger Manager ist, sondern herumwuselt, aber die Freundin des Besitzers am eigentlichen Ruder hockt.

"Ob ich nicht noch mehr Stunden anhängen kann ? Mindestens 7 - 8 pro Tag oder Nacht".

Dabei arbeite ich schon die halbe Nacht durch und von ausreichendem Schlaf ist oftmals keine Rede. Als ich sagte, ich werde eventuell nach den hohen Feiertagen ganz aufgeben, wurde das gar nicht erst zur Kenntnis genommen, sondern stattdessen nachgefragt, ob ich am Mozzaei Schabbat (Samstag abend nach Schabbat) arbeiten komme. Da ich das selber noch nicht weiss, denn ich fahre eventuell wieder in den Norden, kam das Gejammer auf.

"Vielleicht sollten alle einmal mithelfen", regte ich zum 100,000sten Male an und handelte mir damit giftige Blicke einer Ladentuss ein, die gelauscht hatte. Das Wort "Arbeit" unten im Laden zu erwähnen, führt zu Katastrophen. Man will lieber auf dem Tisch sitzen und reden, wenn keine Kundschaft da ist.

Ein junger Kollege begann vor ca. einem halben Jahr im Laden zu jobben. 
"Eigentlich sei er ja Künstler", so kriegte ich es jedenfalls letzte Woche von ihm zu hören.

Künstler (der Malkunst) zieht einige Blicke der Mitverkäuferinnen auf sich und zwei Hennen streiten sich da um ihre Beute. Das Problem ist, dass die eine Henne schon fast vierzig ist und damit mindestens 15 Jahre mehr als der Künstler auf dem Buckel hat. Zuerst machte das nichts aus, denn es gibt ja Männer, die auf "ältere" Frauen stehen. Dann jedoch trat eine jüngere Henne in die Firma ein und betätigt sich vorwiegend mit dem Belauschen anderer oder mit dem Künstler, der da auf sie ansprang. Natürlich nahm das die ältere Henne nicht so einfach hin und beschäftigt sich nun weitgehend mit dem "sich jung machen". Kichern, fetzigere Kleidung, eben einfach jung wirken, auch wenn die Falten der ersten vierzig Lenze das Gesicht durchwandern.

Was mich immer wieder wundert ist, dass niemand versucht, aus der Tretmühle zu flüchten. Es ist klar, das jeder Geld braucht, doch jahrelang für einen Hungerlohn im Laden zu jobben ist auch nicht das Wahre. Das Resultat ist, dass ich mit immer weniger Leuten im Betrieb etwas zu tun habe, denn viel haben wir uns nicht zu sagen.

Nun stehen erst einmal die Feiertage an und ich werde mich, so gut es eben geht, abseilen. Vermissen tue ich den Betrieb eh nicht.

Dienstag, 22. Juni 2010

Bäckerei Facebook Page

B"H

Die Jerusalemer Bäckerei, in der ich arbeite, ist jetzt auch auf Facebook vertreten. Wer will, kann der Group beitreten. Allerdings ist alles auf Hebräisch !


Montag, 14. Juni 2010

Bäckereibilder





B"H

Viele Israelis sparen am Essen und denken zweimal nach, ehe sie sich etwas gönnen. Die Kundschaft der Jerusalemer Bäckerei, in der ich arbeite, tut dies ebenfalls, dennoch rollt der Rubel fuer unseren Boss. Und das, obwohl die Preise hoch angesetzt sind, denn die Backwaren sind teilweise Naturprodukte.

Freitag, 11. Juni 2010

Schabbat Schalom

B"H

In zwei Wochen trifft Netanyahu wieder einmal auf Barak Hussein Obama und erneute Schelte wird erwartet. Immer das gleiche Schauspiel: Netanyahu erklärt, Obama samt Moslembruderschaft kontert und dann gibt unser Premier nach. Das ist so Netanyahus Art in allen Lebenslagen und es wird voraussichtlich seine letzte Amtsperiode als Premier sein.

Israel gibt sich patriotisch wider dem weltweiten Antisemitismus und der Meinung, unser Land solle sich endlich vom Acker machen und gegen Islamistan ausgetauscht werden. Dann zumindest kehre der Weltfrieden ein. Naive Gedankenzüge, doch habe ich nicht immer die tolle Lust alles wieder und wieder zu erklären. Irgendwann ist die Definitionsgrenze erreicht und dann schalte ich ab.

Die Flotilla wurden aus den Schlagzeilen unser Medienwochenendausgaben verdrängt und die heute abend beginnende "MONDIAL - Fussballweltmeisterschaft" übernahm das Ruder. Die Pubs bestellten extra Bierlieferungen. Knabberzeug gehört ebenso zum Vorrat für die Fernsehabende.

Wer ist den Israelis als Weltmeister am liebsten ? Brasilien mit seinem antisemitischen Präsidenten ? Brasilien oder Argentinien stehen ganz oben auf den hiesigen Erwartungslisten, aber auch das deutsche Team. Die Südamerikaner spielen Sambafussball und wissen zu feiern und die deutsche Nationalmannschaft schuftet ohne Humor. Nebenbei heben israelische WM - Reports hervor, dass das deutsche WM - Team gar nicht mehr so deutsch sei, sondern multikulti.

Tel Aviv feiert heute seine Gay Parade und außerhalb der Stadt wird das Event ignoriert. Was gibt es da zu feiern, wenn ein paar kaputte Gestalten ziellos durch ihr Leben laufen und sich Männer mit schwarzem BH am Strand postieren. Mir kommt das ganze vor wie eine Alien - Horroshow und wer weiss wie tief die Welt noch sinkt. In ein paar Jahren erleben wir vielleicht Pädophile durch die Innenstadt feiern. Die Menschheit scheint sich wieder einmal auf dem Level der Tierwelt zu bewegen und nennt es "Toleranz" und "Gleichberechtigung".

Die Freundin unseres Bäckereibosses (und nun im Büro sowie als Miteigentümerin tätig) verkündete der Belegschaft, dass jeder von uns gemäss Gesetz Anrecht auf EINEN bezahlten freien Tag im Jahr habe. Ist das nicht toll, dass wir das endlich einmal erfahren ? EIN bezahlter freier Tag. In Israel gilt nach wie vor das Unternehmerrecht: Ich nutze Dich als Sklaven aus und werfe Dich dann weg !

In ein paar Stunden mache ich mich auf nach Jerusalem, wo nicht unbedingt ein Mann im BH durch die Innenstadt schreitet. Der Sommer ist angekommen es wird ein heisses Wochenende.

"Schabbat Schalom" an alle Leser !

Dienstag, 25. Mai 2010

Das Brotkartell

B"H

Natürlich macht man sich so seine Gedanken über Terror, Krieg oder die Achmadinejad - Bombe, dennoch beherrscht derlei negatives Gedankengut keineswegs den israelischen Alltag. Trotz dem morgigen landesweiten Großlarm mit Sirene, Bunkergang und allem Pipapo beruhen die heutigen Presseschlagzeilen auf einem ganz anderen Thema. Ein Thema, was uns Verbraucher angeht. Vielleicht nicht gerade mich, denn ich esse weder Brot von Berman, Deudovitch noch Angel (ausgesprochen: An - djschel). 

Die Bosse der drei führenden Großbäckereien des Landes (Angel hat einen Backwaren - Marktanteil von mehr als 40%) wurden wegen angeblicher gesetzeswidriger Preisabsprachen verhaftet. Ein geheimes Kartell sollen sie in Bezug auf den Brotpreis gebildet haben und wenn wir heute in den Artikel der "Yediot Acharonot" schauen, zeigt uns eine Brotpreistabelle, dass insbesondere Angel und Berman dieselben Brotpreise haben. Übrigens kostet dort ein einfaches Roggenbrot mehr als 17 Schekel (fast 4 Euro). Ein selbst für Israel unverschämter Preis. Da ist ja sogar unsere Naturbäckerei, in der ich u.a. arbeite, noch weitaus billiger. Bei uns gibt es auch keine Brote zum Preis von 19 Schekeln. Unser teuerstes Brot ist "Spelt Sprout Bread - Kusmin Nawut" mit 16,50 Schekel. Auf Deutsch nennt man das wohl "Buchweizenbrot hergestellt aus Sprossen ?".

Angel sowie Berman sind riesige Betriebe, die allerdings ihre Kosten niedriger halten, indem sie weitgehend Palästinenser und russische Neueinwanderer zu Mindestlöhnen beschäftigen.
In Israel besteht ein Mindestlohn - Gesetz schon jahrelang und Fabriken sowie anderweitige Betriebe fahren auf diesem Gesetz und zahlen gehaltsmässig das, was ihnen das Gesetz vorgibt, ohne dabei besondere Flexibilität nach oben hin zu zeigen.

Das reguläre Weissbrot von Angel habe ich schon jahrelang nicht mehr hinuntergewürgt. Es ist trocken und schmeckt nach nichts. Die Teigpampe, aus der die weisse Masse (was man dann BROT nennt) hergestellt wird, möchte ich lieber erst gar nicht sehen. Ab und an gehe ich in den Fabrikdirektverkauf im Jerusalemer Stadtteil Kiryat Moshe, doch viel kaufe ich nicht. Ein paar Borekas gefüllt mit Kartoffelbrei oder ein kleines Brot belegt mit Tomaten, Auberginen und Oliven. Mehr aber auch nicht.
Was Angel jedoch Besonderes anzubieten hat, sind Backwaren für Diabetiker. Wenn auch doppelt so teuer.

Die Kartellbeteiligten wurden von der Polizei dingfest gemacht und richtig freuen tun sich nur die kleineren Bäckereien. Die Brotpreise in Israel liegen unterschiedlich und es kommt darauf an, wo und welches Brot der Kunde kauft. Der MEGA in Tel Aviv kommt meines Erachtens dabei günstig weg, wobei die Supermarktkette (Mega) in Jerusalem wesentlich teurer ist. Wer in Jerusalem ist und über den Machane Yehudah Markt schlendert, der sollte den TELLER Brotstand (im überdachten Bereich) aufsuchen. Brote gibt es dort für ca. 15 Schekel (ca. 3,30 Euro). Persönlich kann ich das Tomatenbrot bestens empfehlen. Wer in der Gegend ist, kann in unserer Bäckerei vorbeischauen. Dienstags gibt es dort sogar glutenfreies Brot (genannt "Reisbrot").

Es kommt auf den Geldbeutel drauf an und wer knapp bei Kasse ist, wie viele Familie, ist leider oftmals auf Angel und das trockene Weissbrot angewiesen.

Montag, 26. April 2010

Naturprodukte

B"H

Jerusalem, 27 Grad warm und sonnig. Der Frühling ist da, alles blüht und die Luft riecht nach frischen Blüten. Mir gefällts, Allergikern weniger.
Unsere Bäckerei sucht einmal wieder Arbeitskräfte, doch soweit sind nur ungeeignete Leute zum Vorstellungsgespräch erschienen. Was wir suchen sind männliche Bewerber, die Anfang oder Mitte Zwanzig sein sollten. Schon allein das ist ein Problem. Gar nicht erst zu reden vom pünktlichen Erscheinen am Arbeitsplatz. Bis dahin jedoch dürfen wir einmal wieder doppelt und dreifach arbeiten mit dem Resultat, dass man alles (arbeiten) tut, nur nicht leben. Eigentlich sollten meine Arbeitsstunden noch mehr hinaufgesetzt werden, aber das ging zeitlich bei mir nicht. Immerhin unterrichte ich in einigen relig. Kursen und muss auch zur Abwechselung einmal etwas anderes sehen und nicht nur Kuchen. Die Urlaubstage, welche ich bisher nahm, kann man fast an einer Hand abzählen.

Zumindest habe ich mir vorgenommen, gesünder zu leben. Was auch immer das heissen mag. Mehr Bewegung vielleicht, obwohl ich das ja in der Bäckerei habe. Und offiziell sind unsere Produkte gesund oder wenigstens auf natürlicher Basis. Jegliches Brot ist ohne chemische Zusatzstoffe gebacken, was andererseits den Nachteil hegt, dass es frisch gegessen werden muss. Ansonsten trocknet es schnell aus, wenn es nicht eingefroren wird.

Naturprodukte laufen in Israel recht gut, trotz hoher Preise. Um den Machane Yehudah Markt befinden sich mehrere Naturgeschäfte wie "Teva Net" oder "Hadassah", wobei ich letzteres vorziehe. Eine ganze Industrie richtete sich darauf ein und wer einmal damit beginnt, der ist verwöhnt.

Dennoch, manchmal vermisse ich einfach einen ganz normalen Streuselkuchen.

Mittwoch, 14. April 2010

Und wo ist die Pizza ?

B"H

Gruppenführungen durch unsere Bäckerei sind nichts Ungewöhnliches und gestern abend war es wieder soweit. Israelis lieben Führungen jeglicher Art und der Jerusalemer Stadtteil Nachlaot ist ein bekanntes Ziel der Ausflügler. Hier wird die Geschichte der Stadt vermittelt und der Machane Yehudah Markt liegt gleich nebendran.

Unsere Bäckerei liegt genau dazwischen und so erstürmen fast allabendlich israel. Gruppen den Laden im Untergeschoss. Wir seien etwas Besonderes. Naturprodukte (nicht immer) und Brot, Kuchen oder Kekse aus Kusmin (Spelt), ohne Margarine (dafür mit Butter) und ohne Gluten (zum Wohle des Allergikers). Eine breite gesunde, doch sauteuere Produktpalette. Fast die Mehrheit unserer Kundschaft ist haredisch (ultra - orthodox) und die Anglos mit dem dicken Portemonnaie (unsere Waren sind nicht billig) gehen ihren Spelt - Essgewohnheiten nach.

Die gestrige Gruppe wurde von einem Ladenmitarbeiter begrüsst und gelangweilt hörte man sich seine "Weizen - und Roggenausführungen" an. Das Hauptaugenmerk jedoch galt den Waren und jeder träumte davon, sich etwas in den Mund zu stecken. Und wie Israelis halt sind, wenn es geht, umsonst. Der Mitarbeiter teilte Kekse aus, doch die Leuten wollten Pizza. Somit ging die Pizza drauf und wurde an ca. 25 Leute verteilt. Kostenlos. Die Gruppe war happy und der Laden hatte das Nachsehen.

Ich frage mich nur, wieviele Betriebe solch eine Gruppe mit ihrem Guide durchmacht. Zumindest spart sich der auf diese Weise Teilnehmer das Geld für das Abendessen.

Demnächst werden wir auch aus Facebook sein, aber Pizza verteilen wir dort nicht !

Samstag, 3. April 2010

Apriltagebuch

B"H

Pessach geht weiter und das noch bis Montag abend. In der Diaspora bis Dienstag abend. Morgen, Sonntag, ist nur ein halber Tag. Sozusagen wie ein Freitag bevor der Schabbat hereinkommt. Geschäfte und Märkte sind also nur bis nachmittags geöffnet.

Ich werde schon früh nach Jerusalem fahren, denn die Bäckerei backt zwar noch nicht, doch fanden Umbauten statt und einige von uns Sklaven erklärten sich bereit, bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Dafür werden wir von der chaotischen Nachtschicht von Montag auf Dienstag befreit. Chaotisch deswegen, weil die Leute nach Pessach die Bäckereien erstürmen, um endlich wieder Brot einzukaufen.

Gleich nach dem Ausklang von Pessach werde ich sofort heim nach Tel Aviv abreisen, nur um am Dienstag abend wieder in Jerusalem zu schuften.

Dass mit dem siebten Pessachtag in Jerusalem passt mir ansonsten sehr gut, denn in Mea Shearim finden viele Feiern statt und ich bin eingeladen. Ein chaotisches Herumgefahre wird es trotzdem. Tel Aviv, Jerusalem, Tel Aviv …

Ab Dienstag geht in Israel alles wieder seinen gewohnten Gang und Pessach wird vorüber sein. In der nächsten Woche gedenken wir der Holocaust - Opfer und eine Woche darauf wird Unabhängigkeit gefeiert. Dies werde ich allem Anschein nach in Tel Aviv tun, denn in Jerusalem ist diesbezüglich eh nie etwas los.

Die Christen feiern Ostern in der Jerusalemer Altstadt und darüber kann ich absolut nichts berichten, denn ich meide die Altstadt zu der Zeit. Der Papst hat sich einmal wieder mehr in die Nesseln gesetzt, denn der Vatikan bezeichnete die Anschuldigungen gegen Ratzinger als eine Art Judenverfolgung. Die Juden wurden verfolgt und nun unterliege der Papst einem Pogrom. Die Juden in Rom und in Israel sind entsetzt. Da kommt der Wehrmacht Ratzinger daher, beschützt seine pädophilen Bediensteten und macht dann auch noch auf Pogromopfer.
Aber haben wir anderes erwartet ? Die Palästinenser sehen sich ja auch in der Gaskammer. Hoffentlich kriegt der Papst nicht mit, dass in der kommenden Woche in Israel nationaler Holocaust - Tag ist, sonst stellt er noch seine eigene private Trauersirene an.

Immerhin machte uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung und es ist ausgesprochen warm. Fast dreissig Grad heute und der Tel Aviver Strand lief fast über. Mit einem Freund spazierte ich bis nach Yaffo und auf dem Rückweg kreuzten wir das Tel Aviver Kneipen IN Viertel "Florentin". Ohne Kneipe allerdings.

So, und nun noch schnell die letzten Stunden Pessach geniessen.
Allen Lesern noch tolle Feierstunden !

Donnerstag, 25. März 2010

Feiertagschaos

B"H

Alles rennt, kauft und putzt; kocht, bereitet vor und, wie ich gestern erfuhr, gibt es an einigen Stellen schon Hühnerengpässe, denn am Festtag (bei der Pessach Seder am Montag abend) kommen Fisch und Huhn auf den Tisch.

Unsere Bäckerei drosselte die Produktion und wir befinden uns momentan schon in einer Brotschwemme. Kaum mehr Kundschaft, denn die Wohnungen sind geputzt und man geht bis Pessach das letzte Chametz (verbotenes Getreide / Produkte an Pessach) in Cafes oder Restaurants essen.

Eine Kollege meinte gestern auf der Nachtschicht, er habe vier doppelte Kartons Eier, ein paar Süssigkeiten sowie Oliven und saure Gurken gekauft; 300 Schekel (ca. 60 Euro) waren da weg. Für was ? Für ein paar Kleinigkeiten ?



Wie Pessach finanziell überstehen ?
Photo: Israeli Kitchen


Keine Frage, Pessach saust ins Portemonnaie und bei mir geht es am Montag morgen nach Bnei Brak (bei Tel Aviv), wo ich mich mit einem Freund durch ultra - orthodoxe Supermärkte hangeln werde. Mir nichts dir nichts sind da Hunderte von Schekel futsch. Für was ? Für ein paar kleine Tüten voll ?

Israel ist teuer und die Preise vor Pessach sind unverschämt. Der billigste Laden Jerusalems soll "Rami Levi" in Talpiot sein, falls jemand Interesse hegt.
Aber bitte auf Mord und Totschlag an den Kassen gefasst sein.:-)

Aber Pessach in diesem Jahr stellt viele Leute vor ein zweites Problem:
Wenn schon alles sauteuer ist, woher das nötige Kleingeld nehmen ? Pessach fällt auf das Monatsende (März) und Gehalt gibt es entweder zum 1. oder zum 6. des Monats.
Die Sozialämter sowie die Rentenanstalt beschlossen, ihre Gelder noch vor Pessachbeginn auszuzahlen, damit die Leute Essen einkaufen können. In der Bäckerei erfuhren wir heute früh, dass auch unser Gehalt am kommenden Sonntag schon ausgezahlt werden wird. Zusammen mit dem üblichen Geschenkegutschein zu Pessach.

Nach Pessach kauen dann viele auf Wasser und Brot herum; bis zum nächsten Monat, wo es wieder Geld gibt. Feiertag hin oder her, Pessach kommt uns alle teuer zu stehen. Alle Jahre wieder ...

Dienstag, 16. März 2010

Zwei Wochen vor Pessach

B"H

In zwei Wochen beginnt Pessach und in Jerusalem kommt der wirtschaftliche Aspekt des Feiertages allmählich so richtig in Schwung. Mazzot liegen in sämtliche Ausführungen in den Geschäften aus. Da ich an Pessach besondere Mazzot (Mazza Schmurah) esse (Mazzot die das Jahr über regelmässig kontrolliert worden sind, damit sie auch ja nicht mit dem an Pessach verbotenen CHAMETZ (Getreidesorten) in Verbindung kommen), muss ich tiefer ins Portemonnaie greifen als andere, die reguläre Mazzot verspeisen.
Wer aber dennoch kostengüstige super koschere Mazzot sucht, der gehe in haredische (ultra - orthodoxe) Supermärkte oder ggf. auf dem Machane Yehudah Markt (Jerusalem) einkaufen. Überall im Land, und so auch in Jerusalem, heißt es "gewusst wo und was einkaufen". Drauflosrennen sollte vermieden werden, denn wer sich nicht auskennt, wird beim Preis übers Ohr gehauen. Selbst dann, wenn die Ware ausgezeichnet ist.

In den vergangenen Tage schwitzten wir bei dreissig Grad Hitze, gestern nachmittag kam dann die große Abkühlung. Ein Sturm kam auf und der Müll des Machane Yehudah flatterte bis zu unsere Bäckerei. Dort herrscht, nach wie vor Andrang, denn die Leute wollen noch einmal so richtig Kuchen und Brot geniessen, bevor an Pessach die Mazzot eintrudeln. Nicht, dass es an Pessach keinen Kuchen gibt; zum Feiertag werden wir wahrscheinlich wieder mit dem trockenen Mazzemehlkuchen oder Kuchen / Kekse hergestellt aus Kartoffelmehl, verwöhnt. Ein jüdischer Israelbesucher sollte hier ganz besonders auf der Hut sein, denn die Mehrheit der Pessach - Koscheren Kekse (und auch Kuchen) beinhaltet "Kidniyot" (gewisse Hülsenfrüchte oder darauf hergestellte Zutaten, die aschkenazische Juden an Pessach nicht essen, sephardische Juden aber schon). Wie ich Pessach "liebe". Als Aschkenaze ist man oft aufgeschmissen und fast alles beinhaltet die Kidniyot; von der Wurst bis zum Humus (Kichererbsenbrei). Dann bleiben lediglich Kartoffeln, Eier und Fleisch.

"Und wo bist Du bei der Seder ?" - so lautet die populärste Frage in diesen Tagen. Ehrlich gesagt, ich habe mich noch nicht entschieden und schwanke zwischen zwei Einladungen aus zwei verschiedenen Gruppen hin und her.

Bis zum letzten Chametz - Atemzug wird unsere Bäckerei offen bleiben, denn unser Boss will Einnahmen sehen. Die Woche an Pessach, in welcher die Bäckerei geschlossen ist, macht in jedes Jahr neu fertig. Eine leere Kasse bringt ihn fast um. Dabei ist die Pessachwoche die einzige Woche im Jahr, an der wir Urlaub haben und der Laden zu ist. Noch kurz vor Pessachende müssen einige von uns schon wieder rein und aufräumen, denn eine Stunde nach dem offiziellen Feiertagsende geht in der Nachschicht der Backprozess wieder los. Und das auf vollen Touren und mit dem Boss im Rücken.

Fast eine Woche ausspannen und den Betrieb nicht sehen… Ich kann es gar nicht mehr erwarten. Endlich einmal daheim sein und auch noch ein paar Ausflüge unternehmen, ohne auf die Uhr schauen zu müssen. Eine Woche nach Pessach ist israelischer Holocausttag "Yom HaShoah" und kurz darauf Unabhängigkeitstag ("Yom Ha'azma'ut"). Letzteres werde ich in diesem Jahr wieder in Tel Aviv verbringen, denn in Jerusalem herrscht am Unabhängigkeitstag absolut tote Hose. Bis dahin aber müssen wir noch schuften und die neu entwickelten Kuchen vertreiben. Sahne in Blätterteig, was die Kalorien wieder so richtig aufleben lässt.

Ständig nehme ich mir vor, meine Arbeitsstunden zu kürzen und nie klappt es. Einen Monat lang beschäftigte die Bäckerei einen den Touristen O., der hier auf einer Yeshiva an einem Konversionskurs zum Judentum teilnimmt. Unser Boss aber konnte ihn nicht halten, denn O. bekam keine Arbeitserlaubnis und war "noch" kein israelischer Staatsbürger. Derlei Leute einzustellen, beinhaltet einen riesen Bürokratiewust und die Sozialversicherungen spielen nie richtig mit. Geschweige denn die Krankenkassen und es gibt ein chaotisches Hin und Her. Wer will sich das als Unternehmer antun ?
Die Folge war, dass O. ging und ein Kollege und ich uns dessen Job nun teilen.

Einmal pro Woche unterrichte ich eine Kindergruppe und anscheinend liest die Mutter meinen englischen Blog. Seitdem sie das tut, hat sich ihr Verhalten mit gegenüber erheblich verändert. Jahrelang redeten wir viel und hatten ein herzliches Verhältnis; jetzt aber herrscht das Schweigen im Walde. Ich vermute einige Gründe von hin "haredische und keine nationalrelig. Themen" bis hin zu "sie hatte erwartet, dass keiner mein Geschreibsel liest". Sie tut es offenbar und ihre Kollegen auch. Wo ich jedoch ihren Wandel einordnen soll, habe ich immer noch nicht festlegen können. In der Bäckerei dagegen ist das wesentlich anders.
Das kommt vielleicht davon, wenn man bloggt …:-)

Montag, 8. März 2010

Montag, 08. März 2010

B"H

Heute haben wir den internationalen Frauentag und schon morgens dudelte der israelische Armeesender "Galatz" Musik vorweglich von Frauen gesungen. Dazu erfuhren wir dann, dass das Gehalt israelischer Frauen 29% unter dem des Mannes liegt. Bei mir in der Bäckerei ist es gerade um einige Schekel umgekehrt, aber das muss wohl an meiner fast sechsjährigen Anwesenheit liegen.:-)
Es brennt einmal wieder in der Bäckerei, denn ein Kollege ist abgesprungen. Vorläufig "darf" ich seinen Job mitübernehmen und muss deswegen gleich losrennen. Nichts mit Sonne, 28 Grad Celsius und Tag geniessen. Nebenbei warten einige Blogartikel, die ich zuende bringen wollte, doch damit wird es heute auch kaum etwas.

Manche Blogs berichten den gesamten Tag über von Politik. Mir hängt das Thema oft zum Halse heraus und von der momentanen Knessetdebatte, dass Konvertiten zum Judentum eventuelle keine Berechtigung mehr auf die israelische Staatsbürgerschaft haben sollen, berichtete ich nur kurz und aus aktuellem Anlass. Durch den ganzen Konversionswust steigt eh niemand mehr durch.

Gestern veröffentlichte ich ein Gastposting auf meinem englischen Blog zum Thema "Wie man es als Jude angehen soll, die chassidische Laufbahn einzuschlagen". Gerade hierüber sind viele falsche Vorstellungen und Phantasien im Umlauf.

Irgendwie sitze ich in Jerusalem fest und komme hier kaum noch weg. Die Bäckerei, die Vorbereitung mehrerer Artikel zur haredischen Gesellschaft in Mea Shearim und einige Interviews diesbezüglich; man legte mir ziemlich oft ans Herz wieder umzuziehen. Tel Aviv sei doch nichts und die Fahrerei unnötig. Entschieden haben ich mich noch nicht und breche auch nichts vom Zaum. Mal sehen, wie sich der Stress weiterentwickelt. Pessach steht vor der Türe und gerade in Jerusalem beginnen die alljährlichen Diskussionen wie koscher oder unkoscher was an Pessach ist. Von der Wurst über den Lippenstift bis hin zum Hundefutter oder Geschirrspülmittel. Am letzten Schabbat beim Mittagessen gingen die Diskussionen erneut los und ich bekam meine wöchentliche Portion Anstand und Kaschrut.
Wie, was und von wem ?

Neulich stellte mir jemand die Frage, wie sich denn mein Leben gegenüber Deutschland verändert habe.

Was soll ich darauf antworten ? Vielleicht, dass ich noch nie so richtig in die deutsche Mentalität passte, mein Leben Chaos war und ich deswegen in Israel bestens zurecht komme ? Das Leben in Israel bringt stetig etwas Neues; meist unvorhergesehen. In Deutschland wusste ich morgens, was ich bis zum Abend mache. Alles war geplant und festgelegt, ohne dass man es wollte. Es war halt so und so und so wurde sich auf der Arbeit oder in der Gesellschaft verhalten. Das Stetige fehlt mir manchmal, denn momentan tut sich zuviel Stress auf und jeder will etwas und ich renne herum. Dann kommt man auf die Arbeit, wie gestern, und kriegt zu hören, dass der Kollege nur kurz da war um zu sagen, dass er keinen Bock mehr hat. Umdisponieren lautet die Devise.

Eine Neue sollte ich einarbeiten, aber mir wurde im voraus gesagt, dass sie psychische Störungen habe.
Nee, nee, auf sowas verzichte ich dann gern und mache alles lieber allein bis (falls) sich ein Neuer (normaler) am Horizont auftut.

Dann mache ich mich jetzt auf und verzichte darauf, den Tag mit LEBEN zu verbringen.:-)

Montag, 22. Februar 2010

Überqualifiziert

B"H

Nicht selten beklagt sich die Kundschaft unserer Bäckerei über den manchmal miserablen Service. Die Verkäufer/innen unten im Laden springen nicht so, wie es sich der Kunde wünscht. Es kommt sogar vor, dass keiner der Angestellten sich als hilfsbereit erweist und einfach so herumsteht als gehe ihn die Arbeit absolut nichts an.

Als ich mit einem "betroffenen" Angestellten sprach, nannte der mir den Grund: "Du musst halt mit einbeziehen, dass hier fast alle Angestellten überqualifiziert sind und deswegen nicht selten die Unlust aufkommt".

Beide vermieden wir das Wort "Faulheit" und "Null Bock".

Täte der Boss mehr zahlen, ja, würde, hätte …
Uns ist klar, dass dann auch weiterhin einige Angestellten rumstehen. Sobald es ans Heimgehen geht, ist natürlich jeder schnell bei der Sache.

Die manchmal fehlende Arbeitsmoral zeigt dennoch etwas Positives: Jeder von uns hat sein "zweites Leben" und keiner klebt nur an der Bäckerei. Entweder wird studiert oder unterrichtet. Andere haben fertig studiert und jobben einfach so, um sich zu entscheiden, was genau sie im Leben wollen oder auch nicht.

Zu meiner deutschen Zeit (bis 2000) war mir derlei Einstellung recht fremd, doch mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, denn auch ich mache viele Dinge um die Bäckerei herum.

Mittwoch, 10. Februar 2010

"Normalos" sind im "Topolino" unerwünscht

B"H

Das italienische Restaurant "Topolino" liegt genau gegenüber unserer Bäckerei. Bis ca. zum Mai vor drei Jahren befand sich dort der Süssigkeitladen "Erez", doch Erez zog einen Shop weiter, da ein Chabadnik seinen kleinen Tante - Emma - Laden schloss. Somit zogen die neuen Hausherren Shai und Jonah (Shai's Freundin) ein und eröffneten für die Gegend um den Machane Yehudah Markt hochgestylt und auf richtig europäisch getrimmt ihr "Topolino".
Das kleine Restaurant wollte sich mit Qualität und hervorragendem Service von allem bisher Dagewesenen abheben.

Nach einigen wenigen Jahren kann man sagen, dass dies gelungen ist. Trotz der aufwendigen Preise und der kleinen Portionen. Das aber lässt sich vielleicht mit den teuren Zutaten sowie der heimischen Küche rechtfertigen. Einige Anglo - Freunde von mir besuchen das "Topolino" regelmässig und schwören darauf. Der Service sei, für israelische Verhältnisse, einmalig und das Essen grandios.

Wir in der Bäckerei gegenüber haben vor allem mit Jonah weniger gute Erfahrungen gemacht. Ich weiss nicht, ob sie schon zur Backkonkurrenz "Teller" überlief, doch im Topolino wurde (wird) unser Brot serviert. 

Nebenbei bemerkt: 
Unsere Bäckerei ist eine Qualitätsbäckerei und daher nicht billig ! Wie bieten keine 30 Pitot für 10 Schekel wie nebendran der Machane Yehudah. Zu uns kommen Leute, die für eine gesunde Ernährung Geld ausgeben. Unser Service mag manchmal nicht der beste sein, denn im Laden arbeiten vorwiegend Studenten und so manch einer geht überqualifiziert lustlos an den Verkaufsjob heran. Dennoch bekommt jeder Kunde das, was er will samt Beratung und, wenn es sein muss, eine Auflistung der Zutaten und Menge. Will jemand zwei Kekse kaufen, bekommt er diese anstandslos und wird genauso behandelt wie ein anderer Kunde, der riesig einkauft.

Im "Topolino" ist das anders und das bekamen wie zu spüren. Nicht nur, dass Jonah, wenn sie denn einmal herübertrabte, um Brot nachzukaufen, wie die Königin persönlich behandelt werden wollte. Sie nämlich ist Chefin und Restaurantinhaberin und da haben die "doofen" Bäckereiskalven zu spuren, wenn die Dame ein paar Brote anschreiben lässt. Zusätzlich beschwerte sie sich über unsere gesamte "Skalvenriege" bei unserem Chef.

Kaum einer unserer Mitarbeiter verirrt sich ins Topolino, denn alle machten irgendwie die gleichen Erfahrungen. Sobald wir auch nur in das Restaurant treten, weiss Jonah Bescheid. Am vergangenen Montag ging ein Studentenpaar, was bei uns im Verkauf / Backprozess arbeitet, hinüber, um ein romantisches Dinner zu haben. Jonah kam an deren Tisch und verkündete, bei ihr herrschen 50 Schekel Mindestbestellung. A la "Naja, ihr aus der Bäckerei verdient ja bestimmt nicht viel Geld". Das Paar war sauer, bestellte und zog schnell wieder ab. Das Topolino ist nun auch bei ihnen passee.

Einen Tag später ging ich mit Freunden. Widerwillig, denn Jonah weiss, wo ich arbeite und kennt jeden unserer Schritte. Ich stimmte dem Topolino nur zu, weil es lediglich einen Sprung entfernt liegt und ich noch arbeiten musste.

Wir traten ins Restaurant und ich fühlte mich unbehaglich. Was wir zu hören bekamen war: Man sei voll mit Bestellungen und wir hätten genau 1 Stunde + 10 Minuten Zeit, uns niederzusetzen.
Wir stimmten zu, da wir nun schon einmal da waren.
Die Bedienung, ein junges Mädchen und vermutlich eine Tochter oder sowas, der Hausherrin, brachte uns die Karte. Nicht gerade freundlich und immer wieder darauf aufmerksam machend, dass unsere Zeit begrenzt sei.
Jonah sprach mit dem Mädchen und daraufhin wurden meine Bekannten nach ihren Bestellungen gefragt. Ich nicht ! Meine Bestellung wurde über meine Freunde aufgenommen. Man fragte sie, was ich wolle. Ich sagte es meinen Freunden und die gaben es der Bedienung wieder, wobei die Bedienung neben mir stand.

Das Essen kam schnell und war vorzüglich. Meine Freunde warens zufrieden, ich weniger. 
Mit dem Service wohlgemerkt.
Der zweite Gang erfolgte mit Hast, denn die Bedienung wiederholte ihre "Rausschmissdrohung". Wir hätten nur noch wenige Minuten zur Verfügung, denn unser Tisch sei reserviert. Zur Nachspeise liess man uns keine Zeit mehr, obwohl wir vorhatten, sie uns einpacken zu lassen wie den Rest des zweiten Ganges. "Muss jetzt nicht mehr sein, denn die Leute (die den Tisch bestellt hatten) sind schon da".

Man entschuldigte sich, wir zahlten 300 Schekel (ca. 60 Euro) und man geleitete uns nach draußen. "Beim nächsten Mal halt Tisch bestellen", so die Devise.

Dass mit dem Bestellen ist uns schon klar und nichts für ungut. Doch wie die Inhaberin mit Leuten umgeht, die sie nicht kennt und von denen sie meint, sie seien da halt doofe Prolos ohne Grips und Geld, ist eine Frechheit.
Das Resultat: Keiner aus der Bäckerei hat mehr irgendeinen Bock auf das Topolino. Wir gehen lieber woanders hin, wo wir erwünscht sind. Vor allem dann, wenn wir eine nicht zu kleine Summe bereit sind ausgeben !

Montag, 8. Februar 2010

Montag, 8. Februar 2010

B"H

Das Wetter wird besser und somit auch gleich die Stimmungen. Furchtbar wie einen mieses, depressives, kaltes Wetter aus dem Lebenstakt bringen kann.

Dieser Tage hänge ich immer noch in Jerusalem fest. Die Bäckerei und einige andere Termine. Ein Kollege kündigte, da er seine Zeit nur noch mit dem religiösen Lernen auf einer Yeshiva verbringen will. Wundersamer Weise suchen wir diesmal nicht nach Auswegen, um die Lücke zu füllen, sondern mehrere neue Bewerber (Optionen) taten sich auf. Jobs laufen in Israel über Mundpropaganda und der Mund bescherte uns sogleich einige potentielle Jobbewerber.

Aufgrund meines Geburtstages habe ich einige Termine verschoben, doch an der Bäckerei komme ich kaum vorbei. Gerade jetzt nicht, so kurz vor Purim und mit dem neu erfundenen Napoleonkuchen, von dem ich nicht weiss, warum er so heißt bzw. wer ihn dazu kürte.

In Jerusalem scheint nicht viel los zu sein, denn abends sieht man überwiegend leere Straßen. Alle sind daheim; entweder in warme Decken eingehüllt oder neben der Heizung. Das einzige, was die Leute zum Ausgehen bewegt sind Cafes oder Restaurants. Wie gut, dass wir unser Brot auf 150 Grad Hitze backen.:-)

Mittwoch, 27. Januar 2010

Die Bäckerei

Die Jerusalemer Bäckerei, in der ich, u.a., arbeite




Der Laden im Erdgeschoss




Links: Unser Früchtekuchen für den am Schabbat stattfindenden Tu be'Shevat.
Rechts: Unser regulärer Sahnecremekuchen




Verschiedene "Kekssorten" mit Schokoladen - bzw. Rosinen oder - Nussfüllung