Sonntag, 4. November 2012

Kriterien für eine Auswanderung nach Israel (oder anderswohin)

B"H 

Das Thema "nach Israel auswandern" steht auf diesem Blog immer noch auf einer der höchsten Stufen der Hitliste. Wobei ich immer noch annehme, dass es sich bei diesen Lesern zumeist um Nichtjuden handelt, denn Juden erhalten normalerweise ihre Aliyah – Infos von der Jewish Agency. 

Ich weiss nicht, warum es Nichtjuden gerade nach Israel zieht, denn hierzulande erwartet sie nicht gerade das rosige Leben und bestenfalls werden sie nach einer gewissen Frist wieder ausgewiesen. Wer auch nur ein einziges Mal die Ehre mit dem israelischen Innenministerium "Misrad HaPnim" zwecks Visaverlängerung hatte, wird mir das umgehend bestätigen. 

Vielleicht sind die Gründe ja immer noch in einer Portion "Shoah – Schuld" zu suchen. Viele Deutsche scheinen damit einen psychologischen Knacks wegbekommen zu haben. Der nicht gerade dollen Wirtschaftslage in Deutschland entkommen zu wollen, um gerade in Israel zu leben … Darüber kann man sich als Israeli nur wundern, denn den Deutschen geht es doch eigentlich noch gut. Ganz zu schweigen von der sozialen Absicherung, auch wenn so mancher jammert. Die USA, Kanada oder Australien wären diesbezüglich für mich attraktivere Ziele als Israel, obwohl es ja nirgendwo in der Welt perfekt zugeht. 

In den vergangenen zwei Wochen war ich einige Tage in Nordisrael. Genau gesagt in ZFAT, einer kleinen Provinzstadt mit einer dennoch relativ hohen Neueinwandererquote. Insbesondere relig. Juden aus den USA ziehen gerne nach Zfat. Der Religion wegen, wobei die Geschichte der Stadt Zfat eine Rolle spielt. Die kabbalistische Vergangenheit aus dem Mittelalter zieht halt immer noch ihre Spuren nach sich, doch die Realität der Peripherie holt einen allzu schnell ein. 




 Zfat / Nordisrael

Photo: Miriam Woelke

Was mir ein eingewanderter Amerikaner, in Zfat lebend, zu berücksichtigen gab: 

"Wer als Jude nach Israel auswandert (Aliyah macht), der sollte vor dem Aliyahprozess bereits in Israel leben. Sich Wohnung und Job suchen, sich einrichten und die Kinder einschulen. Halt im voraus sehen, wie alles funktioniert und ob er hier klarkommt. Ansonsten ist die Enttäuschung im Nachhinein zu groß und wer einfach so Aliyah macht, der stellt später fest, dass Israel doch nicht das Ideale für ihn ist". 

Dieses Statement erweist sich im Alltag als richtig. Heutzutage zieht man nicht einfach so los und liegt dann ggf. im neuen Land auf der Straße, ohne sich zurechtzufinden. Am Anfang mag noch alles toll aussehen, denn eingewanderte Juden erhalten diverse finanzielle Hilfen. Geht das Geld jedoch erst einmal aus, beginnt das wirkliche Leben und nicht selten ein Existenzkampf in der neuen Heimat.

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