Dienstag, 12. Februar 2008

Der Hähnchen - Krieg

B"H

Das Leben in Israel ist teuer und so mancher Billigtourist, der meint, er käme mit einem geringen Budget aus, wird sich wundern. Es gibt zwar "billige" Hostels, aber auch dort steigen die Preise immer mehr an. Ein Bett in einem Dormitory ist kaum noch unter 45 Shekel (ca. 5 Euro) per Nacht zu haben (Petra + Jaffa Gate Hostel am Jaffa Tor). Der schwache Dollarkurs gegenüber dem israelischen Shekel tut sein Übriges und die Hostelpreise steigen.

Aber nicht nur die Übernachtungen sind teuer. So manchen Touristen trifft erst richtig der Schlag, wenn er die Lebensmittelpreise sieht. Von einer billigen Falafel oder einem Schwarma (Döner) kann man auch nicht täglich leben. Wem die Koschergesetze egal sind, der findet besonders im arab. Viertel der Altstadt billige Restaurants.

In der Neustadt hingegen sollte man schon wissen, wo was zu finden und zu kaufen ist. Viele Lokale haben sich auf den Tourismus spezialisiert und so mancher, der sich in der Stadt nicht auskennt, fällt voll auf die Abzocker herein. Bestes Beispiel hierfür ist das "Village Green" in der Jaffa Road, Höhe Internet - Cafe und Cafe Hillel. Der Abzocke wegen ist das "Village Green" zum Toruistenparadies geworden. Viele Amerikaner zählen zur Kundschaft, denn so manchem von ihnen sind die horrenden Preise egal. Israelis dagegen wissen genau, wo sie was bekommen und das ist garantiert nicht im "Village Green".

Seit Tagen tobt ein unerbittlicher Preiskrieg, von dem kein Tourist etwas mitbekommt. Israelische Zeitungen fahren täglich wilde Stories auf. Bisher betrifft der Preiskrieg Jerusalemer Ladenketten nur die frischen Hähnchen.

Wer konnte sich schon bisher mehrmals pro Woche ein Hähnchen leisten außer vielleicht am Schabbat ?
50 Shekel (10 Euro) oder mehr für ein ganzes Huhn. Zuviel Geld für den Normalverdiener. Nun ist alles anders, denn um mehr Kundschaft in die Läden zu locken, kam die Rami - Levi - Kette aus Jerusalem - Talpiot auf die Idee, die Hähnchenpreise drastisch herabzusetzen. Es gleicht fast einem Wunder, dass sich der Kilopreis auf 79 Agorot (ca. 20 Cent) beläuft. Allein gestern verkaufte Rami Levi 2500 Hühner. Ketten wie Mega oder der ewig teure Supersal waren gezwungen nachzuziehen.

Mega im Canion Malcha ist seit seiner Eröffnung als riesiges Einkaufsparadies bekannt. Dass, was mich am Mega stört ist, dass ich jedesmal nachschauen muß, ob ein Produkt koscher ist. Das Gleiche trifft auf den Supersal zu und ich kann mir nicht erklären, warum gerade der Supersal bei Touristen so beliebt ist. Vielleicht weil die Filiale in der Agron nahe der Altstadt liegt und die Hosteltouristen nicht allzu weit laufen wollen. Normalerweise kaufen nur etwas besser Betuchte dort ein, aber der Tourist kennt die hiesigen Preise nicht und kauft halt manchmal allzu wahllos. Wer dagegen richtig günstig einkaufen will, geht woanders hin und hier sei gewußt wo.

Jerusalemer kaufen bei Rami Levi in Talpiot (Buslinie 14), im "Kascher Le'Mehadrin" neben dem Zentralen Busbahnhof (relig. und nur Koscherprodukte), bei Schefa (superrelig. und alles superkoscher) oder natürlich im Mega in Malcha (Buslinie 6). Insbesondere im Stadtteil Talpiot entstanden in der letzten Zeit viele Billigsupermärkte, aber wer kennt schon als Tourist Talpiot ?

Nun hoffen alle Israelis, dass sich der Hähnchen - Krieg immer mehr ausbreitet und sich demnächst auch auf weitere Produkte ausweitet. Die Kundschaft würde danken und in Scharen in die Supermärkte strömen. Es wird höchste Zeit, dass wir einmal in den Genuß kommen, reguläre Produkte auch zu erschwinglichen Preisen kaufen zu können.

Montag, 11. Februar 2008

Die Bürger Sderots warten auf eine Lösung

B"H

Ehud Olmert geistert heute in Deutschland herum und deswegen verpasst er sämtliche Demonstrationen der Sderoter Bürger.
Die nämlich sind den siebenjährigen Kassam - Raketenbeschuß aus Gaza leid und wollen endlich leben, wie alle anderen Israelis auch. So steht es auch auf ihren Demo - Plakaten, die sie vor dem Jerusalemer Außenministerium aufgehängt haben.

Heute Abend (Montag) ist für 18.00 Uhr eine Großdemo vor Olmerts Office in der Kaplan Street geplant. Aber der Premier glänzt durch Abwesenheit in Deutschland, wo er Angela Merkel Wirtschaftssanktionen gegen den Iran abringen will.
Na, da wird Angela nichts versprechen können, denn die deutschen Wirtschaftsbosse halten diesbezüglich das Zepter in der Hand.

Außerdem will sich Olmert mit einem Verhandlungspartner treffen, der über deutsche Umwege mit der Hamas in Gaza verhandelt, um den entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit endlich freizubekommen. Ein schweres Unterfangen, verkündete doch Verteidigungsminister Ehud Barak heute früh, dass sich die israel. Armee auf einen Einmarsch in Gaza gefasst machen soll. Man will Bodentruppen entsenden, um so wenigstens den Raketenbeschuß auf Sderot zu stoppen.

Ein Termin aber steht noch in den Sternen. Bisher wurden 16 Hamasführer liquidiert und Israel sieht auch das als kleinen Erfolg an. Immerhin ein paar Terroristen weniger.

Momentan demonstrieren einige Sderoter Bürger vor Zipi Livnis Amtssitz. Viele Photos haben sie mitgebracht und ein paar Kassam - Raketen sind auch dabei. Wer sich "life" davon ein Bild macht, der kann sich als Außenstehender kaum vorstellen was es bedeutet, wenn solch ein Ding in der Nachbarschaft oder geschweige denn im eigenen Wohnzimmer landet. Primitive Bauart, aber hohe Explosionskraft, so schauen die Raketen auf. Bei der kleinen Demo sind sie nebeneinander aufgestellt: Rote und grüne Kassam - Raketen oder besser gesagt das, was von ihnen nach der Explosion übrigblieb.



Mittlerweile ist es amtlich, dass dem achtjährigen Oscher Twito das linke Bein amputiert werden mußte. Seinem ebenso verletzten 19 - jährigen Bruder Rami geht es etwas besser. Ein Bein steckt im Gips und am anderen wirken noch die Chirurgen. Iris, die Mutter der Beiden weiß nicht recht, wie ihr bei all dem Unglück geschieht und vor allem nicht, wie sie es Oscher beibringen sollen, dass er ein Bein verlor.

Infos zu Sderot:

http://www.ujc.org/blog.html?id=95

http://www.sderotmedia.co.il

Sonntag, 10. Februar 2008

Kapp - Dortmunder alias Herbert von Karajan

B"H

Charaktäre wie Herbert von Karajan oder Heinz Rühmann erfreuen sich bis heute in deutschen Wohnzimmern größter Beliebtheit. Eine Beliebtheit, die ich nie verstehen konnte. Da kam zum Beispiel Heinz Rühmann in den 80iger Jahren als Gast zu "Wetten dass…." und wurde vom Publikum sofort mit stehenden Ovationen empfangen.
Das Gleiche wiederfuhr dem Theaterstar Willy Millowitsch als er vor Frank Elstner propagandierte, dass die heutige Jugend nichts mehr tauge, denn sei es doch die ältere Generation gewesen, die Deutschland wiederaufgebaut habe. Woraufhin Frank Elstner rechtfertigend erwiderte, dass es allerdings nicht die junge heutige Generation war, die Deutschland in einen Krieg geführte hatte. Millowitsch verstand die Anspielung nicht so recht und gab sich schweigend.

Nun ist ein neues Buch zum Thema "Karajan" erschienen. Auch der österreichische Dirigent verkaufte sich an die Nazis. Und das sogar schon im Jahre 1933, Jahre bevor die Deutschen überhaupt Österreich erst ins Deutsche Reich eingliederten.
Der Autor Henry Grinberg verfasste einen Roman, in welchem der Hauptprotagonist Hermann Kapp - Dortmunder die Bibliographie des Herbert von Karajan darstellt. In dem Buch heißt es zwar, dass Kapp - Dortmunder alias Karajan sich aus Narzismus und Machtgier mit Hitler verbündete. Weitere Quellen sind jedoch der Meinung, dass dies kaum der Fall gewesen sein könne, denn schließlich sei Karajan schon 1933 in die NSDAP eingetreten. Und seither scheute er nicht davor zurück, seine Konzerte mit dem "Horst - Wessel - Lied" einzuleiten.

Seitdem er im Besitz des Hitler - Parteibuches war, ging es mit Karajan bergauf. Die spätere Rechtfertigung vor dem Entnazifizierungsausschuß hieß, Karajan hätte noch vor dem Aus des Dritten Reiches die "Vierteljüdin" (Anita Gründermann) geheiratet und somit sei ja sein angeblicher Antisemitismus hinfällig.

Insgesamt verfolgte Deutschland nach Kriegsende eine seltsame Politik betreffend ihrer Schauspieler / Künstler. Seitdem Heinz Rühmann durch den "Hauptmann von Köpenick" zum absoluten Superstar aufstieg, war seine aktive Nazivergangenheit wie ausgelöscht. Soetwas will man dann lieber doch nicht mehr hören geschweige denn zur Sprache bringen. Das waren halt andere Zeiten und man mußte sich irgendwie mit Goebbels und seiner Propaganda arrangieren.

Das mag schon zutreffen, doch waren sowohl Karajan als auch Rühmann aktiv beteiligt. Rühmann, zum Beispiel, wurde gebeten, einem jüdischen Schauspielerkollegen zu helfen, was er durchaus hätte tun können, es jedoch in schamloser Weise ablehnte. Besagter Schauspieler kam später in Auschwitz ums Leben. Karajan war nicht viel besser und nahm dankend führende Dirigentenjobs an, aus denen seine jüdischen Kollegen zuvor gedrängt worden waren.

Deutschland tut sich nach wie vor schwer mit den schwarzen Vergangenheiten seine Künstler. Courage hingegen bewiesen Ausländer, die sich weigerten, überhaupt erst mit Karajan zusammen zuarbeiten.

Weder bei Karajan noch bei Rühmann und vielen anderen gibt es etwas zu feiern.

"Variations on the Beast" von Henry Grinberg

http://www.variationsonthebeast.com/about.htm

43 Kassam - Raketen und die Welt schweigt

B"H

An diesem gerade ausgeklungenen Wochenende fielen 43 Kassam - Raketen auf die Negev - Stadt Sderot. Die Zeitungsbilder, die uns heute alle schocken sind jene des 8 - jährigen Oscher Tvito, dem zur Stunde im Aschkeloner Barzilai - Hospital ein Bein amputiert wird. Das Zweite konnten die Ärzte gerade noch retten.

Die Brüder Rami und Oscher Tvito waren gestern in den Straßen Sderots unterwegs als neben ihnen eine Rakete einschlug. Der Vorfall wurde in Gaza euphorisch gefeiert. Ein Achtjähriger verliert ein Bein und die Hamas begrüßt diese Tatsache mit wildem Gewehrfeuer in die Luft. Die zynischen Bilder sind garantiert in keiner ausländischen Presse zu sehen.

Aber wer von uns dachte gestern noch groß an Sderot ? Haben wir uns nicht schon an all die Bilder gewöhnt ?

Die Tageszeitung "Yediot Acharonot" stellte bitter fest, dass wir uns in zwei Nationen aufspalten. Da ist zum einen Sderot und der Raketenalltag und da sind alle anderen, die auszogen, um die Sonne zu geniessen.

Manchmal frage ich mich jedoch, ob wir alle ständig nur an alle Katastrophen denken müssen. Selbst im Libanon - Krieg zog ich mich oft zurück, weil ich all die News nicht mehr hören konnte.

Freitag, 8. Februar 2008

Wahlstimmungen

B"H

Mir geht es so wie vielen Israelis; ich bin mir nämlich nicht mehr sicher, ob ich bei den nächsten Knesset - Wahlen überhaupt noch wählen soll. Wahlverdrossenheit oder so ähnlich sagt man dazu in Deutschland.

Auch in Israel ist das nichts Neues mehr und jetzt hatte es auch mich erwischt.
Wen soll man denn hier bitteschön noch wählen ? Kaum ein Knessetmitglied ist unbestechlich und falls ja, wer vertritt meine Ideale ? Gibt es in der Knesset noch Ideale oder gehört das alles dem alten Pioniergeist der 50iger Jahre an ?

Heute dann berichtete ich meine Gedanken einem Bekannten und der gab sich entsetzt.
"Was nicht wählen ? Das kannst Du doch nicht machen. Du bist Staatsbürger und lebst hier. Also muss man wählen oder willst Du, dass alles ganz den Bach runtergeht ?"

Wir diskutierten hin und her und mittlerweile ist meine Wahlverdrossenheit gewichen und ich konzentriere mich auf die Vorteile. Mal schauen, wie lange das anhält und wann die nächsten Wahlen vor der Tür stehen.

Donnerstag, 7. Februar 2008

Falsche Identität

B"H

Als ich gestern früh einen Tante - Emma - Laden (Makolet) betrat um wie üblich Joghurt zu kaufen, wurde ich Zeuge einer wilden Diskussion an der Kasse.

Die Tageszeitung "Yediot Acharonot" hatte einmal wieder einen brandneuen Skandal aufgedeckt. Ein Palästinenser lebt seit weit mehr als 20 Jahren illegal und unter falscher Indentität in Tel Aviv und gründete sogar eine Familie. Nun wurde er verhaftet und sein bestens gehütetes Geheimnis flog auf.

Schoschana Eliezer gab an, den Palästinenser im Jahre 1980 am Tel Aviver Strand kennen gelernt zu haben. Toll habe er ausgesehen und schon kurz darauf zogen sie gemeinsam in eine Wohnung in der Stadt. Kinder kamen auch; der älteste Sohn Yaniv diente sogar als Offizier in der israel. Armee, ohne zu ahnen, wer sein Vater wirklich war. Nur Schoschana Eliezer kannte das Geheimnis des "Rami Eliezer", wie sich ihr Lebensgefährte mittlerweile nannte. Neben Yaniv kamen noch zwei Töchter auf die Welt.

Unscheinbar lebte die Familie in Tel Aviv und "Rami Eliezer" gab sich als jüdischer Israeli aus. Jetzt knallte es und die Kinder erfuhren erst auf dem Weg zur Polizeiwache, wer ihr Vater wirklich ist. Zuerst waren alle geschockt, doch mittlerweile wollen sie ihrem Vater verzeihen und ihn mit offenen Armen empfangen. Auch die Polizei will ihn freilassen und ihm eine Aufenthaltserlaubnis geben, denn nie habe sich "Rami Eliezer" etwas zu schulden kommen lassen.

Was mich dabei sehr wundert ist, warum niemand den arabischen Akzent in seinem Hebräischen vernahm. Ab einem gewissen Alter ist es unmöglich, den Akzent der Muttersprache abzulegen. Warum vernahmen seine Kinder oder Bekannte und Kollegen nie den eindeutigen Akzent. Es kann natürlich sein, und es wäre bestimmt nicht das erste Mal, dass ein Palästinenser behauptet, er sei marokkanischer, kurdischer oder irakischer Jude und daher stamme dann halt der Akzent.

Die Kundschaft im Tante - Emma - Laden jedenfalls war aufgebracht, denn ist doch der Sohn der Familie Offizier bei der Armee.
"Ja, man kann heute noch nicht einmal den Offizieren mehr trauen, meinte ein Kunde. Wer weiß schon, was sich hinter jedem Menschen verbirgt."

Das Mißtrauen ist groß und es beruht auf realen Ursachen. Zuviel ist schon passiert und man will Abstand nehmen. Wie die Nachbarn, Bekannten und Kollegen des "Rami Eliezer" und seiner Familie reagieren werden, wurde nicht berichtet.

Und wieder einmal mehr wirft der Artikel das Identitätsproblem der in Israel lebenden Kinder aus "gemischten Familien" auf. In Jerusalem und Nazareth sind die Hochzeitsraten zwischen Juden und Arabern am höchsten. Überwiegend sind es jüdische Frauen, welche einen moslemischen Mann heiraten. Vom umgekehrten Falle hört man so gut wie gar nicht.

Zur unterschiedlichen Religion kommt auch noch das Feindbild des Ehepartners. Wer will als jüdisches Elternpaar einen palästinensischen Schwiegersohn ? Und was wird mit den Kindern ? Fast alle Fälle beweisen, dass vor allem die Kinder an dem Identitätsproblem zu knabbern haben. Besonders in der Schule, wo sie gehänselt werden. Aber nicht nur dort, denn sind sie doch automatisch auch im Besitz zweier Religionen.
Laut des Islam sind sie Moslems, wenn der Vater Moslem ist, das Judentum hingegen betrachtet sie als Juden, wenn die Mutter halachische Jüdin ist. So sind sie für den Vater Moslems und für Israel und die Mutter Juden.

Ich kann mir denken, dass die Kinder es in der Öffentlichkeit vorziehen, nicht ihren palästinensischen Elternpart zu erwähnen. Fast nichts wird in der israel. Gesellschaft so verachtet wie Frauen, die einen Palästinenser heiraten. Die Mehrheit muß sogar damit rechnen, die eigene Familie zu verlieren und das der Kontakt abgebrochen wird. Und die Kinder sind nicht hier und nicht dort zuhause.

Mehr zu dem Thema:

Mit dem Feind in einem Bett

Wenn der Feind konvertiert

Besitzansprüche Holocaust - Überlebender und deren Erben

B"H

Aktuelle Informationen zur Neuregelung von Schadenausgleich / Besitzansprüchen von Holocaust - Überlebenden gibt es hier einzusehen:

http://www.hashava.org.il/eng/

Dies gilt besonders für all jene Betroffenen, deren Vorfahren vor dem Zweiten Weltkrieg in Israel investiert haben und ihr Vermögen nach Israel transferierten.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Rita in Action

B"H

Eine der besten Musikerinnen Israels überhaupt ist sicherlich Rita. Frisch getrennt von ihrem Gatten, dem Sänger Rami Kleinstein, hat sie gerade ihr neues Album herausgegeben.

Man mag mich für sentimental halten, aber ich bin ein Rita - Fan.



Die Angst vor der eigenen Schwäche

B"H

Wie der jüdische Philosoph Gershom Scholem beschäftige ich mit allem, was das Judentum hergibt. Egal, ob das die Thora, der Talmud, die Kabbalah, jüdische Philosophie oder Geschichte betrifft. Aus vielerlei Gründen lerne ich derzeit ausgesprochen viel jüdische Geschichte und Soziologie. Wobei Letzteres mehr vom relig. Aspekt zu bewerten ist.

Während meiner Zeit der relig. Studien, welche allerdings bis heute anhalten und weitergehen, lernte bzw. lerne ich unzählige verschiedene Religiöse aller Sparten kennen. Eines haben sie alle gemein: Sie selber unterteilen sich in mehrere Gruppen innerhalb ihrer eigenen Gesellschaft.

Da sind jene orthod. Religiösen, die sich neben den regulären Yeshiva - Studien (relig. Schule) auch mit dem akademischen Judentum beschäftigen. Heißt, nicht nur die Augen verschliessen und alles glauben, was viele Rabbiner vorschreiben bzw. sie Texte interpretieren. Andererseits gibt es jene, die stumm dasitzen und alles glauben, was ihnen ihre eigene Gesellschaft erzählt und vormacht.

An der Uni lernte ich viele Haredim (Ultra - Orthod.) kennen, die eine akademische Offenheit an den Tag legten, welche sie in ihrer eigenen Gesellschaft niemals offen zeigen dürften. Da werden akademische Thesen oder Doktorate verfaßt, die man in keiner gewöhnlichen relig. Buchhandlung angeboten bekommt. Das Schlimmste ist für mich, wenn orthod. Männer auf der Straße den Frauen schnell den Rücken zu drehen. Nur nicht die Frau anschauen, denn die könnte negative Eigenschaften in mir hervorrufen. Außerdem hat die Frau eh eine andere Aufgabe im Leben. Vornehmlich den Haushalt um den Zusammenhalt der Familie zu gewährleisten.

Wenn Haredim so denken, dann habe ich hierfür noch irgendwo ein gewisses Verständnis. Bei den Nationalrelig. dagegen ist bei mir in diesem Punkt der Ofen aus. Was bildet sich ein Nationalrelig. ein, der in kurzen Hosen daherkommt, Sandalen ohne Socken trägt und den Frauen erzählen will, sie sollen sich gefälligst anständig anziehen ?

Viele nationalrelig. junge Männer gehen direkt weg von ihrer Schule (Noam) in die Armee. Nicht direkt in die Armee, denn oft schließen sie sich dem "Hesder - Programm" an. Hesder bedeutet halb Armeedienst und halb Yeshiva.

Hesder - Studenten sind mir persönlich ein Dorn im Auge, denn deren Mentalität ist mir unbegreiflich. Kann sein, dass ich zu sehr in der haredischen (ultra - orthod.) Welt bin als in der nationalreligiösen an sich.

Vor ein paar Jahren arbeitete ich im Büro eines Hesder - Vereinigung. Außenstehende meinen, die Nationalrelig. seien überwiegend radikale Siedler, aber immerhin offen und nicht zu verschlossen wie die Haredim. Meiner Erfahrung nach ist jedoch oft das Gegenteil der Fall, was obskur wirkt. Aber vielleicht sollte ich zuerst klarstellen, dass nicht alle Nationalrelig. auf der radikalen Siedlerschiene fahren.

Die angeblich so offene Hesder - Gesellschaft dagegen gleicht in vielen Fällen einem frauenfeindlichen Club, der sogar Mea Shearim bei Weitem in den Schatten stellt. Die Hesder - Soldaten kapseln sich von der Weiblichkeit in der israel. Armee vollkommen ab. Überhaupt sollten Frauen eh nicht in der Armee dienen, so Hesder.

Frauen dienen in der Armee oftmals als Ausbilderinnen und auch diese werden von Hesder abgelehnt. Egal, ob die Frau bildungsmässig geeignet ist oder nicht, sie muß weg. Gerade wurden vier Hesder - Soldaten zu 21 Tagen Militärknast verurteilt, weil sie in einem Kurs die weiblichen Ausbilder ablehnten und aussteigen wollten. Die Vorgesetzten sahen die Ablehnung als total übertrieben an.

Täglich komme ich mit Religiösen in Kontakt, aber ein Fundamentalismus wie bei Hesder kommt mir selten unter. Ich rede mit Chassidim von Dushinsky, Vishnitz, Belz und allen fast nur denkbaren chassidischen Gruppen, aber nie erlebte ich diese Mentalität eines Fanatismus mit Sandalen und Socken.

Dienstag, 5. Februar 2008

Nachwirkungen

B"H

Wie zu erwarten, berichtet die hiesige Presse ausführlich über das gestrige Bombenattentat in Dimona.

Israel oder besser gesagt Dimona hat einen neuen Helden: Kobi Mor.

Der Polizeibeamte traf kurz nach der ersten Explosion am Ort des Geschehens ein und wurde von einem Passanten auf den zweiten auf dem Boden liegenden Selbstmordattentäter aufmerksam gemacht. Der Terrorist war sichtlich durch die Explosion seines "Kollegen" verletzt worden und die Passanten dachten, er sei tot. Nach wenigen Minuten jedoch hob sich seine Hand und alle dachten, dass er seinen Sprengstoffgürtel detonieren wollen. Kobi Mor zögerte nicht lange und schoß dem Attentäter vier Kugeln in den Kopf. So wurde ein noch viel größeres Unglück vereitelt.


Kobi Mor


Photo: Haaretz

In Israel ist Kobi Mor der Held, im Gazastreifen war man außer sich. Da sieht man es wieder: "Der häßliche Jude (Israeli) erschießt einen wehrlosen auf dem Boden liegenden Palästinenser". Wie die Welt reagierte, habe ich noch nicht gelesen. Aber ich kann mir denken, dass die Hamas die Bilder der Erschießung reichlich auspropagandieren wird. "Da habt ihr es live. Die Israelis erschiessen uns wehrlose arme Palis."

Da kommen Selbstmordattentäter nach Israel mit dem Ziel, soviele Juden wie nur möglich umzubringen, und wenn wir uns zu recht wehren, geht für uns der Schuß nach hinten los. Jeder Polizist auf der Welt hätte den Selbstmörder in solch einer Situation erschossen. Dennoch, bei Israel wird immer ein kleiner Unterschied gemacht.

Die kleine Negevstadt Dimona ist seit gestern aus ihren Provinzträumen aufgewacht und schaut der bitteren Realität entgegen, die da heißt: "Wir sind das neue Ziel".

Kassam - Raketen auf Sderot und das nicht weit von der ägyptisch - israel. Grenze liegende Dimona kann leicht von arabischen Terroristen infiltriert werden. Gestern erlebte die Stadt das Resultat der offenen Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten. Waffenschmuggel von Al Khaida im Sinai an die Hamas im Gazastreifen, Terroristen überqueren die Grenze….Ich mag mir lieber erst gar nicht vorstellen, wie es in Israel aussehen könnte, sollten die Checkpoints zu den Autonomiegebieten aufgegeben werden.

Jedem Touristen jammern die Palis sofort vor, wie sie manchmal stundenlang an den Checkpoints nach Israel stehen und von den zionistischen Soldaten traktiert werden. So manchem Touristen zerreisst es da das Herz und es beginnt das große Mitgefühl. Was jedoch nie erzählt wird, ist der Grund, warum die Checkpoints existieren. Und Tourist kommt auch so gut wie nie auf die Idee nachzufragen.

Warum existieren die Checkpoints ?

Weil ohne sie der Waffenschmuggel und Bombenattentate absolute Hochkonjunktur erleben täten. Wie oft wurden an den Checkpoints schon Kinder mit Sprengstoffgürteln oder anderen Waffen erwischt ? Wie oft wurden dort schon israel. Soldaten angegriffen ?

All diese Fakten scheinen keine Rolle zu spielen. Von palästinensischer Seite wird kundgetan, dass man ja schließlich für "sein Land ?" kämpfe und man geradezu gezwungen sei, Busse in die Luft zu jagen. Die anti - israelische Linke im Ausland mag so dumm sein und dem Argument glauben schenken, denn man hat ja noch kein Attentat miterlebt. Im TV schaut immer alles so harmlos aus und man kann den Palis schon eine gewisse Sympathie abringen. Dies sind die typischen naiven Illusionen von jemandem, der noch nie dabei war.

Dimona ist eine kleine unauffällige Negevstadt, die nun Angst haben muß, neben Sderot zum neuen auserkorenen Ziel der Hamas zu werden. Aber wen interessiert das im Ausland ? Gilt es doch lieber den Polizisten Kobi Mor des Mordes an einem "unschuldigen Terroristen" auszurufen.

Video: Kobi Mor erschiesst den Terroristen

http://news.nana10.co.il/Article/?ArticleID=535889&sid=126

Zum Attentat aus der "Jerusalem Post"

http://www.jpost.com/servlet/Satellite?c=JPArticle&cid=1202064578650&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

Lost

B"H

Wenn ich mich denn einmal dazu aufraffe, Online – Foren zu lesen, dann sticht nicht selten eine Ansicht hervor:

"Jemand will auf Teufel kommt heraus unbedingt in Israel leben".

Eigentlich verstehe ich es ganz und gar nicht, dass jemand als Nichtjude ernsthaft daran denkt, nach Israel ziehen zu wollen. In einem ehemaligen Kibbutz traf ich einmal kurz ein junges Mädchen, die nach Israel gekommen war, um hier zu leben. Das war auch das Einzige, was sie wußte. Im Kibbutz bat man mich, der Betreffenden doch lieber die Probleme zu erklären, die mit solch einer Entscheidung verbunden sind. Schon am nächsten Tag verließ sie den Kibbutz und ich habe keine Ahnung, was aus ihr geworden ist.

Derzeit ist es nicht unbedingt ratsam, ausgesprochen blauäugig einfach so nach Israel zu fliegen. Viele geben dabei ihre deutsche Habe auf und meinen, es werde schon alles werden. Denjenigen sei gesagt, dass das israel. Innenministerium keinen Visumspaß versteht. Die Visaverlängerung wurde drastisch eingeschränkt. Und was, wenn das Visum nach den üblichen drei Monaten abläuft ? Um eine erneute Verlängerung von drei Monaten kann gebeten werden, aber dann ? Ganz zu schweigen von den Lebenshaltungskosten. Israel ist ein teures Land. An solche "Kleinigkeiten" denken die wenigsten, die sich einfach so auf den Weg machen. Job finden ist auch schlecht geworden. Vor allem, weil Touristen nicht mehr so einfach schwarz eingestellt werden. Es droht die Ausländerpolizei und die Abschiebung.

Wie also überleben ? In einen Kibbutz gehen und voluntieren ?

Das ist die einfachste und bequemste Lösung, die jedoch auch irgendwann an der Visavergabe scheitert. Irgendwann ist Schluß mit lustig und es gibt kein neues Visum mehr. Dann wird umdisponiert und eine zeitlich begrenzte Aufenthaltsgenehmigung beantragt. Aber auch damit ist nichts mehr, denn wer keinen triftigen Grund für seine Anwesenheit in Israel hat, kann derlei Genehmigung vergessen. Schnell irgendwo zu voluntieren garantiert keine Aufenthaltsgenehmigung.

Und einen Israeli heiraten ?

Das ginge durchaus und die Aufenthaltsgenehmigung und eventuelle sogar die Staatsbürgerschaft könnte winken. Allerdings reagieren Israelis unterschiedlich auf derlei geschlossene Ehen. Nichtjüdische Ehepartner hängen fast immer in einem Status des "Ach, derjenige hat halt wegen der Staatsbürgerschaft geheiratet". Man schaut nicht selten herab und das ist immer eine überaus unangenehme Situation.

Illegal bleiben ?

Trotz Ausländerpolizei sind mir einige bekannt, die sich im illegalen Status befinden. Ständig Angst vor Entdeckung haben zu müssen, ist kein Leben. Und was geschieht, wenn der Betroffene krank wird ?

Mir passiert das nicht, denn ich komme schon klar.

Der Meinung sind anfangs fast alle. Schnell erkennt jedoch die Mehrheit, dass es nicht so einfach ist, wie sie dachten. Die Bürokratie frißt einen auf und irgendwann kommt allmählich der Punkt an dem man sich sagt: "Bis hierher und nicht weiter. Habe ich das nötig ?" Dann wird der Rückflug ins Heimatland gebucht und letztendlich ist man froh, wieder wer zu sein.

Eine belgische nichtjüdische Freundin aus meinem letzten Ulpan zog einmal in Erwägung, in Israel bleiben zu wollen. Sie hätte sogar heiraten können, denn ein Freund war vorhanden. Liebe und keine Visahintergedanken. Seine Familie aber akzeptierte sie nie, da sie keine Jüdin war. Konvertieren wollte meine Bekannte nicht. Nach mehr als zwei Jahren hin und her hatte sie die Nase voll. Die ewigen Visakämpfe, die ablehnenden Eltern ihres Freundes, ihre Putzjobs, alles kam zusammen. Eines Tages eröffnete sie mir, dass sie es nicht nötig habe, in Israel illegal putzen zu gehen, wo sie daheim in Belgien einen Uniabschluß hat. Sie wolle zurück nach Belgien und sich dort ein Leben aufbauen. Ohne Visum, putzen und einer Gesellschaft, die sie als Außenseiter sieht. Als ich sie später in Belgien besuchte, meinte sie, dass die Entscheidung, Israel zu verlassen, absolut richtig gewesen war. Wozu herumkämpfen, wenn es in den wenigsten Fällen zu etwas führt ? Und das, obwohl sie fast perfekt Hebräisch spricht.

Montag, 4. Februar 2008

Eine Frage der Zeit

B"H

Die Ruhe ist immer nur eine Frage der Zeit, wie die Erfahrung beweist.

Im Ausland und von einigen israel. Linkspolitikern wird eben diese "Ruhe" zu voreilig als "Frieden" gesehen.
Ruhe = Frieden = Friedensverhandlungen.
Bis es wieder knallt und dann gehen jegliche Beschuldigungen von vorn los.

Heute früh schockte uns noch die Medienschlagzeile, dass Ehud Olmert zugestimmt habe, in israel. Gefängnissen inhaftierte palästinensische Terroristen freizulassen, um so den von der Hamas gekidnappten israel. Soldaten Gilad Schalit freizubekommen. Eine Freilassung an sich wäre nichts Ungewöhnliches, doch war bei Olmert die Sprache von Palis, welche Menschen umgebracht haben und deswegen einsitzen.

Morgens gab es auf dem staatlichen Radiosender Reshet Bet eine hitzige Diskussion darüber, was denn bitteschön ein Terrorist mit Blut an den Händen sei.

Hat er Juden umgebracht oder Menschen anderer Religionen (Christen oder Drusen) ?

Falls ja, warum bestehe Olmert darauf, nur jene Terroristen mit Blut an den Händen freizulassen, welche Christen oder Drusen, aber keine Juden umbrachten ? Als ob das eine Rolle spiele.

Und wenn dann doch, was wird man den Angehörigen der Ermordeten sagen, wenn der Täter wieder munter auf freiem Fuß herumläuft ? Ist Gilad Schalit es wert oder nicht ?

Er sei schließlich nur eine Person; was aber, wenn der freigekommene Terrorist sich an der nächsten Ecke in die Luft sprengt und zwanzig Menschen mit in den Tod reisst ? Wie fühlt sich dann der freie Gilad Schalit ?

Es wurde diskutiert ohne Ende und dann knallte es auch schon in der Negev - Stadt Dimona. Zwei Pali - Terroristen waren mit Sprengstoffgürtel unterwegs, wovon sich einer in die Luft sprengte und der zweite von einem israel. Polizisten erschossen worden war, bevor es zur Explosion kam. Der Polizist befand sich gerade zufällig in der Nähe und verhinderte die Detonation des zweiten Sprengstoffgürtels.

Dass es bis auf weiteres keinen Frieden geben wird, ist allen klar. Den Palis und den Israelis sowieso. Ob und wie Gilad Schalit freikommt, ist fraglich. In der Bevölkerung hört man nicht wenig Stimmen, die gegen die Freilassung von Pali - Terroristen sind. Und in Dimona durfte diese Frage heute eh nicht gestellt werden, denn die Bewohner haben gründlich die Nase voll von allen Bushs, Olmerts, Abu Mazen oder EU - Blabla.

Olmert braucht nach dem Winograd - Bericht Erfolge, die ihm jedoch die Nation verweigert. Er soll weg. Je weiter, desto besser. Die Frage ist nur, wer wird folgen ?


Bombenentschärfung mit Hilfe eines Roboters in Dimona




Im Gazastreifen feiert man den heutigen Anschlag in Dimona



Photos: Ynet.co.il

Sonntag, 3. Februar 2008

Etwas Triviales nebenbei

B"H

Nachdem wir in der vergangenen Woche bitterlich vor Kälte gezittert haben und am Mittwoch sogar eingeschneit waren, hat sich jetzt alles zum Wärmeren gewendet. Sonnenschein, strahlend blauer Himmel und ganze 16 Grad sollen es heute werden.

Unübersehbar sind aber dennoch die schweren Schäden der Kältestürme der letzten Woche. Ausgerissene Bäume, beschädigte Dächer, etc. Hoffentlich erwartet uns in diesem Jahr keine Kältewelle mehr.

Für einen Europäer mag sich das banal anhören, doch verfügen wir in Israel längst nicht über die Heizkapazitäten wie andere Länder und hier sitzen die Leute dann schon einmal im Wintermantel daheim.

Zwischenzeitlich aber herrschen frühlingshafte Temperaturen, wobei auch die Laune wieder steigt.

Neuer Friedhof in Jerusalem

B"H

Der alte / neue Friedhof im Stadtteil Givat Shaul wird größer, denn ausreichen tut er schon längst nicht mehr.

In Jerusalem sind Grabplätze rar und teuer. Man muß schon tief in die Tasche greifen, um eine gute Grabesstätte zu bekommen. Die teuersten und lukrativsten Plätze befinden sich auf dem Ölberg, wo ein Grab mindestens 50.000 Dollar kostet. Die eher "normaleren" Friedhöfe sind der Har HaMenuchot und jener in Givat Shaul, gleich neben der Einfahrt von Tel Aviv nach Jerusalem. Da auch der Givat Shaul - Friedhof aus allen Nähten platzt, hat der Stadtrat beschlossen, weitere Hektar hinzuzufügen. Außerdem soll ein Parkplatz mit 800 Parkplätzen entstehen.

Das Neue an dem Friedhofsanbau wird die Sektion für nicht jüdisch - religiöse Beerdigungen sein. Jeder, sich sich nicht laut Halacha (Religionsgesetz) nach beerdigen lassen will oder derjenige, der halachisch gar kein Jude ist, kann sich in der neu entstehenden Friehofssektion beerdigen lassen.

Zur Verdeutlichung: Die neue Anlage wird natürlich nur für jüdische Begräbisse sein und die neue Sektion macht nur einen kleinen Teil in einem Ganzen aus.

Als relig. Mensch frage ich mich schon, wieweit jemand sinken muß, um zu der Überzeugung zu kommen, sich nicht gemäß der Halacha beerdigen zu lassen.

Freitag, 1. Februar 2008

"The Coffee Bean" verweigert Arbeitsrechte

B"H

An die Schlagzeilen haben wir uns längst gewöhnt:
Große Kaffeehausketten in Israel verweigern den Angestellten ihre Arbeitsrechte.

Einer der zwei Inhaber des Café "Aroma" beschimpfte sogar die Vertreterin einen anderen Firma mit rassistischen Ausdrücken. Die Vertreterin war Jemenitin und musste sich "dumm und primitiv" nennen lassen. Cafe "Hillel" war bekannt dafür, viele Angestellten nur teilweise oder gar nicht zu bezahlen. Seitdem sie verklagt wurden und die israel. Histadrut HaChadash (Gewerkschaft) einschritt, herrscht Ruhe und das "Hillel" zahlt.

Zur Stunde findet eine kleine Demonstration der "Histadrut HaChadasha" vor der Filiale von "The Coffee Bean" statt. Die Coffee Bean ist eine amerik. Kette mit Filialen in Tel Aviv und Jerusalem. Insgesamt beschäftigen sie 200 israel. Angestellte. Während Ketten wir Hillel und Aroma eingelenkt haben, denkt die Coffee Bean nicht daran, den Angestellten rechte zuzugestehen. Ich unterhielt mich gerade mit einem der Demonstranten von der Histadrut und er meinte, dass die Coffee Bean sogar die neu eingerichteten Rentenbeiträge nicht zahlt.


The Coffee Bean Jerusalem, Jaffa Road



Die Demo besteht aus ca. 10 Männern, die sich vor dem Eingang der Coffee Bean postiert haben. Der Wächter vor der Filiale sagt gar nichts und man belästigt ihn auch nicht. Der Histadrut - Abgesandte meinte, dass es der Coffee Bean natürlich peinlich ist, die Demo mit den grossen rosa Plakaten vor dem Eingang zu haben.

Nebenbei werden auch noch Handzettel ausgeteilt:

Vor einem halben Jahr wurde der 20 - jährige Angestellte Alon Lee Green aus der Filiale in der Tel Aviver Ibn Gavirol Street 73 gefeuert. Alon Lee Green hatte versucht, einen Betriebsrat für alle Filialen der Coffee Bean zu organisieren. In der vergangenen Woche schrieb sich die Mehrheit der Angestellten bei der Histadrut ein. Nun schreitet die Histadrut ein und versucht die Geschäftsleitung der Coffee Bean zum Einlenken zu bewegen.

Was wird gefordert ?

- Abschaffung plötzlicher ungerechtfertigter Gehaltskürzungen.

- Die Auszahlung der Trinkgelder des vergangenen Jahres.

- Wiedereinführung des Fahrgeldes.

- Sozialzahlungen wie es das Gesetz verlangt.

- Sofortige Einstellung der Bedrohung der Angestellten.

- Arbeitsverträge mit Sozialleistungen.


Was tut die Coffee Bean in der Zwischenzeit ?

- Die Angestellten einschüchtern.

- Die Geschäftsleitung spricht mit der Gewerkschaft nur durch die Presse.

Leider ist die Coffee Bean kein Einzelfall und wer in der israel. Gastronomie arbeitet, zieht fast immer den Kürzeren. Die Unternehmen wissen genau, dass wenn jemand kündigen will, sie schnell einen willigen Ersatz finden werden. Besonders bei jungen Leuten sind die Jobs beliebt und sie scheren sich weniger um Rechte, da sie die Anstellung eh nur kurzweilig ausführen und die Zeit überbrücken wollen.

Die Kundschaft muss büssen, denn wir bekommen einen Service unter aller Sau. Ewig wechselnde Angestellte ohne jegliche Qualifikation und Lust.