Mittwoch, 10. Februar 2010

"Normalos" sind im "Topolino" unerwünscht

B"H

Das italienische Restaurant "Topolino" liegt genau gegenüber unserer Bäckerei. Bis ca. zum Mai vor drei Jahren befand sich dort der Süssigkeitladen "Erez", doch Erez zog einen Shop weiter, da ein Chabadnik seinen kleinen Tante - Emma - Laden schloss. Somit zogen die neuen Hausherren Shai und Jonah (Shai's Freundin) ein und eröffneten für die Gegend um den Machane Yehudah Markt hochgestylt und auf richtig europäisch getrimmt ihr "Topolino".
Das kleine Restaurant wollte sich mit Qualität und hervorragendem Service von allem bisher Dagewesenen abheben.

Nach einigen wenigen Jahren kann man sagen, dass dies gelungen ist. Trotz der aufwendigen Preise und der kleinen Portionen. Das aber lässt sich vielleicht mit den teuren Zutaten sowie der heimischen Küche rechtfertigen. Einige Anglo - Freunde von mir besuchen das "Topolino" regelmässig und schwören darauf. Der Service sei, für israelische Verhältnisse, einmalig und das Essen grandios.

Wir in der Bäckerei gegenüber haben vor allem mit Jonah weniger gute Erfahrungen gemacht. Ich weiss nicht, ob sie schon zur Backkonkurrenz "Teller" überlief, doch im Topolino wurde (wird) unser Brot serviert. 

Nebenbei bemerkt: 
Unsere Bäckerei ist eine Qualitätsbäckerei und daher nicht billig ! Wie bieten keine 30 Pitot für 10 Schekel wie nebendran der Machane Yehudah. Zu uns kommen Leute, die für eine gesunde Ernährung Geld ausgeben. Unser Service mag manchmal nicht der beste sein, denn im Laden arbeiten vorwiegend Studenten und so manch einer geht überqualifiziert lustlos an den Verkaufsjob heran. Dennoch bekommt jeder Kunde das, was er will samt Beratung und, wenn es sein muss, eine Auflistung der Zutaten und Menge. Will jemand zwei Kekse kaufen, bekommt er diese anstandslos und wird genauso behandelt wie ein anderer Kunde, der riesig einkauft.

Im "Topolino" ist das anders und das bekamen wie zu spüren. Nicht nur, dass Jonah, wenn sie denn einmal herübertrabte, um Brot nachzukaufen, wie die Königin persönlich behandelt werden wollte. Sie nämlich ist Chefin und Restaurantinhaberin und da haben die "doofen" Bäckereiskalven zu spuren, wenn die Dame ein paar Brote anschreiben lässt. Zusätzlich beschwerte sie sich über unsere gesamte "Skalvenriege" bei unserem Chef.

Kaum einer unserer Mitarbeiter verirrt sich ins Topolino, denn alle machten irgendwie die gleichen Erfahrungen. Sobald wir auch nur in das Restaurant treten, weiss Jonah Bescheid. Am vergangenen Montag ging ein Studentenpaar, was bei uns im Verkauf / Backprozess arbeitet, hinüber, um ein romantisches Dinner zu haben. Jonah kam an deren Tisch und verkündete, bei ihr herrschen 50 Schekel Mindestbestellung. A la "Naja, ihr aus der Bäckerei verdient ja bestimmt nicht viel Geld". Das Paar war sauer, bestellte und zog schnell wieder ab. Das Topolino ist nun auch bei ihnen passee.

Einen Tag später ging ich mit Freunden. Widerwillig, denn Jonah weiss, wo ich arbeite und kennt jeden unserer Schritte. Ich stimmte dem Topolino nur zu, weil es lediglich einen Sprung entfernt liegt und ich noch arbeiten musste.

Wir traten ins Restaurant und ich fühlte mich unbehaglich. Was wir zu hören bekamen war: Man sei voll mit Bestellungen und wir hätten genau 1 Stunde + 10 Minuten Zeit, uns niederzusetzen.
Wir stimmten zu, da wir nun schon einmal da waren.
Die Bedienung, ein junges Mädchen und vermutlich eine Tochter oder sowas, der Hausherrin, brachte uns die Karte. Nicht gerade freundlich und immer wieder darauf aufmerksam machend, dass unsere Zeit begrenzt sei.
Jonah sprach mit dem Mädchen und daraufhin wurden meine Bekannten nach ihren Bestellungen gefragt. Ich nicht ! Meine Bestellung wurde über meine Freunde aufgenommen. Man fragte sie, was ich wolle. Ich sagte es meinen Freunden und die gaben es der Bedienung wieder, wobei die Bedienung neben mir stand.

Das Essen kam schnell und war vorzüglich. Meine Freunde warens zufrieden, ich weniger. 
Mit dem Service wohlgemerkt.
Der zweite Gang erfolgte mit Hast, denn die Bedienung wiederholte ihre "Rausschmissdrohung". Wir hätten nur noch wenige Minuten zur Verfügung, denn unser Tisch sei reserviert. Zur Nachspeise liess man uns keine Zeit mehr, obwohl wir vorhatten, sie uns einpacken zu lassen wie den Rest des zweiten Ganges. "Muss jetzt nicht mehr sein, denn die Leute (die den Tisch bestellt hatten) sind schon da".

Man entschuldigte sich, wir zahlten 300 Schekel (ca. 60 Euro) und man geleitete uns nach draußen. "Beim nächsten Mal halt Tisch bestellen", so die Devise.

Dass mit dem Bestellen ist uns schon klar und nichts für ungut. Doch wie die Inhaberin mit Leuten umgeht, die sie nicht kennt und von denen sie meint, sie seien da halt doofe Prolos ohne Grips und Geld, ist eine Frechheit.
Das Resultat: Keiner aus der Bäckerei hat mehr irgendeinen Bock auf das Topolino. Wir gehen lieber woanders hin, wo wir erwünscht sind. Vor allem dann, wenn wir eine nicht zu kleine Summe bereit sind ausgeben !

Kommentare:

  1. Ich glaub ich kenn euren Laden sogar. Kann sein das wir da mal zu Channukah Sufganjot gekauft haben, Freund von uns wollte welche die organi sind.

    Kann das sein? Habt ihr davor einen Parkplatz?

    Joshua

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  2. B"H

    Yeap !

    Der Parkplatz gehoert uebrigens zum Machane Yehudah.:-)

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  3. Das Problem ist, dass die Auswahl an guten (und trotzdem noch bezahlbaren) Restaurants in Jerusalem nicht gerade groß ist.

    Kennst Du übrigens das neue Restaurant ein paar Straßen weiter bzw. kannst es empfehlen? Ich glaube es heißt Machane Yehuda (wie der Markt) und ist in der Beit Yakov-Straße. Mangels Reservierung hat man uns dort letzte Woche nicht reingelassen und wir sind dann im Topolino gelandet (ohne Reservierung und ohne Rausschmissdrohung).

    Ich kann die Besitzerin in Bezug auf den Mindestbestellwert schon ein wenig verstehen. Bei dem winzingen Lokal, können es sich die Besitzer nicht leisten, dass jemand stundenlang den Tisch besetzt hält und nur um ein paar Schekel konsumiert. Aber das ist natürlich trotzdem kein Grund unhöflich zu sein.

    Hast Du noch einen Geheimtipp in Bezug auf gute Restaurants in Jerusalem?

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  4. Nächstes Mal frag ich nach der deutschsprachigen Kollegin.

    Die jüdische Welt ich wirklich klein.

    Joshua

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  5. B"H

    @ Joshua

    Wir haben im Laden oft fliegenden Personlawechsel und manche wissen gar nicht, dass ich aus Deutschland komme und meinen ich sei aus den USA oder so.:-)

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  6. B"H

    @ Gernot

    Da bringst Du genau die gleichen Argumente wie meine Freunde. Die meinen naemlich, dass man in Kanada oder den USA nicht mit einem Kaffee drei Stunden lang am Tisch klebt wie das in Israel der Fall ist.

    Trotzdem sollte die Besitzerin des Topolino Tische fuer Leute ohne Reservierung bereithalten. Wer draussen sitzen will (unter einer Elektroheizung) kann das tun.

    Ich glaube, dass Restaurant im Markt ist das "MIZRACHI". Die haben ein Cafe (was auch Restaurant ist) und ein Restaurant im unteren Teil des Marktes. Der Marktteil heisst "HaSchuk HaIraki - Der irakische Markt".

    Wenn Du etwas Gutes willst, dann geh am Zion Square ins TMOL SHILSHOM. Dort wollten wir urspruenglich hin und werden beim naechsten Mal auch wieder dort landen.

    Die Atmosphaere dort ist locker, man ist willkommen und die Preise so wie Essen sind okay.
    Nur fuer das Klo muss man nach einem Schluessel fragen !

    http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2009/12/tmol-shilshom.html

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