Montag, 8. März 2010

Montag, 08. März 2010

B"H

Heute haben wir den internationalen Frauentag und schon morgens dudelte der israelische Armeesender "Galatz" Musik vorweglich von Frauen gesungen. Dazu erfuhren wir dann, dass das Gehalt israelischer Frauen 29% unter dem des Mannes liegt. Bei mir in der Bäckerei ist es gerade um einige Schekel umgekehrt, aber das muss wohl an meiner fast sechsjährigen Anwesenheit liegen.:-)
Es brennt einmal wieder in der Bäckerei, denn ein Kollege ist abgesprungen. Vorläufig "darf" ich seinen Job mitübernehmen und muss deswegen gleich losrennen. Nichts mit Sonne, 28 Grad Celsius und Tag geniessen. Nebenbei warten einige Blogartikel, die ich zuende bringen wollte, doch damit wird es heute auch kaum etwas.

Manche Blogs berichten den gesamten Tag über von Politik. Mir hängt das Thema oft zum Halse heraus und von der momentanen Knessetdebatte, dass Konvertiten zum Judentum eventuelle keine Berechtigung mehr auf die israelische Staatsbürgerschaft haben sollen, berichtete ich nur kurz und aus aktuellem Anlass. Durch den ganzen Konversionswust steigt eh niemand mehr durch.

Gestern veröffentlichte ich ein Gastposting auf meinem englischen Blog zum Thema "Wie man es als Jude angehen soll, die chassidische Laufbahn einzuschlagen". Gerade hierüber sind viele falsche Vorstellungen und Phantasien im Umlauf.

Irgendwie sitze ich in Jerusalem fest und komme hier kaum noch weg. Die Bäckerei, die Vorbereitung mehrerer Artikel zur haredischen Gesellschaft in Mea Shearim und einige Interviews diesbezüglich; man legte mir ziemlich oft ans Herz wieder umzuziehen. Tel Aviv sei doch nichts und die Fahrerei unnötig. Entschieden haben ich mich noch nicht und breche auch nichts vom Zaum. Mal sehen, wie sich der Stress weiterentwickelt. Pessach steht vor der Türe und gerade in Jerusalem beginnen die alljährlichen Diskussionen wie koscher oder unkoscher was an Pessach ist. Von der Wurst über den Lippenstift bis hin zum Hundefutter oder Geschirrspülmittel. Am letzten Schabbat beim Mittagessen gingen die Diskussionen erneut los und ich bekam meine wöchentliche Portion Anstand und Kaschrut.
Wie, was und von wem ?

Neulich stellte mir jemand die Frage, wie sich denn mein Leben gegenüber Deutschland verändert habe.

Was soll ich darauf antworten ? Vielleicht, dass ich noch nie so richtig in die deutsche Mentalität passte, mein Leben Chaos war und ich deswegen in Israel bestens zurecht komme ? Das Leben in Israel bringt stetig etwas Neues; meist unvorhergesehen. In Deutschland wusste ich morgens, was ich bis zum Abend mache. Alles war geplant und festgelegt, ohne dass man es wollte. Es war halt so und so und so wurde sich auf der Arbeit oder in der Gesellschaft verhalten. Das Stetige fehlt mir manchmal, denn momentan tut sich zuviel Stress auf und jeder will etwas und ich renne herum. Dann kommt man auf die Arbeit, wie gestern, und kriegt zu hören, dass der Kollege nur kurz da war um zu sagen, dass er keinen Bock mehr hat. Umdisponieren lautet die Devise.

Eine Neue sollte ich einarbeiten, aber mir wurde im voraus gesagt, dass sie psychische Störungen habe.
Nee, nee, auf sowas verzichte ich dann gern und mache alles lieber allein bis (falls) sich ein Neuer (normaler) am Horizont auftut.

Dann mache ich mich jetzt auf und verzichte darauf, den Tag mit LEBEN zu verbringen.:-)

Kommentare:

  1. alles liebe zum frauentag, nachträglich, und wenn du den 8. schon nicht genießen konntest dann den heutigen tag ...

    lg

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  2. B"H

    Danke, danke.

    Letztendlich fanden wir einen Kompromiss, der besagt, dass sich ein Kollege und ich uns die Arbeit des Davongelaufenen teilen.:-)))

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