Sonntag, 17. April 2011

Pessach – Einkäufe

B”H

Vorhin war ich kurz auf dem Tel Aviver Carmel Markt in der Innenstadt und siehe da, nichts wars mit Feiertagsgedränge und Masseneinkäufen. Darauf darf ich mich dann morgen so richtig freuen. Aber dann fahre ich ins benachbarte Bnei Brak, wo im haredischen (ultra – orthodoxen) Sektor eingekauft wird. 

Für einen aschkenazischen Juden ist es nicht immer leicht, koscheres Essen für Pessach aufzutreiben. Sephardische Juden aus Marokko, Tunesien, iranische, kurdische oder irakische Juden, all sie essen Kidniot (Hülsenfrüchte) an Pessach, doch aufgrund eines Brauches verzichten aschkenasische Juden darauf. Und dabei enthalten viele Würstchen, Junk Food oder sogar der Schokoladenpudding MILKY Zutaten aus Kidniot.

Im hochaschkenazischen Bnei Brak dagegen werde ich garantiert vieles an einwandfreien Nahrungsmittel auftreiben. Nebenbei werde ich auch noch ein paar Photos von der Stimmung schiessen. Bis morgen früh gegen ca. 9.00 Uhr darf noch das an Pessach verbotene Chametz (Getreide wie Weizen, Hafer, Roggen, Gerste oder Spelt sowie die daraus hergestellten Nahrungsmittel) verzehrt werden. Danach tut sich nichts mehr bis zum Abend des 26. April (Pessachende in Israel). 



Vor dem Eingang des Jerusalemer Machane Yehudah Marktes.

 

Im haredischen (ultra - orthodoxen) Jerusalemer Stadtteil Ge'ulah.

 Copyright / Photos: Miriam Woelke

Die zwei Mörder der FOGEL Familie aus Itamar wurden gefasst

B"H

Die zwei palästinensischen Mörder, die vor wenigen Wochen fünf Familienmitglieder der Familie Fogel aus Itamar geradezu hinrichteten, wurden gefasst. Es handelt sich um einen 18 – sowie 19 – jährigen Palästinenser. 


Der haredische (ultra – orthodoxe) 16 – jährige Daniel Viflic aus Ramat Beit Shemesh, der bei dem Raketenangriff auf einen Schulbus nahe Gaza schwer verletzt worden war, erlag seinen Verletzungen. Die Ärzte hatten den Eltern eh wenig Hoffnung gemacht, denn Daniel hatte einen Schrapnell im Kopf. 

Ich möchte mit den Hinterbliebenen bestimmt nicht tauschen, denn wer will schon solch ein trauriges Pessach verbringen ?

Ein weiteres Pessach ohne Gilad Shalit

Not to be Missed


Schade nur, dass Noam Shalit, der Vater von Gilad, sich in der Presse dermassen aufspielt, dass es geradezu peinlich ist. Mittlerweile sucht Noam Shalit mehr Schlagzeilen für sich selbst als für seinen gekidnappten Sohn.

Schlagzeilen "Israel Hayom - Israel heute" am 17. April 2011

Quelle: Rotter.Net

B”H

Die Schlagzeilen der heutigen “Israel Hayom” scheinen begrenzt, denn schon wird auf der oberen Titelseite Werbung für die morgige Feiertagsausgabe betrieben. 

Die Fogel Familie will die Mörder ihrer fünf Familienmitglieder gefasst sehen. Vor wenigen Wochen massakrierten Palästinenser die fünf Familiemitglieder in der Siedlung Itamar und es wird sicherlich kein leichtes Pessach für die Hinterbliebenen.

Ferner ruft der Senat die UNO auf, den “Goldstone Report” zurück zu nehmen.

Samstag, 16. April 2011

Auswandern aus Deutschland und / oder private Veränderung ?

B”H

Es gibt Auswanderer – Blogs in deutscher Sprache und ich lese derlei Erfahrungsberichte ab und an recht gerne. Noch lieber lese ich Berichte von Leuten, die eigentlich einen guten Beruf incl. einer guten beruflichen Position aufgaben, um etwas Neues in ihrem Leben zu starten. Ausgerechnet dieses Thema findet in Israel immer mehr Anklang und das nicht nur wegen einer steigenden Arbeitslosigkeit. Immer wieder berichtet die Presse von Menschen, die ihren Job aufgaben, um eigene Geschäftsideen zu verwirklichen. Bei vielen geschah dies mit Erfolg wie bei einer Kinderbuchautorin oder jener Frau, die Bettwäsche mit eigens erstellten Motiven bedruckt.

Irgend jemand sagte mir einmal, dass der beliebteste Ort der Deutschen “Frankfurt Airport” sei, denn sie wollen immer nur weg. Und sei es lediglich ein Urlaub. “Auswandern” scheint in Deutschland ein Thema zu sein, doch die Wenigstens verwirklichen ihren Traum. Diejenigen, die tatsächlich ausgewandert sind, bereuen nicht unbedingt ihren Schritt. Klar, kehrt ein gewisser Prozentsatz nach Deutschland zurück, denn offenbar ging man mit den falschen Vorstellungen ans Werk und im Endeffekt merkte der Betreffende, dass woanders auch gearbeitet werden muss. Dass es selbst unter Palmen einen Alltag gibt und nicht alles 24 Stunden lang rosiger Sonnenschein ist.

Wer auswandert, muss damit rechnen, woanders ganz klein anzufangen und sich langsam etwas aufzubauen. Jahre kann es dauern und oft ist es ein hartes Stück Arbeit. Für viele lohnt es sich. Auch für mich, denn ich bin in Israel zufrieden und kann mir woanders kein Leben mehr vorstellen. Auf eben diese Zufriedenheit kommt es an und nicht auf Reichtümer und Ansehen. Aus der deutschen “Heimat” heraus werden positive Auswandererstories oft missliebig betrachtet, wobei nicht selten ein wenig Neid mit hineinspielt.

Der Spiegel”bringt momentan eine nicht ganz uninteressante Story, wobei ich mir jedoch nicht sicher bin, ob eben jenem Christoph Pokrandt nicht eher daran gelegen ist, sein Buch zu verkaufen.

Feiertage

B”H

Die große Politik einfach beiseite geschoben: In Israel konzentriert man sich dieser Tage auf das am Montag abend beginnende siebentägige Pessach (Passover). Viele Israelis fahren ins Ausland und der Rest reist an den Zwischenfeiertagen im Land auf und ab. Die Kinder haben schon Schulferien und suchen Action.

Ohne Zweifel ist gerade Pessach ein teurer Feiertag. Erstens muss am Montag abend die traditionelle Seder her und der Tisch soll reichlich gedeckt sein. Hilfsorganisationen, besonders jüisch – religiöse, sind derzeit pausenlos im Einsatz, Essen, Mazzot und Wein zum Sederabend auszuteilen. Siehe zu all dem mehr auf meinem relig. Hamantaschen – Blog !

Natürlich hoffen alle, dass keine Kassam – Raketen aus Gaza herbeifliegen und jeder Israeli seinen Feiertag in Ruhe begehen kann.

Israelis lieben Ausflüge und gerade jetzt an Pessach hat die Häfte des Landes Urlaub. Ich nicht, doch wer kann, der reist herum. Nach Jerusalem, Tel Aviv, in den Norden. Naturparks werden überfüllt sein genauso wie das Tote Meer. Morgen wird es nochmals richtig heiss, doch ab Montag soll sich das Wetter abkühlen.

Wie es dagegen in der Jerusalemer Altstadt ausschaut, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich glaube, es ist bald Ostern und von daher werden die christlichen Touristen das Bild prägen. Hoffentlich kloppen sich nicht wieder (wie fast in jedem Jahr zu Ostern) griech. – orthodoxe sowie russisch – orthodoxe Mönche in der Grabeskirche um die Vorherrschaft. Ansonsten schleppen die Touris Holzkreuze aus dem arabischen Kreuzverleih durch die christliche Altstadt und die Via Dolorosa auf und ab. Die Via Dolorosa wie sie heute ist und nicht vor 2000 Jahren. Damals nämlich lag die Altstadt wesentlich tiefer und nachdem Jerusalem mehrere Male zerstört worden ist, wurden die Neubauten stets immer auf die alten Ruinen gesetzt.

Die arabischen Hostels in der Jerusalemer Altstadt werden rappelvoll sein. Lasst Euch nicht abzocken und passt auf Euer Budget auf. Jeder will Euch das Geld aus dem Portemonnaie ziehen. Ob die Priester in der Grabeskirche oder die selbsternannten palästinensischen Reiseführer in der Altstadt. Das Jaffa Gate Hostel am Yaffa Tor sowieso. Das nebenan gelegene Petra – Hostel hat zumindest saubere Bettwäsche und mehr Platz. Wendet Euch lieber dorthin. Man kann dort auch auf dem Dach pennen und es werden Matratzen und Bettwäsche verteilt.

Am Ostersonntag halten die armenischen Christen eine Trommelparade am Jaffa Tor ab. Wer sich dafür interessiert, sollte sich gegen Mittag dort einfinden. 

Pessach in Israel: Dieser Montag ist in Israel so wie ein Freitag; heisst, die Geschäfte machen am Nachmittag dicht und die Busse stellen den Betrieb ein. Ab Dienstag abend kehrt der Alltag zurück. Der letzte Pessachtag ist der 28. April und bis dahin herrschen die Zwischenfeiertag “Chol HaMoed”. An ihnen sind die Banken oder Postämter lediglich halbtags geöffnet. Die Busse dagegen fahren normal weiter.

Regierungsbehörden oder Stadtverwaltungen sind bis zum 25. April geschlossen und öffnen erst wieder am Dienstag, dem 26. April.

Freitag, 15. April 2011

Schabbat Schalom


An der Herbert Samuel Street am Tel Aviver Strand vor ca. einer Stunde.

Photo: Miriam Woelke

B”H

Der Schabbat vor Pessach steht bevor und in Tel Aviv haben wir dieser Tage Sonnenschein und 24 Grad Celsius. Am Montag abend kommender Woche beginnt Pessach (Passover) und natürlich gehen jetzt die dicken Einkäufe los. 

“Schabbat Schalom” an alle Leser ! Ich ziehe mich zurück vom Pessachstress dieser Woche. Zumindest bis morgen abend. :-)

Schlagzeilen "Yediot Acharonot" am 15. April 2011


Photo: Miriam Woelke

B”H

“Yediot Acharonot”, die zweitgrößte Tageszeitung Israels, ist extreme links orientiert. Nicht so schlimm wie “Haaretz”, aber immerhin mit einem ausgeprägten Netanyahu – Hass. Und dementsprechend schauen dann auch die Nachrichten aus. Die Hauptschlagzeile bezieht sich auf die Krise zwischen Barak Hussein Obama und Benjamin Netanyahu. Wobei das hochgeschaukelt wird und eine Krise eh immer besteht.

20,000 meist weibliche Teenies kamen zu Justin Biebers Konzert in Tel Aviv.
Unsere Wochenendzeitungen zum Schabbat sind geprägt von mehreren Zusatzmagazinen und die Zeitung ist ausgesprochen dick. In jenen Zusätzen wird von Kate Middleton, dem Sänger Shlomo Artzi oder dem von den Halbtoten “wiederauferstandenen” Politiker Benjamin Ben Eliezer berichtet.

In israelischen Zeitungen nimmt die Innenpolitik ein breites Spektrum ein genauso wie die Armee. Die Inhalte sind dem Ausland nur schwer zu erklären und ebenso schwer verständlich, die die gesamten Zusammenhänge hören sich kompliziert und zugleich absurd an. Aber so ist halt das Leben hier ! :-)

Alles über Pessach

B”H

Zum am Montag abend beginnenden Pessach gibt es Unmengen zu sagen und ich versuche gerade einiges davon auf meinem religiösen Hamantaschen – Blog anzusprechen. Nicht alles, denn das wäre allein ein Ding der Unmöglichkeit, doch immerhin ein paar Fakten.

Donnerstag, 14. April 2011

Blood Libel vor Pessach


B"H

"Blood Libel - Juden der Konsumierung christlichen Blutes" zu bezichtigen, hat eine traurige berühmte Tradition vor dem herannahenden Pessach Ende März. Sobald ein christliches Kind verlorenging, wurden die Juden beschuldigt, gefoltert und umgebracht, nur weil die Kirche ihre Blood Libel Dogmen propagandierte.

Ursprünglich stammt der Blood Libel aus England, von wo er ca. im 12. Jahrhundert seinen europäischen Lauf nahm. Danach breitete sich der Wahnsinn nach Italien, Spanien, Russland und Polen aus. Jüdische Männer täten durch das Trinken von Blut christlicher Kinder ihre Potenz steigern oder christliches Blut würde Juden heilen. Im Jahre 1235 gab es einen Blood Libel in Fulda und im Dritten Reich setzte Julius Streicher mit seinem "Stürmer" die antijüdische Hetze fort. 

Im 3. Buch Mose (Leviticus - Sefer Vayikra), 3:17, welches vorweglich von den Tempeloferungen handelt, verbietet G - tt den Juden jeglichen Verzehr von Blut. Wer sich mit den Kaschrutgesetzen bezüglich von Fleisch beschäftigt, der weiss, wie wichtig es ist, das Fleisch halachisch vom Blut zu säubern. Hierzu gibt es sogar spezielles Salz, welches das Ausbluten von einem Stück Fleisch fördert. 

Aus dem Talmud Traktat Kidduschin 37b lernen wir, dass das Gesetz aus Parashat Vayikra "keine verbotenen Tierfette oder Blut zu verzehren" offenbar nur in der Zeit gilt, in der ein Tempel vorhanden ist. Die Gemara (rabbinische Diskussionen) jedoch widersprechen der Annahme und sagt, dass G - tt eindeutig meinte, dass das Gesetz auf ewig und auch ohne Tempel Gültigkeit besitzt. Egal, ob die Juden in Israel oder in der Diaspora leben. Genauso wie, zum Beispiel, das Gesetz den Schabbat zu halten !

Links:


Die letzte Pessach Seder im Warschauer Ghetto


Schlagzeilen "Israel Hayom - Israel heute" am 14. April 2011

B”H

Wer in der heutigen kostenlosen Netanyahu – nahen Tageszeitung “Israel Hayom” blättert, dem werden seitenweise Berichte zur Anklage von Außenminister Avigdor Lieberman präsentiert. Veruntreuung, Geldwäsche und offenbar vieles mehr. Mir bleibt jedoch schleierhaft, wir gut Netanyahu und Lieberman tatsächlich zusammenarbeiten. Lieberman bekundete schon vor einiger Zeit, dass er einen Rücktritt nicht in Erwägung zieht, doch will Netanyahu seinen Minister gehen sehen oder nicht ?

Auf der anderen Seite geht es Avigdor Lieberman momentan nicht besser als Benjamin Netanyahu selber, denn Letzterer muss sich ebenso wegen seiner von der Wirtschaft gesponsorten Auslandsreisen verantworten. Zwar noch nicht vor Gericht, doch vor einer Art Untersuchungsausschuss.

Vom Sitz reissen tut dies in Israel aber niemanden, denn wir sind vieles von den Politikern gewohnt.

Bild des Tages


Gesehen im haredischen (ultra - orthodoxen) Ge'ulah / Jerusalem.

Photo: Miriam Woelke

Mittwoch, 13. April 2011

Werden die Läden in der Jaffa Road überleben ?

B”H

Jahrelang wurden in der Jerusalemer Jaffa Road Schienen für die neue Straßenbahn verlegt. Einmal war die Jaffa rechts gesperrt, dann wieder links. Bushaltestellen wurden ständig versetzt und wer morgens zum Bus rannte, fand seine Haltestelle nicht mehr vor, weil sie sich jetzt um die Ecke befand.

In dem unteren Video werden Ladeninhaber aus der Jaffa Road (insbesondere der Läden am Zion Square) interviewt und sie jammern, dass die Kundschaft ausbleibt. Die Jaffa sterbe und mit ihr die umliegenden Geschäfte.

Das Gejammer hatten wir doch vor neun oder zehn Jahren schon einmal als die Ladeninhaber die Terrorattentate in der Jaffa als den Schuldigen für fehlenden Umsatz ausmachten. Und schon damals wurde geäußert, dass die Inhaber selbst schuld seien, denn alles, was sie anbieten, ist weder IN noch findet es Absatz. Israelis lieben ihre Malls, wo alles unter einem Dach ist. Shoppen und Kaffeetrinken. Ferner befindet sich in der Malcha Mall H&M. Wer also reisst sich da um den Abklatsch älterer Geschäfteinhaber in der Jaffa, die partout keine neuen Geschäftsideen entwickeln wollen ?

Im Jerusalemer Machane Yehudah Markt


Einkauf vor Pessach im Machane Yehudah Markt / Jerusalem.Ich nahm das Photo am Montag, 11. April 2011, auf.

Photo: Miriam Woelke