Montag, 11. Juni 2007

Bann, Ja oder Nein ?

B"H

Ende Mai wurden israelische Universitaeten und Professoren mit einem britischen Bann belegt.
Nun weilte der englische Erziehungsminister zu Besuch in Israel und sprach sich gegen diesen Bann aus. Die britische Regierung unterstuetze keinesfalls den Bann der Universitaeten.

Verflucht

B"H

Wer heute durch die Strassen Jerusalems geht, der sieht ueberraschend viele Poster a la Mea Shearim - Mitteilungen an den Hauswaenden kleben.
Die anti - zionistische Dachorganisation Edah HaCharedit aus Mea Shearim (Mitglieder sind die chassidischen Gruppen Satmar, Brisk, Toldot Aharon, Dushinsky etc.) hat einen Fluch ueber die Teilnehmer der am offensichtlich 21. Juni stattfindenden Gay Parade ausgerufen.

Naechste Woche wollen die Gays durch Jerusalem marschieren und meine negative Meinung darueber habe ich schon genuegend kundgetan. Gay Parade nach Tel Aviv, aber nicht in Jerusalem !!!

Es bleibt fraglich, ob die Gay Parade in Jerusalem wirklich stattfinden wird, denn die Knesset erliess ein neues Gesetz gegen ein solches Ereignis in der Heiligen Stadt.
Auch wollen die Haredim (Ultra - Orthod.) mit einer Gegendemo von 100.000 Leuten aufwarten, was realistisch sein wird. Das Sicherheitsrisiko wird die Polizei nicht eingehen wollen. Auch haben sich Buergermeister Uri Lupolianski und fuehrende Politiker dagegen ausgesprochen. Ganz zu schweigen von den Jerusalemer Buergern.

Sonntag, 10. Juni 2007

Das gespaltene Jerusalem

B"H

Nichts haette gegensaetzlicher sein koennen; meinen Shabbat verbrachte ich teilweise in Mea Shearim in chassidischer bzw. anderweitiger religioeser Atmosphaere und kurz nach dem Shabbatende nahm das Leben wieder seinen alltaeglichen Lauf. Eben noch in religioesen Stadtteilen, fand ich mich danach im nichtrelig. Teil der Stadt wieder. Sofort nach dem Shabbatende beginnen die Busse wieder zu fahren und die Geschaefte zu oeffnen. Dann ist fuer viele Ausgehzeit.

Ich weiss nicht, wann genau es begonnen hat, aber anscheinend ist die Ben Yehudah (Fussgaengerzone) wieder beliebtes Ausflugsziel. Noch vor kurzem herrschte tote Hose, denn in die unbewachte Innenstadt, in der jede Minute eine Bombe hochgehen kann, traute sich niemand mehr so recht. Einige Pubs und Schnellimbisse, wie das Kentucky Fried Chicken, machten sogar dicht. Die Jerusalemer zogen die bewachten riesigen Malls vor. Weitere beliebte Ziele sind das alte Katamon sowie die neuen Bars in Shlomzion HaMalka, einige Hundert Meter von der Fussgaengerzone entfernt.
Gestern jedoch sah ich, dass es wieder mehr Leute in die Innenstadt zieht. Neue Pubs und Restaurants haben aufgemacht und nebenbei spielen einige gute Bands Musik in den Strassen. Ausserdem ist das Wetter optimal mit noch ueber 20 Grad am Abend.

Ich durchquerte die Ben Yehudah nur kurz, aber was ich dort sah, reichte mir schon. Zwei christliche Choere sangen irgendwelche Friedenslieder. Ein Chor stand im vorderen Teil der Mall und ein weiterer im hinteren. Ich finde soetwas schrecklich, denn zu fast 100% steckt immer versteckte Judenmission dahinter. Unauffaellig werden Flugblaetter mit diversen Inhalten verteilt oder es werden Leute direkt angesprochen.
Vor einigen Jahren hatten wir damit ein richtiges Koreanerproblem. Die Mun - Sekte und auch einige Christen missionierten in der Innenstadt. Viele Israelis informierten die Polizei und nach einiger Zeit mussten die Munis ihre Koffer packen.

Ich denke einmal, dass auch die beiden Choere schnell verschwanden als die Haredim anrueckten. Normalerweise kommen diese etwas spaeter nach dem Shabbatausklang und junge Yeshiva - Studenten bevoelkern ebenso die Innenstadt. Cafes und Restaurants sind ein beliebter Treffpunkt fuer alle, auch fuer junge litvishe Haredim.

Keine Stadt auf der Welt zeigt groessere Gegensaetze als unsere. Hier die Nichtreligioesen, da die Religioesen und dann irgendwann sitzen alle irgendwo zusammen. Dennoch ziehe ich viele Male ein Restaurant in der Mea Shearim - Geulah Gegend vor. Wenn ich dorthin gehe, dann nur mit Freundinnen. Vielerseits sitzen Maenner und Frauen in getrennten Ecken, es sei denn, man ist miteinander verheiratet.
Mea Shearim hat seine eigenen Nachrichten, welche als riesige Poster an alle Hauswaende geklebt sind. TV gibt es keines und viele chassidische Gruppen hoeren auch kein Radio. Wer nun glaubt, dass dort keiner auf dem laufenden ist, der irrt gewaltig. Viele Haredim kennen sich besser aus als ich. Nachrichten werden entweder ueber Mundpropaganda oder durch die beruehmten Poster (Fakschivilim) uebermittelt. Ganze Druckereien verdienen so ihr Geld im ultra - orthod. Stadtteil. Wem das nicht reicht, der kann yiddische Zeitungen kaufen. Den "Jid" von Satmar zum Beispiel.

So hat jeder seine News. In den weltlichen Medien war das gestrige Thema die Vereitelung eines neuen Kidnappings durch unsere Armee. Ein weiterer Soldat sollte von der Hamas nach Gaza verschleppt werden, was fehlschlug. Ein Terrorist wurde erschossen und drei weitere entkamen nach Gaza.
Und wie wir so sind, kommen heute wieder einmal mehr die Fragen auf, wie es denn den vier Terroristen ueberhaupt gelingen konnte, auf israelisches Gebiet vorzustossen. In Mea Shearim dagegen machen andere Dinge Schlagzeilen, doch das missglueckte Kidnapping hatte sich ebenso schnell herumgesprochen.

Samstag, 9. Juni 2007

Im Ghetto

B"H

In Jerusalem kennen wir sie entweder als Militaerpolizisten (Mishmar HaGvul), Waechter vor oeffentlichen Gebaeuden, Banken und Einkaufszentren oder als Mitglieder von Putzkolonnen in Regierungsgebaeuden. Alles in allem nicht gerade berauschende Jobs. Kaum eine Gruppe ist so schwer in die israelische Gesellschaft einzugliedern wie die aethiopischen Juden.

Jene Aethiopier, die noch in Afrika geboren sind, haben es besonders schwer. Mit dem Hebraeisch tun sie sich schwer und hinzu kommen noch die Mentalitaetsunterschiede. Daheim in Aethiopien war der Mann der Herr im Haus und alles richtete sich nach ihm. In Israel ist alles anders, denn hier sind die Kinder ihren Eltern haushoch ueberlegen. Die neue junge Generation ist es, welche die Sprache beherrscht und ihren Eltern alles erklaeren muss.

Letztens kamen Zweifel auf, ob es ueberhaupt eine gute Idee war, die Aethiopier nach Israel zu holen. Mehr und mehr erweisen sie sich als die israelische "Unterschicht", die in ihren eigenen Ghettos lebt. Ohne Schulbildung haben es die aelteren Aethiopier auf dem Arbeitsmarkt schwer und haengen am sozialen Tropf. Ihre Kinder dagegen sehen israelische Kinder mit teuren Klamotten und Computern. Das haetten sie auch gerne, aber ihre Eltern koennen da nicht mithalten.

Von Beginn an machte die Regierung zusaetzlich noch den Fehler die Aethiopier in Eingliederungszentren zu quetschen. Hier sollten sie sich allmaehlich an ihre neue Umgebung gewoehnen und die Sprache lernen. So kam es, dass viele Aethiopier sich suedlich von Tel Aviv, in Rehovot oder Gedera, ansiedelten. Die vorprogrammierte Ghettobildung.

Seit Monaten wird ausgerechnet die sonst so langweilige Provinzstadt Rehovot zum sozialen Brennpunkt. Vor allem, nachdem vor einer Woche ein 17 - jaehriger Aethiopier von einem 16 - jaehrigen Aethiopier erstochen wurde. Nach dem Mord fiel die Presse in Scharen ein und interviewte den Vater des Opfers. Der jedoch wiegelte ab. Alle kommen immer nur dann, wenn jemand ermordet wird, doch in Rehovot ist die Gewalt seit Jahren allgegenwaertig.

Als ich das letzte Mal in Rehovot war, da war es ein Provinznest, in dem es nichts zum unternehmen gab. Die Hauptstrasse, Rehov Herzl, bietet ein paar Cafes und das wars. Kurz darauf wurde gleich daneben der riesige neue Busbahnhof gebaut.
Mittlerweile hat sich Rehovot vollkommen veraendert. Neue Stadtteile wurden gebaut und immer mehr Neureiche lassen sich nieder. Die High - Tech Generation aus den umliegenden High - Tech Zentren in Rishon LeZion und Nes Ziona lassen sich nieder. Villen werden gebaut und reiche verwoehnte Teenies laufen mit teuren Designerklamotten herum. Die Mittelschicht lebt geographisch gesehen genau zwischen Kiryat Moshe, dem Stadtteil der Aethiopier und Neve Amit, dem Viertel der Reichen.

Inzwischen hat Rehovot 115.000 Einwohner, von denen 9000 Aethiopier und 22.000 Russen sind. Beruehmt ist die Stadt fuer das Weizman - Institut, wo Landwirdschaft studiert wird. Andere hingegen studieren Kernphysik. Hier die Welt der Akademiker und dort die Welt der Ghettogangs aus Aethiopien. Gleich gegenueber der Bilu - Kreuzung befinden sich die heruntergekommenen Wohnblocks der Aethiopier. Seit dem Mord lassen die Muetter ihre Kinder aus Angst kaum noch aus dem Haus. Es herrscht das grosse Schweigen, denn jeder koennte der naechste sein.

Nachts versammeln sich die Jugendgangs vor Kiosken in der Innenstadt, um sich mit billigem Fusel zuzuschuetten. Ab und an wird aus lauter Frust auch schon einmal ein Auto abgefackelt. Die Rehov Herzl wird nachts zum Chaos. Um die Uni und die Viertel der Reichen herum bemerkt man von dem Brennpunkt nichts. Die Polizei ist machtlos. Alkohol an Minderjaehrige zu verkaufen ist zwar strafbar, doch woher die Gangs im Endeffekt ihren Alk kriegen, kann nicht nachgewiesen werden. Und torkeln sie ersteinmal durch die Innenstadt, kann die Polizei nur bei gewalttaetigen Vergehen einschreiten.

Sozialarbeitern fehlt das Geld, denn im Sozialbereich wird gespart. Einige aethiopische Eltern meinen, dass sich ihre Kinder bessern, wenn sie zur Armee eingezogen werden. Aber ohne Schulbildung ist es auch in der Armee nicht weit her. Die Tageszeitung MAARIV berichtet von einem jungen aethiopischen Soldaten der Golani - Eliteeinheit, der sich hatte vom Militaerdienst freistellen lassen wollte. Seine Begruendung war, dass man ihn zuhause brauche um die Familie zu ernaehren. Seine Vorgesetzten hoerten nicht hin und schliesslich floh der Soldat von seiner Einheit. Nun droht ihm Militaerhaft, sobald er geschnappt wird.

Die Bewohner Rehovots sehen der Zukunft ihrer Stadt mit gemischten Gefuehlen entgegen. Die Reichen werden immer mehr und schotten sich ab und fuer die Armen gibt es kein Entkommen aus dem Teufelskreis.

Freitag, 8. Juni 2007

Die Visafrage

B"H

Immer wieder bekomme ich Anfragen ueber die Visa - Vergabe in Israel. Wie genau schaut es fuer Touristen aus, die laenger in Israel bleiben wollen ?

Die Gesetze fuer die Visaerteilung aendern sich staendig und daher ist es schwer, eine genaue Antwort geben zu koennen.
Wer als Tourist nach Israel einreist, bekommt am Flughafen ein Drei - Monats - Visa ausgestellt. Nach dessen Ablauf muss sich derjenige an das oertliche Innenministerium (Misrad HaPnim) wenden. In Jerusalem laeuft das Verfahren sehr kompliziert habe, wie ich gehoert habe.
Zuerst geht man zum Ministrium, hinterlaesst seine Telefonnummer und wird spaeter zu einem Termin aufgerufen.

Soweit mir bekannt ist, koennen Touristen aus Deutschland, der Schweiz, Oesterreich etc. das Visum einmal um weitere drei Monate verlaengern. Dieses allerdings ist nicht 100%ig sicher, denn vor allem Deutsche gelten als palaestinenserfreundlich und daher kann es passieren, dass bei der Verlaengerung nur ein Monat vergeben wird. Dieses kann auch Leute treffen, die gar nicht beabsichtigen in den palaestinensichen Autonomiegebieten zu volontieren.

Wer ein Praktikum macht, fuer den wird der Arbeitgeber bei der Visavergabe mit einspringen, was sicher leichter ist.

Wer juedisch und als solcher vom Ministerium anerkannt ist, der bekommt bei der Verlaengerung sechs Monate ausgestellt.

Ein neues Visa kostet immer Gebuehren und ich kenne mich mit den Kosten nicht mehr aus. Es duerften auf alle Faelle mehr als 150 Shekel sein.

Populaeres aus Israel

B"H

Die Saengerin Shiri Maimon mit ihrem aktuellen Hit "Ahava Ketana" - Kleine Liebe. Nicht gerade ein "anstaendiges" Video, doch ein gutes Lied.




Beitar Yerushalaim ist israelischer Fussballmeister 2007. Hier die schoensten Beitar - Tore 11 Tore der Saison.

Donnerstag, 7. Juni 2007

Die ewigen Themen

B"H

Wenn ich in Deutschland einmal eine Woche lang keine Nachrichten hoerte, verpasste ich nie etwas. Sogar nach einem Monat war alles beim alten und es gab kaum etwas Neues. Vielleicht war eine beruehmte Persoenlichkeit verstorben, aber sonst…

In Israel ist genau das Gegenteil der Fall. Wenn ich einmal eine Stunde lang keine Nachrichten hoere, habe ich alles verpasst. Von Terroranschlaegen bis hin zu Budgetkuerzungen ist alles dabei.
Unsere Presse hat immer etwas zu berichten und in Israel existiert kein Sommerloch. Die hiesigen Zeitungen sind nicht gezwungen Stories ueber Aliens (siehe BILD - Zeitung im Sommerloch) zu erfinden. Selbst dann nicht, wenn die Knesset im August in den Sommerurlaub geht. Wir haben genuegend Aliens live herumlaufen, was die Sache umso interessanter macht.

Die Presse befasst sich heute ganz gross mit zwei gesellschaftlichen Ereignissen.
Zum einen sollen 2000 Lehrer aus den Provinzen entlassen werden.
Wer will heutzutage in Israel ueberhaupt noch Lehrer werden ? Langes Studium, miserables Gehalt, hoffnungslos ueberfuellte Klassen und nicht selten gewalttaetige Schueler. Dazu kommt, dass die Lehrer in Israel keinen Beamtenstatus haben, sondern nur einfache Angestellte sind. Geheuert und gefeuert, lautet das Motto. Nie weiss ein Lehrer, ob er im kommenden Schuljahr noch an der gleichen Schule unterrichten oder entlassen wird. Jedes Schuljahr wird sich von Arbeitsvertrag zu Arbeitsvertrag gehangelt.

Nun sollen gleich 2000 Lehrer in den Nord - u. Suedprovinzen entlassen werden. Natuerlich laufen sie Sturm gegen den Regierungsplan und haben jetzt den Obersten Gerichtshof eingeschaltet. Der wird am 20. Juni das Urteil faellen, ob die Massenkuendigungen gesetzlich zu rechtfertigen sind.

Zweites grosses Thema ist mal wieder die Gay Parade. Fuer den 21. Juni ist sie in der Jerusalemer Innenstadt geplant und morgen findet eine weitere Parade in Tel Aviv, am Kikar Rabin vor dem Rathaus, statt.
Alle Gegner der morgigen Gay Parade, incl. der Religioesen, werden am Kikar Rabin eine Gegenparade starten. Genau gegenueber von den Gays. Die Gegner wollen mit Tieren aufwarten und nennen ihre Parade daher "Die Parade der Tiere". Genauso sehen sie das Verhalten der Homosexuellen.

Unterdessen erliess die Knesset ein Gesetz gegen eine Gay Parade in Jerusalem, welches mit 41 zu 21 Stimmen angenommen wurde. Eingebracht wurde der Antrag von der haredisch - sephardischen SHASS - Partei und den Nationalreligioesen. Das neue Gesetz wird jede geplante Gay Parade in Jerusalem gesetzeswidrig und unmoeglich machen.

Mittwoch, 6. Juni 2007

Der neue Star

in Israel ist die Band Knesiat HaSechel

Verwirrungen

B"H

Irgendwie kann ich den Nachrichten in diesen Wochen nicht mehr so ganz folgen. Da heisst es, dass ein Krieg mit Syrien sehr wahrscheinlich sei, denn die Syrer wuerden an der Grenze zu Israel mobil machen. Dann hiess es kuerzlich, dass Olmert Friedensgespraeche mit Assad sucht und heute machen unsere Zeitungen mobil. Ein Krieg mit Syrien stehe hoechstwahrscheinlich diesen Sommer an.

Was nun ? Ja oder Nein ? Ist das die neue Methode Leute auf eine kommende Gefahr vorzubereiten oder wissen die Zeitungen nicht, was sie schreiben sollen ?
Den Geheimdiensten zufolge eher nicht, denn die warnen schon lange vor einem Ueberraschungsangriff der Syrer auf dem Golan. Zum gleichen Zeitpunkt wil die Hizbollah vom Libanon aus angreifen und die Hamas in Gaza will auch nicht hinten anstehen.

In den vergangenen Tagen fuehrte unsere Armee Uebungen in der Negev durch. Ich bin mir nicht sicher, ob der neue Eventuell - Krieg mit Panzern gefuehrt wird, besitzen doch die Syrer Langstreckenraketen. Von Atomwaffen ganz zu schweigen.
Assad hat seine Truppen an der israelischen Grenze postiert, will aber keinen Erstschlag ausfuehren. Wahrscheinlich beginnt er irgendwann ein bisschen zu provozieren, um so die Welt auf seine Seite zu bekommen. Das waere ja nichts Neues.

Die Frage, was wir genau machen, sollten wirklich einmal Langstreckenraketen auf uns zufliegen, habe ich mir noch nicht gestellt. Jerusalemer lieben zu sagen, dass kein arabischen Land jemals Raketen auf Jerusalem abfeuern wird. Steht doch hier ihr sogenanntes "Heiligtum" auf dem Tempelberg. Andere meinen lakonisch, dass uns gar nichts Besseres passieren kann als das eine der Raketen voll in den Felsendom knallt. Naja, das Ausland wird uns wieder die Schuld dafuer in die Schuhe schieben, nachdem die arabischen Laender efolgreiche behauptet haben, dass es sich hierbei um israelische Sabotage handelt, aber wer weiss, vielleicht kommt ja so der Meschiach.

Dienstag, 5. Juni 2007

Rutka

B"H

Das Yad Vashem hat ein neues Buch unter dem Titel "Rutka's Notebook" herausgegeben.

Bei dem Buch handelt es sich um das Tagebuch der 14 - jaehrigen polnischen Juedin Rutka Laskier, die auf ihre Deportation wartete. Das Tagebuch wurde erst nach 60 Jahren von Rutkas nichtjuedischer Freundin Stanislawa Sapinska freigegeben.

Vor ihrer Deportation wurde Stanislawa von Rutka gebeten, dass Tagebuch aufzubewahren. "Falls ich nicht zurueckkehre, sollen die Menschen wenigstens wissen, was mit uns geschah," so Rutka. Ihre Freundin musste erst von deren Sohn ueberzeugt werden, dass Buch an die Oeffentlichkeit zu bringen.

Auf 60 Seiten beschreibt Rutka ihr Leben mit den deutschen Besatzern, das Leben im Ghetto, aber auch Privates. Sie schrieb, das sie sich in ein Tier verwandelt, welches zur Schlachtbank gefuehrt wird.
Am 24. April 1943 wurde die Familie nach Auschwitz deportiert und man nimmt an, dass Rutka noch am gleichen Tage umgebracht wurde.

Ihr Vater Yaakov war der einzige Ueberlebende der Familie und wanderte nach seiner Befreiung nach Israel aus. Dort gruendete er eine neue Familie und, im Gegensatz zu Otto Frank (dem Vater von Anne Frank), erzaehlte er niemals etwas ueber seine vorherige Familie. Er wollte den Holocaust vergessen. Im Jahre 1986 verstarb Yaakov Laskier.

Umso ueberraschter zeigte sich seine heute 57 - jaehrige Tochter Zahava Sherz als sie von Rutka erfuhr. Sie hatte niemals gewusst, dass sie eine aeltere Schwester hatte.

Protekzia

B"H

In acht Tagen soll in Israel ein neuer Praesident gewaehlt werden. Das ansonsten so hochangesehene Amt wurde vom letzten Praesidenten, Moshe Katzav, gruendlich besudelt. Mehrere ehemalige Angestellte im Praesidentenhaus wurden von ihm sexuell belaestigt bzw. vergewaltigt. Das Verfahren laeuft noch.
Unserem Land war das maechtig peinlich und so suchte man die Schuld ? Wie konnte Katzav ueberhaupt zum Praesidenten gewaehlt werden, verfuegt er doch ueber keine besondere Bildung ?
Aber damit steht er nicht allein, denn viele unserer Knessetmitglieder sind nicht gerade die grossen Akademiker, sondern wurden eher aufrund ihrer Protekzia auf Wahllisten gesetzt.

Protekzia ist alles in Israel und wer als Neueinwanderer spaeter dazu kommt, der hat sie nicht. Die Protekzia beginnt schon in der Schule, geht weiter ueber die Armee bis hinein ins Berufs - und Privatleben. Ueberall lernt man Leute kennen, die einem behilflich sind. Gute Freunde sozusagen.
Wer einen Job sucht, der findet ihn meistens durch Mundpropaganda oder Protekzia. Freunde rufen an und mogeln einen irgendwie rein. Selbst, wenn derjenige ueber keine besonderen Faehigkeiten verfuegt.
Ariel Sharon war ein Meister der Protekzia. Er vergab Job an Leute, die fuer ihn stimmten und diese wiederum vergaben Jobs an ihre Freunde. So ist dann jeder jedem verpflichtet, aber lebt wie die Made im Speck. Jedenfalls solange das System funktioniert.

Die kommende Woche stattfindenden Praesidentenwahlen sind ein neues Beispiel fuer Protekzia und die so beliebten Deals (Dilim auf Hebraeisch). Die Kandidaten sind Shimon Peres fuer die Olmert - Partei Kadima und Ruven Rivlin fuer Netanyahus Likud. Peres brauche ich nicht weiter zu erklaeren, denn meine negative Meinung ueber ihn habe ich schon genuegend kund getan.
Mein Kandidat heisst Ruven Rivlin, aber leider waehlt nur die Knesset und nicht das Volk. Rivlin ist solide und nicht unbeding von Skandalen befallen, wie der bestechliche Peres. Wahrscheinlich ist Ruven Rivlin eher nur in Israel bekannt, war er doch jahrelang Knessetvorsitzender.

Beide Kandidaten haben bisher keine Mehrheit auf ihrem Konto verbuchen koennen. Peres und Olmert buhlten bei dem geistigen Oberhaupt der sephardisch - haredischen SHASS - Partei um Stimmen. Angeblich sollen diese ihnen sicher sein.
Rivlin dagegen hat den Likud und die Rechtsparteien hinter sich. Aber Moment, der Abgeordnete der haredischen Partei Yahadut HaTorah, Meir Porush, will eventuell doch fuer Peres stimmen. Oder nicht und fuer Rivlin ?
Viele Knessetmitglieder geben widerspruechliche Aeusserungen von sich und nichts ist sicher. Alles haengt von den Deals ab. Welcher Kandidat macht die besten Versprechungen ? Nicht fuer das Volk, sondern fuer die Parteien.

Die israelische Tageszeitung ISRAELI nennt die bevorstehenden Praesidentenwahlen ein Casino. Jeder ist mit jedem verbandelt und macht geheime Deals. Also bleibt alles offen.

Montag, 4. Juni 2007

Shekel

B"H

Was mir nach all den Jahren immer noch fremd ist in Jerusalem, sind die vielen Bettler auf den Strassen. Kaum eine Strasse in der Innenstadt, an der keine Bettler stehen. In europ. Laender sitzen die Bettler leise am Strassenrand, doch in Israel kann man sie uebersehen nicht aber ueberhoeren. Mit einem Plastikbecher bewaffnet sitzen sie auf ihren Stammplaetzen und wedeln diesen hin und her. "Shekel, Shekel."
Allein die Vorgabe der Summe, die ich spenden soll, geht mir auf die Nerven. Solchen Leuten gebe ich erst gar nichts. Manchmal stehen nationalreligioese Jugendliche an belebten Kreuzungen oder dem Busbahnhof. "Spendet, spendet, auch wenn es nur 10 Agorot (ca. 2 Cent) sind." Ohne Angabe der Summe gebe ich schon eher etwas.

Zugegeben, in London war der Anblick der Obdachlosen und Bettler schlimmer. In Israel sind die Bettler penetranter. Entweder halten sie einem sofort ein obskures relig. Zertifikat unter die Nase, um einen glauben zu machen, dass es sich hier um einen guten relig. Zweck handele oder sie laufen einem solange hinterher, bis man ihnen Geld gibt. Die Leute mit den Zertifikaten laufen meistens im Machane Yehudah Markt auf und ab. Die richtig Penetranten dagegen sieht man entweder auf den Treppen, die zur Klagemauer (Kotel) fuehren. Vor allem aber handelt es sich bei ihnen rund ums Palaestinenser Yaffa - Tor, die meinen, dass alle Touristen Millionaere seien. Da werden gleich harte Dollars oder Euros verlangt, anstatt dem israel. Shekel.
Einmal passierte es mir auf den Treppen zur Klagemauer, dass mich ein Bettler auf Englisch ansprach. Als ich ihm auf Hebraeisch antwortete, liess er mich entgeistert stehen. "Nein, Israelis wolle er nicht als Kundschaft, denn die haetten ja nur Shekel und keine Dollars."

Vor Jahren schon hat die Polizei das Betteln an der Klagemauer offiziell verboten. Betende fuehlten sich durch die ewige Ansprecherei belaestigt. Allerdings wird inoffiziell weitergebettelt, denn es sind dort viele Touristen mit Geld. Ausserdem ist bekannt, dass religioese Juden relativ viel Spendengelder geben, denn im Judentum ist Zedaka (Spenden) eine Mitzwa (Gebot).
Das ist auch der Grund, warum sich unzaehlige Bettler schnell eine Kipa auf den Kopf setzen und sich in ultra - orthod. Stadtteilen zum Betteln niederlassen. Dort liegt der Verdienst wesentlich hoeher als in der Fussgaengerzone.

Immer wieder veroeffentlicht das Jerusalemer Wochenblatt "Kol HaZeman" die geheimen Verdienste der Jerusalemer Bettler. Wer eine Stunde in der Ben Yehudah steht oder ein Instrument spielt, der hat mehr Geld zusammen als ich nach einigen Stunden Arbeit.
Interessanter aber waren die in "Kol HaZeman" angegebenen Motive der Bettler. Die Mehrzahl bediente sich der Bettelei, weil so ihr Einkommen hoeher lag als wenn sie einer regulaeren Arbeit nachgegangen waeren. Einige hatten ausserhalb Jerusalem oder in Beit Shemesh ein Haus gekauft und wollten sie ihre Hypotheken bequemer tilgen.

Die Leute, die das Geld wirklich brauchen, stehen weniger am Strassenrand, weil sie sich schaemen. Jerusalem ist die zweitaermste Stadt Israels nach Bnei Brak bei Tel Aviv. Die Gruende dafuer sind fast gleich. In Bnei Brak leben ueberwiegend Haredim (ultra - orthdox. Juden) und da die Vaeter im Kollel (relig. Institution) lernen und fast nur die Frauen arbeiten, leben die meisten unterhalb der Armutsgrenze. Erwaehnt werden muss jedoch das die Religioesen sich untereinander helfen. Haredim verfuegen ueber ein brilliantes Sozialnetz und helfen sich gegenseitig. Hilfe von aussen kann daher vielmals abgelehnt werden. Eine der besten Hilfsorganisationen gehoert der Chassidut Vishnitz, aber auch andere sind mit dabei.

In Jerusalem leben nicht nur viele Haredim unterhalb der Armutsgrenze. Die Massenarbeitslosigkeit innerhalb der palaestinensischen Gesellschaft ist hoch. Hierbei spielen nicht nur politische Hintergruende eine Rolle. Das grosse Problem der Palaestinenser ist die fehlende Bildung. Schon im Kindesalter muessen Jugendliche arbeiten um ihre Familien zu ernaehren und fuer eine Schulbildung bleibt da keine Zeit.
Eine weitere Rolle spielt die "neue Armut". Durch Budgetkuerzungen der Regierung verloren Leute ihre Jobs oder alleinstehende Muetter ihr relativ hohes Kindergeld. Die Lebenshaltungskosten steigen staendig an, doch die Gehaelter bleiben gleich.

Was wirklich einzigartig in Jerusalem ist, das sind die vielen Suppenkuechen, in denen Arme kostenlose Mahlzeiten bekommen. Ich hoerte, dass manche Suppenkuechen besser als Restaurants seien.
Die Suppenkuechen versorgen taeglich mehrere Tausend Menschen aus fast allen Schichten. Die Mehrheit der Einrichtungen wird von religioesen Juden unterhalten, aber nicht nur. Der grosse Nachteil ist, dass christliche Missionare auf den Trend aufsprangen und ihre eigenen Suppenkuechen gruendeten. Natuerlich unter dem Schein der Loyalitaet. Beduerftige, die einmal dort waren, gehen meist kein zweites mal mehr hin, denn die aufdringlichen Christen begannen sofort mit ihrer Mission. Spende mit Hintergededanken. Viele der christl. Einrichtungen mussten aufgrund von Anzeigen aus der Bevoelkerung schnell wieder schliessen und deren Klientel beschraenkt sich heute ueberwiegend auf nichtjuedische Russen.

Die Stadtverwaltung hat der Armut nichts entgegenzusetzen. Geld fuer Projekte gibt es kaum. Religioese Institutionen aus den USA sind da etwas erfolgreicher. Sie stellen Gelder zur Verfuegung und Verlangen keine Gegenleistungen, was im Judentum absolut verboten ist.
Wer nun grosse Demos der Armen erwartet, versteht die israelische Mentalitaet nicht, die da heisst: Mistadrim - Man kommt zurecht.

Sonntag, 3. Juni 2007

Boykott und Bomben

B"H

Eine israelische Tageszeitung kommt heute zu dem Schluss, dass wir Israelis ja gar keine englischen Produkte mehr benoetigen. Nach dem britischen Akademikerboykott gegen Israel droht auch nun ein Handelsboykott und wir Israelis wollen zurueckschlagen.
Keine Jaguars mehr kaufen und Harry Potter sei eh tot. So what ?

Wer kann sich hier schon einen Jaguar leisten aber Harry Potter, naja, seine Buecher sind bei den hiesigen Kids der Renner. Wie also koennen wir den Briten so richtig schoen schaden ?
Genau, wir boykottieren das Koenigshaus. Wer braucht schon die News von Harry, William und Camilla ? Das ist uns doch egal. Das Problem ist nur, dass unsere Presse eh kaum ueber die Windsor berichtet und wir hier keine Yellow Press wie in England oder Deutschland haben. Wie gross wird der Schaden da nur sein ?


Im SPIEGEL las ich von einer neuen Bucherscheinung. Der Franzose Gilles Rozier schrieb ein Buch ueber ein Busattentat in Jerusalem, in dem er verschiedene Opfer beschreibt. Rozier wohnt nicht in Jerusalem, sondern in Frankreich, und daher scheint ihm das Abkommen israel. Schriftsteller unbekannt zu sein. Diese verkuendeten schon vor Jahren, dass sie keine Buecher ueber Terrorattentate schreiben werden, denn damit sei zuviel Trauer und Leid verbunden. Vielleicht in einigen Jahrzehnten, aber nicht jetzt.


Ein Buch mit ganz anderem Thema ist in Deutschland erschienen. Den Titel habe ich vergessen, doch beschaeftigt sich die Autorin mit ihrer zum Judentum konvertierten Schwester. Letztere ist nationalereligioes geworden, wohnt in einer israel. Siedlung und nun kuendigt die nichtjuedische Schwester ihren Besuch an. Die "Neujuedin" verlangt von der Schwester, sich anstaendig anzuziehen und eine Kopfbedeckung zu tragen.

Hierbei verstehe ich den Sinn ueberhaupt nicht. Wie kann eine Juedin von ihrer nichtjued. Schwester verlangen, eine Kopfbedeckung aufzusetzen ? Anstaendige Kleidung ja, Kopfbedeckung nein, denn zur letzteren ist die nichtjued. Schwester gar nicht verpflichtet.
Wer hat das was missverstanden ? Die relig. Schwester, die vielleicht vollkommen uebertrieben handelte oder die Autorin ? Das wuerde mich interessieren. Oder war es doch nur ich selbst ?

Samstag, 2. Juni 2007

Bericht zum Tisch des Rebben

B"H

Fuer diejenigen, die an meinem Bericht ueber den Tisch des Rebben der Chassidut Toldot Aharon interessiert sind: Auf meinem religioesen Hamantaschen - Blog ist alles nachzulesen.

Shavua Tov - Eine gute Woche

Shavua HaSefer

B"H

Vom 6. - 16. Juni 2007 findet die alljaehrliche "Woche des Buches" (Shavua HaSefer) statt. Trotz High - Tech lieben Israelis ihre Buecher und jaehrlich kommen 2 Milliarden Shekel (10 Mio Euro) Umsatz in die Kassen.

Zur 46. "Woche des Buches" senken die groesste Buchhandlungkette des Landes, Stimatzky, sowie weitere Buchhandlungen drastisch die Preise. Aber nicht nur kaufen ist angesagt, denn das Publikum kann viele israelische Autoren wie z.B. Meir Shalev, Yehudah Rotem, Oren Nehari, Amiah Lieblich oder A.B. Yehoshua live erleben.

Ausstellungsort in Jerusalem ist der alte Bahnhof nahe der Cinematheque.

Oeffnungszeiten: Sonntag - Donnerstag 18.00 - 23.00 Uhr und am Mozzaei Shabbat (Samstag Abend nach Shabbatausgang) von 20.30 Uhr - Mitternacht.

Der Eintritt ist kostenlos !!!

Viele israelische Verlage werden dort sein und Buecher zum Kauf anbieten. Normalerweise gibt es kein grosses Angebot anderer Sprachen ausser Hebraeisch, dennoch koennen einige Buecher in englischer, franz. oder spanischer Sprache gefunden werden. Auch der FELDHEIM - Verlag wird mit einem Sortiment engl. religioeser Buecher vertreten sein.

Darueber hinaus veranstalten Cafes in der ganzen Stadt Lesungen verschiedener Autoren.