Dienstag, 25. Oktober 2011

Das KIBBUTZ PROGRAMME CENTER in Tel Aviv

B”H 

Das heutige KIBBUTZ PROGRAMME CENTER befindet sich in der Frishman Street 6 in Tel Aviv. Leicht und bequem zu erreichen, denn die Ben Yehudah Street und ein paar Hostels liegen gleich um die Ecke. 

Das Office selber ist recht klein und nach meinem Eintreten fühlte ich mich sogleich in die Vergangenheit zurückversetzt. Es roch nach Kibbutz, Arbeiterklasse; kurz gesagt: Ein richtiges israelisches Büro von “damals”. 

Drei Bewerber waren bei meinem gestrigen Eintritt zugegen. Ein schwedisches Pärchen sprach mit der Angestellten, ein weiterer junger Mann befand sich im Wartezustand und ich setzte mich neben ihn auf einen der Stühle in der Warteecke. Noch dachte die Angestellte bestimmt, ich komme zur Bewerbung, aber das dürfte mit meinen mehr als 40 Jahren nichts mehr werden. Das Höchstalter liegt bei 35 Jahren. 

Die Schweden zogen happy von dannen, denn sie erhielten offenbar einen vielversprechenden Kibbutzplatz und wollten schon am nächsten Tag dorthin reisen. Dem jungen Mann wurde ein Job beim Abwasch angeboten. Eine Maschine wäscht das Geschirr im Speisesaal und ein oder mehrere Personen nehmen danach das saubere Geschirr vom Fliessband. 

 

Aya Sagi - Die Leiterin des Kibbutz Programme Centers in Tel Aviv



Die Leiterin des Programme Centers betrat die Räumlichkeiten und erkundigte sich, ob alle Wartenden bedient werden. Ich sagte ihr, dass ich kein Bewerber sei, sondern Blogger und ob sie vielleicht einige Details beisteuern könnte. Aya Sagi, so heisst die Leiterin, war total freundlich und bat mich in ihr Büro. Zwar hätte ich mich durch die offizielle Website gearbeitet, die reichlich mit Infos gespickt ist, doch einige Frage blieben offen. Auch aufgrund der Fragen des Bloglesers aus Deutschland. Und so durfte ich fragen, was ich wollte. Aya Sagi nahm sich Zeit. 

Zuerst einmal interessierte es mich, warum man sich jetzt im voraus beim Kibbutz Programme Center anmelden muss. Ein entsprechendes Formular ist auf der Website zu finden und dies sollte schon im jeweiligen Heimatland des Bewerbers ausgefüllt und abgesandt werden. 

Früher zu meiner Zeit war es so, dass man sich bei der JEWISH AGENCY in Frankfurt anmelden konnte, doch immer wieder tauchten Leute spontan im Office auf und bekamen Plätze zugewiesen. Ohne all die immensen Kosten bei der Jewish Agency. Heute ist alles ganz anders und es läuft kaum mehr etwas ohne Voranmeldung. Aya Sagi nannte mit den Grund dafür: 

“Schuld” daran sei das israelische Innenministerium, denn das bewilligt nicht unbedingt allen Bewerbern eine Zulassung. Das Ministerium will die Namen im voraus wissen. Namen und Passnummern, um sicherzugehen, dass niemand in der Vergangenheit in Israel unangenehm auffiel. “Israel ist ein jüdisches Land!” und dieser Status Quo soll gehalten werden. Heutzutage kommen die Kibbutzvolontäre nicht nur aus reichen Industrieländern, sondern auch aus Osteuropa, China oder Indien. Und gerade Leute aus diesen Ländern versuchen immer wieder in Israel zu bleiben. Man schaue sich nur unsere Anzahl illegaler Gastarbeiter an. Israel selbst will die Infiltrierung weitgehend vermeiden und das ist der Grund, warum potentielle Volontäre vorab gecheckt werden. Einmal pro Woche geht Aya Sagi mit der Bewerberliste zum Innenministerium und fragte nach einem Okay. Zwar kann der ein oder andere immer noch spontan erscheinen, doch Garantien für einen Platz gibt es keine. Ferner sei es ein Problem, dass Touristenvisum, welches jeder Tourist am Flughafen erhält, danach in ein Volontärsvisum umzuwandeln. Wer dagegen angemeldet kommt, erhält bei der Einreise gleich sein Volontärsvisum. 

Die Krankenversicherung 

Früher war es so, dass der Bewerber eine Krankenversicherung bei der Jewish Agency kaufte oder billig beim Kibbutz Office in Tel Aviv bekam. Auch das ist heute anders und Euch bleibt nur die eine Möglichkeit, die Krankenversicherung im Kibbutz Center direkt zu kaufen. Kostenpunkt: 340 Schekel (ca. 65 – 70 Euro). Etwas anderes akzeptiert das Office nicht mehr. 

Laut Aya Sagi erhält jeder Volontär eine Versicherung der israelischen Krankenkasse “Kupat Cholim Klalit”. Das sei Standard und die Klalit kommt für fast alles auf, wohingegen andere Krankenkassen in der Vergangenheit Probleme bereiteten. Es kam vor, dass der Volontär zuerst für die Behandlunsgkosten aufkommen musste, nicht genügend Geld dabei hatte und somit der Kibbutz einsprang. Der Volontär jedoch reiste irgendwann ab und so blieb der Kibbutz allein auf den Kosten sitzen. “Man habe immer noch viele offene Rechnungen”, so Aya Sagi. Um das zu verhindern, gibt es jetzt die Einheitskrankenkasse für alle. 

Wie lange darf man volontieren ? 

In der Regel bis zu sechs Monaten. Drei weitere Monate können in Ausnahmen gewährt werden. Hierzu aber ist eine Erlaubnis des Innenministeriums erforderlich. Wer nicht zugelassen wird, dem empfiehlt Aya Sagi, u.a., ein Volontariat bei SAR – EL. Vielleicht seien da ja die Aufnahmebedingungen umkomplizerter. Wer weiss …

Weiterhin kann sich ebenso bei WWOOF Israel beworben werden. Landwirtschaft einmal auf organische Anbauart. 

Insgesamt befindet sich heute viel weniger Kibbutzim im Kibbutz Programme wieder. Viele Kibbutzim nehmen einfach keine Volontäre mehr auf und so sind die Jobs begrenzt. Alles sei saisonal bedingt, so Aya Sagi. Im August, zum Beispiel, kommen weniger Volontäre, doch die Kibbutzim suchen Arbeitskräfte. Wer im Dezember / Januar kommen will, der erhält mit Sicherheit einen Platz. Übersteigt die Zahl der Bewerber jene der freien Stellen, kann es zu Warteschleifen kommen. Man versuche hier jedoch, die Wartezeit nicht länger als 1 – 2 Wochen werden zu lassen. 

Auf meine Frage hin, ob es denn immer noch Kibbutzim gebe, die keine deutschen Volontäre aufnehmen, wollte Aya Sagi nicht so recht herraus mit der Sprache. Sie fand das peinlich, doch ich versicherte ihr, dass man in Deutschland verstehe, wenn da ein Kibbutz mit zahlreichen Holocaust – Überlebenden nicht unbedingt Volontäre aus Deutschland aufnehme. 

“Naja, einen Kibbutz, der sich noch im Programme befinde, nehme keine Deutschen auf”. Allgemein aber, so versicherte mir Aya sagi, seien deutsche Volontäre überaus beliebt und willkommen. Grund: Ihr deutscher Arbeitswille und die Pünktlichkeit. Deutsche verursachen selten Probleme und sind pflegeleicht. “Das sei alles eine Sache der Mentalität” – so Aya Sagi. “Und sage den Deutschen, sie sollen kommen. Wir nehmen sei sehr gerne ins Kibbutz Programme auf !” 

Ganz billig ist die Sache dennoch nicht. Allein die Anmeldegebühr beträgt derzeit 400 Schekel (ca. 80 Euro). Das zahlt Ihr direkt im Office. Hinzu kommen die 340 Schekel für die Krankenkasse und dann will man auch noch sehen, dass Ihr mindestens 800 Schekel (ca. 160 Euro Cash in der Tasche habt). Niemand soll einfach so halb pleite ankommen und dann dem Kibbutz auf der Tasche liegen. 

Zusätzlich verlangt fast jeder Kibbutz eine kleine Kaution von ein paar Hundert Schekel, die es am Ende wiedergibt, falls kein Mobiliar zerstört wurde. Aya sagi gab mir unendlich viel Material mit und ich werde in den nächsten Tagen noch viel mehr zum Thema berichten. Neben der Website des Centers könnt Ihr Euch auch auf der Facebook Page eintragen !  

Kommentare:

  1. Hallo Miriam,
    vielleicht interessiert es dich, hab auf meinem Blog das Interview der ehem. Kibbuzsekretärin Rachel Beck aus Ashdot Yaacov. Bin durch Zufall darauf gestossen, das Interview war eigentlich zum Thema deutsche Sprache - ist aber ein Blick zurück in die Geschichte.
    Gruß
    Uli
    link:
    http://www.kurz-geschichten.blogspot.de/search/label/Israel%20-%20Ashdot%20Ya%27acov%20Interview

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  2. B"H

    @ Uli

    Danke fuer den Link.:-)

    Ashdod hat tatsaechlich im Sommer ein hoellisches Klima. Die tropische Luftfeuchtigkeit vom Meer (siehe Tel Aviv) laesst gruessen.:-)

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