Montag, 18. Juni 2012

Die ersten Sudanesen wurden aus Israel ausgeflogen


Nur ein Tropfen auf den heissen Stein: Die erste Abschiebung von Afrikanern, doch schon stehen neue Afrikaner an der Grenze zu Israel. 


B"H 

Israels illegale Afrikaner bestimmen, trotz dem alltäglichen arabischen Terror, die heimischen Schlagzeilen. Mehr als 60,000 meist illegale Afrikaner befinden sich im Land und täglich kommen neue hinzu. Die Bevölkerung hat die Nase gestrichen voll und das Problem muss eine baldige Lösung finden, denn es kann nicht sein, dass unser Land zum afrikanischen Kontinent wird. Mit Leute, die sich illegal aufhalten und einfach nur ein besseres Leben suchen. 

Derzeit sollen 1500 Südsudanesen in ihre Heimat abgeschoben werden. Wer sich freiwillig meldet, erhält 1000 Euro Cash von der israelischen Regierung. Ich wünschte, mit ständen Freiflug und Cash zu. Anstatt all die Steuergelder hinauszuschmeissen, sollten die Afrikaner einfach an die ägyptische Grenze zurückverfrachtet werden. 

Gestern abend wurden mehr als 120 Sudanesen in den Süd – Sudan ausgeflogen. Weitere sollen folgen. Allerdings bildet diese Gruppe der Sudanesen die Minderheit. Weit mehr als 60,000 Afrikaner aus dem Norden des Sudan sowie aus Eritrea können nicht abgeschoben werden und man sucht eine anderweitige Lösung. Zwischenzeitlich reagiert offenbar auch die Knesset und plant ein Gesetz zu verabschieden, welches jeden israelischen Arbeitgeber bis zu fünf Jahren Haft verurteilen kann, wenn er denn illegale Afrikaner einstellt. Fast 60% der Israelis wollen, dass dieses Gesetz verabschiedet wird, denn man ist der Afrikaner überdrüssig. 

Teile von Tel Aviv, Eilat oder jetzt auch Jerusalem wirken wie Afrika und nicht mehr wie Israel. In Jerusalem ist vor allem die Gegend um den Machane Yehudah Markt betroffen. Am Schabbat kommt man sich dort vor wie in Afrika.

Sonntag, 17. Juni 2012

Die SULTAN YAAKOV Akte immer noch Top Secret

B"H 

Dreissig Jahre ist es her, dass ein israelisches Panzerbatallion am libanesischen Sultan Yaakov  in einen syrischen Hinterhalt geriet. Das traurige Resultat: 20 tote Soldaten, 30 Verletzte und mehrere gekidnappte Soldaten. Zwei der gekidnappten Soldaten kamen später lebend per Gefangenenaustausch zurück. Bei einem weiteren Soldaten wurde des Leiche an Israel zurückgegeben. Drei weitere Soldaten bleiben bis heute vermisst. Einer davon Zechariah Baumel, dessen Mutter jetzt nach dreissig Jahren Antworten sucht. 

Über die Schlacht bei Sultan Yaakov (im ersten Libanonkrieg 1982) gibt es Unmengen von Material und viel zu berichten. An dieser Stelle gehe ich nur kurz darauf ein, denn etwas später stelle ich viel mehr Infos in den Blog. Aktuell nur so viel, dass die überlebenden Soldaten der damaligen Schlacht bis heute schweigen. Man wolle keine falschen Spekulationen aufkommen lassen oder, kurz gesagt, die israelischen Soldaten von Sultan Yaakov suchen ihre Ehre zu bewahren. Was genau während der Schlacht geschah, erfahren wir weder von den beteiligten Soldaten noch von der israelischen Regierung bzw. Armee. Bis heute wurde kein einziger Untersuchungsausschuss ins Leben gerufen und die Militärakten bleiben auch nach dreissig Jahre TOP SECRET. 

In Israel besteht das Problem, dass hochrangige Generäle zu Politikern werden und daher in der Lage sind, diverse Armeeangelegenheiten zu vertuschen. Zuerst als General und dann ggf. als Verteidigungsminister wie im Fall Sultan Yaakov und Ehud Barak. Die israelische Presse ist vielerseits mit den Knessetpolitikern verbandelt und oftmals kratzt eine Krähe der anderen kein Auge aus. Man kennt sich untereiander. Und das seit vielen Jahrzehnten. 

Aktuelles Beispiel hierfür bildet der Fall Gilad Shalit. Wir alle wissen, dass Gilad kein Held war und ist. Trotzdem stellt kein einziger israelischer Journalist die Frage, was genau bei der Entführung Shalits geschah. Während seine Kameraden gegen eindringende Palästinenser kämpften, soll Shalit sich im Panzer verkrochen haben. Was geschah wirklich bei der Entführung Shalits und wie kamen zwei seiner Kameraden ums Leben ? 

Vater Noam Shalit wimmelt jeglichen Kontakt zu den Hinterbliebenen der zwei toten Soldaten ab. Wahrscheinlich hat er genügend Gründe dafür. Gilad Shalit litt nicht in seiner Hamas – Gefangenschaft, das wissen wir alle. Obwohl er im Kerker sass und seiner Freiheit beraubt wurde, gibt es nicht nur Gilad Shalit, sondern Hinterbliebene der toten Kameraden, die ein Anrecht auf Antworten haben. Doch genau das wird ihnen von der Shalit – Familie genommen. 

Link:

Die vergessenen gefallenen Soldaten: Chanan Barak & Pavel Slutzker

Hitzewelle in Israel


Trockenes Gras: In Israel keine Seltenheit


Photos: Miriam Woelke
B"H 

Seit ein paar Tagen herrscht einmal wieder Hitzewelle in Israel. Temperaturen zwischen 34 – 40 Grad Celsius und seit Donnerstag stöhnt auch Jerusalem. Der Unterschied zwischen der Sonne in Tel Aviv und Jerusalem besteht darin, dass die Strahlen in der Hauptstadt viel mehr auf der Haut brennen. In Tel Aviv dagegen bemerkt man die stechende Sonne wegen der hohen Luftfeuchtigkeit weniger. Was die hohe UV – Strahlung jedoch nicht verringert. 

In Jerusalem ist es derzeit teilweise unmöglich, längere Zeit im Freien herumzulaufen, denn die Sonne brennt sich direkt in die Haut ein. Besonders um die Mittags – sowie Nachmittagszeit, sollte man die Sonne meiden. Wer kann, der rette sich in Räume oder Busse mit Klimaanlagen. 

G – tt sei Dank habe ich bei mir daheim noch keine der dicken Kakerlaken entdeckt, dafür sprühe ich in Bad und Kücke mit Insektenvernichtungsmittel gegen die Ameisen. Deutsche meinen oft, dass dort, wo sich Kakerlaken und Ameisen tummeln, automatisch eine dreckige Wohnung vorzufinden ist. In Israel hingegen sind die Viecher in den heissen Sommermonaten ganz normal und jeder hat sie bei sich daheim. Die Kammerjäger haben Hochkonjunktur und machen viel Geld. 

Abends wird es dann richtig ätzend, wenn bei Licht auch noch de Mücken einfallen und gemein zustechen. 

Bis mindestens morgen soll die Hitzewelle noch anhalten und mir graut davor, heute abend meine Tür aufzuschliessen und in einen Backofen zu treten.

Das Jerusalemer AVRAHAM HOSTEL am Schabbat

B"H 

Das AVRAHAM HOSTEL in Jerusalem gehört zu den besten in Israel. Hostelworld sowie Hostelbookers loben das Hostel bis in den Himmel hinein. 

Als ich im Mai ein paar Tage auf den Einzug in meine neue Wohnung warten musste, checkte ich für die Tage ins Avraham Hostel ein und war begeistert. Ich hatte mir ein Privatzimmer genommen, welches recht groß und geräumig war. Der Preis stimmte und das morgentliche Frühstücksbufett war mehr als reichlich. 

Vielerorts wird über das AVRAHAM HOSTEL berichtet, doch eines, was nie zur Sprache kommt, möchte ich unbedingt erwähnen. Offenbar hat keiner der anderen Berichterstatter je in dem Hostel übernachtet, sondern sich nur mündlich Inhalte erzählen lassen. Ich meinerseits war selber Gast und obwohl das Avraham wirklich super ist, so hat es dennoch seine Problemchen am Schabbat. 

Ein religiöser Jude mag am Schabbat auf ungeahnte Schwierigkeiten stossen. Okay, der Fahrstuhl muss nicht benutzt werden und man kann die Treppen bis hinauf in den 3. Stock erklimmen. Die Eingangstür zum Hostel ist da schon ein bisschen komplizierter, denn die kann von innen nur per Knopfdruck geöffnet werden. Wer von draußen hinein will, der muss nicht selten erst die Rezeption anläuten, welche daraufhin per Buzzer die Tür öffnet. 

Ich erwähne dies nur, damit relig. Juden wissen, was sie so ungefähr zu erwarten haben und sich ggf. darauf vorbereiten, wenn sie denn den Schabbat im Hostel verbringen. Ansonsten bietet das Hostel für den Touristen interessante Ausflüge wie Pub Crawl, eine Altstadttour, Karaoke, Filmeabend oder eine Tour über den benachbarten Machane Yehudah Markt. Einige Ausflüge und hauseigene Kurse (wie israelisch kochen) sind umsonst. Andere hingegen verlangen einen kleinen Unkostenbeitrag.

Zum Tod eines Freundes

B"H 

Es ist immer eine heikele Angelegenheit, am Schabbat traurige Geschehnisse zur Sprache zu bringen. Im Judentum wird der Schabbat als ein freudiger Tag betrachtet, an dem sämtliche weltlichen Dinge (Geldsorgen, Geld und Business überhaupt, Vertragsabschlüsse, Arbeit, etc.) ad acta gelegt werden sollten. Nicht vergessen, sondern man beschäftigt sich an den Stunden des Schabbat nicht damit, um eben den Schabbat geniessen zu können. Nach Schabbatende kann sich jeder immer noch genug sorgen bzw. in den Alltag zurückkehren. 

Gestern war ich bei einem Schabbatessen, während dessen Verlauf dennoch ein Todesfall zur Sprache kam. Schon allein aus dem Grund, weil heute abend die Beerdigung stattfindet. Ein Bekannter von mir verstarb in der letzten Woche. Urplötzlich und im Alter von 38 Jahren. Ein gebürtiger amerikanischer Jude, nach Israel eingewandert und er studierte Gesang und Theaterwissenschaften an der Hebrew University in Jerusalem. Er erlangte seinen Abschluss und unterrichtete seit kurzem autistische Kinder anhand von Musiktherapien. 

In der vergangenen Woche wurde er tot in seinem Apartment aufgefunden, wo er offenbar bereits mehrere Tage unentdeckt gelegen hatte. Derjenige, der den Tod meines Bekannten gestern zur Sprache brachte, wusste nicht genau, ob Herzversagen oder Diabetes die Todesursache war. Nach all der Erschütterung über den Tod von Moshe begann jeder der Anwesenden, sich so seine eigenen Gedanken zu machen. Jeder Mensch denkt doch im Grunde an seine eigenen Sorgen, an sein Leben und macht Pläne. Dabei zieht keiner von uns in Betracht, morgen vielleicht gar nicht mehr am Leben zu sein. Geld, Job, Karriere, tolle Wohnung, neues Auto, tollen Urlaub … dies scheinen die Lebensinhalte der meisten Leute zu sein, doch niemand will sich so recht mit dem Gedanken beschäftigen, einmal nicht mehr da zu sein. 

Plötzlich ging uns dies alles durch den Kopf, denn wer hätte gedacht, dass der 38 – jährige sportliche Moshe einfach so stirbt ? In der heutigen Zeit leben viele Menschen allein in ihren Wohnungen und vielleicht sollten wir Freunde und Bekannte einfach des Öfteren anrufen und nach dem Wohlbefinden fragen. Natürlich kann jeder sterben und ewig anrufen und sich erkundigen nützt im Endeffekt auch nichts. Andererseits bewirkt ein Anfruf bei vielen Menschen ein Gefühl der Freude, dass da jemand da ist, der mit einem sprechen will. Manchmal kann ein einziger Anruf eine ganze Welt verändern.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Wochenende


Jaffa Road in Downtown Jerusalem heute abend. Um die Straßenbahnschienen gibt es keinerlei Absperrungen und so hüpfen die Leute halt so mittendrin über die Schienen. Trotz Ampeln.

Photo: Miriam Woelke

B"H 

Ein heisser Tag geht dem Ende entgegen und ich bin froh, dass die brennende Sonne endlich untergeht. 30 Grad Celsius durchlitten wir heute in Jerusalem und momentan kommt die berühmte Jerusalemer Abendbrise hervor. 

Donnerstag abend und das Nachtleben beginnt allmählich, denn viele Israelis müssen am Freitag nicht arbeiten. Es sei denn, man arbeitet in der Gastronomie oder im Verkauf. Gestern abend war ich mit Freunden in der Jerusalemer Emek Refa’im Street, im nobleren Alt – Katamon / German Colony, bummeln. Obwohl ich nicht allzu weit entfernt wohne, zieht es mich so gut wie nie in die Emek Refa’im. Ganz einfach, weil dort Leute verkehren, die mir nicht gerade zusagen. Betuchtere amerikanische Einwanderer und alles, was gesehen werden will. Viele jüngere Leute, die entweder Geld haben oder zumindest so tun. 

Viele Neuheiten bietet die Emek Refa’im. Vom Waffle Snack über Asian Food bis hin zu all den vielen und teuren Cafes. Alles ganz nett, aber zu sehr auf Geld und möchtegern getrimmt. 

Meinen Plan, in die Siedlung Beit El zu fahren, um über die anstehende Räumung des Ulpana – Stadtteiles zu berichten, musste ich diese Woche ad acta legen und auf übernächste Woche verschieben. Ich hatte zu viel Arbeit und nächsten Sonntag sowie Mittwoch stehen anderweitige Termine an. Einmal ein Event bei einer deutschen Einrichtung in Jerusalem samt Bürgermeister Nir Barkat und danach eine Fahrt zum Grab der biblischen Rachel außerhalb von Bethlehem. Über all das berichte ich in der nächsten Woche. 

Jetzt aber geniesse ich erst einmal den Jerusalemer Abend und morgen wird vor dem Schabbat Wohnung geputzt !

Bild des Tages


Gesehen im Stadtteil Nachlaot / Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

Tel Aviv ist schwarz

B"H  

Inzwischen rollte in den Städten Eilat und Tel Aviv eine mindere Abschiebewelle illegaler Afrikaner an. Afrikaner aus dem Süden des Sudan sollen sich entweder freillig zur Abschiebung melden. Dann gibt es einen Gratisflug und dazu 1000 Euro Taschengeld in Cash. Welches andere Land zeigt sich dermassen spendabel bei der Abschiebung illegaler ? Uns kostet der "afrikanische Spass" Unmengen an Steuergeldern, die hier verschwendet werden. 

Diejenigen, die sich nicht freiwillig melden werden verhaftet und abgeschoben. Ohne Cash, aber ein Gratisflug ist doch auch etwas. 

Noch nicht einmal 100 Sudaner wurden in beiden Städten verhaftet. 50 oder 60 bisher und viele Teile der Welt laufen bereits Amok, wie denn Israel mit seinen Asylanten umgehe. Dabei handelt es sich bei der Mehrheit der Afrikaner um keine Asylanten und sie sind noch nicht einmal von der UNO als solches anerkannt. Wirtschaftsflüchtlinge auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. Deswegen sind sie in Israel. Wenn Europa die Afrikaner so bemitleidet, dann nehmt sie doch selber auf. Viel Spass dabei ! 

Die Tel Aviver Polizei jedenfalls verkündete, dass selbst wenn 8000 Süd - Sudaner abgeschoben werden, dies lediglich Tropfen auf den heissen Stein der Misere darstelle. Täglich stehen neue Afrikaner auf der Matte. Jene, die ägyptischen Schleusern (zumeist Beduinen) 5000 Dollar zahlen, um schwarz über die Grenze nach Israel zu gelangen. Ohne Schleuser kommt niemand durch und da stellt sich automatisch die Frage, woher ein Afrikaner die 5000 Dollar für einen Schleuser nimmt ? 

Die Lage in Tel Aviv ist besonders fatal, denn immerhin sind drei Stadtteile fast schwarz. Kaum ein Weisser traut sich nach Einbruch der Dunkelheit mehr nach Neve She’anan, Shapira oder Teile der Schechunat HaTikwah. Tendenz: Immer mehr Afrikaner werden immer mehr Platz brauchen und demnach weitere Teile der Stadt einnehmen. 

Wer sich in der Lewinsky Street, Shomron Street oder Finn umschaut, der findet zumeist Afrikaner als Geschäftsinhaber. Israelis geben nach und nach ihre Geschäfte auf, denn weisse Kundschaft traut sich nicht mehr in die Umgebung. Ein Geschäftsinhaber in der Lewinsky sagte einer israelischen Tageszeitung, dass täglich mehrere Afrikaner in seinen Laden kommen und fragen, wann er endlich aufgibt und abhaut. Sie wollen den Laden übernehmen. 

40,000 Afrikaner leben allein in Tel Aviv und täglich werden es mehr. Die Bevölkerung hat dermassen die Nase voll, dass dies kaum mehr zu beschreiben ist. Einige sehen sogar schon einen Bürgerkrieg kommen, denn die Mehrheit der Afrikaner will sich partout nicht abschieben lassen. Man will bleiben und sich über die dummen Israelis, die eh schon von der Welt angefeindet werden, lachen.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Markthändler gegen BALABASTA


Auf dem Machane Yehudah Markt

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Die Händler des Jerusalemer Machane Yehudah Marktes gehen allmählich auf die Barrikaden. In diesem Sommer organisiert das Rathaus erneut den offenen Markt auf dem Machane Yehudah. Jeden Montag abend wird der Schuk (arabisches Wort für Markt) zum sommerlichen Freilandfestival. Dann haben viele der Stände bis gegen 22.00 Uhr geöffnet und an jeder Ecke finden besondere Aktivitäten statt. Konzerte und anderweitige Shows. Immerhin stellt der Machane Yehudah ein wichtiges Kulturgut der Stadt. 

Da ich längere Zeit in der Umgebung gewohnt und gearbeitet habe, ist der Markt für mich ein Stück Heimat geworden. Hätte ich eine Wohnung im benachbarten Stadtteil Nachlaot gefunden und nicht viel weiter weg in einem Nobelviertel, dann wäre Ersteres meine Wahl gewesen. Trotz Abfall – und Abgasgestank, trotz Lärm oder den Menschenmassen. Auf dem Markt fühle ich mich wohl und außerdem wurde er längst mein Vergnügungsviertel Nummer 1. Nicht nur wegen der neu eröffneten Cafes und Restaurants, sondern ebenfalls wegen der Fish & Chips und aktuell dem neuen Beer & Burger. 

Der Markt hat Flair und man muss ihn lieben, um dies zu geniessen. Die weitgehend irakischen Händler, ihre konservativen Stimmungen und wer das Politbild Jerusalems sucht, der gehe auf den Markt. Der Nachteil ist, dass es immer mehr Touristen zum Machane Yehudah zieht, die da wenig oder gar nicht kaufen, sondern nur schauen. Die Händler wiederum haben es satt, ständig, wie ein Affe im Zoo, begafft zu werden. Was sie wollen ist Kundschaft und keine Touristengruppen. 

In diesem Sommer also macht die Stadtverwaltung den Schuk einmal pro Woche zum Rummelplatz. Montags ist Actiontag und von überall her kommen die Besucher angerollt. Besonders sprechen sich die Markthändler gegen Besucher aus Tel Aviv aus, denn die kaufen nichts, sondern bestaunen Jerusalem als museumsreifes Antiquariat. BALABASTA, so der Name des anstehenden Festival und die Markthändler würden es am liebsten abschaffen und ihre Bastot (Marktstände) nur zum Verkauf benutzen anstatt zum Anschauungsobjekt zu werden. 

Meine Markteinkäufe zum Schabbat erledige ich bereits am Donnerstag, denn freitags ist absolut kein Durchkommen mehr auf dem Markt. Dann nämlich rollen die Touristengruppen an, um die Israelis beim Schabbateinkauf anzuglotzen. Dabei an erster Stelle die Jugendgruppen des jüdischen BIRTHRIGHT (TAGLIT). Das Resultat ist, dass man an keinen Stand mehr herankommt. Vom Einkaufen erst gar nicht zu reden. 

Trotz aller Aufregung, Balabasta wird auch in diesem August wieder Tausende Besucher anziehen und vielleicht kaufen die ja hier und da auch eine Tomate.

Das Jerusalemer LIGHT FESTIVAL, Teil 2

B"H

Zum ersten Teil der LIGHT FESTIVAL Serie geht es HIER !



Nachdem wir vor dem Jaffa Tor zur Altstadt den Lichterdom bewunderten, gehen wir jetzt hinein in die Altstadt.



Im Armenischen Altstadtviertel (hinter der Polizeistation Jaffa Tor) werden wir mit recht alienmässig wirkenden Lichtern konfrontiert.





Kurz darauf sehen wir einen Baum mit Lichtern, die herunterzufallen scheinen. Immer wieder gehen sie aus, um dann von oben nach unten herabzufallen. Eine tolle Show, aber schwer zu photographieren.



Ein paar Meter weiter betrachten wir die Installation "Faces of Jerusalem". Manche Gesichter sind ganz nett gemacht, doch an dem "Kunstwerk" hat mich eigentlich nichts gereizt.







Und weiter gehts durchs Armenische Viertel bis hin zum Zionsberg.



Nahe dem jüdischen Viertel erfolgte eine Installation an der Altstadtmauer, die ich nicht ganz verstand. Offiziell heisst es, die Installation habe etwas mit einem Piano zu tun. Was genau, blieb mir schleierhaft.



Und dann am Cardo vorbei, dessen Außenteil gerade restauriert wird. Als ich mit Freunden dort entlang schlenderte, kam der Hunger auf. Israelis ist das Essen ungemein wichtig und nach all den wenigen Metern hielten wir Ausschau nach Fressalien und einem Kaffee. Und Beides fanden wir dann auch. Sogar zu einem erschwinglichen Preis, denn das juedische Altstadtviertel erweist sich normalerweise als völlig überteuert.

Photos: Miriam Woelke

Teil 3 erfolgt in ein paar Tagen !

12 Jahre Aliyah


 Jerusalem Stadteinfahrt / Kreuzung Sderot Herzl

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Mitte dieses Monats begehe ich mein 12. Aliyah – Jubiläum. Ganze zwölf Jahre ist es her, seitdem ich Deutschland verliess und offiziell nach Israel einwanderte. Völlig neu war mir das Land im Juni 2000 nicht, denn zuvor hatte ich bereits mehrere Jahre in Israel gelebt. Die meiste Zeit davon in Jerusalem. Als ich nach etwas mehr als zwei Jahren Deutschlandaufenthalt offiziell einwanderte, war ich der hebräischen Sprache mächtig, kannte Land und Leute und hatte viele Freunde. 

Als ich in Frankfurt ins Flugzeug stieg, wusste ich, dass ich lange Zeit nicht nach Deutschland zurückkehren werde. Dieses Gefühl hat sich bis heute bewahrheitet, denn seitdem habe ich keinen deutschen Boden mehr betreten. Es ergab sich nie und es drängte mich auch nie danach. Am Geld liegt es gewiss nicht, doch es zieht mich absolut nichts nach Deutschland. Wen ich vermisse, sind Teile der Familie, doch mein Bruder hat wieder einmal versprochen, im Herbst nach Israel zu kommen und somit brauche ich nicht nach Deutschland zu fahren. 

Das Land, welches ich im Sommer 2000 verlassen habe, gibt es heute eh nicht mehr. Damals zahlten wir noch in DM, es gab Karstadt, Hartz IV war unbekannt, denn es hiess Sozialhilfe. Damals wurde noch fest eingestellt und weniger auf Zeitvertrag oder Praktikum gemacht. Lang lang ists her … 

Den Schritt nach Israel auszuwandern habe ich nie bereut, obwohl es in Israel nicht immer leicht ist. Hierzulande wartet niemand auf einen Neueinwanderer und man muss sich schon allein etablieren. Viele Leute scheitern, da sie ganz einfach mit der Mentalität, der Sprache oder dem Leben hier nicht klarkommen. Bei mir war es umgekehrt: Ich kam mit den Menschen in Deutschland nicht klar, dafür hier aber umso besser. 

Mein deutscher Pass ist futsch und ich bin "nur" noch Israeli. Nicht nur der Staatsbürgerschaft wegen, sondern nach all den Jahren schwindet die deutsche Mentalität und der Charakter der neuen Heimat kriecht hervor. Allein deswegen ist meine neue Wohnung immer noch unaufgeräumt, obwohl ich mir jeden Tag vornehme zu putzen, endlich mein Namensschild anzubringen und den Duschvorhang auszuwechseln. Naja, morgen ist auch ein Tag und bis zum Schabbat habe ich noch ein paar Stündchen Aufräumzeit.

Dienstag, 12. Juni 2012

Leserfrage: Kibbutz für Senioren ?

B"H

Jemand stiess auf diesen Blog, indem er die Keywords: "Kibbutz für Senioren" googelte. 

Soweit mir bekannt ist, besteht bei den israelischen Kibbutzim ein alterbedingtes Aufnahmelimit. Somit sollte man weder als Volontär noch als potentielles Kibbutzmitglied älter als 35 Jahre sein. Sagen wir: Das vierzigste Lebensalter nicht überschritten haben. 

Senioren werden in der Regel kein Kibbutzmitglied mehr, denn ein Kibbutz beruht auf Produktivität und ist kein Spa für ältere Herrschaften. Dagegen werden die kibbutzeigenen Senioren bestens betreut und versorgt. Jene Senioren, die seit ihrer Jugend Kibbutzmitglieder sind und den Kibbutz aufbauten. 

Wonach sich auswärtige Pensionäre dennoch erkundigen können: 
Nach Mietwohnungen im Kibbutz. Viele Kibbutzim vermieten mittlerweile zahlreiche Häuser und dies vor allem an Auswärtige. Hierbei dürfte jedoch eine Warteliste anstehen, denn die Nachfrage nach Kibbutzwohnungen liegt recht hoch. Insbesondere bei Israelis aus der Stadt, die ein ruhiges Landleben suchen. 

Eines aber sei zu beachten: Wer sich ein Haus in einem Kibbutz mietet, ist nicht automatisch Kibbutzmitglied ! Zwar werden Häuser / Wohnungen an Auswärtige vermietet, doch weder sind die neuen Mitbewohner Mitglied des Kibbutz, noch erhalten sie das Recht, den Kibbutzspeisesaal oder anderweitige Einrichtungen zu nutzen. Dies jedoch sollte jeder neue Bewohner mit dem jeweiligen Kibbutz selbst abklären !

Link:

Hass Graffitis im Yad Vashem

B"H

Es erstaunt mich, wie viele Leute nach Einzelheiten zu den gestern aufgetauchten Hass Graffitis im Jerusalemer Holocaust – Museum Yad Vashem googelten. 

Vielerseits steht in der israelischen Presse der Schuldige bereits fest: Super ultra – orthodoxe Juden, die sich einmal wieder antizionistisch äußern. Einige deutsche Nachrichtensites geiferten gleich mit, obwohl sie vom ultra – orthodoxen Judentum absolut keine Ahnung haben. Aber sobald es um Haredim (ultra – orthodoxe Juden) oder Siedler geht, ist die deutsche Presse immer mit ihrer gewohnten Hetze vorne dran. Da wird auch gar kein Unterschied zwischen nationalrelig. und ultra – orthodoxen Juden gemacht. Hauptsache, es geht gegen diese komischen Juden, die da so seltsame Klamotten tragen und noch leben wie vor 500 Jahren. Mit so komischen Ideologien. Thora und halt fundamentalistisch.

Tatsache ist, dass bisher noch kein Täter gefunden worden ist und alle Verdächtigungen auf Spekulationen beruhen. 

Warum diverse ultra – orthodoxe Juden sich gegen den heutigen Staat Israel aussprechen ? Einen kleinen Einblick vermittle ich hier:



Und einer der gefragtesten Artikel auf meinem englischen Blog, doch hier in einer deutschen Version: 



Allerdings warne ich davor, sich aus meinen Inhalten zum Antizionismus etwas herauszupicken und meinen, es zu verstehen. Das Thema ist recht lang und wer dazu mehr wissen will, der kann gerne bei mir oder bei kenntnisreichen Rabbinern nachfragen.  

Jerusalem by Night


Blick auf das arabische Dorf Silwan, welches Teil der Jerusalemer Altstadt ist. 










Photos: Miriam Woelke