Sonntag, 15. Juli 2007

Ankuendigungen

B"H

1. Heute Abend um 18.00 Uhr (israel.Zeit) beginnt die Vereidigungszeremonie des neunten israel. Praesidenten Shimon Peres.

2. Ab dem 31. August wird es eine Bahnlinie zwischen Tel Aviv und der Stadt Modi'in geben. Modi'in ist wie Beit Shemesh eine der begehrtesten Staedte Israels und viele Leute moechten am liebsten dort wohnen.
Nach wie vor sind die Mieten und Wohungskaufpreise erschwinglich und Einkaufszentren wurden auch errichtet. Vor allem bei amerikan. Neueinwanderern erfreut sich Modi'in grosser Beliebtheit. Die Stadt liegt zwischen Tel Aviv und Jerusalem, nicht allzu weit entfernt vom Flughafen Ben Gurion. Ihre Lage macht sie fuer Pendler sehr attraktiv.

Mit der Eroeffnung der neuen Bahnlinie fallen die Staus auf den Strassen weg und Tel Aviv laesst sich bequem erreichen.

Das neue Projekt

B"H

Wie ich schon berichtete, gibt es in Jerusalem ein neues Projekt, welches leider nur auf diesen Sommer begrenzt ist. Man ueberlegt aber, es auch im Winter weiterlaufen zu lassen.

Die Rede ist von einigen speziell eingerichteten Stadtbuslinien, welche die ganze Nacht ueber durchfahren. Bisher mussten die Nachtschwaermer immer puenktlich um Mitternacht an der Bushaltestelle sein, um nicht den letzten Bus zu verpassen. Falls es doch geschah, kassierten die Taxifahrer riesig ab.
Nun sind die Leute begeistert, denn die Nachtbusse fahren zum Normaltarif (5,50 Shekel) und ein jeder kann sich das teure Taxigeld sparen.

Aber schon klagen die Taxifahrer, dass die Stadtverwaltung und die staatliche Busgesellschaft EGGED ihnen ihr Einkommen wegnehmen. All das Jammern nuetzt den Taxifahrern nichts. Die Buskunden sind hoechst zufrieden und niemand weint dem Taxiwucher auch nur eine Traene nach.

Freitag, 13. Juli 2007

Neue Grabungen auf dem Tempelberg

B"H

Ich bin mir fast sicher, dass niemand von Euch von den neuen Grabungen auf dem Tempelberg gehoert hat. Sogar in der israelischen Presse ging das Thema fast unter.
Dafuer gab es vor Monaten umso mehr Schlagzeilen als Israel eine neue Bruecke von der Klagemauer hinauf zum Tempelberg baute.

Die alte Bruecke war mehr als drei Jahre zuvor nach einem Erdbeben zusammen gefallen. Zwischenzeitlich behalf man sich mit einer provisorischen Bruecke und dann begann Israel, eine neue Bruecke zu bauen.

Die Palaestinenser regten sich so erfolgreich auf, dass die gesamte Weltpresse anrueckte. BBC, CCN, EuroNews etc. Sie behaupteten, dass Israel den Tempelberg erstuermen will und ausserdem wichtige muslimische heilige Staetten vernichten will.
Nichts davon erwies sich als wahr und als das geschah, zog die Weltpresse enttaeuscht davon. No news any more.

Mittlerweile ist die Bruecke fertig gestellt und niemand spricht mehr davon. Doch jetzt haben die Palaestinenser begonnen, einen tiefen Graben von der Nordseite des Tempelberges bis zum Felsendom zu ziehen. Mit Erlaubnis der israel. Polizei uebrigens.
Allerdings fragte niemand Archaeologen oder andere Einrichtungen, ob das Vorhaben nicht eine Gefahr fuer die Archaeologie darstelle. Schon seit geraumer Zeit versuchen die Palaestinenser wichtige Funde des Zweiten Tempels (70 n.d. Zeitrechnung von den Roemern zerstoert) verschwinden zu lassen und hinterher zu behaupten, dass es auf dem Tempelberg nie juedische Tempel gegeben habe.
Experten sehen die neuen Grabungen als einen neuen Versuch, Tempelreliqien verschwinden zu lassen.

Die Presse der Hizbollah

B"H

Ein Jahr nach Ausbruch des Libanon - Krieges meldete sich nun auch indirekt die Hizbollah zu Wort. Ein ihr nahestehender Journalist gab in Beirut Einzelheiten zum Entfuehrungsfall der zwei israel. Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev bekannt.

So haette die Hizbollah ueber Jahre hinweg israel. Militaerfahrzeuge an der Grenze ausspioniert. Wieviel Mann Besatzung, Waffen und Ziel.
Fuenf Hizbollah - Einheiten seien an der Entfuehrung der beiden Soldaten anwesendbeteilgt gewesen. Zuerst haette eine Einheit das Militaerfahrzeug der Grenzpatrouille in die Luft gesprengt, dann waeren die Leichen aussortiert worden und man nahm die beiden Ueberlebenden mit. Goldwasser und Regev seien verletzt gewesen. Nasrallah wollte nur lebende Soldaten, denn mit denen kann man mehr herauspressen.

Eine Stunde spaeter habe man Scheich Nasrallah informiert mit dem Satz:
"Das Geschenk ist angekommen".

Israel erwartet noch mehr Einzelheiten zu der Entfuehrung. Auch habe die Hizbollah ein internes Video darueber aufgenommen, welches sie natuerlich hueten wie einen Schatz.

Kurz gesagt

B"H

Am Sonntag wird Shimon Peres als neunter israel. Praesident in seinem Amt vereidigt.
Seine Frau Sonja weiss aus gesundheitlichen Gruenden noch nicht, ob sie an der Feier teilnehmen wird.
Ex - Praesident Moshe Katzav samt Ehefrau Gila haben schon abgesagt. Sie werden nicht an der Veranstaltung teilnehmen.


Bei einer Militaeraktion der israel. Armee im Gazastreifen wurde vorgestern Nacht ein Soldat der Eliteeinheit Givati von Hamas - Schuessen toedlich getroffen. Der Gefreite Arbel Reich ("zazal") ist der erste tote Soldat nach dem Abzug der Israelis aus Gush Katif im August 2005.


Die Baeckereien Berman und Angel befinden sich immer noch im Brotstreik. Auch an diesem Shabbat wird es keine weissen Challot (Shabbatbrote) geben.
Die beiden Grossbaeckereien fordern von der Regierung, den staatlich festgelegten Brotpreis um 8.3 % zu erhoehen.


Die Frauen im Park sind nach wie vor im Park , ohne das eine Loesung gefunden wurde. Immer mehr kleine Zelte werden aufgestellt. Die obdachlosen Frauen fordern Sozialwohnungen von der Stadt Jerusalem. Sie nennen ihren Kampf "Kampf gegen den wirtschaftlichen Terror".

Donnerstag, 12. Juli 2007

Der Sommer

B"H

Die Zeitungen kennen derweil nur ein Thema; den Jahrestag des Libanon - Krieges. Gross wurde heute berichtet. Wie sich das Trauma bis heute auf die Armee auswirkt. Im Radio wird staendig die Nummer einer Hotline wiederholt, welche Soldaten mit Trauma anrufen koennen. Psychologische Hilfe stehe bereit.

Artikel ueber gefallene Soldaten, Generaele, Zivilbevoelkerung, Katyusha - Opfer und und und. Im Hintergrund wird staendig der wohl zu erwartende Krieg mit Syrien erwaehnt. Keine Sorge, wir haben alles im Griff, so die Armee.
Dagegen spekuliert man schon ueber eine neue Entfuehrung von israel. Soldaten durch die Hizbollah. Alles sei nur eine Frage der Zeit, so einige Soldaten zur groessten israel. Tageszeitung YEDIOT ACHARONOT.

Ehud Olmert bietet Syrien unentwegt Friedensgespraeche an und Aussenministerin Zipi Livni hat heute wieder quergeschlagen. Sie ist gegen jegliche Gespraeche mit den Syrern, denn die wuerden Terroristen unterstuetzen.
Da bin ich mit Zipi einmal einer Meinung, aber Olmert regte sich sogleich wieder ueber seine "Untergebene" auf.

Diese Schlagzeilen haben sogar die Sexskandale von Knessetmitgliedern aus den Schlagzeilen verdraengt.
Mich interessierte aber heute ganz etwas anderes in der Zeitung. Ein laengerer Artikel, der fast verlorengeht inmitten der Schlagzeilen. Dabei ist das Thema in jedem Sommer allgegenwaertig in unserem Land. Die Schulferien.

Ferien sind etwas Tolles, so denken jetzt bestimmt viele. Nicht so in Israel, denn hier gibt es landesweit fast drei Monate (bis zum 2. Sept. in diesem Jahr) Sommerferien. Von den religioesen Schulen einmal abgesehen, denn die dortigen Schueler haben wesentlich kuerzere Ferien.

Was sollen die Kids bloss mit all der Freizeit anstellen ? Ausschlafen und dann rumgammeln ?
Die Eltern machen sich Sorgen, denn schliesslich sind sie ja den ganzen Tag auf der Arbeit und wer weiss, was die Kids daheim alles anstellen.
Kaum ein Kids in Israel, der kein Handy hat, und so rufen die Eltern staendig an und fragen, wo ihre lieben Kleinen sind und was sie machen. Nur nicht auf der Strasse herumhaengen, denn da kommt man auf dumme Gedanken.

Was bleibt ? TV oder PC ? Freunde treffen und was dann ?
Die Eltern haben die immer waehrenden Geldforderungen der Kids satt. Jeden Tag Kino und Shopping - Mall kommt nicht in Frage.
Da bleibt nur noch die Idee des Kaitana, des Ferienlagers. Wer etwas Geld investiert, der weiss seine Kids fuer einige Stunden am Tag gut aufgehoben. Fuer jedes Interesse ist etwas dabei und die Religioesen bieten Billigtarife an.

Fast jedes Jahr kommt erneut die Diskussion auf, ob man die Sommerferien nicht verkuerzen soll. Die Eltern waeren heilfroh und die Kids vielleicht auch.
In vielen Landesteilen regen sich Leute wegen naechtlicher Ruhestoerung auf. Jugendliche betrinken sich und bruellen in den Nachbarschaften herum. Sie sitzen an auf Gehsteigen oder Parkbaenken und belaestigen die Bettruhe der Nachbarn.
In Ramat Gan, Beer Sheva und anderen Staedten muss die Polizei extra Streife fahren, um die Nachtschwaermer zur Ruhe zu bewegen.
Viele Anwohner haben sich schon damit abgefunden, bis zum 2. September keinen richtigen Schlaf zu haben.

Existenzrecht

B"H

Das bisherige Ergebnis der Umfrage erstaunt mich so ziemlich. Alle sprechen Israel ein Existenzrecht zu. Eigentlich haette ich ein anderes Ergebnis erwartet, da ich schon des oefteren diverse Schmaehbriefe erhielt.

Aber wie gestern Noktavian in einem Comment richtig feststellte, ist die Umfrage leider nicht repraesentativ.

Mittwoch, 11. Juli 2007

Erster Jahrestag

B"H

Vor einem Jahr brach der zweite Libanon - Krieg aus. In der Politik, der Armee und der Bevoelkerung fragt man sich gerade heute, was sich in diesem einem Jahr veraendert hat. Sie wir besser gewappnet fuer einen eventuellen naechsten Krieg oder ist alles beim Alten und Chaos ?

Der TV - Sender Arutz 10 machte eine Umfrage und das Ergebnis war, dass 60 % keine Verbesserung im Zivilschutz sehen. Was u.a. beinhaltet, dass die Bunkersituation teilweise katastrophal geblieben ist.
50 % erwarten keinen neuen Krieg in diesem Sommer, 35 % dagegen doch.

Ein Bericht des Senders kam von der Nordgrenze zum Libanon, wo gespannte Ruhe herrscht. Ja, man wuerde die UN - Soldaten oft sehen, die Hizbollah dagegen weniger, aber sie sind anwesend, so ein Offizier der israel. Armee.
Die Kamera richtete sich auf den Libanon und dort war nicht allzu weit entfernt eine gelbe Hizbollah - Flagge zu erkennen. Unter den Augen der UNO. Was haette man auch anders erwarten sollen ?
Bereit fuer einen neuen Krieg in diesem Sommer sei die Hizbollah noch nicht, denn dann haetten sie die liban. Zivilbevoelkerung gegen sich, so ein israel. Militaerexperte.

Mehr Action dagegen auf dem Golan, an der Grenze zu Syrien. Die Syrer stationieren immer mehr Truppen und die israel. Armee fuehrte daraufhin Manoever durch. Man will auf einen neuen Krieg besser vorbereitet sein.
Ehud Olmert sagte, dass er mit den Syrern direkt verhandeln wolle, doch die wollen alles ueber die USA laufen lassen. Allerdings weigern sich die USA mit den Syrern ueberhaupt zu reden und so geschieht erst einmal gar nichts.

Die befragten israel. Manoeversoldaten wussten auch keine Antwort darauf, was die Zukunft bringt. Vorsichtshalber aber wurden die Schuetzengraeben schon einmal saubergemacht.

Neuer Skandal um Chaim Ramon

B"H

Seit einer Woche ist Chaim Ramon der neue Stellvertreter Ehud Olmerts und schon steht ein neuer Skandal vor der Tuer, den die Presse heute genuesslich ausschlachtet.

Vor Monaten wurde Chaim Ramon von einem Gericht von dem Vorwurf freigesprochen, eine Mitarbeiterin sexuell belaestigt zu haben. Offiziell heisst der Skandal "die Kussaffaere". Die Angestellte behauptete, dass Chaim Ramon sie umarmt und zum Kuss gezwungen haette.
Trotz allen Anschuldigungen wurde er freigesprochen und er kehrte zurueck in die hohe Politik.

Nun kamen neue Enthuellungen ans Licht. Ramon haette ueber einen Freund eine Privatdetektei (Inhaberin Dana Ben Shushan) beauftragt, die Klaegerin unglaubwuerdig erscheinen zu lassen. Die Detektive sollten alle nur moegliche Schmutzwaesche ueber die Klaegerin ausgraben und so Ramon zum Freispruch verhelfen.

Chaim Ramon streitet alles ab und die Presse bleibt weiter am Ball.


Mein Vorschlag waere, die Detektivin Dana Ben Shushan als Bond - Girl zu engagieren. Wer sie auf den Photos in den Zeitungen sieht, der stimmt mit mir ueberein. Blond, schoen und gerissen. Wer der Dame begegnet, der braucht nicht lange auf einen Karateschlag warten.

Neue Abstimmungsfrage

B"H

In der gestrigen HAARETZ las ich einen laengeren Bericht, in dem ein Professor der amerikanisch - jued. Brandeis University berichtete, dass die Anzweifelung des Existenzrechtes des Staates Israel schon lange nicht mehr nur ein europ. Problem sei. Immer mehr amerik. Intellektuelle wuerde die gleiche Haltung einnehmen und sich pro - palaestinensisch zeigen.

Aus Neugier habe ich in dem Blog die Umfrage gestartet.

Dienstag, 10. Juli 2007

Klatsch an der Bushaltestelle

B"H

Wer in Israel Klatsch oder Meinungen hoeren will, der stelle sich an belebte Bushaltestellen. Keiner steht lange einsam herum wie in anderen Laendern; nein, in Israel kommen die Leute sehr schnell ins Gespraech. Manchmal zu schnell.
Egal, um welches Thema es sich handelt, jeder hat zu allem eine Meinung und natuerlich viel zu sagen.

Heute frueh kam ich an eine Bushaltestelle und zwei sephardische aeltere Damen befanden sich mitten in einer Laesterei. Oft kommt es vor, dass ich diese Art der "sephardischen aelteren Hausfrau" nicht ausstehen kann. Ja, ich weiss, ich bin wieder einmal mehr rassistisch.

Eine aeltere sephardische Hausfrau, egal ob Marokkanerin, Kurdin oder Irakerin wuenscht sich immer nur eines fuer ihre Soehne. Eine junge sephardische Ehefrau, die kochen kann, der Schwiegermutter gegenueber die Klappe haelt, den ganzen Tag rumschrubbt und dem Ehegatten alles vor die Nase traegt.
Genau diesen Typ Frau traf ich heute beim Laestern an der Haltestelle.

Thema waren die heutigen jungen Frauen und das die alle schuld seien, dass unser Ex - Praesident Moshe Katzav zum Sexualtaeter mutierte. "Wenn sich die Frauen auch so anziehen, dann kann der Mann da nicht widerstehen, so die eine Sephardin. Schau dir doch nur mal die jungen Frauen von heute an".
Sagte sie und deutete mit dem Finger auf voruebergehende Passantinnen.
"Der halbe Bauch schaut aus dem T-Shirt. Die sind ja alle halbnackt. Da muss man schon Verstaendnis fuer Katzav aufbringen."
Die andere Sephardin nickte eifrig.

Ich ueberlegte mir ernsthaft, den Hausfrauen jetzt einmal meine Meinung zu geigen, verkniff es mir jedoch. Ausserdem kam ihr Bus angerollt.
Mein Bus kam wenige Minuten spaeter und als ich verschwitzt einstieg, riss ich sogleich das Fenster neben mir auf. Die Klimaanlage funktionierte kaum und die Luft im Bus war zum Zerschneiden.
Vor mir sass eine junge Sephardin in ganz knappem aermellosen T-Shirt, die aergerlich das Fenster wieder zumachte. Ihr sei kalt, meinte sie.
Das Verhalten brachte mich so in Rage, dass ich ploetzlich zur sephardischen Hausfrau wurde.
"Dann zieh dich halt anstaendiger an", sagte ich ihr.

Das Fenster blieb uebrigens zu.

Pizza Pormaggio

B"H

In der King George 15, gegenueber dem Kaufhaus HaMashbir, hat eine neue Pizzeria aufgemacht.
Eine ganze belegte Pizza kostet 19,50 Shekel und ein Dreieck (Meshulash) kostet 7 Shekel.

Wer in Jerusalem ist und guenstig Pizza essen will, der kann in die King George gehen. Die Kundschaft scheint zufrieden zu sein, denn die Pizzeria war voll Leute und platzte aus allen Naehten.

Montag, 9. Juli 2007

Machtmonopol der Orthodoxen in Jerusalem ?

B"H

Fast haette ich es erwartet als ich die Frage fuer die dieswoechige Umfrage stellte. Die meisten von Euch sind der Meinung, dass orthodoxe Juden zuviel Macht in Jerusalem besitzen.
Nun, da ich auch der orthod. Zunft angehoere, gebe ich gleich einmal meinen Kommentar ab.

Wer als Tourist nach Jerusalem kommt, dem fallen sie sofort ueberall ins Auge. In Tel Aviv sieht man sie weniger, in der Nachbarstadt Bnei Brak dagegen fast nur. Fuer denjenigen der direkt aus Tel Aviv kommt, mag allein die Anzahl der Kipatraeger "ueberwaeltigend" wirken. Allein die Anzahl sagt aber noch lange nichts ueber die Machtposition in der Stadt aus.

So ist unser Buergermeister Uri Lupolianski selbst Haredi, doch die Haredim erkennen ihn alles andere als religioes an. Zum einen, weil Lupolianski erst spaeter in seinem Leben religioes wurde und zum zweiten weil er nach seiner Wahl bekannt gab, dass er der Buergermeister fuer alle sei. Einschliesslich nichtrelig. Juden und Palaestinenser.
Die Haredim haetten sich einen Buergermeister gewuenscht, der haerter durchgreift. Unkoschere Geschaefte schliesst oder das ueberhaupt alle Geschaefte im jued. Stadtteil am Shabbat geschlossen bleiben. Dieses ist jedoch nicht der Fall.

Der Einfluss der Religioesen ist also nicht ganz so gross wie viele meinen. Auch in Jerusalem entscheidet ein ganz normaler Stadtrat und nicht Mea Shearim.
Allerdings ist anzumerken, dass auf die Religieosen sehr viel Ruecksicht genommen wird. Vor allem muessen weniger Stadtsteuern (Arnona) gezahlt werden, was aber wiederum alle kinderreichen Familien betrifft.

Derzeit laufen Bauarbeiten um und in Jerusalem, da noch mehr haredische Stadtviertel gebaut werden. Ich weiss nicht, ob man das unbedingt als Machtfaktor einordnen soll, denn die Haredim benoetigen aufgrund ihrer Kinderzahl mehr Platz.

Ich bin mir augenblicklich nicht sicher, ob es eine genau Antwort gibt, finde die Abstimmung aber sehr interessant.

Das erste Mal

B"H

Als ich im Herbst 1987 das allererste Mal nach Jerusalem kam, war ich nicht besonders begeistert von der Stadt. Zuviel Chaos und alles war so unuebersichtlich, vor allem die Altstadt. Wer nicht aufpasst, der geht vor allem im arabischen Teil total verloren. Ausserdem bin ich kein Bazar - Typ und ich hasste den arab. Markt.

Danach kam ich ab und an nach Jerusalem und schraenkte meine Besuche auf die Neustadt ein. Als ich im Sommer 1995 in meinem letzten Kibbutz - Ulpan (Hebraeischsprachkurs) war, nahm jeder einzelne aus meiner Klasse an einem Seminar der Jewish Agency teil. Jede Woche fuhr abwechselnd eine kleine Gruppe nach Jerusalem und kam nach drei Tagen zurueck in den Kibbutz.

Zu fuenft kamen meine Gruppe und ich nach Jerusalem und zusammen mit anderen Leuten aus allen moeglichen Ulpanim wurden wir in einem guten Hotel im Jerusalemer Wald untergebracht. Ganz in der Naehe vom Haus des ehemaligen und verstorbenen Ministerpraesidenten Menachem Begin. Wir liebten das Hotel und vor allem das gute Essen. Wer einmal im Kibbutz war, der weiss, was ich meine. Zum Schluss wollten wir gar nicht mehr in den Kibbutz zurueck.

Einzig und allein den Seminaren der Jewish Agency und unserer Madricha (Guide) ist es zu verdanken, dass ich Jerusalem lieben lernte. Unsere drei Tage Aufenthalt waren vollgepackt mit Touren und Vortraegen. Vortraege ueber die Klagemauer, wie wichtig es sei in Israel zu leben und und und.
Auf den Touren fuehrte man uns zum Holocaust - Museum Yad Vashem, in die Altstadt, zu ehemaligen Kriegsschauplaetzen des Sechs - Tage - Krieges und in verschiedene Stadtteile. Den letzten Abend hatten wir mehr oder weniger zur freien Verfuegung und wir gingen geschlossen in die Ben Yehudah Mall in der Innenstadt.

Wer die Fussgaengerzone an einem warmen Sommerabend sieht, der verliebt sich automatisch in die Stadt. An jeder Ecke musizieren unterschiedliche Leute. Ganz aktuell sind die amerikanische Harfenspielerin, welche auch schon mal nebenbei noch auf ihrer Klarinette traellert sowie das kleine russische Ensemble mit Geige und Gitarre. Ein offensichtlich russischer Kunstmaler bietet Portraetmalerei an und weiter unten am Zion Square musizieren ein paar amerikanische hippieaehnliche Typen.
Wer einfach nur so dasitzen will, der kann seine Laptop mitbringen, denn in der Ben Yehudah kann sich jeder mit Internet - Karte mitten im Freien ins Internet einloggen. Surfen gratis.

Leider stellte die Jewish Agency diese Seminare kurz darauf ein. Wegen Geldmangels, so liess man verlauten.

Der Bau der Strassenbahn

B"H

Irgendwann im Jahr 2009 soll Jerusalem eine Strassenbahn erhalten. Gebaut wird schon sei Ewigkeiten und in der Sderot Herzl, zwischen der Einfahrt nach Jerusalem und dem Yad Vashem kann man schon ein paar Schienen bewundern.
Eigentlich war die erste Fahrt der Strassenbahn schon fuer 2008 geplant, wurde aber aufgrund von Bauverzoegerungen auf ein Jahr spaeter verschoben.

Wenn die Strassenbahn erst einmal faehrt, dann soll in Jerusalem alles anders und viel besser werden. Der gesamte Innenstadtverkehr wird umgeleitet und die Yaffa wird nur noch Fussgaengerzone mit Gruenzeug in der Mitte. Ganz wie zu alten Zeiten noch vor mehr als 60 Jahren.

Eine der Strassenbahnendstationen wird am Yaffa - Tor sein, wo schon seit ewig lange gebaut wird. Monatelang wurden die Fussgaenger durch Umgehungen geschleust, weil oben am Rathaus ein neuer Platz mit Sitzgelegenheiten entstand. Seit wenigen Tagen ist alles wieder freigegeben. Wer jetzt vom Rathaus zum Yaffa - Tor hinunter zur Altstadt geht, der findet ein breites Pflaster aus neuen Jerusalemer Steinen vor. Sieht sehr schoen aus und man hat viel Platz zum Laufen. Wer will, der kann sich am Rand hinsetzten, was abends viele Leute an warmen Sommerabenden tun. Dort zu sitzen, ist nie langweilig, denn man sieht allerlei Leute aus allen moeglichen Laendern vorbeikommen. Normale, weniger Normale und totale Freaks. Armenische Kinder spielen Fussball, die Religioesen eilen zur Kotel (Klagemauer) und Touristen machen Photos vom Panorama. Von Einkaeufen rund um das Yaffa - Tor rate ich jedoch ab, denn die Preise sind mehr als doppelt so hoch wie ueblich.