B"H
Was macht eine erfolgreiche Aliyah nach Israel aus oder welchen Ratschlag gebe ich jenen Juden, die sich entscheiden, nach Israel auszuwandern ? Ganz einfach:
Die hebräische Sprache erlernen und sich in die israelische Gesellschaft eingliedern. Job und Wohnung sind auch wichtig, keine Frage. Diesbezüglich jedoch würde ich mich bescheiden geben. Wieviele Leute aus aller Herren Länder traf ich nach ihrer Aliyah und fast alle fingen irgendwo klein an. Kleine Wohnung, kleines Zimmer oder Bruchbude gemietet und Job gesucht. Job, egal wo. Teller waschen, Hotelzimmer putzen, Telemarketing, kellnern, was gerade so kommt. Danach kann man immer noch etwas Besseres suchen, aber man ist erst einmal hier. Seht es als Abenteuer.
In Tel Aviv kenne ich einen kürzlich eingewanderten Belgier, der einen Job in einer Touristenbar annahm. Nicht ganz Bar, denn morgens gibt es auch Kaffee zu trinken. Der Arbeitgeber stellt ihm ein kleines Zimmer zur Verfügung und die Miete wird vom Lohn abgebucht. Heute sagte mir der Belgier, dass ihm das egal sei. Wo kriegt man hier in Tel Aviv so billig ein Zimmer und noch dazu ohne die monatlichen Rechnungen wie Stadtsteuer (Arnona), Wasser, Strom, Gas, etc. Wo ? Jetzt macht er halt erst einmal das und dann sehen wir weiter.
Deutsche mögen da oft ihr Sicherheitsdenken mitbringen und alles so durchorganisiert und gestylt wollen wie daheim. In Israel funktioniert das in den seltensten Fällen. Seid Euch bewusst, dase eine neue Sprache auf Euch zukommt, ein anderes Klima und eine wesentlich andere Mentalität. Die israelische Gesellschaft funktioniert nach anderen Maßstäben und es dauert ca. zwei bis drei Jahre das alles abzuchecken. Daher mein Rat: Sobald Ihr der Sprache einigermassen mächtig seid, mischt Euch unter Israelis und jammert nicht nach Deutschland. Seht die Vorteile sowie positiven Aspekte in Israel, denn hier findet Euer Leben statt. Versteift Euch nicht auf das Denken a la “Was wäre jetzt wohl in Deutschland ?” oder “Was würde man da jetzt sagen und machen ?”
“HALLO !” Hier spielt die Musik und es ist nach dem Ausstieg aus dem Flugzeug Zeit, sich in Israel einzugewöhnen. Das Klima ist anders und viele müssen halt sehen, wie sie durch den Winter kommen. Vor einigen Wochen machte ich diese Herausforderung noch im nordisraelischen Zfat mit. Ufff, war das kalt dort. Dagegen sind Jerusalem und die Berge Judäas die reinste Sauna. Zfat ist saukalt und da zieht man sich halt einen Pullover mehr über. Andere Bewohner jammern auch nicht den ganzen Tag, sondern sagten mir “Na, und. Kalt hier, aber was soll man machen. Der Sommer kommt schon wieder”.
Wenn ich den ganzen Tag herumhänge und alles pessimistisch ansehe, bringt mir das nichts außer Depressionen. Warum nicht das Positive sehen ? Okay, geht das Aliyahgeld aus, wird es oft eng mit dem Geld und man rennt hier jobben und da. Das jedoch weiss ich im voraus und wenn ich nicht flexibel bin, dann kann ich auch nicht helfen und derjenige sollte erst gar nicht kommen. In solchen Fällen werden Israelis sauer, denn sie betrachten denjenigen Oleh (Neueinwanderer), der ewig jammert als einen weiteren, der da das Aliyahgeld einstreicht und dann wieder abhaut. Sozusagen von unseren Steuergeldern lebt.
Weder ich noch andere hatten oder haben es einfach und ich könnte Tausend Krisen und deren Bewältigung auflisten. Eines sollte man nicht tun: Daheimsitzen und sich verkriechen. Geht hinaus in den Freundeskreis und sagt, was Euch bedrückt. In Tel Aviv unternehme ich viel man als in Jerusalem. Ich treibe Sport und nehme an vielen Kulturkursen teil. Umsonst. Auch das gibt es, wenn man nur sucht. Mittwochs gehe ich zu einem Theaterkurs, der von einem bekannten israelischen Regisseur geleitet wird. Das heutige Kursthema war eine Geschichte zu erzählen und hinterher dieselbe Geschichte aus einer anderen Perspektive wiederzugeben. Zuerst vielleicht verärgert und dann aus einer lustigen oder ruhigeren Sichtweise heraus. Eine Studentin berichtete, wie sie fast an einem Aufnahmekurs scheiterte. In der mündlichen Prüfung versagte, doch dann im Schriftlichen noch alles umdrehte. Wie aber konnten die mündlichen Prüfer sie nur so auflaufen lassen ?
Ich sagte dem Kursleiter vorab, dass Hebräisch nicht meine Muttersprache ist, doch das war egal. Außer mir waren allen anderen Teilnehmer geborene Israelis.
Was ich damit sagen will “Mischt Euch unter die Menge, selbst wenn Ihr die Sprache noch lange nicht perfekt beherrscht. Macht halt Fehler, aber geht aus Euch heraus. Job und Wohnung, okay, aber es ist auch wichtig, gesellschaftlichen Anschluss zu finden. Und das bedeutet nicht, dass ich mit einer Freundin im Cafe oder einer Bar hocke, sondern das ich mich aktiv engagiere.