Mittwoch, 24. Februar 2010

Die Jerusalemer Straßenbahn ist NICHT Kosher





B"H

Offiziell war das Datum zur Eröffnung der Jerusalemer Straßenbahn für März 2011 angesetzt. Eine Lokalzeitung berichtete jedoch am vergangenen Freitag, dass das Eröffnungsdatum wieder einmal verschoben worden ist. Der Straßenbahnbau gehe zu schleppend voran und alles befände sich in einem Schienenverlegechaos.

Nichts Ungewöhnliches für die Stadt, denn bisher brachte die geplante Straßenbahn nichts als Kosten und Ärger. Das Stadtsäckel ist ruiniert, doch Jerusalems Ex - Bürgermeister Ehud Olmert ritt seinerzeit der Größenwahn. Jerusalem müsse auf Weltniveau getrimmt werden und da komme eine Straßenbahn gerade recht. Alles unnötige Kosten und die Milliarden hätten sicherlich besser inverstiert werden koennen als in ein Endlosprojekt samt hässlicher Brücke an der Stadteinfahrt.

Heute nun sollen zumindest einige regelmässige Versuchsfahrten starten. Immerhin etwas.
Doch die Straßenbahn verursacht schon neuen Zoff: Teile der haredischen (ultra - orthodoxen) Bevoelkerung sehen den Anstand gefährdet, denn die Straßenbahn sei nicht koscher. Männer und Frauen sitzen zusammen und da werde boykottiert.

Unzählige Male berichtete ich über jene Teile der haredischen Bevölkerung (die Mehrheit der Haredim ist gegen "koschere" Transportmittel), welche Männer und Frauen getrennt sitzen sehen wollen. Jerusalem bat diesbezüglich mehrere Lösungen an und mittlerweile fahren einige Haredim in koscheren Privatbussen. Auch das war nicht einfach, denn diese speziellen Busse benötigen Erlaubnisse von der Regierung.

Das staatliche Busunternehmen EGGED unterhält nur wenige (inoffizielle) koschere Busse, denn offiziell besteht ein Gesetzeskonflikt. Die Diskussion ist kompliziert und man muss beide Seiten sehen. Vor allem den Standpunkt einiger haredischer Frauen (auch nationalrelig.), die sehr wohl koschere Busse wollen, denn dort fühlen sie sich nicht angestarrt oder angemacht.

Ich hoffe, dass nicht andere Sites diese Infos aufgreifen und, wie gewohnt, zu ihren Gunsten verdrehen, nur um wieder einmal eine konfuse Diskussion gegen die Haredim einzuleiten. Eine Diskussion ohne jeglichen Sachverstand und vollgepackt mit Verallgemeinerungen.
Aber das nur nebenbei !

Mal sehen, wie die Straßanbahnaffäre weiterläuft und wann das Vehikel loslegt.:-)

Kommentare:

  1. >Doch die Straßenbahn verursacht schon neuen Zoff: Teile der haredischen (ultra - orthodoxen) Bevoelkerung sehen den Anstand gefährdet, denn die Straßenbahn sei nicht koscher. Männer und Frauen sitzen zusammen und da werde boykottiert.

    Dann sollen sie die Straßenbahn eben boykottieren, ihr Problem.

    Ich lese deine Blogs jetzt rund zwei Jahre und habe durch deine Berichte den Eindruck gewonnen, daß die Forderungen der Haredim von Jahr zu Jahr unverschämter und überzogener werden.

    Ich hoffe, ihnen wird in Israel rechtzeitig Einhalt geboten, bevor das Land noch ganz und gar zu einer religiösen Diktatur verkommt, die kein Tourist mehr besuchen mag. Das wäre dann nämlich euer aller finanzieller Schaden.

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  2. B"H

    Wer die Strassenbahn benutzt, ist mir egal. Ich werde es vermutlich nicht tun, denn der Fahrpreis wird enorm sein. Ausserdem will ich vermeiden, mit dem Gefaehrt ueber die Bruecke zu fahren, denn wer weiss, was da hinterher zusammenkracht.:-)))

    In Jerusalem sind die Haredim weniger anspruchsvoll, obwohl das jetzt absurd klingen mag. Wobei ich immer betonen muss, dass es nur einige fanatische Teile der haredischen Bevoelkerung (eine Minderheit) sind, welche die Ansprueche stellen. Die Mehrheit meint auch, dass die Fanatiker total durchgeknallt sind !

    Im haredischen Teil von Beit Shemesh (etwa 25 km entfernt von Jerusalem) geht es viel wilder zu. Dort denkt man bereits ueber getrennte Gehwege nach. Zumindest die Fanatiker !!!

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  3. Das erste was ich dachte als ich den Bau letzten Oktober geshen habe war "Ideales Anschlagziel!".

    Ernsthaft, die Busse reichen doch, die Bahn ist Geldverschwendung. Dazu kommen noch hohe Wartungskosten und das Personal, das rechnet sich nicht wirklich.

    Haredim sind nicht wirklich Fanatiker, die sind nur konsequent.

    Joshua

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  4. B"H

    Dass mit den Anschlaegen kam mir schon vor langer Zeit in den Sinn. In Jerusalem haben wir die Busanschlaege von vor einigen Jahren noch in aller"bester" Erinnerung.

    Wenn das Egged - Budget ausreicht und einmal wieder Anschlgasgefahr besteht, dann stellt Egged Guards an den Bushaltestellen ab. Die jedoch bewaehrten sich wenig in der Vergangenheit und man denke nur an die Busexplosion der Nr. 14 vor der German Colony vor einigen Jahren. Zwei Guards hatten den Bus "durchkaemmt" und den Attentaeter nicht ausfindig gemacht.

    Vor mehr als einem Jahr wurden die Guards abgeschafft und ich sehe einige von ihnen zurueckkehren, wenn die Strassenbahn faehrt.
    Andererseits, das Unternehmen, welches fuer den Strassenbahnbau sowie den Betrieb zustaendig ist, ist aus Frankreich und keinesfalls israelisch !!!

    Mit den Haredim gebe ich Dir Recht !!!

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  5. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass nach dem ursprünglichen Plan die Straßenbahn schon seit 2006 fahren sollte. Mittlerweile frage ich mich jedoch, ob die sie überhaupt jemals fahren wird.

    Übrigens glaube ich gelesen zu haben, dass die französische Betriebergesellschaft ihre Anteile weitgehend verkauft hat (u.a. an Egged) und die Mehrheit nun in israelischen Händen liegt.

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  6. B"H

    Hallo Gernot,

    dass mit dem Weiterkauf werde ich heute gleich erfragen, denn ich unterrichte donnerstags die Kinder einer Anwaeltin aus dem Verkehrsministerium.

    Ganz abseilen koennen sich die Franzosen vielleicht nicht sofort, denn immerhin muessen sie die Israelis im Strassenbahnfahren unterrichten.:-)

    Wenn die Bahn denn einmal kommt, wird es schon recht nett werden. Kein Abgasgestank mehr in der Jaffa Road und alles gruen. So war es uebrigens schon vor 60 - 70 Jahren einmal.

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  7. B"H

    @ Gernot

    Ich habe nachgefragt und meine Bekannte, die im Ministerium arbeitet, hat nichts von einer Anteilsuebernahme vernommen.

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  8. Im englischen Wikipedia-Artikel zum Projekt (http://en.wikipedia.org/wiki/Jerusalem_Light_Rail) steht im Abschnitt 'Operation', dass der französische Anteilseigner Veolia seinen Anteil an die Dan-Busgesellschaft verkauft hat.

    lg und Shabbat Shalom,
    Gernot

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  9. B"H

    Okay, ich frage am Donnerstag nochmals nach !!! :-)

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