Sonntag, 7. Juni 2009

Veränderungen in der Shenkin


Kreuzung Shenkin / Allenby / King George

B"H

Die Shenkin Street ist Kult. Flippig, abgefahren, kleinbürgerlich und kurz gesagt: eigentlich alles zusammen. Ein kleiner Hauch Weltflair mit inbegriffen. Vor wenigen Jahren war die Shenkin noch DER Inbegriff des Tel Aviver Säkularismus, heute hingegen finden wir Niederlassungen der chassidischen Gruppen von Chabad oder Breslov.


Shenkin - das ist nach wie vor Tel Aviver Lebensgefühl, auch wenn sich viele Touristen herumtreiben. Aus dem In - oder Ausland, ein jeder kennt sie und sich eine paar flippige Schuhe mit dem Tütenaufdruck "Shenkin Street" zu kaufen, ist IN.

Die Shenkin ist die IN - Straße Tel Avivs, obwohl Touristen in Reiseführern mehr von der Dizengoff oder dem Strand lesen. Beginnen tut sie an der Kreuzung Allenby / King George und mündet irgendwann in die IN - Straße Rothschild Boulevard.
Nicht, dass es besonders viel zu sehen gibt. Geschäfte, Cafes, einen Park und Fressstände; aber darum geht es nicht. Vielmehr geht es darum, Tel Aviver Flair zu atmen und einfach nur zu geniessen. Man muss nicht IN oder Schickimicki sein - ganz normal ist schon genug. Vielleicht hilft bei der Lebensgefühlsuche a la Shenkin ein klein wenig Kreativität in der eigenen Persönlichkeit, doch wer das nicht hat, der setzt sich halt ins AROMA und schaut dem manchmal (besonders freitags) obkuren Treiben zu. Krishnas singen, nebendran stehen die Chabad - Damen und verteilen Schabbatkerzen, ein Hundebazar schließt sich ebenso an und hintendran im Park tanzt eine israelische Kulturgruppe aus dem benachbarten Kulturhaus "Beit Tammi" brasilianische Tänze. Den im Park sitzenden Rentnern gefällts, denn die klatschen eifrig im Takt.


Der Angepasstheit entkommen: Ein Fruchtsaftstand in Shenkin Street


Einst war die Straße das Abbild Sodom und Gomorrha und so manchem Jerusalemer graute davor; heute liebe ich diese Straße und würde liebend gern dort wohnen, wenn die Mieten nur erschwinglicher wären.
Der letzten Freitagsausgabe der Tel Aviver Wochenzeitung "Ha' Ir" war zu entnehmen, dass die Stadt Tel Aviv ab dem Jahr 2010 / 2011 einschneidende bauliche Veränderungen in der Shenkin vornehmen will. Schon erwacht der Widerstand der Bewohner, denn die Stadt will ihre Straße in eine zweite Ibn Gvirol umwandeln. Breitere Gehwege, Abstellplaetze fuer Fahrräder, noch mehr Geschäfte und halt alles internationaler. "Man sei sich der Bedeutung der Shenkin bewusst, so die Stadtverwaltung, und man werde ausbauen". Wenn alles gutgeht, kommt sogar eine öffentliche Toilette hinzu, denn bisher herrscht Fehlanzeige und die Anwohner beschweren sich über diverse Fäkalien in ihren Hauseingängen.


Die Shenkin an sich ist für eine Ibn Gvirol zu eng und ich frage mich, wo da was erweitert bzw. verbreitert werden soll. Aber die Stadt ist fest entschlossen, gibt dennoch gleichzeitig bekannt, dass die Stadtsteuer (Arnona) nach dem Umbau nicht erhöht wird, denn es gebe ja folglich mehr Geschäfte in der Shenkin. Mehr Gewerbesteuereinnahmen also.


Photo: Ibn Gvirol Street

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