Montag, 17. Mai 2010

Narren unter den Touristen

B"H

Nehmen wir an, ich fahre auf Urlaub nach China. Dort angekommen, gebe ich mich nach einigen Tagen als Chinesin aus. Als Einheimischer mit ausländischen Vorfahren.

Wie würde das klingen und vor allem, wer täte mir glauben ?

Genau das ist der Fall in Israel, wenn sich Touristen nach wenigen Tagen als Juden ausgebe; Juden auf Aliyah.

Hierzulande geschieht es ohne Scham und meiner Erfahrung zufolge lassen sich derlei schizophrene Touristen vorwiegend in der arabischen Altstadt Jerusalems nieder, wo die Araber die Narrischkeit des Touristen ausbaden müssen.

Wirkt die Behauptung auch noch so lächerlich, der Tourist besteht auf seiner Meinung. Er sei Jude (habe zwar keine Ahnung, aber egal) und Israeli sei er ebenfalls (wenn er auch gerade keinen israelischen Ausweis dabei hat).

Wer macht sich da eigentlich wem etwas vor ? Der Fall endet spätestens dann, wenn die Ausländerpolizei auftaucht und den Touristen, fast immer ohne gültiges Visum, des Landes verweist.

Es würde mich interessieren, was dann die Deutschen unter den vielen Narrischen in ihrem Heimatland berichten: Sie seien Israelis und nur kurz auf Besuch in deutschen Landen. Ach ja, Juden sind sie dann auch noch; nur eben ohne Papiere.

Kommentare:

  1. wie schlecht is das denn ...

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  2. Interessanter Artikel. Als jemand, der im Herbst ein paar Monate in Jerusalem verbringen wird, würde ich gerne etwas fragen:

    Wie geben sich denn diese Touristen als Juden aus? Und kennen Sie ihre Motive dafür? Passiert so etwas häufig?

    Vielen Dank für Ihren Blog, ich lese ihn sehr gerne,

    Patrick

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  3. B"H

    @ Patrick

    Es passiert regelmaessig und ausgesprochen haeufig. Wobei es sich vorwiegend um Touristen handelt, welche in Jerusalemer Hostels, wie in der Altstadt, absteigen. Sie kommen aus aller Herren Laender und einige von ihnen erlebte ich live bei Rabbi Mordechai Machlis, zu dem ich ab und an am Schabbat gehe. Da er jedermann willkommen heisst, sprach sie seine Adresse innerhalb der nichtjued. Touristenwelt herum und manchmal fallen sie (leider) zu Scharen ein. Und dann sassen wir Juden oft da und mussten uns zusammengestueckelte Stoeries anhoeren a la "man habe gerade erst jetzt entdeckt, dass man ja eigentlich Jude ist". Da kam beim Besuch der Klagemauer so ein inniges Gefuehl auf und da muss man Jude sein, sonst kaeme das ja nicht. Nee, Papiere gibt es keine, aber das Gefuehl ist halt da und wenn das dann man da ist, muss einen die jued. Gemeinde ( auch in Deutschland) schliesslich anerkennen.

    So ungefaehr laeuft das ab !

    Klingt bescheuert ? Kann sein, aber wer es nicht glaubt, sollte sich nach Jerusalem bewegen und sich die idiotischen Stories anhoeren.

    Von einer Elizabeth aus der Schweiz, die ploetzlich zur Elisheva wurde und "juedisch" ist. Natuerlich voll christlich, aber "juedischer" Abstammung, denn J. war ja auch Jude.

    Von einer Malaysierin, die zur Bat Zion wurde.

    Von einem Detlev, der zum "Yaakov, der Engel der Liebe" wurde.

    Hoert sich an nach Ausgerasteten, doch sind dies ganz normale Menschen, von denen man solche Einbildung nie erwarten taete. Und mit "Jerusalem Syndrom" hat das nichts zu tun, denn diese Leute kommen oefters nach Israel und jedesmal in ihrem Heimatland suchen sie nach jued. Papieren.

    Motive ?

    Bei Deutschen spielt sicher ein Schuldkomplex mit eine Rolle, den man loswerden will.

    Bei anderweitigen Chaoten wuerde ich sagen, dass sie entweder besonders christlich sind, doch J. naeherkommen wollen oder sie beabsichtigen, in Israel zu bleiben. Oder gleich beides.


    @ Enrico

    Wie schlecht ist was ?

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  4. Vielen Dank für die schnelle Antwort!

    Da bin ja mal gespannt, ob ich solche Leute auch treffen werde. Ich verspreche aber, mich nicht als Jude auszugeben, sondern als Tourist und Gast :)

    Patrick

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  5. sich für etwas auszugeben was man nicht ist bzw gemacht (auswandern) hat ...

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  6. Shalom,

    kann ich nur bestätigen. Auch in deutschen Gemeinden treiben sich solche Freaks rum, unangenehm meistens. Wollen Giur machen und machen nichtmal Anstalten auchnur minimal etwas zu lernen. Dazu kommen massive Lügengeschichten die sich überall verbreiten. Das ist keinesfalls übertrieben. Bei vielen wäre ein psychologisches Gutachten angebracht.
    In den Gemeinden erkennt man das schnell und dann werden solche Leute eben gemieden. Früher fand ich solche Leute unterhaltsam, aber in Wirklichkeit sind sie meist ausdringlich und dumm.
    Wenn jemand Giur machen will, dann soll er er ehrlich sein und nicht rumlügen. Meine Güte, jedem ist klar das der Opa der Leute in der Wehrmacht war, das war damals normal. Es gibt auch Rabbiner die selbst früher Giur gemacht haben, deren Vater war auch in der Wehrmacht. Da muss man nicht lügen das der Vater Jude war usw.

    Ich kann zu dem was Du schreibst nur noch eins schreiben, es geht NOCH schlimmer ;)

    Shavuah Tov

    Joshua

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  7. B"H

    In deutschen Gemeinden fallen die Leute vielleicht eher auf als in Israel, denn in Jerusalem laufen alle moeglichen internationalen Gestalten herum und der "Normalisraeli" wird selten mit ihnen konfrontiert. Wem sie jedoch etwas vormachen ist, sich bei anderen Touristen in den jeweiligen Hostels als Juden auszugeben. Als Israelis weniger, denn sie sind ja der Sprache nicht maechtig und das wuerde zu sehr auffalen.:-)))

    Zu Rabbi Machlis traben sie ab und an, stehen mitten beim Essen auf und halten eine Rede: Sie seien aus Deutschland und Jude.

    Einen davon traf ich vor Jahren bei einem Chabad Rabbiner. Die jued. Gemeinde Berlin (er war aus Berlin) kannte er gar nicht und wurschtelte so herum, wer denn da Rabbiner sei und wo es eine orthodoxe Synagoge gibt. Ich sagte ihm auf den Kopf zu, dass er log und er beschwerte sich beim Chabad - Rabbi ueber mich.

    Nach einigen Tagen fand der Rabbi heraus, dass er dem Deutschen tuechtig auf den Leim gegangen war, denn andere Leute trugen ihm zu, dass der Typ bei ihnen die gleiche verlogene Show abgezogen hatte.

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