Donnerstag, 1. April 2010

Pessachtrips


 Netanya


B"H

Und was macht Pessach ?
Ziemlich busy und ich verbuchte bisher einige Trips. Endlich fühle ich mich nach all der Arbeit in der Bäckerei wieder als menschliches Wesen, welches auch lebt. Aber keine Sorge, die Bäckerei kontaktierte mich schon auf Facebook. Es gibt kein Entkommen !

Die Seder verbrachte ich, wie gesagt, bei den Chabad Meschichisten, doch der Meschiach tauchte dann doch nicht auf. Am nächsten Tag, dem ersten Feiertag, lag ich am Tel Aviver Strand. Gestern dann kam die Kultur an die Reihe. Das "Eretz Israel Museum" sowie das "Diaspora Museum" in Ramat Aviv (im Norden Tel Avivs).

Das "Eretz Israel Museum" empfehle ich nicht unbedingt dringend für einen Besuch. Die zeitweilige Ausstellung über das "Leiden" oder besser gesagt "das harte Leben" in Tel Aviv empfehle ich dann aber doch noch. Von arabischen Pogromen bis hin zu Selbstmordattentate, welche die Stadt erschütterten, ist alles dabei.

Fast neben dem "Eretz Israel Museum" befindet sich das "Palmach Museum", aber ich bin keineswegs der linke Palmach - Haganah Typ, sondern eher mit "Lechi", "Etzel" oder der "Irgun". Und so verzichtete ich auf die Palmach und machte mich auf ins nahegelegene Diaspora Museum, welches mit Haredim (ultra - orthodoxen Juden) vollgestopft war. Die sehenswerteste Ausstellung im Diaspora Museum sind die Miniatursynagogen von vor dem Zweiten Weltkrieg wie die große Warschauer Synagoge oder die des Vilna Gaon in Litauen. Beide Gebäude wurden von den Nazis zerstört.
Weiterhin war die Altneuschul in Prag zu sehen (die Synagoge des Maharal) sowie die Raschi - Synagoge in Deutschland. Ein Brauch, den ich noch nicht kannte, wurde ebenso erwähnt: Nämlich, dass Synagogen in der Karibik ihren Fussboden mit Sand bestreuen. Dies solle den Auszug aus Ägypten, die Wanderung durch die Wüste sowie die Tempelzerstörungen repräsentieren.

Das "Diaspora Museum" lädt, u.a., zu einigen zeitbedingten Ausstellungen ein und auf die israelische Künstlerin Mika Drimer, mit der ich gestern kurz sprach, sowie die Ausstellung über die Visavergabe spanischer Diplomaten im Holocaust werde ich separat eingehen.

Heute war ich im "Tel Aviv Art Museum", aber all die Kunst war dann doch zuviel für mich. Ich bin nicht der Bilder - Gemäldetyp, sondern mehr mit den Installationen. Anscheinend fehlt es mir am Verständnis für Rubens oder Picasso. Wobei Rubens zumindest noch logischer erscheint. Die Bilder von Malern zu dechiffrieren, liegt mir nicht und manch Künstler wie Salvadore Dali kommt mir eh schizophren vor.

Da fuhr ich lieber nach Netanya und begab mich an den Strand. Gerade Netanya ist an Pessach kosherer als Tel Aviv, doch nicht das Mac Donald's am Busbahnhof, wie sich herausstellte. Der Mac offerierte koscheres Essen an Pessach und ich bestellte und aß. Dann kam heraus, dass Mac Donald's zwar koscher für Pessach, aber ansonsten überhaupt nicht koscher ist. Ich hatte eine koschere Burgersemmel, doch hätte ich gleichzeitig einen Milchkaffee bestellen können. All das führte bei einigen Kunden zu Irritationen, denn es wurde ja koscheres Essen zu Pessach angepriesen.

Netanya ist ganz nett, doch langweilig. Nichtsdestotrotz hatte ich eine tolle Zeit mit super Aussicht hinunter zum Strand und auf das Meer. Gleich im Park neben dem "Park Hotel", welches vor einigen Jahren an Pessach Opfer eines Selbstmordattentäters wurde.
Die Sprachen, die ich vernahm, waren russisch, etwas englisch, doch überwiegend französisch. Am Hauptplatz vor dem Strand scheint alles französisch zu sein. Dies Bistros und selbst die Immobilienmaklerbüros.

Nach Stunden wieder in Tel Aviv angekommen, zog es mich zu einer Tasse Kaffee ins AROMA. Vielleicht koscher für Pessach im Azrieli Tower ?
Der Azrieli aber war dermassen mit Menschenmassen überladen, dass ich gar nicht in die Nähe der Theke des Aroma kam. Nebenbei warf ich einen Blick auf das gerade eingeweihte H & M, wo die Leute vor dem Eingang geduldig Schlangestanden. Trotz der Security im Azrieli hat H & M seine eigenen Security Guards engagiert, die eher an SS - Leute erinnern. Dunkele Uniformen und ein Blick, der auf "I shoot you" eingestimmt ist.

Morgen fahre ich über den Schabbat nach Jerusalem und dort finde ich wenigstens einen koschere Aroma Kaffee !

Kommentare:

  1. Hattes du keine bessere Alternative?
    Eine Seder bei Meschichisten(letztendlich nicht besser als Jews for J.) ist doch mehr als grenzwertig.

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  2. B"H

    Hatte ich. Ich war eingeladen bei Satmar in Bnei Brak. Dann aber kamen die Meschichisten per e - mail dazwischen und sie fragten an, ob ich etwas ueber sie schreiben koennte. Satmar war mir dann zu stressig und ich entschied mich fuer die lockeren Meschichisten. Geschrieben aber habe ich bisher nichts ueber sie.:-) Dazu werde ich wohl nochmals hinfahren.:-)

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  3. Na dann bin ich mal gespannt ;-)
    Ich habe neulich erst erfahren, dass der Chabad-Tefillin-Stand an der Kotel auch von Meschichisten betreut wird - schrecklich!
    Bei Chabad weiß man nie, woran man nun ist.
    Wie gesagt: Nicht anders ans Jews for J.
    Denn sowohl J., als auch der Rebbe waren nachweislich nicht Moschiach :)

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  4. B"H

    Bei Chabad weiss man nie woran man ist !

    Diese Aussage kann ich voll und ganz bestaetigen.

    Ich las heute beim Vorbeigehen an der Chabad Synagoge neben der Sheinkin Street in Tel Aviv, dass Chabad am siebten Pessachtag eine riesen "Se'udat Meschiach" schmeisst. An einigen Plaetzen in Tel Aviv und eine Liste haengt aus.
    Der siebte Pessachtag waere ein Tag des Meschiach und er waere uns sehr nahe, oder so aehnlich.

    In Tel Aviv ist Chabad fast immer meschichistisch und wenn nicht offen, dann versteckt.

    In Jerusalem gibt es solche und solche. Vom Stand an der Kotel weiss ich nichts, doch bei Chabad in der Tzemach Zedek Synagoge in der Altstadt (am Cardo) heisst es offiziell, dass der Lubawitscher Rebbe das Zeug zum Meschiach gehabt habe. Ob er nun als tot anerkannt wird oder nicht, darueber wird sich nicht ausgelassen.

    Damit der Rebbe noch eine Meschiachchance hat, wird behauptet, er lebe noch und ist nur unsichtbar fuer uns. So wird die Aussage des Rambam "Ein Toter kann nicht Meschiach sein" umgangen !

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  5. Nennen wir es einfach mal MESCHUGGE :)
    Aber trotz allem kann man Chabad für seine Outreach-Arbeit (gerade in Deutschland) nur bewundern. Die Frage ist nur, was die Menschen letztendlich an Ideologie vermittelt bekommen.

    Übrigens kam ich mal auf die Idee, bei askmoses.com anzufragen, wie man die Messianics bei Chabad überhaupt noch als Teil von Klal Jisrael bezeichnen kann, wenn sie doch nachweislich, wie eben auch die Jews for J., einem falschen Messias nachlaufen.
    Blöd war nur, dass ich nicht wusste, dass askmoses.com zu Chabad gehört :D
    Ich bekam also nicht gerade die netteste Antwort ;)

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  6. B"H

    Chabad tut mehr als andere orthodox. Ausrichtungen, das ist einmal sicher. Vor der Seder sprach ich mit einem der Chabadnikim und sagte ihm, dass die Gruppe in Deutschland so ihre Probleme haette. Wegen Meschiach und so. Daraufhin meinte der Chabadnik, dass die Gruppe deswegen angefeindet wird, weil sie die Wahrheit lehrt.
    Wobei er sich NICHT auf Meschiach bezog, sondern auf den Chassidismus.:-)))

    Chabad tut mehr in Deutschland als alle anderen Gemeinden zusammen und das kommt an. Nicht immer nur das Allerlei lehren, sondern auch einmal unbekanntere Themen.

    AskMoses gehoert zu Chabad, das wusste ich. Hat man denn Deine Frage veroeffentlicht ?
    Falls Du was Kritisches hoeren willst, kannst Du Dich ja an Aish HaTorah wenden.:-)))

    Insgesamt ist Chabad gut fuer Neueinsteiger, doch sollte man die Proportionen nie vergessen. Sich niemals allein auf Chabad steurzen, sondern geneuao andere orthodoxe Richtungen kennen lernen. Bei CHabad naemlich kriegt man NUR CHabad serviert und nichts anderes.

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