Sonntag, 6. Februar 2011

"Wie ernährt man sich richtig ?" - Die mittelalterlichen Weisheiten des RAMBAM

Vor etwas mehr als einem Monat nahm ich im nordisraelischen Zfat (Safed) an einem Ernährungsseminar teil. Hier nun der vollständige Bericht dazu. Zur Einleitung jedoch empfehle ich, diesen Bericht anzuschauen !


B”H


Unser Seminar in der nordisraelischen Stadt Zfat ist zuende und die meisten Teilnehmer sind längst abgereist. Was wir an Inhalten, Ernährung, Judentum und Spiritualität mitnehmen, bleibt nun uns überlassen, doch bin ich mir sicher, dass jeder Seminarteilnehmer etwa mitnimmt und nicht leer davon zieht. Allein die Stadt Zfat steht im Judentum für jüdische Spiritualität und viele Juden, die hierher kommen, suchen einfach nur sich selbst. Wir suchten und fanden das Seminar der richtigen Ernährung im relig. Hostel ASCENT. 

Allein der RAMBAM (Maimonides, Rabbi Moshe ben Maimon, 1135 – 1204) zieht viele Menschen an und in der vergangenen Woche feierten wir ebenso die Yahrzeit (den Todesgedenktag) von ihm. Wie berichtet, war der Rambam nicht nur Rabbiner, sondern ebenso Physiker, Astronom und vor allem Arzt. Als Arzt seiner Zeit weit voraus befasste der Rambam mehrere Bücher zu den Themen “Ernährung, sportliche Aktivitäten für den Körper. Allein gesunder Ernährung ist keine Garantie für Gesundheit ! Ferner muss der Mensch emotional ausgeglichen sein. 


Der Arzt Dr. Gil Shachar aus Haifa (links im Bild) hielt die Vorträge und merkte an, dass die richtige Ernährung kein Teil des heutigen Medizinstudiums sei. Vielmehr habe er sich all seine Kenntnisse selber beigebracht. Er studierte die Schriften des Rambam genauso wie heutige Ernährungsliteratur. Zu sagen sei, dass der Rambam seinerzeit schon Kenntnisse erlangte, welche die heutige Wissenschaft erst in letzter Zeit veröffentlichte. Zwar lag der Rambam nicht immer richtig, größtenteils jedoch schon.

Ein Mensch sollte essen, um sich zu sättigen und zu stärken. Solange essen, bis ihn das Hungergefühl verlässt. Lediglich den Magen füllen, aber dies nicht übermässig. Wenn der Magen zu voll ist, kann die Magensäure das Essen weniger erreichen und somit weniger verdauen. Das Vitamin B12 wird als allerletztes verdaut, wobei der Fleischkonsum keine Garantie dafür ist, dass unser Körper ausreichend B12 erhält. 

Der Magen sollte stets ¼ leer bleiben, denn zuviel Nahrung, zuviel ungesunde Nahrung und zuviel Nahrung in der falschen Reihenfolge sind ungesund. Das Resultat können Krankheiten sein. Sogar die Ärzte bestätigen, dass der Verzehr kleiner Mengen ungesunder Nahrung besser ist als das sich übermässige Vollstopfen mit gesunder Nahrung. Der Körper halt kleinere Mengen von Gift aus und baut dies ab. Am vorteilhaftesten ist es, immer etwas hungrig zu bleiben; vor übermässigem Essen in einem leicht hungrigen Zustand kann man sich schützen, indem sich die Gedanken nicht ums Essen drehen, sondern um andere Themen. 



Schon die Rabbiner im Jerusalemer Talmud lehrten, dass von 100 Menschen allein 99 streben, weil sie etwas falsch machen und nicht weil es G – tt gerade so will. Zu den Fehlern der Menschheit gehören falsches Essen und das sich einer übermässigen Hitze aussetzen. 

Um sich vor zuviel Essen auf einmal zu schützen, sollte sich jeder nu rein Gericht bei der Mahlzeit servieren. Bei mehreren Gerichten erwachen die Geschmackssinne und dann kann man sich oft nicht mehr halten und muss probieren. Dies jedoch gilt nur für gekochte Gerichte und nicht für Salate !

Jedes Gericht, was wir zu uns nehmen, wird in einer bestimmten Art im Magen verdaut. Zuviele unterschiedliche Gerichte auf einmal wirken sich auf den Magen negative aus. Der Magen verdaut jedes einzelne Gericht in einer bestimmten Reihenfolge und all das führt zum Chaos, wenn sich jemand zuviel auf einmal hineinstopft. Zum Beispiel die leichtere Nahrung vor der schwer verdaulichen. Dann kommt es im Darm zum Stau und eventuelle Giftstoffe aus dem Essen werden nicht abgesondernt, sondern gehen ins Blut über. Dies geschieht dann, wenn leicht verdauliches Essen nach dem schwerverdaulichen im in den Magen kommt und verdaut werden muss. Das leicht verdauliche Essen rottet dann teilweise vor sich hin, denn das schwerverdauliche Essen wird in dem Fall zuerst “verarbeitet”. Jede Nahrung benötigt bestimmte Arten / Mengen von Säure, um verdaut zu werden und wenn etwas nicht völlig verdaut wird, kann es zur Giftstoffübertragung ins Blut kommen. Ferner werden bei zuviel unterschiedlichem Essen die Vitamine aus dem Essen nicht richtig abgebaut und verdaut. 

Deswegen sollte jeder Mensch mit einer leichten Mahlzeit beginnen. Somit wird das leicht verdauliche Essen verdaut,bevor das schwerer verdauliche folgt. So, zum Beispiel, sollten Früchte stets VOR der richtigen Mahlzeit gegessen werden und nicht hinterher als Dessert ! Birnen, Weintrauben oder Feigen müssen immer vor dem eigentlichen Mahl verzehrt werden und nie hinterher. Ausserdem sollte etwa zwanzig Minuten gewartet werden bis es nach dem Früchteverzehr zur richtigen Mahlzeit kommt. Diese Zeitspanne gibt dem Magen Gelegenheit, alles zu verdauen udn sich zu leeren. Die Verdauung von Fleisch dagegen dauert ca. sechs Stunden und die von Huhn ca. drei Stunden. 

Werden die Früchte erst nach der Hauptmahlzeit eingenommen, kommt es im Darm zum Stau und der Zucker sowie die Vitamine der Früchte sind verloren. Was bleibt sind lediglich Kalorien. Bestimmte Früchte wie Avocados, Kokosnuss, Oliven, Mandeln oder Nüsse können auch während einer Hauptmahlzeit verzehrt werden. Wassermelone hingegen sollte immer allein bzw. separate gegessen werden. 

Weitere Tipps: Joghurt sollte niemals Früchte enthalten und getrocknete Früchte sollten nicht in Mengen gegessen werden. Auch das Trinken während des Essens sollte eingeschränkt werden. 

Essen bedeutet FREUDE und wenn jemand ißt, dann nicht in gestresstem, traurigem, besorgten oder depressiven Zustand. Schon das kabbalistische Buch “Shnei Luchot HaBrit” lehrt, dass “Freude die Seele heilt”. Überhaupt verbraucht ein depressiver Mensch mehr Energie als ein nicht depressiver Mensch.
Wer essen will, der setze sich hin, mache seinen Kopf frei und erfreue sich am Essen. Was auch immer er zu Essen hat. 

Schon der Rambam sagte, dass nach einem Abendessen 3 – 4 Stunden gewartet werden soll, bevor der Gang ins Bett erfolgt. Die Eingeweide arbeiten in der Nacht nicht und daher wird auch nichts verdaut. Das Essen also steckt im Magen fest und die toxischen Gifte gelangen ins Blut.

Wer vor dem Zubettgehen etwas ißt, der ist anfällig für Verstopfung, Verdauungsprobleme aller Art, Sodbrennen und weiterhin beschädigt er sein Immunsystem. Zusätzlich nimmt der Mensch zu und wird müde. Wer schlafen geht, der sollte dies mit leerem Magen tun oder einen Tee ohne Zucker trinken. 

Schon im Talmud steht, dass ein Mensch frühstücken soll. So gehe er gestärkt und guter Laune in den Tag. Weiterhin halte ein regelmässig eingenommenes Frühstück Krankheiten fern. Auch war der Rambam seinerzeit bereits der Meinung, dass der Verzehr von Weissbrot nicht gerade gesundheitsfördernd ist. Vollkorn dagegen sei ausgesprochen gesund und enthalte 100% mehr Vitamine und Mineralien. Allerdings muss der Verbraucher darauf achten, dass es sich bei dem Vollkornbrot auch 100%ig um solches handelt, denn viele Bäcker geben ihr Brot als “Vollkorn” aus, mixen jedoch weisses Mehl mit in den Teig. 
Haferflocken reduzieren die Cholesterolwerte im Blut.
Generell sollte Brot keine Öle enthalten. Falls ja, dann zumindest Kokosnuss – oder Olivenöl, aber keineswegs Soya – oder Canolaöle. 
Schon der Talmud Traktat Eruvin 55 lehrt uns, dass keiner von uns in einer Stadt leben soll, in welcher es keine Gemüsegärten gibt. Der Verzehr von rohem Gemüse ist extreme gesund. Wer sich einen Salat schneidet, der sollte stets darauf achten, etwas Grünes wie grünen Salat, Petersilie, Basilikum oder Sellerie hinzuzufügen, denn nur jene grünen Gemüsearten enthalten etwas Einzigartiges, was der Körper benötigt.

Der Rambam schrieb, dass Milch nicht für jedermann ist, sondern nur für diejenigen Leute, die ein gutes Verdauungssytem besitzen und keine Allergiker sind. Positiv ist, der Milch etwas Honig hinzuzufügen. Industriell gekochte Milch wirkt sich negative auf den Organismus aus. Die Vitamine sind meist weggekocht und was bleibt ist das Cholesterol. Die gesundeste Milch ist immer noch Ziegenmilch, doch auch hier ist Vorsicht geboten. Allgemein gilt, dass Milch nur dann gesund ist, wenn sie direkt Frisch von der Kuh oder der Ziege kommt. Wer direkt beim Bauern kauft, sollte darauf achten, dass die milch am selben Tag gemolken worden ist. Je länger Milch steht, desto mehr Bakterien tummeln sich darin. Ferner kann Milch Säuren enthalten, welche das Calcium unserer Knochen angreift. Das Calcium in unseren Knochen verhindert Säureeinwirkungen auf die Knochen. 
Für den Käseverzehr gelten dieselben Regeln. Nur ganz frischen Käse verwenden. Der Körper absorbiert nur einen kleinen Anteil des Calziumgehaltes. Wer zuviel Milchprodukte verzehrt, der fördert die Osteoporosis. Aber nicht nur gesunde Ernährung trägt zu gesunden Knochen bei, sondern gleichzeitig auch viel Bewegung der Knochen und Muskeln.

Tierproteine sollten so gut wie es geht vermieden werden und durch Früchte, Gemüse, grünen Salat oder Bohnen ersetzt werden. 
Die heutige Medizin kam zu dem Ergebnis, dass zu hoher Verzehr von Milchprodukten Prostatakrebs verursachen kann. Dasselbe gilt für zu hohen Fleischverzehr.
Soweit es geht, sollte niemand sich zu einer Milchproduktdiät überreden lassen, denn zu ein hoher Calciumgehalt fördert, wie gesagt, Prostatakrebs. 
Dagegen ist Vitamin D ein sehr wichtiges Vitamin, welches wir nur durch das Sonnenlicht erhalten. An sonnigen Tagen und nicht, wenn der Himmel wolkenverhangen ist. Scheint kaum die Sonne, kann ein Vitaminpräparat eingenommen werden. 
Milch ist cholesterolhaltiger als Fleisch, da wie mehr Säuren enthält. Darüber hinaus enthalten Milchprodukte einschliesslich Eiscreme einen hohen Anteil an Insulin; vergleichbar mit weissem Brot.
Milch macht dick. 
Zuviel Soyamilch erweist sich nicht als unbedingt gesund und selbst der Tofu sollte nicht täglich verzehrt werden. Besser als Soyamilch sind Kokossnuss – und Reismilch.
Bohnen hingegen sind sehr gesund, denn sie enthalten Calcium.
Was kann eine kürzlich erfolgte Krankheit wieder hervorrufen ? Oxenfett, Eier, fettes und / oder gegrilltes Fleisch. Diese aufgelisteten Nahrungen sind schwer zu verdauen und es sollte bedacht werden, dass der Körper noch von der vorangegangenen Krankheit geschwächt ist. 
Rambam: Etwas Süsses nach der Hauptmahlzeit zu essen, ist gesund. Allerdings nur ein Stück Schokolade und nicht die ganze Tafel. 
Der Rambam über Fleisch:
Huhn ist leichter zu verdauen als Fleisch. Ferner enthält Hühnerfleisch weniger Cholesterol als fettiges Fleisch.
Tierfett ist grundsätzlich nicht gesund. 
Auf den Verzehr von Leber sollte vollkommen verzichtet werden, denn sie enthält viele Gifte. 
Es gibt gute und schlechte Fette. Avocados sowie reines Olivenöl gehören definitive zu den guten Fetten. 
Wer denn Fleisch essen will und dies gesund, der sollte dies von Tieren tun, welche in freier Natur aufwuchsen und nicht in einer Massenhaltung. Allgemein jedoch sollten Tierfette lieber vermieden werden. Eine Fleischmahlzeit pro Woche ist vollkommend aureichend. Allgemein gesagt sind Tierfette verantworlich für die Zerstörung unserer Knochen und verursachen Osteoporosis. 
Der Rambam über Fisch:
Fisch zu essen ist nicht gesund. Insbesondere nicht für ältere Menschen. Wenn schon Fisch, dann kleine Fische, denn die enthalten weniger Quecksilber als die großen. Heutzutage enthalten alle Füsse Quecksilber, Nickel sowie weitere Metallpartikel. Wer meint, der Verzehr von Fischen, die privat gehalten bzw. ökologisch aufwuchsen, seine gesünder, der irrt, denn Quecksilber befindet sich überall in der Luft. Unter anderem wegen giftiger Qualmausstöße aus Fabrikschornsteinen, aber auch ein Vulkanausbruch verursacht einen hohen Quecksilbergehalt in der Luft.
Große Fische leben länger als kleine und enthalten daher mehr Quecksilber. Schwangere und stillende Mütter sollten ganz auf den Fischverzehr verzichten.

Heutzutage erleben wir insbesondere in der Werbung eine Flut von Slogans wie “Milch macht stark”, “Milch ist gesund”, “Fisch ist gesund und enthält Calcium und wertvolle Fette”. Die Wahrheit ist, dass auf jegliche Milchprodukte verzichtet werden kann und ich selber ernähre mich nach dem Seminar ziemlich anders. Ich esse nicht mehr viel Fisch; mein Fleischverzehr war eh nie besonders hoch und die beste Ernährung sind Obst und Gemüse. Das allein aber macht nicht voll und nach einiger Zeit des so gesunden Lebens kommt der Drang auf, etwas anderes bzw. etwas Füllendes zu essen und nicht nur auf einer Karotte herumzukauen.


Photos: Miriam Woelke

Kommentare:

  1. Shalom,

    vieles von dem Angesprochenen findet man ja schon in der Mishneh Torah.

    Gemüse ist nicht unbedingt immer gesund wenn es roh ist, es ist teilweise schwer verdaulich und schadet dann mehr als es nutzt.

    Milch ist auch so eine Sache, von roher Milch aus dem Euter kann man schwere Durchfälle bekommen, es gibt aber gefilterte Rohmilch (Vorzugsmilch), die ist aber teuer. Milch ist im Allgemeinen nicht so gesund wie viele meinen. Man trinkt Milch aus Gewohnheit.

    Honig darf an Kleinkinder unter einem Jahr überhaupt nicht gegeben werden, das steht auch auf der Verpackung, auch in Israel.
    Der Honig kann das Clostridium botulinum Bakterium enthalten,.
    Auch wenn Tee, Milch oder Babybrei damit noch besser schmecken - für Kinder unter zwölf Monaten kann es gefährlich werden: Säuglingsbotulismus, eine sehr seltene, aber unter Umständen lebensbedrohliche Erkrankung.

    Stichwort Fleisch, Amei Haaretz (Ungebildete) sollten laut Gemara garkein Fleisch essen das sie die Gebote bezüglich der Kashrut nicht kennen und auch die spirituelle Energie nicht erheben hönnen, Psachim 49b.

    Für Erwachsene ist Veterarimus gut, es gibt auch Ovo-Lakto-Vegetarier, die essen auch Milchprodukte und Eier. Die nächste Stufe ist dann Veganismus ...
    Kleinkinder können NICHT vegan ernährt werden, das führt zu Mangelerscheinungen weil sie ihre Depots nie gefüllt haben. Bestimmte Nährstoffe bekommt man unter den heutigen Umständen nur wenn man auch Fleisch ist. Für Erwachsene ist das kein Problem aber aufwendiger.

    Chodesh Tov

    Joshua

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  2. B"H

    Der Talmud Berachot listete schon vor 2000 Jahren ungesundes Essen auf. Zum Beispiel steht dort, dass Senf nicht zu oft verzehrt werden darf. Alle dreissig Tage reiche, denn in dem Falle wirke sich der Senf positiv fuer das Herz aus.

    Oder nicht zu oft Zucchini essen, denn diese verursachen einen schweren Magen und Blaehungen.

    Ich muss sagen, dass ich seit dem Seminar schon einige Essensgewohnheiten umgestellt habe. Vor allem habe ich meinen Fischverzehr eingeschraenkt.

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