Freitag, 25. Februar 2011

Leserfrage: "Nach Israel auswandern"

B”H

Es überrascht mich immer wieder zu sehen, wie viele Leute das Thema “Auswandern nach Israel” googeln. Allein von der Ausdrucksweise heraus (“auswandern”) entnehme ich, dass es sich hierbei vornehmlich um Nichtjuden handelt. Dazu sei kurz angemerkt, dass sich jene Deutschsprachigen, welche diese Worte googlen vielleicht zuerst in den europäischen Staaten umschauen sollten, denn es gibt ja den Europapass ohne Visapflicht und alles. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum es immer Israel sein muss; ein Land, dass gesetzlich nur Juden aufnimmt und kein Einwanderungsland für Leute aus der ganzen Welt darstellt.

Wer einmal in Israel angekommen, und ich traf zahlreiche Touristen, die in Deutschland naiverweise alles aufgegeben hatten und mit einer reisen Tasche nach Israel einreisten, gehen die Auswanderungsträume ziemlich schnell baden. Visaprobleme, die fehlenden Sprachkenntnisse, eine völlig andere Mentalität, keine Krankenversicherungen, keinerlei Absicherungen, keine Hilfen, nichts. Der Tourist steht alleine da und rasch geht das Geld aus. Was dann ?

Die Mehrheit meint, es ergehe ihr bestimmt nicht so und man komme zurecht. Es würde mich interessieren, wie viele von diesen Leuten scheitern und woran. Israelische Firmen stellen in der Regel kaum mehr Ausländer ein, denn die gesetzlichen Bestimmungen sind knallhart. Ferner besteht der israelische Arbeitsmarkt aus genügend heimischen Arbeitslosen. Hinzu kommt die Visafrage, denn Touristen erhalten begrenzten Aufenthalt.

Einige dieser Leute wandten sich an mich, ob ich Tipps geben kann. Nein, kann und will ich nicht, denn ich frage mich, was ausgerechnet deutsche Nichtjuden in Israel zu suchen haben. Warum wollen sie hier leben ? Um ihr kleines bisschen (Holocaust)Schuld abzubauen ? Der israelische Alltag ist hart und selbst Israelis haben genug damit zu tun, sich im eigenen Land durchzusetzen. Was, frage ich mich, will dann ausgerechnet ein Tourist hier leben ?

Kommentare:

  1. Hallo Miriam,
    zunächst gibt es gegen ein geplantes Auswandern nichts einzuwenden. Oft gibt es da aber einige Merkwürdigkeiten zu entdekcken. Es gibt im TV auf VoX eine Serie "Die Auswanderer", in der m.E. einigermassen ausgewogen deren Wege vorgestellt werden. Mit Sack und Pack reisen da ganze Familien Richtung Süden mit dem Ziel eine "Kneipe" oder "Boutique" zu eröffnen. Sprachkenntnisse-keine, Argument-immer Sonne und im Urlaub war es doch so schön dort. Innerhalb Europas ist dieses "Auswandern" ja recht einfach, Freizügigkeit für alle. Dann kommt die Erkenntnis, niemand hat auf die Einwanderer gewartet, die "Kneipe" bleibt leer (ist ja nicht die einzige vor Ort), und flugs geht es wieder zurück in die Heimat. Ohne einen (sicheren) Arbeitsplatz würde ich nicht in Israel einwandern. Mit einer ausreichenden Pension oder Rente wäre es überlegenswert - jedoch nicht ungeplant dort auftauchen und "mal sehen wie es wird." Nicht mutig sondern verantwortungslos. Und am Ende ist das "Land" schuld, die "Mentalität" oder "Bürokratie".
    Liebe Grüße
    Uli

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  2. B"H

    Hallo Uli,

    ich gebe Dir zu 100% Recht und ich hatte deswegen die EU - Laender vorgeschlagen, weil es da mit einem EU - Pass wesentlich einfacher ist als in Israel, den USA, Kanada oder Australien.

    Eine Bekannte wanderte vor mehr als einem Jahr nach Australien aus. Sie Israelin, er Amerikaner und ein kleines Kind haben sie auch noch. Allerdings ist ihr Mann Hightech - Spezialist und arbeitete jahrelang an der Hebrew University in Jerusalem in seinem Fach.

    Die australischen Einwanderungsbestimmungen lagen sehr hoch. Das Ehepaar musste zum Englischtest, zum Arzt und die Vermoegensverhaeltnisse nachweisen. Letztendlich wurden sie nach einer Dauer des Formularprozesses nach mehr als einem Jahr fuer die Einwanderung akzeptiert. Der Ehemann fand sofort einen Job und sie mieteten ein Haus an.

    In den USA sowie Kanada ist es nicht viel einfacher.

    Ich begreife nicht, warum sich die Leute, darunter die Mehrheit aus Deutschland (aus anderen Laendern sind die "Einwanderungswilligen" eher christliche Missionare - Evangelisten, Pentecoats - Christen und sowas in der Art) gerade nach Israel einwandern wollen. Obwohl IL ein Einwanderungsland ist, gilt dies fuer Juden und die Regierung hat genug damit zu tun, die neuen rechtmaessigen Neueinwanderer unterzubringen. Aber auch als regulaerer Neueinwanderer erkennt man schnell, dass Israel nicht auf einen wartet. Kurz gesagt, man muss schuften bis zum Umfallen. Besonders derjenige, der sich in der Grossstadt niederlaesst.

    Die Leute machen sich gar keine Vorstellung vom Gehalt und den hohen Mieten. Das Gehalt geht fast nur fuer die Miete drauf und dann die Nebenkosten. Nebenbei will man essen und Nahrungsmittel sind selbst auf den Maerkten teuer geworden. Geschweige denn mal ins Kino gehen oder so. Das kostet alles Geld und man ueberlegt sich das schon, wo man spart und ob man essen geht oder ein paar Nudeln vom Supermarkt kauft und die daheim kocht.

    In Tel Aviv kenne ich genuegend Leute, einschliesslich mir selbst, die in mindestens zwei Jobs arbeiten. Sechs Stunden oder so im ersten, dann wird daheim kurz geduscht und es geht gleich weiter. Allein mit meinem Unterrichten koennte ich in Tel Aviv nicht leben und so arbeite ich nebenbei in einem Cafe.

    Einstellungen erfolgen nur fuer Israelis. Dies schon allein aus versicherungstechnischen Gruenden.

    Aber selbst wer andere Jobs sucht, findet kaum mehr etwas. Die Dreckjobs wie Tellerwaschen in den Restaurants und Hotels gingen an die Afrikaner. Wer am Schabbat an den Strand geht und sich beim Restaurant "Yotvatah" umschaut, der bemerkt, dass Afrikaner das dreckige Geschirr einsammeln.

    Gute Buerojobs ? Im Internet wird einiges veroeffentlicht, doch das ist meist das Allerletzte. Wer einen guten Job sucht, der braucht Beziehungen und muss halt Leute kennen, die einem Tipps geben, wo wer gebraucht wird.

    Mit dem Cafe nebenbei bin ich recht zufrieden, denn ich kenne die Inhaber schon lange. Sobald sich etwas Besseres auftut, bin ich trotzdem weg.:-))))

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  3. ...tje, das ist das Dilemma. Oft im eigenen Land gescheitert, da lockt die Ferne und der Glaube, man wird im Land seiner Träume mit offenen Armen aufgenommen. Ich habe hier einen guten Job, meine Verlobte auch, und wir wären ja völlig blauäugig, wenn wir alles hinwerfen und einen "Neuanfang wagen". Das Israel nicht gerade zu den Billigländer gehört haben wir gemerkt. Nur ist man als Besucher sehr eingegrenzt in seinem Besuchsprogramm, dh. die Mietpreise waren uns ziemlich egal genau wie Löhne und Gehälter. Und das wäre ja wohl das Minimun an Information, wenn man denn nun einwandern will. Kannst ja mal per Mail schreiben (sorry wg. meiner Neugier) wie hoch der Verdienst ist und was zb. eine "normale" Wohnung kostet.
    Liebe Grüße
    Uli

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  4. B"H

    Hallo Uli,

    hier habe ich Dir in ein paar Zeilen geantwortet, wobei die Antwort nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist.:-)


    http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2011/02/die-hohe-der-mieten-und-gehalter-in.html

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  5. B”H

    Ich nehme an dass nicht nur nichtjuden das umsiedeln nach israel als auswandern bezeichnen.Ich zum beispiel bin jude und würde auch gerne nach israel auswandern. ich empfinde es auch als auswandern da ich ja in deutschland geboren und auch aufgewachsen bin, ich bin andas leben in deutschland gewöhnt. Ich denke es ist für mich genauso eine umstellung wie für einen Christen der hebräisch kann. ausserdem habe ich gehört das die einwanderungsbedingungen auch für juden nicht mehr ganz so rosig seien sollen wie vor ein paar jahren.

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  6. B"H

    In Israel selbst sagen die Juden dann schon ALIYAH und nicht AUSWANDERN.

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  7. B"H

    Seltsame Ratschlaege von fanatischen Christen finden auf diesem Blog keine Plattform und werden geloescht !

    Es ist nun einmal so, dass auch in Israel Gesetze herrschen und wer es nicht glauben will, dem wird es spaetestens auf dem israelischen Innenministerium eingepaukt.

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