Donnerstag, 17. April 2008

Schimon Peres und die jüdische Identität

B"H

Unser Präsident Schimon Peres ist zweifelsohne ein Linker. Die Palis haben ein Anrecht auf ihr eigenes Land und so - wer kennt diese Sprüche nicht ? Besonders in Deutschland erfreut sich Peres großer Beliebtheit eben weil er ein Linker ist. Rechtspolitiker und insbesondere die Religiösen gelten in der deutschen Presse sowie bei einem Großteil der Bevölkerung geradezu als abartig und total daneben. Wieso können die Fundamentalisten nicht endlich kapieren, dass wir heute in einer modernen Gesellschaft leben ? Soll man sich doch einmal aufwachen und die Vergangenheit Vergangenheit zu sein lassen. Und die Religiösen sind eh alle Hinterwäldler.

Mit diesen Ansichten übersehen alle die wahre Identität des Jüdischen Volkes, die da auf der Thora basiert. Ob Nichtjuden das heute noch hören wollen oder nicht, an der jüdischen Tatsache ändert das nichts. Und warum sollen wir uns von anderen Völkern unsere Religion vorschreiben lassen. Moslems können dieses Problem noch am besten verstehen, denn auch sie werden in der modernen europ. Gesellschaft angegriffen.

Aber nicht nur Nichtjuden nerven uns mit ihrem anti - jüdisch - religiösem Gehabe; selbst aus unseren eigenen Reihen erklingen Stimmen, die da die Religiösen und die Religion als lästiges Anhängsel sehen. Wer braucht denn soetwas heute noch ? Schließlich bin ich mein eigener Herr !!!

Stimmt gewissermassen, aber immer nur solange, bis der nächste Rückschlag kommt. Nach der Diagnostizierung einer schweren Krankheit, zum Beispiel, beginnt das große Jammern. Wo ist G - tt und wieso hilft er mir nicht ?

Oberflächlich betrachtet mag man Schimon Peres eben für jenen Säkuleren halten, der da gegen die Religiösen wettert und nur auf linken Frieden macht. Genau dem ist allerdings nicht so und seit vielen Jahren propagandiert die Jerusalemer Yeshiva (relig. Schule) "Aish HaTorah" gerade Schimon Peres als einen ihrer besten Freunde. Insgeheim nämlich unterstützt Schimon solche Einrichtungen.
Die letzten Tage verbrachte er auf Staatsbesuch in Polen und durchzog einen wahren Vernichtungslagertrip. So besuchte er das Vernichtungslager Treblinka oder die Warschauer Gedenkstätte des einstmaligen jüdischen Ghettos. Leider sagte er den Polen, was sie hören wollten; nämlich das sie keinerlei Schuld am Holocaust haben.

Schimon Peres



Vor wenigen Wochen nahm ausgerechnet Schimon Peres die Haredim (Ultra - Orthod.) vor der säkuleren israelischen Gesellschaft, den Chilonim, in Schutz. Es könne nicht angehen, dass die Haredim ständig dumm angemacht werden und man solle gefälligst mehr Verständnis für die eigene Religion aufbringen. Und überhaupt, was bitteschön hat denn die säkulere Jugend aus Tel Aviv oder Hod HaScharon noch für eine Identität ? Computerspiele und Markenjeans etwa ?

Und jetzt ging Schimon sogar noch weiter in dem er verkündete, dass jemand nur dann ein richtiger Israeli sein kann, wenn er Jude ist. Und obwohl ich nicht viel mit unserem Präsidenten gemeinsam habe, gebe ich ihm in diesem Punkt zu 100% recht.

Ein Israeli ist entweder Jude oder kein Israeli !
Beides, die Religion sowie die eigene Identität, sind nicht voneinander zu trennen. Beides geht Hand in Hand und wenn eines fehlt, ist das andere nicht vorhanden. Moderne hin oder her, die Tatsache bleibt bestehen. Sogar die Palis nennen sich nicht Israelis, sondern entweder Palästinenser oder Moslems mit israel. Personalausweis. Das Wort "ISRAEL" beinhaltet mehr als nur eine lapidare Staatsbürgerschaft. Israel war der zweite Name des biblischen Yaakov und somit ist das Wort an das Jüdische Volk gebunden. Und niemand kann von außen daherkommen und alles hochmodern übernehmen. Um wirklich Israeli zu sein, gehört mehr dazu als Falafel zu essen oder Hebräisch zu sprechen. Seltsamerweise merkt man den Unterschied meistens sehr schnell.

Die Aussage von Peres kommt gerade recht zum Pessach - Fest, denn besonders dann wird der Unterschied mehr als nur deutlich.

2 Kommentare:

  1. ich habe schon eine menge ihrer blogs gelesen, frau woelke, alles sehr instruktiv und fundiert, besonders ihre erläuterungen zu den chassidischen strömungen. was sie als jüdisch-israeli zu frage jude/israeli schreiben, ist vom religiösen standpunkt auch für mich nachvollziehbar, sofern und soweit die israeli-identität allein aus einer jüdisch-religiösen identität abgeleitet wird, wie z.b. um bar mizva zu werden darf man kodem kol sein a jid. ich glaube aber, daß diese sichtweise bezogen auf das israeli-sein die folge einer gewissen distanzlosigkeit ist, die vielleicht das leben in israel mit sich bringt. die tatsache, daß arabische israelis das auch so sehen, ist aus meiner sicht kein beleg für die richtigkeit Ihrer these, sondern vielmehr ein indiz dafür, daß auch die in israel lebenden araber unter der selben distanzlosigkeit leiden. nun könnten sie behaupten, daß man als jude, der außerhalb israels lebt, vielleicht zu viel distanz hat, um das beurteilen zu können, und ich könnte so eine these kaum widerlegen, aber letztlich ist doch nicht zu übersehen, daß die rechtliche zuordnung eines individuums zu einem staat, wie z.b. eines satmarer chossid mit israelischem pass zum staat israel eine formale rechtsstellung des individuums begründet, die Sie ihm zwar ideologisch, aber nicht juristisch absprechen können. es ist deshalb sinnlos, derartige debatten überhaupt zu führen, es sei denn man will bewußt die ausgrenzung von sozialen gruppen aus einer dominierenden mehrheitsgesellschaft betreiben. ich weiß nicht, wie israelis in israel das sehen. ich als jude in deutschland bin mir jedoch sicher, daß der staat, in dem ich heute lebe nur dann eine zukunft hat, wenn langfristig das gegenteil einer ausgrenzung, nämlich die integration auch der gruppen erreicht werden kann, die dem staat, bzw. der gesellschaftlichen mehrheit ablehnend gegenüber stehen. das sind auch in deutschland in erster linie soziale gruppen mit islamischem hintergrund. weiterhin chag ssameach. cantorfahlenkamp

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  2. B"H

    Stimmt, in Israel betrachtet man vieles anders, was Diaspora - Juden nicht immer ganz nachvollziehen koennen.:-)

    Mit der Integration ist es immer so eine Sache, denn nicht jeder will auch unbedingt intergriert werden. Und hiermit spiele ich jetzt auf die Palaestinenser an. Sie wollen ihre Rechte, doch mit Integration hat das andererseits wenig zu tun. Genau zu dem Thema stelle ich am Sonntag zwei laengere Beitraege in den Blog, die sich etwas mit den Verhaeltnissen im Arabischen Viertel der Altstadt beschaeftigen.

    Israel besteht aus einer Klassengesellschaft. Jedes Grueppchen kocht sozusagen sein Sueppchen. Ob das Chassidim, Sepharadim, Ashkenazim, Palaestinenser, Tel Aviver, Jerusalemer, und und und sind. Gerade unsere Gesellschaft auf einen Stand zu bringen, ist fast unmoeglich. Und bestenfalls intergriert sich halt jeder irgendwie selbst indem er seine Nische findet.

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