Montag, 24. September 2012

Und wieder das Auswanderungsthema

B"H

Wie viele Male ich an dieser Stelle über das Thema "Nach Israel auswandern" berichtet habe, kann und will ich gar nicht mehr zählen. Die Flut der Einwanderungswilligen Deutschen jedoch scheint ungebrochen, denn tagtäglich googlen sich Leute durch meinen Blog, welche bezüglich einer Auswanderung nach Israel Tipps und Tricks suchen. Ich schätze, dass es sich dabei vorweglich um Nichtjuden handelt, die meinen, in Deutschland sei alles Mist und in Israel sei alles super toll. Um es einmal in der naiven Art Auswanderungwilliger auszudrücken.

Wie in vielen anderen Ländern unseres Planeten, so gelten auch in Israel Zulassungsbeschränkungen und nicht jeder kann einfach so kommen und sich niederlassen. Israel ist kein EU – Land, wo man eben mal so mit dem deutschen Pass einreist, Bleibe und Job sucht und das wars.

Nach wie vor sagen die Bestimmungen, dass jemand Jude sein muss, wenn er nach Israel auswandern und die Staatsbürgerschaft erlangen will. Jude mit Papieren und nicht so mal eben kommen, wie viele viele andere, und beim hiesigen Innenministerium behaupten, man sei ja eigentlich Jude, habe aber keine Papiere. Die Leier läßt sich das Innenministerium nicht gefallen und Ihr seid in dem Fall schneller aus dem Gebäude draussen als Ihr hineingekommen seid. Wischiwaschi – Ausreden gelten nicht und da sind die israelischen Behörden knallhart.

Der Trick mit "einen Israeli heiraten" funktioniert, doch bedeutet dies nicht, dass Ihr im Nachhinein besser behandelt werdet. Im Gegenteil, denn die Außenseiterposition werdet Ihr auch dann kaum mehr los und die Ministerien trampeln weiter auf Euch herum. Arbeitserlaubnis ? Nö, das Ministerium hat Zeit. Monate, manchmal ein oder zwei Jahre und wenn Ihr bis dahin verhungert auf der Straße liegt, schert das auch keinen Menschen. Israel hat genügend eigene Probleme und muss dazu die vielen jüdischen Neueinwanderer unterbringen. Da bleibt kein Platz und keine Zeit für Träumer, die nicht nach Israel gehören, aber meinen, aus Deutschland unbedingt weg zu wollen.

Selbst Israelis haben es nicht leicht im eigenen Land. Wie mag es da erst für Touristen aussehen, wenn Ihr nicht gerade ein dickes fettes Bankkonto im Hintergrund habt, was Euch erlaubt, hierzulande die hohen Lebenshaltungskosten zahlen zu können. Ich persönlich würde lieber in die USA oder nach Australien auswandern als ausgerechnet nach Israel. Aber alles scheint ja hier so einfach. Die Leute kaufen sich ein Ticket, fliegen ein und meinen, sie schaffen das schon irgendwie in Israel.

In der letzten Woche las ich auf einer israelischen Site einen Artikel über den ständig ansteigenden Tourismus im Land. Neue Hotels sind im Bau und der Tel Aviver Strand soll mehr auf Touristenattraktivitäten getrimmt werden. Unter dem Artikel befanden sich die üblichen Kommentare und dort stand nebenbeiganz klein: 

Die Touristen haben es gut. Ich war auch einmal Tourist und war so begeistert von Israel, dass ich offiziell einwanderte. Nach zehn Monaten im Land kam jedoch die Ernüchterung, denn der Alltag hat nichts mit dem Touristenspass zu tun. In Kürze kehre ich enttäuscht in mein Heimatland, die USA, zurück und wenn ich nach Israel komme, dann nur mehr als Tourist, um den Spass zu geniessen.

Links:

Zum Thema "Auswandern nach Israel" bitte die Israelische Botschaft in Berlin kontaktieren !

Die Deutsche Botschaft in Tel Aviv

Kommentare:

  1. Ich gir aus eigener Erfahrung sowas von recht. Auswandern nach Israel als nichtjude ist nicht gerade schwierig. Man muss nicht mal verheiratet sein. Eine Freundin hier reicht bereits für ein partnerschaftsvisum. Jedoch würde ich das keinem empfehlen, wenn er es nicht wirklich ernst meint. Das Leben hier ist kein honiglecken als Einwanderer. Mit Sozialleistungen etc. Braucht man in den ersten Jahren nicht zu rechnen. Und ein gefülltes Bankkonto zu haben wäre sehr von Vorteil. Es warten harte Jahre auf euch. Nix mehr mit Strand und Party. Ich habe in den letzten 12 Monaten vielleicht 3 mal das Meer aus der nähe gesehen.
    Sonnenschein ist toll. Doch nach einer weile hat man die Schnauze sowas von voll. Und am Wochenende sind mir die überteuerten eigenen 4 klimatisierten Wände lieber, als party und Strand.
    Mein Leben besteht aus arbeiten und arbeiten. Und die Kohle reicht trotzdem kaum für die teure Miete und die hohen lebenserhaltungskoste. Besser vorher 3 mal überlegen.

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  2. B"H

    Wie sehr ich das aus meinem Leben in Tel Aviv kenne. Arbeiten, arbeiten und nach der Arbeit war ich zu platt, um nochmal an den Strand zu gehen.

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  3. Es ist schon irgendwie witzig:

    Deutsche Nichtjuden wandern nach Israel aus und israelische Juden wandern nach Deutschland aus. Zumindest in Berlin habe ich bereits einige Israelis kennen gelernt, die sich dort dauerhaft niedergelassen haben.

    Was den Fall Nichtjude verheiratet mit Israeli angeht, so kenne ich auch einen flüchtigen Bekannten, der auf diese Weise nach Israel ausgewandert ist.

    Laut dem ist das Leben dort mit Sicherheit kein Zuckerschlecken (und härter als in Deutschland), was vor allem den immensen Lebenserhaltungskosten geschuldet ist. Aber zumindest was die Visa-Gesetze angeht, so soll das als Ehepartner angeblich relativ unproblematisch sein. Zu Beginn erhält man nur ein befristetes Arbeitsvisum, aber nach 3 Jahren bekommt man anscheinend Zugang zur Bituach Leumi und nach 7 Jahren Aufenthalt schließlich ein dauerhaftes Visum.

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  4. B"H

    Ich kenne einige Israelis die nach Kanada oder in die USA gezogen sind, wo es ihnen wirtschaftlich wesentlich besser geht. Gerade heute bringt die Yom Kippur Ausgabe der Zeitung ISRAEL HAYOM einen langen Artikel ueber im Ausland lebende Israelis. Diese Art der Abwanderung sei eine Schande fuer unser Land. Stimmt, aber viele sehen nun einmal mehr ihr Glueck im Ausland. Auch wegen der niedrigeren Kosten und dem groesseren Jobangebot.

    Ich denke, dass diejenigen Nichtjuden, die mit dem Gedanken spielen, sich einfach in Israel niederlassen zu wollen, in den wenigsten Faellen wissen, was auf sie zukommt. Sie meinen, Israel sei wie Deutschland und man lebe sich hier schnelle ein. Dabei besteht hierzulande ein ganz anderes Rechtssystem und die Gesellschaft funktioniert nach anderen Regeln. Deutsche Gruendlichkeit und all das geht den Leuten hier auf die Nerven. Mir haben zahlreiche Deutsche ihren Frust geschrieben. Per e - mail und man hat das Leben hier satt oder ist schon lange wieder zurueck in Deutschland und froh darueber. Trotz all dem Gejammer ist Deutschland, gegenueber Israel, ein wirtschaftlich stabiles Land mit viel besseren sozialen Absicherungen. Wer in Israel von der Bituach Le'umi (Sozialhilf oder Arbeitslosengeld) lebt, der kann in den wenigsten Faellen sein Leben meistern. Ansonsten schuften viele in mehreren Jobs und hangeln sich vom Rechnung zahlen hier zum Rechnung zahlen dort. Viel Geld zum Weggehen bleibt eh nicht uebrig und am Ende sitzt man daheim. Wenn man sich ein Daheim leisten kann und nicht, wie viele Touristen, in einem Mehrbettzimmer eines Hostels landet. Das arabische Altstadtviertel kann ein Lied davon singen, denn dort haengen viele Touristen fest und wissen nicht, wie es weitergeht.

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  5. Was ich vorhin vergessen habe: der Großteil der in Deutschland lebenden Israelis besitzt allerdings einen deutschen Pass (bzw. zumindest einen anderen EU-Pass), das macht die Einwanderung natürlich deutlich leichter.

    Nach USA, Kanada oder Australien auszuwandern ist aber als Nicht-Staatsbürger ein doch sehr schwieriges Unterfangen oder wie stellten die von dir kennengelernten Israelis das an?

    Das übrigens gerade die Israel Hayom sich darüber aufregt, finde ich schon ziemlich ironisch. Die vom Multi-Milliardär Sheldon Adelson begründete Gratiszeitung steht ja bekanntlich für Netanyahu, welcher nicht ganz unschuldig an der finanziellen Frustration vieler Israelis ist.

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  6. B"H

    Seit jeher gibt die Deutsche Botschaft in Tel Aviv die deutsche Staatsbuergerschaft an jene Israelis aus, die einwandfrei nachweisen koennen, dass ihre Vorfahren aus Deutschland stammen. Eltern und Grosseltern, wie in den meisten Faellen.

    Andererseits besitzen unzaehlige Israelis durch ihre Abstammung amerikanische, kanadische, britische, suedafrikanische oder australische Paesse. Israel erlaubt mehrere Staatsbuergerschaften, die USA duldet sie schweigsam, nur Deutschland erlaubt gar nichts. Deswegen habe ich auch nie um meine deutsche Staatsbuergerschaft gekaempft. Sie ist mir nicht wichtig und ich bin eh immer nur in Israel.

    Stattfinden tut die israelische Auswanderung schon jahrelang. Junge saekulere Israelis zieht es nach Berlin. Ihre Grosserltern haette bei dem Gedanken noch der Schlag getroffen, doch Berlin scheint IN zu sein. Das hat weniger mit Netanyahu zu tun als dass viele mal etwas anderes sehen wollen. Die Mehrheit aber zieht es nach wie vor in die Staaten. Schon allein der juedischen und israelischen Community wegen.

    Israelis, die nach Berlin ziehen, geben an, vor allem aus kulturellen Gruenden dorthin zu ziehen. Viele Tel Aviver Kuenstler oder jene aus dem Norden, die einmal nur Grossstadtluft schnuppern wollen. Berlin ist halt doch noch erschwinglicher als Tel Aviv. :-)

    Mich dagegen zieht es hier nicht weg. Ganz im Gegenteil, ich bin mehr als froh, in Israel zu wohnen. Auch wenn ich meine deutsche Staatsbuergerschaft einbuesste.

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