Donnerstag, 14. Juli 2011

500,000 Touristen werden im Juli / August 2011 in Tel Aviv erwartet


Vielfalt in Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke

B”H

Laut der aktuellen Ausgabe des Tel Aviver Wochenblatt “Ha’Ir” werden in diesem sowie im kommenden Monat August 500,000 Touristen in der Küstenstadt erwartet. Jedenfalls wurde diese Zahl vom Touristenminister bekannt gegeben. 500,000 Touristen in nur zwei Monaten und die Tel Aviver Wirtschaft hat Grund zum Lachen. Die Bewohner vielleicht weniger, denn immer wieder fallen einige Touristen negativ auf. Drogen, Diebstahl und vor allem das Randalieren im Suff. 

Wer jetzt noch schnell ein Hotel – oder Hostelzimmer buchen will, hat wahrscheinlich Pech. Es sein denn, er akzeptiert Höchstpreise. Derzei geht einfach alles weg und die Besucher zahlen jeden Preis für das kleinste Hotelloch. Was aber macht gerade Tel Aviv so attraktiv, dass die Besucher gleich 1 – 3 Wochen in der Stadt verweilen ? Wäre es nicht anzunehmen, dass die Leute ein paar Tage Tel Aviv buchen und danach nach Jerusalem und andere Orte weiterziehen ? Was ist mit Haifa, Tiberias oder Beersheva ? Will dort keiner übernachten ?

Tel Aviv bietet dem Besucher eigentlich alles. Nightlife, Sehenswertes, Kulturelles, Strand, Meer, Buntes und Flippiges. Nicht zu vergessen die Unmenge von Shopping – Gelegenheiten. Zwar ist Tel Aviv eine übermässig teure Stadt, doch im Urlaub drückt man bekanntlich eher ein Auge zu und ernährt sich aus dem superteuren Supermarkt AM:PM. Eine Ladenkette, welche in Tel Aviv an fast jeder Straßenecke zu finden ist.

Seit geraumer Zeit leidet die Jerusalemer Hotelbranche an dem Rückzug der Touristen. Tel Aviv hingegen boomt. Woran das liegt ? Der Tourist sucht sich stets gerne einen festen Standort. Seine Basis sozusagen, von der aus er überall hinreist. Für Tel Aviv spricht da die zentrale Lage. Innerhalb einer Stunde ist man mit dem Bus in Jerusalem und vielen Besuchern reicht ein Tagestrip. Morgens los nach Jerusalem, abends wieder heim in die eigene Basis in Tel Aviv. Und wer morgens den allerersten Bus nach Tiberias am See Genezareth (Kinneret) nimmt, hockt zwar einige Stunden im Bus, doch kann genau so gut einen Tagestrip in die Stadt im Norden durchziehen. Dasselbe Spiel mit Haifa, dem Toten Meer oder Beersheva. Wozu also mehrere Unterkünfte buchen, wenn doch eigentlich eine reicht ?

 
Photo: Miriam Woelke


Tel Avivs Taxifahrer, Bar – und Restaurantbesitzer sowie Läden, Hotels und Hostels warten begierig auf die vielen Touristen, die da auch ihr Geld auszugeben suchen. Die Gastronomie stellte viele Neueinwanderer aus allerlei Ländern ein, die in der Lage sind, die Touristen in der jeweiligen Muttersprache zu bedienen. Somit stehen dann auch russische Kellnerinnen an oberster Stelle. Wer Russisch, Französisch oder Spanisch kann, findet in der Gastronomie zwar mies bezahlte Jobs ohne viel Absicherung, doch immerhin Jobs.

Leider vergaß der “Ha’Ir” Artikel, auf die Nachteile hinzuweisen. Nämlich die Touristenkriminalität, den Suff, das Gröhlen und vor allem auf eines: Den extrem hohen Wasserverbrauch, denn die Touristen duschen, was das Zeug hält. Dort, wo ein Israeli ans Wassersparen denkt (der Kinneret trocknet immer weiter aus), läßt es der Tourist krachen und steht fast eine halbe Stunde unter der Dusche. Zwei bis dreimal am Tag, denn in den Sommermonaten wird viel geschwitzt.

Jenseits der Arbeit habe ich mit Touristen nichts zu tun und suche auch keine Kontakte. Lieber ziehe ich mich zurück ins israelische Leben mit den hiesigen Freunden und Bekannten. Nach ein paar Wochen verabschieden sich die Touristen eh und was soll man mit derlei Bekanntschaften anfangen ? Gar nichts.

Kommentare:

  1. Aus welchen Ländern kommen die Touristen?

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  2. B"H

    Aus aller Herren Laneder, wobei manche davon ihre eigene Saison haben. So wird im August Tel Aviv vorwiegend mit Franzosen gefuellt.

    Allgemein aber kommt die Mehrheit der Touristen aus den USA, viele Suedamerikaner, Russen, Franzosen - wie gesagt, Deutsche kommen sehr viele, Hollaender, Skandinavier und Briten.

    Was mit auffiel ist, das der Anteil der Besucher aus Japan, Korea oder China abgenommen hat. Bei Japan duerfte der Grund klar sein, denn dort hat man momentan andere Sorgen.

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  3. Kommen Franzosen mit der israelischen direkten Art klar? Ich kann mir das nicht vorstellen nach meinen Jahren in Frankreich.

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  4. B"H

    Sagen wir es einmal so: Franzosen haben es durch ihre laute Art einfacher, sich den Israelis anzupassen als Deutsche.

    Nichtsdestotrotz cliquen die Franzosen unter sich, lernen aber trotzdem schnell Hebraeisch. Ich beziehe mich hier auf die Neueinwanderer.

    Von den nichtjued. Franzosen habe ich, ehrlich gesagt, gar keine Ahnung. Die franz. Neueinwanderer in Israel kommen meistens recht gut klar, fahren aber haeufig auf Besuch zur Family nach Paris. :-)

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