Sonntag, 14. August 2011

"HaMefunakim - Die Verwöhnten"

B”H

Eigentlich plante ich für morgen einen Trip nach Jerusalem, doch das Vorhaben liess ich fallen, nachdem sich herausstellte, dass ich heute verdammt wurde, länger zu arbeiten. Mit dem Ergebnis, dass ich so ziemlich platt bin und wenn ich einmal frei habe, ich mich morgen nicht danach fühle, gross herumzustressen. Daher bleibe ich in Tel Aviv und gebe mich einigen Lokalaktivitäten hin.

Unter den Arbeitskollegen kommt jetzt ironischerweise immer wieder das Thema “Zeltdemo gegen Mietwucher und für soziale Gerechtigkeit” auf. “Dann ziehe ich halt in die Rothschild !”, so der beliebte Spruch vieler. Auf den ersten Blick gar nicht mal so schlecht, denn man nimmt seine Habe und zieht ins Zelt. So wird zumindest die Miete eingespart; nur mit dem Duschen und der Hygiene hapert es. Natürlich kann nicht jeder auf und los ins Zelt, wenn er denn da viele Möbel und wer weiss was daheim stehen hat. Für so manchen Obdachlosen, ob normal oder nicht, kann solch ein Zelt eine zeitweilige Alternative sein. Wenigstens solange bis ihn die Demonstranten wegen auffallendem Wahnsinn hinausbefördern. Und der Wahnsinn bzw. metanle Probleme sind in unserer Gesellschaft nichts Ungewöhnliches. Die Meschuggenen laufen überall herum und zu allem Übel reissen sie einem noch die Tür auf und brüllen ein grunzendes “Urrrghhh” in das Café oder den Laden. Schlimm wird es erst, wenn die Schizophren – Fälle der Touristen aktiv werden und selbst die Tel Aviver Meschuggenen noch blass aussehen lassen.

Abgesehen vom Zelt in der Rothschild – Ich finde die dortige Herumhängerei einfach widerlich. Morgens bis in die Puppen pennen und dann jammern, es gehe einem schlecht und der Kühlschrank sei leer. Alle seien schuld am Abstieg zur Unterschicht, nur derjenige selber natürlich nicht. “Null Bock”, aber der Staat soll helfen.

Wer Tel Aviv zu unerschwinglich findet, der soll in die Vororte ziehen. Wo liegt das Problem ? Wieso kann Mr. Student oder jemand anderes nicht in Rishon LeZion, Yehud oder Rosh HaAyin wohnen ? Weil jemand von dort aus länger braucht, um sich in die Bars an der Ibn Gavirol, am Hafen, in Florentin oder Ramat HaChayal zu hocken ? Weil derjenige weiter weg nicht mehr so toll IN ist ?


Israelis leben weit über ihre Verhältnisse


Photo: Walla


In der Tel Aviver Küstenregion hausen die Leute fast aufeinander. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich meine Nachbarin von gegenüber ihr Schnitzel in die Pfanne hauen. Haus an Haus gereiht und kaum mehr Platz. Dasselbe mit den Berufen in und um Tel Aviv. Alle wollen Anwalt, Hightechler oder Büromensch werden und wenn es da keine freien Stellen gibt, wird halt gar nichts gearbeitet. Besonders junge Israelis sind verwöhnt bis zum geht nicht mehr. Der Blick schweift auf diejenigen, welche mit ihren iPhones hantieren, in der Mittagspause in der KANTINA am Rothschild Boulevard hocken und auf Bank – oder Versicherungsmanager machen. Steht man selber daneben und hat gar nichts, soll gefälligst der Staat helfen. Ist das dann soziale Gerechtigkeit ?




 Wie die Sardinen aufeinander - Leben in Tel Aviv

Photos: Miriam Woelke



Jeder hat zu kämpfen und den Vermietern von Tel Aviv ist es schnurzpiepegal, ob in der Rothschild, der Nordau oder auf dem Ben Gurion Boulevard Zeltdemos stehen. Die Zelt - Heinis sind für die Vermieter eh uninteressant, denn es werden solvente Mieter bevorzugt. Und Wohnungssuchende, die bereit sind, die hohen Mieten zu zahlen, finden sich immer. Deswegen ist niemand auf ein bisschen Demo angewiesen und demzufolge bewegen sich die Mieten keinen Deut nach unten.

Kommentare:

  1. Hm, bis die Zelt Demos populär wurden, hast Du auch ständig proklamiert, das in israel die Mieten super hoch sein, das die Preise für die alltäglichen Dinge wahnsinn sind und das die menschen dort zu tun haben mit 2 Jobs über die runden zu kommen und es trotzdem zu nichts reicht..
    Wenn jetzt viele Menschen genau das anprangern, solltest Du dich dann nicht ehr freuen??
    Anstatt das nun alles abzuwerten? Sind die Mieten gefallen? Die Preise`? Oder sind die Löhne gestiegen für normalos?

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  2. B"H

    Ich tue die Demos nicht abwerten, denn sie sind gerechtfertigt, auch wenn keine einzige Regierung, wie sie denn auch immer aussehe, eine Loesung herbeizuzaubern in der Lage ist.

    Was ich jedoch anprangere, sind die Hintermaenner. Die Organisatoren, die da nicht unbedingt den Mietwucher im Auge haben, sondern den Fall der Regierung.

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