Samstag, 14. April 2012

Günter Grass und das Einreiseverbot nach Israel

B"H 

Günter Grass selber vergleicht das vom israelischen Innenminister Eli Yishai ausgesprochene Einreiseverbot mit den Methoden der einstigen STASI. Werfen wir jedoch einmal einen Blick auf die offizielle israelische Gesetzgebung: 

Einreisebestimmungen Israel

http://embassies.gov.il/berlin/ConsularServices/Pages/local-visa-information.aspx

Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren. Die israelische Gesetzgebung besagt, dass deutsche Staatsbürger, die vor 1928 geboren wurden, eines Visums nach Israel bedürfen. Deutsche, die danach geboren worden sind, benötigen im Vorfeld kein Visum, sondern erhalten ein gewöhnliches 3 – Monats - Visum bei der Einreise am Ben Gurion Airport. 

Günter Grass jedoch fällt unter das Visum – Gesetz und müsste, bei einer etwaigen Reise nach Israel, sein Visum im voraus, sprich bei der Israelischen Botschaft in Berlin, beantragen. Als ehemaliges Mitglied der Waffen – SS sehe ich da jedoch einige Schwierigkeiten anrollen, denn Nazis oder SS – Leuten dürfte ein Visum verweigert werden. Deswegen ist es fast unerheblich, was Eli Yishai sagt. Grass ist von vornherein für eine Israelreise unqualifiziert. 

Für deutsche Staatsbürger, die vor 1928 geboren sind benötigen wir folgende Unterlagen, um ein Visum nach Israel ausstellen zu können: 

- Ihren Reisepass im Original, der mindestens noch 6 Monate gültig ist 

- Visaantragsformular, vollständig ausgefüllt und persönlich unterschrieben 

- ein aktuelles Lichtbild 

- Ausgefüllte Erklärung 

- Ihre Adresse in Israel (im Antragsformular einzutragen) oder Hotelreservierung 

- Telefonnummer (im Antragsformular bei der deutschen Adresse einzutragen) 

- Bestätigung eines Reisebüros, dass Hin- und Rückflug gebucht wurden 

- Einen mit €4 frankierten und adressierten Rückumschlag 

 visa@berlin.mfa.gov.il

Kommentare:

  1. Meiner Meinung nach war die Reaktion der israelischen Regierung ein einziges Desaster.

    Es wäre doch viel besser gewesen, wenn die israel. Regierung Günter Grass einfach mal für 1-2 Wochen nach Israel eingeladen hätte. Selbstverständlich mit einem ausgiebigen Rundgang und Aufenthalt in Sderot, Ashkelon und Kiryat Shmona. Ein Besuch im Raketen-Museum und ein persönliches Gespräch mit Bewohnern in Sderot hätte Grass ebenfalls sicher nicht geschadet.

    Aber diese Kindergarten-Reaktion mit Einreiseverbot und Nobelpreisaberkennung war nur negative Israel-PR und hat sicherlich keine neuen Freunde geschaffen.

    AntwortenLöschen
  2. B"H

    Meinst Du die Regierung als Ganzes oder Innenminister Eli Yishai ?
    Zu Yishai kann ich sagen, dass es sephardischer Jude ist und die Sepharadim den Holocaust aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten als aschkenazische Juden. Teilweise gibt es diese Art der liberalen Toleranz, welche aschkenazische Juden diesbezueglich hinlegen, bei sepahrdischen Juden nicht. Dort sind und bleiben Nazis Nazis und in dem Punkt hat Yishai nicht ganz unrecht. Was wuerde es nutzen, denn Waffen - SSler einzuladen und ihn zu hofieren ? Das scheint mir absolut absurd, solch einen Mann mit SS - Vergangenheit nach Israel einzuladen.

    Ich halte es fuer unwahrscheinlich, dass Grass ueberhaupt einen Israelaufenthalt in Planung hat, doch irgendwo muss ein Punkt gemacht werden.

    AntwortenLöschen
  3. Beide bzw. eben die zuständigen Poltiker (Innenminister, Außenminister, Premier/Präsident).

    Ich meinte einfach, dass Israel sich mit solchen Reaktionen auf der weltweiten politischen Bühne nur noch weiter ins Abseits/Isolation manövriert. Günter Grass und Millionen von ähnlich denkender Leute werden sich nämlich nun in ihrer Meinung umso mehr bestätigt fühlen.

    Hätte Israel dagegen Grass das Angebot gemacht, z.b. 1 Woche im raketengeplagten Sderot zu verbringen und sich alles vor Ort anzusehen und mit den israelischen Bewohnern zu sprechen, würde sich möglicherweise Grass es nochmals überlegen, wer nun im Nahen Osten der wahre Aggressor ist.

    Hätte Grass das Angebot abgelehnt, könnte im Gegenzug niemand Israel einen Vorwurf machen.

    Das Ganze meine ich übrigens unabhängig vom Holocaust oder einer SS-Vergangenheit, denn hätte ein Schriftsteller, der nach dem WW2 geboren ist, so etwas gesagt, sollte die Reaktion ebenfalls die gleiche bleiben.

    Von daher war das IMO von Israel ein Schuss ins eigene Bein.

    AntwortenLöschen
  4. B"H

    Sieh es doch mal so:

    Vielleicht haben sie alle, genau wie ich, einfach nur die Schnauze voll Idioten immer wieder neue Toleranz entgegenzubringen. Ich sehe keine Schaedigung Israels in der Welt. or allem dann nicht, wenn man sich die internationalen Kommentare anschaut. Dort hat sich Grass allein mit seiner SS - Vergangenheit disqualifiziert.

    AntwortenLöschen
  5. Ja, es ist halt schwierig, denn Fakt ist: egal wie mans dreht und wendet, Israel steht immer im weltweiten Kreuzfeuer..

    AntwortenLöschen
  6. B"H

    Ich haette es jedenfalls fuer keine gute Idee gehalten, einen SS - Mann nach Israel einreisen zu lassen. Egal, ob er Grass oder sonstwie heisst. Und die Welt sah das in dem Punkt meist nicht anders. Aber Grass ist nicht die Welt und Israel hat andere Probleme.:-)

    AntwortenLöschen