Mittwoch, 28. Februar 2007

Die Gruft in Talpiot

B"H

Der Jerusalemer Stadtteil Ost - Talpiot erfreut sich dieser Tage hoher Beliebtheit. Kamerateams ueberall und das alles wegen ein paar wieder gefundener Saerge.

Es geht um ein Kamerateam, welches glaubt, die Saerge von J., dessen Frau Maria Magdalena sowie weiteren Juengern bzw. Familienmitgliedern gefunden zu haben. Die Saerge wurden schon im Jahre 1980 entdeckt, doch waren irgendwie verloren gegangen. Nun sind sie also wieder da und das Kamerateam gleich mit.

Christen in aller Welt sind schockiert, wuerde diese Nachricht, wenn sie denn wahr waere, die sogenannte G-ttlichkeit von J. in Frage stellen. Ein menschliches Skelett in einem Sarg ? Und dann noch Maria Magdalena als seine Ehefrau ?
Das beste kommt noch: Es wird ebenso behauptet, dass die beiden einen Sohn namens Yehuda gehabt haben.
Soweit das Kamerateam, welches weltweit Aufsehen erregte.

Kritiker meinen, dass hier der Trend des Buches "The DaVinci Code" ausgenutzt wird. Ein Historiker sagte, es sei hoechst unwahrscheinlich, dass die Family von J. eine Familiengruft in Jerusalem / Talpiot besessen haette. Kamen sie doch aus Nazareth und waren keine Jerusalemer.
Die Regierung will nun eine komplette Oeffnung des Grabes erlauben, zwecks DNA - Tests.

Wie dem auch sei, in Talpiot ist endlich einmal was los. Die Bewohner stellen sich schon die Frage ob man nicht doch Eintrittsgeld fuer die Grab - Location verlangen solle.

Warten wir mal ab, was herauskommt.

Sonntag, 25. Februar 2007

Kultur im Wohnzimmer

B"H

Vorgestern gab es einen sehr interessanten Artikel in der Wochenendausgabe der Zeitung MAARIV.

Israelis haben ein neues Hobby gefunden; anstatt massenhaft Geld fuer Theater, Seminare oder Konzerte auszugeben, findet dies nun alles vom heimischen Wohnzimmer aus statt.
Leute mit gleichen Interessen tun sich zusammen und organisieren diverse Veranstaltungen selbst. Man findet sich entweder ueber das Internet oder durch einen gemeinsamen Bekanntenkreis.

Privat werden Konzerte oder Buchvorlesungen vorgetragen. In Tel Aviv gibt es sogar einen Yiddishkurs. Selbst Diskussionen ueber Bier werden angeboten. Fuer jeden ist etwas dabei und falls nicht, gruendet er eine eigene Interessengruppe.
Alles von daheim aus wohlgemerkt. Selbstgekochtes wird dabei auch serviert.

Wer glaubt, dass es sich dabei um irgendwelche Anfaengerkurs mit Laien handelt, der irrt. Sogar Professoren erklaeren sich bereit, bei solchen Veranstaltungen kostenlos Vortraege zu halten.

Wer interessiert ist, findet sicher auch fuer sich etwas im israel. Internet.

Samstag, 24. Februar 2007

Purim

B"H

Wer sich derzeit in Jerusalem befindet, der findet in allen Laeden Geschenkkoerbe mit Suessigkeiten, kleinen Weinflaschen und sonstigem Schnickschnack zu kaufen. Israelis lieben solchen Geschenkkoerbchen zu verschenken, was immer ein Zeichen dafuer ist, dass ein weiterer Feiertag im Anmarsch ist.

Naechste Woche ist Purim. In Jerusalem beginnt Purim naechste Woche am Sonntag abend. Warum einen Tag spaeter als anderswo im Land, erklaere ich morgen auf meinem relig. Hamantaschen - Blog.

Ab dieser neuen Woche steigen in den Schulen aber schon riesige Purim - Parties. Religioes oder nicht, alle Schueler verkleiden sich.
Also nicht erschrecken, wer staendig irgendwelche Kostuemierten sieht oder wenn Knallkoerper umherfliegen. Es ist Purim !!!!!

Fuer naechste Woche schonmal PURIM SAMEACH an alle. Happy Purim !!!!

Mittwoch, 21. Februar 2007

Baruch Dayan HaEmet

B"H

Die kurdische Gemeinde Jerusalem trauert um einen ihrer groessten Rabbiner.

Rabbi Chaviv Alon (Alwan) verstarb letzten Mozzaei Shabbat (Shabbatausgang Samstag abend). Er wurde 100 Jahre alt und war Ehrenbuerger der Stadt.
Heute ging ich zur Shiva, heisst, den Hinterbliebenen einen Trauerbesuch abstatten. Dies ist im Judentum so ueblich.
Ich kannte den Rabbi nicht persoenlich, doch kenne ich alle seine Kinder. Der juengste Sohn ist der Besitzer der Baeckerei, in der ich arbeite. Allerdings habe ich viele Stories ueber Rabbi Alon gehoert. Dessen Vater war uebrigens ebenso ein grosser Rabbi und nach ihm ist in Jerusalem eine Strasse benannt (Rabbi Shabtai Alwan Street, nahe dem Machane Yehudah Markt).

Kommende Woche werde ich zusammen mit der Familie einen Beitrag ueber Rabbi Alon auf meinem Hamantaschen Blog http://hamantaschen.blogspot.com/ verfassen.

Wer jetzt schon einmal nachlesen will, was Rabbi Chaviv Alon tat, der kann dies auf diesem Link tun: http://hamantaschen.blogspot.com/2006/10/das-verfluchte-gebaeude.html
Es geht dabei um einen Fluch, den er von unserer Baeckerei nahm.

Sonntag, 18. Februar 2007

Tikvatenu

B"H

Wie ich schon zuvor schrieb http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2007/02/aliyah-damals-und-heute.html , nahm ich wenige Wochen nach meiner Aliyah (Einwanderung nach Israel) am Kurs bei Tikvatenu teil. Dieses ist ein sogenannter Ulpan (Sprachkurs), doch eigentlich lernt man mehr ueber die israelische Gesellschaft als Hebraeisch. Davon abgesehen kann nur jemand in den Kurs, dessen Aliyah nicht vor mehr als 10 Jahren stattfand und ein Muss ist die hebraeische Sprache.

Die Location von Tikvatenu ist gegenueber dem Rabbanut (Oberrabbinat) nahe des Zentralen Busbahnhofes in Jerusalem. Wer interessiert ist, kann sich an Ilana oder Judy wenden.

Ziel des dreimonatige Kurses ist es, Neueinwanderer auf das Arbeitsleben in Israel vorzubereiten bzw. etwaigen arbeitslosen Olim neue Jobs zu suchen. Vor allem fuer Russen ist dieses Programm von Vorteil, haben sie doch in ihrem Leben noch nie eine Bewerbung geschrieben.
Nach ca. vier Wochen Ulpan bei der Lehrerin Linda, begannen wir zu lernen, wie man sich auf israelisch bewirbt. Meine Klasse war optimistisch. Im Jahre 2000 war die Arbeitsmarktlage noch besser als sie heute ist, denn die HighTech - Branche bluehte.

Je besser das Ivrit (Hebraeisch) und die Qualifikationen, desto besser die Jobaussichten. Allerdings teilte man uns gleich von vornherein mit, dass wir lieber erstmal klein anfangen sollten. Nur nicht mit grossen Anspruechen daher kommen. 

Eines morgens kam sogar eine Psychologin in die Klasse und jeder machte bei ihr individuell einen Test. Natuerlich war jeder Neueinwanderer auf eine bestimmte Branche fixiert, aber dennoch machte die Psychologin einen sehr guten Vorschlag. Wieso nicht einmal etwas ganz Neues ausprobieren, was ich uebrigens nie vergass und jetzt gerade mache.

Damals aber waren wir zu fixiert auf Buerojobs oder Aehnliches. So schickte man mich zu einer HighTech - Firma im Jerusalemer Technology Park. Ich bekam den Job in einem Call - Center, was ich schon nach zwei Tagen bitter bereute. Ich bin kein Call - Typ und in dem Center konnte ich mein Hebraeisch weder benutzen noch verbessern. Alles war auf Englisch und die Mitarbeiter Briten oder Amerikaner, die in ihrem Ghetto lebten. Die ganze Atmosphaere gefiel mir nicht und ich ging ein paar Monate spaeter. Die Firma war eh am Boersenrutsch und die Leute wurden entweder gefeuert oder gingen freiwillig.

In Israel ist das so eine Sache mit dem gefeuert werden. Jeder, der keinen besonderen Arbeitsvertrag hat, kann jederzeit gefeuert werden. Das ist Gang und Gebe. Vor allem in Call - Centers. Wer aus dem Call - Center gefeuert wird, geht gleich um die Ecke in das naechste.

Unser hilfreichster Unterricht war bei Avi, unserem hebraeischen PC - Lehrer. Eines Tages klaerte er uns ueber die israelische Gesellschaft auf. Zuerst mussten wir ihm sagen, was wir von Israelis hielten und kurz davor erzaehlte er uns, wie denn die Israelis die Neueinwanderer sehen. Was natuerlich davon abhaengig war, aus welchem Land der Neueinwanderer kommt. 

Fazit: Israelis haben immer recht und man widerspricht seinem Boss nicht. Die Russen waren schon besonders gut darauf trainiert.

Arbeitsmoral und Chefs funtionieren in Israel anders als in Deutschland und vor allem stoesst ein Neueinwanderer immer auf die Grenzen der Protektia, welche er nicht hat.
Israel ist ein kleines Land und irgendwie hat man das Gefuehl, dass sich alle Leute kennen. Aus der Schule, von der Armee, Familie......Gibt es Verguenstigungen oder Jobs, so wird erstmal in den Kreisen herumgefragt. Selbst bei der Buerokratie. Wer kennt wen bei der Stadt, Regierung oder im Finanzamt. Der Neueinwanderer dagegen muss sich seine Protektia erst aufbauen, was ihn um so manche Chancen bringt.

Die Leute aus meinem Kurs habe ich, bis auf wenige, nicht wieder getroffen. Schade eigentlich, denn es war eine gute Klasse. Ich kann Tikvatenu nur weiterempfehlen. Einen Job haben fast alle gefunden, wenn auch viele nur befristet.

Die israelische Bewerbung sollte auf nur einen DIN - A4 Seite getippt werden. Diese wird per Fax an die Arbeitgeber gesandt und wer Glueck hat, bekommt einen Rueckruf zum Vorstellungsgespraech. Wer nach zwei Tagen noch keinen Rueckruf hat....weitersuchen. Die Bewerbung sollte kurz sein. Mit den Inhalten was man fuer Erfahrungen hat, wo man arbeitete und was genau die Position / Aufgaben waren.

Freaks in Jerusalem

B"H

Jerusalem als Mittelpunkt der Welt zieht allerlei Leute an. Wer einmal hier ist, der kann sie oft am Zion Square in der Innenstadt sehen: Die Breslover Chassidim. Zur allgemeinen Volksbelustigung.

Ein Video davon seht ihr im vorherigen Beitrag.

Breslover Chassidim am Zion Square Jerusalem

Freitag, 16. Februar 2007

Freitagsgebet auf dem Tempelberg

B"H

Vielleicht nervt das Thema ja schon, was aber die gesamte Weltpresse heute nicht davon abhielt, sich wieder auf der Promenade gegenueber der Klagemauer zu postieren und auf Action zu warten.

Das Wetter ist regnerisch und so wurden alle Kameras verhuellt. Die Satellitenschuesseln wurden aus den Wagendaechern ausgefahren und dann ging es los. Reporter postierten sich vor den Kameras und warteten, warteten, warteten. Die junge Dame der BBC, heute mit stechend rotem Mantel statt dem blau von letzter Woche, gab schliesslich auf, ihre Haare zu richten und setzte sich. Packte ihre Schokoladenplaetzchen aus und ass. Nicht, nicht, nichts...

Das Freitagsgebet war vorueber und dann zog sogar die Polizei, die ausserhalb des Mugrabi - Tores stand, wieder ab. Man liess die Moslems heute beten und abziehen. Die Presse wusste nicht recht, was sie machen sollte und so wurde die Polizei gefilmt.

Touristen standen auch herum. Eben zum Schluss kamen "endlich" Schuesse aus Richtung Silwan, dem arab. Dorf unterhalb des Oelberges. Die BBC - Dame liess sofort ihre Schokoladenplaetzchen fallen und sprang auf. Aber wieder nichts. Einige Palis unter sich warfen irgendwelche kleinen Sprengkoerper und jemand meinte, dass die ja jetzt auf sich selber schiessen.

Das wars fuer heute. In den Nachrichten werdet ihr nichts sehen.

Shabbat Shalom.

Temple Mount Truth - Die Wahrheit ueber den Tempelberg

B"H

Auf der Site von Honest Reporting koennt ihr einen sehr ausfuehrlichen Artikel ueber die Vorgaenge am und um den Tempelberg finden:

http://www.honestreporting.com/articles/45884734/critiques/Temple_Mount_Truths.asp

Donnerstag, 15. Februar 2007

Neue Auschreitungen zu erwarten

B"H

Morgen werden nach dem Muslemischen Freitagsgebet auf dem Tempelberg neue Ausschreitungen erwartet. Die Polizei riegelt mit einem riesen Aufgebot die Zugangstore in die Altstadt ab. Auf dem Tempelberg duerfen nur maennl. Muslims ueber 45 Jahre beten. Bei Frauen gibt es keine Beschraenkungen.

Ausserdem soll eine etwaige Demonstration im arab. Teil der Altstadt stattfinden.

Internationale Buchmesse in Jerusalem

B"H

Vom 18. - 24. Februar 2007 findet im Jerusalemer Convention Center (Binyanei HaUma) die Internationale Buchmesse statt. Viele Laender, u.a. auch Deutschland, werden vertreten sein. Der Eintritt ist frei.

Dienstag, 13. Februar 2007

Jobs mit G-ttes Hilfe

B"H

Am vergangenen Shabbat traf ich bei meinem Rabbi einen Freund von mir. Dough aus Florida, um die 50 Jahre alt, etwas freaky und im letzten Jahr nach Israel eingewandert. Eigentlich kam er zusammen mit seiner Frau auf Urlaub nach Israel und es gefiel ihm hier so gut, dass er sich spontan entschloss, Aliyah (Einwanderung) zu machen. Seine Frau wollte nicht und daher sind sie heute geschieden.

Er andererseits war froh, sich ein neues Leben aufbauen zu koennen. Auf die Anerkennung seiner Aliyah durch das Innenministerium musste er fuenf Monate warten, denn er hatte erst keinen richtigen Nachweis, dass er wirklich Jude ist. Irgendwann dann klappte es aber, nachdem irgendwelche Rabbis aus den Staaten Faxe an das Ministerium sandten.
Schon waehrend der ersten Wochen in Jerusalem fand Dough Arbeit. Er ist der Typ, der einfach in Firmen hineingeht und fragt, ob man Leute einstellt. Seine offene Art machte anscheinend Eindruck.
Seinen ersten Job bekam er von AOL. Dort sollte er amerik. abgesprungene Abo - Kunden ueberreden, doch wieder bei AOL einzusteigen. Dough fand eine Wohnung und machte richtig Geld.

Letzten Shabbat traf ich ihn also und er erzaehlte mir folgende Story:
Vor wenigen Wochen fand er eine supergrosse Wohnung fuer die er 1400 Dollar monatliche Miete zahlt. Eine riesen Summe. Naja, meinte er, schliesslich seien ja jetzt seine Moebel aus Florida eingetroffen und da brauche er Platz.

Genau einen Tag nach dem Einzug feuerte AOL alle Angestellten. Dough ging zur Klagemauer und sagte fuer Beistehende hoerend einige Gebete. u.a. warum G-tt ihm das angetan haette und das er jetzt einen neuen Job brauche.
Dann wollte Dough heimgehen, doch nach wenigen Metern sprach ihn jemand an. Er haette an der Klagemauer gehoert, dass er einen Job brauche und er haette einen fuer Dough, der natuerlich annahm.
Der Job war schlecht und das Gehalt auch. Einige Tage spaeter bekam Dough einen Anruf von einem Ex - AOL Angestellten. Eine andere Firma brauche dringend Leute im Call - Center. Flexible Stunden und gutes Geld. Dough wechselte ueber und kann nun seine Wohnung bezahlen.
Er meinte zu mir, glaub es oder nicht, das Gebet hat echt geholfen.

Wer einen Job in Jerusalem sucht, Call - Center suchen immer Leute mit mehreren Sprachen.

Montag, 12. Februar 2007

Buchtip

B"H

Heute kaufte ich mir ein sehr gutes historisches Buch. Es ist auf Englisch und heisst "THE CRUSADERS" - Die Kreuzritter. Der Autor ist Robert Payne.

Ob das Buch in deutscher Sprache erhaeltlich ist, weiss ich nicht.
Robert Payne beschreibt sehr genau die Geschichte und Hintergruende der Kreuzzuege und arbeitete an dem Buch sieben Jahre lang.

Sonntag, 11. Februar 2007

Besuch

B"H

Der Grenzgaenger http://grenzgaenge.wordpress.com/ hat noch nichts von heute in seinen Blog geschrieben und so schreibe ich etwas in meinem.
Obwohl ich nicht unbedingt grosse Besuche liebe, habe ich mich heute frueh mit ihm getroffen. Wir verbrachten einen tollen Morgen / Nachmittag zusammen und nun sind meine Fuesse mehr als platt vom laufen. Wir waren Kaffee trinken, in Mea Shearim, Essen und spaeter in der Altstadt.

Im juedischen Viertel gingen wir an der Klagemauer vorbei, wo die Bauarbeiten an der neuen Bruecke weitergehen und keine Mauern am Tempelberg in Gefahr sind. Ich weiss nicht, wie die Leute soetwas behaupten koennen, denn jeder der dort ist, kann sich selbst ein Bild machen. Vielleicht schaut es ja im TV anders aus. Wer weiss...
Die Regierung hat heute jedenfalls verlauten lassen, dass die Bauarbeiten wie geplant weitergehen werden. Warum auch nicht ?

Kurz danach gingen in die nahegelegene Stadt "The City of King David" (Ir David) http://www.cityofdavid.org.il/index.html , welche der Grenzgaenger noch nicht kannte. Dort liessen wir uns ersteinmal nieder und sahen u.a. neue Ausgrabungen. Komisch, dass sich ueber diese Ausgrabungen niemand aufregt.
Die City of King David, das antike Jerusalem des Koenig Davids, liegt fast mitten im arabischen Dorf Silwan, ausserhalb der Altstadtmauer. Koennten die Ausgrabungen da nicht vielleicht das arabische Dorf in Gefahr bringen und Haeuser zum einstuerzen bringen ?
Wo bleibt da die Berichterstattung ? Wir sahen keine Kameras, sondern nur einige israelische und arabische Volontaere, welche an den Ausgrabungen beteiligt waren.

Freitag, 9. Februar 2007

Schuesse auf dem Tempelberg

B"H

Vor etwas mehr als einer Stunde kam ich in die juedische Altstadt und sprach mit einem Freund, der hier in einem der Souvenir - Shops arbeitet. Ploetzlich hoerten wir Schuesse und alle Leuten rannten die Treppen in Richtung Klagemauer hinunter, damit sie sehen konnten, was los war. Der Tempelberg selbst war voll Qualm, denn die israelische Polizei und Grenzpolizei feuerten Traenengas.
Der Himmel ueber dem Felsendom war voll Rauch und Steine, welche die Palaestinenser schmissen. Staendig waren Schuesse zu hoeren und einige verletzte Polizisten wurden hinunter zur Klagemauer getragen, wo die Ambulanzen warteten.

Das gesamte Gebiet um die Klagemauer war nach Beginn der Gewalt geraeumt worden. Nur Armee und Polizei hatten Zutritt. In den israel. Nachrichten hoert man, dass die Palis mit dem Steineschmeissen provozierten, was ihnen nun auch gelungen ist. Die gesamte Presse war gegenueber der Kotel mit Satellitenschuesseln postiert. BBC, Al Jazeera, das schwedische TV, ZDF einfach die halbe Welt. Nachdem bekannt wurde, dass Schuesse fallen, kamen noch mehr Journalisten angefahren.

Wir sahen aus der Entfernung nicht, was sich genau auf dem Tempelberg ereignete. Unten trafen noch zwei weitere Einheiten der Grenzpolizei ein, wovon eine wieder abzog und die zweite ins arabische Viertel geschickt wurde.
Auf dem Tempelberg selbst ist nun Ruhe, aber wer weiss, was im arab. Viertel abgeht.

An der Kotel (Klagemauer)

B"H

Gestern abend gegen 22.30 Uhr war ich an der Klagemauer (Kotel). Es heisst, wer an seinem Geburtstag betet, dem werden die Wuensche erfuellt. Also war ich richtig in der Stimmung, an die Kotel zu gehen, auch wenn es schon spaet war. Immerhin war das Wetter nicht zu kalt.

Die Altstadt war ruhig und es gab keine Hinweise auf das, was sich gerade abspielt. Kaum Polizei am Yaffa - Tor, dafuer etwas mehr in der juedischen Altstadt. Dort aber ging es ganz normal zu. Yeshiva - Studenten sassen draussen am Square (in der Mitte des Jewish Quarter) und eine religioese Maedchengruppe sang im Cardo Songs zu Gitarrenmusik. Ich traf sogar einen Chabad - Rabbi, den ich gut kenne.

An der Kotel selbst sieht man von den Bauarbeiten nicht viel. Die alte Bruecke wird gerade plattgemacht. Die Neue steht haesslich daneben. Es ist eine Holzbruecke, die ganz gut ausschaut, aber auf richtig haesslichen Metallgeruesten steht. Neben dieser Bruecke soll nun eine zweite gebaut werden; vom Dung Gate unterhalb der Bushaltestelle bis hoch zum Mugrabi - Tor, wohin schon die erste Bruecke fuehrt. Man sah eigentlich nur eine Baubude fuer die Arbeiter dort stehen.

Die ankommenden Touristen fragte gleich: "Ja, und worum gehts jetzt hier ? Man sieht ja gar nichts."
Die Hamas und Fatah (Abu Mazen) waren fuer ein paar Tage in Mekka zum Pilgern. Dort haben sie einen sogenannten Frieden geschlossen und in Gaza soll es keine Kaempfe mehr geben. Vielleicht brauchen sie ja eine neue Betaetigung und lassen so eine Hetzpropaganda gegen Israel los, weil eine Bruecke gebaut wird, die alle bedrohen wuerde.

Man stelle sich vor, ihr grabt in eurem Vorgarten ein Loch und der Nachbar verbreitet in der Nachbarschaft, dass dieses Loch sein Haus bedroht.

Donnerstag, 8. Februar 2007

Heute in Jerusalem

B"H

Die Ereignisse um die Bauarbeiten am Tempelberg scheinen sich zuzuspitzen. Morgen ist Freitag und somit der Feiertag der Muslims. Normalerweise kommen viele zum Felsendom, um am Freitagsgebet teilzunehmen.
Wie ich in meinem vorherigen Beitrag schrieb, ist ja nun der Zugang zum Tempelberg eingeschraenkt worden. Touristen koennen eben gar nicht mehr hinauf.
Morgen herrscht in der Altstadt Alarmstufe 1, da Ausschreitungen seitens der Palis zum Freitagsgebet erwartet werden. Wer kann, der sollte morgen mittag die Altstadt meiden.

Am Shabbat werde ich einmal an die Klagemauer (Kotel) gehen und mir ein Bild machen. So wie ich das bisher in den Medien sah, handelt es sich um Bauarbeiten unterhalb des Tempelberges, auf juedischer Seite, gleich wenn man von der Bushaltestelle auf das Gebiet der Klagemauer geht.
Die Reaktion der Palis ist einfach laecherlich. Sie fragen auch niemanden, ob sie oben am Tempelberg Bauarbeiten ausfuehren duerfen oder nicht. Dis geschieht uebrigens staendig, dass dort gebaut wird. Den Schutt tragen sie zusammen und schmeissen ihn per LKW ins Kidrontal. Archaeologen retten schon jahrelang aus diesem Schutt antike Gegenstaende von den beiden Tempeln.
Darueber regt sich das Ausland nicht auf.

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Zur Stunde findet am Zion Square eine Demonstration fuer die Freilassung von Jonathan Pollard statt.
Ungefaehr 20 Demonstranten mit Postern in der Hand sind dort. Sie werden von ca. 10 Polizisten bzw. Grenzpolizei bewacht.
Ich sah dort auch Dov Shurin, der anscheinend die Demo organisiert hat. Dov Shurin ist eine Groesse fuer Jerusalemer Demos der Rechten.

Mittwoch, 7. Februar 2007

Krawalle am Tempelberg

B"H

Seit dieser Woche ist es einmal wieder soweit; die Palaestinenser rufen zu einer erneuten Intifada auf. Der Grund ist eine politisch hochgespielte Lapalie.

Hintergrund: Vor ca. drei Jahren gab es in Jerusalem ein leichtes Erdbeben, wobei ein Teil der Bruecke, besser gesagt, der Aufgang von der Klagemauer zum Tempelberg einstuerzte. Die Betenden an der Frauenseite der Klagemauer (Kotel) hatten grosses Glueck, dass der ganze Schutt nicht auf sie drauf fiel.
Sofort rueckten Bautrupps an, um den Schaden zu beheben. Ersteinmal jedoch wurde provisorisch alles abgedichtet und ein Teil der Frauenseite gesperrt.
Von Palaestinenserseite wurde sofort behauptet, Israel haette den Mauerteil absichtlich einstuerzen lassen und Sabotage veruebt. Dieser Vorwurf war so primitiv, dass ihn fast niemand kommentierte. Dann war ersteinmal Ruhe.

Vor einigen Monaten dann wurde ein komplett neuer Aufgang / Bruecke aus Holz gebaut. Schaute richtig rustikal aus. Allerdings sahen die Baubehoerde und Archaeologen diese Bruecke als unreichend an und beschlossen, eine ganz neue moderne Bruecke zu bauen. Die Bauarbeiten dafuer wurden diese Woche aufgenommen und schon behaupteten die Palaestinenser, die Israelis wuerden jetzt den Tempelberg erstuermen wollen.
Sofort rueckten militante Palis an und beschmissen israel. Grenzsoldaten in Ost - Jerusalem mit Steinen. Mit einer erneuten Intifada wurde auch gleich gedroht und man versucht alles, um andere arabische Staaten miteinzubeziehen und gegen Israel zu hetzen. Gestern wurde Israel schon vom jordanischen Koenig kritisiert.

Die Bauarbeiten finden vor der Klagemauer statt, also weit weg von Al - Aksa - Moschee bzw. dem Felsendom. Alles findet auf israelischer Seite statt und niemand will etwas erstuermen. Im Gegenteil, von dieser neuen Bruecke profitieren auch im Nachhinein die Palis selbst, kommen doch so mehr Touristen auf den Tempelberg, die sie so richtig ausnehmen koennen mit ihren Eintrittspreisen.

Wer dieser Tage durch das Yaffa - Tor geht, der hoert seitens der dort lebenden Palis Hetzparolen gegen Israel. Fragt man allerdings einmal genauer nach, worum es eigentlich geht und was genau da gebaut wird, drehen sich die Palis einfach um und gehen weg oder sie beschimpfen einen erst richtig. Sie selber wissen nicht, worum es genau geht, sondern geben nur Parolen von sich.

Bis auf weiteres ist der Tempelberg nur fuer muslimische betende Maenner ueber 45 Jahre und Frauen allen Alters mit israelischen Personalausweis zugaenglich, um eine Eskalation zu verhindern.
Ehud Olmert ist fuer einen Weiterbau der Bruecke, doch die Linksparteien, wollen den Bau am liebsten ersteinmal stoppen, um die Gemueter zu beruhigen.
Voelliger Quatsch, denn ein eventueller Baustopp und dann einen Neuaufnahme des Baus wuerden gar nicht bewirken.

Dienstag, 6. Februar 2007

Geburtstag

B"H

Es regnet einmal wieder und der Wetterbericht sagt fuer morgen das gleiche voraus. Heute war mein hebraeischer Geburtstag, den wir in der Baeckerei etwas feierten. Zuerst aber gab es wieder einmal mehr Krach mit unseren Maschgichim, den beiden Belzer Rabbinern, die fuer unser Koscher - Zertifikat zustaendig sind. Ploetzlich verlangen sie, dass die Baeckerei auch saemtliche Gewuerze von Belz kauft, was wieder die Preise steigen lassen wuerde.
Je besser das Zertifikat, desto teurer die Produkte, aber desto mehr religioese Kundschaft. Bei den Belzern handelt es sich anscheinend um eine richtige Mafia, denn wir sollen nur bei ihren Freunden kaufen. Mal sehen, wie wir aus dem Dilemma kommen.

Zum heutigen Arbeitsabschluss gab es noch belgisches Bier (Leffe), was wir wegen meines Geburtstages tranken. Das Bier hatte kein gutes Koscherzertifikat, weil der nichtreligioese Verkaufsleiter es vom Shop gegenueber besorgte. Er dachte nur an seinen Geschmack und so kam es, dass einige Kollegen nichts tranken. Wer weiss, ob das koscher sei. Beit Din Bruessel.
Ich trank und mir gleich schlecht von dem miserablen Bier. Falls jemand will, wir haetten noch eine halbe angefangene Flasche zu vergeben.

Donnerstag ist mein "weltlicher" Geburtstag und ich werde da auf dieses widerlicher Bier verzichten.

Sonntag, 4. Februar 2007

Regen

B"H

Wer gerade als Tourist nach Israel kommt, der sollte Schirm und warme Kleidung nicht vergessen. Jerusalem ist halb geflutet von den heutigen Regenguessen. Richtig Action gibt es immer, wenn die Busse neben einem durch die riesen Wasserpfuetzen rasen. Wobei ich sagen muss, dass die Jerusalemer Fahrer da etwas vorsichtiger sind. In Tel Aviv habe ich dagegen oft mein blaues klatschnasses Wunder erlebt.

Irgendwie hatten wohl die Touristen Hochsommer erwartet und nun beschweren sie sich ueber acht Grad Tagestemperatur in Jerusalem, Dauerregen, kaum heisses Wasser zum Duschen und Kaelte in den Zimmer. In einem Cafe habe ich heute einige diesbezuegliche Konversationen ueberhoert.

Samstag, 3. Februar 2007

What's new ?

B"H

Der Shabbat in Jerusalem ist gerade vorbei. Mit Freunden war ich zur 3. Mahlzeit einschliesslich Havdalah bei einem Rabbi in der Altstadt. Die Frau des Rabbis gab mir eine Einladung fuer eine Kunstaustellung, wo sie selbst mit beteiligt ist. Falls also jemand in Jerusalem sein sollte:

Eroeffnung der Kunstaustellung: Dienstag, 13. Februar um 18.00 Uhr

Ende der Ausstellung wird der 9. Maerz 2007 sein.

RONIT RONSKI - Oel auf Leinwand

RACHEL COBERT - WEINER - Monodrucke

Geoeffnet von sonntags - donnerstags 16.30 - 20.00 Uhr

Jerusalem Municipality Art Gallery (gegenueber Rathaus), Jaffa Road 17




Opening of the art exhibition: Tuesday, Feb. 13, at 6.00 p.m.

The exhibition will close on March 9, 2007

RONIT RONSKI - Oil on canvas

RACHEL COBERT - WEINER - Monoprints

Open: Sunday - Thursday 4.30 p.m. - 8.00 p.m.

Jerusalem Municipality Art Gallery, 17 Jaffa Road


Shavua Tov - Eine gute Woche an alle !!!

Freitag, 2. Februar 2007

Aliyah damals und heute

B"H

Zur Zeit meiner Aliyah nach Israel im Jahre 2000 galten voellig andere Regeln als heute. Manchmal aendern sich die Gesetze jedes Jahr und ich bin daher nicht mehr ganz up - to - date.

Bei mir verlangte damals die Jewish Agency einige Dinge, die ich von Amerikaner oder anderen nie gehoert habe. Es war in Deutschland viel mehr Buerokratie als hier in Israel.

Zum Beispiel wurde ein Gesundheitszeugnis verlangt. Dass ich keine ansteckenden Krankheiten habe oder geisteskrank bin. Ich wollte das alles erst mit JA ankreuzen. Zum Arzt musste ich nicht, sondern ich durfte alles selbst unterschreiben. Des weiteren wollte die Jewish Agency genau wissen, wieviel Geld ich denn mitnehme. Gespartes, Aktien alles.
Das Schlimmste war eine Internationale Geburtsurkunde ausgestellt zu bekommen. Schengener Abkommen oder Den Haag - Abkommen, was weiss ich.

Ich wusste jedenfalls im voraus, dass das alles in Israel wieder mal keinen interessieren wird. In Jerusalem laufen eh viele Gestoerte rum und man faellt nicht weiter auf....und Internationale Geburtsurkunde...Das kennt ja hier kein Mensch. War alles hinausgeschmissenes Geld.

Geld allerdings sollte man schon mitbringen, jedenfalls zu meiner Zeit. Im Gegensatz zu Russen und Aethiopiern habe ich kein Cash gesehen. Klar, man hat gewisse Rechte, doch fuer Europaer oder Amerikaner gab es damals kein Cash.

Es gibt in Israel ein Gesetz welches besagt, dass Neueinwanderer erst nach 1 Jahr Aufenthalt Sozialhilfe (Bituach Leumi) beziehen koennen. Arbeitslosengeld gibt es gleich, wobei man sich 1x woechentlich auf dem Arbeitsamt zu melden hat. Aber wer kann von den paar Shekeln Arbeitslosengeld leben ?
Heute ist es so, dass jeder Neueinwanderer 20.000 Shekel / ca. 4000 Euro Cash bekommt. Wie ich hoerte, gibt es das Geld jedoch in monatl. Raten ausgezahlt.

Ich hatte Glueck, denn ich hatte einiges an Erspartem, was bei den Preisen in Israel nie lange ausreicht, doch es ging vorerst. Da ich im Sommer kam, begannen zu der Zeit gerade neue Sprachkurse (Ulpanim) und ich bekam sofort einen Platz. Ich konnte zwar schon Ivrit (hatte Kita Gimmel Erfahrung), doch ein kostenloser Sprachkurs vom Staat ist doch auch ganz gut. Ausserdem gibt es bei regelmaessiger Teilnahme 1100 Shekel pro Monat (fuer sechs Monate).
Wer ohne Sprachkenntnisse kommt, lernt in diesen sechs Monate garantiert kein Ivrit um damit grosse Konversation betreiben zu koennen. Sagen wir es mal so, man kommt im Supermarkt zurecht.

Als ich beim Einwanderungsministerium (in Jerusalem nahe Ben Yehudah gelegen) war, sah ich beim Warten eine tolle Anzeige an der Wand. TIKVATEINU - Ulpanim gleich neben dem Zentralen Busbahnhof gelegen. Dort ging ich vorbei und wurde akzeptiert.
Fuer denjenigen, der Ivrit kann, ist "Tikvateinu" eine ideale Loesung. Zentral gelegen, in Rehov Mem Gimmel gegenueber vom Rabbanut (Oberrabbinat), handelt es sich nicht nur um einen reinen Sprachkurs, sondern um Konversationsivrit und das Schreiben von Bewerbungen. Wie finde ich einen Job in Israel ?
Tikvateinu hilft bei der Eingliederung in die Gesellschaft. Arrangiert Jobs (wenn welche vorhanden sind), hilft bei Behoerdengaengen, gibt Tips und bereitet jeden auf die chaotische israelische Gesellschaft vor.
Wir hatten sogar einen ganzen Tag einmal Vorlesungen darueber, was die israelische Gesellschaft ist.
Die meisten meiner Mitschueler waren Russen. Ein Amerikaner, ein paar Argentinier, Franzosen und ich. Den Russen war ich suspekt, denn wie kann man denn gerade Deutschland verlassen, wo es da sogar viel Geld gibt, auch wenn man nicht arbeitet. Das waren die ersten Fragen der Russen an mich.

Nach zwei Monaten Kurs ueber Bewerbungen und israelische Gesellschaft lernten wir noch einen Monat das Tippen auf Hebraeisch am PC. Uebrigens, meinen ersten Job bekam ich auch durch Tikvateinu.

Wie ? Das schreibe ich nach dem Shabbat.

Soweit erstmal SHABBAT Shalom.

Donnerstag, 1. Februar 2007

Aliyah - Einwanderung nach Israel

B"H

Ich glaube, es war Schoschana, die einmal darum bat, etwas mehr ueber meine Aliyah - Beweggruende zu schreiben, was ich hiermit tun will.

Aliyah machte ich im Juni 2000 und seither war ich nicht mehr in Deutschland. Vor meiner Aliyah hatte ich schon vorher mehr als insgesamt drei Jahre in Israel gelebt, was ich nur jedem anraten kann. Meiner Meinung nach ist es besser, wenn man genau weiss, was auf einen zukommt.
Nefesh Be'Nefesh schicken Neueinwanderer, die oftmals noch nie in Israel gewesen sind, und viele von ihnen gehen nach kurzem in ihre Herkunftslaender zurueck. Aus welchen Gruenden auch immer.

Ich wusste also, welches Chaos auf mich zukommen wird. Einmal von den Behoerdengaengen abgesehen. Als Vorteil erwies sich natuerlich, dass ich schon Hebraeisch sprach. Ein ganz wichtiger Punkt in Israel. Klar, kommt man mit Englisch schon irgendwie durch, doch Kenntnisse in der Landessprache machen einen mehr zum Israeli. Man fuehlt sich mehr als Mitglied der israelischen Gesellschaft und nicht unbedingt als Aussenseiter. Ausserdem werden einem in der Landessprache Dinge anders erklaert als wenn ein Israeli auf Englisch herumstottert. Beispiel: Kontoeroeffnung auf der Bank.

Da ich Land und Leute schon kannte, hatte ich es natuerlich von Beginn an einfacher. Jerusalem kannte ich und ich hatte / habe viele Freunde. Neue Freunde zu finden ist sehr wichtig fuer jemanden, der in ein fremdes Land zieht.

Also wartete ich quasi nur auf mein Ticket, von der Jewish Agency bezahlt und ONE - WAY. Die Jewish Agency schickte mir lange Listen mit Ratschlaegen und Adressen von Behoerden. Ein ganzes Buch was ich alles zu regeln haette.
Ausserdem sollte ich in Tel Aviv am Flughafen abgeholt werden. Von jemandem von der British Olim Society, die auch fuer Deutschland zustaendig ist.

Ich kam am Flughafen an. Als einzige deutsche Neueinwanderin auf dem Flug, was zu erwarten war. Tatsaechlich stand am Passchalter jemand von der British Olim. Mit einem riesen Schild in der Hand mit meinem Namen darauf. Es war abends 20.00 Uhr und ich rannte den Typen fast ueber den Haufen. Meinen Namen auf dem Schild sah ich erst hinterher.

Kurze Begruessung und er schleppte mich an den Passchalter, wo weder die Grenzpolizistin, noch der Typ oder ich wussten, was wir jetzt machen sollten. In meinem dt. Pass war ein Einwanderungsstempel der Israelischen Botschaft und die Polizistin fragte, ob ich denn jetzt ein Visum braeuchte. Also gingen wir drei in die Polizeistation, wo mir ein weiterer Einwanderungsstempel gegeben wurde. Auf die falsche Seite, wie sich spaeter erwies. Aber macht ja nichts.

Danach gings hinauf in den ersten Stock zum Einwanderunsgbuero. Eigentlich sollte dort ein Bufett auf mich warten. Zumindest laut Jewish Agency.
Doch als ich ankam, waren schon einige Hundert Russen eingetroffen und das Bufett war dementsprechend leergeraeumt. Fuer mich blieb nur Saft, der nach Plastik schmeckte.

Der Brite schleppte mich, an den wartenden Russen vorbei, in eines der Bueros, wo ich meinen Einwanderungsausweis bekommen sollte. Eine Russin war die Angestellte und die fragte mich auch sogleich, warum ich denn bloss in Israel sei. In Deutschland sei doch alles viel besser. Ob ich nicht ganz dicht waere ?
Das ist bis heute die typische Frage der Russen an mich geblieben.

Danach ging alles schnell. Einwanderungsausweis, Zettel fuer die Krankenkasse und ein Taxi (umsonst) nach Jerusalem. Das kostenlose Taxi bekommt man mit einem Ziel, dass jeder selbst bestimmen kann. Freunde meinten, ich solle auf ein paar Tage nach Eilat an den Strand fahren, damit sich das auch lohne.

Das hoert sich jetzt vielleicht seltsam an, aber ich habe mich in Jerusalem an die Kotel (Klagemauer) fahren lassen. Mein allererstes Ziel nach meiner Rueckkehr. Fuer mich war das sehr wichtig als erstes dorthin zu gehen.

Der Grund fuer meine Aliyah war rein religioes. Nach Jahren in Israel und vor allem Jerusalem fand ich keinen religioesen Anschluss mehr in Deutschland. Die Gemeinden und das ganze Drumherum waren mir mehr als fremd. Ich versuchte sogar in Berlin zu leben und war viele Male dort. Als das nich funktionierte, ging ich fuer eine Woche nach London. Schon im Flugzeug ueber London wusste ich, dass auch das nichts fuer mich war.
Eine Freundin in London meinte, ich muesse zurueck nach Israel. Sie hatte recht. Ich machte Aliyah und habe den Schritt nie bereut.

Weitere Details folgen in den naechsten Beitraegen.