Sonntag, 12. August 2012

Schulbeginn in Israel und der Untergang der heimischen DO - IT - YOURSELF

B"H 

Aller Gerüchte bezüglich eines israelischen Angriffs auf den Iran zum Trotz, beschränke ich mich lieber aufs Wesentliche. Sprich, den gelebten Alltag. Taktisch gesehen, glaube ich kaum, dass unsere Regierung einen etwaigen Angriff auf die Atomeinrichtungen des Iran munter im voraus bekannt gibt. Frei nach dem Motto: "Wir kommen dann mal in drei Stundem zum Bombardement vorbei !" :-) 

Wer dazu noch die israelische Presse und das momentane Sommerloch kennt, der kann sich eh vorstellen, dass mal wieder mehr spekuliert anstatt mit Fakten aufgewartet wird. Fakten nämlich kennt außerhalb des Kabinetts niemand, aber man muss ja der Leserschaft etwas bieten. Aus diesem Grund mache ich mir im Hinblick auf den Iran keinen großen Kopf und beteilige mich an keiner Panikmache. Dagegen fahre ich einmal wieder mehr ein wirtschaftlich – gesellschaftliches Thema auf: 

Am 27. August beginnen in Israel die regulären Schulen mit dem neuen Schuljahr. Religiöse Schulen beginnen eine Woche vorher mit dem Unterricht, doch, insgesamt betrachtet, gehen die Sommerferien dem Ende entgegen. Wer dieser Tage in Supermärkte oder anderweitige Discounter aller Art einkaufen geht, der wird nur so mit Schulkram überhäuft. Sonderangebote über Sonderangebote und alles unübersehbar meist auf Paletten aufgeschlichtet. Vom Anspitzer, zum Radiergummi, zum Heft bis hin zum Ordner … zum baldigen Schulbeginn geht der Billig – Run auf die Schulwaren los. 

Ich betreibe hier keine Office Depot Werbung, obwohl dies auf den ersten Blick so erscheinen mag. Zugegeben, die israelische Schreibwarenkette Office Depot fährt heute mit einer riesen Werbeaktion in der größten Tageszeitung des Landes, ISRAEL HAYOM, auf. Vieles wird zum sagenhaften Preis von nur einem Schekel (ca. 20 Cent) angeboten. Stifte, Textmarker, etc. Alles zum Schulbeginn halt. 

Worauf ich im Fall OFFICE DEPOT jedoch eingehen will, ist die massenhafte Schliessung zahlreicher Filialen. Zuletzt die der eher heruntergekommen aussehenden Office Depot Filiale im ehemaligen Jerusalemer Kaufhaus Ha'Mashbir. Das Kaufhaus selbst ist von der King George längst in ein neues Gebäude an der Jaffa Road / Zion Square umgezogen. Im alten Gebäude an der King George dagegen zogen mehrere israelischen Ketten wie der Drogerieriese SUPERPHARM ein. Im oberen Stockwerk befand sich bis vor kurzem Office Depot, doch das gehört jetzt zur Vergangenheit. 



Die heutige OFFICE DEPOT Werbung in der ISRAEL HAYOM Tageszeitung

Photo: Miriam Woelke

Immer mehr Office Depot Filialen schliessen und demselben Schicksal sieht der israelische "Obi" mit dem hiesigen Namen ACE entgegen. Die heimische Presse lästert, dass beide Ketten (Depot & ACE) offenbar ihren wichtigsten Konkurrenten IKEA übersehen oder besser, ignoriert haben. Die zwei israelischen IKEA – Niederlassungen befinden sich zwar weit weg. Einmal in Netanyah und die zweite Niederlassung in Rishon Le'Zion. Dennoch zieht es die Israelis lieber zu den Schweden als ins heimische ACE oder Office Depot. Neulich kaufte ich mir bei ACE ein Regal und der Service war unter aller Sau. ACE wirbt mit dem Slogan "Kaufen und daheim zusammenbauen". Kein Problem und ich baue fast alles selbst und schliesse auch einmal eine Lampe an. Mit dem Regal aber gabs Probleme, denn in der Packung waren die falschen Schrauben und da nützte das beste Do – It – Yourself - Gewerkel nichts mehr. Umtauschen wollte mir der russische Servicetyp die falschen Schrauben nicht und so musste ich nochmals neue Schrauben kaufen. Niemals wieder ACE, so schwor ich mir. Und wenn, dann ggf. nur im Notfall. 

Israelische Firmen verschlafen nicht selten den Anschluss und sobald ein günstigerer Kandidat mit besserem Service aufwartet, kann sich diese Ignoranz als Schuss nach hinten erweisen. Zu viele israelische Firmen sind sich ihrer Sache zu sicher und meinen, die Kundschaft hänge von ihnen ab. In einem Markt, in dem sich die internationale Konkurrenz immer mehr durchbeisst (Beispiel: IKEA, H&M oder die Suppen und Saucen von KNORR), wird es immer schwerer, auf seiner eigenen Sturheit zu bestehen. Wenn IKEA eine Filiale in Jerusalem eröffnen täte, so wäre das für Tausende potenzieller Kunden von Vorteil, für israelische Do – It – Yourself Märkte jedoch der Ruin. Aber ich nehme einmal an, dass es für einen Riesen wie IKEA nicht so einfach ist, in Jerusalem ausreichend Verkaufsfläche zu finden.

Kommentare:

  1. Wenn am 27. die Schule wieder beginnt, wann beginnen denn dann die Sommerferien? Im Juli?
    ps: Alles Gute, hoffe dir geht es wieder besser!

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  2. B"H

    Die regulaeren Sommerferien beginnen meist so Mitte / Ende Juni und damit haben israelische Schueler laengere Sommerferien als deutsche.:-)))

    Auf religioesen Schulen ist es anders und deren Sommerferien starten spaeter und enden frueher.

    Jedes Jahr wieder sind die Eltern genervt, weil die Kids so lange daheim hocken. Ausserdem geht das ins Geld, denn die Kids wollen ausgehen und auch mal wegfahren. Viele haengen in Cliquen in Parks ab und saufen. Das ist der Nachteil und deswegen wurden in diesem Jahr die Sommerferien schon um eine Woche gekuerzt. In Zukunft sollen sie abermals gekuerzt werden.

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