Alltägliches Leben in Jerusalem - Sarkastische Stories - Witziges und Ernstes -------- Copyright All rights reserved - 2006 - 2012 ---- All Texts are written by Miriam Woelke.
Montag, 27. August 2012
Etwas zum Kibbutzleben
Dienstag, 12. Juni 2012
Leserfrage: Kibbutz für Senioren ?
Nach Mietwohnungen im Kibbutz. Viele Kibbutzim vermieten mittlerweile zahlreiche Häuser und dies vor allem an Auswärtige. Hierbei dürfte jedoch eine Warteliste anstehen, denn die Nachfrage nach Kibbutzwohnungen liegt recht hoch. Insbesondere bei Israelis aus der Stadt, die ein ruhiges Landleben suchen.
Dienstag, 3. April 2012
Leserfrage: "Wie werde ich Kibbutz – Volontär ?"
wo bewerbe ich mich am besten? muss man dafür irgendetwas bezahlen um als volunteer zu arbeiten? oder bekommt man für seine arbeit, schlafplatz, essen und taschengeld?4
Das Kibbutz Program Center in Tel Aviv verlangt einiges an Gebühren, doch jeder, der sich einschreibt, erhält auch einen Platz in einem Kibbutz. Es kommt drauf an, wann der Bewerber nach Israel kommt, denn die Kibbutzim suchen saisonal Volontäre und nicht immer kann man sich individuell einen Kibbutz aussuchen. Was vielleicht hilfreich wäre ist, wenn der Bewerber zumindest sagen könnte, ob er in den Norden oder Süden des Landes will.
Sonntag, 1. April 2012
Volontärsleben im Kibbutz EN GEV
Samstag, 25. Februar 2012
Erfahrungen als Kibbutzvolontär
Link:
Weiterer Link:
Dienstag, 25. Oktober 2011
Das KIBBUTZ PROGRAMME CENTER in Tel Aviv
Drei Bewerber waren bei meinem gestrigen Eintritt zugegen. Ein schwedisches Pärchen sprach mit der Angestellten, ein weiterer junger Mann befand sich im Wartezustand und ich setzte mich neben ihn auf einen der Stühle in der Warteecke. Noch dachte die Angestellte bestimmt, ich komme zur Bewerbung, aber das dürfte mit meinen mehr als 40 Jahren nichts mehr werden. Das Höchstalter liegt bei 35 Jahren.
Weiterhin kann sich ebenso bei WWOOF Israel beworben werden. Landwirtschaft einmal auf organische Anbauart.
Insgesamt befindet sich heute viel weniger Kibbutzim im Kibbutz Programme wieder. Viele Kibbutzim nehmen einfach keine Volontäre mehr auf und so sind die Jobs begrenzt. Alles sei saisonal bedingt, so Aya Sagi. Im August, zum Beispiel, kommen weniger Volontäre, doch die Kibbutzim suchen Arbeitskräfte. Wer im Dezember / Januar kommen will, der erhält mit Sicherheit einen Platz. Übersteigt die Zahl der Bewerber jene der freien Stellen, kann es zu Warteschleifen kommen. Man versuche hier jedoch, die Wartezeit nicht länger als 1 – 2 Wochen werden zu lassen.
Auf meine Frage hin, ob es denn immer noch Kibbutzim gebe, die keine deutschen Volontäre aufnehmen, wollte Aya Sagi nicht so recht herraus mit der Sprache. Sie fand das peinlich, doch ich versicherte ihr, dass man in Deutschland verstehe, wenn da ein Kibbutz mit zahlreichen Holocaust – Überlebenden nicht unbedingt Volontäre aus Deutschland aufnehme.
“Naja, einen Kibbutz, der sich noch im Programme befinde, nehme keine Deutschen auf”. Allgemein aber, so versicherte mir Aya sagi, seien deutsche Volontäre überaus beliebt und willkommen. Grund: Ihr deutscher Arbeitswille und die Pünktlichkeit. Deutsche verursachen selten Probleme und sind pflegeleicht. “Das sei alles eine Sache der Mentalität” – so Aya Sagi. “Und sage den Deutschen, sie sollen kommen. Wir nehmen sei sehr gerne ins Kibbutz Programme auf !”
Ganz billig ist die Sache dennoch nicht. Allein die Anmeldegebühr beträgt derzeit 400 Schekel (ca. 80 Euro). Das zahlt Ihr direkt im Office. Hinzu kommen die 340 Schekel für die Krankenkasse und dann will man auch noch sehen, dass Ihr mindestens 800 Schekel (ca. 160 Euro Cash in der Tasche habt). Niemand soll einfach so halb pleite ankommen und dann dem Kibbutz auf der Tasche liegen.
Zusätzlich verlangt fast jeder Kibbutz eine kleine Kaution von ein paar Hundert Schekel, die es am Ende wiedergibt, falls kein Mobiliar zerstört wurde. Aya sagi gab mir unendlich viel Material mit und ich werde in den nächsten Tagen noch viel mehr zum Thema berichten. Neben der Website des Centers könnt Ihr Euch auch auf der Facebook Page eintragen !
Meine Kibbutzvergangenheit
Am meisten geschockt war ich über die heutigen Zulassungsvoraussetzungen, denn die sind mittlerweise wesentlich strenger geworden. Die offiziellen Website des KIBBUTZ PROGRAMME CENTERS ist sehr informativ, dennoch blieben bei mir ein paar Fragen offen. Gerade aus deshalb, weil mich ein Blogleser kontaktiert hatte und mir einige detaillierte Fragen sandte. Da ich schon seit längerem ein Update zum Volontärsprogramme plante, ging ich gestern kurzerhand ins Kibbutz Office und hoffte auf jemanden zu treffen, der bereit war, meine Fragen zu beantworten. Dazu jetzt mehr im nächsten Artikel !
Kibbutz & Jerusalem
Montag, 24. Oktober 2011
Recherche zum Kibbutzaufenthalt
Samstag, 6. November 2010
Die Kibbutznikim kehren heim
Dienstag, 2. November 2010
Multikulti in Israel
In Deutschland herrscht bekanntlich die Debatte, ob die angestrebte Multikulti - Gesellschaft erreicht wurde oder nicht. Wie weit integrieren sich Ausländer in die deutsche Gesellschaft und wie weit nicht ?
Demzufolge stellt sich die Frage, wer oder was die deutsche Gesellschaft ausmacht. Die deutsche Geschichte, Kultur, Mentalität, Sprache, Kunst, Musik oder was auch immer. Sicherlich verlangt Deutschland einem im Land lebenden Ausländer recht viel ab. Deutsch muss man sprechen; wenn es geht, ohne fremden Akzent, denn das macht einen schlechten Eindruck bei der Jobsuche. Als besonders harter Brocken erweist sich die deutsche Mentalität. Plötzlich soll alles perfekt funktionieren und Abläufe sind geplant. Rational und produktiv denken. Logisch definieren, sonst hagelt es Kritik aus der Umgebung. Von wegen einfach so mit Träumereien daherkommen.
Was mir in Israel immer Spass machte ist, das Kennen lernen aller möglichen Leute aus aller Herren Länder. Sei es im Kibbutz, in einem Cafe, bei einem Schabbatessen bei Rabbinern oder anderweitigen Events sowie Plätzen.
Ich kann die Leute alle gar nicht mehr zählen, die ich innerhalb der vergangenen mehr als 15 Jahre in Israel kennen lernte und zu Beginn war ich perplex, dass es sowas überhaupt gibt. Leute, egal welchen Alters, die einfach freinahmen und die Welt bereisten. Als ich noch in Deutschland studierte gab es nur eines: Nämlich das Studium beenden und Karriere machen. Wer eine Auszeit nimmt, alles hinter sich lässt und in der Welt herumreist ... wie soll der dann bei seiner Rückkehr zurechtkommen ? Keine Wohnung, kein Geld und erst recht keinen Job. Das macht angst und ist nicht gesellschaftskonform.
Hinzu kommt: Was soll man bloss beim Vorstellungsgespräch sagen, wo man in dem Zeitraum war ? Einfach zugeben, am Strand gelegen zu haben oder durch ein Museum geschritten zu sein ? In Neuseeland Kiwis gepflückt, in den USA Möbel geschleppt und in Israel im Kibbutz gewesen und danach irgendwo in einem illegalen Job in Tel Aviv hängengeblieben ? Gekellnert und mit anderen ein paar Monate in einem Dormitory eines Hostels gehaust zu haben ?
Nix Karriere, sondern sich darum gekümmert, dass der Boss einem den Lohn zahlte und im Hostel das Gepäck nicht verschwand ? Tolle Aussichten und bei all dem Hickhack empfiehlt es sich ganz sicher nicht herumzureisen. Wer denn einmal verreist, der reist doch eher mit Rucksack, in Hotels und in ein paar Restaurants. Nicht so mit Schlafsack am Strand und tagsüber an der billigen Falafel kauen.
Und somit begann ich all die anderen Touris zu beneiden. Die nahmen sich eine Auszeit und kümmerten sich nicht gross ums Geld. Mal hier jobben, mal dort. Das Geld für das Hostelzimmer zusammenbekommen und wenn in Israel gar nichts mehr geht, dann bleibt der Kibbutz. Zumindest für diejenigen unter 35 Jahre.
Viele Leute kommen einfach nach Israel und wer sie nach dem Grund fragt, bekommt oft keine definitive Antwort. Als ob man die haben müsste.
Manche fühlen sich einfach danach, andere wollten schon immer mal kommen. Bibel, Thora und so halt. Heilige Orte sehen oder in den Kibbutz. Israel beistehen, Israel hassen, und viel zuviele lassen ebenso ihre nervigen Verschwörungstheorien los.
Jeder scheint auf der Suche nach irgendwas und endet dann ausgerechnet in Israel. Tel Aviv ? Naja, eine Weile wegen der Action; insgesamt aber viel zu teuer und laut.
Jerusalem ? Billige Hostels im Ostteil der Stadt und bei den Palis lässt es sich leben, wenn man die Klappe hält und nicht laut gegen die Hamas keift.
Im Wesentlichen unterscheiden sich Juden und Nichtjuden in ihrem Israelverhalten. Das liegt schon allein daran, weil viele Diasporajuden kommen und an diversen Internships teilnehmen, die Nichtjuden verschlossen bleiben. Und das nicht nur auf religiöser Basis. Das ewige Hin und Her bei den Juden, ob man denn Aliyah machen solle oder nicht. Bei Touristen kommt es schlimmstenfalls zu Überlegungen wie "wielange man im Land bleiben soll, wie das neue Visum an Land gezogen wird oder ob sich nicht die Suche nach einem versteckten jüdischen Verwandten lohnt, um dem Innenministerium einen vom Pferd zu erzählen".
Am penetrantesten sind jene nichtjüdischen Touristen, die nach zwei Tagen zu labern beginnen, sie seien eigentlich Juden, nur ohne Papier halt. Bestimmt waren ihre Ahnen Opfer der Inquisition und wurden zwangsgetauft. All so ein Müll kommt dann heraus. Der Normalotourist dagegen sucht mehr sich selbst und schaut, was er aus Israel für sein Leben mitnehmen kann. Nicht materiell, sondern abstrakt als Weisheit verpackt.
Eines jedoch haben alle gemeinsam:
Den Gedanken, wie man seine Eindrücke und Erfahrungen seiner Familie bzw. seinen Freunden daheim klarmacht. Vollgestopft mit Impressionen kommt der Tourist daheim an und da steht lediglich die Mutter am Herd und kocht sein Lieblingsessen zur Begrüssung. "Ja, is ja schön, dass es Dir gefallen hat. Und was machste dann morgen früh ? Arbeitsamt oder Studium ? Der Ernst des Lebens ist wieder da !
UNTER muss der Mensch in Deutschland sein. Die Erinnerungen nach einem kleinen Quentchen Freiheit bleiben. Die Sehnsucht drückt einen noch lange, aber irgendwie sagt man sich: "Nun bin ich wieder daheim und, tja, hier herrscht halt eine andere Mentalität. Was soll ich machen ? Halt eine Weile und dann wieder abhauen !"
Dienstag, 19. Oktober 2010
An alle Kibbutz - Volontäre & Ex - Volontäre
Das Kibbutz Movement feiert dieser Tage sein 100 - jähriges Bestehen und möchte aus diesem Grund ein Treffen ALLER Kibbutz - Volontäre veranstalten. Jene, die sich gerade in den Kibbutzim befinden und all jene, die in der Vergangenheit volontierten, sind damit angesprochen.
Mindestens 15,000 Deutsche arbeiteten bisher als Volontäre in israelischen Kibbutzim. Damit liegt Deutschland zwar hinter den USA oder Schweden, aber sind 15,000 eine beträchtliche Anzahl. Ich erinnere mich noch an meine Volontärszeit in den späten 80iger und frühen 90iger Jahre, wobei ich in drei Kibbutzim war. Einmal als Volontär in Kibbutz Gezer (nahe Ramla), und zweimal Ulpan (Hebräischsprachkurs) in Kibbutz Revivim (südlich von Beersheva) sowie in Kibbutz Givat Brenner (nahe Rehovot). Die Zeit war toll und ich möchte sie keinesfalls missen.
Als Kibbutz Volunteer lernt man eine Menge Leute aus aller Herren Länder kennen. Es gibt Zoff mit den Roommates, das Essen ist oft miserabel, manchmal erscheint der Kibbutz zu langweilig, Liebschaften, Skandale und und und. Trotzdem hatte ich im Kibbutz die beste Zeit mich auszuruhen und in aller Ruhe zu lesen. Ausser Arbeit und Ulpan war eh nie viel los. Hier und da ein Konzert, da ein Film und sonst tote Hose. Der Typ für die Freitag abend Disco mit kostenlosem Bier solange der Vorrat reicht (meist nicht allzu lange) war ich selten.
Nach einigen Wochen kennt der Volontär die Kibbutzmitglieder, wird ab und an eingeladen und es entstehen nicht selten Freundschaften. Allerdings sind die Mitglieder das ständige Kommen und Gehen gewohnt und richtig feste und andauernde Freundschaften ergeben sich eher selten. "Aus den Augen, aus dem Sinn" - so lautet fast immer das Motto.
Früher waren es 100 Kibbutzim, die Volontäre aufnahmen; heute sind lediglich 30 Kibbutzim bereit, mit Volontären zu arbeiten. Daher kommt es beim Kibbutz Office inTel Aviv immer wieder zu Warteperioden. Aktuelle Jobsituation neben Geschirrwaschen oder Wäsche falten: Die Baumwolle wurde gerade geerntet und jetzt stehen auf den Feldern die Orangen und Mandarinen an.
Wer sich für das internationale Volunteers Treffen interessiert:
6 Frishman Str./cr. Hayarkon
Tel-Aviv 61030
Tel: 972-3-5246154/6
Fax: 972-3-5239966
E-Mail: kpc@volunteer.co.il
Link:
Das Kibbutz Program Center in Tel Aviv - Erste Anlaufstelle für alle Kibbutz - Volontäre
Donnerstag, 14. Oktober 2010
100 Jahre Kibbutz Movement
Das israelische Kibbutz Movement feiert dieser Tage sein 100 Jubiläum. Der erste Kibbutz des Landes wurde genau vor 100 Jahren gegründet und hat bis heute einen bekannten Namen: Kibbutz Degania (A) am See Genezareth.
Jahrelang war ich schon in keinem Kibbutz mehr. In den späten 80iger sowie frühen 90iger Jahren war ich 1x Volontär in einem Kibbutz und 2x in einem Kibbutz - Ulpan. Die Unterschiede des Volontärs zum Ulpanisten waren teilweise gravierend, denn ein Ulpanist war, zumindest in meinen Kibbutzim, besser angesehen. Wir zahlten damals ca. 600 Schekel für den Ulpan und unternahmen viele Trips, die ein normaler Volontär nicht bekam. Ferner waren wir in einer eigenen Ulpan - Area untergebracht und nicht zusammen mit den Volontären.
Meinen letzten Ulpan (Hebräischsprachkurs) hatte ich im Jahre 1995 und dies geschah in einem der grössten Kibbutzim des Landes: In Givat Brenner bei Rehovot. Aufgrunddessen, dass ein Kibbutz mit den Ulpanisten viel Geld verdient (für jeden einzelnen Schüler bekommt der Kibbutz Geld von der Jewish Agency), nahm Givat Brenner zu damaligen Zeit schon fast keine Volontäre mehr auf.
Wie die Lage heute aussieht, kann ich nicht sagen. Als ich 1987 zum ersten Mal in einem Kibbutz war, lebten die Mitglieder noch rustikal. Die Kinder waren im Kinderhaus untergebracht und nicht daheim. Wollten die Mitglieder ein Auto benutzen, mussten sie den Kibbutz ein paar Tage vorher um Erlaubnis. Mein damaliger Kibbutz besass zwei oder drei Autos, welche sich die Mitglieder untereinander teilen musste. Im Dining Room (Chadar HaOchel) assen alle zusammen, wobei die Volontäre und Ulpanisten stets ihre eigenen Ecken hatten.
Nach einiger Zeit (ca. Ende der 80iger / 90iger Jahre) begannen einige Kibbutzim für das Essen im Dining Room Geld zu verlangen. Vorher schlug sich ein jeder auf den Teller, was er wollte, doch die Kibbutzim mussten wirtschaftlich denken, denn sie steckten (stecken bis heute) tief in den roten Zahlen. Jedes Kibbutzmitglied und die Volontäre bekamen ein bestimmtes monatliches Budget zur Verfügung gestellt und alles, was drüber lag, musste bar bezahlt werden. Somit gab es nicht mehr jeden Tag Hühnerbeinchen, sondern nur noch zweimal pro Woche.
Die Goldenen Jahre des Kibbutzes waren vorbei und kurz darauf begannen die Mitglieder ihr Abendessen daheim einzunehmen. Nur die Volontäre / Ulpanisten assen noch im Dining Room zu Abend. Mittlerweile dürften weitere Mahlzeiten eingeschränkt worden sein.
Der Strom der Volontäre hat nicht nachgelassen und täglich stellen sich neue Kandidaten beim Kibbutz Movement in Tel Aviv vor. Sind die Kibbutzim ausgebucht, muss der Kandidat schon einmal bis zu zwei Wochen warten und hängt in Tel Aviv fest.
HAPPY BIRTHDAY, Kibbutz !
Link:
Falls Ihr Kibbutz - Volontär werden wollt, hier die Bedingungen:
http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2009/05/kibbutz-program-center.html
Montag, 24. Mai 2010
"Arbeiten in Israel" - Ein kleines Update
Mittwoch, 31. März 2010
Kibbutz Degania Alef (A) feiert seinen 100. Geburtstag
B"H
Einer der bekanntesten israelischen Kibbutzim, Degania Alef (A), feiert dieser Tage seinen 100. Geburtstag.
Photo: Website des Kibbutzes
Was weiss ich über Kibbutz Degania zu sagen ? Nichts, denn ausser, dass ich ein paar Mal auf dem Weg an den See Genezareth (Kinneret) dran vorbeigefahren bin, besitze ich keinerlei Details. Allerdings wird es, wie fast bei jedem anderen Kibbutz auch, so sein, dass die Mitglieder aus der Vergangenheit ihren Kibbutz heute kaum mehr wiedererkennen würden. Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte durchlief die Kibbutzbewegung zahlreiche Veränderungen. Aufgrund von Millionenschulden musste umdisponiert werden. Die Kinder schlafen schon Ewigkeiten daheim und nicht mehr im "Kinderhaus". Jeder hat sein eigenes TV, Video oder Auto und die Gemeinschaft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.
Der Kapitalismus ist schon längst in die einstige "Kolchose" eingezogen und mit ihm der Individealimus sowie der Materialismus.
Links:
Der Sozialismus ist tot
Kibbutz Program Center
Freitag, 29. Januar 2010
Die Vergessenen
Montag, 24. August 2009
Suff ist IN
Als ich Ende der achtziger Jahre zum ersten Mal nach Israel kam, war das Land noch stolz auf seine geringe Alkoholikerrate.
Alkohol ?
Nee, sowas gab es nur als ein wenig Wein am Schabbat oder an Feiertagen. In Maße und ohne jegliche Exzesse. Besoffen waren nur die Kibbutzvolontäre. Besonders jene aus England und Skandinavien.
Heute ist alles anders und die israelische Jugend leidet an einem massiven Alkoholproblem. Ein aktueller Report besagt, dass 32,6 % der 12 - 18 - jährigen sich im vergangenen Jahr mindestens einmal betranken. Dies ist ein Anstieg von 7,6 % innerhalb der letzten drei Jahre.
63,8 % der Altersgruppe der 18 - 21 - jährigen gab an, sich im vergangenen Jahr mindestens einmal betrunken zu haben.
Das Alkoholproblem ist deswegen so gravierend, weil eben aus jenem Suff leicht Gewalt entsteht. Ein falsches Wort und schon hat jemand eine Faust im Gesicht oder ein Messer zwischen den Rippen.
Bildungsminister Gidon Sa'ar (Likud) sagte diesbezüglich während einer Regierungssitzung, dass die israelische Gesellschaft als Ganzes gewaltbereit sei. Eben die Gesellschaft solle sich zum Positiven verändern und man solle nicht nur immer nach strengeren Gesetzen schreien.
Die Polizei hingegen erhöhte dennoch ihr Personal.
Ständig kommt es irgendwo zu Schlägereien, Pöbeleien und sogar zu Mord. Wie aber sollen die Jugendlichen es besser machen, wenn die Erwachsenen ihnen alles andere als ein Beispiel sind ?
Sonntag, 28. Juni 2009
Der Sozialismus ist tot
Kibbutz Givat BrennerB"H
In der letzten Wochenendausgabe der israelischen Tageszeitung MAARIV finden wir einen mehrseitigen Artikel zum Thema "Privatisierung im Kibbutz". Beim Durchlesen kamen bei mir alte Erinnerungen hoch. Zwar war ich nie ein Kibbutzmitglied ) und hätte dies auch nie werden wollen) doch immerhin war ich einmal Volontär (Kibbutz Gezer) und zweimal im Ulpan (Sprachkurs) der Kibbutzim Revivim sowie in Givat Brenner.
Wer nicht gerade Mitglied ist, der kann als Volontär eine tolle geruhsame Zeit erleben. Mitglieder hingegen machten in den letzten zehn Jahren einen gravierenden Wandel mit.
In einigen Monaten feiert der allererste Kibbutz sein 100 - jähriges Bestehen: Der Kibbutz Deganiah am See Genezareth (Kinneret). Zeit Bilanz zu ziehen und den einstigen als so perfekt angesehenen Kibbutzsozialismus zu betrachten.
Schon zu meiner Zeit in Givat Brenner (1995) gab es rigorose Veränderungen zu spüren. Sämtliche Bewohner bekamen ein Monatsbudget für ihr Essen und mussten damit auskommen. Abendessen im Diningroom fand nur noch für Volontäre und Ulpan statt. Außer freitags aßen die Mitglieder daheim zu abend. Noch während meiner Zeit in Gezer (1987) musste ein Mitglied den Kibbutz fragen, ob eines der ca. drei Kibbutzfahrzeuge abends einmal zum Kinobesuch etc. ausgeliehen werden darf. Damals noch war alles Gemeinbesitz und man war schon froh, einen eigenen Fernseher besitzen zu dürfen. Und als noch alles jedem Mitglied gehörte, da war der Neid noch gering zu halten. Mit dem Einzug der Privat - TVs wurde das schon anders und die Nachbarn schauten, wer sich welches TV leisten konnte.
In den 90igern gab es Essenbudget und heute essen die allerwenigsten Kibbutzmitglieder überhaupt noch im Diningroom, sondern daheim in den eigenen vier Wänden. Was im Israel des Sozialismus und eines David Ben Gurion niemand zu träumen gewagt hatte: Spätestens in den 80igern war das Kibbutzsystem unrentabel geworden. Bis auf wenige Ausnahmen schrammten die Kibbutzim haarscharf am Bankrott vorbei und nur die staatliche Hilfe erhielt sie noch aufrecht. Immer schlimmer wurde es und in Gezer erlebte ich es live mit, wie Wasser und Strom wegen unbezahlter Rechnungen auf Stunden abgestellt worden waren. Die Behörden machten Ernst und die Kibbutzim waren gezwungen entweder drastisch umdenken oder den Laden dichtmachen.
Plastikfabrik RAVIV im Kibbutz Revivim
So kam man auf die Privatisierung. Mitglieder konnten ihr Haus billig erwerben, Land wurde verkauft, Leute von außerhalb erstanden es und bauten günstig ihre Villen. Es scheint gerade so als seien fast alle dem öden Sozialismus überdrüssig geworden. Immer gab es Mitglieder, die weniger schufteten als andere und auch das wollte man nicht mehr mitmachen. Wer nicht arbeitet, fliegt raus, denn wir (das Mitglied) unterhalten keine Faulenzer mehr. Kurz gesagt, der brutale Kapitalismus zog ein. Nichts mehr mit dem gemeinsamen Leben, Veranstaltungen und Hora - tanzen. Heute pochen viele auf ihr Privatleben, machen die Tür zu und wollen ihr eigenes Leben führen.
Insgesamt wird gesagt, dass die Privatisierung sich positiv auf die Kibbutzim ausgewirkt habe. Trotz allem jedoch gibt es Mitglieder, die sich plötzlich im neuen Kapitalsystem nicht mehr wiederfinden. Den Traktor, den sie so sehr liebten, fahren nun billige Thaikräfte oder Palästinenser. Diese zu beschäftigen zahlt sich für den Kibbutz finanziell günstiger aus. Was also tun, wenn man ein ganzes Leben für den Kibbutz da war und letztendlich alle doch wieder dem Kapital nachjagen und ihre Türe hinter sich zuknallen ? Wo bleibt das das einstige Ideal ?
MAARIV berichtet von Selbstmorden. Nicht wenige Mitglieder sahen nur noch diesen Ausweg und die Kibbutzim schweigen. Selbstmord wegen Privatisierung ? Psychische Probleme damit ?
Das sei ein absolutes Tabuthema !
An soetwas lieber nicht denken, denn man will ja die Früchte des eingezogenen Kapitalismus ernten und weniger die Verlierer sehen.
In ca. zehn Jahren wird es den Kibbutz kaum noch geben, sondern die Betriebe lösen sich in Privatunternehmen auf. Bald wird der Kibbutz ganz verschwunden sein, bis auf einige wenige, die uns dann als Museum dienen. Doch das einstige Gesellschaftsideal ist für uns Städter schon längst etwas Abgefackeltes. Vom Lande halt und belächelt.
Wer einen Kibbutz in seiner heutigen Form sehen will, der sollte sich beeilen, denn bald könnte damit Schluß sein.
Link:
Kibbutz Program Center


Ulpanidylle im Kibbutz
Sonntag, 14. Juni 2009
Sommer in Israel
B"HDie Sommerferien beginnen so allmählich und nicht wenige Europär, mit oder ohne Geld, suchen nach diversen Ferienprogrammen / Aufenthalten in Israel. Bisher standen der Kibbutz sowie der Moschav stets ganz oben auf der Liste. Jedenfalls bei nicht gerade mit Reichtümern behafteten Rucksacktouristen.
Hier Aktuelles zum Kibbutz Programm in Israel !
Wobei ich in dieser Woche unbedingt nochmals im Kibbutz Office in Tel Aviv vorbeischauen will. Zwecks Erkundung der Zahlungen für die Auslandskrankenkasse.
Deutsche Vermittlerbüros bieten dem Kibbutzvolontär für nicht gerade wenig Geld eine Krankenkasse an, doch wer in Israel ankommt erfährt, dass er es hier viel billiger hätte haben können.
Zu den Arbeitsaufenthalten in den Moschavim:
Früher liess sich hier etwas Geld verdienen und Unterkunft wurde gestellt. Macht Euch jedoch heute darauf gefasst, weniger freie Jobs im Moschav vorzufinden, denn seit Jahren stellen deren Arbeitgeber lieber Billigkräfte aus dem Fernen Osten ein.
Dienstag, 19. Mai 2009
Kibbutz Program Center
Insbesondere zum Sommer hin zieht es viele ausländische junge Leute in Israels Kibbutzim. Jobben, den Kibbutz und Land und Leute geniessen. All das kenne ich selbst auch, denn als ich noch jünger war, war ich Kibbutzvolontär. Wenig später wurde ich in zwei weiteren Kibbutzim Ulpanschüler (Hebräischsprachkurs). Wobei die Ulpanim in einem Kibbutz fast immer einen Tag Arbeit und einen Tag Unterricht beinhalten. Insgesamt aber machte ich die Erfahrung, dass es ein Ulpanschüler in vielen Lebenslagen besser hat als ein Volontär. Kulturell zumindest, denn man wird zu Vorträgen eingeladen und fährt auf informative Trips. Nicht selten ist sogar die Unterbringung günstiger, denn mit dem Ulpan strengt sich der Kibbutz an, da er Geld von der Jewish Agency erhält. Demnach stellt ein Ulpan eine Einnahmensquelle für den Kibbutz dar.
Heute morgen machte ich mich einmal zum offiziellen Kibbutz Office in Tel Aviv, in der Frishman Street Nr. 6, auf. Im Untergeschoß findet man das Office des Kibbutz Program Center. Ein paar winzige Büroräume mit wenigen Angestellten bilden die erste Anlaufstelle des Volontärs.
Leider war die Leiterin nicht anwesend und so muss ich mich nochmals hinbemühen, doch gab man mir ein Infoblatt und ich stelle vorab einige Infos davon in den Blog.
Zuvor allerdings muss ich sagen, dass ich in den 80iger Jahren nicht schlecht über den Tisch gezogen worden bin. Eine mir von der Jewish Agency in Frankfurt angeratene Privatagentur sandte mir Formulare und Rechnungen zu. Ohne all das auszufüllen und zu zahlen, bekäme ich später vom Kibbutz Office in Tel Aviv keinen Platz zugeteilt. Also zahlte ich Gebühren plus Krankenkasse.
Alles Quatsch und Geldmacherei, wie sich hinterher herausstellte. Jeder kann im Office in Tel Aviv einfach so vorsprechen und eine Krankenkasse bekommt er dort auch vermittelt.
Hütet Euch also vor der Abzocke in Deutschland oder anderswo. Setzt Euch ins Flugzeug und kommt selber her. So spart Ihr eine ganze Menge Geld.
Einige der Aufnahmebedingungen in das Kibbutz Program:
Man sollte mindestens einen zweimonatigen Aufenthalt im Kibbutz planen. Zwei Monate bis maximal sechs Monate.
Das war einmal anders und man konnte länger bleiben, doch die Visavergabe vom Innenministerium ist begrenzt.
Man sollte in guter körperlicher und seelischer Verfassung sein und sich darüber ein Attest vom Hasuarzt ausstellen lassen.
Weiterhin sind einige Englischkenntnisse erforderlich !
Nur Bewerber im Alter von 18 - 35 Jahren werden akzeptiert !
Die folgenden Infos variieren von Kibbutz zu Kibbutz:
Ein Arbeitstag beinhaltet acht Stunden, eine Sechs - Tage - Woche & drei Tage Urlaub pro Monat.
Arbeit aller Art sollte nicht gescheut werden und nicht in jedem Kibbutz kann man sich seinen Arbeitsplatz aussuchen. Meist jedoch volontiert man in der Landwirtschaft, in Fabriken, im Tourismus (Zimmer vom Guest House putzen) oder im Diningroom (Eßsaal oder in der Küche).
Das Zimmer teilt man mit zwei oder drei weiteren Volontären. Mahlzeiten werden gemeinsam im Diningroom eingenommen, wobei es heute so ist, dass die eigentlichen Kibbutzmitglieder daheim essen. Das Kibbutzsystem hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert und mittlerweile ist es so, dass fast nur noch die Volontäre den Diningroom nutzen.
Die Wäsche wird einem gewaschen und wenn vorhanden, kann man die lokale Bücherei sowie das Swimming Pool nutzen.
Der Kibbutz gibt ein monatliches Taschengeld aus. Ein paar Hundert Schekel vielleicht und nichts Berauschendes. Der Kibbutz kommt allerdings NICHT für die Reiseunkosten eines Volontärs auf.
Ehepaare oder Singles mit Kinder werden nicht akzeptiert !
Die beste Zeit zu kommen und sich um einen Volontärsplatz zu bewerben sind die Monate von Mai - September, denn dann gibt es die meiste Arbeit in den Kibbutzim. Man reist mit einem Touristenvisum ein und wandelt dann innerhalb der ersten zwei Wochen das Visum in ein Volontärsvisum um.
Hier der Knackpunkt, der oft nicht im Großgedruckten angegeben ist:
Wie ich sowohl von Volontären als auch von einer Angestellten im Office erfuhr, übersteigt die Nachfrage das Angebot. Derzeit ist das wieder einmal der Fall und der zukünftige Volontär muss nach seiner Bewerbung oft zwei Wochen warten, ehe er einen Platz in einem Kibbutz zugewiesen bekommt. Zwei Wochen also fast täglich im Kibbutz Office vorsprechen und nachfragen, ob sich etwas ergeben hat. Man hängt in Tel Aviv fest und lebt meist im Hostel. Das SKY Hostel oder das Momos (Ben Yehudah Street, Dormitory ca. 15 Euro pro Nacht) liegen ganz in der Nähe und sind preiswert. Wer es exclusiver und sauberer sucht, der gehe ins Gordon Hostel (Dormitory ab 90 Schekel - 18 Euro) in der Gordon Street. Alle drei Hostels liegen nicht weit von der Fishman entfernt und das Kibbutz Office kann innerhalb weniger Minuten erreicht werden.
Geöffnet ist das Kibbutz Office von Sonntag - Donnerstag jeweils von 8.00 - 14.00 Uhr. Adresse: Frishman 6 in Strandnähe. Zu erreichen mit den Buslinien 10 vom Arlozorov Bahnhof oder mit der 4 vom Zentralen Busbahnhof.
Kosten:
- 340 Schekel (ca. 68 Euro) für die Krankenkasse. Gültig für drei Monate und jede weiteren drei Monaten kosten 100 Schekel (20 Euro) extra.
- Man sollte im Besitz einen gültigen Passes sowie Visum sein und ggf. ein Rückflugticket vorweisen.
- Außerdem sollte der Volontär im Besitz von 800 Schekel (160 Euro) sein. Das Geld soll demjenigen nicht genommen werden, nur will man sichergehen, dass er etwas Kleingeld besitzt.
- 360 Schekel (ca. 72 Euro) Gebühren für die Registrierung.
- 110 Schekel (ca. 25 Euro) Visagebühren.
- Ein Kibbutz kann zwischen 300 - 400 Schekel (ca. 50 Euro) Kaution verlangen. Falls etwas zu Bruch gehen sollte.
Den meisten Volontären kommt es auf die Kibbutzatmosphäre an, die sich in den letzten Jahren sehr zum Kapitalistischen hin gewendet hat. Und leider bevorzugen viele Kibbutzim Gastarbeiter aus China, Thailand, etc. und akzeptieren daher weniger Volontäre. Chinesen sind halt billiger und schuften 12 Stunden nonstop für wenig Geld. Außerdem besaufen sie sich abends nicht, wie leider viele Kibbutzvolontäre.
Eines jedoch muss ich als Städter noch loswerden:
Was einem der Kibbutz nicht vermitteln kann, ist das reale Leben in Israel ! Für Israelis gelten Kibbutznik nach wie vor als Hinterwäldler, die nie in der Stadt zurechtkommen würden. Vielerseits stimmt dies sogar. :-)
Wichtige und informative Sites:
Kibbutz Program Center
http://www.kibbutz.org.il/volunteers/about.htm
Sprachkurze (Ulpanim) in Kibbutzim
http://www.kibbutzulpan.org/page.asp?ln=eng




