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Montag, 29. Oktober 2012

Zfat by Night

B"H

Man kennt das ja von fast überall auf der Welt. Da fährt man aufs Land bzw. in eine Kleinstadt und abends stellt sich die Frage: "Was geht ab ?" 

Weder in Tiberias noch in Zfat (Nordisrael) ist die Frage leicht zu beantworten. Tiberias mit dem See Genezareth (Kinneret) besitzt natürlich eine kleine kurze Promenade. Ich schätze einmal, dass das billigste Etablissement dort das Mac Donald's ist. Ansonsten besteht das Ziel, den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Zfat besitzt keinen See, sondern die Berge des Oberen Galiläa. Was man nicht vergessen darf zu unterscheiden, sind die Bewohner der Altstadt, bei denen es sich größenteils um relig. Juden handelt. In der Neustadt geht es nicht weniger religiös zu, doch bestimmen dort zudem viele säkulere Bewohner das Stadtbild.

Die "Shopping Meile" der Altstadt heisst "Rehov Yerushalayim – Jerusalem Street", wo auch abends der Restaurantbetrieb weiterläuft. Von der Pizza zum Bagel und von Fisch und Fleisch bis hin zur Lasagne. Das Restaurant ARELE ist neu und super koscher. Es erfreut sich anscheinend großer Beliebtheit bei der haredischen (ultra – orthodoxen) Bevölkerung. Nicht weniger das italienische Restaurant MILANO, in welches ich ab und an gehe, wenn ich denn einmal in Zfat bin. Das MILANO ist nicht teuer, die Bedienung nett und das Essen schmeckt.



Das ARELE rechts im Bild



Die Kotel (Klagemauer) Wandmalerei im MILANO



Rehov Yerushalayim bei Nacht





Photos: Miriam Woelke

Darüber hinaus sollte man nicht viel erwarten, aber die Mehrheit der jüdischen Touristen kommt ja nicht unbedingt, um Action zu finden, sondern eher Ruhe vom Alltagsstress verbunden mite in paar jüd. – relig. Programmen.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Die arme Seite von Zfat (Safed)




So kennen Touristen die beschauliche Kleinstadt Zfat (Safed) in Nordisrael. Circa 30,000 Einwohner und 30km nördlich von Tiberias gelegen. 

Photos: Miriam Woelke

B"H

Der Tourist erlebt die Stadt Zfat nicht selten im Schnelldurchlauf. Reisebusse rollen an und parken nahe der Kunstgalerien. Die Guides ziehen ihre Gruppen schnell durch, die Touristen kaufen ein paar Bilder und anderen Schnickschnack und weiter gehts zurück zum Bus.

Die romantische Bergstadt Zfat im Oberen Galiläa bietet eine grandiose Aussicht auf die Berge von Meron bis hinunter zum See Genezareth (Kinneret). Tolle Umgebung, die Altstadt ist sauber, die Menschen freundlich und wer sich gerne abzocken läßt, der liegt hier richtig.

Jüdische Touristen zieht es vielfach in die berühmten Synagogen der mittelalterlichen Kabbalisten bis hin zu einigen relig. Programmen vorwiegend offeriert von der chassidschen Gruppe Chabad (Lubawitsch). Einmal dem Alltagsstress entkommen und für ein paar Tage saubere Bergluft schnuppern, meditieren und nicht wenige kommen und schreiben hier ihr neues Buch. Autoren lieben die Abgeschiedenheit und wo kann man seinen neuesten Roman besser verfassen als in dieser idyllischen Umgebung ?

Innerhalb der vergangenen Jahre erlebt die Stadt einen wahren Boom, denn mehr und mehr relig. Juden aus Amerika zieht es nach ihrer Einwanderung nach Israel (Aliyah) ausgerechnet nach Zfat. Viele kommen, viele gehen, denn die Stadt, in welcher einst die großen mittelalterlichen Kabbalisten lebten, bietet heute weitaus weniger. Zwar ist die Spiritualität immer noch vorhanden, aber das Leben in Zfat ist gewiss kein Zuckerschlecken. Im Gegensatz zu den Ballungszentren sind Arbeitsplätze absolute Mangelware und ca. die Hälfte der Bewohner lebt von der Sozial – bzw. Arbeitslosenhilfe. Keine Besserung in Sicht, dabei wünschen sich die israelischen Zfatim (Bewohner der Stadt) richtige amerikanische Investoren, die eine wirtschaftliche Infrastruktur aufziehen. Wohlhabende Amerikaner bleiben jedoch weitgehend aus und wer kommt, der sucht eine niedrige Miete sowie einen erschwinglichen Lebensstandard. Das ist in Zfat nach wie vor gegeben, obwohl auch hier die Mieten langsam anziehen und die Lebenshaltungskosten nun auch nicht gerade billig sind.

Die Mentalität der Bevölkerung gleicht jener des Nordens. Alles geht gemächlich seinen Gang, ohne Hektik, doch für einen richtigen Städter wirkt alles viel zu langsam. Kleinbürgerlich ist dann meist auch die Denkweise, was mir manchmal so richtig auf den Geist geht, aber wen interessiert die große weite Welt in Zfat ?

In der Altstadt gelten wesentlich höhere Mieten als in den Bezirken drumherum. Besonders billig dagegen ist es in Zfat – Süd, doch gleichzeitig wurde dieser Stadtteil zum sozialen Brennpunkt und Gebiet für die sozial Schwächeren. Touristen interessiert dies wenig, denn, außer der romantischen Altstadt, wird nichts anderes besucht.




Das Einkaufszentrum in der Mitte der Neustadt























Einer der wenigen Arbeitgeber in der Stadt: Die Kaffeerösterei von STRAUSS (einem bekannten israelischen Wirtschaftsimperium). 

Copyright / Photos: Miriam Woelke

Dienstag, 23. Oktober 2012

Immer noch in Zfat (Nordisrael)


Sonnenuntergang über den Bergen von Meron heute abend. 
Im kleinen Ort Meron (gegenüber von Zfat) liegt der große Kabbalist und talmudische Rabbi Schimon bar Yochai begraben. 

Photo: Miriam Woelke

B"H 

Morgen früh kehre ich nach Jerusalem zurück, doch ehe ich dort ankomme, liegen 3,5 Stunden Busfahrt vor mir. Leider fand ich diese Woche nur zwei Tage Zeit für Tiberias und Zfat in Nordisrael. 

Heute gehörte meine gesamte Aufmerksamkeit der Kleinstadt Zfat, über die ich auf einer englischen Site eingehend berichten werde. Vorwiegend geht es dabei um das Thema "Aliyah nach Zfat", denn unzählige relig. Amerikaner lassen sich gerade in der mittelalterlichen Stadt der Kabbalah, in Zfat, nieder. Und hierbei handelt es sich gewiss nicht nur um Breslover oder Lubawitscher (Chabad) Chassidim. 

Heute sprach ich mit ein paar Einwohnern. Es ist leicht mit den Menschen hier ins Gespräch zu kommen und so ergaben sich kleine Interviews mit Amerikanern sowohl als auch mit den örtlichen Israelis. Die Frage war: 

"Warum in eine Stadt ziehen, in welcher die Jobsituation verheerend ist ? Was erwartet einen in der Peripherie und warum fühlen sich die Menschen hier dennoch wohl ?"

Alles in allem aber reichten die zwei Tage hier oben längst nicht aus und so steht in der nächsten Woche ein weiterer Besuch in Zfat an. Mein Zimmer habe ich schon reserviert. 

In Deutschland ist die Stadt vielleicht weniger bekannt, in Israel dagegen ist sie ein Beispiel für das Leben in der Peripherie und all den Sorgen und Nöten des dortigen Otto Norlverbraucher.

Montag, 22. Oktober 2012

On the Road in Tiberias und Zfat (Nordisrael)

B"H

Circa 3,5 Stunden dauert die Busfahrt von Jerusalem hinauf nach Zfat (Safed) im Oberen Galiläa. Das mag sich nicht viel anhören, doch auch eine Busfahrt kann ermüden und ich muss sagen, dass ich heute abend recht platt bin. Dabei hatte ich die Fahrt aufgeteilt und fuhr zuerst von Jerusalem bis nach Tiberias, was 2,5 Stunden Fahrt ausmacht. Nach 1,5 Stunden erreicht der Egged Bus 862 die Stadt Afulah und es wird am dortigen Busbahnhof eine Pinkelpause eingelegt. Nebenbei kann jeder, der will, am Kiosk einen Kaffee kaufen. Danach geht die Fahrt weiter nach Tiberias.

Eine Stunde dauert es, bis man auf den Kinneret (See Genezareth) herabblickt. Die Kleinstadt schlängelt sich von oben bis hinunter zum See.

Die Fahrtkosten von Jerusalm nach Tiberias (Hin und Zurück) kostet 72 Schekel (ca. 14,5 Euro). Es lohnt sich finanziell, beide Fahrten zu kaufen !




In Tiberias mit Blick auf den See Genezareth (Kinneret). Im Hintergrund sieht man die Golanhöhen auf der anderen Seite des Sees.

Photo: Miriam Woelke

Wer von Tiberias hinauf nach Zfat fahren will, der muss nochmals eine weitere Stunde Fahrtzeit einplanen. Der VEOLIA Bus 450 fährt ca. jede Stunde vom Zentralen Busbahnhof Tiberias hinauf nach Zfat. Kostenpunkt pro Fahrt: 15,50 Schekel (etwas mehr als 3 Euro). 

Ehrlich gesagt gibt es für jüdische Touristen in Zfat viel mehr zu tun als für Nichtjuden. Letztere können sich das malerische Künstlerviertel in der Altstadt ansehen und den grandiosen Ausblick auf Nordgaliläa bis hinunter nach Tiberias geniessen. Jüdische Tourisen hingegen besuchen normalerweise den berühmten Friedhof von Zfat, auf welchen, u.a., die prominenten mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria, Rabbi Moshe Cordovero, Rabbi Yosef Karo oder Rabbi Moshe Alshich begraben liegen. Auf meinem relig. Hamantaschen – Blog werde ich dieser Tage Photos sowie Videos von Friedhof und Synagogen einstellen !

Darüber hinaus ist Zfat als die Stadt der Kabbalah bekannt, denn sie blickt auf eine Jahrhunderte alte Tradition berühmter Kabbalisten zurück. Insbesondere in der Zeit des Mittelalters. Das gefiel selbst der Madonna "Esther" alias Kabbalah Center MADONNA. Die High Society Lady wollte sich in Zfat ein Häusle bauen und ihre Hollywood Clique zur Spiritualität einladen. Da aber machten ihr die Zfatim (Bewohner von Zfat) einen saftigen Strich durch die Rechnung und setzten die Poplady kurzerhand vor die Tür. Seither gammelt ihre Villa vor sich hin und ist allen nur bekannt als das MADONNA HAUS

Was sich so tut in Zfat und wie die Menschen in der kleinen Abgeschiedenheit leben, darüber mehr im laufe der Woche. Ich selbst bin hier sehr gerne und ein paar Tage ohne viel Zivilisation sind recht entspannend. An sich ist Zfat dafür bekannt, dass sich viele Hippies, kaputte Typen und all jene, die es im Kernland irgendwie nicht auf die Reihe kriegen, in der Stadt niederlassen. Hinzu kommt, dass die Kleinstadt eine hohe Anzahl amerikanischer Neueinwanderer verkraften muss. Zumeist relig. US – Juden, die sich in Zfat Spiritualität erhoffen. 

Eines ist sicher: Die Stadt besitzt eine freundliche Anglo – Gemeinde und jeder Neue wird herzlich aufgenommen. Der große Nachteil aber besteht darin, dass es kaum Jobs gibt und wie sagte mir heute ein einheimischer Haredi (ultra – orthodoxer Jude): "Es lebt sich nicht nur von der kabbalistischen Spiritualität allein, sondern das Leben besteht genau so aus Materialismus. Und dazu gehört, dass Geld für den Lebensunterhalt verdient wird". 

Nächtigen tue ich in einem Privatzimmer bei der chassidischen Gruppe Chabad (Lubawitsch), wo ich mich natürlich an deren Spielregeln halten muss. Aber zwei Tage lang halte ich das schon durch.:-) Immerhin habe ich mein eigenes Zimmer und das allein macht sehr viel aus. 



Busfahrt von Tiberias nach Zfat





Basaltsteine um Tiberias





Sonnenuntergang in Zfat



Zfat: Eine beschauliche Altstadt, doch die Neustadt drumherum ist nicht immer so romantisch. Der Alltag der Bewohner ist hart und das Geld ist knapp.



Rehov Yerushalayim, die Shopping Mall von Zfat





Copyright / Photos: Miriam Woelke

Montag, 23. April 2012

Berücksichtigungen bei der Aliyah nach Zfat (Safed)


Teil der Neustadt von Zfat

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Vor ein paar Monaten verfasste ich einen Artikel für Neueinwanderer in die nordisraelische Kleinstadt ZFAT (Safed). Deutschsprachige Neueinwanderer betrifft das Thema eigentlich kaum, denn in meinen fast drei Monaten Zfat und Tiberias (Oktober 2010 – Januar 2011) traf ich keinen einzigen deutschsprachigen Bewohner der Gegend. Wenn man einmal von einigen deutschen Christen im Großraum Tiberias absieht, aber das ist nicht mein Ding mich mit Judenmissionaren abzugeben. 

Insbesondere englischsprachige Neueinwanderer zieht es in das kleine Städtchen Zfat. Vielfach religiöse Juden, die aufgrund der spirituellen kabbalistischen Geschichte der Stadt ankommen. Nicht nur das, sondern weil viele von ihnen genau so günstige Mietpreise suchen, obwohl, aufgrund der hohen Nachfrage, die Mieten in Zfat ebenso am Steigen sind und nicht mehr alles so billig zu haben ist. 

Gestern überhörte ich ein Gespräch zweier amerikanischer Neueinwanderer, in dem der eine angab, jetzt gleich mit dem Bus nach Zfat hinaufzufahren. "Man müsse halt realistisch sein und günstige Wohnungen suchen. Wer kann sich denn schon eine Bleibe in Tel Aviv oder der Küstenregion leisten ?" 

Ich wollte etwas einwerfen, doch befand ich mich mitten in der Arbeit und war zu busy. Gefragt hätte ich den Typen gern was ihm denn eine günstige Bleibe nützt, wenn er in Zfat wahrscheinlich erst gar keinen Job findet. Arbeit gibt es dort nämlich nicht und wovon will man dann selbst eine niedrige Miete zahlen ? Die Industrie besteht aus eine Kerzenfabrik und wer medizinische Kenntnisse besitzt, kommt vielleicht im lokalen SIEV HOSPITAL unter, aber sonst ? 

Zahlreiche amerikanische Einwanderer machen dann auf spirituelle Heiler oder Kunst. Manche vermieten Zimmer an Besucher, doch die Stadtverwaltung Zfat begrenzt die Anzahl der zu vermietenden Räume der Privathaushalte. Die gesamte Gegend ist alles andere als mit Jobs gesegnet und viele Bewohner leben halt von der Stütze. 

Wen es dennoch nach Zfat zieht, der sollte eines mitbringen: Finanzielle Absicherungen !

Samstag, 29. Januar 2011

Die Aliyah der Großmutter S.D.


 Zfat (Safed) in Nordisrael

Photo: Miriam Woelke

B”H

Meiner Meinung nach sollten jüdische Großmütter am allerwenigstens eine Aliyah (Einwanderung) nach Israel in Betracht ziehen. Aus persönlicher Erfahrung heraus weiss ich, dass gerade die Großmütter ständig nach ihren Enkeln im Ausland jammern und vor dem Photoalbum auf Facebook kleben. Dann wird die Tochter / Schwiegertochter schwanger und wer das Geld für ein Flugticket nicht parat hat, sieht den neugeborenen Enkeln vielleicht erst nach Monaten oder sogar Jahren. Eine Tatsache, welche viele betagteren Neueinwanderer vorher nicht mit einplanen.

S.D. lernte ich in Zfat kennen. Mit 62 Jahren war sie im vergangenen Spätsommer aus Arizona gekommen, um vor Ort mit der Aliyah – Organisation”Nefesh be’Nefesh” einzuwandern. Nicht alle Neueinwanderer kommen per Aliyahflug nach Israel, sondern reisen hierzulande als Touristen ein und entscheiden sich später aufs Innenministerium zu gehen, um die Aliyah zu beantragen. Bei S.D. war das der Fall, obwohl sie im voraus wusste, dass sie Aliyah machen wollte, um im Norden des Landes, sprich in Zfat, zu leben. Mit dem Papierkram bei Nefesh be’Nefesh verkomplizierte sich einiges, aber dazu später.

Als ich in Zfat war, baute sich eine kleine Clique um mich auf: S.D., ein aus Skandinavien eingewanderter Jude, mehrere Israelis, ein paar weitere Amerikaner und ich. Zusammen waren wir unschlagbar, trotzdem behielt jeder seine eigene Persönlichkeit sowie Freiheiten bei. Waren wir zusammen, tranken wir Kaffee und redeten, redeten, redeten. Zwischendurch jedoch ging jeder von uns seine eigenen Wege. Zusammen aber bewältigten wir viele Dinge und am meisten ist mir jener Schabbat in Erinnerung, an welchem S.D. uns alle einlud.

Insgesamt hatte S.D. großes Glück. Als sie kam, war sie zwar ohne feste Bleibe; bald aber erhielt sie Angebote zum House Sitting. Zwei Amerikaner wollten für ein paar Monate auf Besuch in die Staaten und S.D. sollte auf die zwei Wohnungen in Zfat aufpassen.

S.D. selbst liess zwei erwachsene verheiratete Kinder in Arizona zurück und ich weiss nicht wieviele Enkel. Immer wieder listete sie uns die Namen der Enkelkinder auf und Photos gab es gleich mit dazu. Kam ich einmal bei S.D. vorbei, sass sie oft vor ihrem Laptop. “Sitzt Du schon wieder vor Facebook ?” fragte ich, worauf sie meinte: “Ja, aber nur kurz”. Richtig schlimm wurde es, sobald eines der Enkel Geburtstag feierte. Dann erlebte das Photohochladen auf Facebook Hochkonjunktur. Auf beiden Seiten und nicht nur bei S.D.

Daheim in Arizona hatte S.D. Geld, denn ihre Tochter ist recht wohlhabend. Wovon aber soll eine 62 – jährige Neueinwanderin in Israel leben ? Mit arbeiten ist nichts mehr und die USA zahlten noch keine Rente. Hinzu kommt, dass Nefesh be’Nefesh in einen endlosen Papierkrieg verfiel und S.D. ihre finanziellen Neueinwandererrechte nicht bekam. Kurz gesagt, sie sass auf dem Trockenen und wenige Monate später sagte sie mir ironisch, dass sie gelernt habe, aus allem noch eine Suppe zu kochen. “Ich kann selbst eine Steinsuppe kochen”, wobei sie auf ihre finanziellen Nöte anzielte.

Ihre Tochter weigerte sich beharrlich, ihre Mutter im Ausland finanziell zu unterstützen, doch ab und an sickerte trotzdem etwas Cash durch. Was ich am meisten an S.D. bewunderte, war ihre unermüdliche Zuversicht. Auch relig. Und sie sah grundsätzlich alles positiv, egal was kam. Vor drei Wochen dann rief sie mich an und erzählte, dass sie in die USA zurückfliege. Befristet, wie sie betonte, denn sie habe für April ein Rückflugticket nach Israel. Zuerst aber fliege sie über Paris nach LA. Zwei Tage Disneyland, denn ein Enkelkind feiert Geburtstag. Jetzt bekam ich wieder eine Nachricht: Nefesh be’Nefesh hat sich ausgekriegt mit den Dokumenten und im Aril kommt S.D. zurück auf Aliyah. Mit allen Rechten heim nach Zfat.

Sonntag, 23. Januar 2011

Rattenloch zu vermieten !

B”H

Soll ich aufgeben, in Safed (Zfat) nach einer Wohnung zu suchen ?
Ich hatte viele Zusagen und schaute mir zahlreiche Bleiben an. Was ich jedoch im Nachhinein feststellte war, dass die Leute der Peripherie die schnelle große Kohle schnuppern. Die amerikanischen sowie israelischen Bewohner von Zfat sind momentan so drauf, dass sie jedes Rattenloch für teures Geld vermieten wollen. Schliesslich ist die Nachfrage da. Insbesondere Haredim (ultra – orthodoxe Juden) aus Jerusalem suchen im kabbalistischen Zfat ihre ruhige Zukunft samt frischer Bergluft.

Hinzu kommen all die Neueinwanderer aus den USA und die sind bereit, fast alles zu zahlen. Das wiederum wird richtig schön ausgenutzt. Neulich sah ich eine Zwei – Zimmer – Wohnung, die kein einziges Fenster besass. Die Vermieterin schämte sich noch nicht einmal, so etwas anzubieten und meinte lapidar: “So sei das halt in der Altstadt”.

Das Schlimme war, sie hatte Recht, denn zuvor sah ich eine ähnliche Wohnung. Günstig, teilmöbliert, zwei Zimmer – doch kein Fenster weit und breit.
Es ist wirklich so, dass schlichtweg der letzte Hühnerstall vermietet wird, denn die Mieten steigen. Jedenfalls anderswo im Land und da will auch Zfat mit auf den Wagen aufspringen und so richtig verdienen. Ein Stall zum Preis eines Tel Aviver Apartments. Die Einheimischen kapieren einfach nicht, dass Zfat nicht Tel Aviv ist und die angebotene Bleibe niemand nimmt. Egal, irgendein Doofer wird schon kommen. Am Ende kriegt man alles los und sei es an einen naiven Neueinwanderer, der keine Ahnung hat und ausgenutzt werden kann. 



Dieses Haus steht nicht in Zfat, sondern in Tel Aviv.
Allerdings passte das Aussehen gerade zum Thema !

Photo: Miriam Woelke


Zfat gab ich somit auf. Doch nicht aus dem Grund, sondern weil ich momentan unvorhergesehene Jobangebote bekam und derzeit neu koordinieren muss, wie ich wo hinfahre und was mich das an Zeit kostet.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Wie ausländische Investoren das israelische Flair zerstören


Photo: Miriam Woelke

B”H

Man soll ja nicht den Tag vor dem Abend loben, doch es kann sein, dass meine Wohnungssuche im nordisraelischen Zfat erfolgreich war. Heute schaute ich zwei Wohnungen an. Je zwei Zimmer, davon eine zu einem Spottpreis. 

Die erste Wohnung lag mitten in der Altstadt, antiker Bau, ruhige Lage, doch viel zu groß. Kein schlechter Preis, doch eher für eine Familie mit Kindern. Schon allein ins Bad hätte eine Reisegruppe gepasst. 

Nachmittags ging es zu einer zweiten Besichtigung. Wieder in der Altstadt, wieder Altbau, wieder ruhige Lage. Zwei Zimmer, ein super Preisangebot, was für die Lage und Spitzenaussicht einmalig erscheint. Nachteil: Die Wohnung benötigt einen Dauerputz von mindestens drei Tagen nonstop und ich werde einen Putzmittelvorrat anschaffen. 
Am Sonntag treffe ich mich mit der Vermieterin zu Details und hoffentlich werden wir uns einig. 

In Zfat überhörte ich ein Gespräch von zwei amerikanischen Einwohnern der Stadt. Angeblich will ein Immobilienagent Millionensummen in die Stadt investieren. Zfat ist gemütlich, hat ein besonderes Flair, hinzu kommt die jüdische Religion. Die Nachteile der Stadt sind ihre katastrophale industrielle Infrastruktur sowie die verbreitete Armut der Bewohner. Dadurch, dass kaum Industrie vorhanden ist, sind Jobs rar. Viele Bewohner leben von der Sozialhilfe bzw. dem Arbeitslosengeld. Die Mieten sind noch relative erschwinglich und alles andere zum Leben auch. Im billigen Süden der Stadt leben Hunderte Haredim (ultra – orthodoxe Juden), Russen und Äthiopier und es ist wahrlich kein Geheimnis, dass die Zfatim (Bewohner von Zfat) wenig Geld haben. 

Käme ein reicher amerikanischer Investor, könnten die Millioneninvestitionen durchaus von Vorteil sein. Der Tourismus ist in vollem Gang, kann jedoch ausgebaut werden. Wer durch die Altstadt schlendert, der liebt sie. Andererseits würden riesige ausländische Investitionen 1. das Flair der Stadt in Gefahr bringen und 2. die Mieten hochtreiben. Tausende von Bewohnern sind aber auf die niedrigen Mieten und Lebenshaltungskosten angewiesen. 

Leider passiert es immer öfter, dass amerikanische Juden mit ihrem Geld daherwedeln und alles kaputt machen. Schauen wir uns nur Jerusalem an. Die German Colony, Alt – Katamon, die Gegend um die Palmach Street oder Nachlaot. All das ist in amerikanischer Hand und Israelis, die weniger verdienen, leiden darunter. Es kann nicht sein, dass reiche Amerikaner oder Franzosen Israel als Luxus – Urlaubsziel ausnutzen. Sich Wohnungen kaufen, die sie nur zwecks Kurzurlaub benutzen und Israelis so den Wohnraum wegnehmen. Die Bewohner machen eine Stadt aus und keine High Society, die ab und an mal vorbeischaut und der das Land ansonsten egal ist. 

Ab Sonntag soll die Jaffa Road in Jerusalem nur noch Fussgängerzone sein. Eine gute Nachricht, doch entstehen um die Jaffa Road ebenso amerikanische Luxusbauten wie, z.B., hinter dem Machane Yehudah Markt. “LUXUSAPARTMENTS” und Otto Normalverbraucher ist nicht mit einbegriffen

Mittwoch, 12. Januar 2011

"Wohnungssuche in Zfat (Nordisrael)" oder "Mein Zfat - Syndrom" und ich


In der Altstadt von Zfat

Photo: Miriam Woelke

B”H

Nicht, dass ich 35 km weiter südlich, in Tiberias (Tveryia) nicht zufrieden bin, dennoch war es immer mein Traum, in Zfat zu wohnen. Momentan vielleicht weniger, denn Zfat liegt auf einem Berg im Oberen Galiläa und das Wetter ist demnach entsprechend kälter als Hunderte von Metern weiter unten am See Genezareth (Kinneret). 

In Zfat habe ich viele Freunde und einige chassidische Gemeinden, zu denen ich regelmässig gehe. Neben Chabad (Lubawitsch) ist das die chassidische Gruppe Zanz und neulich entdeckte ich die Synagoge der Chassidut Kossov.




Freunde aus alter Jerusalemer Zeit sind der Meinung, ich renne meiner haredischen (ultra – orthodoxen) Vergangenheit hinterher und solle mal lieber im “liberalen” Tiberias bleiben. Da sei etwas mehr Action und ich könne mich freier bewegen als im immer haredischer werdenden Zfat.

Zu einem gewissen Teil haben meine Freunde Recht, doch arbeite ich zumeist in Zfat. Das ergab sich so und wird in Zukunft noch mehr Arbeitsstunden verschlingen. Die Busfahrt dauert ca. eine Stunde. Zwei Stunde also sitze ich insgesamt im Bus, wenn ich hinauf auf den Berg und wieder zurück nach Tiberias fahre. Nicht, dass mich das nervt, denn die Landschaft ist wunderschön und der Bus alles andere als überfüllt. Einziger Störfaktor: Der letzte Bus in beide Richtungen fährt schon um 19.15 Uhr.
Morgen ist es einmal wieder soweit. Die Arbeit ruft, ich schaue (wieder mal) ein paar Wohnungen an und treffe nebenbei eine Freundin, die am Sonntag auf ein paar Monate zurück in die USA fliegt. Wenn sie dort ankommt, rauscht sie gleich samt Familie ins Disneyland in Kalifornien. Dabei sagte ich ihr vorhin ausdrücklich am Telefon, dass sie sich doch schon längst im Disney – Rummel befindet. Schliesslich wohne sie in Zfat !



Zfat - Die Stadt der Kunst

Photo: Miriam Woelke


Zfat ist geprägt von einer Menge schräger Gestalten und aus allen Regionen rauschen immer mehr neue Leute an, die ausgerechnet in der Kleinstadt wohnen wollen. Nicht jeder passt dorthin und es wird eine bestimmte Mentalität benötigt, die mir einmal von einer seltsamen amerikanischen Chabadnikit (Chabad Frau) abgesprochen wurde. Sie wolle in Zfat leben und ich solle mal gar nicht erst kommen. Mit Hose und so. Zfat sei religiös, was so nicht stimmt. Aber was soll man gross sagen, wenn eine arrogante Amerikanerin mit Wohnort Tel Aviv dahockt und alles besser wissen will. Seither habe ich sie nicht mehr gesichtet.

Zfat besitzt eine gemischte Bevölkerungsstruktur, aber alle haben eines gemeinsam: Man ist sich bewusst, dass es in der Stadt keine Action gibt. Kein Kino, kein Theater, keine Kultur und kein riesiges Shopping Center. Dafür atmet man saubere Bergluft und darüber hinaus ist die Luft noch kabbalistisch angehaucht, denn Zfat ist die Stadt der Kabbalah. Zumindest jener aus dem Mittelalter. Auf Facebook sah ich vorhin den Kommentar einer Bewohnerin, dass ihr die ganze Atmerei voll auf den Senkel geht. Sie habe langsam die Nase voll von der spirituellen Atmerei und man solle sie ihr Leben leben lassen. 

Ein anderer Kommentar dazu lautete, dass Zfat ein ungeheures Potential habe, DIE Touristenstadt in Israel zu werden. Aber kaum einen der Bewohner interessiere das, weil nur die intelligenzschwachen nach Zfat ziehen. 

Was hat das mit “doof” zu tun ? Meine Disneyland Freundin sagte am Telefon, dass Zfat einen eigenen Charakter habe und man könne hier nicht den Weltenrummel einführen. Wer will denn das ? Das einzige, was zählt, ist die Kabbalahluft und nicht irgendwelche Touristen. 

Ich gehe dann morgen einmal wieder spirituell atmen und das Frieren ist vorprogrammiert, denn auf dem Berg ist es bekanntlich kalt.

Fortsetzung des Zfat – Syndroms folgt !


Link:

Doppelleben

Freitag, 7. Januar 2011

Schabbat Schalom

B”H

Heute morgen sah es noch nach einem perfekten Tag aus. Die Sonne lachte strahlend vom Himmel und es war warm. Selbst oben in der sonst so kühlen Bergregion um Zfat im Oberen Galiläa. Als ich ca. 35km südlich daheim in Tiberias aus dem Bus stieg, konnte ich die Jacke ablegen, denn noch viel wärmer. Vor ein paar Tagen hatte mir eine amerikanische Touristin verkündet, dass Tiberias eh das "israelische Florida" sei.
Später bezog sich der Himmel, es schüttete und nun ist alles grau in grau. Es wird ein verregneter Schabbat und damit Zeit, wieder einmal ein gutes Buch zu lesen. 

Die Presse weiss nicht viel Neues. Abu Mazen liess ein paar einsitzende Touristen frei, was mich nicht gross verwundert.


Ein 15 – jähriger Teenie, den die Presse nur “D” nennt, erhängte sich im Badezimmer seines Elternhauses. Offenbar hatten ihn Klassenkameraden auf Facebook in den Tod gemobbt. Der Schüler war für sein Alter recht klein gewachsen und man nannte ihn daher “Desche – Rasen”. Ferner wurde er verkloppt und auf Facebook als “Homo” beschimpft. “Er solle sich lieber gleich umbringen”.

Jetzt wimmelt die Schule ab und weist alle Schuld von sich. Die Mitschüler geben alles nur als “Spass” aus, aber die Polizei ermittelt weiter.
70% der israelischen Schüler besitzen ein Facebook Account und es kommt immer öfter zum Mobbing oder jetzt sogar auch zur Vergewaltigung einer 12 – jährigen, die da via Facebook ein paar obskure Typen kennen lernte und sich mit ihnen traf. 


Vor wenigen Tagen fand im Kibbutz Beit Oren bei Haifa eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Brandkatastrophe auf dem Carmel vor einem knappen Monat statt. Netanyahu war dort, der Knessetvorsitzende Ruven Rivlin, der sephardische Oberrabbiner Shlomo Amar sowie Innenminister Eli Yishai von der sephardischen SHASS – Partei. Nach wenigen Gedenkworten kam es zum Eklat. Der Lebensgefährte der beim Brand umgekommenen Polizeichefin von Haifa Ahuva Tomer, rastete aus. Danny Rosen forderte Netanyahu auf, Innenminister Yishai aus der Gedenkveranstaltung zu entfernen. Unverzüglich, sonst gehe er (Danny Rosen). Damit fingen auch andere trauernde Angehörige an, Yishai zu beschimpfen. Schliesslich wurde der Innenminister vom Oberrabbiner hinausgeleitet. Jedoch schlossen sich nicht alle trauernden Angehörigen der über vierzig im Feuer Umgekommenen an. “Man kann Yishai nicht zum Hauptschuldigen machen. Das sei ja absurd. Davon kommen die Toten nicht wieder und man solle mit seiner Trauer anders umgehen und nicht wahllos um sich schlagen”.

Danach kam es zu einem weiteren Eklat zwischen der SHASS – Partei und Rosen. Israels Massenblatt “Yediot Acharonot” lässt in ihrer heutigen Schabbatausgabe Danny Rosen mehrseitig zu Wort kommen. Und damit geht das Land vorerst in den regnerischen Schabbat. 


Wie ich berichtete, denke ich darüber nach, nach Zfat zu ziehen. Zfat ist bestimmt kein zentraler Ort wie Tel Aviv, hat aber anderer Vorteile. Wer ein ruhiges Leben sucht, der ist in Zfat garantiert richtig. Vielleicht sogar viel zu richtig.
Wie aber finde sich in Zfat eine Wohnung ? Noch dazu eine Bezahlbare ?

Die Kleinstadt verfügt über eine riesige Anglo – Gemeinde und diese wiederum fand ihren eigenen Weg der “Community Communication”: Eine eigene Mailing List und auf ihr stellte ich ein Announcement ein. Prompt kamen fast 15 Antworten zusammen und ich habe einiges zu tun, um die zu prüfen.

In der Zeitung hiess es gestern noch, dass die Stadt Tiberias den prozentual höchsten Preisanstieg bei Häuserkauf aufweist. Wohlgemerkt, beim Kauf und (noch nicht) bei den Mieten. Warum das so ist, darauf gehe ich mit Photos zu Beginn der kommenden Woche ein.

“Schabbat Schalom” an alle Leser !

Donnerstag, 6. Januar 2011

Der Norden wird teurer

B"H

Nicht nur im Zentrum des Landes steigen die Mieten ins Unermessliche; auch die nördliche Perepherie zieht tüchtig nach. Ein kleines Beispiel: Zfat (Safed) in Nordisrael. 

Die Kleinstadt k
önnte geradezu als Kaff bezeichnet werden. Kaum Jobs, keine allzu hohe Lebensqualität - jedenfalls nicht im kulturellen Bereich. Dennoch gibt es Vorteile wie die Einfachheit der Bewohner. Niemand hetzt, stresst oder macht sich wichtig. Man ist mit dem zufrieden, was man hat und sagt "Baruch HaShem - G - tt sei Dank". Und das nicht nur auf den hohen religiösen Bevölkerungsanteil bezogen. 

Viele Neueinwanderer liessen sich nieder. Äthiopier und Russen. Innerhalb der vergangenen Jahre kamen viele Amerikaner und die Zfatim (Bewohner der Stadt) sehen das nicht ganz so ohne Argwohn. Wo sich Amerikaner niederlassen, steigen automatisch die Preise. Nicht nur die Miete, sondern der kleine Tante - Emma - Laden (Makolet) Besitzer sieht seine Absahnstunde gekommen. Das Vorurteil "Amerikaner seien reich" zieht nach wie vor. Das Resultat sind steigende Mieten. 

Ich spiele mit dem Gedanken, mich in Zfat niederzulassen, aber bisher ist selbst Tiberias die finanzielle günstigere Alternative. Jeder denkt, Zfat sei so billig, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Mieten liegen höher als die in Tiberias und dadurch, dass es kaum Jobs gibt, kommen die Zfatim auf die Idee, auch noch ihre Lagerräume zu vermieten und dafür Unsummen zu verlangen. Leute, die aus Jerusalem hierher ziehen sowie die Amerikaner verderben die Preise und die weniger gut gestellten Zfatim sind sauer, denn auch sie müssen tiefer in die Tasche greifen. Ein Phänomen, was sicherlich in der landesweiten Peripherie umgeht, denn die Israelis flüchten aus den unerschwinglich gewordenen Zentren.

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Jüdische Programme Jerusalem - Zfat und allgemeine der Tourismus

B”H

Dieser Tage weile ich einige Zeit im nordisraelischen Zfat (ca. eine Stunde Busfahrt von Tiberias entfernt). Im Gegensatz zu Tiberias bedeutet Zfat jeweils kühleres Wetter. Genauso wie der Temperaturunterschied Tel Aviv – Jerusalem. In den Bergen ist es kühl und im Verlauf des Tages soll der Regen wiederkommen.
Neben der Arbeit lernte ich ein paar neue interessante Charaktäre kennen. Aus der Schweiz sowie einige Israelis. Was alle irgendwie verbindet ist der Traum nach Zfat zu ziehen. “Sei doch toll hier und die Landschaft erst”, meinte eine Deutsch – Schweizerin zu mir. 

In Jerusalem lernt man auf jüdisch – relig. Ebene Unmengen von Leuten kennen. Da ich unterrichte, bin ich eh kaum davor gefeit. Der Unterschied zu den relig. Programmen in Zfat ist, dass die Kleinstadt einen eng aneinanderquetscht und kaum jemand in der Menge untergeht. Dabei kommen die Leute aus weitaus anderen Gründen nach Zfat als nach Jerusalem. 

Die Hauptstadt gilt als Treffpunkt im Judentum und wer als Jude anreist, der schaut sich natürlich in der Altstadt sowie an der Klagemauer (Kotel) um. Junge Juden, insbesondere Anglos, werden neugierig und schreiben sich für einige Wochen oder Monate in relig. Programme ein. Um das eigene Judentum zu entdecken, sozusagen. Jüdische Touristen sind im Großen und Ganzen froh, wenn sie einige Zeit aufzubringen in der Lage sind und Details zum Judentum lernen. Nicht gleich “Mach dies und das ist verboten”, sondern vorwiegend erst einmal was es bedeutet Jude zu sein. Jüdische Philosophie und Konzepte, den wer das nicht verinnerlicht, geht in der Stereotype verloren und meint, die Religion bestehe aus irgendwelche warren Gesetzen. 

Diaspora – Juden jeglichen alters schauen sich in Jerusalem nach Einrichtungen um, wo sie mehr erfahren und jüdische Konzepte lernen. Viele von ihnen nahmen in ihren Heimatländern an Kursen in ihrer Gemeinde teil. Andere kommen mit gewissen Vorkenntnissen von Chabad oder schlimmstenfalls dem Kabbalah Center. 

Es kommt darauf an, zu welchem Programm / Kurs der Interessent sich in Jerusalem entscheidet. Nicht alle Vorträge sind auf die Chabad – Philosophie zugeschnitten und setzen eine andere Denkweise voraus. Dies in Bezug auf chassidische Inhalte. Richtig schlimm wird es, wenn die Juden vom Kabbalah Center kommen und ihre dort angeeigneten wirren Konzepte vertreten, aber von ihrer Religion gar nichts wissen. Was nützt es mir, wenn ich an einem hebräischen Buchstaben herummeditiere, aber nicht weiss, wie ich beten soll ?

Wer Höheres oder Spirituelleres sucht, der landet ganz sicher irgendwann in der alten Stadt der mittelalterlichen Kabbalisten. Sprich, in Zfat. 
Wird aber hier nur herumgeschwebt und Kabbalah gepredigt ? Nein ! 
Vielmehr sollte jeder lernen und erkennen, wo er im Leben in der Religion steht. Natürlich bietet das kleine Zfat mit ca. 25,000 Einwohnern eine perfekte Atmosphäre hierfür, denn es findet keine Massenabfertigung statt wie in Jerusalem. Dennoch ist Zfat nicht für jedermann und viele bevorzugen Jerusalem und die dort angebotenen Themen. Andere kommen extra aus den USA angereist, um sich selbst in Zfat zu finden. Jüdische Geschäftsleute oder sogar Schauspieler. Einen Monat oder weniger ausspannen und ein Programm in Zfat besuchen, um neue Kraft zu bekommen. Dies haben auch in letzter Zeit vermehrt Israelis erkannt und strömen zum Schabbat herbei. Religiöse, Säkulere, alles ist vertreten. Leider nur ist die Stadt anderen Touristen immer noch viel zu unbekannt als dass sie sich hierher verirren täten. Dabei bietet gerade die Altstadt von Zfat jedem Touristen ein romantisches Schauspiel. Nicht immer muss es nur Kabbalah sein …



Zfat: Touristenattraktion für alle - Der Künstlermarkt.







Photos: Miriam Woelke