Posts mit dem Label Safed werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Safed werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 4. November 2012

Kriterien für eine Auswanderung nach Israel (oder anderswohin)

B"H 

Das Thema "nach Israel auswandern" steht auf diesem Blog immer noch auf einer der höchsten Stufen der Hitliste. Wobei ich immer noch annehme, dass es sich bei diesen Lesern zumeist um Nichtjuden handelt, denn Juden erhalten normalerweise ihre Aliyah – Infos von der Jewish Agency. 

Ich weiss nicht, warum es Nichtjuden gerade nach Israel zieht, denn hierzulande erwartet sie nicht gerade das rosige Leben und bestenfalls werden sie nach einer gewissen Frist wieder ausgewiesen. Wer auch nur ein einziges Mal die Ehre mit dem israelischen Innenministerium "Misrad HaPnim" zwecks Visaverlängerung hatte, wird mir das umgehend bestätigen. 

Vielleicht sind die Gründe ja immer noch in einer Portion "Shoah – Schuld" zu suchen. Viele Deutsche scheinen damit einen psychologischen Knacks wegbekommen zu haben. Der nicht gerade dollen Wirtschaftslage in Deutschland entkommen zu wollen, um gerade in Israel zu leben … Darüber kann man sich als Israeli nur wundern, denn den Deutschen geht es doch eigentlich noch gut. Ganz zu schweigen von der sozialen Absicherung, auch wenn so mancher jammert. Die USA, Kanada oder Australien wären diesbezüglich für mich attraktivere Ziele als Israel, obwohl es ja nirgendwo in der Welt perfekt zugeht. 

In den vergangenen zwei Wochen war ich einige Tage in Nordisrael. Genau gesagt in ZFAT, einer kleinen Provinzstadt mit einer dennoch relativ hohen Neueinwandererquote. Insbesondere relig. Juden aus den USA ziehen gerne nach Zfat. Der Religion wegen, wobei die Geschichte der Stadt Zfat eine Rolle spielt. Die kabbalistische Vergangenheit aus dem Mittelalter zieht halt immer noch ihre Spuren nach sich, doch die Realität der Peripherie holt einen allzu schnell ein. 




 Zfat / Nordisrael

Photo: Miriam Woelke

Was mir ein eingewanderter Amerikaner, in Zfat lebend, zu berücksichtigen gab: 

"Wer als Jude nach Israel auswandert (Aliyah macht), der sollte vor dem Aliyahprozess bereits in Israel leben. Sich Wohnung und Job suchen, sich einrichten und die Kinder einschulen. Halt im voraus sehen, wie alles funktioniert und ob er hier klarkommt. Ansonsten ist die Enttäuschung im Nachhinein zu groß und wer einfach so Aliyah macht, der stellt später fest, dass Israel doch nicht das Ideale für ihn ist". 

Dieses Statement erweist sich im Alltag als richtig. Heutzutage zieht man nicht einfach so los und liegt dann ggf. im neuen Land auf der Straße, ohne sich zurechtzufinden. Am Anfang mag noch alles toll aussehen, denn eingewanderte Juden erhalten diverse finanzielle Hilfen. Geht das Geld jedoch erst einmal aus, beginnt das wirkliche Leben und nicht selten ein Existenzkampf in der neuen Heimat.

Dienstag, 30. Oktober 2012

On the Road nach Jerusalem


In der Altstadt von Zfat / Nordisrael

Photo: Miriam Woelke

B"H 

Ja, ich bin immer noch in Zfat, doch morgen früh geht es zurück nach Jerusalem. Die Busfahrt allein dauert 3,5 Stunden. Das mag sich nicht viel anhören, doch trotzdem geht dabei immer ein halber Tag drauf. Einschliesslich des Lokalbusses in Jerusalem, den ich vom Busbahnhof nach Hause nehme. 

Seitdem in Jerusalem die Straßenbahn fährt und deswegen der Busverkehr der Innenstadt über die Agrippas am Machane Yehudah läuft, staut sich dort der Verkehr bis in die Endlosigkeit. Fast zu jeder Tageszeit reihen sich unzählige Busse hintereinander und allein die Fahrt durch die Straße dauert dann eine halbe Stunde. 

Das heisse Wetter hält bis zum Schabbat an und erst am Sonntag findet eine Abkühlung auf 25 Grad Celsius statt.:-)





Photos: Miriam Woelke

Montag, 29. Oktober 2012

Der weltliche Wahnsinn um die Romantik

B"H 

Die Mitglieder des LIKUD stimmten heute darüber ab, ob sie damit einverstanden sind, dass ihre Partei den Wahlkampf zusammen mit Avigdor Liebermans Partei ISRAEL BEITENU (ungefähre Übersetzung: Israel, unser Zuhause) bestreitet. Nach anfänglichem Murren lautete das Endergebnis heute abend JA. Somit haben Netanyahu und Lieberman freie Fahrt, trotzdem, dass niemand genau weiss, was genau die Beiden untereinander für Deals ausgeheckt haben. 

Fast sicher ist, dass Netanyahu Liebermans bei jedem kleinen Pups Liebermans Zustimmung braucht. Das fängt schon bei der Liste der Minister an. Dabei ist es noch lange hin bis zur Knessetwahl am 22. Januar 2013, aber in den israelischen Medien ist das Thema "Wahl" und all der Klatsch und Tratsch drumherum ein risen Thema. 

Ich selber überblättere die Berichterstattung, denn es kotzt mich ganz einfach an. Dabei kenne ich viele, denen es genau so geht. Der Politik können wir nicht entkommen, denn sie bestimmt ja hierzulande unser Leben. Wahrscheinlich mehr als anderswo auf der Welt. Dennoch sucht sich fast ein Jeder seine eigenen Prioritäten im Privatleben und da ich von heute bis Mittwoch in Nordisrael herumreise, hier ein paar romantische Bilder. Ohne Politik, Gerüchteküchen und Intrigen. 


Tiberias



Photos aus Zfat











Heute: 28 Grad Celsius in Zfat









Copyright / Photos: Miriam Woelke

Sonntag, 28. Oktober 2012

In den Norden Israels

B"H 

Morgen fahre ich abermals hinauf in den Norden und erneut werden Zfat und Tiberias meine Ziele sein. Für eine amerikanische Site verfasse ich, u.a., ein paar Aliyah – Berichte verschiedener Amerikaner, die es ausgerechnet nach Zfat verschlug. Seit einiger Zeit ziehen ausgerechnet zahlreiche amerikanische Juden nach Zfat. Eine Kleinstadt in der Peripherie, ohne Jobs, Action und viel Infrastruktur. 

In erster Linie sehen amerikanische Juden gerade dort ihr neues Zuhause, weil Zfat halt nun einmal die alte Stadt der mittelalterlichen Kabbalah ist und eine gewisse spirituelle Atmosphäre ausstrahlt, wenn man sich denn mit dem Thema etwas befasst. Darüber hinaus aber ziehen verhältnismässig viele amerikanische Neueinwanderer dorthin, weil in Zfat eine lebhafte Anglo Community existiert und weil, wie mir ein Amerikaner verriet, Zfat nun einmal relativ billig sei. 

Ich will meine Blogs nicht mit Tiberias und Zfat überschwemmen, doch finde ich, verdient die israelische Peripherie viel mehr Aufmerksamkeit. Es muss nicht immer Jerusalem oder Tel Aviv sein. Neben Zfat und Tiberias werde ich ebenso andere Orte besuchen. Im Norden sowie im Süden des Landes. 



Das neuere Tiberias mit seinen Shops





Zwischen Tiberias und Zfat liegen ca. 40km und die Busfahrt von hier nach dort dauert eine Stunde. Verlassen wir Tiberias, so hangelt sich der Bus den Berg nach Zfat hinauf und die Passagiere haben eine super Aussicht auf den Kinneret (See Genezareth). 


  


Ausblick von Zfat auf die Umgebung. Wer noch billigere Mieten sucht, der ziehe in einen der kleinen Moshavim oder Orte um die Stadt herum. Biryah, neben Meron, ist dabei besonders begehrt. Zumindest bei relig. Juden. 


 
 In der Shopping Mall von Zfat

Photos: Miriam Woelke 

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Wetterumschwung


 Die Altstadt von Zfat im Oberen Galiläa

Photo: Miriam Woelke
B"H

Ab heute soll sich ja das Wetter drastisch abkühlen. Darüber hinaus soll es bis zum Nachmittag am Schabbat regnen. Bis jetzt aber ist es in Jerusalem immer noch recht warm bei 22 Grad Celsius und noch keine Spur vom Regen.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Katastrophenübungen in Israel


Quelle: Pikud Ha'Oref (Zivilschutz)
B"H 

Israel gleicht heute etwas einem Katastrophengebiet und viele, die es noch nicht wissen, mögen erschrecken, wenn sie überall Ambulanzen, Polizei oder Armee sehen. Aber keine Panik, denn es handelt sich lediglich um eine landesweite Übung. 

Seit Jahren sagen Wissenschaftler für bestimmte Gebiete Israels ein verheerendes Erdbeben voraus und der Ernstfall wird geprobt. Tausende Tote, Verletzte sowie Obdachlose, darum geht der heutige Großeinsatz. 

Morgen fahre ich auf zwei Tage in ein extrem erdbebengefährdetes Gebiet, in welchem es regelmäßig zu Erdstößen kommt und die Kinder in der Schule lernen, wie man sich im Falle eines Bebens zu verhalten hat. Sich nämlich nicht in einem Gebäude aufzuhalten, sondern im Freien. Wer in einem Gebäude ist, der krieche unter den Tisch oder suche Schutz im Treppenhaus. Dies sind so die gröbsten Ratschläge. 

Zwei Tage werde ich in dieser Woche in Nordisrael, vorwiegend in Zfat (Safed) verbringen, und diese Region ist, wie gesagt, ganz besonders gefährdet. Zusammen mit dem Jordantal, Beit She’an und Tiberias. Allein im Mittelalter sowie im 19. Jahrhundert wurde die Kleinstadt Zfat im oberen Galiläa mehrere Male durch Erdbeben zerstört. Doch nicht nur für die Nordregionen wird ein schweres Beben vorhergesagt: Wenn die Katastrophe eintrifft, wird auch Jerusalem betroffen sein. 


Links für den Kriegsfall:

Pikud Ha'Oref in englischer Sprache 

und in deutscher Sprache:


Verhaltensregeln für den Verteidigungfall
 

Verhaltensregeln bei Ertönen der Warnsirene 

Beim Ertönen der Warnsirene oder einer Explosion sind unter Berücksichtigung des zur Verfügung stehenden Zeitraums, die angemessenen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Es ist dabei folgendermaßen vorzugehen: 

In Gebäuden: Sich, je nach zur Verfügung stehendem Zeitraum, in den Luftschutzraum, Luftschutzbunker oder einen Raum ohne Aussenwände begeben und Türen und Fenster schließen. 

Im Freien: Sich, je nach zur Verfügung stehendem Zeitraum, in das nächste Gebäude begeben. Falls man sich in einer nicht bebauten Gegend befindet und es in der Nähe keine Gebäude gibt, legt man sich flach auf den Boden und schützt den Kopf mit den Händen. 

Im Fahrzeug: Auf dem Seitenstreifen oder am Straßenrand anhalten, aus dem Fahrzeug aussteigen und sich in das nächste Gebäude oder den nächsten Unterstand begeben. Falls es in dem zur Verfügung stehenden Zeitraum nicht möglich ist, ein Gebäude oder einen Unterstand zu erreichen, steigt man aus dem Fahrzeug aus, legt sich flach auf den Boden und schützt den Kopf mit den Händen. Falls es nicht möglich ist, aus dem Fahrzeug auszusteigen, hält man am Straßenrand an und wartet 10 Minuten. 

• Falls keine anderen Anweisungen gegeben werden, können die Schutzräume nach 10 Minuten verlassen werden. 

• Achtung! Sich von unbekannten Objekten oder auf dem Boden liegenden Raketen entfernen. In einem solchen Fall, Neugierige zurückdrängen und die Polizei verständigen. 

• Weiterhin die über die Medien ausgestrahlten Anweisungen verfolgen. 

Anweisungen zur Wahl des geschützten Umfelds und zu seiner Vorbereitung: 

Das geschützte Umfeld ist im Verhältnis zu dem Zeitraum auszuwählen, der ab dem Ertönen der Warnsirene oder der Explosion zur Verfügung steht, - folgende Prioritäten sind zu berücksichtigen: 

• Luftschutzraum (geschütztes Umfeld in der Wohnung): oder geschütztes Umfeld auf der Etage stellen die beste Lösung dar. 

• Luftschutzbunker: 

• Luftschutzbunker in einem Mehrfamilienhaus: vorausgesetzt, der Luftschutzbunker befindet sich innerhalb des Gebäudes und es besteht die Möglichkeit, ihn über das Treppenhaus des Gebäudes zu erreichen, unabhängig von der Vorwarnzeit. 

• Öffentlicher Luftschutzbunker: vorausgesetzt, er ist innerhalb des vorgeschriebenen Zeitraumes zu erreichen, ab Ertönen der Sirene. 

• Falls kein geschütztes Umfeld, Luftschtzraum oder –bunker zur Verfügung stehen, ist ein geschützter Binnenraum zu wählen, mit der geringsten Zahl von Aussenwänden, Fenstern oder sonstigen Öffnungen. 

• Bewohner des obersten Stockwerks, in Gebäuden mit mehr als drei Stockwerken ohne geschütztes Umfeld, Luftschutzraum oder –bunker, gehen zwei Stockwerke herunter und verbleiben im Treppenhaus. 

• Bewohner des obersten Stockwerks, in Gebäuden mit mehr als drei Stockwerken ohne geschütztes Umfeld, Luftschutzraum oder –bunker, gehen ein Stockwerk herunter und verbleiben im Treppenhaus. 

• Erklärung der abgeänderten Anweisungen: 

• In einem dreistöckigen Gebäude ist der mittlere Treppenhaus-abschnitt der bestgeschützte Teil ( das zweite Stockwerk). 

• In einem Gebäude mit mehr als drei Stockwerken ist jeder Treppenhausabschnitt geschützt, mit Ausnahme des Erdgeschosses und der beiden obersten Stockwerke. 

• Zivilpersonen ist es untersagt, sich im Eingangsbereich des Gebäudes aufzuhalten, da bei Raketeneinschlag in der Nähe des Gebäudes bei Zersplittern der Verglasung Verwundungsgefahr besteht. Für weitere Angaben: Internetseite des Zivilschutzes www.oref.org.il , Facebook und das Informationszentrum des Zivilschutztes Telnr. 1207.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Vorgeschmack aus Tiberias und Zfat (Safed)


Photomontage von meinem Galaxy S3 Phone

Photo: Miriam Woelke
 
B"H 

In Kürze plane ich einen mehrtägigen Trip in den Norden. Zfat, Tiberias und wenn ich es zeitlich schaffe, dann auch an die Grenze zum Libanon. 

Vor zwei Jahren noch zog ich ganz hinauf in den Norden. Drei Monate später jedoch hatte ich genug von der Einöde und stellte entgültig fest, ein Stadtmensch zu sein. Zwar handelt es sich bei Tiberias am See Genezareth (Kinneret) und Zfat um Kleinstädte, doch wenn der Bäckerladen Mittagspause macht und drei Stunden schliesst, dann kriege ich bereits einen Anfall. 

Dennoch ziehen immer mehr relig. Neueinwanderer (vorwiegend aus den USA) nach Zfat. Der Mystik und Spiritualität wegen, doch berichtete ich mehrmals auf meinem englischen Blog, dass gerade im Norden eines fehlt: Arbeitsplätze. 

Allein aus diesem Grund will ich mich in Zfat etwas umhören, wie es denn den Neueinwanderern so ergeht. In der Stadt kenne ich einige Leute, mit denen ich von Jerusalem aus regen Kontakt halte. Besonders Zfat ist eine Welt für sich. Eine kleine Touristenstadt, in welcher nichtjüdische Touristen eigentlich nichts zu tun haben, außer die malerische Altstadt und die dort ansässigen Kunstgalerien zu besuchen. Ein Tag Zfat reicht aus. Jüdischen Touristen hingegen bietet sich ein reichhaltiges Angebot relig. Kurse, Meditation oder einfach nur einmal seine Seele baumeln lassen. Die meisten und besten Kurse werden dazu von der chassidischen Gruppe Chabad (Lubawitsch) angeboten. Ob nun ein Jude für oder gegen Chabad ist, die Gruppe bietet in Zfat ein tolles Programm ohne jede Mission und die Örtlichkeiten sind einfach nur super. Wem das nach ein, zwei Tagen trotzdem alles zu viel wird, der kann entweder eine andere Bleibe suchen oder woanders hinfahren. Für den jüdischen Touristen mit kleinem Geldbeutel ist Chabad in Zfat allerdings die positivste Lösung. 

Tiberias hingegen erweist sich seit Jahren immer mehr als gemeine Abzocke. Die billigen Hostels sind teilweise unter aller Sau, dafür werden teilweise auch noch höhere Preise verlangt als in Tel Aviv. Da ich in Tiberias die Vergangenheit eines bestimmten Hotels recherchiere, um ausführlich darüber zu schreiben, werde ich mich demnächst dort für ein paar Tage einquartieren, was mich eine Stange Geld kostet. Aber einmal im Leben "Fünf Sterne Hotel" sollte schon drin sein. Dabei erhalten Touristen, die mit ihrer Gruppe per Bus anreisen, sicherlich einen besseren Tarif als ich als Einzelperson. 

Ein bis zwei Tage Tiberias reichen für den Normaltouristen vollkommen aus. Christen zieht es zu all den Stätten am See, wo sie dann auch nochmals abgezockt werden und Juden schauen sich eher die Altstadt sowie die Gräber bekannter Rabbiner (Rambam, Rabbi Me'ir Ba'al HaNes, Rabbi Moshe Chaim Luzzatto oder Rabbi Akiva) an. Ansonsten ist in der Stadt am See tote Hose. Das "Nachtleben" findet zwischen den großen Hotels am See statt und die Uferpromenade strotzt nur so vor überteuerten Restaurants. Der angepriesene Peterfisch stammt jedoch nicht aus dem See, denn dort herrscht immer noch Fangverbot. Wer es billiger sucht, der kann ja bei Mac Donald's einkehren.:-)


Links:

Berichte & Photos aus Tiberias

Berichte & Photos aus Zfat (Safed), einschliesslich dem MADONNA HAUS

Montag, 27. August 2012

Zfat (Safed) / Nordisrael


Photo: Miriam Woelke
B"H

In absehbarer Zeit werde auch ich wieder einmal ein paar Tage in Nordisrael (Tiberias am See Genezareth) sowie in Zfat (Safed) verbringen. 

Donnerstag, 24. Mai 2012

Schabbat Schalom & Chag Sameach

B"H 

Morgen geht es früh wieder zurück nach Jerusalem, denn ich will hinterher nicht in den großen Massenandrang geraten. Morgen abend beginnt der Schabbat und gleich nach dessen Ausklang am Samstag abend, der jüdische Feiertag Schavuot (das Wochenfest). 

Bis Sonntag abend ist demnach in Israel fast alles dicht. Nicht viele Shops haben geöffnet. Zumindest nicht in Jerusalem, in Tel Aviv dagegen finden sich immer offene Supermärkte, Restaurants oder Cafes. Der Busverkehr wird morgen ca. zwei Stunden vor Schabbatbeginn eingestellt und die ersten Busse rollen erst wieder gegen 20.30 Uhr am Sonntag abend. Israel steht durch den Feiertag ein längeres Wochenende bevor. 

Wer mehr Infos zu Schavuot sucht, der ist eingeladen, auf meinem relig. Hamantaschen – Blog nachzulesen. Ansonsten kann sich der momentane Israelbesucher darauf einstellen, von morgen nachmittag bis Sonntag abend keine Busse oder Cafes vorzufinden. Banken, Postämter, Ministerien … alles dicht. Feiertag halt. 

Am Abend von Schavuot (sprich Samstag abend) ist es üblich, nach dem Feiertagsmahl die ganze Nacht durchzulernen. Eigentlich Thora, doch unzählige Gemeinden, Synagogen oder anderweitige relig. Einrichtungen bieten alle möglichen Vorträge an. Philosophisches, Kabbalistisches, Halachisches, eben alles zum Schavuot. Vom BUCH RUTH bis hin zur Bedeutung der Thoravergabe durch G – tt an die Juden. 

Die Wenigsten legen sich auf einen Vortragsort fest, sondern hören sich hier einen Vortrag an und gehen danach zu einer anderen Synagoge bzw. einem anderen Institut. So geht das die Nacht durch. Egal, ob in Jerusalem oder Tel Aviv. Jerusalem hat immerhin den Vorteil, dass die Leute nach der Lernerei morgens um 4.00 Uhr zur Kotel (Klagemauer) in die Altstadt strömen und das Morgengebet Schacharit beten. Nicht alle zusammen, sondern entweder jeder für sich oder verschiedene Grüppchen zusammen. 

Wie immer werden also Tausende in die Altstadt gehen und es wird eng. Ein aufregendes Erlebnis, doch weiss ich vorher nie zu sagen, ob ich die ganze Nacht durchhalte und nicht bereits vorher einschlafe. In Jerusalem laufen Hunderte Lernveranstaltungen und Tel Aviv steht dem nicht nach. Im Internet kann sich jeder selbst durchsurfen, denn die Angebotspalette ist einfach zu vielfältig, um alles hier auf dem Blog durchzukauen. Vielleicht nur eines: Chabad (die Lubawitscher Chassidim) im Jerusalemer Stadtteil Rehavia bieten am Sonntag morgen einen ICE – CREAM Synagogen Service an. An Schavuot ist es Brauch, Milchprodukte zu verzehren und da kommt der Trick mit dem Eiscreme gerade recht. 

Nichtjüdischen Lesern wünsche ich daher ein schönes Wochenende und jüdischen Lesern Schabbat Schalom & Chag Sameach (einen schönen Feiertag) ! 

Ich verbringe morgen einige Stunden im Bus, denn ich fahre von Zfat aus zurück nach Jerusalem. Am Montag wird mein gerissener Meniskus wieder zusammengesetzt und am Mittwoch und Donnerstag ziehe ich in die neue Jerusalemer Wohnung ein. Wenn ich denn laufen kann. 


Noch ein wenig Zfat / Nordisrael









Photos: Miriam Woelke

Mittwoch, 23. Mai 2012

Zfat (Safed)

B”H 

Saubere Luft, Natur und Vogelgezwitscher. In Tel Aviv lebend hatte ich gar nicht mehr daran gedacht, dass es Vögel gibt, denn das einzige, was ich vernahm war Straßenlärm und laute Musik. Deswegen sind ein paar Tage Urlaub in Zfat gar nicht einmal so schlecht, obwohl die Stadt allgemein den Ruf hegt, Hippies und Freaks aufzunehmen. All jene durchgeknallten neureligiösen Breslover, Carlebacher und Lubawitscher Chassidim. Wobei die Breslover Sparte der Na Nach Nachman – Chassidim eh in dem Ruft steht, sich vollzukiffen. Dagegen ist Chabad noch super normal. Aber es gibt auch ernsthafte Breslover Chassidim in der Stadt. 

Religion spielt in der Kleinstadt Zfat eine große Rolle, obwohl es gleichzeitig recht viele säkulere Juden gibt. Israelis. Einen hohen Anteil an den relig. Gruppen stellen Neueinwanderer aus den USA. Aber nicht nur Amerikaner, sondern immer mehr israelische Chassidim lassen sich in Zfat nieder. Der niedrigen Mieten wegen und Zfat war halt eine wichtige Stadt der Kabbalah des Mittelalters.

Bis heute spürt man in der Altstadt den Hauch der einstigen großen jüdischen Kabbalisten. Viele amerikanische Leser fragen mich immer wieder nach Zfat aus. Nicht alles ist so romantisch geprägt wie es auf den ersten Blick aussehen mag, denn die Stadt leidet an einer immens hohen Arbeitslosenquote. Keine Jobs und wer einen findet, der kommt meist nicht über das gesetzliche Mindesteinkommen hinaus. Was also nützen relativ niedrige Mieten, wenn man sie aufgrund des fehlenden Einkommens hinterher doch nicht aufbringen kann ? 


In der Altstadt

 
Zfat liegt eingebettet in den Bergen Galiläas. Circa 30 km oberhalb von Tiberias am See Genezareth. Oft wissen die Touristen gar nicht, dass sich hier oben auf dem Berg ein solche Romantik befindet. Die israelische Toskana. Zfat ist auch Künstlerstadt mit einem riesigen Künstlerviertel in der Altstadt. Galerie reiht sich an Galerie und alle warten auf Besucher, die Geld bringen. 

Kein Zweifel, die Stadt ist arm und bis vor wenigen Jahren zog es viele einkommensschwache Israelis in die Stadt. Hier konnte man noch Miete zahlen, was an vielen anderen Orten gar nicht mehr möglich war. In Zfat ist eine Bleibe erschwinglich, obwohl die ansteigende Zahl amerikanischer Neueinwanderer allmählich die Preise kaputtmachen. Israelische Hausbesitzer werden immer gieriger und auch vor Zfat macht der Trend nicht halt. Besonders nicht jetzt, wo die Nachfrage nach Immobilien besonders hoch liegt. 


 Kaufangebote bei einem Makler: Eine 4 - Zimmer - Wohnung in der Altstadt kostet mittlerweile 1 Mio Schekel (ca. 200,000 Euro).

Die israelischen Bewohner sehen die Veränderungen mit Sorge, denn wer kann schon preislich mit den Amerikanern mithalten, wenn viele ihr Einkommen vom Arbeitsamt beziehen ? Ich bin gerne in der Stadt, doch immer nur für eine gewisse Zeit. Kleine Orte sind nichts für mich und in Zfat wird das öffentliche Leben meist abends gegen 18.00 Uhr zusammen mit den Gehsteigen hochgeklappt. Dann ist man daheim und fertig. Kein Kino, kein Pub, kein nichts. Wer abendliche Action sucht, muss ein paar Kilometer weiter nach Rosh Pina. 

Was man als Besucher in Zfat macht ? Sich die Landschaft sowie die Altstadt ansehen. 


Mehrere Male wurde die Stadt in den letzten Jahrhunderten von Erdbeben zerstört und auch heute kommt es immer wieder zu Erdstössen. Die Bewohner erwartet in der Zukunft ein heftiges Erdbeben. So sagen es Wissenschaftler voraus. Die Stadt gibt unterdessen "Erdbeben – Unterricht". Wie verhält man sich im Ernstfall. 

An jedem Mittwoch kommt in der Stadt richtige Action auf, denn dann ist Markttag. In größeren Städten sind Märkte eine feste alltägliche Einrichtung, nicht so in Zfat. Mittwochs kommen die Händler aus der Umgebung und bieten ihre Waren feil. Darunter viele Drusen aus den Bergdörfern auf dem Golan. So viel billiger als im Supermarkt ist der Markt allerdings nicht. Obst, Gemüse, Schmuckkitsch oder Süßigkeiten kiloweise. Daneben machen die Drusen mit ihren Klamottenständen recht gutes Geld. 


 Heute auf dem Markt in Zfat


Wer Zfat besucht, den erwartet Jerusalemer Klima. Im Sommer angenehm kühl, denn die Stadt ist die höchst gelegene des Landes. Im Winter hingegen ist es kälter als in Jerusalem. Bitterkalt und ohne Heizung nicht zu ertragen. 

Copyright / Photos: Miriam Woelke

Montag, 21. Mai 2012

In Galiläa steht die Zeit fast still

B"H

Politik, Weltgeschehen, Business und all der Stress … das ist etwas für Tel Aviv und Jerusalem, aber gewiss nicht für den Norden Israels. Dort, wo noch alles gemächlich zugeht und Netanyahu, Achmadinejad oder die Reichen Tel Avivs so weit weg erscheinen. 

Ganz so wegdenken, mag man die Probleme dennoch nicht, denn Galiläa ist voller Palästinenser. Vor ca. 1,5 Jahren gab es ausgerechnet in der Kleinstadt Zfat (Safed) Streit zwischen Juden und palästinensischen Studenten der örtlichen kleinen Uni. Zwar vernimmt man von der Uni seit einiger Zeit keine Streitereien mehr, was jedoch nicht bedeutet, dass der Zwist beigelegt ist. Eines steht fest: Die Bewohner von Zfat wollen nicht unbedingt freie Wohnungen an Araber vermietet wissen. Darüber hinaus machen immer wieder arabische Jugendliche jüdische Mädchen an und auch das sorgt in der Umgebung für Ärger. 

Aber nicht nur das “arabische” Problem geistert durch Galiläa. Die Region ist geprägt von einer hohen Arbeitslosenquote, denn die Infrastruktur fehlt. Produktionsbetriebe lassen sich lieber an der Küste nieder und wenn es denn schon der Norden sein muss, dann doch lieber Haifa statt Tiberias, Zfat, Afula oder Beit Shean. 

Insbesondere Tiberias (am See Genezareth) sowie Zfat leben vom Tourismus. Letztere Stadt eher vom jüdischen Tourismus, denn die Stadt war im Mittelalter die Hochburg der jüdischen Kabbalah. Obwohl Zfat mehrere Male von Erdbeben zerstört worden war, finden wir bis heute die Überbleibsel des Mittelalters. Hierbei vor allem den berühmten jüdischen Friedhof. 

Was macht Zfat für nichtjüdische Touristen interessant ? 

Vielleicht die Altstadt, welche an die Toskana erinnert. Das Landschaftsbild, die Aussicht bis hin zum Kinneret (See Genezareth), die frische Luft und nicht das ganze Remmidemmi a la Tiberias, wo die Disco – Boote des nachts über den See dröhnen. Nachtleben ist in Zfat unbekannt und bereits am Spätnachmittag zieht es die Leute in ihr Heim. Ausgehen und so ist nicht, aber dafür herrscht eine Ruhe, die in Tel Aviv unbekannt ist. 

Wer nach Tiberias reist und Zeit mitbringt, der sollte sich unbedingt ein paar Stunden Zeit für das 30km entfernte Zfat mitbringen. Hoch auf dem Berg thront die Stadt über dem Kinneret und selbst im Sommer ist es relativ kühl und nicht tropisch heiss wie in Tiberias. Zfat ist bequem mit dem VEOLIA Bus vom Busbahnhof Tiberias aus zu erreichen. Linie 450 verkehrt fast stündlich und eine Fahrt kostet 15,50 Schekel (ca. 3 Euro). Die Endstation des Busses ist der Busbahnhof Zfat, welcher gleich neben der romantischen Altstadt liegt. Romantische Gassen, ein Künstlerviertel und der Bazar mit Kunst und den berühmten Zfat – Kerzen. Die Altstadt bietet Cafes, Restaurants und Snack Bars. Große Ketten wie Burger King oder AROMA Café kennt Zfat jedoch nicht, sondern da muss der Besucher hinunter nach Tiberias. 


Davon berichtet die Auslandspresse nicht: Das MADONNA - Haus in Zfat. Die "Kabbalah - Dame" wollte sich in der Kabbalah - Stadt ein Haus bauen und mit dem Kabbalah Center gross aufwarten. War aber nichts, denn die Bewohner rannten Sturm. Madonna ist unerwünscht und so blieb nur der Rohbau ihrer geplanten Villa.  



Downtown Zfat












Tourismus & Kunst = Die wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt.



An Kunstgallerien fehlt es gewiss nicht.

Photos: Miriam Woelke

Tiberias & Tzfat in Nordisrael

B"H



Von Jerusalem auf ein paar Tage Nordisrael. Etwas Urlaub machen und einiges an Schreiberei aufholen. Das erste Chaos folgte jedoch recht schnell, denn heute morgen herrschte am Jerusalemer Busbahnhof Chaos. Die Busverbindungen Tiberas – Kiryat Shemona in den Norden waren überlastet. Zuviele Reisende und nur ein Bus. EGGED arrangierte einen zusätzlichen Bus und so fuhr ich auf meiner Reise nach Zfat (Safed) zuerst nach Tiberias am See Genezareth. Allerdings nur, um dort den Bus nach ins 30km entfernte Zfat zu erwischen. Es besteht eine direkte Busverbindung Jerusalem – Zfat, doch die läuft nur ein paar Mal am Tag und ist meist ebenso überlastet.

Die Fahrt nach Tiberias ging recht schnell voran. Mittendrin stoppte der Bus, wie üblich, ca. zehn Minuten in der Kleinstadt Afula. Da kann dann jeder einmal für kleine Mädchen / Jungs und einen Kaffee kaufen.


Busbahnhof Afula

Nachdem ich etwas mehr als ein Jahr nicht mehr in Tiberias und Zfat war, kann ich eines sagen: Beides hat sich nicht verändert und es herrscht die typische galiläische Eile mit Weile. Am Busbahnhof von Tiberias füttert eine neue Mac Donald’s Filiale hungrige Fahrgäste, doch empfehlen kann ich den koscheren Mac nicht. Viel zu teuer und wer nicht vor Hunger stirbt, der sollte getrost auf einen Besuch verzichten.

Vorab ein paar romantische Photos der Landschaft Galiläas:


Landschaft um Tiberias



Der See Genezareth heute mittag. Im Hintergrund die Golanhöhen und dahinter liegt schon Syrien.




Die Landschaft zwischen Tiberias und Zfat

 






Kurz vor Zfat. Heute ist die Stadt besonders bei amerikanischen Neueinwanderern sehr beliebt. Billige Mieten und relig. Juden fühlen sich in der ehemals berühmten Stadt der mittelalterlichen Kabbalah wohl. Nur an einem hapert es: An Arbeitsplätzen. 



Landschaft um Zfat







Die kleine Mall von Zfat: Rehov Yerushalayim - Jerusalem Street. Insgesamt ist es recht billig, doch die Shops halten, wie auf dem flachen Land, Mittagspausen. 

Copyright / Photos: Miriam Woelke