Montag, 24. März 2008

Purim - Party bei Rabbi Machlis

B"H

Hier sehr Ihr einige der Photos von der gestrigen Purim - Party im Hause von Rabbi Mordechai Machlis:







Das ewig aktuelle Vorurteil

B"H

Wer die mittelalterliche Geschichte des Antisemitismus studiert, der stößt immer wieder auf das Wort "Blood Libel". Beim "Blood Libel" handelt es sich um einen uralten Vorwurf der Kirche, Juden würden gerade vor Pessach christliche Kinder ermorden, um deren Blut für das Backen der Pessach - Mazzot (ungesäuerten Brote) zu verwenden.

Eine vollkommene idiotische Idee, denn wer die Thora lernt, der stellt fest, dass G - tt mehrere Male die Juden vor dem Blutgenuß warnt. Kurzum, im Judentum ist jeglicher Blutgenuß strengstens verboten. Zum diesem Thema bestehen keinerlei rabbinische Kompromisse.

Aber wer meint, dieser alte antisemitische Vorwurf sei eh dämlich und gehört ins Mittelalter und nicht in unsere Neuzeit, der täuscht sich gewaltig. In der letzten Freitagsausgabe der "Jerusalem Post" lasen wir einen längeren Artikel zum "Blood Libel". Und zwar befinden sich derzeit in der sibirischen Stadt Nowosibirsk Poster an den Hauswänden, welche die christliche Bevölkerung davor warnen, ihre Kinder allein und unbeaufsichtigt auf die Straße zu lassen. Jetzt, genau einen Monat vor dem jüdischem Pessach, gehen eben gerade die Juden um und ermorden wieder christliche Kinder zwecks Mazzaherstellung.

Die 13.000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Nowosibirsk legten Protest ein. Anscheinend jedoch zu spät, denn die Poster waren allen ersichtlich. Jeder, der sich auf dem Weg zur Arbeit befand, mußte an den Postern vorbei. Selbst wenn der Vorwurf dermassen absurd klingt, einige Vorurteil und Zweifel, ob nicht doch vielleicht alles der Wahrheit entspricht, bleiben immer in den Hinterköpfen hängen.

Aber nicht nur in Nowosibirsk ist der "Blood Libel" nach wie vor aktuell. Auch ich erlebte im Jahre 1999 den gleichen Vorwurf. Eine aus Polen stammende christliche Kollegin in der Bank sagte mir allen Ernstes, dass Juden christliche Kinder zur Mazzaherstellung ermorden. Wohlgemerkt nicht im Mittelalter, sondern im Jahre 1999 !!!

Nun könnte man direkt behaupten, dass solche Leute, die diese idiotischen Vorwürfe glauben, nicht gerade einen hohen Intelligenzquotienten besitzen. Oder man könnte tatsächlich darüber lachen und sagen, dass jeglicher Protest unnötig sei, denn wer glaube schon diesen Müll. Man könnte, wenn nur alles nicht so traurig wäre. Die Kirche hat in ihrer Geschichte ganze Arbeit geleistet. Der Antisemitismus gedeiht nach wie vor. Dabei vergessen anscheinend alle, dass deren geliebter J. C. selber Jude war. Hat er demnach also seinen eigenen Kinder (christlich ?) umgebracht, damit deren Blut in die hauseigenen Mazzot fließt ?

Rabbi Joshua Trachtenberg erklärt in seinem Büchern zu diesem Thema, dass die Menschen glauben, was sie glauben wollen. Und was tut man nicht alles, um sich selbst die Absurdität des eigenen Glaubens aufrecht zu erhalten ?

Sonntag, 23. März 2008

Facettenreiches

B"H

Während wir Jerusalemer Juden immer noch Purim feiern, begehen die Christen heute ihr Osterfest. Wer nun allerdings auf den grossen Osterbericht aus Jerusalem wartet, der wartet umsonst, denn ich habe keine Ahnung, was in der Altstadt vor sich geht. Nur soviel, dass heute in Jerusalem satte 33 Grad Hitze herrschen und die Altstadt weiträumig abgesperrt ist. Die Armenier haben am Nachmittag ihren grossen Aufmarsch von der Grabeskirche bis zu ihrer eigenen Kirche nahe dem Zionsberg. Ihre eigene Kapelle spielt dabei auch. Armenische Jugendliche in roter Uniform; samt Trommeln und Dudelsack.

Spätestens morgen werden die christlichen Pilger wieder abreisen und wer ausgerechnet jetzt einen Besuch in unserer Stadt plant, der kann sich freuen, denn die hohen Osterpreise in der Altstadt fallen weg.

Wer dagegen etwas Jüdisches sucht:
Um 15.00 Uhr (heute - Sonntag) findet im Hause von Rabbi Mordechai Machlis eine wilde Purim - Party statt.

Erev Purim (letzten Donnerstag abend) am Zion Square:
Spontan nahm ich ein Poster mit dem letzten Lubawitscher Rebben Menachem Mendel Schneerson zur Hand. Aber nicht, dass mir jetzt jemand annimmt, ich halte ihn für den Meschiach.


Samstag, 22. März 2008

Purim in Jerusalem

B"H

Tolles Wetter, ca. 30 Grad und Sonne, machen in diesem Jahr das Purim - Fest zu einem wahren Vergnügen. Ansonsten ist es in jedem Jahr kalt und es regnerisch. Dank des jüdischen Schaltjahres jedoch, fällt Purim diesmal später aus.

Leider komme ich bis Montag nicht besonders zum Schreiben, denn bis morgen (Sonntag) abend wird in Jerusalem noch gefeiert. Die Innenstadt ist eine einzige Partyzone genauso wie die haredischen (ultra - orthod.) Zentren Mea Shearim etc. Das Schlimmste aber sind die Knallkörper, die überall geworfen werden.

Purim Sameach - Happy Purim an alle. Jedenfalls an all jene, die in Jerusalem leben. Außer in Jerusalem ist Purim für alle anderen auf der Welt schon wieder vorüber.

Donnerstag, 20. März 2008

PURIM SAMEACH !!!!!!!

B"H

Heute Abend (Donnerstag) gegen 18.15 Uhr wird die "Megillat Esther - Das Buch Esther" in den Synagogen gelesen. Damit wird Purim feierlich eingeleitet.

Purim scheint immer einen Hauch von Fasching zu verbreiten, dabei hat es damit eigentlich nichts gemein. Vielmehr handelt es sich um ein hochreligiöses Fest mit einem sehr ernsthaften Hintergrund. Heutzutage geht Purim leider oft im Suff unter. Ob säkuler oder relig., Tausende werden dieser Tage besoffen herumtorkeln.
Aber es geht auch anders und viele Leute tun sich zusammen und arrangieren "normale" Parties und Festessen.

Wer immer noch nicht weiß, wo er heute abend und morgen früh die Megillah hören soll:

Heute (Donnerstag) abend:
Lesen der Megillat Esther in der Tzemach Zedek Synagoge von Chabad in der Jüdischen Altstadt oberhalb des Cardo. Serviert werden leichte Getränke und ein wenig Gebäck.
Nichtjuden können theoretisch kommen, Chabad aber sieht es nicht allzu gerne.

Stadtteil Nachlaot: Lesen der Megillat Esther in der Kol Rina Synagoge in Beer Sheva Street. Kol Rina folgt dem Rabbi Shlomo Carlebach - Stil und wer darauf steht, kann dort hin gehen. Auch gibt es dort am Mozzaei Schabbat eine Purimparty. Allerdings sollten nur Juden an den G - ttesdiensten teilnehmen, denn viele Gemeindemitglieder regen sich auf, dass zuviele Leute von außen kommen.

Mea Shearim: Sämtliche Synagogen lesen die Megillah. Es versteht sich von selbst, dass nur jüdische Besucher Teilnehmen können.

Nach dem heutigen Lesen der Megillah werden Festessen veranstaltet. Jedoch vielerseits privat.

Morgen früh (Freitag) kann jeder an der erneuten Lesung der Megillat Ester an der Kotel (Klagemauer) teilnehmen. Dort hat Rabbi Mordechai Machlis um 8.00 Uhr früh eine Minyan.

Am Sonntag nachmittag werden die großen Parties abgehalten. Wer chassidische Veranstaltungen in Mea Shearim besuchen will, kann ggf. bei mir nach der genauen Adresse bzw. Zeitpunkt anfragen.

Die einzige mir bekannte Veranstaltung, an der auch Nichtjuden teilnehmen können, ist die Purimparty bei Rabbi Machlis.
Sonntag um 15.00 Uhr.

Ich werde für einige Tage Blogpause machen und mich erst wieder am Montag regulär melden. Kann sein, dass ich einmal kurz etwas poste, aber normal läuft alles erst ab Montag weiter. Wenn Purim am Freitag abend überall endet, feiern wir in Jerusalem noch bis Sonntag abend.

Allen Purim Sameach, tolle Feiertage und bleibt sauber !!!!!!



Sonstige Veranstaltungen in Jerusalem:

Sonntag, 23. März 2008:
Zion Square - Kikar Zion sowie die Ben Yehudah

Musik, Attraktionen und Kulinarisches.
10.00 - 15.00 Uhr

Feigheit vor dem Feind ?

B"H

Seit dem Attentat auf die Jerusalemer Yeshiva Mercaz HaRav vor genau zwei Wochen, muß sich die Polizei vehemente Kritik gefallen lassen. Da stürmte ein 26 - jähriger palästinensischer Terrorist in die Bibliothek der Yeshiva und erschoß acht Schüler im Alter von 15 - 27 Jahren.

Genau 16 Minuten lagen zwischen dem Betreten der Yeshiva und dem Tode des Terroristen. Kalaschnikov und Pistolen zusammen mit neun Magazinen hielt der Terrorist versteckt in einem Karton. Er betrat die Bibliothek und eröffnete sofort das Feuer auf alles, was sich bewegte. 17 Schülern gelang es, sich in einem Nebenraum zu verbarrikadieren und ein weiterer Schüler rannte hinaus, um Hilfe zu holen.

In seiner nahegelegenen Wohnung im selben Gebäude hörte der Yeshiva - Student Yitzchak Dadon die Schüsse und rannte sofort los. Mit seiner Waffe befand er sich auf dem Dach und wartete, den Terroristen in Schußposition zu bekommen. Von draußen wollte der Armeeoffizier David Shapira in die Bibliothek laufen, um den Terroristen mit seiner Uzi zu erschiessen. Vor dem Gebäude traf Shapira auf einen Polizisten, der ihn davor warnte, das Gebäude zu betreten. Der Polizist selber wollte nicht eingreifen und stattdessen auf Hilfe warten. Shapira dagegen rannte hinein und erschoß den Terroristen.

Seit zwei Wochen fragen Politiker und Presse, was mit dem Polizisten losgewesen sei, die Hilfe zu verweigern. War es Feigheit im Augenblick ? Warum dauerte es 16 Minuten bis der Terrorist ausgeschaltet worden war ?

Eine wichtigere Frage aber ist, was wohl der Polizist bei den fallenden Schüssen gefühlt hat ? Hätte er unverzüglich eingegriffen, dann hätte es vielleicht weniger Opfer gegeben. Ein paar Sekunden Feigheit haben so alles zunichte gemacht und ich möchte nicht in der Haut des Polizisten stecken.

Yitzchak Dadon, der vom Dach aus zuerst auf den Terroristen schoß, bekam eine Auszeichnung.

Die Kalaschnikov des Terroristen kam in den Besitz der Palästinenser durch israelische Mithilfe. Schimon Peres obzessive Friedenspolitik bescherte den Palis Waffenlieferungen und nun zahlen wir die Rechnung. Peres jedoch hüllt sich lieber in Schweigen.

Die Opfer



The victims of the Mercaz Harav Yeshiva.
Obere Reihe von links: Avraham David Moses (16),
Ro'i Roth (18), Neria Cohen (15),
Yonatan Yitzhak Eldar (16);
Untere Reihe von links: Yochai Lifshitz (18); Segev Peniel Avihail (15),
Yehonadav Haim Hirschfeld (19), Doron Meherete (26).


Mehr Details:

http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2008/03/eine-woche-danach.html

http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2008/03/zur-erinnerung-die-opfer-der-yeshiva.html

Mittwoch, 19. März 2008

Wie ist das so in Jerusalem ?

B"H

Ausgerechnet ein Leser (meines englischen Blogs) aus Honduras fragte mich, wie das Leben so ist in Jerusalem ? Wie leben dort die Juden und was ist los in der Stadt ?

Ich muß ehrlich zugeben, dass ich niemand bin, der jetzt abends wer weiß wie loszieht und auf Party macht. Mein Wissen ist recht allgemein und wenn Spezifisches angesagt ist, dann dreht sich alles um die Religion, in der ich sehr involviert bin. Von daher kann man mich alles jüdisch - religiöse über Jerusalem fragen. In christlichen Dingen hingegen bin ich kaum bewandert.

Wie ist das Leben in Jerusalem ?
Wer hier lebt, der lebt genauso normal wie anderswo in der Welt auch. Selbstverständlich ist Jerusalem die "Heilige Stadt" und die Religionen treffen hier aufeinander. Auch ist Jerusalem etwas Besonderes, wenn aber vielleicht nicht immer schön, denn auch bei uns gibt es häßliche Bauten und an Dreck fehlt es keineswegs.

Als ich das erste Mal nach Israel kam, störte mich der Müll und die staubigen Schuhe der Leute. Anfangs vermisste ich die deutsche Reinheit, gewöhnte mich jedoch schnell an die teilweise ungekehrten Straßen oder den herumliegenden Müll. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man das alles nicht mehr wahrnimmt. Wenn ich nach Deutschland fahren täte, würde mich vielleicht die übertriebene Reinheit stören. Wer weiß.

Ansonsten ist alles ganz normal. Man geht arbeiten oder auch nicht, man versucht halt sein Leben zu gestalten. Genau wie anderswo auch. Allerdings gibt es besonders in Jerusalem das allmorgentliche Gefühl, nie genau zu wissen, was der Tag heute bringen wird. In Deutschland stand ich auf, ging zur Arbeit und eigentlich wußte ich immer, was geschehen würde. In Jerusalem ist das anders, was das Leben wesentlich interessanter macht. Täglich treffe ich neue Menschen und in unserer Stadt reden die Leute noch miteinander. Man kommt schnell ins Gespräch. Manchmal zu schnell.
Jerusalem ist persönlicher als das "kalte" Tel Aviv; vielleicht liegt es an der Religion, vielleicht auch nur am Menschenschlag.

Im Gegensatz zu den Touristen hat jeder Bewohner irgendwo sein Eckchen, zu dem er sich hingezogen fühlt. Viele in ihrem eigenen Stadtteil, andere widerum woanders. Jerusalem bedeutet Vielfalt und für jeden ist etwas dabei. Seine Nische zu finden ist nicht schwer. Manchmal mag es seltsam klingen, dass jede Gesellschaftsgruppe sind vorliebig mit den eigenen Mitgliedern auseinandersetzt. Da sind die Religiösen verschiedener Gruppen, die fast immer nur unter sich cliquen. Zu denen gehöre ich übrigens auch.
Da sind die sephardischen Juden, die oft cliquen; gemischt immerhin, auch wenn sich Marokkaner und Kurden nicht ausstehen können. Aber man gibt sich ja auch gerne einmal sarkastisch.

Was ich an den Jerusalemern so liebe ist, dass zwar alle verschieden sind, doch sobald etwas geschieht, wir alle zusamenhalten. Diese Aussage bezieht sich allerdings fast ausschließlich auf den jüdischen Bevölkerungsteil.

Arroganz ? Einen triftigen Grund, arrogant zu sein, haben die Jerusalemer weniger. Unsere Stadt besteht größtenteils aus Otto - Normal - Verbrauchern und man ist äußerst mitteilungsbedürfig entsprechend seine Privatlebens. Wir leben auf engstem Raum und es ist kaum vermeidbar, dass die lieben Mitmenschen etwas mitbekommen.

Schade, wer nur wenige Tage in Jerusalem bleibt und von sightseeing zu sightseeing rennt. Die Bewohner bleiben dabei auf der Strecke. Obwohl ich ehrlich zugeben muß, dass es keinem ernsthaftem Israeli unbedingt verzückt, mit Touristen näher in Kontakt zu kommen. Es gibt zuviele und alle reisen schnell wieder ab. Wer dagegen ein paar Monate oder gar ein Jahr oder länger bleibt, kann sich Kontakte aufbauen. Der einfachste Weg ist immer jemanden zu finden, der andere Leute kennt und einen dann gelegentlich mitschleift.

Wir Jerusalemer lieben unsere Cafes und hocken, wenn schon, stundenlang darin. Sicher ist es einfacher Kontakte zu finden, wenn man der Landessprache mächtig ist. Nicht jeder unserer Bewohner kann mit gutem Englisch aufwarten oder hegt die Geduld dazu.

Und wie die Leute reagieren, wenn ich erzähle, dass ich in Deutschland geboren wurde ? Meist gar nicht. Einige relig. New Yorker geben dann oft ihr Jiddisch preis, Israelis sagen eigentlich nichts. Man geht darüber hinweg und wendet sich anderen Themen zu. Genauso gut hätte ich sagen können, dass ich aus Andorra bin.
Kann sein, dass dies bei mir anders ist und bei Nichtjuden reagieren die Leute negativer. Vielleicht auch nicht. Allgemein sind die Leute, die ich kenne, nicht im Geringsten an Deutschland interessiert. Es ist kein Thema.

Die Mentalität ging mir zuerst auf den Geist; das ewige Geschreie, was sich hinterher nicht als solches herausstellte. Man redet halt laut und wedelt mit den Armen. Was mich immer noch stört, ist das Jerusalemer "Schubladendenken", welches Touristen nicht betrifft und sie es kaum oder gar nicht mitbekommen.
Lieben wir es nicht alle, jeden irgendwo in eine Schublade zu stecken. Sepharde, Aschkenaze, relig., säkuler, normal, anormal, rechts, links. Nach wenigen Sekunden oder Minuten steckt jeder fest in seiner Schublade drin.

Oft wirft man uns vor, nicht feiern zu können, wie die Tel Aviver, weil wir in unseren eigenen "Koscherkriegen" fast ersticken. Ein altes Vorurteil, dem jede Grundlage fehlt. Wir feiern, aber vielleicht weniger auffallend. Jerusalemer sind halt einfache Leute ohne großen Schnickschnack.

Deutsche ? Nein, Deutsche kenne ich keine und verspüre kein besonderes Verlangen danach.
Warum ? Keine Ahnung. Ich habe genügend andere Freunde; viele Israelis und Anglos. Ich bin nicht der "Deutsche", der gerne erzählt: "In Deutschland ist alles so und so…". Vielmehr erzähle ich fast gar nichts aus Deutschland. Und wenn, dann von den paar verbliebenen Freunden und der Family. Viel verpassen tue ich anscheinend nicht, nur das mir meine deutsche Sprachpraxis leider abhanden kommt.

Und wie ist nun das Leben in Jerusalem und wie sind die Bewohner ?
Statistiken gibt es keine. Jeder Stadtteil hat seinen eigenen Charakter und jeder Bewohner hat das gleiche. Am besten sollte jeder Besucher selber seine Erfahrungen machen. Stadtteile durchwandern und sich Zeit nehmen. Und am besten die Heimat vergessen, denn bei uns gelten andere Regeln.

Dienstag, 18. März 2008

Klangzone Ben Yehudah

B"H

Unsere offizielle Fußgängerzone "Ben Yehudah" in der Innenstadt ist nicht besonders lang und schon lange nicht mehr das, was man IN nennt. "In" war sie einmal, aber das ist lange her. Vor dem Zweiten Weltkrieg, danach, bis hinein in die Neunziger vielleicht. Am Ende war sie ausgestorben, denn die Leute trauten sich aufgrund der ständigen Bombenattentate nicht mehr in die unbewachte City. Man zog die großen Shopping - Malls etwas außerhalb in Talpiot, Malcha oder Pisgat Ze'ev vor. Da war man wenigstens beschützt und kein Selbstmordattentäter überraschte einen im Einkaufsparadies.

Die Ben Yehudah



Außerdem lieben die Israelis es, alle Produkte incl. Kino zusammen unter einem Dach zu haben, anstatt wild herumzusuchen. Vor allem nach Parkplätzen, welche die Innenstadt kaum bietet.

Innerhalb der letzten Jahre jedoch erholte sich die Ben Yehudah wieder und ich frage mich warum ? Was gibt es dort Besonderes außer einer viel zu teuren Falafel - bzw. Schwarma (Döner) - Bude und den Touristenläden mit "I love Jerusalem" - T - Shirts oder anderem Kitsch ? Vielleicht wollen ja alle den Messias sehen, der auf großen Plakaten in der Ben Yehudah Nummer 5 von den Häuserwänden herablächelt ? Eine Etage in der Ben Yehudah Nr. 5 gehört der chassidischen Gruppe Chabad (Lubawitsch) und ausgerechnet jenen, die sich innerhalb der Gruppe "Meschichisten" nennen und den letzten Lubawitscher Rebben Menachem Mendel Schneerson als den "wahren ?" Messias sehen. Eine Touristenattraktion sind die Poster allemal.

Ben Yehudah Nr. 5 mit Messias - Postern. Allerdings sind die Poster im 1. Stock auf diesem Photo leider nicht zu sehen.



Prangt auf allen Poster: Rebbe Menachem Mendel Schneerson



Insgesamt hat die Ben Yehudah gar nichts oder nur wenig zu bieten und wer sich besser in der Stadt auskennt, der schaut sich anderweitig um. In der "German Colony" zum Beispiel oder sogar nahe der Ben Yehudah; in der Hillel, Schammai oder in der Rivlin Street.

Angela Merkels Besuch ist geprägt von frühlingshaftem Wetter um die 20 Grad. Gestern zeigte das Olmert - Office ausreichend deutsche Flagge und deutsche Generäle auf dem Hinterhof. Die Szene ähnelte einer neuen deutschen Besatzung, bei der nur noch die Panzer fehlten. Aber Ehud Olmert gestattet der Kanzlerin alles und befindet sich in höchster Schleimlaune.

Heute nun darf Angela Merkel vor der Knesset reden und wie immer, wenn die deutsche Sprache erklingt, verlassen mehrere Abgeordnete den Sitzungssaal. Wie sich die Kanzlerin da wohl fühlt, wenn der Rechtspolitiker Aryeh Eldad geht, da er seine Verwandten im Holocaust verloren hatte ? Sieht man heutzutage über soetwas drüber hinweg und legt richtig auf Deutsch los ?
In den Schlagzeilen ist sie nicht, die Kanzlerin. Die Zeitung MAARIV widmet ihr einen kleinen Artikel auf Seite 7 und "Yediot Acharonot" gar erst auf Seite 13.

Dafür war in der Ben Yehudah gestern Abend umso mehr los. Erstaunt war ich über die vielen christlichen Touristen incl. Nonnenbegleitung, die da herumstapften. Dass diese Woche Ostern ist, war mir unbekannt. Gut, dass ich an Purim nicht in die Altstadt gehe, sonst würde ich wieder von sämtlichen Kreuzzügen begleitet werden. Sonntag Abend werden die Touris samt Kreuz hoffentlich wieder weg sein.



Gewöhnlich reicht ein schneller Gang durch die Ben Yehudah, wie die Touristen es gestern taten. Aber ausgerechnet am gestrigen Abend war alles etwas anders. Das angenehme warme Wetter lockte israel. Nachtschwärmer an und so ging das Softeis weg, wie warme Semmeln. Gleich gegenüber vom Softeis stellte sich eine amerikanische Sängerin auf. Mit Mikrofon und kleinem Lautsprecher. Sie sang und alles lauschte. Ein sephardischer Haredi (Ultra - Orthod.), der vor mir stand, drehte sich um und meinte zu mir: "Mann, die kann ja echt singen." Von der Sängerin profitierten letztendlich auch der Softeisstand sowie die Schwarmabude. Alles kaufte und hockte sich neben die Sängerin, die schon manchmal am Rande des Nervenzusammenbruchs stand. Ein paar argentinische Neueinwanderer nahmen ihr später das Mikrofon ab als sie einen "Shakira - Song" trällern wollte. Die Argentinier meisterten den Song lieber im spanischen Original.



Weiter oben, in einer Seitengasse der Ben Yehudah dröhnte Trans - Music. Auf Deutsch nennt man das wohl Techno ?
Ein DJ hatte sich aufgestellt und verglichen mit der romantischen Sängerin klang der Trans wie eine alte quietschende Maschine. Ganz unten sah man einen weiteren Sänger; ein älterer Amerikaner, der auf alte Fred Astaire Schule machte. Ganze drei Zuschauer lockte er an und alle anderen wollten nur schnell weg, um sein Geleier nicht mit anhören zu müssen.

Dazu spielte etwas weiter oben, nicht weit vom Trans eine Harfenspielerin. Seit Jahren sitzt sie immer am gleichen Fleck und zupft. Einmal sprach ich mit ihr und sie berichtete, dass sie Amerikanerin sei und mit Harfe und Klarinette ihr Business betreibe. Von etwas muß man ja schließlich leben.



Und was erzählt Angela Merkel in Deutschland von ihrem Israeltrip ? Wo war sie ?

Montag, 17. März 2008

Geschäfte mit dem Holocaust

B"H

Wie ich zuvor einmal anmerkte, schrieb mir eine aufgebrachte Leserin, dass anscheinend zuviele Leute herumlaufen, die behaupten, Holocaust - Überlebende zu sein, Vorträge gegen Bares halten und im Nachhinein alles andere als wirkliche Überlebende sind.

Als ich noch in Deutschland lebte, luden die Fürther Veranstalter des lokalen 27. Januar - Gedenktages zu Vorträgen ein. Normalerweise gehe ich weder zu solcherlei Veranstaltungen noch in Holocaust - Filme, in denen Juden von Nichtjuden gespielt werden. Noch schlimmer wird es, wenn Nichtjuden versuchen, orthodoxe Juden darzustellen. Ein Vorhaben, welches genauso in Israel scheitert, sobald säkulere Schauspieler meinen, auf chassidisch machen zu müssen.

Da ich einen Tag vor meinem Abflug nach London stand, meinte eine Freundin, ich solle mit auf die 27. Januar - Veranstaltung gehen. Am nächsten Tag würde ich dann ja eh etwas anderes sehen, wenn ich im jüdischen Stadtteil von London, Golders Green, sitze. Also schaute ich mir das Ganze einmal an und bereute hinterher, mir das überhaupt angetan zu haben. Meiner Freundin ging es übrigens genauso.

Wenn Holocaust - Überlebenden angekündigt werden, dann scheint die Bude immer voll zu sein. Wer will das nicht einmal sehen ?
Auch in in der fränkischen Kleinstadt Fürth war dies nicht anders. Erst redeten sich Deutsche nichtjüdischen Glaubens den Mund fusselig. Die Geschichte und so und danach wurde ein älterer Herr aus Jerusalem angekündigt. Das war dann auch der Moment, in dem das Publikum zum ersten Mal gespannt auf das Podium schaute.

Auf dem Podium nahm tatsächlich besagter Herr Platz und er stellte sich kurz vor. Seiner kleinen Jerusalem - Rede entnahm ich, dass er anscheinend in der German Colony lebt. Jerusalem war aber nicht das Thema, sondern der Holocaust. Nach wenigen Minuten stellte sich jedoch heraus, dass auch der Holocaust nicht das Thema war, denn der Herr sprach nur über eines: nämlich über Stuttgart.

Wie er in Stuttgart seine Jugend verbrachte, wie er in dem Haus in der und der Straße wohnte, seine Mutter arbeitete da und da, seine Freunde wohnten in Straße sowieso. Kurz gesagt, nach 15 Minuten kannten wir uns in Stuttgart bestens aus.

Das war sein Vortrag, der besser in den Kulturverein gepaßt hätte. Holocaust - Überlebender war der Herr dann auch nicht, denn leider hatte er sein geliebtes Stuttgart schon lange vor dem Krieg verlassen.

Nachdem der Herr seinen Stuttgart - Vortrag beendet hatte, begann die männliche Sitzreihe hinter uns wild zu diskutieren. Dort hatte nämlich jemand mit Zahlen um sich geworfen; wieviele Juden denn jetzt an wieviel Kalorien in einem der Ghettos verhungert seien und ob es da genaue Belege gebe.

Soviel zu meiner Vortragserfahrung. Belege gab es übrigens keine, falls das noch jemand wissen will.

Mein Punkt ist hier nicht die Stadt Stuttgart oder Ghettos. Mein Punkt ist, dass vielmals Leute eingeladen werden, den Holocaust zu erklären bzw. persönliche Erlebnisse zu schildern und vor einer Wiederholung der Geschichte zu warnen. Immer mehr scheint dies jedoch etwas daneben zu gehen. Ich sage es einmal salopp: "Sterben die Überlebenden aus oder warum muß ich plötzlich zweifelhafte Leute aus dem Ausland einladen, die mit nichtssagenden Schilderungen aufwarten ?"

Jeder Veranstalter muß das mit sich ausmachen, aber immerhin geht es in den meisten Fällen anscheinend auch um Geld. Am vergangenen Freitag sprach ich mit einer echten Holocaust - Überlebenden, die ehrenamtlich für AMCHA in Jerusalem arbeitet. Die Dame ist weit über 80 Jahre alt, kommt eigentlich aus Ungarn und war im Vernichtungslager Auschwitz. Ich erklärte ihr kurz, was mir besagte Leserin berichtet hatte und ob es seitens AMCHA oder einer anderen jüdischen Organisation eine Kontrolle gebe. Wer macht da Geschäfte mit dem Holocaust und wer ist tatsächlich ein Überlebender ?

Die Dame sagte mir, dass AMCHA keine Kontrollfunktionen ausübe. Jede Gemeinde oder jeder Veranstalter muß allein herausfinden, ob es sich bei dem Kandidaten wirklich um denjenigen handelt, der er vorgibt zu sein. Aber sie wolle sich einmal bei einem Freund in Wien erkundigen.

Es steht außer Frage, dass reale Holocaust - Überlebende Aufklärung betreiben sollten und ich will hier niemanden beleidigen. Zwischenzeitlich aber scheint sich leider auch ein diverses Business entwickelt zu haben, bei dem Leute, die anscheinend noch nicht einmal jüdischer Herkunft sind, abkassieren wollen. Von daher hat jeder Veranstalter die Pflicht, sich vorher zu erkundigen, wer denn da kommt.

Sonntag, 16. März 2008

Mercaz HaRav Opfer

B"H

Das Attentat vor zehn Tagen, bei dem acht junge Yeshiva - Studenten erschossen worden sind, lässt Jerusalem auch jetzt vor Purim noch nicht zur Ruhe kommen.

Details zum Attentat auf die Mercaz HaRav Yeshiva in Jerusalem:

http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/125558

http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/125563



The victims of the Mercaz Harav Yeshiva.
Obere Reihe: Avraham David Moses (16),
Ro'i Roth (18), Neria Cohen (15),
Yonatan Yitzhak Eldar (16);
Untere Reihe: Yochai Lifshitz (18); Segev Peniel Avihail (15),
Yehonadav Haim Hirschfeld (19), Doron Meherete (26).

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Wer für die Verletzten beten will, hier eine Liste:

הציבור נקרא להתפלל לרפואתם השלימה והמהירה של פצועי הטבח בישיבתנו, השוהים עדיין בבתי החולים.

נפתלי בן גילה רחל שיטרית - Naftali Ben Gila Rachel Shitrit

נדב אליהו בן הדסה סמואלס - Nadav Eliyahu Ben Hadassah Samuels

אליהו בן מלכה קלרפילד - Eliyahu Ben Malka Kellerfield

שמעון יחיאל בן תרזה בלזם - השתחרר מבית החולים - Schimon Yechiel Ben Teresa Balsam

שמעון בן רות יהב - השתחרר מבית החולים - Schimon Ben Ruth Yahav

ישעיהו בן ציפורה אברמסון - השתחרר מבית החולים - Yeschayahu Ben Zipora Avramson

יהודה הלל בן מרים שולמן - השתחרר מבית החולים - Yehudah Hillel Ben Miriam Schulman

שנזכה לשמוע בשורות טובות ישועות ונחמות.

ישיבת מרכז הרב - Yeshivat Mercaz HaRav

Angela Merkel kommt

B"H

Keine Ahnung, wie es in der deutschen Presse ausschaut. Wird Kanzlerin Angela Merkels dreitägiger Israelbesuch zum Medienereignis ?

In Israel sicher weniger. Im staatlichen Rundfunk "Reschet Beth" sowie in den Tageszeitungen wird zwar ihr Besuch angekündigt, doch gehen die Artikel in der Masse unter. Relig. Zeitungen beschränken bei solchen Kanzlerbesuchen immer auf das Nötigste. Aber wie ich in meinem letzten Artikel zu dem Thema schrieb, relig. Juden interessiert der Merkel - Besuch weniger oder gar nicht. Besonders nicht jetzt, wo in dieser Woche (Donnerstag abend) das Purim - Fest ansteht.

Merkel wird aus den Schlagzeilen verdrängt, denn Oppositionsführer Benjamin Netanyahu wird der erneuten Geldverschwendung bezichtigt und vermutet dahinter eine Attacke der Regierung. Man wolle ihn bei der Bevölkerung fertigmachen, damit Olmert seine Position sichere.

Benjamin Netanyahu


Photo: Walla

Die israelische Armee greift wieder einmal Gaza an, da unaufhörlich weitere Kassam - Raketen auf Sderot und Aschkelon niedergehen. Fährt eigentlich die deutsche Kanzlerin in die Brennpunkte ?

Der achtjährige Oscher Twito, der vor knapp einem Monat sein Bein verlor als in Sderot eine Kassam - Rakete neben ihm einschlug, weiß mittlerweile, dass sein Bein amputiert werden mußte. Die beiden verantwortlichen palästinensichen Terroristen wurden von der israel. Armee in Gaza liquidiert. Oscher Twito hat der Presse seine Freude darüber mitgeteilt und dass er nicht mehr nach Sderot zurückwolle. Er habe zuviel erlebt und daher Angst.

In Jerusalem und anderswo beginnen die Purim - Feierlichkeiten und ich erinnere mich noch gut, wie fast vor jedem Purim irendwelche Attentate stattfanden. Vor einigen Jahren sicher noch mehr als heutzutage. Armee und Polizei bleiben bis auf weiteres in Alarmbereitschaft. Nicht nur wegen Purim, sondern auch, weil die Trauerzeit des in Damaskus liqudierten libanesischen hochrangigen Terroristen Mughniyeh, sich dem Ende zuneigt. Arabische Länder beschuldigen den Mossad, den Terroristen auf dem Gewissen zu haben. Israel hüllt sich in Schweigen und aus leisen arab. Quellen ist zu vernehmen, dass die Hizbollah selbst die Liquidierung angeordnet habe.

Für die Palästinenser ist das Ende der Trauerzeit ein weiterer Grund zur Ankündigung neuer Terrorakte. Und jetzt platzt Angela Merkel herein und kommt sicher mit neuen europ. Lösungsvorschlägen, die wird alle schon zur Genüge kennen. Außerdem will sie keine Atomwaffen im Iran zulassen. Wie wäre es, wenn sie das vorher der deutschen Wirtschaft klarmacht, denn deutsche Firmen verdienen sich eine goldene Nase an Rüstungsgeschäften mit dem Iran.

Donnerstag, 13. März 2008

Eine Woche danach

B"H

Wie gewöhnlich unterrichtete ich am letzten Donnerstag eine Kindergruppe nationalrelig. Kinder im Stadtteil Kiryat Moshe und danach ging ich, wie immer, an der Mercaz HaRav Yeshiva (relig. Schule) entlang. Eine Stunde später erschoss dort ein Pali - Terrorist acht meist jugendliche Thoraschüler im Alter von 15 - 27 Jahren.

Im Judentum wird nach dem Tod eines Menschen sieben Tage "Schiva" gesessen und der Tote betrauert. Jetzt ist es genau eine Woche her, seitdem das Attentat in der Bibliothek der Yeshiva geschah und Mercaz HaRav hat sich von dem Schock noch nicht erholt. Da läuft ein Terrorist Amok und schiesst auf jugendliche Thoraschüler. Kann soetwas überhaupt gerechtfertigt werden ?

Der Terrorist kam aus Ostjerusalem und die Tat wurde in Syrien geplant.
Mitten im Herzen Kiryat Moshes, des nationalrelig. Stadtteils Jerusalems. Eine Woche nach der Tat ist auch der Stadtteil noch im Schock.

Vor einer Stunde beging die Yeshiva einen Trauerg - ttesdienst in ihrer Synagoge. Die Leute standen bis draußen auf die Strasse. Ich habe mir die Rede des Yeshivaleiters, Rabbi Yaakov Shapira, angeschaut, denn draußen waren Bildschirme aufgestellt. Es war eine bewegende Rede, die immer wieder durch die Tränen des Rabbis unterbrochen wurde.

In den letzten Tagen beschuldigte die linke Presse die Yeshiva, sie würde zur Rache und Ermordung von Palästinensern aufrufen. Wie immer, ist die Presse hier auf Sensation auf und wer die Yeshiva kennt, der weiss, dass dem nicht so ist. Es mögen gewisse Poster in Kiryat Moshe aushängen, doch sollte man den Inhalt genauer lesen. Es geht nicht immer um Rache, sondern um das spirituelle Überleben des Jüdischen Volkes. Die Presse jedoch las nur jene Inhalte heraus, die sich gut verkaufen lassen.

Vor der Yeshiva befindet sich jetzt ein riesiges eisernes Tor und niemand kommt mehr ungesehen hinein. Traurig, dass es soweit kommen musste, denn gerade Mercaz HaRav war immer ein Zeichen der Offenheit.

Nicht die Yeshiva selbst, sondern nationalrelig. Rabbiner riefen für den kommenden Sonntag zu einem Protestzug zum Hause des Attentäters auf. Man wolle sein Haus zerstören. Zusammenstöße mit der Polizei dürften vorprogrammiert sein. So dachte ich zuerst. Allerdings ziehen Regierung und Polizei die Zerstörung des Attentäterhauses genauso in Erwägung. Seine Familie soll eventuell ins Ausland (Gaza) abgeschoben werden.

Rabbi Shapira sagte, dass die Yeshiva darüber hinwegkommen wird, aber die Seelen der Ermordeten weiterleben werden.


Mercaz HaRav nach dem Attentat



Ein Hauch von Fun …. und Unkosten

B"H

Nächste Woche ist es soweit; am Donnerstag abend beginnt das Purim - Fest. In Jerusalem gelten einige andere Purim - Regeln als anderswo, aber dazu mehr auf meinem relig. Blog "Hamantaschen".

Heute in einer Woche wird abends das Buch Esther (Megillat Esther) in den Synagogen verlesen und jeder Jude sollte es als eine Mitzwah (Gesetz) ansehen, anwesend zu sein. Freitag früh wird die Megillah abermals verlesen.

Laut jüdischem Brauch und insbesondere der Halacha (Gsetzgebung) werden vor und teilweise auch an Purim die berühmt berüchtigten "Mischloach Manot - Geschenkpäckchen" an Freunde, Kollegen und Bekannte verschickt. Und alle Jahre wieder sind gerade die Mischloach Manot - Pakete ein riesen Wirtschaftsfaktor.
Fast alle Jerusalemer Geschäfte, selbst Drogerien, führen die geflochtenen Bastkörbchen mit dem Süßigkeitssortiment darin. Und in allen Preislagen ist etwas zu haben. Begonnen bei 10 Schekel (2 Euro) incl. Körbchen, Schokolade und einer Miniweinflasche, bis hin zu den riesigen 150 Schekel - Körbchen mit Wein, Kaffee und allerlei Süßigkeiten. Purim ist schon längst zur großen Abzocke der Ladeninhaber geworden und jeder will daran mitverdienen.

Jedes Jahr wieder frage ich mich natürlich, wie besonders relig. Familien mit ihrer Kinderschar es sich leisten können, teure Körbchen an die Nachbarschaft, den Rabbi, Freunde, etc. zu verschenken. Tausende von Schekeln sind keine Seltenheit und hinten anstehen will man ja auch nicht, wenn die Nachbarin etwas Besonders anschleppt. Da wird auch selbst unweigerlich ins Portemonnaie gegriffen. Dazu kommt, dass die Kinderschar auch nach Geschenken giert.

Und wer an Purim noch nicht genug Geld losgeworden ist, darf sich einen Monat später auf Pessach freuen. Pessach kostet, und das nicht nur wegen der Geschenke. Vom Putzmittelwahn vor dem Fest bis hin zum delikaten Essen bei der Pessach - Seder. Pessach ist eine der Katastrophen für den Geldbeutel des kleinen Mannes.

Ich halte es, wie in jedem Jahr, recht einfach, denn ich hasse nichts mehr als Feiertagsbusiness. Ich gebe keine "Mischloach Manot" und will auch keine. Im letzten Jahr war ich jedoch gezwungen, meine Regel zu brechen, denn eine Freundin schleppte doch tatsächlich einen gigantischen Geschenkekorb an, von dessen Inhalt ich später die Hälfte dem Mülleimer vermachte.
Drei Flaschen Bier waren zuviel und vor Pessach schaffte ich deren Verbrauch nicht mehr. Und Bier ist im allgemeinen an Pessach verboten, da es Getreide enthält.

Zum anderen hatten viele Fressalien im Korb nur ein minderwertiges Koscherzertifikat. Und darauf sollte jeder ganz besonders achten, wenn er relig. Juden Geschenke überreichen will. Achtet auf das Zertifikat (Hechscher). Bei Haredim ist das Zertifikat der "Badatz Edah HaCharedit" ein Muß. Gegebenenfalls reicht auch das Zertifikat des "Chatam Sofer".

Bei Weinpresenten gilt dies genauso:
Chatam Sofer oder Badatz Edah HaCharedit.
Auf keinen Fall mit einem Zertifikat des Oberrabbinates etc. erscheinen !!!!!
Fragt den Ladeninhaber nach dem besten Hechscher !!!!!

Da ich den ganzen Purim - Trubel jedesmal erneut hasse, verkleide ich mich nicht. Karneval ist nicht mein Ding und Köln und Mainz haben mich noch nie interessiert. Allerdings komme ich nie um die Parties herum und dieses Jahr steht natürlich auch Mea Shearim an, wo alles nur Erdenklich abgehen wird.

Na, dann schon einmal vorab:
PURIM SAMEACH !!!!!!

Mittwoch, 12. März 2008

Deutsche Sprache = Nazi - Sprache

B"H

Am kommenden Dienstag wird Angela Merkel in der Knesset eine Rede halten. Den ersten Satz plant sie auf Hebräisch zu stammeln und den Rest will sie in fließendem Deutsch loswerden. Und auch dieses Mal (wie schon bei Horst Köhler) werden israel. Abgeordnete aus Protest den Sitzungssaal verlassen.

Was geht dabei eigentlich in Köhler und Merkel vor ?
Da kommen sie als Deutsche nach Israel und schämen sich nicht, auf ihre Muttersprache zu bestehen, wider aller Proteste Holocaust - Überlebender, deren Nachfahren und anderer Leuten. Wie abgebrüht sind führende deutsche Politiker ?
Aber an Verletzungen der Emotionen wird weniger gedacht als an das "Wir sind wieder wer und eine Wirtschaftsmacht".

Einer derjenigen, welcher aus Protest den Sitzungssaal verlassen wird, ist der relig. Rechtspolitiker Aryeh Eldad. Ein Politiker, dem meine größte Sympathie gebührt. Nicht, weil er den Sitzungssaal verläßt, sondern weil er einer der rar gewordenen Knessetabgeordneten ist, die heute noch Rückgrat zeigen. Er steht zu seiner Meinung und geht keine billigen Kompromisse und Korruptionsskandale ein.

Aryeh Eldad



In Deutschland kann man sich jetzt beruhigt zurücklehnen und sagen:
"Sieh an, die Religiösen wieder. Sind eh alles Fundamentalisten und Hinterwäldler."

Die jüdische Religion ist der absoluten Mehrheit der nichtjüdischen Weltbevölkerung absolut fremd. Viele werden dies verneinen, in unserer alltäglichen Realität sehen wir Juden jedoch, dass dem so ist. Es gibt kaum Verständnis, wenn man von koscher erzählt, sonder vielmehr heißt es genervt, ob wir uns denn nicht endlich anpassen können.

Religiöse Juden sind der Welt ein Dorn im Auge. Von Deutschland überrascht uns dieses Verhalten nicht, denn von Deutschland sind die Juden so einiges gewohnt. Ob nun mehr als 60 Jahre vergangen sind oder nicht.

Deutsche Nichtjuden haben in den seltensten Fällen Kontakt zu relig. Israelis oder auch Amerikanern. Zu tief sitzen bei den Relig. die Wunden des Holocaustes und ich muß nicht immer wieder neu erwähnen, dass es den Nazis fast gelang, ganze chassidische Dynastien auszulöschen. Bestes Beispiel gibt hier die chassidische Gruppe Belz und deren damaligem Rebben, Rabbi Aharon Rokeach (ein Onkel des heutigen Rebben Yissachar Dov Rokeach). Rebbe Aharon Rokeach wurde per Flugblatt von der Gestapo gesucht und nur über komplizierte Umwege gelang ihm die Flucht nach Jerusalem.

Aber nicht nur Belz wurde fast dem Erdboden gleichgemacht. Andere chassidische Gruppen waren genauso betroffen. Bei Chassidim sind Deutsche bis heute tabu. Aber die Nationalreligiösen stehen den Chassidim in nichts nach und sind der gleichen Ansicht. Und anscheinend ist es genau dieser Zustand, der die deutsche Volksseele kochen läßt.

Offensichtlich scheinen in Deutschland fungierende orthod. Rabbiner sich damit abgefunden zu haben, auf Friede, Freude, Eierkuchen machen zu müssen. Ihre israel. Kollegen tun dies vielseits nicht. Als ich neulich den chassidischen Tisch der Toldot Aharon in Mea Shearim besucht, fragte mich eine Frau, woher ich komme. Mein Akzent im Hebräischen läßt sich halt nie verbergen.
Als ich ihr sagte, dass ich aus Deutschland komme, berichtete sie mir erstaunt, dass ihr Gatte am Tag zuvor in Frankfurt / Main gewesen sei.
"Das ist ja interessant, meinte ich, und wie er denn dort herumgelaufen sei ? In seinen chassidischen Klamotten in Frankfurt ?"
Sie lachte und gab zu, dass ihr Gatte ein Schochet (Tierschächter) ist. Er sei vom Flughafen abheholt worden, habe Tiere geschächtet, damit die Gemeinde koscheres Fleisch hat, und nach ein paar Stunden Aufenthalt nach Israel zurückgekehrt.

Am letzten Schabbat traf ich in der Synagoge eine Toldot Aharon Frau, welche mir erzählte, dass ihre Eltern vor dem Krieg in München lebten. Durch Zufall fand ich hinterher heraus, dass diese Frau das Familienmitglied einer bekannten Rabbinerfamilie innerhalb der chassidischen Gruppe Toldot Aharon ist.

In einer Zeit, in der säkulere Israelis bzw. unsere linken Politiker den Holocaust als abgehakt betrachten und nur einmal im Jahr zum nationalen Gedenktag eine Träne vergiessen, ist es relig. Juden wichtig, an ausgerechnet dieses Ereignis zu erinnern. Angela Merkel wird wenige Tage vor dem Purim - Fest eintreffen und an eben jenem Purim wollte man auch die Juden auslöschen. Vielleicht sollte jemand die Kanzlerin auf die Tragik der jüdischen Geschichte aufmerksam machen.

Von den Religiösen jedenfalls wird sie nicht empfangen werden. Keine Gerer, Belzer oder sonstiger chassidischer Rebbe wird sich je mit ihr unterhalten. Und das ist schade für die Kanzlerin, denn sprechen doch viele Chassidim recht gutes Deutsch. Aber halt nicht mit ihr.

Rauswurf

B"H

Erziehungsministerin Yuli Tamir war einmal wieder außer sich; da hatte man sie doch vorgestern glatt aus der Yeshiva (relig. Schule) "Mercaz HaRav" hinausgeworfen. Und attackiert sei sie auch worden. "Das erste Mal, dass ich meine Bodyguards einsetzen mußte und überhaupt erinnere sie die Attacke daran, wie Yitzchak Rabin umgebracht worden war." Viel dümmer kann man wohl kaum reagieren.

Was hatte Yuli Tamir, unsere bekannte Linkspolitikerin, denn erwartet ?
Jahrelang wettert sie gegen die Religiösen und deren "Fundamentalismus". Sie stimmt Räumungen von Siedlungen zu und kaum geschah das Attentat auf die Yeshiva Mercaz HaRav (am vergangenen Donnerstag), will sie ihr Mitgefühl bekünden. Ein Mitgefühl, welches ihr niemand abnahm und nach ihrer Reaktion auf den Rauswurf aus der Yeshiva erst recht nicht. Wer Ärger zeigt, dem rutschen meistens die wahren Gedanken heraus und Yuli Tamir ist der beste Beweis dafür. Dumm gelaufen, ihren Rauswurf sofort mit dem Rabin - Mord zu vergleichen.

Aber nicht nur Yuli Tamir blieben die Türen verschlossen; auch Ehud Olmert durfte nicht kommen. Erst gegen Religiöse hetzen, insgeheim schon Jerusalem zerlegen, jüdische Siedlungen räumen und dann auf Trauerbesuch machen wollen.

Einer der Glücklichen, die eingelassen wurden, war Verteidigungsminister Ehud Barak. Ein Linkspolitiker, falls sich gerade jemand aufregen sollte, dass die "Rechten" keine "Linken" zulassen.


Traueranzeige der acht ermordeten Yeshiva - Studenten der Mercaz HaRav Yeshiva