Dienstag, 11. März 2008

Zur Erinnerung an die Opfer der Yeshiva Mercaz HaRav

B"H

Die Bilder in dem Video sagen mehr aus als ich hier zu schreiben vermag.

Währenddessen sind die Wände Jerusalems zugeklebt mit den Todesanzeigen der acht Yeshivastudenten, welche am letzten Donnerstag von einem palästinensischen Terroristen in einer Bibliothek erschossen worden waren.

Talli Fachimah, die einsame israelische Alleinkämpferin gegen alles und sich selbst, reiste heute zu den Eltern des Terroristen, um ihnen ihr Beileid auszusprechen. Wie gestört kann ein Mensch eigentlich sein ? Aber als ich hörte, dass es sich um Talli Fachimah handelt, war ich nicht im geringsten überrascht. Warum ist sie nicht gleich bei der Familie des Terroristen mit eingezogen ?

Israel zieht fast alle an

B"H

Viele Male stellte und stelle ich immer wieder die gleiche Frage:

Was zieht die Leute, vor allem auch Deutsche, nach Israel ?

Ein kurzer Blick in die Online - Foren genügt und man sieht, dass sämtliche Leute ihren Israel - Traum ausleben. Oder zumindest planen auszuleben.

Insbesondere fragen viele Nichtjuden nach, wie man denn nur an die "begehrte" israelische Staatsbürgerschaft kommt. Eine Erklärung, warum dem so ist, habe ich nicht parat. Meiner Meinung nach macht sich die Mehrheit falsche Vorstellungen von unserem Land. Sonne, Strand, man finde schon einen Job und lebe halt unter Juden. Allerdings frage ich mich da, warum dann derjenige nicht nach Spanien oder so zieht. Und wieso will ein Nichtjude gerade unter Juden leben?
Wer so denkt, der kann auch London, Antwerpen oder New York in Erwägung ziehen. Eines Landes Israel bedarf es dazu nicht unbedingt.

Aber selbst diejenigen, die planen, in Israel zum Judentum zu konvertieren, erleben unangenehme Überraschungen. Siehe hier: http://hamantaschen.blogspot.com/2008/03/neues-vom-israelischen.html

Vielleicht kann mir einmal jemand von der Leserschaft erklären, warum Israel auf viele so anziehend wirkt. Und das trotz Terror, Kriegsgefahr, Arbeitslosigkeit, wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten und und und.

Montag, 10. März 2008

Über die "Grüne Linie" hinaus

B"H

Die Stadtverwaltung Jerusalem mit Uri Lupolianski als Bürgermeister hat beschlossen, mehrere neue Hundert Wohneinheiten zu bauen.
Die Palästinenser, ihre linke Anhängerschaft und unsere lieben Freunde der Friedensbewegung im Ausland werden wieder einmal Amok laufen, denn wer von ihnen will schon weitere jüdische Wohneinheiten sehen ?

Bürgermeister Lupolianski aber denkt gar nicht daran, seine Baupläne zu ändern. Jedenfalls laut eigener Aussage.
Es wird gebaut und damit basta.

In den Stadtteilen Gilo und Neve Yaakov, zum Beispiel. Jerusalem braucht dringend neue Wohnungen. Vor allem günstig und familienfreundlich. Die Stadt platzt aus allen Nähten und die Mieten explodieren Dank der Neueinwanderer, die gar keine sind, sondern nur gelegentlich vorbeikommen. Dafür verfügen sie über viel Bares, können sich alles leisten und da kommt so eine Sommermaison in Jerusalem gerade recht. Reiche ausländische Juden haben uns doch glatt die Preise vermiest.

Das Resultat sehen wir schon lange. Immer mehr frischvermählte Paare ziehen aus Jerusalem fort. Ins nahegelegene Beit Shemesh, oder nach Modi'in. Jerusalem kann sich bald niemand mehr leisten und das Immobilienangebot ist begrenzt. Unsere Stadt ist eingeengt durch Paligebiete und die Judäischen Berge. Platz ist rar und wer in Jerusalem baut, egal ob reich oder arm, bekommt nur eine bestimmte Quadratmeteranzahl zugewiesen. Nichts da mit Golfplätzen und riesen Gartenanlagen. Man beschränke sich lieber auf einen Schrebergarten.

Wer durch den Stadtteil Nachlaot (hinter dem Mahane Yehudah Markt gelegen) geht, der stellt fest, dass immer mehr in die Höhe gebaut wird. Auf das alte Haus wird halt das neue gleich draufgesetzt. So wird Platz gespart.

Aber ich will all die Bedürfnisse der Jerusalemer gar nicht als Rechtfertigung nehmen. Vielmehr geht es darum, und da mögen jetzt einige ausflippen, dass Israel unser Land ist und wir bauen können, wo wir wollen. Die Berliner Stadtverwaltung fragt auch nicht erst alle Ausländer, ob sie bitteschön in Kreuzberg, Freidrichshain, etc. eine neue Wohnanlage bauen dürfen. In Nürnberg trifft dieselbe Situation auf den Stadtteil Gostenhof zu und von Fürth erst gar nicht zu reden.

Und aus meinem Blickwinkel sind die neuen Baupläne durchaus gerechtfertigt und bisher denkt noch nicht einmal unsere Regierung daran, daraus ein Politikum zu machen. Aber Abu Mazen und die Friedensbewegung stehen sicher wieder baldigst auf der Matte. Sie und auch die deutschen Linken werden sich fragen, warum Gilo neue Wohnungen braucht. Wir fragen uns dagegen, was hat die deutsche Linke mit Gilo zu tun ?

Sonntag, 9. März 2008

Noch keine Tagesordnung

B"H

Im Ausland mag man sich denken:
"Neues Terrorattentat stattgefunden, acht Tote, über 30 Verletzte, drei von sieben Verletzten schwer, aber es war ja "nur" eine relig. Schule (Yeshiva), wo eh nur die Extremisten lernen".

Im Ausland mag man zur Tagesordnung übergehen, in Israel, insbesondere in Jerusalem, noch lange nicht. Religiös oder nicht, viele sind ganz einfach geschockt, denn in den Zeitungen sehen wir heute die Photos der acht Toten. Fast alle waren Teenager, überwiegend im Alter von 15 und 16 Jahren. Der Älteste war 27 Jahre alt. Zwei der erschossenen Teens kamen aus der Jüdischen Altstadt Jerusalems, wo deren Väter entweder bei den Yeshivot Aish HaTorah oder Yeshivat HaKotel angestellt sind.

An dem Donnerstag Abend hatte die nationalrelig. Bewegung einen Massengebet sowie einen Marsch um die Altstadtmauer organisiert. Tausende Teilnehmer waren gekommen und mehrere meiner Freunde waren auch darunter. Während der Marsch in der Altstadt stattfand, unterrichtete ich einige Kilometer entfernt eine kleine Gruppe nationalrelig. Kinder im Stadtteil Kiryat Moshe. Um ca. 19.00 Uhr assen wir zusammen Abend. Es gab Reis und die persische Spezialität Gondi. Gondi sind kleine Fleischküchle, bestehend aus Hühnerfleisch und Humus in Hühnersuppe gekocht. Der Vater der Familie ist Jude und kommt aus dem Iran und so essen wir jeden Donnerstag fast immer persisch.

Genau eine Stunde vor dem Attentat passierte ich die Yeshiva Mercaz HaRav in Kiryat Moshe. Normalerweise sind an jedem Donnerstag deren Studenten auf dem Heimweg, denn sie fahren über Schabbat zu ihren Eltern. Nicht so am letzten Donnerstag, denn viele von ihnen hatten an dem Altstadtmarsch teilgenommen. Die Bibliothek (Beit Midrash) war voll Studenten. Als ich in der Innenstadt ankam, rasten plötzlich Ambulanzen und Polizei wild umeinander. Nach wenigen Minuten konnte sich jeder ausmalen,dass etwas passiert war und im Internet liefen schon die ersten Meldungen.

Währenddessen wurden die restlichen Altstadtmarschteilnehmer streng bewacht, denn die Polizei befürchtete ein "Ausrasten" der Nationalreligiösen. Geschehen tat nichts dergleichen und bis heute ist wenig von Rache zu hören. Eher heißt es, man habe ja immer gesagt, dass der Terror nie vorbei sein werde und das einzige, was die Palis wollen, ist alle Juden aus Israel raushaben. Frieden wird es niemals geben und wer daran glaubt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Unser Rabbi, Rabbi Mordechai Machlis, hatte eine halbe Stunde zuvor den späteren Tatort verlassen und befand sich auf dem Nachhauseweg als ihn ein Bekannter anrief. Ein anderer Bekannter von uns befand sich im Obergeschoß über der Bibliothek, in der die Schüsse fielen. Dort dachte man erst, dass unten jemand Knallkörper um sich wirft. Als man einige Zeit danach nachschaute, was geschehen war, sahen alle die Verletzten und Leichen am Boden liegen. Ein herbeigeeilter Yeshivastudent, ein Armeereservist, hatte den Terroristen zweimal in den Kopf geschossen und so noch mehr Blutvergiessen verhindert.

Die Familie des Terroristen aus Ostjerusalem ist mittlerweile wegen Mittäterschaft verhaftet worden. Vorher hatte der Vater des Terroristen noch schnell eine Hizbollah - sowie eine Hamasflagge auf dem Grab seines Sohnes befestigt.

Im Mercaz HaRav sitzt der Schock tief. Freitag früh fand eine Massentrauerfeier vor dem Mercaz HaRav statt, bei der Tausende anwesend waren. Ich selbst kenne die Yeshiva und die Synagoge sehr gut. Als ich noch im Stadtteil Kiryat Moshe lebte, ging ich fast jeden Freitag zum Abendgebet Maariv in die dortige Synagoge.

In Jerusalem sowie überall im Land herrscht Alarmstimmung, denn in zwei Wochen ist Purim. Und Purim ist bekannt für viele vorher stattfindende Attentate.

http://www.haaretz.com/hasen/spages/961703.html

Freitag, 7. März 2008

Jerusalem im Schock

B"H

Nach Jahren der Ruhe hat es Jerusalem gleich zweimal erwischt. Zuerst wurden vor wenigen Tagen zwei städtische Angestellte in Ostjerusalem angegriffen und gestern Abend trat ein Palästinenser aus Ostjerusalem in die Beit Midrasch (Bibliothek) der nationalreligiösen Yeshiva (relig. Schule) Mercaz HaRav und lief Amok.

Eine Stunde vor dem Attentat ging ich noch am Mercaz HaRav vorbei, da ich jeden Donnerstag eine nationalrelig. Kindergruppe unterrichte. In der Innenstadt angekommen, hörte ich von dem Attentat. Ein Terrorist war mit einem Karton voll Waffen in die Yeshiva gegangen und wild um sich geschossen. Mehr als 500 Kugel hat er dabei verschossen. Die schreckliche Bilanz lässt heute früh die Jerusalemer erschaudern. Acht Tote und über 30 Verletzte. Manche Verletzte sind von mehreren Kugel getroffen. Zuerst hatte man zwei Terroristen vermutet, was sich hinterher als falsch herausstellte. Im Mercaz HaRav ist die Trauer groß.

In etwas mehr als einer halben Stunde werden die acht Toten von der Yeshiva zu ihren Heimatorten gebracht und dort begraben. Das Mercaz HaRav im Stadtteil Kiryat Moshe ist eine Hochburg der Nationalreligiösen und in der Yeshiva feierte man gestern gerade den Monatsbeginn Adar B als der Terrorist schoss.

Die Stimmung der Bewohner ist heute gedämpft. Wird der Terror in unsere Stadt zurückkehren oder nicht ? Wer sehnt sich schon nach den Jahren 2001 / 2002 etc. zurück ?

Die Stadt gleicht heute einem Kriegszustand. Polizei und Armee überall und das Freitagsgebet der Moslems auf dem Tempelberg ist eingeschränkt.

Im Ausland wird man weniger verstehen, was das Unglück in der Mercaz HaRav Yeshiva bedeutet. Gegründet wurde sie in den 20iger Jahren vom ersten zionistischen aschkenazischen Oberrabbiner Rabbi Avraham Yitzchak Kook (Kuk).

Wird überhaupt in Deutschland berichtet oder wird wieder alles unter der Sparte abgehakt, dass es sich ja "nur" um relig. Juden handelte und die seien schließlich selber schuld, wenn sie so rechts und uneinsichtig sind. Deutsche etc., die so über relig. Juden richten, haben weder Ahnung von der Religion noch von der relig. Gesellschaft an sich. Und wenn man etwas nicht versteht und stereotyp betrachtet, dann wird gerne gerichtet, als es sich ja nurum einen Haufen relig. Fanatiker handelt.

Jerusalem begeht einen traurigen Schabbat.


Mehr Details hier:
http://www.haaretz.com/hasen/spages/961933.html

Donnerstag, 6. März 2008

Attentat in Jerusalemer Yeshiva

B"H

Polizei und Ambulanzen befinden sich derzeit im Grosseinsatz.
In der Jerusalemer nationalrelig. Yeshiva (relig. Schule) MERCAZ HARAV fand vor wenigen Minuten ein Attentat statt. Zwei Pali - Terroristen sollen in der Yeshiva wild um sich geschossen haben.

Das Fettnäpfchen des Ehud Barak

B"H

Unser Verteidigungsminster Ehud Barak ist berühmt für seine Fettnäpfchen sowohl als auch seine ausgeprägte Arroganz. Derzeit jedoch steckt er mitten in einem neuen Fettnäpfchen, von dem er die Folgen offenbar noch nicht erahnt.

Genervt verkündete er, dass er keine einzige Yeshiva (relig. Schule) mehr anerkenne und deren Schüler vom Armeedienst befreie. Jetzt sei aber langsam Schluß mit lustig.

Zu dem Thema "Haredim (Ultra - Orthodoxe) in der Armee - Ja oder Nein ?" gibt es eine Endlosvorgeschichte.
Premier David Ben Gurion unterschrieb in den 50iger Jahren gemeinsam mit den Haredim ein Abkommen, nachdem jene vom Armeedienst befreit werden und in ihren Yeshivot weiterlernen können. Was Ben Gurion damals nicht ahnen konnte war, dass es in der Zukunft einmal Tausende Yeshiva - Schüler geben wird.

Seither brachten immer wieder linke - anti - relig. Parteien das Thema auf den Knessettisch, denn so sollte die säkulere Wählerschaft zum Kampf gegen unbequemen Haredim aufgerufen werden. Daraufhin machten die zwei großen haredischen Knessetparteien (Shass und Yahadut HaTorah) mobil. Jedesmal drohten sie aufs Neue, aus der Koalition auszusteigen, wenn auch nur ein Haredi zur Armee eingezogen werde. Und dann kam die anscheinend optimale Lösung für die Haredim: Das "Tal - Gesetz, hebrä. "Chok Tal). Laut dem Gesetz werden Yeshiva - Studenten vom Armeedienst befreit, selbst wenn sie die Yeshiva im Alter von 23 Jahren verlassen.

Jetzt aber dreht Ehud Barak wieder neu am Tal - Gesetz und meint, dass alles ja langsam Überhand nehme. Die haredischen Parteien befinden sich schon im Aufruhr, wobei die Reaktion der sephardischen Shass - Partei von der aschkenazischen Yahadut HaTorah mit Interesse verfolgt wird. Olmerts Koalitionspartner Shass nämlich wird seit Monaten von aschkenazischen Haredim in der hasueigenen Presse fertiggemacht, denn man sieht sie als Verräter am eigenen Volk. Nun, Shass ist dafür bekannt, immer nur dahin zu rennen, wo sie am bequemsten staatl. Unterstützung für ihre eigenen Yeshivot einheimsen. Ohne Rücksicht auf relig. Ideale und Verluste. Da wird auch schon einmal der Teilung Jerusalems zugestimmt, wenn ja nur die Kasse stimmt. Dennoch, beim Thema "Armeedienst" ist auch Shass alarmiert.

Oberflächlich betrachtet könnte man meinen, dass das Ganze ja total idiotisch sei. Wieso gehen die Haredim nicht zur Armee wie alle anderen auch ?
Um allerdings die Begründung der Haredim zu verstehen, muß man schon tiefer in die Materie eindringen und deren Gesellschaft verstehen.
Vorab: Es gibt ausgesprochen viele Haredim, welche schon jahrelang in ihrer eigenen Einheit "Nachal HaCharedi" in der Armee dienen. Andere wiederum würden gerne dienen, können aber aus gesellschaftlichen Gründen nicht so, wie sie wollen. Zu sehr fürchten sie die Nachteile und manchmal sogar die Ächtung aus den eigenen Reihen. Für den haredischen Hardcore wäre die Kaschrut ein weiteres Problem. Kurz gesagt, es ist nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen und wer die Haredi - Society nicht kennt, der kann sich kaum ein Bild machen.

Persönlich bin auch ich jedesmal zwischen beiden Seiten hin und her gerissen. Warum sollen die Haredim nicht zur Armee gehen wie alle anderen auch ? Andererseits kenne ich die haredische Gesellschaft und die damit verbundene Problematik. Eine Lösung für mich kann ich von daher kaum finden.

Falls Baraks Entscheidung wirklich zum Tragen kommt, kann sich das Land wieder einmal neu auf wilde haredische Demos einrichten.

Verräter aus den eigenen Reihen

B"H

Wie kann man einem Menschen trauen und woher soll man wissen, dass niemand hinterrücks spioniert ? Eine Frage, mit der sich auch die rechte Szene in Israel immer wieder konfrontiert sieht.
Jetzt kam ein neuer Fall von "Verrätertum" ans Tageslicht, bei dem jemand zugab, zwei Jahre lang für den inneren Geheimdienst "Schabak" gearbeitet zu haben.

Ein Anonymer aus der ultra - rechten Siedlerszene, sein Gesicht blieb in der Presse retouschiert, legte nun öffentlich ein Geständnis ab. Er habe seine eigenen Freunde an den Geheimdienst verpetzt. Geplante Demos und weitere Aktionen der rechten Szene.

Zuviele Fälle dieser Art gibt es nicht, denn gerade die rechte nationalrelig. Szene ist ein äußerst harter Kern, an dem sich der Schabak die Zähne ausbeißt. Wie schon Ariel Sharon, fürchtet Olmert die ultra - rechten Siedler. Wobei anzumerken ist, dass nicht alle Siedler ultra - rechts oder überhaupt relig. sind. Was viele im Ausland nicht wissen: Es gibt genauso viele säkulere Siedlungen.

Es versteht sich von selbst, dass der "Verräter" geächtet und gemieden werden wird. Selbst vom Schabak, für den er nun uninterssant und unproduktiv geworden ist. Andere Schabakspione, darunter auch Palästinenser, zeigten sich immer wieder enttäuscht, dass man plötzlich fallengelassen wird, wie eine heiße Kartoffel. Erst sei man ein kleiner Star, wenn man mit den Infos aufwartet und Geld gibt es schließlich auch. Aber am Ende steht jeder alleine da und kann zusehen, wie ihn die Freunde verlassen und er aus der eigenen Gesellschaft ausgestossen wird.

Ich frage mich jedesmal, warum sich ausgerechnet einige aus der rechten Siedlerszene bereiterklären, für den Schabak, mit Olmert als Obermacker, herumzuspionieren. Ist es nur des Geldes wegen und sind einem die eigenen Freunde sowie die eigenen Ideale plötzlich egal ? Sind diese Angeheuerten mental schwach und lassen sich ausgesprochen leicht manipulieren ?

Aber Spione hat es schon immer gegeben und sie werden auch weiterhin in der Gesellschaft herumspuken. Vielleicht betrachten sie sich ja als die eigenständigen Kämpfer gegen alles.

Mittwoch, 5. März 2008

Adar ist ein guter Monat

B"H

In Israel werden tragische Ereignisse oft anhand relig. Mittel versucht zu erklären. Jedenfalls in religösen Kreisen.

Der jüdische Monat Adar ist immer gut für die Juden, denn gerade der Adar ist das große Symbol für den Sieg und unser Überleben.
In zwei Wochen feiern wir Purim, ein relig. Fest welches auf dem ersten Anschein einem Karneval gleichen mag, doch auf einem rein relig. Hintergrund basiert. Die Juden sollten vernichtet werden und Esther samt Mordechai bewegten alle zur Umkehr zu G - tt. Letztendlich wurden nicht die Juden vernichtet, sondern die Antisemiten selber (siehe das Buch Esther, welches an Purim in den Synagogen gelesen wird).

Im Monat Adar kann ja für uns nur alles besser werden und in diesem Jahr, einem Schaltjahr, haben wir sogar zweimal Adar. Adar A und Adar B. Doppeltes Glück also.

Die einen denken an Purim, die anderen schon viel weiter. Nämlich an den kommenden Unabhängigkeitstag, an dem Israel seinen 60. Geburstag begeht. Juden feiern, Palis nicht. Letzteres nicht erst seit Gaza, sondern die Entscheidung fiel schon früher. Man identifiziere sich nicht mit einem zionistischen Staat. Nun, das ist nichts Neues und reißt niemanden mehr vom Hocker. Dafür wurden jetzt jene Personen nominiert, welche an den Feierlichkeiten auf dem Jerusalemer Herzl - Berg die Kerzen anzünden dürfen. Unter anderem auch der Nobelpreistäger Eli Wiesel.

Seit der Aufgabe Gush Katifs im Gazastreifen haben viele Israelis resigniert. Es ist kein Geheimnis, dass unter diese Sparte besonders die ehemaligen Einwohner des Gush fallen. Israelflagge heraushängen oder nicht ? Auf welchen Staat sollen wir stolz sein, der unfähig ist, seine Bewohner zu schützen und einen Zickzack - Kurs in Gaza fährt. Einmarschieren, ausmarschieren ……..
Dabei wäre doch gerade jetzt die Zeit eines erfolgreichen Gazaeinmarsches. Befinden wir uns doch noch weitere Wochen im Monat Adar.

Was aber ist in diesen Tagen wichtig ?
Die Nation befindet sich im landesweiten Wartezustand. Man wartet auf den Fall unserer Regierung. Olmert, Livni oder Mofaz….Alles, nur das nicht mehr. Aber wer weiß, was die Regierung bis zu ihrem Fall noch alles anstellt, was wir später auszubaden haben. Genauso wie zu Zeiten Sharons, der Gush Katif aufgab. Nur wenige Jahre später baden Sderot und Aschkelon aus, aber Sharon bekommt sein Scheitern nicht mehr mit.

Und wer weiß, wo wir uns in ein paar Jahren befinden. Vielleicht ist dann Jerusalem geteilt und die Raketen fliegen auf den Westteil der Stadt. Vielleicht haben wir einen palästinensischen Staat neben uns, wo der Präsident Bin Laden heißt, wer weiß.

Und was machen wir Bürger dieser Tage ?
Wir freuen uns auf das anstehende Wochende, den Schabbat. Auf frühlingshaftes Wetter und tolle Ausflüge. Klingt das in diesen Zeiten absurd ? Für uns sicher nicht, denn wir sind schon zu abgebrüht. Und ausserdem ist Adar ein guter Monat.

Dienstag, 4. März 2008

"Ich war in Auschwitz"

B"H

Eine Leserin machte mich auf eine aktuelle Problematik aufmerksam, die mir zwar schon lange zu denken gibt, ich sie jedoch nie weiter verfolgte.

Seit langem scheint es ein richtiger Modetrend zu sein, Holocaust - Überlebende vor Publikum auftreten zu lassen. Offentlich spielt dabei Bares auch eine wesentliche Rolle.

Vor den Zuhörern erläutern sie dann ihre KZ - Erfahrungen. Besondere Mode ist es dabei, sogenannte Überlebende aus dem Ausland einzuladen.

Die Leserin sandte mir ein Photo von einem Referenten, der vorgibt, im KZ gewesen zu sein. Das einzige Problem ist, dass er recht jung ausschaut und gewiss nicht einem KZ - Alter entspricht. "Nur" 50 oder knapp 60 Jahre alt, wie kann das sein ? Kann man den Leuten heutzutage alles weissmachen ?

Wer macht sich schon die Mühe und prüft wirklich einmal nach, ob die Aussagen der Wahrheit entsprechen ? War jemand wirklich im KZ oder geht er nur auf Cash - Public Relation - Tour für sich selbst ? Und wie kann ein Veranstalter überhaupt etwas nachprüfen ?

In Jerusalem kenne ich einige Angestellte von AMCHA und werde in mich morgen einmal mit ihnen unterhalten, um herauszufinden, was auf dem "Holocaust - Markt" so abgeht. Sicher wird es eine interessante Diskussion zu einem brisanten Thema.

Hiermit meine ich aber keineswegs jene ehrlichen Holocaust - Überlebenden, die von ihren Erfahrungen berichten. Wir können froh darüber sein, noch die persönlichen Erfahrungen der Überlebenden kennen zulernen. Aber leider gibt es, wie überall, auch schwarze Schafe.

Fast - Lynch in Jerusalem

B"H

Neben dem Gazastreifen entwickeln sich nun auch andere palästinensische Gebiete zum Brennpunkt. Obwohl alle immer so auf Demokratie pochen, wenn es Fall auf Fall kommt, stehen auch die israel. Palis hinter ihren Gesinningsgenossen der Hamas. Eine Tatsache, die Ehud Olmert entweder übersieht oder immer noch nicht begriffen hat.

Gestern kam es fast zu einem Lynch zweier städtischer Angestellter. Tatort war Ostjerusalem. Als die zwei Angestellten der Stadtverwaltung in ihrem Dienstwagen durch die Innenstadt Ostjerusalems fuhren, wurde auf ihren Wagen mit Küppeln eingeschlagen und die Fenster wurden eingetreten.
In Ostjerusalem verkehrt keine israel. Polizei, sondern die Grenzpolizei Magav der Armee hat die Hoheit. Die Grünuniformierten verhinderten den Lynch.

Seit Tagen zeigt der Pali - Propagandasender Al Jazeerah Bilder von umgekommenen Palästinensern. Ohne Scham werden die Bilder mit verstümmelten Leichen immer wieder gezeigt. Blut, Knochen - oder Hautreste. Je ekelhafter desto besser. Soetwas kommt an, auch im Ausland.

Der gestrige Vorfall scheint jedoch noch durch einen weiteren Zwischenfall hervorgerufen zu sein. Westlich von Ramallah erschoß ein israel. Bewohner einer Siedlung einen 18 - jährigen Palästinenser. Der Israeli sagte bei der Polizei aus, dass er sich habe bedroht gefühlt und er glaubte, der Pali wolle ihn umbringen. Da habe er sich halt verteidigt.

Armee und Polizei sind seither in Jerusalem wieder stärker vertreten. Es ist schon seltsam, wie die Palis sich mit ihren Aktionen immer wieder selbst blockieren und wieder neue Militärpräsenz verursachen.

Montag, 3. März 2008

Gibt es Wichtigeres ?

B"H

Andere Blogs sowohl als auch die Presse beschäftigen sich derzeit konstant mit dem Thema "Sderot, Aschkelon, die Kassam - Raketen aus Gaza und den Attacken der israelischen Armee". Ab und an berichte ich zwar auch darüber, doch nie so ausführlich. Manche Blogs gehen da eher richtig ins Detail. Sie schreiben Berichte aus Google und anderen Quellen. Alles nur Erdenkliche.

Wieso ich dies nicht tue ?
Bei mir hat dies einen ganz einfachen Grund: die Zeit.
Ich habe täglich soviel um die Ohren, dass ich kaum zum Zeitunglesen komme. Einen Fernseher haben wir zwar daheim, doch wird er so gut wie nie genutzt.
Derweil stelle ich mir ernsthaft die Frage, ob ich mich nicht mehr für das weltliche Tagesgeschehen interessieren und nicht nur relig. Vorträge geben bzw. Artikel schreiben sollte. Ehrlich gesagt, bekomme ich oft nicht einmal das Nötigste vom Tagesgeschehen mit.

Natürlich sind die Kassam - Raketen auf die Negevstadt Sderot seit Jahren ein Thema. Ein Thema, an das wir uns allerdings längst gewöhnt hatten. Die Raketen waren normalerweise nur eine Kurzmitteilung im Radio wert. Vor wenigen Wochen änderte sich dies; insbesondere nach dem tragischen Ereignis des Oscher Twito, der bei einem Kassamangriff die Hälfte seines Beines verlor. Seine Eltern bekundeten neulich, dass ihr Sohn habe erst ein Bein verlieren müssen, damit etwas unternommen wird.

Nun jedoch haben die Raketenangriffe aus Gaza auf die Stadt Aschkelon ausgeweitet und heute früh beschwerte sich eine Einwohnerin im staatlichen Rundfunk, dass kein Sirenenalarmsystem in Aschkelon existiere. Die Raketen kommen überraschend ohne Vorwarnung und sie war gerade am Telefon als das Haus fast zusammenfiel. Volltreffer.

In Gaza werden die Pali - Toten gegen israel. Opfer aufgerechnet. Die Welt sieht Dutzende von Pali - Opfern, doch die israelischen werden übersehen. Und das nicht erst seit heute, sondern seit Jahren. Wen kümmert schon groß Oscher Twitos Bein ? Kam das überhaupt im deutschen TV ?

Die israelische Armee kämpft in Gaza gegen die Hamas - Terroristen. Die Hamas behauptet "erfolglos" und man kann ihnen fast glauben. Da ich nicht immer 100%ig informiert bin und zugleich nur als Laie dastehe, frage ich mich dennoch, wie es sein kann, dass unsere Armee in Gaza kämpft und nach wie vor fleißig Kassam - Raketen aus israel. Gebiet niedergehen. Hätte dies nicht schon lange unterbunden werden müssen ?

Da ich heute früh ausnahmsweise einmal Radio hörte, hieß es zu dem Thema, dass die Palis Kinder und Frauen neben den Abschußrampen deponieren, damit die israel. Armee nicht angreifen kann. Denn man stelle sich einmal die ausländische Presse vor:
Klar, haben die Palis ein "Selbstverteidigungsrecht" und da fallen halt schon mal Raketen auf Sderot und das Bein des Oscher Twito. Wenn Israel aber auch so stur ist und kein Land abgeben will. Und wenn Hamas - Terroristen liquidiert werden, dann muß sich auch die Hamas einmal wehren.

Und wenn paläst. Frauen und Kinder absichtlich neben einer Raketenabschußrampe abgestellt werden und unsere Armee angreift, geht es erst richtig los. Israel macht immer wieder den gleichen Fehler: Erst wird an das Ausland und dessen Reaktionen gedacht und danach erst an den Angriff. Im Sechs - Tage - Krieg sowie im Yom Kippur Krieg war das anders und deshalb haben wir gewonnen.

Die Zeitungen sind zur Häflte vollgestopft mit Berichten aus Sderot, Aschkelon und dem israel. Gazaangriff. In meinem alltäglichen Leben spielen diese Themen kaum eine Rolle und in dem Leben vieler anderer Israelis auch nicht. Vielleicht sollten wir dies ändern, aber das sind große Worte und ich will da lieber nichts versprechen.
Am letzten Schabbat schloß unser Rabbi die Bewohner Sderots mit in sein Gebet ein. Der Rabbi plane sogar insgeheim, einen ganzen Bus nach Aschkelon fahren zu lassen und dort mit den Bewohnern einen öffentlichen Schabbat zu feiern.

Ich kann mir vorstellen, dass sich viele in der Negev allein gelassen fühlen, denn wen kümmert es schon groß, wenn man in Tel Aviv oder Jerusalem wohnt. Wahrscheinlich ist es für uns alle gar keine schlechte Idee, einmal in die Raketengebiete zu fahren und wenigstens einen Tag mitzuerleben. Die Realität aber schaut fast immer so aus, dass jeder mit sich selbst beschäftigt ist. Auch ich mit mir.

Sonntag, 2. März 2008

Disneyland: Judentum

B"H

So manchen mag es total anziehen. Viele jüdische Gegenstände wie Tefillin (Gebetsriemen), Schofar, Kipa, Menorah (Kerzenleuchter) oder Tallit (Gebetsmantel) scheinen auf viele Nichtjuden eine magische Wirkung zu haben. Irgendwie müssen diese Dinge ja mystisch sein. Kabbalistisch und aufregend. Wer will soetwas nicht einmal gerne daheim auf der Wohnzimmeranrichte liegen haben ? Da staunen dann die Besucher und man hat etwas "Exotisches" zum Vorzeigen.

Nur halachisch nebenbei bemerkt: Die Tefillin (Gebetsriemen) dürfen nur von halachischen Juden angewendet werden. Selbst wer gerade orthodox konvertieren sollte, darf bis nach der eigentlichen Konversion keine Tefillin anlegen. Dieses ist Halacha und hat weiterhin etwas mit kabbalistischen Ideen zu tun.

Massenhaft kommen die Touristen in die Jüdische Altstadt und rennen den Souvenirshops die Türen ein. Aus so mancher Ecke hört man Schofargeblase und jedem relig. Juden ist auch aus der weitesten Entfernung klar, dass dort ein Nichtjuden am "musizieren" ist.
Wer weiß schon, dass die Schofartöne genau vorgeschrieben sind, in einer bestimmten Reihenfolge auszuführen sind und nur zu bestimmten Anlässen stattfinden ? Nicht wenige fundamentalistische Christen stellen sich hin und Blasen was das Zeug hält. Meschiach soll gefälligst sofort kommen. Aber Meschiach tut sich bei solch chaotischen Tönen schwer und flüchtet lieber.

Am letzten Freitag war ich in der Jüdischen Altstadt und erlebte den Tourismus wieder einmal live. Ein fundamentalistischer Christ krächzte ins Schofar und heraus kamen undefinierbare Trompetenklänge.

Die chassidische Gruppe Chabad stellte am Square einen Tisch mit Tefillin (Gebetsriemen) auf. Jeder vorbeikommenden Jude hatte Gelegenheit, Tefillin anzulegen. Und dann kam auch einer und schnürte sich die Riemen um den Arm. Nebenan auf einer Bank sitzende Nichtjuden sprangen begeistert auf. Wo ist die Kamera ?
Und schon wurde drauf losgeknipst. Egal, ob der Jude in dem Moment ein Gebet sprach oder nicht. Sowas kann man sich nicht entgehen lassen. Die Nichtjuden kriegten sich gar nicht mehr ein. Endlich einmal etwas Mystisches und nicht nur TV.

Chabad ließ sich jedoch nicht stören und die blitzenden Kameras wurden ignoriert. Wahrscheinlich ist man den Touristenzirkus eh schon gewohnt. Wenn schon in Kirchen immer so auf Würde gemacht wird, dann sollte nicht vergessen werden, dass da auch noch andere Religionen sind. Was hätte J. wohl gemeint, wenn man ihn so besessen geknipst hätte ? Judentum scheint voll IN zu sein und wer einen Gegenstand ergattern kann, der tue das schnell. Man hat ja sonst nur Friedman und Knobloch und da ist doch was richtig Exotisches schon besser.

Attraktion: Schofar



Chabad in der Jerusalemer Fussgängerzone mit Tefillin

Neues von Oscher Twito

B"H

Vor drei Wochen flog eine Kassam - Rakete auf den Achtjährigen Oscher Twito und seinen 19 - jährigen Bruder Rami. Beide waren abends unterwegs gewesen, um ein Geburstagsgeschenk für den Vater zu kaufen. Rami wurde mittelschwer verletzt und Oscher verlor die Hälfte seines Beines. Offensichtlich kann sein zweites Bein von den Ärzten gerettet werden.

Wie ist Oschers Gesundheitszustand heute ?

In der Presse heißt es, dass er wahnsinnige Schmerzen habe und bisher viele Male operiert wurde. Noch immer weiß er nicht, dass eine Hälfte seines Beines amputiert werden mußte.

Samstag, 1. März 2008

Yehudah Poliker

B"H

Einer meiner Lieblingsinterpreten ist der israelische Sänger Yehudah Poliker.