Freitag, 7. September 2007

Fussballspiel England : Israel

B"H

Morgen Abend (Samstag) findet um 19.00 Uhr israel. Zeit im Londoner Wembley – Stadion ein Laenderspiel zwischen Israel und England statt. Das Spiel wird auf Arutz 1, dem 1. israel. TV – Kanal live uebertragen.

Wegen der angespannten Lage im Nahen Osten werden die Sicherheitsmassnahmen besonders streng sein.


Die israelische Fussballnationalmannschaft

Mit dem Audi in die Knesset

B"H

Zum ersten Mal seit der Gruendung des Staates Israel vor fast 60 Jahren wird ein Auto deutscher Herstellung zum Regierungsfahrzeug.

Der bisherige Dienstwagen hochrangiger israelischer Politiker war der Volvo. Einen Volvo zu fahren wird in Israel gleichgesetzt mit Einfluss und Geld. Wer Volvo faehrt, der ist jemand, keine Frage.

Nichtsdestotrotz hat Audi den Vorzug bekommen und wird neuer Dienstwagen. Unumstritten ist die Entscheidung nicht, denn alles Made in Germany ist zwar gut, aber Deutschland bleibt nun einmal Deutschland. Nicht nur viele Holocaust - Ueberlebende meiden nach wie vor Produkte "Made in Germany". Insbesondere religioese Juden sowie die Nachkommen der Ueberlebenden meiden deutsche Fahrzeuge, Ariel, Jacobs Kaffee & Co. Und eben jene Leute koennten sich durch die Einfuehrung des Audi ad acta gelegt fuehlen.

Allgemein haben deutsche Produkte den Ruf gut und von langer Haltbarkeit zu sein. Ganz im Gegensatz zu Produkten aus einheimischer israel. Herstellung. Dennoch hat alles immer noch einen bitteren Beigeschmack, auch wenn viele heutzutage meinen, dass aufgrund der deutsch - israelischenBeziehungen schon fast Normalitaet herrsche.

Leider werden nur allzu gerne jene Holocaust - Ueberlebenden uebersehen, welche durch Folterungen schwerwiegende gesundheitliche Schaeden in den KZs erlitten haben. Nicht immer gibt es die grosse Vergebung, wenn ein Ueberlebender mehr als zwanzig Familienmitglieder verlor oder bis heute aerztlicher Hilfe aufgrund von Folgeschaeden bedarf. Auch die erste und zweite Generation litt indirekt unter dem Holocaust, denn so manche Eltern liessen ihre Kinder in der Kindheit ihre selbsterlebten Aengste spueren, was wiederum psychologische Stoerungen bei den Kindern verursachte.

Der Holocaust spielt bei den religioesen Juden, neben den eigentlichen Ueberlebenden, noch mit die groesste Rolle. Nicht nur das chassidische Gruppen die Mehrzahl ihrer Mitglieder verloren, nein, der Name Deutschland ruft bis heute negative Erinnerungen wach.

Auch wenn der neue Dienstwagen aus der Audi - Herstellung nicht unbedingt zur Kenntnis genommen wird, ein kollektives Verzeihen des gesamten Judentums bedeutet das noch lange nicht.

"Das Spiel mit dem Feuer"

so lautet heute eine der Schlagzeilen in der israel. Tageszeitung MAARIV. Keiner weiss Genaues, und jene, die etwas wissen, schweigen sich aus. Olmert und Armeefuehrung bleiben stumm.

Nachdem das syrische TV gestern Nachmittag von einem militaerischen Vorfall mit ungeahnten Folgen berichtete, sagte Olmert kein einziges Wort.
Die Syrer behaupten das israel. Kampfflugzeuge in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag unerlaubt in die syrische Militaerhohheit eindrangen. Die syrische Armee schoss und die Flugzeuge drehten ab. Syrien betrachtet dies als Provokation und momentan weiss niemand so genau, ob der Vorfall Folgen haben wird oder nicht. Die wichtigste Frage bleibt, ob der Vorfall ueberhaupt stattfand, denn von israel. Seite aus herrscht Schweigen.

Die Presse spekuliert wild und die Maariv gibt auf Seite 2 sogar schon eine Tabelle mit Vergleichen zwischen der israel. Und der syrischen Armee. Die Tabelle gleicht der eines Fussballaenderspiels, wo beiden Teams miteinander verglichen werden. Wer ist besser und wer gewinnt ?

Israel verfuegt ueber insgesamt 621, 500 Soldaten (incl. Reservisten) und Syrien hat ein Truppenkontigent von insgesamt 421,500 (incl. Rservisten).

Israel stellt 3510 Panzer, 391 Kampfflugzeuge und 183 Helikopter. Ueber Raketen wird keine Auskunft gegeben.

Syrien stellt 3700 Panzer, 350 Kampfflugzeuge und Helikopter. Ausserdem besitzen die Syrer 200 Raketen. u.a. des Types Scud 80 und Scud C.


Ist das alles nur Panikmache oder befinden wir uns tatsaechlich in einem Ernstfall ? Olmert verkuendete nur, dass er ganz relaxt sei. Sollen wir da auch alle relaxen ?

Naechste Woche feiern wir das jued. Neujahrsfest Rosh HaShana und alles, was uns jetzt noch gefehlt hat, ist ein Krieg.

Donnerstag, 6. September 2007

Ein heisser Herbst ?

B"H

Der Sommer ist vorrueber, was ganz deutlich an den sinkenden Temperaturen zu spueren ist. Morgen werden es in Jerusalem nur noch angenehme 24 Grad anstatt der heissen unerbittlichen 34 Grad. Fuer uns eine Erloesung zum Wochenende und fuer die anstehenden Feiertage in der naechsten Woche.

Was diesen Sommer nicht stattfand, ist der Krieg mit Syrien, aber das koennte sich eventuell noch aendern. Persoenlich glaube ich es nicht, aber auf der israel. Onlinenews - Site WALLA wird schon eine Umfrage gestartet. Die beiden Punkte: 1. Der Krieg ist unvermeidbar und 2. Es kehrt wieder Ruhe ein, aber nur fuer eine absehbare Zeit, bekommen die Mehrheit der Umfragestimmen.

Das syrische TV verkuendete heute Nachmittag, dass gestern Nacht israelische Kampfflugzeuge den syrischen Luftraum an der Nordgrenze verletzt haetten. Sie seien gesetzeswidrig nach Syrien geflogen, wo sie von der syrischen Armee beschossen wurden. Danach sind die Kampfflugzeuge abgedreht und nach Israel zurueckgekehrt. Verletzte habe es nicht gegeben. Man habe Israel vor weiteren Luftraumverletzungen gewarnt, so heisst es aus Syrien. Ausserdem behalte man sich das Recht vor, zurueckzuschlagen.
In den syrischen Nachrichten wurde Israel unaufhoerlich "der Feind" genannt.

Die israel. Armeefuehrung gab keinen Kommentar zum Bericht des syrischen Fernsehens ab. Auf solche Anschuldigungen muesse man nicht reagieren.
In der israel. Presse beginnen die Spekulationen darueber, wie es denn nun weitergehe. Praesident Shimon Peres, der sich gerade auf Italien - Besuch befindet, rief zu neuen Friedensverhandlungen auf.

Trotz der sinkenden Temperaturen steht uns vielleicht ein "heisser Herbst" bevor. Offiziell heisst es, dass Entscheidungen gut ueberlegt sein muessen und jeder auch noch so kleine taktische Fehler zur Katastrophe fuehren koennte.

Zum Thema Deutsche Staatsbuergerschaft

B"H

Das Thema laesst einen irgendwie nicht los. Immer wieder gibt es Neuerungen. Ist nun jemand, der nach Israel auswandert / einwandert noch Deutscher oder nicht ?

Worum es genau geht, findet Ihr hier:

http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2007/07/zum-thema-deutsche-staatsbuergerschaft.html

Und sehr lesenswert ist ein Schreiben der Deutschen Botschaft dazu, welches die NOAM - Site veroeffentlicht:

http://www.noam.org.il/content/view/98/1/

Vorsicht bei Produkten von TNUVA und STRAUSS

B"H

Solange ich mich erinnern kann, gibt es ewig anhaltende Diskussionen um den groessten israelischen Milchproduktehersteller TNUVA. Ist Tnuva nun koscher oder nicht ? Reicht das Koscherzertifikat (Hechscher) vom Oberrabbinat (Kascher LeMehadrin) ueberhaupt aus ?

Vor einigen Jahren lud ein Chabad - Rabbiner uns in ein beliebtes Jerusalemer Restaurant ein. Als sich der Rabbi jedoch vorher telefonisch bei besagtem Restaurant nach dem Koscherzertifikat (Hechscher) erkundigte, wurde ihm mitgeteilt, dass es sich um ein Zertifikat des Oberrabbinates handelt: Kascher LeMehadrin.
Und ausserdem werde fuer die Herstellung der Pizza und Lasagne Tnuva - Milch verwendet. Der Rabbi wurde hellhoerig, denn Tnuva hatte zu der Zeit (1997) schon diverse Probleme mit Terumot und Maasrot (die halachisch vorgeschriebene Entfernung eines bestimmten Anteils von einer Ernte).
Nachdem ihm versichert worden war, dass die verwendeten Zutaten einer zusaetzlichen Kontrolle unterliegen, stimmte er schliesslich dem Besuch des Restaurants zu.

Auch wohnte ich zu der Zeit in einer haredischen (ultra - orthod.) Wohngegend und die Haredim riefen die dortige Bevoelkerung auf, keine Tnuva - Produkte an den zehn Tagen zwischen Rosh HaShana und Yom Kippur (Aseret Yamei Teshuva) zu verzehren. Gerade in diesen zehn Tagen sollte man sich hoechst religioes verhalten, da wir Juden am Yom Kippur gerichtet werden, und aus dem Grund auf zweifelhafte Lebensmittel verzichtet werden sollte.

Jetzt stellte sich heraus, dass alle Zweifel gegenueber Tnuva berechtigt waren. Allerdings ist alles noch viel schlimmer als zuvor angenommen.
Jahrelang verwendete Tnuva fuer die Herstellung bestimmter Produkte wie, z.B., den Yoplait - Joghurt "Chalav Nochri". Bei der Chalav Nochri handelt es sich um Milch, welche von Nichtjuden gemolken wurde. Diese Milch darf halachisch zwar verwertet werden, doch entspricht sie nicht dem Hechscher "Kascher LeMehadrin" des Rabbinates. Chalav Nochri bekommt ueberhaupt kein Zertifikat und normalerweise ist die Beigabe auf der Verpackung ausgewiesen.

Ohne Ankuendigung an den Maschgiach (Koscherexperten) des Rabbinates, mischte Tnuva "Chalav Nochri" mit koscherer Milch zusammen und fuehrte so das Rabbinat und die Verbraucher in die Irre. Das Unternehmen verkaufte unter einem Koscherzertifikat Produkte, welche dem Zertifikat nicht entsprachen.

Nun einigte man sich vor Gericht, dass ab 2008 alle Tnuva - Produkte koscher sein sollen und ohne jegliche Chalav Nochri hergestellt werden. Ausserdem muss ab 2008 die Verwendung von Chalav Nochri auf der Verpackung angegeben sein.

Ich kann jetzt verstehen, warum haredische Supermaerkte keine Tnuva - Produkte fuehren und ich selbst werde in Zukunft auf Tnuva verzichten. Wer will, der kann auf die TARA - Produkte umsteigen, welche ein Hechscher der Agudat Israel (Rabbi Eliyashiv und die chassidischen Gruppen Belz, Gur und Vishnitz) haben.

Ausser Tnuva hat ebenfalls die Konkurrenz bei STRAUSS genuegend Kaschrut - Probleme am Hals, denn auch dem beliebten Milky von Strauss wird die Verwendung von Chalav Nochri nachgesagt.

Vorsicht also beim Kauf dieser Produkte !!!

Allgemein ist das Oberrabbinat und dessen Hechscher "Kascher LeMehadrin" kein Garant fuer eine ausreichende Kaschrut. Die Maschgichim (Koscherexperten) des Rabbinates sind oft nachlaessig bei den Kontrollen und uebersehen leicht Restaurants oder Cafes, in denen Nichtjuden die Oefen anstellen. Die Sauberkeit einer Kueche / Fabrik wird so gut wie gar nicht kontrolliert.
Wesentlich anders gehen hier die Batei Din Zedek (Badatz) der Chassidim vor (Badatz Belz sowie Badatz der Edah HaCharedit).
Wer ganz sicher gehen will, der kaufe nur Produkte mit diesen zwei Hechscherim.

Mittwoch, 5. September 2007

Nur weg

B"H

Der Traum fast aller jungen Soldaten, die vor dem Ende ihrer dreijaehrigen Dienstzeit stehen, ist es, einfach abzuhauen und die Welt zu sehen. Seit Jahren hat sich der Trend durchgesetzt. Zuerst flogen junge Israelis ueberwiegend in den Fernen Osten, nach Thailand oder Indien. Dort ist es verhaeltnismaessig billig und man kann mit ein paar Dollars pro Tag leben. Als sich die Thailand - Welle etwas legte, kam bei den israelischen Backpackern Suedamerika ganz gross in Mode.

Sobald der stressige Armeedienst beendet ist, zieht es junge Israelis erst einmal ins Ausland. Man will die Welt sehen und raus aus der israelischen Enge, der Terrorbedrohung und saemtlichen Konflikten. Einfach so sein wie alle anderen jungen Leute auch und sich irgendwo am Strand haengenlassen.

Und so fahren Hunderte, wenn nicht Tausende, Israelis jaehrlich ins Ausland. Man nimmt sich einige Monate oder ein Jahr einfach frei, denn nach der Rueckkehr kann immer noch ein Job gesucht oder mit dem Studium begonnen werden. Allzuviel darf der Trip nicht kosten und deshalb zieht man es vor, in billigen Hostels oder am Strand zu naechtigen. Nur zwei Dinge koennen Israelis fast nie ablegen: das Cliquengefuehl und "das sich ganz wie daheim in Israel fuehlen".

Israelis, denen es in Thailand oder Suedamerika zu gut gefallen hat, sind gleich vor Ort geblieben und haben selbst kleine israel. Imbisse oder Hostels eroeffnet. Fuer die lieben Landsleute sozusagen. Ich las einmal in der Zeitung, dass es irgendwo in Suedamerika ein Hostel nur fuer Israelis gibt. Geleitet von einem Israeli natuerlich.

Egal welchen Alters, Israelis haben oft Probleme damit, sich an auslaendische Gepflogenheiten zu gewoehnen, geschweige denn sie zu akzeptieren. Viele sind der Meinung, sie haetten Israel nie verlassen und dementsprechend wird sich auch daneben benommen. Und so kann derjenige, der durch Thailand oder Indien reist, ueberraschenderweise Schilder vor Hostels oder Hotels mit der Aufschrift "Israelis unerwuenscht" sichten. Ein Aussenstehender koennte glatt meinen, dass es hierbei um Antisemitismus gehe, dem ist aber nicht so. Ausserdem steht auf dem Schild "Israeli" und nicht "Jude".

Bei solchen Schildern weiss ein jeder sofort, dass hier irgendwann einmal israel. Touristen richtig abgehaust haben muessen und das Hotel die Nase voll hat von ihnen.
Vor laengerer Zeit fragte eine israel. Tageszeitung in einem Artikel, ob wir Israelis denn wirklich so schlimm seien ? Die Antwort hiess "ja, viele schon". Sicher kommt es ueblicherweise auf jeden einzelnen Charakter an und man sollte sich vor Verallgemeinerung hueten. Und jene neuen Israelis, wie ich und viele Tausend andere Neueinwanderer aus westlichen Laendern sind bestimmt nicht zu vergleichen mit Einheimischen marrokanischer oder kurdischer Herkunft, um es einmal ein wenig rassistisch auszudruecken.

Die zweite Eigenschaft, von der sich Israelis nur ungerne losreissen ist die Clique. Kaum ist man in Thailand oder Peru eingetrudelt, wird schon kraeftig gesucht. Meistens schnell mit Erfolg und schon hat man ein paar andere Israelis aufgetrieben. Ob die anderen aus dem Kibbutz, aus Tel Aviv oder der Negev kommen, ist egal. Hauptsache man hat Gemeinsamkeiten wie das Reden ueber die Armeezeit, das Essen und halt alles Israelische.
Anderen Nationalitaeten ist man nicht abgeneigt und geht auch schonmal mit einem Europaer oder Amerikaner weg, aber sobald Israelis aufeinandertreffen, gehts gleich zur Sache. Dann ist man nicht mehr zu trennen.

Seit geraumer Zeit gibt es im Internet alles, vor allem gut besuchte israel. Foren von Backpackern oder Israelis, die im Ausland leben. Gegenseitig werden sich Tipps gegeben. Seit laengerer Zeit ist ein Forum besonders attraktiv, naemlich dass jener Israelis, die nach laengerem Auslandsaufenthalt wieder zurueck ins Heimatland ziehen wollen. Andere wiederum informieren sich, wie sie am besten in den USA einen Job finden und wie man eine Greencard bekommt. Die USA gelten nach wie vor als Land der unbegrenzten Moeglichkeiten und harte Dollars reizen besonders.

Alles koennte so schoen sein, doch hin und wieder faellt ein dunkler Schatten auf die israelischen Backpacker. Immer mehr von ihnen werden in tragische Unfaelle verwickelt. Neulich wurde eine Gruppe Backpacker in Suedamerika (ich glaube, es war Peru) gekidnappt und andere wiederum stuerzen von Felsen oder ertrinken in einem Fluss. Solche Faelle liefern immer wieder grosse Schlagzeilen. Und genau das geschah auch heute wieder und verdraengte sogar die Politik von der Titelseite. Fuer ein frischgebackenes junges Ehepaar, welches vor zwei Wochen noch Hochzeit feierte, endete der Thailand - Trip in der Hoelle. Nissim Lugasi (27) und seine Frau Odeliah (24) verbrachten ihre Flitterwochen in Thailand und unternahmen gestern eine Bootstour, die sie zu zwei Inseln fuehrte. In der Naehe von Maya Bay kam ein Sturm auf, das kleine Boot ueberschlug sich und alle Touristen gingen ueber Bord. Nissim prallte mit dem Kopf gegen das Boot und als man ihn spaeter aus dem Wasser fischte, war er schon tot. Er wollte seine Frau Odeliah vor dem Fall beschuetzen und kam dabei selbst um. Odeliah ueberlebte und die Familie, die sich noch in Hochzeitsstimmung befand, muss nun eine Beerdigung arrangieren.

Der Fall ist sehr tragisch, aber keine Seltenheit. Es ist halt nirgendwo voellig sicher auf der Welt und es kann ueberall etwas passieren. Die tragischen Beispiele jedoch halten keinen Israeli davon ab, auch zu verreisen. Eher machen sich da die Eltern sorgen, wenn ihre Kinder irgendwo in Indien auf Fluessen herumfahren oder in Suedamerika durch die Berge klettern. Reisefuehrer auf Hebraeisch boomen und die Buchhandlungen haben riesige Regale mit saemtlicher Auswahl parat. Trotzdem sind sich fast alle nach der Backpack - Zeit einig: Am schoensten ist es immer daheim.

Dienstag, 4. September 2007

Kulinarisches aus der sephardischen Kueche: Kube

B"H

Meine Kollegin Tova gab mir heute frueh ein Rezept fuer das sephardische Gericht KUBE. Es ist zwar kein Essen zum Rosh HaShana, sondern eher fuer Shabbat, aber dennoch kann es jeder, der will, einmal ausprobieren.

Bei Kube handelt es sich um kleine Fleischbaellchen eingewickelt in Teig. Vor allem kurdische und irakische Juden koennen ohne Kube am Shabbat nicht leben. Kube mit Reis, das beliebte Essen der sephardischen Juden.

Zuerst eine Zwiebel anduensten. Diese dann zusammenmischen mit Petersilie, Hackfleisch, Salz und schwarzem Pfeffer.

Getrennt davon wird der Teig angefertigt: Mehl, Wasser, Salz und ggf. Olivenoel. Hierbei soll darauf geachtet werden, dass man besonders saugfaehiges Mehl benutzt.

Nicht zuviel Wasser dazugeben, da der Teig gut durchgeknetet werden muss.

Das ganze 30 Minuten lang ziehen lassen.

Danach die Fleischbaellchen formen und in den Teig einrollen. Die Groesse der Kube kann jeder selber entscheiden.

Zum Schluss alles ca. 20 Minuten lang kochen lassen.

Die Kube werden entweder zum Reis gegessen oder man kocht eine Kubesuppe mit viel Sellerie.

Honigkuchen fuer das Neujahrsfest Rosh HaShana

B"H

6 Eiweiss
Eine halbe Tasse Zucker
Beides zusammen schaumig schlagen.

Ein Eigelb mit einer halben Tasse Honig vermischen und etwas Vanille dazugeben. Ausserdem kann noch etwas Zitronensaft hinzugefuegt werden. Alles zusammen schaumig schlagen. Dann eine Tasse Mehl sowie das schaumig geschlagene Eiweiss mit dem Zucker hinzugeben.

Den Teig bei 180 Grad fuer 20 - 30 Minuten backen.

Das Kuchenrezept ist von Moriah Miller, einer Mitarbeiterin in unserer Baeckerei.

Wuerde mich freuen Eure Reaktionen zu hoeren. Ist der Kuchen zu essen oder nicht ?

A Star is Born

B"H

Israel ist staendig auf der Suche nach neuen Helden. Helden, die all unsere Probleme mit einem Schlag beseitigen und Staerke zeigen. Frueher fand man die Helden in der Politik, wie den ehemaligen Ministerpraesidenten Menachem Begin, oder in der Armee. Generaele, die Kriege gewannen und den Terror siegreich bekaempften (siehe Entebbe) wurden schnell glorifiziert.

Seit Tagen befindet sich die Negev - Stadt Sderot in einem erneuten Kassam - Raketenhagel und Politiker sowie Armee zeigen sich unfaehig zu reagieren. Olmerts rechte Hand Chaim Ramon schlaegt vor, Gaza und der Hamas den Strom abzudrehen, aber in Sderot haben die Bewohner gruendlich die Schnauze voll vom ewigen Gerede und handeln selbst. Man lebt im Bunker und schickt seine Kinder ganz einfach nicht mehr in die Schule. Enttaeuscht von der Politik, wendet sich die Bevoelkerung ab.

Israel sucht nach neuen Helden und da kommt die Show "A Star is Born" (die israel. Version von "Deutschland sucht den Superstar") gerade recht. Eine Show, die ich mir fast nie ansehe und die offenbar nur von Teenies eingeschaltet wird. Nach mehreren Saisons laeuft die Show nach wie vor erfolgreich und Tausende Teenies stehen vor jedem neuen Saisonbeginn Schlange vor dem Gebaeude des 2. israel. TV - Kanals, um vorzusingen und als Kandidat dabei zusein. Wie ueberall auf der Welt wollen auch israel. Jugendliche beruehmt werden und massig Geld verdienen.

Am vergangenen Mittwoch gab es das letzte Finale bei "A Star is Born" und es gewann der 20 - jaehrige Boaz Maunda. Maunda ist jemenitischer Abstammung und ein Typ von nebenan, mit dem sich fast jeder identifizieren kann. Aus aermlichen Verhaeltnissen hat er den Weg nach oben geschafft. Zumindest zeitweilig, denn fruehere Sieger verschwanden schnell in irgendwelchen Versenkungen. Hier und da hoert man von ihren Auftritten bei Provinzshows in Kleinstaedten, wo die Provinzteenies noch in Schreikraempfe ausbrechen, sobald die verstaubten Helden auf der Buehne stehen. Siehe Harel Skaad, der Teilnehmer einer frueheren Show.

Der israelische Schlagermarkt ist heiss umkaempft und die Musik teilt sich in mehrere Richtungen auf. Israelischer Pop, sephardische orientalische Klaenge (wie Eyal Golan) und religioese Musik aller Art. Vom Klezmer ueber sephardische relig. Lieder bis hin zu chassidischen Melodien ist alles dabei. Der verstorbene Rabbi Shlomo Carlebach laesst sich auch noch gut verkaufen; vor allem bei der neuen - alten Hippiegeneration oder jene, die es werden wollen.

Schaffen tun es garantiert diejenigen, deren Lieder auf dem Soldatensender "Galatz" gespielt werden. Galatz ist ein Erfolgsgarant, was auch schon die deutsche Teenie - Band Tokio Hotel zu spueren bekam. Schnell schossen sie in den Charts nach oben.

Israelische Musikfestivals sind, trotz immenser Eintrittspreise, immer gut besucht. Vor allem dann, falls sich einmal ein internationaler Star in unser Land verirren sollte. Oft geschieht das nicht, denn selbst die ewig auf Cool machenden Showstars kneifen schnell, wenn sie auch nur das Wort "Terror" hoeren. Dabei werden gerade diese Stars bewacht wie der Premierminister hoechstpersoenlich und es besteht keinerlei Gefahr.

Aber es gibt nicht nur singende Helden. Auch der russisch - israelische Milliardaer Arkadi Gaidamak gilt irgendwie als Held. Er wird zwar staendig von der Justiz wegen Geldwaesche, Waffenhandel und Steuerhinterziehung verfolgt, aber Arkadi weiss sich zu vermarkten. Der moderne Robin Hood schuettelt sein Geld ueber den Koepfen der Armen nur so aus und das kommt bei vielen an.

Dagegen hat die einstige Heldin Pnina Rosenblum etwas ausgedient. Aufgetakelt wie eh und je schwebt sie zwar immer noch mit ihrem weissblond gefaerten Haarschopf durch die High Society, aber Pninas Stern ist am Sinken. Die Selfmade - Frau aus der Kleinstadt Petach Tikwa hatte es geschafft aus armen Verhaeltnissen zur Beauty - Queen aufzusteigen. Pnina entwickelte Cremes und Parfums etc. und leitet heute einen ganzen Konzern. Pnina Rosenblum ist in Israel ein Name wie Yves Rocher in Deutschland.

Erfolg und Geld haben, beruehmt werden und unabhaengig sein, soetwas kommt an in Israel. Man will Helden sehen und seien sie auch noch so introvertiert. Keine Olmerts, Baraks oder Generaele mehr, denn die westlichen Ideale haben uns schon laengst eingeholt.

Montag, 3. September 2007

Der getarnte Antisemitismus

B"H

Als ich vor fast genau zwanzig Jahren das erste Mal nach Israel kam, da war die Welt noch irgendwie in Ordnung. Fuer die folgenden acht Monate sollte ich Kibbutz - Volontaer sein und weder ich noch die anderen Volontaere zeigten jegliche Art von politischem Interesse. Wir waren nur ganz normale Touristen, die eine gute Zeit im Kibbutz verleben wollten.

Die folgenden Jahre pendelte ich mehr oder weniger zwischen Israel und Deutschland hin und her, da ich mich nie richtig entscheiden konnte, wohin ich gehoerte. Das oft nervige Hin und Her war allerdings sehr interessant, denn immer wenn ich wieder neu in eines der beiden Laender kam, hatte sich einiges veraendert. Die Leute waren anders, selbst meine Freunde in Deutschland.

Mittlerweile gab es in Israel zwei Intifadas und unzaehlige Terrorattentate, worueber die auslaendische Presse immer besonders gern berichtet. Sobald ich nach Deutschland kam, wurde ich nach den israel. Verhaeltnissen ausgefragt. Statt Kibbutz musste ich ploetzlich Militaereinsaetze rechtfertigen. Das Problem ist nur: Wie macht man Leuten etwas klar, die fast Null Ahnung haben und die Materie und das ganze Drumherum nicht kennen ?

Wenn ich zurueck nach Israel kam, dann wurde ich nicht unbedingt ueber Deutschland ausgefragt. Eher im Gegenteil, denn das interessiert die wenigsten Leute die ich kenne. Wir reden nie ueber Deutschland. Was sich veraendert hatte und bis heute der Fall ist, dass sind die Touristen. Wenn ich heute in Jerusalem auf der Strasse einem Touristen begegne (egal aus welchem Land er kommt), dann muss ich erst einmal herausfinden, warum er hier ist. Sind es christl. relig. Gruende und wenn ja, will er missionieren oder ist er einfach nur ganz normal hier.
Nicht wenige Male stellt sich jedoch heraus, dass der Tourist einer der sogenannten Peaceniks von der Friedensbewegung ist. Es kommt vor, dass seine Ansichten nicht sofort zum Vorschein kommen, sondern sich erst nach und nach herausstellen. Es beginnt mit ganz oberflaechlichen Bemerkungen. Anscheinend gilt unter den Peaceniks die Devise, ja keinem juedischen Israeli zu trauen, denn die schreien sofort nach der Armee und der "arme" Tourist fliegt auf und aus dem Land zugleich.
Nein, im Umgang mit Israelis geben sich die Peaceniks vorsichtig, genauso wie die christlichen Missionare mit den Haredim. Man wohnt gewoehnlich waehrend seines Jerusalem - Aufenthaltes in einem Hostel in Ost - Jerusalem.

Ah, ja, aeh, am Damaskus - Tor. Ist ja nichts dabei, oder ?

Ist es da nicht zu gefaehrlich, denn gerade am Damaskus - Tor zeigt die Hamas Praesenz ? Und was ist mit dem beruehmt beruechtigten Faisal - Hostel, in dem sich alle Peaceniks und linken Journalisten aus aller Welt treffen ?

Davon weiss ich nichts, denn mein Hostel ist halt billig. Aber Hamas nein, nie gesehen.

Und was machst Du so waehrend Deines Aufenthaltes ?

Ja, gestern waren wir in Jericho und fuer morgen haben wir einen Trip Ramallah - Shechem (Nablus) gebucht. Ein palaestinensischer "Reisefuehrer" holt uns direkt im Hostel ab. Der Trip war ganz billig und irgendwie will man ja schon mal Ramallah von innen sehen.

Und was genau habt Ihr in Ramallah vor?

Tja, beim Buchen erzaehlte man uns, dass wir Arafats Grab und den ganzen Compound besuchen und danach gehts dann gleich weiter in eines der Fluechtlingslager ausserhalb. Ferner bot man uns im Hostel Kontakte zu gewissen Hilfsorganisationen an, die Volontaersplaetze in der West Bank vermitteln. Interessieren taete mich das schon, denn ich kann da sicher viel beisteuern, wenn ich palaestinensische Kinder unterrichte.

Und was weisst Du von Israel ?

Naja, ich bin gegen jeden militaerische Intervention und die Israelis unterdruecken nun einmal die Palaestinenser, und die wiederum haben ein Recht sich zu wehren. Als ich den Checkpoint nach Jericho passierte, sah ich ja selbst, wie die Soldaten die palaestinensische Bevoelkerung behandeln.

Meinst Du nicht, dass die Sicherheitsvorkehrungen berechtigt sind ? Immerhin fasste man schon kleine Kinder mit Sprengstoffguerteln am Leib.

Wie ich schon sagte, die Palaestinenser haben ein Recht sich zu wehren und die Kinder sind halt hungrig, wenn Israel dauernd Blockaden aufbaut und keine Lebensmittel hineinlaesst. Und ueberhaupt gehoert den Palaestinensern das Land und nicht den Juden. Die Juden haben nur alle verdraengt.

Laut Thora gehoert den Juden aber das Land und sie waren immerhin schon vor Koenig Davids Zeiten hier. Ganz zu schweigen von Avraham und den beiden Tempeln.

Die Tempel hat es nie gegeben, das ist alles eine erfundene Legende um den Zionismus zu rechtfertigen.

Und was ist mit den ganzen Tempelausgrabungen und der Klagemauer ?

Das kam alles spaeter und wird nur fuer die heutige Propaganda ausgeschlachtet. Genauso wie der Holocaust. Die Zeiten sind laengst vorbei und Deutschland muss immer noch zahlen. Wieso sollen wir als junge Leute dafuer buessen ? Im Krieg geschahen halt viele Dinge, aber Ihr seid ja heute auch nicht besser. Mit den Palaestinensern ist es doch der gleiche Holocaust. Und dafuer soll Deutschland finanzielle Hilfe leisten ?


So lautet heute ein ganz normales Gespraech mit den Peaceniks. War jemand davon erst einmal eine Zeit lang in Ramallah, lauten die Versionen ganz anders. Dann geht es schon richtig anti - israelisch zur Sache und eine wahre Propagandarede wird gehalten. Fakten oder die andere Seite spielen dabei keine Rolle, sondern es wird auf das Selbstverteidigungsrecht gepocht. Manchmal tun mir solche Leute nur Leid, denn sie werden von den Palaestinensern nur fuer deren Propagandazwecke benutzt. Kommen sich die Peaceniks da nicht billig vor ?

Was aber veranlasst gerade die junge deutsche Generation sich in den Ramallah - Propaganda - Apparat zu begeben ? War der Holocaust nicht genug ? Was unterscheidet die sogenannte deutsche Linke von deutschen Neonazis in bezug auf Israel ?
Beide Seiten koennen die Juden nicht ausstehen, selbst wenn sie nichts Naeheres ueber Juden wissen. Historische Ereignisse oder das Judentum an sich werden vollkommen ausgeblendet und es gibt ein Tagesschau - Haudrauf. Wir sehen die angeblich so benachteiligten und leidenden Palaestinenser und da verpflichtet uns unsere eigene Geschichte zu helfen. Und dann wird halt zurueckgeholfen.

Sicher verpflichtet die eigene Geschichte, doch sollte ein jeder nachdenken, wem er da eigentlich hilft. Oft wird schnell uebersehen, dass man sich naiv in Terrorideen einspannen laesst und selbst Al Khaida rechtfertigt. Wieso auch nicht, ist doch gerade Al Khaida gegen die USA und wir sind es auch.

Ich glaube es war vor Jahren einmal Rudolf Augstein, der schrieb, dass die Deutschen nie ihre Kriegsniederlage ueberwunden haben. Hitler war ein Diktator und und und, aber irgendwie hatte die Zeit schon was. In vielen Hirnen spuken nach wie vor Gedanken, dass Deutsche ueberlegen sind und da stoeren die USA.
Die USA stoeren und die Juden stoeren, denn ohne beide koennte das deutsche Gewissen so "rein" sein. Aber was passiert stattdessen, die USA erinnern uns an unsere historische Verpflichtung und die Juden an unser Gewissen. Kranzniederlegung im Yad VaShem und der Zentralrat.

Wer dagegen nach Ramallah faehrt, der braucht sich keine laestigen Gedanken ueber Suehne oder so machen, denn in Ramallah ist man wieder wer und darf ungezwungen seinen wahren Gedanken freien Lauf lassen.

Sonntag, 2. September 2007

Die hohen Feiertage kommen

B"H

Am 13. + 14. September feiern wir Juden das Neujahrsfest Rosh HaShana. Erev Rosh HaShana ist am 13. Sept. (Mittwoch Abend). Rosh HaShana ist ein religioeser und aeusserst wichtiger Feiertag. Nicht nur fuer Juden, sondern fuer die ganze Welt, denn G - tt richtet an jenen beiden Tagen unser privates sowie das Schicksal der Welt fuer das kommende Neue Jahr. In meinem relig. Hamantaschen - Blog gehe ich in den naechsten Tagen ausfuehrlich auf den Feiertag ein.

Aber damit nicht genug. Gleich im Anschluss an Rosh HaShana folgt der 12 - stuendige Halbfastentag "Zom Gedaliah" sowie die Aseret Yamei Teshuva (10 Tage der Umkehr, 10 Days of Repentance).
10 Tage nach Rosh HaShana begehen wir den hoechsten Feiertag im Judentum, den Yom Kippur, welcher diesesmal auf einen Shabbat faellt (22. Sept.).
Fuenf Tage spaeter folgt das Laubhuettenfest Sukkot.

Feiertage bedeuten in Israel jedesmal Stress und das nicht nur wegen der vielen Kocherei und den Kalorien.Vor allem Rosh HaShana entpuppt sich als Geschenketag. Jetzt schon stehen in den Laeden ueberall Geschenkkoerbe, die man an seine Verwandten und Freunde austeilt. Je nach Groesse und Preis des Korbes sind darin Wein, Suessigkeiten, Fruechte, Kaffee und vor allem der legendaere Rosh HaShana - Honig enthalten.
Nur einmal kurz zur Einstimmung: An Rosh HaShana essen wir Aepfel, die vorher in Honig getaucht werden. Ein Brauch, der ein suesses Neues Jahr symbolisieren soll.

Wo man auch hinschaut oder im Radio hinhoert, die Werbetrommeln schlagen kraeftig. Kaufen, kaufen, kaufen, heisst die Devise. Vom Essen bis hin zum kleinsten Honigglas, alles wird angeboten und man soll dabei sein. Wenn es geht noch heute. Auch Kinder bekommen Geschenke, was bei vielen Eltern wieder zum leeren Portemonnaie fuehrt. Religioese Familien verteilen an ihre Kids eher kleine Geschenke wie Suessigkeiten und keine Gameboys oder HighFi - Anlagen.
Gar nicht zu erwaehnen die Hotelpreislisten, die in den Tageszeitungen offeriert werden. Eilat, Tel Aviv, Tiberias, Jerusalem, alles wird zu den Feiertagen angeboten. Ich frage mich immer, wie man die Feiertage nur in einem anonymen Hotel verbringen kann. Meine Feiertage finden im trauten Heim, bei einem Rabbi, und in drei verschiedenen Synagoge statt.

Tausende Israelis fliegen ins Ausland, ob in die Tuerkei oder wie die Breslover Chassidim nach Uman in die Ukraine (zum Grabe des Rabbi Nachman von Breslov). In diesen Tagen dreht sich alles um Sonderangebote und Rabatte.
"Und wo bist Du an den Feiertagen" ?, wird aus jeder Ecke nachgefragt. Bei uns Religioesen vielleicht etwas weniger, denn jeder von uns ist mehr oder weniger daheim beim Essen oder in der Synagoge.

Andere wiederum stressen jetzt schon mit dem Hausputz herum. Alles wird organisiert und das Menu bestimmt. Und wie in jedem Jahr zu den Feiertagen zeigt sich die israel. Einsamkeit. Leute, die keine Familie haben oder aeltere Leute, deren Kinder laengst ausser Haus sind und ihr eigenes Leben fuehren, sitzen einsam daheim. Damit es nicht dazu kommt, bieten viele Hilfsorganisationen jetzt schon Hilfe an. Gemeinsame Feiern und Essen.

Zugegeben, Rosh HaShana ist im Falle der Einsamkeit kein so depressives Fest wie Pessach. Pessach ist DAS Familienfest ueberhaupt und nicht umsonst werden in der Zeit die Helplines der Psychologen besonders genutzt.

Jemand sagte einmal zu mir, dass er Rosh HaShana schon allein feiern kann, aber vor Pessach haette er jedesmal angst. Dann muesse er sich um einen Platz am Seder - Tisch kuemmmern, was so ganz allein nicht einfach sei.

Samstag, 1. September 2007

Die Russen sind schuld

B"H

Jetzt ist es offiziell und steht nicht mehr unter Militaerzensur: Die Russen sind an allem schuld.

Alle wahrsagten einen neuen Krieg im Nahen Osten in diesem Sommer, aber nichts geschah. Es gab genuegend Geruechte und die israelische Armee startete ein Grossmanoever auf dem Golan. Die syrische Seite hielt sich nicht zurueck und zeigte genauso Staerke. Ehrlich gesagt sahen wir in unseren heimlichen Alptraeumen schon syrische Atombomben auf uns zufliegen. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, wer wen angreift, aber Israel und der Erzfeind Syrien besannen sich anders.

Syrien weiss, dass es im Ernstfall unterliegt und da traut sich Assad dann doch nicht so recht. Israel ist alles anders als an einem Krieg mit Syrien interessiert. Man hat noch die Nase voll vom letzten Jahr. Als klar war, dass sich bei den Syrern in diesem Sommer nichts tut, kam der Hizbollah - Fuehrer Hassan Nasrallah wieder einmal auf den Plan. Er liebt es selbstverliebte Reden zu halten und den zionistischen Feind zu verdammen. Was soll er auch sonst erzaehlen, denn ein Parteiprogramm gibt es nicht.

Weshalb kam der syrische Praesident Assad ueberhaupt auf seine neuen Kriegsgedanken ? War es der Scharfmacher Nasrallah, dessen Geschrei durch die arabischen Laender hallte oder wollte Assad all seinen internen Kritikern zeigen, dass auch er wie sein Vater sein kann ? Aufklaerung gab uns diese Woche die Presse: Es waren die Russen.

Russische Militaerberater machten angeblich den syrischen Praesidenten so scharf, dass er fast zuschlug. Und was fuer einen Interesse koennte Putin an Syrien haben ?
Putin wuenscht sich einen Krieg im Nahen Osten, damit sein Freund Syrien von "Mutter Russland" richtig schoen abhaengig wird. Nur den Amerikanern allein goennt Putin den hiesigen Einfluss nicht und da muss halt ein Opfer her.

Wie waere es, wenn Putin seinen Kriegsdrang nach Tschetschenien verlegt, um einmal etwas Nuetzliches zu tun ?

Sonja und Shimon in der Krise ?

B"H

Bekannte der Familie berichteten der Presse, dass bei dem seit 62 Jahren verheirateten Ehepaar Sonja und Shimon Peres die grosse Ehekrise ausgebrochen sei.
Seitdem der 84 - jaehrige Shimon Peres israelischer Praesident ist und in der entsprechenden Residenz in Jerusalem lebt, hat sich Sonja noch kein einziges Mal dort blicken lassen. Kein Wunder, denn sie war vor nicht allzu langer Zeit mit kritischem Gesundheitszustand in ein Krankenhaus eingeliefert worden.
Und ueberhaupt ist es keine News, wenn die beiden raeumlich getrennt leben. Sonja blieb schon immer unscheinbar und zurueckgezogen lebte sie im gemeinsamen Apartment der Familie Peres im Tel Aviver Nobelviertel, Ramat Aviv. Waehrend sich andere Ehefrauen fuehrender Politiker gerne in Szene setzen, sass Sonja daheim und half insgeheim sozialen Einrichtungen.

Shimon Peres ist bis heute kein Kind von Traurigkeit und bekannt dafuer, nichts anbrennen zu lassen. Gemunkelt wurde schon immer gerne, dass er diverse Geliebte in Jerusalem hat und daher staendig in der Hauptstadt naechtigt. Sollte Sonja Peres dessen endlich nach 62 Jahren ueberdruessig geworden sein ? Offiziell liess Familie Peres dagegen verlauten, dass sie ein ganz normales glueckliches Eheleben fuehrt.

Gebe es doch mehr Frauen wie Sonja Peres, denn hysterische Zicken wie Sarah Netanyahu oder die Gattin des ehemaligen Aussenministers Silvan Shalom gehen uns allen maechtig auf die Nerven. Ganz zu schweigen von der immer tiefbetruebten Lea Rabin, die uns alle offen wissen liess, dass sie des nachts mit ihrem toten Gatten Yitzchak kommuniziere. Nun, Lea gibt es nicht mehr und wahrscheinlich fuehrt sie jetzt in einer anderen Welt eingehendere Diskussionen mit Yitzchak. Alisa Olmert andererseits lebt ganz in ihrer Kuenstlerwelt und malt. Gut fuer sie, denn noch jemanden mit dem Namen Olmert kann das Volk nicht mehr ertragen.

Back to School

B"H

Am Sonntag (morgen) werden Tausende israelischer Schulkinder in ihren Alltag zurueckkehren. Die Sommerferien sind beendet und morgen beginnt wieder der Ernst des Schullebens.

Kein Land auf der Erde macht um den alljaehrlichen Schulbeginn soviel Wirbel wie Israel. Hysterische Eltern wollen nur die besten Lehrer fuer ihre Kids und wenn die Lehrkraft nicht so funktioniert wie es die Eltern gerne haetten, dann hagelt es Beschwerden aus allen Richtungen.

Ein Freund von mir arbeitete einige Jahre als Lehrer an verschiedenen Schulen in Jerusalem und erlebte sein blaues Wunder. Morgens Zoff mit aufsaessigen Kids und nachmittags wurde er von entruesteten Eltern niedergemacht. Nicht zu erwaehnen der Dauerstreit um das Lehrergehalt, welches in Israel besonders niedrig angesetzt ist. Aus dem Grunde musste mein Bekannter gleich bei mehreren Schulen arbeiten, um ueberhaupt seine Miete zahlen zu koennen. Und eine Schule allein war nicht bereit, ihn aus Kostengruenden ganztags einzustellen.

Sonntag also werden fuehrende Politiker in allen Schulen Israels sein und kinderfreundliche Reden schwingen. Berichtet wird dann gerne aus Schulen der sozial besser gestellten Viertel. In sozial schwache Viertel und deren Schulen verirren sich nicht viele, denn dort warten zu laestige Fragen.
Wieso ist der Schulbuchetat nicht hoeher, wenn doch viele Kinder deren Eltern Sozialhilfe empfangen sich keine neuen Buecher leisten koennen ? Und ueberhaupt ist das Thema Schulgeld sehr wichtig in Israel, denn Schulen kosten hier Geld. Je besser die Schule, desto mehr Geld.

Ob religioes oder nicht, die Eltern werden zur Kasse gebeten. Kinderreiche Familien erhalten allerdings Rabatte und die Schulen der sephardisch - haredischen SHASS - Partei sind ganz umsonst. Aber wer will schon einen kleinen Shassnik in der eigenen Familie ertragen ?