Freitag, 10. August 2007

Strompreis steigt ins Unermessliche

B"H

Vor einiger Zeit wurde endlich das Gesetz erlassen, dass das Wasser von den Behoerden nicht mehr bei den Leuten abgestellt werden darf, welche die Wasserrechnung nicht bezahlten. Ein grosser Fortschritt fuer den aermeren Teil der Bevoelkerung.

Strom dagegen darf bei Nichtbegleichung der Rechnung abgestellt werden und so zittern Tausende alle zwei Monate vor der zu erwartenden Stromrechnung. Vergangenen Monat wurden die Strompreise um 4,7 % erhoeht.
Heute nun heisst es in der Tageszeitung MAARIV, dass die Chevrat HaChashmal (Stromversorgung) eine erneute Erhoehung des Strompreises plant. Naemlich um ganze satte 5 %. Grund fuer die Erhoehung sei, dass einfach zu wenig Strom in Israel produziert werde.

Donnerstag, 9. August 2007

Rina Borenstein aus dem Kibbutz Givat Brenner

B"H

Ich konnte es kaum glauben, aber durch puren Zufall fand ich Rina Borenstein aus dem Kibbutz Givat Brenner bei Rehovot auf Youtube.
Sechs Monate lang war ich im Jahre 1995 Ulpanist (im Hebraeischsprachkurs) von Givat Brenner und lernte Rina in der Kueche kennen. Sie machte die besten Schokoladenkuchen, die ich kenne. Leider verstarb Rina im Juni 2000 und das Video ist zu ihrer Erinnerung.


Jerusalem im August

B"H

Der August ist fuer die Jerusalemer, wahrscheinlich sogar fuer alle Israelis, ein Langeweile - Monat. Bis Anfang September sind noch Schulferien und wer nicht gerade in die Tuerkei oder sonstwohin in den Urlaub geflogen ist, der muss sehen, wie er die Zeit am besten verbringt.

Die Haredim haben schon lange ihren Lieblingsplatz entdeckt. Jeden Spaetnachmittag verwandelt sich der Sacher - Park in eine haredische Picknick - Kolonie. Ueberall dampft es auf den Grills und es geht anstaendig zu. Keine halbnackten Leute, sondern brave Buerger, die mit ihrer Kinderschar das Gruen besetzen.

In der Ben Yehuda feiert dieser Tage die "Jewish Agency for Israel" ein Fest, dessen Grund mir unklar ist. Es kann sein, dass immer noch das 40 - jaehrige Jubilaeum Jerusalems gefeiert wird. Vor 40 Jahren wurde Jerusalem nach dem gewonnen Sechs - Tage - Krieg wieder zu einer vereinten Stadt.
Die gesamte Ben Yehuda ist seit Tagen gesperrt und wer hinein will, der muss erst die Sicherheitskontrollen passieren. Drinnen angekommen hoert man dann verschiedene Konzerte und Photos oder Gemaelde von Neueinwanderern werden ausgestellt. Die Hauptaufmerksamkeit gehoert allerdings den Kindern, die Artistenshows am Zion - Square anschauen koennen. Ausserdem gibt es Staende, an denen Kinder malen koennen. In Israel gehoert die Aufmerksamkeit immer den Kindern und es gibt kein Fest ohne Kinderattraktionen.

Ein weiteres Kinderfest findet jeden Spaetnachmittag vor dem Rathaus am Kikar Safra statt. Die Stadt liess unzaehlige bemalte Baeren aufstellen und nennt das Ereignis "Buddy Baers - The Art of Tolerance". Was dort genau ablaeuft, weiss ich allerdings nicht. Vielleicht sollte ich einmal hingehen und mitspielen.

Ordenvergabe

B"H

Ein Jahr ist seit dem Libanon - Krieg vergangen und jetzt ist die Zeit fuer die Ordenvergabe gekommen. 142 Soldaten, darunter einige Verstorbene, sollen mit Orden ausgezeichnet werden. Dreierlei verschiedene Level stehen dabei zur Auswahl und zwei davon werden vom Oberbefehlshaber persoenlich vergeben.

Die Olmert - Regierung versagte im Krieg, doch es ist unbestreitbar, dass die Soldaten ihren Dienst ausfuehrten und immer noch erfahren wir von aussergewoehnlichen Ereignissen, die sich vor einem Jahr zutrugen. Da bekommt ein Sanitaeter einen Orden, denn er rettete unter feindlichem Feuer Verletzte und natuerlich darf die Story des Roi Klein nicht fehlen. Nicht wenige Male wurden den Nationalreligioesen vorgeworfen, Roi Klein nur fuer sich auszuschlachten, was nicht unbedingt der Wahrheit entspricht.
Roi Klein, ein 31 - jaehriger religioeser Soldat der Golani - Eliteeinheit und wohnhaft in der relig. Siedlung Eli, sprang auf eine Handgranate, die auf seine Einheit geworfen wurde. Um seine Soldaten zu retten, ueberlegte er nicht lange und sprang.

Der Diesengoff - Platz wird wie einst

B"H

Wer jemals in Tel Aviv war der kennt ihn bestimmt: den Diesengoff - Platz in der Diesengoff Street. Die Buslinie 5 vom Zentralen Busbahnhof bringt einen, am Bima - Theater vorbei, direkt zum Diesengoff - Center und Diesengoff - Platz.

Bei dem Platz handelt es sich um eine haessliche Empore, die oberhalb der Diesengoff Street errichtet wurde. Unten fliesst der Dauerverkehr und oben sitzten Leute um einen Brunnen herum. Romantisch koennte man meinen, doch vom ersten Moment an hasste ich den Platz. Viel zu kuenstlich und die Umgebung in der Pinkser Street ist auch nicht die beste.

Nun soll sich alles wieder in die Vergangenheit zurueck verwandeln. Einst gab es am Diesengoff - Platz einen Brunnen mit viel Gruen drumherum. Allerdings nicht auf einer Empore, sondern direkt unten an der Strasse. Und genau das will man wieder einfuehren; die haessliche Empore kommt weg und der Platz wird wie einst.

Mittwoch, 8. August 2007

Die geduldete Verweigerung

B"H

Die Tageszeitung MAARIV berichtet heute in grosser Aufmachung ueber das Thema Befehlsverweigerung bei der Armee. Wurden doch vorgestern in Hebron sogenannte illegale Siedler aus mehreren Hebroner Apartments am Markt von der Armee geraeumt. Zwoelf religioese Soldaten hatten den Befehl verweigert und sitzen nun fuer einige Wochen im Militaergefaengnis.

Schon seit geraumer Zeit verweigern immer mehr Soldaten den Befehl, Siedlungen zu raeumen. MAARIV berichtet von einigen Hunderten. Um die genaue Zahl nicht bekannt werden zu lassen und ueberhaupt jenes Thema zu meiden, haben Offiziere offenbar einen bequemen Ausweg gefunden. Sie geben den Verweigerern ihrer Kompanie Familienurlaub, lassen sie krankschreiben oder schicken sie zum Geschirrspuelen.
Wer will als Offizier schon gerne in die landesweiten Schlagzeilen und alle erfahren, dass seine Soldaten Befehle verweigern. Lieber einen Ausweg finden als in die Presse.

Gestern beschlossen die Kibbutzim, dass sie ihre jugendlichen Wehrpflichtigen in die Chatifat Kfir (eine Eliteeinheit) schicken wollen. Soldaten von Kfir sind oftmals an Raeumungen beteiligt und die Kibbutzim glauben, dass ihre Jugendlichen in der Einheit Gutes tun koennen; sorgsam sollen sie mit den religioesen Geraeumten umgehen und keine Gewalt anwenden.

Am letzten Freitag veroeffentlichte die MAARIV uebrigens einen laengeren Artikel ueber die Kfir - Einheit. Ein junger Offizier zog mit fuenf weiteren Soldaten in ein palaestinensisches Dorf aus. Unterwegs kidnappten sie ein Taxi und bedrohten bzw. schossen auf einen Palaestinenser. Der Vorfall geschah ohne Wissen der Vorgesetzten und nur auf alleinige Anleitung des jungen Offizieres, der spaeter als zu engagiert bezeichnet wurde.

Manchmal frage ich mich wirklich, was fuer Leute eigentlich in den Offizierskursen sitzen. Haette nicht bekannt sein muessen, dass jener Offizier voellig ungeeigent ist und ueberemotional reagiert ?

Nun wartet er zusammen mit seinem Kollegen, der geschossen hat, auf den Prozess. Die restlichen vier wurden zur Einheit zurueckgeschickt. Bei Kfir fuerchten die Soldaten nun wegen eines irren Soldaten um ihren Ruf.

Primaries beim LIKUD

B"H

Am 14. August waehlt die LIKUD - Partei ihren neuen Vorsitzenden, der damit auch gleichzeitig Kandidat fuer das Amt des Premierministers bei den naechsten Knesset - Wahlen wird. Die LIKUD - Mitglieder haben die Wahl zwischen Benjamin Netanyahu und Moshe Feiglin.

Fuer viele scheint Netanyahu der eindeutige Favorit zu sein, doch bin ich mir da nicht so sicher. Anscheinend denkt Netanyahu genauso, denn schon scheint er seinen Konkurrenten beim Gericht verpetzt zu haben. Moshe Feiglin soll zu rechts sein. Zu rechts fuer die Demokratie ?

Feiglin sieht in der Attacke nur die Angst von Benjamin Netanyahu von den eigenen Parteimitgliedern ausgeschaltet zu werden. Heutzutage gebe es keinen Unterschied mehr zwischen Netanyahu und dem linken Verteidigungsminister Ehud Barak. Er, Feiglin, dagegen, will mit den Links - Rechts - Kompromissen Schluss machen und den LIKUD wieder zu dem machen, was er unter Menachem Begin einmal war.

Naechste Woche wissen wir mehr…..

Dienstag, 7. August 2007

Befehlsverweigerung

B"H

Gestern war es einmal wieder soweit; in Hebron sollten illegale Haeuser geraeumt werden. Nationalreligioese Bewohner und Organisationen hatten Widerstand angekuendigt und so rueckte die Armee mit einigen Hundert Mann an. Zwoelf nationalreligioese Soldaten einer Gadur - Einheit (Eliteeinheit) verweigerten den Befehl, die Bewohner zu raeumen. Armee und Politik zeigten keine Gnade und so wurden die Zwoelf ihrer Raenge enthoben (zwei davon sind Offiziere) und muessen fuer 2 - 4 Wochen ins Militaergefaengnis.

Die israelische Presse stellt heute ganz gross die Frage, ob es eine Befehlsverweigerung geben darf ? Uebrigens ist es nicht das erste Mal, dass dieses Thema diskutiert wird, aber auf die Nationalreligioesen scheint man es besonders abgesehen zu haben.
Und so geht auch die Tageszeitung "Israel HaYom - Israel Heute" ausfuehrlich auf das Thema ein. Die Meinungen ueber das JA oder NEIN gehen sehr weit auseinander. Was eine Befehlsverweigerung rechtfertigt ist, dass Juden nicht Juden von ihrem Hab und Gut schmeissen koennen. Religioese koennen nicht auf andere Religioese gehetzt werden. Die Armeefuehrung haette schon im Vorfeld keine relig. Soldaten dazu abstellen sollen. Wieso passierte dies ueberhaupt ? Konnten keine anderen Einheiten gefunden werden oder war man nur auf ein weiteres Politikum aus ?
Die Religioesen verwiesen auf die Thora und hatten damit nationalreligioese Rabbiner auf ihrer Seite, die sie diesesmal wirklich unterstuetzten und nicht nur redeten.

Allerdings nicht alle, denn Rabbi Yehudah Amital schreibt in "Israel Hayom", dass keinerlei Befehlsverweigerung, aus welchen Gruenden auch immer, in Frage kaeme. Wo kommen wir denn hin, wenn ploetzlich jeder Soldat seine eigenen Interessen entdeckt und verweigert ? Und ausserdem hilft die Befehlsverweigerung den Leuten in Hebron sowieso nicht. Verweigert der eine, kommt halt ein anderer und fuehrt den Befehl aus. Was soll' s also ?

Andere Journalisten wiederum sehen die Soldaten nur als Spielball der Politiker. Ehud Olmert bekommt seine Genugtuung, denn er kann einmal wieder mehr auf die Unzuverlaessigkeit der Nationalreligioesen verweisen und hetzen. Und rechte Politiker schlagen sich auf die Seite der Verweigerer. Olmert gegen die Opposition und umgekehrt.

Wenn mich jemand fragt, wie ich reagieren wuerde….ich weiss es nicht und war, G - tt sei Dank, noch nie in solch einer Situation. Das Problem ist von vornherein, dass wenn jemand zur Armee geht, er damit rechnen muss, in unangenehme Konfliktsituationen zu geraten. In Israel ist nichts eitel Sonnenschein wie anderswo. Jeder muss damit rechnen, in einen Krieg mit reingezogen zu werden und eventuell sein Leben zu verlieren. Andererseits kann ich keine Befehle ausfuehren, die gegen mein Gewissen gehen. Bestes Beispiel hierfuer sind die Verbrechen von deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Damals hiess es auch, alles sei Befehl gewesen.

Eine perfekte Antwort oder Loesung auf die Frage der Verweigerung kann ich nicht anbieten. Ich bin halt keine Armee - Person und eigentlich ganz froh darueber.

Weitere Preisanstiege

B"H

Es war zu erwarten, dass nach der Verteuerung des Brotes nun auch landesweit die Preise fuer Milchprodukte ansteigen. Joghurt, Frischmilch, Kaese, etc. sollen um 3,8 % teurer werden.

Im Gegensatz zu Europa liegen die israelischen Preise fuer Milchprodukte eh schon ueber dem Durchschnitt. Noch nie, ausser in der Schweiz, habe ich den Joghurt so teuer eingekauft wie in Israel. Die Haredim springen auf Billigprodukte um, was ich auch einmal versuchte. Einmal, aber nie wieder, denn alles schmeckte nach Plastik und Chemikalien. Ehrlich gesagt fragte ich mich, ob das wirklich Milch von einer Kuh sei oder eine zusammengemischte Chemiepampe. Was bleibt sind die regulaeren teuren Joghurts von Tnuva, wo wenigstens ein gewisser Milchinhalt vorhanden ist.

Europa und vor allem in Deutschland steht man auf "light" . Auch in Israel hat sich dieser Trend schon vor langem durchgesetzt, gilt doch auch in unserem Land der Schlankheitswahn. "Light" ist gleich noch um einiges teurer und deshalb entschloss ich mich, auf jegliche Diaeten zu verzichten. Muss ich halt sehen, wie ich mich mit meinen 70kg vorwaerts bewege…

Internationales Puppentheater

B"H

Noch bis zum 10. August findet in Jerusalem das internationale Treffen verschiedener Puppen - bzw. Marionettentheater statt. Wer Interesse an einem Besuch hat, der kann sich auf der Website der Stadt Jerusalem naeher informieren.

Sonntag, 5. August 2007

"נצולי השואה עדיין כאן"

So lautet das Motto einer weiteren Demo, die gerade vor dem Office von Premier Olmert stattfindet.

"Die Holocaust - Ueberlebenden sind immer noch hier".

Verschiedene Organisationen hatten heute dazu aufgerufen, an einem sogenannten "March of the Living" teilzunehmen. Dieser fuehrte vom Rosengarten im Sacher - Park, am Obersten Gerichtshof vorbei bis hin zu Olmerts Office.

Ich komme gerade von der Demo und schaetzte die Teilnehmerzahl auf ueber 1000 Leute. Laut offiziellen Presseberichten nehmen 5000 Menschen an dem Marsch teil.
Bei meinem Eintreffen im Rosengarten traf ich gleich auf mehrere Zeltdemos. Darunter auch jene, die ueber Nacht ihre ganze Habe verloren, weil ein bekanntes israel. Bauunternehmen pleite machte und der Besitzer sich ins Ausland absetzte.
Die Leute hatten in Neubauwohnungen investiert, im voraus gezahlt und nun machte das Unternehmen pleite. Die Wohnungen befinden sich noch im Rohbau und niemand fuehlt sich fuer den Schaden verantwortlich.
Jetzt sitzen die Betroffenen ohne Geld und Wohnung im Sacher - Park und campieren in Zelten.

Der Treff der Holocaust - Demo lag etwas weiter oberhalb auf einem Huegel; genau vor dem Teich und Eingang zum japanischen Garten. Die gesamte israelische Presse war schon versammelt. Ueberlebende wurden interviewt und Leute diskutierten ueber die Regierung und deren Absicht, jedem Ueberlebenden monatl. 88 Shekel (ca. 17 Euro) zu ueberweisen.

Was mir auffiel, war die ungewoehnlich hohe Anzahl junger Demo - Teilnehmer. Ganze Jugendgruppen waren dort. Dann machte man sich auf zum "March of the Living", der aeusserst friedlich verlief und die Polizei nur betroffen dastand.

Eines ist sicher: Die Ueberlebenden geniessen die Sympathie der Bevoelkerung und Olmert will sich mit ihnen noch diese Woche treffen. Eine endgueltige Entscheidung ueber die Hoehe des finanziellen Ausgleiches koenne sich jedoch noch mehrere Monate hinziehen.

Die Raeumung Gush Katifs einmal anders betrachtet

B"H

Vor genau zwei Jahren machte Gush Katif, der israel. Norden des Gaza - Streifens traurige Schlagzeilen. Der damalige Premier Sharon hatte die Raeumung des Gush und die Rueckgabe an die Palaestinenser beschlossen. An eine Uebernahme Gazas durch die Hamas wagte damals noch niemand zu denken. Im Gegenteil, man traeumte einmal wieder mehr und einmal wieder mehr umsonst vom Frieden. Sharon zog seine Raemungspolitik rigoros und auf Kosten der Bewohner des Gush durch.

Bis heute leiden viele ehemalige Bewohner an den Folgen und Traumata der Raemung. Schadenausgleich, der von Sharon so propagandiert worden war, traf nur teilweise ein und viele leben bis heute ohne Job oder Geld halb auf der Strasse. Ein ganz grosser Traum vieler Bewohner wurde bisher selten erfuellt. Fast alle Siedlungsbewohner wollten zusammen bleiben und woanders ihre Siedlung wieder aufbauen. Der Zusammenhalt war und ist erstaunlich.

Die israel. Tageszeitung MAARIV wartete in den letzten zwei Wochenendausgaben mit sehr guten Berichten ueber ehemalige Gush Katif - Bewohner auf. Zwei sehr gute Artikel aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Zum einen gibt es jene total Frustrierten, deren Kinder massiv gegen die Raeumung demonstrierten, und zum anderen selbstverstaendlich jene, denen es gutgeht und die wieder Mut gefasst haben.
Nationalreligioese Rabbiner und rechte Politiker riefen vor zwei Jahren zum aktiven Widerstand auf. Sollte es zu Verhaftungen kommen, ja, dann koenne Hilfe erwartet werden. Aus Idealismus machten sich unzaehlige Jugendliche, meist ohne Zustimmung der Eltern, sofort auf, Hauptstrassen mit brennenden Reifen zu blockieren oder Steine auf Polizisten zu schmeissen. Bei der Raeumung selbst wurde ein Synagogendach besetzt und Farbe etc. auf Polizisten geschuettet.
Viele Verhaftungen fanden statt und die Mehrzahl wurde kurz darauf wieder freigelassen. Aber nicht selten ohne einen Aktenvermerk bei der Polizei, was einer Art Vorstrafe gleichkommt. Zumindest erscheint es auf jedem polizeilichen Fuehrungszeugnis. Andere wiederum wurden angeklagt und mussten teure Anwaelte engagieren.

Von Seiten der Rabbiner und der rechten Politiker gab es ploetzlich keine Hilfe zu erwarten. Nach der Raeumung war alles aus und zum aktiven Widerstand wollte keiner mehr aufgerufenhaben. So habe man das schliesslich nicht gemeint und Rabbi Shlomo Aviner, zuvor einer der Hauptpropaganda - Akteure, wollte ploetzlich keine Kinder mehr fuer Demos ausgenutzt wissen wollen.
Eltern und Kinder koennen seither sehen, wie sie Anwaltskosten zahlen und die polizeilichen Vermerke aus der Vergangenheit ihrer Kinder streichen. Akut wird das Thema, wenn der Jugendliche zur Armee eingezogen werden soll und ploetzlich nicht mehr in Elite - Einheiten aufgenommen werden kann. Wenn nicht Vorstrafe eh den Einzug in die Armee verhindert. Und wer will ueberhaupt Jobs an Vorbestrafte vergeben ? Vielen scheint die Zukunft ruiniert. Wenn sie das nur vorher gewusst haetten, waere alles anders verlaufen.

Ganz anders spricht da ein Ehepaar mit drei Kindern aus der ehemaligen Gush - Siedlung Eli Sinai. Nachdem sie von der Armee aus ihrem Haus auf die Strasse gesetzt wurden, verbrachten sie viele Monate in einem Zeltlager mit anderen Gush - Bewohnern. Man wollte zusammen bleiben und irgendwo von vorn beginnen.
Dann aber hatte das Ehepaar die Schnauze voll von Israel und wollte an einen anderen Ort ziehen, um vergessen und vergeben zu koennen. Man buchte Australien und nach einigem Herumwandern fanden sie eine Bleibe an der sogenannten Gold Coast. Zusammen mit einem befreundeten Paar eroeffneten sie eine koschere Catering - Firma fuer die jued. Gemeinde mit ihren 4500 Mitgliedern. Auch von den Moslems sind sie anerkannt, denn ihr Catering entspricht den moslemischen Religionsregeln genauso.

Seit einem Jahr lebt die Familie in Australien und ist gluecklich. Vergeben haben sie dem Staat Israel noch nicht so ganz, sehen aber dennoch ihre Zukunft wieder in Israel. In einigen Jahren vielleicht, zusammen mit anderen Bewohnern aus Eli Sinai. Nichts gehe halt ueber Israel.

Demo der Ueberlebenden

B"H

Zur Stunde findet vor Olmerts Office eine Demonstrations der Holocaust - Ueberlebenden statt. Grund ist die monatl. Rentenzulage von nur 100 Shekel (20 Euro), die jene Ueberlebenden erhalten sollen, die unterhalb der Armutsgrenze leben.

Freitag, 3. August 2007

Israel aus zwei Perspektiven

B"H

Anflug auf Ben Gurion Airport




Sar - El, Volontaersprogramm fuer die israelische Armee

Schlagzeilen

B"H

Die Zeitung Maariv weiss heute nicht so recht, was sie berichten soll und spulte eigentliche Kurznachrichten als Schlagzeilen herunter.

1. Talli Fachimah sucht eine Wohnung in der palaestinensischen Kleinstadt Umm - al - Fachem. Talli hat von Israel gruendlich die Schnauze voll und glaubt, dass sie bei den Palaestinensern besser aufgehoben sei.
Der Buergermeister von Umm - al - Fachem hiess sie schon im voraus herzlich willkommen. Allerdings sucht Talli immer noch Bleibe und Job.

2. Die syrische Armee will von der libanesischen Hizbollah gelernt haben und plant angeblich einen Guerilla - Krieg gegen Israel. Statt Atom - oder Langstreckenraketen will man Katyushas abschiessen. So schaue es nicht nach Krieg aus, aber immerhin koenne man den Feind Israel auf den Beinen halten. Und ausserdem kuemmert sich das Ausland eh nicht um Katyuschas, siehe Nordisrael und Sderot. Also alles ganz legal in den Augen Syriens.

3. Immer mehr Israelis werden um ihr Geld gebracht. Investieren heisst seit langem die Devise und der Traum eines jeden Israelis (ausser mir) ist eine schicke Neubauwohnung irgendwo am Stadtrand. Wenn es geht in einer guten Gegend mit "normalen" Leuten und ohne Sozialschmarotzer. Dass man selber dabei hohe Kredite aufnimmt und sich in Schulden stuerzt, spielt keine Rolle, denn die Nachbarn brauchen ja nicht alles zu wissen.
Bezahlt wird noch vor dem Neubau vieler exklusiver Wohnbloecke und wenn dann das Bauunternehmen, wie in vielen Faellen, pleite macht, ist das Geld futsch und man steht auf der Strasse. Vielen Israelis ergeht es gerade so und die Jerusalemer Polizei hat einen unfertigen Neubau im Stadtteil Har Chomah vor der Erstuermung wuetender Investoren geschuetzt.