so lauten heute die Ueberschriften in den israelischen Tageszeitungen. Ministerpraesident Olmert kaempft schon seit Ewigkeiten ums Ueberleben, doch kommende Woche soll alles noch viel schlimmer kommen. Der Endkampf sozusagen.
Diese Woche wurde er eines weiteren Veruntreuungsskandales beschuldigt und naechsten Montag soll der erwartete Bericht der Winograd - Kommission (siehe Beitrag weiter unten) veroeffentlicht werden.
Politiker aus Olmerts eigener Kadima - Partei sagen, dass sie den Premier nur aus dem Grund nicht rausschmeissen, weil sonst die ganze Partei fallen wuerde. Jeder will natuerlich sein Poestchen behalten und sollte Olmert naechste Woche fallen, gehen alle mit ihm.
Die Tageszeitung MAARIV veroeffentlichte schon heute einige Auszuege aus dem Bericht. Eine kleine Anmerkung vorweg: Bei dem Bericht wird es sich vorlaeufig nur um einen Teilbericht handeln. Der endgueltige Abschlussbericht erfolgt spaeter.
Laut Maariv haben Olmert, Verteidigungsminister Amir Peretz und der ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkraefte Dan Chalutz im zweiten Libanon - Krieg 2006 voellig versagt. Vor allem die israel. Zivilbevoelkerung war den Raketenangriffen der Hizbollah schutzlos ausgeliefert.
Schon wenige Wochen vor dem Kidnapping der zwei israel. Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev hatte die Armeefuehrung Hinweise auf eine von der liban. Hizbollah geplanten Entfuehrung israel. Soldaten. Ernst genommen wurden diese Hinweise nicht. Auch sah man seit dem Abzug der israel. Armee aus dem Libanon im Fruehsommer 2000 untaetig zu, wie die Hizbollah den Grenzstreifen zwischen dem Libanon und Israel besetzte, Bunker baute und unbesorgt ihre Waffen in Richtung Israel in Schussposition brachten. Der damalige Premier Sharon sowie der ehemalige Oberbefehlshaber Shaul Mofaz wussten davon. Unternehmen tat niemand etwas.
Der vorlaeufige Winograd - Bericht, der sich mit der Zeit des Abzuges 2000 bis zu den ersten Kriegstagen im Juli 2006 beschaeftigt, wird in Israel mit grosser Spannung erwartet.
Am Montag um 16.00 Uhr wird es soweit sein. Es gibt eine Pressekonferenz und der Bericht wird auch ins Internet gestellt. In Hebraeisch und Englisch:
http://www.vaadatwino.org.il/
Alltägliches Leben in Jerusalem - Sarkastische Stories - Witziges und Ernstes -------- Copyright All rights reserved - 2006 - 2012 ---- All Texts are written by Miriam Woelke.
Freitag, 27. April 2007
Yom Yerushalaim
B"H
Ueberall in Israel sind nun die Trauer -bzw. Feiertage erst einmal vorbei. Ueberall, nur nicht in Jerusalem. Eine Woche vor dem relig. Shavuot - Fest feiern wir Mitte Mai Yom Yerushalaim, den Jerusalem - Tag.
An diesem Tag wird die Befreiung Jerusalems durch die israel. Armee im Sechs - Tage - Krieg 1967 gefeiert. Bis zu dem Zeitpunkt hielten die Jordanier viele Teile Jerusalems, darunter auch die Altstadt, besetzt. Seit dem Kriegsgewinn ist es Juden wieder moeglich, ungestoert und zu jeder Zeit zur Klagemauer (Kotel) zu gehen.
Yom Yerushalaim wird in diesem Jahr ganz gross gefeiert, jaehrt sich doch der Sechs - Tage - Krieg zum 40. Mal.
Ueberall in Israel sind nun die Trauer -bzw. Feiertage erst einmal vorbei. Ueberall, nur nicht in Jerusalem. Eine Woche vor dem relig. Shavuot - Fest feiern wir Mitte Mai Yom Yerushalaim, den Jerusalem - Tag.
An diesem Tag wird die Befreiung Jerusalems durch die israel. Armee im Sechs - Tage - Krieg 1967 gefeiert. Bis zu dem Zeitpunkt hielten die Jordanier viele Teile Jerusalems, darunter auch die Altstadt, besetzt. Seit dem Kriegsgewinn ist es Juden wieder moeglich, ungestoert und zu jeder Zeit zur Klagemauer (Kotel) zu gehen.
Yom Yerushalaim wird in diesem Jahr ganz gross gefeiert, jaehrt sich doch der Sechs - Tage - Krieg zum 40. Mal.
Donnerstag, 26. April 2007
Abgestiegen
B"H
In Deutschland redet man gern von der "Unterschicht" oder HARTZ IV. Mit dem neuen Begriffen von HARTZ kann ich wenig anfangen, denn ich habe die ganzen Gesetzesaenderungen nicht verfolgt. Frueher war es in Deutschland einmal so, dass wenn jemand Sozialhilfe bekam, ihm von der Wohngeldstelle die Miete gezahlt wurde. Ob das in HARTZ IV noch so geregelt ist, weiss ich nicht.
Falls ja, sind das Zustaende, von denen ein Israeli nur traeumen kann. Wer in Israel Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld erhaelt, der muss seine Miete davon aus eigener Tasche zahlen. Es gibt zwar gesetzliche Beihilfen wie einen kleinen Mietzuschuss oder Verguenstigungen bei der Stadtsteuer, doch ansonsten geht das meiste Geld fuer die Miete drauf.
Wohlgemerkt Mieten werden in Israel ueberwiegend in Dollar berechnet. Der Dollar befindet sich derzeit im freien Fall (4.02 Shekel = 1 Dollar), was sich aeusserst guenstig fuer die sozial Schwachen auswirkt, denn die zahlen folglich weniger Miete.
Wie kommen also Dauerarbeitslose und chronische Sozialfaelle ueber die Runden ? Ganz zu schweigen von chronisch Kranken, die auch noch ihre Medikamente teilweise selbst zahlen muessen. Und was ist mit alleinerziehenden Muettern ?
Fuer diejenigen, die sich hohe Mieten nicht leisten koennen, hat der Staat Sozialwohnungen eingerichtet. Shikun heisst das auf Hebraeisch. Wie ueberall muss man sich fuer eine staedtische Sozialwohnung erst qualifizieren. Armut oder Obdachlosigkeit allein reichen nicht aus. Ein Bekannter von mir ging zum Ministerium des sozialen Wohnungsbaus (Misrad HaShikun) und dort bekam er gesagt, dass seine Obdachlossigkeit nicht fuer eine sofortige Hilfe ausreiche. Tja, wenn er Alkoholiker oder drogenabhaengig waere, ja, dann bekaeme er sofort eine Wohnung zur Verfuegung gestellt. Wer krank ist, bekommt auch schnelle Hilfe, aber ansonsten sind die Wartelisten fuer eine Jerusalemer Sozialwohnung lang. Bis zu 10 Jahre kann es dauern, dass einem eine Wohnung vermittelt wird. Es sei denn, jemand erklaert sich bereit, in die Negev zu ziehen. Dimona, Arad oder Mitzpeh Ramon. Dort gibt es haufenweise freie Sozialwohnungen.
Normalerweise will aber derjenige irgendwie raus aus seiner finanziellen Misere und doch noch einen Job ergattern. Wer aber ersteinmal in der Negev sitzt, der bleibt ohne Job, denn es gibt dort keine Arbeit. Um nicht fuer immer als sozial abgestiegen zu gelten, will die Mehrheit der Antragsteller natuerlich Sozialwohnungen in Tel Aviv oder Jerusalem. In den Zentren, wo es noch moeglich ist, Jobs zu finden.
Wer erst einmal eine Sozialwohnung hat, der kann sein Leben lang darin wohnen bleiben und zahlt zwischen 70 und 300 Shekel Miete im Monat (ca. 15 - 60 Euro).
Ob es allerdings immer eine gute Idee ist, in den Shikun zu ziehen, bleibt dahingestellt. In Jerusalem befinden sich die meisten Sozialwohnungen in zwei Stadtteilen, in Katamonim (Katamon 8) und in Kiryat Yovel - Kiryat Menachem. Zwei Strassen sind dafuer besonders beruehmt. Zwei Strassen, die in zwei weit voneinander entfernten Stadtteilen liegen, aber dennoch mit der gleichen Buslinie (18) zu erreichen sind. Zwei Endstationen der Buslinie.
Das eine ist die Rabbi Shimon Bar Yochai - Strasse in Katamonim, nahe dem Einkaufsparadies Canyon Malcha, und die andere Strasse ist die Stern - Strasse im Stadtteil Kiryat Yovel.
Ein kurzer Blick auf die trostlosen heruntergekommenen Wohnbloecke reicht aus um den Besucher zu vergraulen. Freiwillig geht dort keiner hin. Tagsueber ist es moeglich durch die Nachbarschaft zu gehen, am Abend dagegen sieht die Sache anders aus. Wer abends vor allem durch die Bar Yochai geht, der wird schonmal von Jugendgangs angemacht oder es werden ihm Drogen angeboten. In der Bar Yochai wimmelt es von russischen und aethiopischen Neueinwanderern, die einen sozialen Brennpunkt darstellen. Die russische Neueinwandererbevoelkerung hat es aus vielerlei Gruende sehr schwer, von Israelis akzeptiert zu werden. Ihren Frust lassen sie in der Bar Yochai an den Aethiopier aus, die von ihnen als das allerletzte der Gesellschaft betrachtet werden. Aber nicht nur in der Bar Yochai, sondern auch anderswo kommen rassistische Sprueche.
Im entgegengesetzten Kiryat Yovel, in der Stern - Strasse, geht es nicht viel besser zu. Der Unterschied ist aber, dass in der Stern ueberwiegend aeltere Menschen wohnen, wovon auch wieder ein hoher Anteil russische Neueinwanderer sind.
Kein Jerusalemer, der hier nicht wohnt, geschweige denn ein Tourist, verirrt sich in diese Gegenden. Als Normalbuerger liest man in der Zeitung von Armut oder sieht die Bettler in der Innenstadt oder an der Klagemauer. Aber wer weiss schon, wie die Menschen im Shikun leben ?
Einmal fuhr ich in der Buslinie 18 Richtung Kiryat Yovel und verpasste eine Haltestelle. Prompt landete ich an der Endstation in der Stern - Strasse und traute meinen Augen nicht. Wohnbloecke, an denen weisse und graue Farbe abblaetterte und alles strahlte Hoffungslosigkeit aus. Das Wetter war noch trostlos dazu.
Wer die Bar Yochai und die Stern sieht, der erhaelt den oberflaechlichen Eindruck, dass wer sich einmal dort befindet, nicht wieder herauskommt. Es waere interessant zu erfahren, ob das Gegenteil der Fall ist.
In Deutschland redet man gern von der "Unterschicht" oder HARTZ IV. Mit dem neuen Begriffen von HARTZ kann ich wenig anfangen, denn ich habe die ganzen Gesetzesaenderungen nicht verfolgt. Frueher war es in Deutschland einmal so, dass wenn jemand Sozialhilfe bekam, ihm von der Wohngeldstelle die Miete gezahlt wurde. Ob das in HARTZ IV noch so geregelt ist, weiss ich nicht.
Falls ja, sind das Zustaende, von denen ein Israeli nur traeumen kann. Wer in Israel Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld erhaelt, der muss seine Miete davon aus eigener Tasche zahlen. Es gibt zwar gesetzliche Beihilfen wie einen kleinen Mietzuschuss oder Verguenstigungen bei der Stadtsteuer, doch ansonsten geht das meiste Geld fuer die Miete drauf.
Wohlgemerkt Mieten werden in Israel ueberwiegend in Dollar berechnet. Der Dollar befindet sich derzeit im freien Fall (4.02 Shekel = 1 Dollar), was sich aeusserst guenstig fuer die sozial Schwachen auswirkt, denn die zahlen folglich weniger Miete.
Wie kommen also Dauerarbeitslose und chronische Sozialfaelle ueber die Runden ? Ganz zu schweigen von chronisch Kranken, die auch noch ihre Medikamente teilweise selbst zahlen muessen. Und was ist mit alleinerziehenden Muettern ?
Fuer diejenigen, die sich hohe Mieten nicht leisten koennen, hat der Staat Sozialwohnungen eingerichtet. Shikun heisst das auf Hebraeisch. Wie ueberall muss man sich fuer eine staedtische Sozialwohnung erst qualifizieren. Armut oder Obdachlosigkeit allein reichen nicht aus. Ein Bekannter von mir ging zum Ministerium des sozialen Wohnungsbaus (Misrad HaShikun) und dort bekam er gesagt, dass seine Obdachlossigkeit nicht fuer eine sofortige Hilfe ausreiche. Tja, wenn er Alkoholiker oder drogenabhaengig waere, ja, dann bekaeme er sofort eine Wohnung zur Verfuegung gestellt. Wer krank ist, bekommt auch schnelle Hilfe, aber ansonsten sind die Wartelisten fuer eine Jerusalemer Sozialwohnung lang. Bis zu 10 Jahre kann es dauern, dass einem eine Wohnung vermittelt wird. Es sei denn, jemand erklaert sich bereit, in die Negev zu ziehen. Dimona, Arad oder Mitzpeh Ramon. Dort gibt es haufenweise freie Sozialwohnungen.
Normalerweise will aber derjenige irgendwie raus aus seiner finanziellen Misere und doch noch einen Job ergattern. Wer aber ersteinmal in der Negev sitzt, der bleibt ohne Job, denn es gibt dort keine Arbeit. Um nicht fuer immer als sozial abgestiegen zu gelten, will die Mehrheit der Antragsteller natuerlich Sozialwohnungen in Tel Aviv oder Jerusalem. In den Zentren, wo es noch moeglich ist, Jobs zu finden.
Wer erst einmal eine Sozialwohnung hat, der kann sein Leben lang darin wohnen bleiben und zahlt zwischen 70 und 300 Shekel Miete im Monat (ca. 15 - 60 Euro).
Ob es allerdings immer eine gute Idee ist, in den Shikun zu ziehen, bleibt dahingestellt. In Jerusalem befinden sich die meisten Sozialwohnungen in zwei Stadtteilen, in Katamonim (Katamon 8) und in Kiryat Yovel - Kiryat Menachem. Zwei Strassen sind dafuer besonders beruehmt. Zwei Strassen, die in zwei weit voneinander entfernten Stadtteilen liegen, aber dennoch mit der gleichen Buslinie (18) zu erreichen sind. Zwei Endstationen der Buslinie.
Das eine ist die Rabbi Shimon Bar Yochai - Strasse in Katamonim, nahe dem Einkaufsparadies Canyon Malcha, und die andere Strasse ist die Stern - Strasse im Stadtteil Kiryat Yovel.
Ein kurzer Blick auf die trostlosen heruntergekommenen Wohnbloecke reicht aus um den Besucher zu vergraulen. Freiwillig geht dort keiner hin. Tagsueber ist es moeglich durch die Nachbarschaft zu gehen, am Abend dagegen sieht die Sache anders aus. Wer abends vor allem durch die Bar Yochai geht, der wird schonmal von Jugendgangs angemacht oder es werden ihm Drogen angeboten. In der Bar Yochai wimmelt es von russischen und aethiopischen Neueinwanderern, die einen sozialen Brennpunkt darstellen. Die russische Neueinwandererbevoelkerung hat es aus vielerlei Gruende sehr schwer, von Israelis akzeptiert zu werden. Ihren Frust lassen sie in der Bar Yochai an den Aethiopier aus, die von ihnen als das allerletzte der Gesellschaft betrachtet werden. Aber nicht nur in der Bar Yochai, sondern auch anderswo kommen rassistische Sprueche.
Im entgegengesetzten Kiryat Yovel, in der Stern - Strasse, geht es nicht viel besser zu. Der Unterschied ist aber, dass in der Stern ueberwiegend aeltere Menschen wohnen, wovon auch wieder ein hoher Anteil russische Neueinwanderer sind.
Kein Jerusalemer, der hier nicht wohnt, geschweige denn ein Tourist, verirrt sich in diese Gegenden. Als Normalbuerger liest man in der Zeitung von Armut oder sieht die Bettler in der Innenstadt oder an der Klagemauer. Aber wer weiss schon, wie die Menschen im Shikun leben ?
Einmal fuhr ich in der Buslinie 18 Richtung Kiryat Yovel und verpasste eine Haltestelle. Prompt landete ich an der Endstation in der Stern - Strasse und traute meinen Augen nicht. Wohnbloecke, an denen weisse und graue Farbe abblaetterte und alles strahlte Hoffungslosigkeit aus. Das Wetter war noch trostlos dazu.
Wer die Bar Yochai und die Stern sieht, der erhaelt den oberflaechlichen Eindruck, dass wer sich einmal dort befindet, nicht wieder herauskommt. Es waere interessant zu erfahren, ob das Gegenteil der Fall ist.
Mittwoch, 25. April 2007
Regierungschaos
B"H
Wer heute die israel. Nachrichten verfolgte, der wusste vor chaotischen News gar nicht mehr, ob wir nun eine Regierung haben oder nicht. Wenn ja, warum wir sie noch nicht mit Sack und Pack rausgeschmissen haben. Von wem werden wir hier eigentlich regiert ?
Anstatt sich nach den gestrigen Raketenangriffen der Hamas auf die Negev Wueste Gedanken zu machen wie es weitergeht, dreht sich bei Olmert alles mal wieder nur um ihn selbst. Sein neuer Feind Micha Lindenstrauss (Mevaker HaMedinah, derjenige, der untersucht, was in den Regierungsaemtern falsch laeuft) hat heute einen einen neuen Korruptionsskandal seitens Olmert veroeffentlicht. Olmert habe seinen Regierungsposten unter Ariel Sharon benutzt, Freunden und deren Firma Regierungsfoerdergelder zuzuschanzen.
Alle Parteien haben sofort reagiert und Olmert wieder mal zum Ruecktritt aufgefordert. Der jedoch weist alle Schuld von sich, wie immer. Lindenstrauss haette ganz einfach unprofessionell ermittelt.
Nun soll entschieden werden, ob offiziell Anklage gegen Olmert erhoben wird und ich werde in den kommenden Tagen noch naeher auf den neuen Skandal eingehen.
Naechsten Montag um 16.00 Uhr israel. Ortszeit soll es nun soweit sein. Der Winograd - Bericht wird offiziell an Olmert und Verteidigungsminister Amir Peretz uebergeben.ca. eine Stunde spaeter wird eine Pressekonferenz einberufen, bei der die Oeffentlichkeit die wichtigsten Punkte des Berichtes erfaehrt.
Bei der Winograd - Kommission handelt es sich um einen Untersuchungsausschuss, der die Vorkommnisse kurz vor und waehrend des letzten Libanon - Krieges ermitteln soll. Ranghohe Politiker und Militaers wurden von der Kommission befragt. Zuletzt wollte die Regierung die Veroeffentlichung verhindern, der Oberste Gerichtshof aber entschied fuer eine Veroeffentlichung.
Der freigegegebene Bericht umfasst die Zeit vom Auszug aus dem Libanon im Jahre 2000 bis zum 17. Juli 2006, fuenf Tage nach Ausbruch des Krieges.
Der Bericht wird zum gegebenen Zeitpunkt am Montag auch in hebraeischer und engl. Sprache im Internet veroeffentlicht werden.
Hier kann er ab Montag eingesehen werden: http://www.vaadatwino.org.il/
Wer heute die israel. Nachrichten verfolgte, der wusste vor chaotischen News gar nicht mehr, ob wir nun eine Regierung haben oder nicht. Wenn ja, warum wir sie noch nicht mit Sack und Pack rausgeschmissen haben. Von wem werden wir hier eigentlich regiert ?
Anstatt sich nach den gestrigen Raketenangriffen der Hamas auf die Negev Wueste Gedanken zu machen wie es weitergeht, dreht sich bei Olmert alles mal wieder nur um ihn selbst. Sein neuer Feind Micha Lindenstrauss (Mevaker HaMedinah, derjenige, der untersucht, was in den Regierungsaemtern falsch laeuft) hat heute einen einen neuen Korruptionsskandal seitens Olmert veroeffentlicht. Olmert habe seinen Regierungsposten unter Ariel Sharon benutzt, Freunden und deren Firma Regierungsfoerdergelder zuzuschanzen.
Alle Parteien haben sofort reagiert und Olmert wieder mal zum Ruecktritt aufgefordert. Der jedoch weist alle Schuld von sich, wie immer. Lindenstrauss haette ganz einfach unprofessionell ermittelt.
Nun soll entschieden werden, ob offiziell Anklage gegen Olmert erhoben wird und ich werde in den kommenden Tagen noch naeher auf den neuen Skandal eingehen.
Naechsten Montag um 16.00 Uhr israel. Ortszeit soll es nun soweit sein. Der Winograd - Bericht wird offiziell an Olmert und Verteidigungsminister Amir Peretz uebergeben.ca. eine Stunde spaeter wird eine Pressekonferenz einberufen, bei der die Oeffentlichkeit die wichtigsten Punkte des Berichtes erfaehrt.
Bei der Winograd - Kommission handelt es sich um einen Untersuchungsausschuss, der die Vorkommnisse kurz vor und waehrend des letzten Libanon - Krieges ermitteln soll. Ranghohe Politiker und Militaers wurden von der Kommission befragt. Zuletzt wollte die Regierung die Veroeffentlichung verhindern, der Oberste Gerichtshof aber entschied fuer eine Veroeffentlichung.
Der freigegegebene Bericht umfasst die Zeit vom Auszug aus dem Libanon im Jahre 2000 bis zum 17. Juli 2006, fuenf Tage nach Ausbruch des Krieges.
Der Bericht wird zum gegebenen Zeitpunkt am Montag auch in hebraeischer und engl. Sprache im Internet veroeffentlicht werden.
Hier kann er ab Montag eingesehen werden: http://www.vaadatwino.org.il/
Nichts als Muell
B"H
Als ich vor Jahren das letzte Mal nach Deutschland flog, holte mich eine Freundin am Muenchener Flughafen ab. Als wir zu ihrem Wagen in der Tiefgarage gingen, stand dort ein Muelleimer mit sage und schreibe fuenf verschiedenfarbigen Plastiktueten darin. Dosen, Gruenglas, Weissglas, Braunglas etc. Ich stand vor dem Muelleimer und konnte es gar nicht fassen, dass solch eine Muellhysterie herrscht.
Aus Israel kommend ist man ganz andere Dinge gewohnt, obwohl sich mittlerweile schon einiges geaendert hat. Israelis lieben es ihren Muell zu jeder Zeit und an jedem Ort zu entsorgen.
In manchen Stadtteilen wurden Container fuer Plastikflaschen und Papier aufgestellt, aber nicht ueberall. Und so sehen wir vor allem in Jerusalem ein taegliches Muellchaos.
Touristen fragten mich, warum die Stadtverwaltung nicht mehr gegen den anwachsenden Muell tue. Das aber ist nicht so einfach. Die Stadtverwaltung kuemmert sich in erster Linie um die Stadtteile, in denen betuchte Steuerzahler leben. Andere Stadtteile, wie die juedisch ultra - orthod. oder arab. Viertel werden vernachlaessigt, da die Leute weniger oder gar keine Steuern zahlen. Von der Stadtsteuer (Arnona) einmal ganz abgesehen.
Heute, einen Tag nach dem Unabhaengigkeitstag, herrscht vor allem im Sacher - Park ein vollkommenes Muellchaos. Die Raeumkraefte waren schon frueh am Morgen im Einsatz, um den tonnenweisen Muell in Plastiksaecke zu verpacken und zu entsorgen. Allein schon das Einsammeln des verstreuten Muell dauert ewig.
Die Israelis waren gestern am kollektiven Grilltag im Park und hinterliessen ihren Muell. Danach war von der Natur nicht mehr viel zu sehen.
Nicht nur im Jerusalemer Sacher Park ist Chaos, nein, auch im Tel Aviver HaYarkon Park, wo gestern ueber 200.000 Menschen zu einem kostenlosen Konzert eintrafen. Am See Genezareth schaut es nicht anders aus. Dort verzweifelte man schon an den Pessach - Feiertagen.
Die Presse veroeffentlicht heute viele Photos mit dem Muell, jeder regt sich auf, aber im Endeffekt schmeissen alle ihren Muell in die Natur.
Bleibt zu fragen, wann kommt der naechste Feiertag ? Ende Mai ist Shavuot. Da wird man sich am See Genezareth wieder auf etwas gefasst machen koennen.
Als ich vor Jahren das letzte Mal nach Deutschland flog, holte mich eine Freundin am Muenchener Flughafen ab. Als wir zu ihrem Wagen in der Tiefgarage gingen, stand dort ein Muelleimer mit sage und schreibe fuenf verschiedenfarbigen Plastiktueten darin. Dosen, Gruenglas, Weissglas, Braunglas etc. Ich stand vor dem Muelleimer und konnte es gar nicht fassen, dass solch eine Muellhysterie herrscht.
Aus Israel kommend ist man ganz andere Dinge gewohnt, obwohl sich mittlerweile schon einiges geaendert hat. Israelis lieben es ihren Muell zu jeder Zeit und an jedem Ort zu entsorgen.
In manchen Stadtteilen wurden Container fuer Plastikflaschen und Papier aufgestellt, aber nicht ueberall. Und so sehen wir vor allem in Jerusalem ein taegliches Muellchaos.
Touristen fragten mich, warum die Stadtverwaltung nicht mehr gegen den anwachsenden Muell tue. Das aber ist nicht so einfach. Die Stadtverwaltung kuemmert sich in erster Linie um die Stadtteile, in denen betuchte Steuerzahler leben. Andere Stadtteile, wie die juedisch ultra - orthod. oder arab. Viertel werden vernachlaessigt, da die Leute weniger oder gar keine Steuern zahlen. Von der Stadtsteuer (Arnona) einmal ganz abgesehen.
Heute, einen Tag nach dem Unabhaengigkeitstag, herrscht vor allem im Sacher - Park ein vollkommenes Muellchaos. Die Raeumkraefte waren schon frueh am Morgen im Einsatz, um den tonnenweisen Muell in Plastiksaecke zu verpacken und zu entsorgen. Allein schon das Einsammeln des verstreuten Muell dauert ewig.
Die Israelis waren gestern am kollektiven Grilltag im Park und hinterliessen ihren Muell. Danach war von der Natur nicht mehr viel zu sehen.
Nicht nur im Jerusalemer Sacher Park ist Chaos, nein, auch im Tel Aviver HaYarkon Park, wo gestern ueber 200.000 Menschen zu einem kostenlosen Konzert eintrafen. Am See Genezareth schaut es nicht anders aus. Dort verzweifelte man schon an den Pessach - Feiertagen.
Die Presse veroeffentlicht heute viele Photos mit dem Muell, jeder regt sich auf, aber im Endeffekt schmeissen alle ihren Muell in die Natur.
Bleibt zu fragen, wann kommt der naechste Feiertag ? Ende Mai ist Shavuot. Da wird man sich am See Genezareth wieder auf etwas gefasst machen koennen.
Dienstag, 24. April 2007
Die Ausbeutung aethiopischer Juden
B"H
Fuer aethiopische Einwanderer war es schon immer schwer gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen. Das faengt allein schon damit an, dass viele von ihnen keine halachischen Juden (nach dem jued. Religionsgesetz) sind.
Vor Jahren wurden automatisch alle aethiopischen Neueinwanderer von ashkenazischen Rabbinern als NICHTJUEDISCH eingestuft, wenn sie keinen orthodoxen Konversionskurs (Giur) durchlaufen hatten. Nur der damalige sephardische Oberrabbiner Ovadiah Yosef erkannte sie auch ohne Konversion als Juden an. Die seiner Meinung nach halachischen Juden und nicht die Nichtjuden versteht sich. Viele juedische Aethiopier brachten damals ihre nichtjuedischen Ehepartner bzw. Kinder mit, was heute gesetzlich nicht mehr ganz so einfach ist.
Die Aethiopier kommen, im Gegensatz zu anderen Neueinwanderern, oftmals nur mit dem, was sie auf dem Leibe tragen. Wo andere ihre gesamte Habe (PCs, Moebel, Kleidung, Besitz) mitbringen, haben die Aethiopier gar nichts. Vielseits sind sie auch noch Analphabeten und ohne jegliche Schulbildung. Vor allem die Frauen.
Des weiteren ist die aethiopische Gesellschaft an gewisse Verhaltensregeln gebunden. So zaehlt z.B. die Frau kaum etwas und darf vom Ehemann verpruegelt werden (lt. aethiopischem Familienrecht). Die herbeigerufene israel. Polizei hat es da nicht immer leicht, obwohl sich schon einiges innerhalb der aethiop. Gesellschaft geaendert hat und deren Frauen jetzt schon einmal Anzeige gegen den Ehemann erstatten.
Ein anderes grosses Problem ist die Sprache. Englisch ist ihnen gaenzlich unbekannt und bei Hebraeischkursen tun sie sich als Analphabeten schwer. Noch dazu muessen sie auf Anhieb die Spielregeln einer neuen Gesellschaft erlernen.
All das fuehrt nicht selten zur Ausnutzung der Aethiopier. Gleich nach der Einwanderung bekommen sie Geld fuer den Wohnungskauf zur Verfuegung gestellt. Schon in den Unterkuenften fuer Neueinwanderer werden sie mit Unbekannten konfrontiert, die sich als Makler vorstellen, ihnen eine Ruine als vielversprechende Immobilie verkaufen und dann mit dem Geld verschwinden.
So kam kuerzlich der Fall einer aethiopischen Familie ans Tageslicht, die fuer 75.000 Shekel (genau die Summe des Einwanderungsministeriums) eine verrottete und verschimmelte Wohnung angedreht bekam.
Die falschen Makler hinterher zu schnappen ist meistens unmoeglich. Die sind mit dem ergaunerten Geld auf und davon und die Aethiopier ihr Geld los.
Die Regierung hat nun versprochen sich um diese Faelle zu kuemmern. Ausserdem will man den falschen Maklern besser auf die Spuren kommen und durch Aufklaerung die Aethiopier auf die Gefahren der Ausnutzung aufmerksam machen. Bei denen hat es sich mittlerweile schon von selbst herumgesprochen und sie sind vorsichtiger geworden. Auf die Regierung und die Polizei vertraut weiterhin niemand so leicht.
Fuer aethiopische Einwanderer war es schon immer schwer gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen. Das faengt allein schon damit an, dass viele von ihnen keine halachischen Juden (nach dem jued. Religionsgesetz) sind.
Vor Jahren wurden automatisch alle aethiopischen Neueinwanderer von ashkenazischen Rabbinern als NICHTJUEDISCH eingestuft, wenn sie keinen orthodoxen Konversionskurs (Giur) durchlaufen hatten. Nur der damalige sephardische Oberrabbiner Ovadiah Yosef erkannte sie auch ohne Konversion als Juden an. Die seiner Meinung nach halachischen Juden und nicht die Nichtjuden versteht sich. Viele juedische Aethiopier brachten damals ihre nichtjuedischen Ehepartner bzw. Kinder mit, was heute gesetzlich nicht mehr ganz so einfach ist.
Die Aethiopier kommen, im Gegensatz zu anderen Neueinwanderern, oftmals nur mit dem, was sie auf dem Leibe tragen. Wo andere ihre gesamte Habe (PCs, Moebel, Kleidung, Besitz) mitbringen, haben die Aethiopier gar nichts. Vielseits sind sie auch noch Analphabeten und ohne jegliche Schulbildung. Vor allem die Frauen.
Des weiteren ist die aethiopische Gesellschaft an gewisse Verhaltensregeln gebunden. So zaehlt z.B. die Frau kaum etwas und darf vom Ehemann verpruegelt werden (lt. aethiopischem Familienrecht). Die herbeigerufene israel. Polizei hat es da nicht immer leicht, obwohl sich schon einiges innerhalb der aethiop. Gesellschaft geaendert hat und deren Frauen jetzt schon einmal Anzeige gegen den Ehemann erstatten.
Ein anderes grosses Problem ist die Sprache. Englisch ist ihnen gaenzlich unbekannt und bei Hebraeischkursen tun sie sich als Analphabeten schwer. Noch dazu muessen sie auf Anhieb die Spielregeln einer neuen Gesellschaft erlernen.
All das fuehrt nicht selten zur Ausnutzung der Aethiopier. Gleich nach der Einwanderung bekommen sie Geld fuer den Wohnungskauf zur Verfuegung gestellt. Schon in den Unterkuenften fuer Neueinwanderer werden sie mit Unbekannten konfrontiert, die sich als Makler vorstellen, ihnen eine Ruine als vielversprechende Immobilie verkaufen und dann mit dem Geld verschwinden.
So kam kuerzlich der Fall einer aethiopischen Familie ans Tageslicht, die fuer 75.000 Shekel (genau die Summe des Einwanderungsministeriums) eine verrottete und verschimmelte Wohnung angedreht bekam.
Die falschen Makler hinterher zu schnappen ist meistens unmoeglich. Die sind mit dem ergaunerten Geld auf und davon und die Aethiopier ihr Geld los.
Die Regierung hat nun versprochen sich um diese Faelle zu kuemmern. Ausserdem will man den falschen Maklern besser auf die Spuren kommen und durch Aufklaerung die Aethiopier auf die Gefahren der Ausnutzung aufmerksam machen. Bei denen hat es sich mittlerweile schon von selbst herumgesprochen und sie sind vorsichtiger geworden. Auf die Regierung und die Polizei vertraut weiterhin niemand so leicht.
Glueckliche Israelis ?
B"H
Zum heutigen Unabhaengigkeitstag fuehrt die israel. News - Online - Site WALLA eine Umfrage durch, an der sich bisher ueber 26.000 Israelis, einschliesslich mir selbst, beteiligten.
Frage: Bist du gluecklich in Israel zu leben ?
Antworten:
23% Ja, sehr gluecklich (einschliesslich mir selbst)
17% Ja, mehr oder weniger zufrieden
24%, Ja, schon zufrieden, aber nicht genuegend
29% Unzufrieden, aber verlassen werde ich Israel nicht
7% Habe Israel verlassen
Woran wir uns leider schon gewoehnt haben, fand heute morgen wieder einen neuen Hoehepunkt. Die Hamas schoss erneut Raketen auf die Negev - Wueste.
Laut israel. Sicherheitsexperten bezweckt die Hamas mit ihren Angriffen weitere israel. Soldaten zu kidnappen. Wie wir am Fall des im Juni letzten Jahres gekidnappten israel. Soldaten Gilad Shalit sehen, koennte sich ein Gefangenenaustausch fuer die Hamas als lohnend erweisen. Umso mehr Soldaten sie kidnappen, umso mehr pressen sie hinterher ihre Anhaengerschaft aus israel. Gefaengnissen frei.
Lange Zeit schon versuche ich mich in Gedanken in die Lage solch gekidnappter Soldaten zu versetzen. Vermutlich kann sich eh niemand von uns vorstellen, was diese durchmachen. Im TV sah ich Berichte von israel. Kriegsgefangenen aus dem Yom - Kippur - Krieg (1973). Die Rueckkehrer nach Israel berichteten hinterher von den Folterungen, die sie in Syrien ueber sich haben ergehen lassen muessen.
Zum heutigen Unabhaengigkeitstag fuehrt die israel. News - Online - Site WALLA eine Umfrage durch, an der sich bisher ueber 26.000 Israelis, einschliesslich mir selbst, beteiligten.
Frage: Bist du gluecklich in Israel zu leben ?
Antworten:
23% Ja, sehr gluecklich (einschliesslich mir selbst)
17% Ja, mehr oder weniger zufrieden
24%, Ja, schon zufrieden, aber nicht genuegend
29% Unzufrieden, aber verlassen werde ich Israel nicht
7% Habe Israel verlassen
Woran wir uns leider schon gewoehnt haben, fand heute morgen wieder einen neuen Hoehepunkt. Die Hamas schoss erneut Raketen auf die Negev - Wueste.
Laut israel. Sicherheitsexperten bezweckt die Hamas mit ihren Angriffen weitere israel. Soldaten zu kidnappen. Wie wir am Fall des im Juni letzten Jahres gekidnappten israel. Soldaten Gilad Shalit sehen, koennte sich ein Gefangenenaustausch fuer die Hamas als lohnend erweisen. Umso mehr Soldaten sie kidnappen, umso mehr pressen sie hinterher ihre Anhaengerschaft aus israel. Gefaengnissen frei.
Lange Zeit schon versuche ich mich in Gedanken in die Lage solch gekidnappter Soldaten zu versetzen. Vermutlich kann sich eh niemand von uns vorstellen, was diese durchmachen. Im TV sah ich Berichte von israel. Kriegsgefangenen aus dem Yom - Kippur - Krieg (1973). Die Rueckkehrer nach Israel berichteten hinterher von den Folterungen, die sie in Syrien ueber sich haben ergehen lassen muessen.
Montag, 23. April 2007
Israeli Life
B"H
Hier ein paar Videos ueber die heutigen und morgigen Ereignisse in Israel und wie Israelis diese beiden bewegenden Tage begehen.
Die Armee und ihre gefallenen Soldaten stehen heute im Mittelpunkt
Heute abend wird es auf dem Jerusalemer Zionsplatz so aussehen (Party zum Unabhaengigkeitstag)
Grillen im Jerusalemer Sacher Park am morgigen Unabhaengigkeitstag
Hier ein paar Videos ueber die heutigen und morgigen Ereignisse in Israel und wie Israelis diese beiden bewegenden Tage begehen.
Die Armee und ihre gefallenen Soldaten stehen heute im Mittelpunkt
Heute abend wird es auf dem Jerusalemer Zionsplatz so aussehen (Party zum Unabhaengigkeitstag)
Grillen im Jerusalemer Sacher Park am morgigen Unabhaengigkeitstag
Trauer und Hoffnung
B"H
Gestern Abend, als der Sirenenton zum diesjaehrigen Yom HaZikaron (Gedenken an die gefallenen israel. Soldaten und Terroropfer) ertoente, befand ich mich gerade allein in der Umkleidekabine unserer Baeckerei. Fuer mich ist es angenehmer in dem Moment allein zu sein, anstatt mit Vielen auf einem Fleck zu stehen. Allein kann ich mich besser konzentrieren und konnte ausserdem den Gebeten in der gegenueberliegenden Synagoge lauschen. Dort wurde waehrend des gesamten Sirenentones laut gebetet.
Yom HaZikaron bringt immer eine bewegende Stimmung mit sich. Fast ausnahmslos waren alle Restaurants und Pubs geschlossen waren. Beim Holocaust - Tag letzte Woche war nur die Haelfte dicht.
Gestern Abend war das anders, denn wer kennt keinen gefallenen Soldaten und bei wem schwebt nicht der Gedanke mit, dass es morgen jeden von uns erwischen koennte.
Heute frueh schon geht die bedrueckende Stimmung weiter, denn um 11.00 Uhr gibt es nochmals einen Sirenenton. Vor dem Jerusalemer Rathaus sowie auf dem Friedhof am Herzlberg werden zentrale Gedenkveranstaltungen abgehalten. Fast die gesamte Knesset wird am Herzlberg versammelt sein. Die Innenstadt gleicht einem Militaercamp. Ueberall laufen Soldateneinheiten herum und mancher Tourist sieht sich heute irrtuemlich ich einer War – Zone.
Dennoch werde ich nie ganz das Gefuehl los, dass ich an dem Tag deplaziert bin. Ich habe keine Armeevergangenheit. Bei der Einwanderung war ich zu alt zur Musterung. Man sollte schon mit zwanzig Jahren einwandern und nicht erst mit Dreissig kommen. Natuerlich wissen wir aus den Zeitungen und persoenlichen Erzaehlungen, welche Schicksale sich hinter vielen Soldaten verbergen, dennoch, es fehlt ein richtiger Bezug, naemlich die Armee selbst. Das ist einer der Nachteile, wenn jemand nicht hier im Land geboren wurde. Ein wichtiger Teil des Lebens fehlt. Jedenfalls aus israelischer Sicht.
Heute Abend ist wieder alles vorbei. Von einer Minute auf die andere gibt es Feuerwerk und Party zum nachfolgenden 59. Unabhaengigkeitstag. Die Trauer ist vorbei und Rockmusik droehnt am Zionsplatz in der Innenstadt. Gestern wurde schon eine riesen Buehne aufgebaut.
In der Grossen Synagoge findet ein G-ttesdienst mit dem ashkenazischen Oberrabbiner statt und wer danach vor die Tuer tritt, findet das volle Ramba Zamba vor. Vor allem die mir so verhassten Spraydosen mit dem weissen Schaum darin. Die Teenies lieben es sich damit gegenseitig von oben bis unten vollzuspruehen.
Deshalb werde ich heute Abend nach der Arbeit einen riesen Bogen um die Innenstadt machen und stattdessen durch das ultra - orthod. Ge'ulah fluechten, wo von all dem kaum etwas zu spueren ist. Wenigstens brauche ich dann nicht hinterher alle meine Klamotten in die Waesche zu schmeissen.
Was am Yom Hazikaron noch in allen Hinterkoepfen herumschwebte, ist am Unabhaengigkeitstag wie ausgeloescht. Kriegsgedanken existieren nicht mehr, sondern nur noch Fun und ein Flaggenmeer. So dich liegen Freud und Leid beieinander.
Gestern Abend, als der Sirenenton zum diesjaehrigen Yom HaZikaron (Gedenken an die gefallenen israel. Soldaten und Terroropfer) ertoente, befand ich mich gerade allein in der Umkleidekabine unserer Baeckerei. Fuer mich ist es angenehmer in dem Moment allein zu sein, anstatt mit Vielen auf einem Fleck zu stehen. Allein kann ich mich besser konzentrieren und konnte ausserdem den Gebeten in der gegenueberliegenden Synagoge lauschen. Dort wurde waehrend des gesamten Sirenentones laut gebetet.
Yom HaZikaron bringt immer eine bewegende Stimmung mit sich. Fast ausnahmslos waren alle Restaurants und Pubs geschlossen waren. Beim Holocaust - Tag letzte Woche war nur die Haelfte dicht.
Gestern Abend war das anders, denn wer kennt keinen gefallenen Soldaten und bei wem schwebt nicht der Gedanke mit, dass es morgen jeden von uns erwischen koennte.
Heute frueh schon geht die bedrueckende Stimmung weiter, denn um 11.00 Uhr gibt es nochmals einen Sirenenton. Vor dem Jerusalemer Rathaus sowie auf dem Friedhof am Herzlberg werden zentrale Gedenkveranstaltungen abgehalten. Fast die gesamte Knesset wird am Herzlberg versammelt sein. Die Innenstadt gleicht einem Militaercamp. Ueberall laufen Soldateneinheiten herum und mancher Tourist sieht sich heute irrtuemlich ich einer War – Zone.
Dennoch werde ich nie ganz das Gefuehl los, dass ich an dem Tag deplaziert bin. Ich habe keine Armeevergangenheit. Bei der Einwanderung war ich zu alt zur Musterung. Man sollte schon mit zwanzig Jahren einwandern und nicht erst mit Dreissig kommen. Natuerlich wissen wir aus den Zeitungen und persoenlichen Erzaehlungen, welche Schicksale sich hinter vielen Soldaten verbergen, dennoch, es fehlt ein richtiger Bezug, naemlich die Armee selbst. Das ist einer der Nachteile, wenn jemand nicht hier im Land geboren wurde. Ein wichtiger Teil des Lebens fehlt. Jedenfalls aus israelischer Sicht.
Heute Abend ist wieder alles vorbei. Von einer Minute auf die andere gibt es Feuerwerk und Party zum nachfolgenden 59. Unabhaengigkeitstag. Die Trauer ist vorbei und Rockmusik droehnt am Zionsplatz in der Innenstadt. Gestern wurde schon eine riesen Buehne aufgebaut.
In der Grossen Synagoge findet ein G-ttesdienst mit dem ashkenazischen Oberrabbiner statt und wer danach vor die Tuer tritt, findet das volle Ramba Zamba vor. Vor allem die mir so verhassten Spraydosen mit dem weissen Schaum darin. Die Teenies lieben es sich damit gegenseitig von oben bis unten vollzuspruehen.
Deshalb werde ich heute Abend nach der Arbeit einen riesen Bogen um die Innenstadt machen und stattdessen durch das ultra - orthod. Ge'ulah fluechten, wo von all dem kaum etwas zu spueren ist. Wenigstens brauche ich dann nicht hinterher alle meine Klamotten in die Waesche zu schmeissen.
Was am Yom Hazikaron noch in allen Hinterkoepfen herumschwebte, ist am Unabhaengigkeitstag wie ausgeloescht. Kriegsgedanken existieren nicht mehr, sondern nur noch Fun und ein Flaggenmeer. So dich liegen Freud und Leid beieinander.
Samstag, 21. April 2007
Sonntag Abend an der Klagemauer
B"H
Morgen Abend um 20.00 Uhr findet an der Klagemauer eine offizielle Gedenkfeier fuer die gefallenen israelischen Soldaten statt. Um 20.00 Uhr erfolgt der zweiminuetige Sirenenton und danach werden der Oberbefehlshaber und andere Persoenlichkeiten Erinnerungsreden halten.
Anwesend sind ausserdem die Vertreterin des Praesidenten Daliah Itzik, Militaers sowie die Eltern gefallener Soldaten.
Die Veranstaltung wird einem Hochsicherheitstrakt gleichen. Wer kommen will, der sollte das recht frueh tun, denn es werden saemtliche Taschen durchsucht. Fuer alle, die sich das nicht antun, aber trotzdem dabei sein wollen, koennen sich ein Plaetzchen gegenueber der Klagemauer suchen. Man sieht von dort oben genug.
Morgen Abend um 20.00 Uhr findet an der Klagemauer eine offizielle Gedenkfeier fuer die gefallenen israelischen Soldaten statt. Um 20.00 Uhr erfolgt der zweiminuetige Sirenenton und danach werden der Oberbefehlshaber und andere Persoenlichkeiten Erinnerungsreden halten.
Anwesend sind ausserdem die Vertreterin des Praesidenten Daliah Itzik, Militaers sowie die Eltern gefallener Soldaten.
Die Veranstaltung wird einem Hochsicherheitstrakt gleichen. Wer kommen will, der sollte das recht frueh tun, denn es werden saemtliche Taschen durchsucht. Fuer alle, die sich das nicht antun, aber trotzdem dabei sein wollen, koennen sich ein Plaetzchen gegenueber der Klagemauer suchen. Man sieht von dort oben genug.
Zeit der Statistiken
B"H
Alljaehrlich vor dem Unabhaengigkeitstag (Dienstag) werden die neuesten Statistiken veroeffentlicht. Hier ein kleiner Auszug einer Umfrage der Uni Haifa, welche 1200 Personen befragte:
- Nur 35% der Juden und 28% der Palaestinenser in Israel sind zufrieden mit ihrem Job und nur 16% insgesamt zeigen sich zufrieden mit ihrem Gehalt.
- Nur 37% der Juden und 25% der Palaestinenser sind zufrieden mit ihrem Leben in Israel. In den Jahren 2004 und 2005 dagegen waren es noch 82%.
Die Einwanderung nach Israel (Aliyah) ist so drastisch gesunken, dass derzeit die Zahl der Auswanderungen aus Israel hoeher ist als die der Einwanderer.
82% der juengeren und 64% der aelteren Einwanderer zeigen sich zufrieden mit ihrem neuen Leben in Israel.
Veroeffentlichung von http://news.walla.co.il/
Alljaehrlich vor dem Unabhaengigkeitstag (Dienstag) werden die neuesten Statistiken veroeffentlicht. Hier ein kleiner Auszug einer Umfrage der Uni Haifa, welche 1200 Personen befragte:
- Nur 35% der Juden und 28% der Palaestinenser in Israel sind zufrieden mit ihrem Job und nur 16% insgesamt zeigen sich zufrieden mit ihrem Gehalt.
- Nur 37% der Juden und 25% der Palaestinenser sind zufrieden mit ihrem Leben in Israel. In den Jahren 2004 und 2005 dagegen waren es noch 82%.
Die Einwanderung nach Israel (Aliyah) ist so drastisch gesunken, dass derzeit die Zahl der Auswanderungen aus Israel hoeher ist als die der Einwanderer.
82% der juengeren und 64% der aelteren Einwanderer zeigen sich zufrieden mit ihrem neuen Leben in Israel.
Veroeffentlichung von http://news.walla.co.il/
Freitag, 20. April 2007
Trauer & Grillparty
B"H
Kommenden Sonntag Abend sowie Montag frueh stehen wir erneut zu einem zweiminuetigen Sirenenton still. Dann ist Yom HaZikaron, der Tag zum Gedenken an die gefallenen israelischen Soldaten und Terroropfer.
Dieser Gedenktag unterscheidet sich emotional sehr vom Holocaust - Gedenktag. Den Unterschied zu beschreiben ist schwer, doch sagte mir einmal jemand, dass es sich bei den Soldaten um ueberwiegend junge Leute handele, die fuer ihr Land kaempften und auf tragische Weise umkamen.
Natuerlich koennte man dies auch ueber viele Holocaust - Opfer sagen, aber Yom HaZikaron hat einen anderen bitteren Nachgeschmack.
Die israelische Presse ist heute voll mit Stories ueber gefallene Soldaten aus dem letzten Libanon - Krieg und wie ihre Angehoerigen das verarbeiten. Im Judentum ist es immer furchtbar, wenn ein Vater das Kaddish - Gebet am Grab seines Sohnes sagen muss, denn eigentlich sollte es umgekehrt sein. Und wenn naechste Woche zweimal die Sirenentoene erklingen, dann ist es fuer die Angehoerigen besonders schlimm.
Am Abend nach dem Gedenktag beginnt sofort im Abschluss unser Unabhaengigkeitstag. Eine Stunde zuvor wird noch getrauert und danach gibt es High Life auf den Strassen. Viele Touristen fragen sich, wie kann das sein, Trauer und anschliessende Feier.
Betrachtet man die juedische Geschichte, dann war es immer so, dass auf Trauer Erfreuliches folgte oder umgekehrt. Genau das soll uns der Gedenktag mit dem anschliessenden Unabhaengigkeitstag klarmachen. Auch wenn noch Traenen in den Augen sind, gibt es wieder einen Grund zur Freude.
Aber nicht nur die Trauer um die Soldaten geht durch die Artikel. Gleich darauf berichtet die Zeitung MAARIV von ehemaligen Wehrpflichtigen, die nach dem Pflichtdienst ersteinmal ins Ausland verschwinden. Das ist der absolute Trend der israel. Soldaten. Pflichtdienst beenden und dann erstmal weg. Keinen Terrorimus mehr sehen und einfach nur irgendwo am Strand abhaengen.
Die beliebtesten Ziele sind nach wie vor Suedamerika, Neuseeland und vor allem Indien. Indien schon allein der Preise wegen. Alles ist billig und man kann dort monatelang von ein paar Dollar leben. Sechs Monate Indien oder durch Suedamerika trampen und nicht an explodierende Busse denken muessen.
Und wie feiern Israelis nun den Yom HaAzma'ut (Unabhaengigkeitstag) ?
Mit riesen Grillparties natuerlich. Wer sich am Dienstag nicht ganz frueh am Morgen in irgendeinem Park oder am Strand einfindet, um sich sein Plaetzchen zu sichern, der wird leer dastehen. Israelis lieben Al HaEsch (das Grillen).
Wo man dieser Tage auch hinschaut, ueberall werden kleine Grillgeraete und Holzkohle verkauft. Der Fleischverbrauch wird auf den hoechsten Wert im Jahr ansteigen und die Wuerstchenfirma Soklobek faehrt im Radio Werbespots rund um die Uhr.
Grillen und auf dem Rasen liegen, so feiert man den Tag. Die meisten haben einen Tag frei, ausser Busfahrer und vielen Verkaeufer, wenn deren Laeden geoeffnet sind.
Wer dennoch etwas Kulturelles will, der kann Museen (Israel - Museum oder das britische Gefaengnis fuer israel. Widerstandkaempfer hinter dem Rathaus) aufsuchen, denn die sind an dem Tag umsonst.
Kommenden Sonntag Abend sowie Montag frueh stehen wir erneut zu einem zweiminuetigen Sirenenton still. Dann ist Yom HaZikaron, der Tag zum Gedenken an die gefallenen israelischen Soldaten und Terroropfer.
Dieser Gedenktag unterscheidet sich emotional sehr vom Holocaust - Gedenktag. Den Unterschied zu beschreiben ist schwer, doch sagte mir einmal jemand, dass es sich bei den Soldaten um ueberwiegend junge Leute handele, die fuer ihr Land kaempften und auf tragische Weise umkamen.
Natuerlich koennte man dies auch ueber viele Holocaust - Opfer sagen, aber Yom HaZikaron hat einen anderen bitteren Nachgeschmack.
Die israelische Presse ist heute voll mit Stories ueber gefallene Soldaten aus dem letzten Libanon - Krieg und wie ihre Angehoerigen das verarbeiten. Im Judentum ist es immer furchtbar, wenn ein Vater das Kaddish - Gebet am Grab seines Sohnes sagen muss, denn eigentlich sollte es umgekehrt sein. Und wenn naechste Woche zweimal die Sirenentoene erklingen, dann ist es fuer die Angehoerigen besonders schlimm.
Am Abend nach dem Gedenktag beginnt sofort im Abschluss unser Unabhaengigkeitstag. Eine Stunde zuvor wird noch getrauert und danach gibt es High Life auf den Strassen. Viele Touristen fragen sich, wie kann das sein, Trauer und anschliessende Feier.
Betrachtet man die juedische Geschichte, dann war es immer so, dass auf Trauer Erfreuliches folgte oder umgekehrt. Genau das soll uns der Gedenktag mit dem anschliessenden Unabhaengigkeitstag klarmachen. Auch wenn noch Traenen in den Augen sind, gibt es wieder einen Grund zur Freude.
Aber nicht nur die Trauer um die Soldaten geht durch die Artikel. Gleich darauf berichtet die Zeitung MAARIV von ehemaligen Wehrpflichtigen, die nach dem Pflichtdienst ersteinmal ins Ausland verschwinden. Das ist der absolute Trend der israel. Soldaten. Pflichtdienst beenden und dann erstmal weg. Keinen Terrorimus mehr sehen und einfach nur irgendwo am Strand abhaengen.
Die beliebtesten Ziele sind nach wie vor Suedamerika, Neuseeland und vor allem Indien. Indien schon allein der Preise wegen. Alles ist billig und man kann dort monatelang von ein paar Dollar leben. Sechs Monate Indien oder durch Suedamerika trampen und nicht an explodierende Busse denken muessen.
Und wie feiern Israelis nun den Yom HaAzma'ut (Unabhaengigkeitstag) ?
Mit riesen Grillparties natuerlich. Wer sich am Dienstag nicht ganz frueh am Morgen in irgendeinem Park oder am Strand einfindet, um sich sein Plaetzchen zu sichern, der wird leer dastehen. Israelis lieben Al HaEsch (das Grillen).
Wo man dieser Tage auch hinschaut, ueberall werden kleine Grillgeraete und Holzkohle verkauft. Der Fleischverbrauch wird auf den hoechsten Wert im Jahr ansteigen und die Wuerstchenfirma Soklobek faehrt im Radio Werbespots rund um die Uhr.
Grillen und auf dem Rasen liegen, so feiert man den Tag. Die meisten haben einen Tag frei, ausser Busfahrer und vielen Verkaeufer, wenn deren Laeden geoeffnet sind.
Wer dennoch etwas Kulturelles will, der kann Museen (Israel - Museum oder das britische Gefaengnis fuer israel. Widerstandkaempfer hinter dem Rathaus) aufsuchen, denn die sind an dem Tag umsonst.
Tod einer Legende
B"H
Das beruehmte Jerusalemer Cafe Atara steht vor dem Aus und noch in diesen Tagen soll es ganz geschlossen werden.
Der deutsche Einwanderer Bernhard Grinspan eroeffnete im Jahre 1938 das Cafe Atara in der Yaffa Street, gegenueber der Hauptpost. Spaeter zog man in groessere Lokalitaeten in die nahe gelegene Ben Yehudah um.
Schnell entwickelte sich das Cafe zum Treff aller Jerusalemer. Ob Etzel und Haganah - Widerstandskaempfer, Politiker und Autoren, alles traf sich im Atara.
Vor ein paar Jahren zog das Atara erneut um. Dieses Mal in die Gaza Street in Rehavia. Dort verlor man etwas von seinem internationalen Flair, doch die alten Jerusalemer Stammkunden blieben und es kamen viele neue hinzu. Vor allem Neueinwanderer aus englischsprachigen Laendern.
Was viele nicht wussten: Seit 2003 streitet der jetzige 62 - jaehrige Inhaber Uri Grinspan mit der Stadtverwaltung. Die Behoerden wollen Teile des Gebaeudes, in dem sich das Atara befindet, einreissen und neu aufbauen. Aus Sicherheitsgruenden. Uri Grinspan haelt dagegen, dass er es sich finanziell nicht leisten koenne, das Cafe fuer laengere Zeit einfach zu schliessen. Die Sache ging vors Gericht und der Richter zeigte dem Atara keine Gnade. Das Gebaeude muesse aus Sicherheitsgruenden vollkommen neu renoviert werden und die Terrasse vor dem Cafe duerfe das Atara nicht mehr als solche nutzen.
Uri Grinspan sagte, dass er die Schnauze voll hat und das Cafe ganz schliesst. Er hat die ewigen Streiterein gruendlich satt. Somit schliesst die Legende Atara in diesen Tagen ihre Pforten.
Das beruehmte Jerusalemer Cafe Atara steht vor dem Aus und noch in diesen Tagen soll es ganz geschlossen werden.
Der deutsche Einwanderer Bernhard Grinspan eroeffnete im Jahre 1938 das Cafe Atara in der Yaffa Street, gegenueber der Hauptpost. Spaeter zog man in groessere Lokalitaeten in die nahe gelegene Ben Yehudah um.
Schnell entwickelte sich das Cafe zum Treff aller Jerusalemer. Ob Etzel und Haganah - Widerstandskaempfer, Politiker und Autoren, alles traf sich im Atara.
Vor ein paar Jahren zog das Atara erneut um. Dieses Mal in die Gaza Street in Rehavia. Dort verlor man etwas von seinem internationalen Flair, doch die alten Jerusalemer Stammkunden blieben und es kamen viele neue hinzu. Vor allem Neueinwanderer aus englischsprachigen Laendern.
Was viele nicht wussten: Seit 2003 streitet der jetzige 62 - jaehrige Inhaber Uri Grinspan mit der Stadtverwaltung. Die Behoerden wollen Teile des Gebaeudes, in dem sich das Atara befindet, einreissen und neu aufbauen. Aus Sicherheitsgruenden. Uri Grinspan haelt dagegen, dass er es sich finanziell nicht leisten koenne, das Cafe fuer laengere Zeit einfach zu schliessen. Die Sache ging vors Gericht und der Richter zeigte dem Atara keine Gnade. Das Gebaeude muesse aus Sicherheitsgruenden vollkommen neu renoviert werden und die Terrasse vor dem Cafe duerfe das Atara nicht mehr als solche nutzen.
Uri Grinspan sagte, dass er die Schnauze voll hat und das Cafe ganz schliesst. Er hat die ewigen Streiterein gruendlich satt. Somit schliesst die Legende Atara in diesen Tagen ihre Pforten.
Mittwoch, 18. April 2007
Die Vergessenen
B"H
Es faellt mir auf, dass im TV oft nur dieselben Leute zum Thema Holocaust zu Wort kommen. Eli Wiesel ist ganz gross dabei, genauso wie andere Ueberlebende, die Buecher verfasst haben.
Natuerlich kommen auch ganz "normale" Leute zu Wort, um von ihren Erlebnissen in den Konzentrationslager zu berichten und Stephen Spielberg sammelt nach wie vor Interviews.
Wie aber schaut es mit denjenigen aus, die, aus welchen Gruenden auch immer, keine Interviews geben oder mehr geben koennen ?
Von drei solchen Faellen aus meinem eigenen Leben moechte ich berichten. Drei Frauen aus zwei unterschiedlichen Kibbutzim, von denen zwei schon laenger verstorben sind. Bei der dritten Frau habe ich keine Infos darueber, ob sie noch am Leben ist.
Im Jahre 1988 war ich als Ulpan - Schueler (hebrae. Sprachkurs) im Kibbutz Revivim in der Negev.
Jeden Abend sassen wir zusammen mit den anderen Ulpanteilnehmern und Voluntaeren auf an unseren festen Tischen im Speisesaal und assen. Dabei fiel uns eine aeltere Frau auf, die sich jeden Abend mitten in unsere Gruppe setzte. Die Frau sass immer allein und musste mindestens 75 Jahre alt sein. Ihr Tablett war ueberladen mit vollen Essenstellern. Die Mengen konnte kein Mensch auf einmal essen und so stopfte sie jeden Abend alles in mitgebrachte Plastikdosen.
Von schweizer Voluntaeren, die im Speisesaal arbeiteten, hoerte ich, dass jeden Morgen der Enkelsohn kam und das wieder Essen zurueckbrachte.
Eines Abends hortete sie wieder ihr Essen und diesmal kam der Enkel dazu. Er nahm ihr das Essen weg und sie stand auf und ging. Ich weiss nicht mehr wer von uns den Enkel fragte, warum seine Grossmutter das macht. Seine Antwort war so schockierend, dass ich total vergessen habe, wer fragte. Vielleicht war ich es.
Er erzaehlte uns, dass seine Grossmutter, gebuertig aus Polen, von den Nazis im Warschauer Ghetto eingesperrt wurde. Damals hatte sie ein Baby, welches verhungerte, weil sie ihrem Kind keine Nahrung verschaffen konnte. Bis heute mache sie sich Vorwuerfe und horte Essen fuer ihr Kind.
Im Sommer 1995 nahm ich an meinem zweiten Ulpan (Kita Gimmel) im Kibbutz Givat Brenner bei Rehovot teil.
Unser Stundenplan sah so aus, dass wir immer abwechselnd einen Tag lernten und einen Tag arbeiteten. Mein erster Arbeitstag war in der Kibbutzkueche. Alle Leute, die nicht kochen koennen, arbeiten immer in der Kueche, so auch ich.
Als ich morgens ganz frueh eintraf, sah ich eine aeltere Frau Kuchen backen. Sie fiel mir sofort auf, denn der Anblick war voellig obskur. Sie war recht schlank, gross von Statur, hatte dicke Wanderstiefel an und eine Zigarette im Mund. Die Asche der Zigarette hing schon ziemlich schief und jeden Moment, so glaubte ich, wuerde sie in den Kuchenteig fallen.
Kurz danach, ohne das die Asche fiel, blickte die Frau mich an und fragte, wo ich herkomme. Ah, Deutschland sagte sie, da komme ich auch her.
Rina kam gebuertig aus dem Ruhrgebiet, war aber noch vor Hitlers Endloesung nach Israel gefluechtet. Seitdem war sie im Kibbutz.
Vor einigen Jahren sei sie einmal mit ihrer Familie in ihrem deutschen Heimatort gewesen. Einladung der Ueberlebenden von der oertlichen Stadtverwaltung incl. Treffen mit dem Buergermeister und der Presse.
Rina erzaehlte mir, dass sie in einem Kaufhaus von einer Verkaeuferin angesprochen worden war und diese fragte, wo sie denn herkomme. Israel, sagte Rina. Daraufhin erwiderte die Verkaeuferin, dass Rina wieder dahin gehen solle, wo sie herkommt. Man wolle sie hier nicht.
Diesen Vorfall erwaehnte Rina spaeter beim Buergermeister, der sich wenig interessiert zeigte. Es ging ihm mehr darum der Presse darzustellen, dass die juedischen Besucher den Bewohnern der Stadt vergeben haetten.
Rina und Familie packten ihre Sachen und reisten noch vor dem geplanten Abreisetermin ab.
Leider verstarb Rina im Juni 2000. Was mir immer in Erinnerung bleiben wird, ist die Zigarette, der tolle Schokoladenkuchen (hoffentlich ohne Asche) und ihr toller grosser Garten.
Im Speisesaal von Givat Brenner lernte ich Hilde kennen. Ueber 80 und Kuenstlerin, was ich sofort sah. Trotz ihre Alters war sie flippig. In Berlin habe sie Theater gespielt. Solange, bis Hitler das den Juden verbot. Hilde ging nach Israel und kam sofort in den Kibbutz, dessen Leben sie hasste. Aus Berlin mitten in die Einoede von Givat Brenner, wo seiner Zeit die Mitglieder noch in Zelten lebten. Vom bluehenden Theaterleben zum Kuehemelken.
Fast taeglich sassen wir morgens beim Fruehstueck zusammen. Sie kam immer mit dem Tablett auf ihrer Gehhilfe an den Tisch. Weisst du, sagte sie mir, Hitler hin oder her. Die schoenste Zeit meines Lebens verbrachte ich in Berlin, vor Hitler.
Nach sechs Monaten verliess ich den Kibbutz und zog nach Ramat Gan. Da ich derzeit noch viele Freunde in Givat Brenner hatte, fuhr ich haeufig auf Besuch. Ich hoerte, dass Hilde an Alzheimer litt. Einmal sah ich sie im kibbutzeigenen Pflegeheim. Sie kam sofort auf mich zu und begann zu weinen. Sie koenne sich meistens an nichts mehr erinnern. Ich stand nur da und wusste keine Antwort. Wir wechselten einige Saetze und ploetzlich hatte sie einen Blackout. Wenige Monate spaeter verstarb Hilde.
Es faellt mir auf, dass im TV oft nur dieselben Leute zum Thema Holocaust zu Wort kommen. Eli Wiesel ist ganz gross dabei, genauso wie andere Ueberlebende, die Buecher verfasst haben.
Natuerlich kommen auch ganz "normale" Leute zu Wort, um von ihren Erlebnissen in den Konzentrationslager zu berichten und Stephen Spielberg sammelt nach wie vor Interviews.
Wie aber schaut es mit denjenigen aus, die, aus welchen Gruenden auch immer, keine Interviews geben oder mehr geben koennen ?
Von drei solchen Faellen aus meinem eigenen Leben moechte ich berichten. Drei Frauen aus zwei unterschiedlichen Kibbutzim, von denen zwei schon laenger verstorben sind. Bei der dritten Frau habe ich keine Infos darueber, ob sie noch am Leben ist.
Im Jahre 1988 war ich als Ulpan - Schueler (hebrae. Sprachkurs) im Kibbutz Revivim in der Negev.
Jeden Abend sassen wir zusammen mit den anderen Ulpanteilnehmern und Voluntaeren auf an unseren festen Tischen im Speisesaal und assen. Dabei fiel uns eine aeltere Frau auf, die sich jeden Abend mitten in unsere Gruppe setzte. Die Frau sass immer allein und musste mindestens 75 Jahre alt sein. Ihr Tablett war ueberladen mit vollen Essenstellern. Die Mengen konnte kein Mensch auf einmal essen und so stopfte sie jeden Abend alles in mitgebrachte Plastikdosen.
Von schweizer Voluntaeren, die im Speisesaal arbeiteten, hoerte ich, dass jeden Morgen der Enkelsohn kam und das wieder Essen zurueckbrachte.
Eines Abends hortete sie wieder ihr Essen und diesmal kam der Enkel dazu. Er nahm ihr das Essen weg und sie stand auf und ging. Ich weiss nicht mehr wer von uns den Enkel fragte, warum seine Grossmutter das macht. Seine Antwort war so schockierend, dass ich total vergessen habe, wer fragte. Vielleicht war ich es.
Er erzaehlte uns, dass seine Grossmutter, gebuertig aus Polen, von den Nazis im Warschauer Ghetto eingesperrt wurde. Damals hatte sie ein Baby, welches verhungerte, weil sie ihrem Kind keine Nahrung verschaffen konnte. Bis heute mache sie sich Vorwuerfe und horte Essen fuer ihr Kind.
Im Sommer 1995 nahm ich an meinem zweiten Ulpan (Kita Gimmel) im Kibbutz Givat Brenner bei Rehovot teil.
Unser Stundenplan sah so aus, dass wir immer abwechselnd einen Tag lernten und einen Tag arbeiteten. Mein erster Arbeitstag war in der Kibbutzkueche. Alle Leute, die nicht kochen koennen, arbeiten immer in der Kueche, so auch ich.
Als ich morgens ganz frueh eintraf, sah ich eine aeltere Frau Kuchen backen. Sie fiel mir sofort auf, denn der Anblick war voellig obskur. Sie war recht schlank, gross von Statur, hatte dicke Wanderstiefel an und eine Zigarette im Mund. Die Asche der Zigarette hing schon ziemlich schief und jeden Moment, so glaubte ich, wuerde sie in den Kuchenteig fallen.
Kurz danach, ohne das die Asche fiel, blickte die Frau mich an und fragte, wo ich herkomme. Ah, Deutschland sagte sie, da komme ich auch her.
Rina kam gebuertig aus dem Ruhrgebiet, war aber noch vor Hitlers Endloesung nach Israel gefluechtet. Seitdem war sie im Kibbutz.
Vor einigen Jahren sei sie einmal mit ihrer Familie in ihrem deutschen Heimatort gewesen. Einladung der Ueberlebenden von der oertlichen Stadtverwaltung incl. Treffen mit dem Buergermeister und der Presse.
Rina erzaehlte mir, dass sie in einem Kaufhaus von einer Verkaeuferin angesprochen worden war und diese fragte, wo sie denn herkomme. Israel, sagte Rina. Daraufhin erwiderte die Verkaeuferin, dass Rina wieder dahin gehen solle, wo sie herkommt. Man wolle sie hier nicht.
Diesen Vorfall erwaehnte Rina spaeter beim Buergermeister, der sich wenig interessiert zeigte. Es ging ihm mehr darum der Presse darzustellen, dass die juedischen Besucher den Bewohnern der Stadt vergeben haetten.
Rina und Familie packten ihre Sachen und reisten noch vor dem geplanten Abreisetermin ab.
Leider verstarb Rina im Juni 2000. Was mir immer in Erinnerung bleiben wird, ist die Zigarette, der tolle Schokoladenkuchen (hoffentlich ohne Asche) und ihr toller grosser Garten.
Im Speisesaal von Givat Brenner lernte ich Hilde kennen. Ueber 80 und Kuenstlerin, was ich sofort sah. Trotz ihre Alters war sie flippig. In Berlin habe sie Theater gespielt. Solange, bis Hitler das den Juden verbot. Hilde ging nach Israel und kam sofort in den Kibbutz, dessen Leben sie hasste. Aus Berlin mitten in die Einoede von Givat Brenner, wo seiner Zeit die Mitglieder noch in Zelten lebten. Vom bluehenden Theaterleben zum Kuehemelken.
Fast taeglich sassen wir morgens beim Fruehstueck zusammen. Sie kam immer mit dem Tablett auf ihrer Gehhilfe an den Tisch. Weisst du, sagte sie mir, Hitler hin oder her. Die schoenste Zeit meines Lebens verbrachte ich in Berlin, vor Hitler.
Nach sechs Monaten verliess ich den Kibbutz und zog nach Ramat Gan. Da ich derzeit noch viele Freunde in Givat Brenner hatte, fuhr ich haeufig auf Besuch. Ich hoerte, dass Hilde an Alzheimer litt. Einmal sah ich sie im kibbutzeigenen Pflegeheim. Sie kam sofort auf mich zu und begann zu weinen. Sie koenne sich meistens an nichts mehr erinnern. Ich stand nur da und wusste keine Antwort. Wir wechselten einige Saetze und ploetzlich hatte sie einen Blackout. Wenige Monate spaeter verstarb Hilde.
Dienstag, 17. April 2007
Staubwind & Flaggen
B"H
Kurz vor meinem Feierabend hoerte ich im Radio die Nachricht, dass ein aus Aegypten kommender mysterioeser Staubwind ueber Teile Israels hinwegzieht. Anstrengungen im Freien sollen vermieden werden.
So ein Quatsch, dachte ich mir. Als ich wenige Minuten spaeter aus der Baeckerei kam, wehte mir sogleich eine volle Brise Staubwind entgegen. Widerlich. Ein trockener staubiger Wind, der die Lippen eintrocknen laesst. Werde gleich einmal meine Waesche von der Leine nehmen.
Ausserdem kam im Radio die Nachricht, dass nun doch bezueglich der Armut vieler Holocaust - Ueberlebender schnelle Hilfe geleistet werden soll. Ueberlebende sollen z.B. bei Arztbesuchen bis zu 70% Preisnachlass bekommen, genauso wie fuer Medikamente (in Israel muss man fuer Medikamentenkosten ueberwiegend selbst aufkommen).
Auf der Arbeit warten wie gewoehnlich alle auf den naechsten Feiertag, an dem nicht gearbeitet wird. Naechste Woche Dienstag ist es soweit. Israel feiert Unabhaengigkeitstag. Der Tag kuendigt sich immer durch das Aushaengen der israel. Landesfahne an. Aber nicht nur an Gebaeuden, sondern auch an Autos.
Viele Strassenkreuzungen im Land sind voll mit Jugendlichen, die dort kleine Flaggen mit Plastikanhaenger fuer 10 Shekel (2 Euro) an die Autofahrer verkaufen.
Diese israelische Mentalitaet ist mir voellig suspekt und in Deutschland wuerden die Gesetzeshueter sicher ausrasten; da stehen Leute an Kreuzungen mitten auf der Strasse und sobald die Ampeln fuer die Fahrer auf rot springen, gehen die Verkaeufer zu den Fahrzeugen und bieten den Fahrern die Flaggen an. Bezahlt wird am Autofenster.
Nicht nur Flaggen werden auf diese Weise verkauft. Auch wird so gebettelt oder zu Wahlzeiten werden Sticker verschiedener Parteien verteilt. Wohlgemerkt alles an einer roten Ampel und mitten auf der Strasse. Heute sah ich am Jerusalemer Sacher Park einen palaestinensischen Jugendlichen israel. Flaggen verkaufen.
Ich lebe mehr als 10 Jahre in Israel, doch an diese Sitte kann ich mich nicht gewoehnen. Vielleicht sollte ich einmal einen Tag Flaggen verkaufen. Ob ich dann richtiger Israeli bin ?
Kurz vor meinem Feierabend hoerte ich im Radio die Nachricht, dass ein aus Aegypten kommender mysterioeser Staubwind ueber Teile Israels hinwegzieht. Anstrengungen im Freien sollen vermieden werden.
So ein Quatsch, dachte ich mir. Als ich wenige Minuten spaeter aus der Baeckerei kam, wehte mir sogleich eine volle Brise Staubwind entgegen. Widerlich. Ein trockener staubiger Wind, der die Lippen eintrocknen laesst. Werde gleich einmal meine Waesche von der Leine nehmen.
Ausserdem kam im Radio die Nachricht, dass nun doch bezueglich der Armut vieler Holocaust - Ueberlebender schnelle Hilfe geleistet werden soll. Ueberlebende sollen z.B. bei Arztbesuchen bis zu 70% Preisnachlass bekommen, genauso wie fuer Medikamente (in Israel muss man fuer Medikamentenkosten ueberwiegend selbst aufkommen).
Auf der Arbeit warten wie gewoehnlich alle auf den naechsten Feiertag, an dem nicht gearbeitet wird. Naechste Woche Dienstag ist es soweit. Israel feiert Unabhaengigkeitstag. Der Tag kuendigt sich immer durch das Aushaengen der israel. Landesfahne an. Aber nicht nur an Gebaeuden, sondern auch an Autos.
Viele Strassenkreuzungen im Land sind voll mit Jugendlichen, die dort kleine Flaggen mit Plastikanhaenger fuer 10 Shekel (2 Euro) an die Autofahrer verkaufen.
Diese israelische Mentalitaet ist mir voellig suspekt und in Deutschland wuerden die Gesetzeshueter sicher ausrasten; da stehen Leute an Kreuzungen mitten auf der Strasse und sobald die Ampeln fuer die Fahrer auf rot springen, gehen die Verkaeufer zu den Fahrzeugen und bieten den Fahrern die Flaggen an. Bezahlt wird am Autofenster.
Nicht nur Flaggen werden auf diese Weise verkauft. Auch wird so gebettelt oder zu Wahlzeiten werden Sticker verschiedener Parteien verteilt. Wohlgemerkt alles an einer roten Ampel und mitten auf der Strasse. Heute sah ich am Jerusalemer Sacher Park einen palaestinensischen Jugendlichen israel. Flaggen verkaufen.
Ich lebe mehr als 10 Jahre in Israel, doch an diese Sitte kann ich mich nicht gewoehnen. Vielleicht sollte ich einmal einen Tag Flaggen verkaufen. Ob ich dann richtiger Israeli bin ?
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